Samstag, 24. Dezember 2016

Hermann von Veen, Stuttgart, 10.12.16


Konzert: Hermann van Veen
Ort: Beethovensaal in der Liederhalle Stuttgart
Datum: 10. Dezember 2016
Dauer: mindestens 140 min
Zuschauer: 2000
  

Mutter, was kommt nach dem Tod?
Die Rechnungen.

Vor drei Jahren hatte ich ein sehr bewegendes Konzert mit Hermann van Veen erlebt. Als für 2016 Termine für die neue Albumtour angekündigt wurden, gab es kein Zögern, Karten für Stuttgart im Dezember zu besorgen, zumal die Liederhalle dort ein sehr schöner Rahmen für ein Konzert zu werden versprach. Tatsächlich war das Konzert im 2000 Personen fassenden Beethovensaal ausverkauft. Und auf der Bühne waren diesmal sogar acht Personen. Vom letzten Konzert kannten wir außer Hermann van Veen noch

  Edith Leerkes (Gitarre & Gesang)
  Jannemien Cnossen (Violine & Gesang).


Sie wurden diesmal durch die sehr jungen Musiker

  Saskia Egtberts (Violine & Gesang)
  Rikkert van Huisstede (Klarinette & Gesng)
  Robin Scherpen (Gitarre)
  Kees Dijkstra (Bass)
  Yordi Petit (Schlagzeug)

 
unterstützt. 

 

Mit dem aktuellen Programm Fallen oder Springen sind die acht schon seit Ende Februar immer wieder auf Tour durch Deutschland, die Niederlande und Frankreich - und auch im neuen Jahr wird es noch weitere Termine geben. Überall erwarten Hermann van Veen die treuen Freunde seiner Musik in meist ausverkauften Konzerten. Auch in Stuttgart hatte ich den Eindruck, dass sich hier ein mit dem Künstler vertrautes Publikum versammelte, das wohl schon einige Stuttgarter Konzerte mit Hermann van Veen erlebt hatte. Der Beginn des Konzertes hatte dann auch etwas von einem Jahrgangstreffen. Hermann van Veen erzählte z.B. zu Beginn von seiner Mutter, die olympisches Gold in den Hausfrauendisziplinen verdient gehabt hätte und von seiner Kindheit auf der Montessori-Schule. Er griff tief in die Oldie-Kiste mit Que Será, Boogie Woogie, Besamé mucho und Marina, Marina, Marina. Ein wenig Quatsch mit Soße und einer Geschichte über die Peinlichkeiten bei einer kürzlich nötig gewordene Intimrasur. Ich kam mir vor wie im falschen Film, zumal das nicht meine verklärte Jugend ist (was aber nach dem Taktklatschen und Zwischenlachern bei vielen andern wohl so war).

 

Aber es wurde besser und es gab später vieles, was für mich wohlig an den Besuch des letzten Konzertes anknüpfte: Die Solomomente für alle jungen Mitmusiker (alle exzellent). Die vielen Sprachen. Ein Alfred Jodokus Quak Moment (der wird auch schon 40 Jahre alt). Der Quatsch inklusive Körperkomik vor allem von ihm selbst, aber auch im angedeuteten Kampf mit den Geigenbögen. Kurz wurde auch aktuellste Politik berührt, denn was sagen wir unseren Kindern, wenn es für einen Politiker ok ist offen zu lügen und andere Menschen herab zu setzen?! Leider fehlte der inzwischen verstorbene langjährige Gefährt am Klavier: Erik van der Wurff.

Lüg mich bitte nicht an über Sterben,
denn so lang es uns noch gibt,
find' ich das Zugangslose, nicht mitzuteilen,
was du denkst, schlimmer
und so viel toter.

 


Auch diesmal gab es die Momente mit feuchten Augen in allzu wahren Momenten - Anne - auch als es darum ging, wie sich Menschen anmaßen, im Namen Gottes die Liebe zwischen zwei Frauen zu verdammen.

Mein Herr
Wo wohnt der Gott der findet dass meine Tochter nur
Männer lieben darf


Alles macht was aus
Die Fliege auf dem Pferdeapfel sie macht was aus
Jede ausgesproch’ne Meinung sie macht was aus

 


Oder das Lied über die unbekannten Kinder in vielen Sprachen vorgetragen:

Für die die missbraucht ertrunken
oder chancenlos in den Asphalt gefahren wurden


 


Sehr berührend und in vielen Sprachen, hopsend und so wahr ist mir Anders anders in Erinnerung geblieben und das Lied der ziehenden Kraniche für die gefallenen Soldaten (und für seinen Vater).  Ein sehr starker Moment, der auch Hoffnung und Mut spendete war ein Song mit drei Sets von Trommeln und Konfetti. Natürlich musste es trotz schon ausführlichen zwei Halbzeiten noch Zugaben geben. Sie begannen mit einem Klatschkonzert - von vorn dirigiert - dann durften wir mehrstimmig mitsingen und ein Schlussreim auf gehen legte (eigentlich) ein Ende der Zugabe nahe. Aber die Zugaben zu den Zugaben sind ja bei Hermann van Veen Legende und ein weiterer berührender Moment war  "Früher hieß dieses Lied Später". Ein kürzlich verstorbener Freund, dessen Lieder er schon mit Anfang 20 im Programm hatte: Leonhard Cohen und Susanne (Mitschnitt aus Stuttgart 2013). Es folgte ein Wiegenlied solo am Klavier und ein tänzerisches Stück als Rausschmeißer. Als alle Musiker die Bühne hier verließen, verließen wir auch die Liederhalle nach sehr intensiven fast 2,5 Stunden Konzert.


Wahrscheinlich gab es noch mehr für die ausdauernden Klatscher.

Aus unserem Archiv:
Hermann van Veen, Karlsruhe, 14.11.13 


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