Samstag, 4. April 2015

Antilopen Gang, Düsseldorf, 02.04.15


Konzert: Antilopen Gang
Ort: ZAKK in  Düsseldorf
Datum: 2. April 2015
Zuschauer: 1000 ausverkauft


Bericht von Dirk aus Mönchengladbach - Vielen Dank!

Deutscher Rap und das Konzerttagebuch sind sich bisher eher selten näher gekommen. Hier soll aber eine berechtigte Ausnahme der Regel erfolgen. Doch beginnen wir am Anfang.

Den ersten Kontakt mit der Antilopen Gang hatte ich vor vielen Jahren als die damals schon nicht jungen Musiker mir auf dem Open-Source-Festival in Düsseldorf begegneten. Sie spielten damals keineswegs auf einer der noch so kleinen Bühnen, und so entstand Ihre Idee sich auf dem kleinen Markt des Festivals selber in einem Party-Pavillion zu präsentieren. Anstatt CDs oder Jutetaschen an den Mann bringen zu wollen, boten die Antilopen die Präsentation von Songs gegen Geld. Zusätzlich bestand die Möglichkeit sich von der Band gegen eine Spende 2 Minuten mit spontanen Raps dissen zu lassen. 



Diesen Spaß konnte ich nicht ablehnen, und  es hat sich gelohnt. Bestimmt für beide Seiten, denn nicht nur mir blieb diese clevere Aktion noch lange im Gedächtnis. Eine “echte” CD erschien leider auch in Folge nicht. Erst als ich las, das die Antilopen nun bei JKP (dem Label der TotenHosen) unterschrieben hätten, nahm das Ganze fahrt auf.

Der Bezug zu den Hosen mag zunächst abwegig klingen, aber es gibt diverse Punkte die die beiden verbinden. Beide aus Düsseldorf, der Name Anti-(l)ope(l)nGang ist wohl eine Hommage an den Titel der ersten Hosenplatte Opel Gang, der Bezug zum Punk in diversen Zitaten (“Deutsch-Rap muss sterben, damit wir leben können”) und auch die Songstrukturen. 



Die Liste der Anspielungen und Referenzen ist zu lang um sie hier ausführlich zu behandeln. Fakt ist: Die CD der Antilopen Gang ist wirklich sehr gelungen, selten hörte ich bessere deutsche Texte voller Ironie und messerscharfem Verstand. 

Und so spielte die Gang gestern das zunächst letzte Konzert Ihrer ersten größeren Deutschland-Tour im ZAKK. Lt. Bühnenansage mit rund 1000 Menschen das bisher größte der Bandgeschichte. Der Aufbau eher karg 3 Mikrofone, ein Keyboard und ein aus alten Ölfässern gezimmertes Schlagzeug.



Das Publikum eine herrliche Mischung aus Rastalockenmädchen, coolen Jungs, uncoolen Jungs, Typen mit Slime T-shirts und alten Männern. Der Verlauf des Konzertes war bizarr. Auf der Bühne Rap und im Publikum Pogo der alten Schule. Der ganze Saal tanzte und sprang als gäbe es kein Morgen. Hier werden wirklich Genregrenzen gesprengt, das ganze noch mit politisch hochkorrekten Texten. Wie vom Punk gewohnt ist es sehr linkslastig, aber selbst dies immer mit einem Augenzwinkern. Die Band präsentiert sich als “AntlopenOutlaws, ja wir sind die Aussenseiter” und es klingt weder anbiedernd noch arrogant.

Alte und neue Songs bilden einen gesunden Mix. Ein Track wird mit The Way it is von Bruce Hornsby neu interpretiert, was sich den jüngeren im Publikum nicht erschlossen haben dürfte. Am Ende noch die Single Beate Zschäpe hört U2 und Tracks aus dem Aschenbecher Album.



Danach ist Schluss, der Schweiß wird getrocknet und alle wünschen diesen schon jetzt in Würde gealterten, mitten im Leben stehenden Musikern….j a was wünscht man Ihnen: Größere Hallen, oder einfach nur weiter von dem Leben zu können, was Sie seit Jahren auch bereits in kleinstem Rahmen präsentiert haben. Deutschen Rap ohne Peinlichkeiten, falschen Egos und dummen Idealen. Diese Band empfiehlt der Vater seinen Kindern und hat selber Spaß dabei.    



1 Kommentare :

Michael Vin hat gesagt…

Naja, inhaltlich sind die Texte wohl als fragwürdig und wären definitiv keine Empfehlung an meinen Kindern. Ansonsten aber guter Bericht!
Schaut auch mal bei uns auf vactum.com vorbei.
LG Michael

 

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