Freitag, 31. August 2012

Festival Rock en Seine bei Paris zweiter Tag, 25.08.12


Festival Rock en Seine bei Paris zweiter Tag, mit Toy, The Bots, Bass Drum Of Death, Granville, Hyphen Hyphen, The Bewitched Hands, Maximo Park, Noel Gallaher, The Black Keys u.v.a. Ort: Domaine National de Saint Cloud bei Paris Datum: 25.08.12 Zuschauer: etwa 35.000



Der zweite Festivaltag bei Rock en Seine begann für mich wie der erste begonnen hatte: mit einem französischen Act auf der kleinen Scène de l'industrie. Nur war es heute wärmer als gestern und vom Regen sollten wir verschont bleiben. Gut so, denn Sonnenschein passte auch besser zu dem kessen Surfpop der aus der Normandie stammenden Band Granville. Angeführt von einer feschen brünetten Sängerin mit buntem Blumenkleid namens Melissa machte die vierköpfige Gruppe aus Caen von Anfang bis Ende viel Dampf und erfrischte mit unschuldigen Sacharose-Melodien, die sich einem sofort in die Gehörgänge schraubten. Viel Charme und 60ies Feeling also und diese Mischung aus François Hardy und Nouvelle Vague Bands der 1980 er Jahre gefiel mir auf Anhieb.Wohlgemerkt, es wurde auf französisch gesungen! Mit frechem Schmollmund und meist verlorenem Gesichtsausdruck intonierte Melissa die Texte, während ihre Jungenband gutgelaunt drauflosspielte. In dem nicht sehr langen Set habe ich mindestens drei veritable Hits ausgemacht und der vielleicht größte hieß Jersey. "Alles hat in Jersey angefangen" lautete der Refrain und man fragte sich was genau. Die Geschichte der Band? Die Liebe der Sängerin zu ihrem Freund? Was auch immer, mitwippen und mitsingen war angesagt! Keine schwere Kost zu Beginn des Tages, schließlich wollten wir ja noch alle lange durchhalten. Durchhalten ist auch das Stichwort für diejenigen, die nach dem gelungenen Auftritt neugierig geworden sind. Auf ein erstes Album muss man sich nämlich noch ein paar Monate gedulden. Ich denke ich werde zuschlagen. Eine auf französisch gesungene CD macht sich sicherlich gut in meinem Regal, in dem es vor englischen Werken nur so strotzt.





Englisch dann auch Gesang und Herkunft der nächsten Band namens Toy. Die langmähnigen Burschen mit der rotblonden Keyboarderin spielten auf der Scène pression live und gingen durchgängig in die Vollen. Ihr Sound: eine Mischung aus Shoegaze, Krautrock und Post Punk. Sie werden regelmäßig mit den Horrors verglichen die sie auch bereits schon supportet haben, aber ihre Musik ist vielschichtiger als man ursprünglich denkt. Immer wieder nisteten sich diese typisch krautrockigen repetetiven Rhythmen mit ein und auch Bloody Valentinsche Noisemomente hatte das Set zu bieten. Gesanglich erinnert mich das an Echo & The Bunnymen oder die Chameleons, alte Post Punk Heroen der frühen 1980 er Jahre also, aber es gab auch viele Passagen, in denen gar nicht gesungen wurde und nur ein dichter, sehr lauter Gitarrenteppich auf die in der Sonne brütenden Festivalbesucher herniederging.

Die Songs hießen Left Behind Myself, Strange oder Kopter und werden höchstwahrscheinlich auf dem Mitte September bei Rough Trade erscheinenden Album drauf sein. Wenn Toy es geschafft haben, ihren hypnotischen und durch Mark und Bein gehenden Livesound wenigstens halbwegs auf den Tonträger zu bannen, dürfte das ein dufte Longplayer werden!

Left Myself Behind by ...TOY...

TOY - Dead & Gone by ...TOY...




Die nächste Band, die ich mir ansah, hieß dann Hyphen Hyphen und kam aus dem südfranzösischen Nizza. Ein Quartett bestehend aus zwei Jungs und zwei Mädels, die in Kriegsbemalung und im Falle der Männer mit nackten Oberkörper aufliefen. Und geanauso kriegerisch wie ihre Hautbemalungen gebärdeten sich die jungen Menschen dann auch. Die blonde Sängerin hatte eine sagenhafte Power und trieb ihre Gruppe pausenlos nach vorne. Stilistisch war das Ganze nicht so leicht einzuordnen. Es gab eine elektronische, sehr rhythmische Komponente, aber auch opulenten, mit Pailletten besetzten Indiepop. Alle Stücke waren sehr tanzbar und druckvoll und mit glitzernden Synthiepassagen geschmückt.


Meine Neugierde war jedenfalls geweckt, obwohl ich das Set nicht zu Ende ansah, weil ich nun zu Maximo Park wollte, die zeitgleich auf der Hauptbühne spielten. Mit Paul Smith und seiner in Deutschland ungemein populären Band (in Frankreich deutlich weniger) hatte ich micht lange nicht mehr beschäftigt, spätestens nach dem dritten Album war mein Interesse weitestgehend erloschen. Aber die Post Punker taten mir einen Gefallen und spielten am Ende des Sets nur alte Sachen. Limassol, I Want You To Stay, Our Velocity, By The Monument und natürlich der Überhit Apply Some Pressure, all dies kannte ich noch und ich erfreute mich dran. Hinterher erfuhr ich dann, daß von dem dritten Album Quicken The Heart (2009) kein einziger Song gespielt wurde, was wohl alles über die Qualität dieses Outputs besagt. Das was ich noch gehört habe, war aber nicht zu beanstanden. Druckvoll drang der zackige Sound aus den Boxen, Paul sprang wie immer meterhoch in die Luft (bzw. in den parisian sky?), hatte natürlich seinen schwarzen Bowler Hut auf und schien überdies bester Laune. Ob dies reicht, mir Maximo Park dieses Jahr noch einmal in einem Club anzusehen, bleibt aber noch abzuwarten.

Setlist Maximo Park, Rock en Seine 2012

01: Girls Who Play Guitars
02: Hips And Lips
03: Graffiti
04: Write This Down
05: Going Missing
06: Books From Boxes
07: The Undercurrents
08: Limassol
09: I Want You To Stay
10: Our Velocity
11: By The Monument
12: Apply Some Pressure


Nach Maximo Park lief ich den weiten Weg von der Grande Scène zur Scéne Pression live, um mir die blutjungen The Bots anzusehen. Zwei afroamerikanische Brüder, erst 19 (Mikaiah, der Gitarrist) und 15 (!) (Anaiah, der Drummer) Jahre alt, die respektlos und mit Vollgas drauflosspielten. Das war saftigster Garagenrock, vergleichbar mit dem der jungen White Stripes, der das Publikum gewaltig aufmischte. Rotzfrech schrammelten sich die in weiß gekleideten Brüder in die Herzen des Publikums und amüsierten sich dabei königlich. Eine blonde Dame filmte das Ganze von der Bühne, was nahelegte, daß dieses Konzert heute eine ganz große Sache für das junge Duo war. The Bots nutzten ihre Chance, sich Gehör zu verschaffen. Der Tinnitus, den sie mir bereiteten, begleitete mich noch den ganzen Festivaltag über. Keine Frage, das war ein Hammer! Dranbleiben ist angesagt!


Für mich persönlich war aber jetzt erstmal wieder rüberlaufen zur Grande Scène angesagt. Dort spielten bereits die Belgier Deus. Die Kultband um den charismatischen Sänger Tom Barman hatte ich ebenso wie Maximo Park in den letzten Jahren vernachlässigt, obwol sie zweifelsohne immer gute Musik und Alben gemacht haben. Ich kam angelatscht, als gerade Girls Keep Drinking (ist der Titel eigentlich Realität? In Frankreich zumindest nicht. Leider!) gespielt wurde und war kurze Zeit später überrascht, mit Quatre Mains einen französischen Chanson zu hören. Deus auf französisch, das kannte ich noch nicht, aber man lernt ja nie aus. Der Rest lief dann irgendwie sehr schnell ab. Ghost, Keep You Close, Bad Timing und Suds & Soda mit eingesprenkelten Passagen von Sabotage von den Beastie Boys, Tom Barmans ganz eigene Artm dem vor ein paar Monaten verstorbenen Adam Yauch seine letzte Ehre zu erweisen. Insgesamt ein solides Set von Deus, das aber viel zu kurz war, um richtig auf seinen Geschmack zu kommen. Aber so sind Festivals, wer von allem ein wenig sehen will, bekommt nur halbe Konzerte geboten, eine Erfahrung die einem coitus interruptus nicht unähnlich ist.

Setlist Deus, Rock en Seine 2012:

01: The Architect
02: Constant Now
03: Instant Street
04: Girls Keep Drinking
05: Quatre Mains
06: Ghost
07: Keep You Close
08: Bad Timing
09: Suds & Soda

Erneuter Bühnenwechsel und wieder zurück auf die elend weit enfternte Scène de la pression live. Hätte es Kilometergeld gegeben, ich wäre an diesem Wochenende reich geworden. Die langmähnigen Bass Drums Of Death standen an und spielten einen krachigen Neo-Grunge. In ihrem Set hatte dann logischwerweise auch ein Nirvana Cover ihren Platz, mit Balladen und Kuschelrock hielten sich die Burschen nicht zu lange auf. Eine Gruppe aus Mississippi im Übrigen, die bei Fat Possum gesignt ist und sein Debütalbum in diesem Jahr releast hat. Hörenswert!


Nächste Band, die ich mir ansah: The Bewitched Hands auf der Scène de L'Industrie. Insidern bekannt geworden unter: The Bewitched Hands On The Top Of Your Heads, aber seit geraumer Zeit mit dem kürzeren Namen unterwegs, haben die sechs Musiker aus Reims in der Champagne inzwischen schon so einige Fans auf ihrer Seite. Nachvollziehbar, denn ihre quicklebendige Musik, die vor tollen Referenzen nur so strotzt (The Pixies, Clap Your Hands Say Yeah, Grandaddy, The Shins, The Neutral Milk Hotel), zieht einen auf Anhieb in ihren Bann. Da gibt es solch unfassbar meodiöse Gitarrenparts, solch euphorisierende Harmoniegesänge, daß man nicht lange in seinem Schmollwinkel verweilt. Die Songs kannten ich aber in der Regel nicht, sie stammten in der Mehrheit vom neuen Album Vampiric Way, das in drei Wochen erscheinen soll. Ich selbst habe Nachholbedarf, muss erst einmal den Vorgänger Birds & Drums noch einmal richtig hören.


Gutes Konzert!

The Bewitched Hands waren mir so wichtig, daß ich sogar auf große Teile des gleichzeitig auf der Hauptbühne stattfindenden Konzertes von Noel Gallager und seinen Highflying Birds verzichtet hatte. Dabei merkte ich schon nach ein paar Minuten, daß der ex-Oasis Mann in fabelhafter Form war. Musik voller Klasse und Brillanz drang aus den Boxen, der Sound war exzellent und Noel stimmlich tadellos aufgelegt. Oasis Lieder versüßten mir den Abend und die Engländer im Publikum rasteten aus. Junge Mädchen ließen sich von ihren Freuden auf den Schultern tragen, sahen nun von oben dem Spektakel zu und sangen jede einzelen Songzeile mit. "I'm free to be whatever I whatever I choose and I'll sing the blues if I want I'm free to say whatever I whatever I like if it's wrong or right, it's alright...

Nach Don't Look Back in Anger war aber auch schon Schluß. Aber was für ein Abschluß das war! Magische vier Minuten, in denen wundervolle Chöre des Publikums den Gesang von Noel unterstützten und 20 Tausend Leute "So Sally can wait she knows it's too late as we're walking on by her souls slides away but don't look back in anger I heard you say" aus voller Kehle sangen. Das war toll, egal was man von Noel und Oasis hält und ich glaube es gab keinen, der dieses Ende nicht genossen hatte.

Setlist Noel Gallager & The High Flying Birds, Rock en Seine 2012:

01: (It's Good) To Be Free
02: Everybody's On The Run
03: Dream On
04: If I Had A Gun
05: The Death Of You And Me
06: (I Wann Live In A Dream In My ) Record Mchine
07: Aka...What A Life!
08: Talk Tonight
09: Aka...Broken Arrow
10: Half The World Away
11: Stranded On The Wrong Beach
12: Whatever
13: Don't Look Back In Anger

Noel hatte zum Abschied gesagt: "enjoy the Black Keys!" Diese würden nämlich als Headliner des heutigen Freitags den Abend beschließen. Um vorne mit dabei zu bleiben, entschied ich mich zu warten, obwohl dies 1 Stunde Rumsteherei bedeutete. Dann aber rief mich meine Frau an und wollte essen gehen. Ich dachte, daß ich locker wegkommen würde, um mir dann noch den Schluß der Black Keys anzusehen, aber das war zu optimistisch gedacht. Ich hörte zunächst die ersten drei Lieder des Sets und kämpfte mich dann unter ganz erheblichen Mühne durch die riesigen unbeweglichen Menschenmassen, bis ich etwa 20 Minuten später endlich von der Hauptbühne weg war. Nach dem Essen an einem afrikanischen Stand (köstlich!) fehlte mir dann völlig die Kraft, mich noch einmal nach vorne durchzuarbeiten. Das überließ ich jüngeren Leuten. Die Black Keys sind ohnhin nicht meine absolute Lieblingsband, wenngleich ich ihren enormen Erfolg toll finde. Wennn man vergleicht und sieht, welche ätzenden anderen Bands große Festivals anführen, sind die Black Keys mit ihrem bluesig-schnörkellosen Garagensound eine sehr geschmackvolle Wahl. Tausendmal besser als Placebo und Green Day (igitt!) die die anderen beiden Tage bei Rock en Seine anführten.

Setlist The Black Keys, Rock en Seine 2012:

01: Howlin' For You
02: Next Girl
03: Run Right Back
05: Same Old Thing
05: Dead And Gone
06: Gold On The Ceiling
07: Thickfreakness
08: Girl Is On My Mind
09: Your Touch
10: Little Black Submarines
11: Money Maker
12: Strange Times
13: Nova Baby
14: Everlasting Light
15: Tighten Up
16: Lonely Boy
17: I Got Mine



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