Mittwoch, 14. Dezember 2011

Smith & Burrows, Paris, 07.12.11


Konzert: Smith & Burrows
Ort: La Flèche d'or, Paris

Datum: 07.12.2011
Zuschauer: etwa 250

Konzertdauer: circa eine Stunde



"Weihnachten und Musik passen nicht zusammen. Ab November ist Radiohören noch tabuer als im restlichen Jahr. Das Gedudel, das uns (bzw. den anderen) dann als weihnachtlich verkauft wird, ist noch deutlich unerträglicher als der gewöhnliche Popabfall und hat wirklich gar nichts mit Musik zu tun. Geht weg, ihr fiesen Para-Musiker und Radiomusikredakteure! Möge eure Weihnachtsgans widerlich tranig schmecken für das alljährliche akustische Waterboarding!" (Zitat Christoph)

Zum Konzert von Smith & Burrows zu gehen, die ihr Weihnachtsalbum Funny Looking Angels präsentieren würden, barg also ein gewisses Kitsch- und Schmalzrisiko, dem ich mich eigentlich nicht aussetzen wollte. Ich tat es dennoch, weil am gleichen Abend First Aid Kit und die famose Liz Green (ich berichtete hier) auf dem Programm standen.

Von den verdammt früh angestzten First Aid Kit sah ich leider nur ein Lied, Liz Green dann komplett und Smith & Burrows schließlich auch in voller Länge. Ich rechne es mir und meiner Toleranz hoch an, daß ich beim Konzert des Editors Sängers und des Ex-Razorlight Schlagzeugers bis zum Ende aushielt. Was die beiden zusammen mit einer apparten Cellistin und ein paar anderen Musikern (darunter ein Trompeter) kredenzten, war nämlich an Schmalz-und Kitsch schwerlich zu überbieten. Es triefte aus allen Ecken! Dabei hatte es eigentlich nicht übel begonnen. Mit dem üblichen Knautschgesicht und seinem unnachahmlichen Dackelblick intonierte Tom Smith das Black Cover Wonderful Live und ließ mich irrigerweise glauben, daß man hier und heute ein feines, reduziertes Konzert hören würde, bei dem der Editors typische Pathos und Bombast weggelassen und stattdessen auf filigranere Töne gesetzt wird. Auch die Akustikversion von Pappilon ging mir noch gut ins Ohr und The Weight Of The World war ebenfalls brauchbar.

Im Verlaufe des Konzertes, bei dem auch Andy Burrows singen durfte (If I Had A Heart, America, Before I Fall To Pieces) wurde es aber immer gezuckerter und schmalztriefender. Freilich, die Arrangements waren wirklich gelungen und sehr harmonisch, das Cellospiel gefühlvoll, die Pianoparts gediegen. Aber irgendwann wurde der Bogen einfach überspannt. Zuviel Herzschmerz, zuviel weihnachtliche Gefühlsduseligkeit, zu viele "ohs" und "ahs" stießen mir am Ende übel auf. Spätestens als die beiden Burschen dann auch noch weiße Engelsflügel auf ihre Rücken banden, war die Grenze zur Seichtheit weit überschritten. Und wer hatte eigentlich Bock auf das Yazoo Cover Only You? Das Original war doch schon scheiße!

Ich hätte mir Smith & Burrows gut bei "Wetten daß?" vorstellen können. Sülzige, glattgeschmirgelte Unterhaltung für die ganze Familie. Nein, das war wirklich nix für mich! Da höre ich mir doch lieber die Weihnachts-Songs von Low an, die verstehen was von geschmackvoller adventlicher Berieselung.

Auszug aus der Setlist Smith & Burrow, La Flèche d'or, Paris:

- Wonderful Live (Black Cover)
- Papillon (Editors)
- The Weight Of The World (Editors)
- Only You (Yazoo Cover)
- America (Razorlight)
- Before I Fall To Pieces (Razorlight)
- Half A World Away (REM Cover)
- The Christmas Song








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