Sonntag, 11. November 2007

Foals, Lightspeed Champion & The Twang, Paris, 09.11.07


Konzert: The Twang, Lightspeed Champion & Foals

Ort: La Boule Noire, Paris
Datum: 09.11.2007
Zuschauer: nicht mehr arg viele am Ende...


Als die Cold War Kids in der Cigale ihr Konzert beendet hatten, zogen die hartgesottenen Indie-Fans weiter in die gleich nebenan gelegene Boule Noire. Dort stand ein englischer Abend auf dem Programm. Starten sollten diesen die fünf Typen der Band Foals mit ihrem Leader Yannis Philippakis, der es auf Anhieb in die neue "Cool-List" des NME (Platz 45, Nummer 1 ist in diesem Jahr der tätowierte Frank Carter von den Gallows ) gebracht hat. Es stellte sich natürlich sofort die Frage, ob die Band wirklich so cool war und vor allem, ob ihre Musik etwas taugte. Die beknackte Coolness-Frage mal außer Bertracht gelassen , kann ich durchaus ein positives Fazit ziehen. Foals boten ein fetziges, art-punkiges Set, daß die kleine Boule Noire ordentlich aufmischte. Klang irgendwie wie Bloc Party auf Speed, oder auch wie Forward Russia, bloß hörbarer. Musik-Nerds sehen in dem Stil wohl auch einen Hauch Math-Rock, aber auch Leute, denen Battles zu anstrengend sind, sollten mit Foals etwas anfangen können. Ob das jetzt die neue Musiksensation aus England ist, will ich an dieser Stelle offen lassen, aber beschäftigen sollte man sich mal mit den wilden Buben. Am besten gleich mal auf ein Konzert gehen, wenn sie in Deutschland spielen und dichtgedrängt über die Bühne fegen!

Die (recht kurze) Setlist von Foals in der Boule Noire Paris umfasste u.a.:

- Mathletics
-Balloons
- Cassius
-Two Steps Twice
- Hummer

Mehr Photos von Foals hier

Danach war Lightspeed Champion dran. Der farbige Sänger kam mir irgendwie bekannt vor. Wo hatte ich den schon mal gesehen?, fragte ich mich die ganze Zeit. Dann fiel es mir wie Schuppen von den Haaren, klar, der spielte doch damals bei den Test-Icicles die rosafarbene Gitarre. Mit seiner Band hatte er mir 2005 eines der beschissensten Konzerte geboten, die ich je beim Festival Des Inrocks gesehen hatte. Der Sound war hundsmiserabel, der Auftritt poserhaft und die meisten Lieder äußerst dürftig. Hielt den britischen NME trotzdem nicht davon ab, von den Test-Icicles in den höchsten Tönen zu schwärmen. Half aber nix, die Band mit dem dämlichen Namen löste sich kurze Zeit später auf. Ein paar Monate später entfachten die Klaxons mit einem sehr ähnlichen Stil einen riesigen Hype. Wenn ihr meine Meinung zu New-Rave wissen wollt: Dogshit!! Aber die Test-Icicles waren definitiv die ersten und vor den Klaxons da!

Mit dem Projekt Lightspeed Champion kommt Devonte Hynes (was ist das für ein Vorname?) ,
nun eletronisch-folkig daher. Ein bißchen so wie Patrick Wolf, mit dem er demnächst touren wird. Wird die Musik dadurch besser? Robert Gil, der französische Photograph war in seinem Urteil zu dem Konzert hinterher gnadenlos: c'était chiant! Wie bitte Robert? Er wiederholte noch einmal auf deutsch: scheiße! Na, na, so schlecht war das doch gar nicht. Das Geigenspiel von Ex Hope Of The States Mann Mike Siddell war eine willkommene Abwechslung zu den krachenden Gitarren, die man ansonsten an dem Abend so hörte und Devonte sang auch ganz herzallerliebst. Ich fragte mich bloß, von wem er "Galaxy Of The Lost" abgekupfert hatte. Das kannte ich irgendwoher, lediglich in einer anderen Verpackung. "Midnight Surprise" klang auch wie eine Cover-Version, war aber wohl keine. "Heart In A Cage" hingegen schon. Klar, den Song von den Strokes kennt ja nun wirklich jeder und in der Version von Lightspeed Champion war er auch gar nicht so übel. Mit welchem Projekt taucht Devonte demnächst wohl auf? Macht er dann auf Blues-Rock?

Setlist Lightspeed Champion, La Boule Noire, Paris, Festival Les Inrocks:

01: Galaxy Of The Losing
02: Devil Tricks For A Bitch
03: Heart In A Cage (The Strokes Cover)
04: No Surprise
05:Tell Me What It's Worth
06: Fucksucker
07: Midnight Surprise

Nach dem Konzert von Lightspeed Champion hatten sich schon die meisten Leute verdrückt und The Twang traten vor halbleeren Rängen auf.
Lediglich ein kleines Grüppchen feister, rotwangiger und fettbäuchiger Engländer tanzte vor der Bühne wie von der Tarantel gestochen. Zwischen diesen ganzen Suffköppen ging aber auch ich ab wie ein Zäpfchen. Die Jungs von The Twang dachten gar nicht daran, sich die Laune verderben zu lassen, sie waren bestens aufgelegt und hingen sich voll rein. Dann spielen wir halt eben für 20 Leute, dachten sie sich wohl und grinsten über beide Backen. Ihr Set glich fast schon einem "Best-Of" und das obwohl sie erst ein Album veröffentlicht haben, das mit erheblicher Verspätung in Frankreich erschienen ist. "Play "Cloudy Room", play "Cloudy Room", schrie einer der besoffenen Engländer hinein, als The Twang gerade "Either Way" beendet hatten. Sachte, sachte, schien der ständig grinsende Sänger mit seiner Handbewegung aussagen zu wollen, das kommt später. Ein wenig Geduld bitte! Recht hatte er, denn sind "Two Lovers" und "Wide Awake" nicht ähnlich gelungen wie der geforderte Wunschtitel? Natürlich sind sie das, beides grandiose Lieder! Genauso grandios und urkomisch war, daß sich die beiden Sänger vom Publikum Zigaretten schnorrten, die sie auch spontan zugeworfen bekamen. Und zwar nicht von irgendwem, denn in der Menge standen der schöne Sänger Richard und andere Bandmitglieder von Hard-Fi. Aber nicht nur die, auch die Subways waren da! Starbesetzung also in den Rängen bei einem super Konzert, das natürlich mit "Cloudy Room" spektakulär beendet wurde.

Mehr Photos von The Twang

Setlist The Twang, La Boule Noire, Paris, Festival Les Inrocks:

01: The Neighbour
02: Loosely Dancing
03: Either Way
04: Ice Cream Sunday
05: Push The Ghosts
06: Two Lovers
07: Wide Awake
08: Cloudy Room



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