Dienstag, 8. September 2015

Foals, Luxemburg, 05.09.15

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Konzert: Foals
Ort: den Atelier, Luxemburg
Datum: 05.09.2015
Dauer: Foals gut 80 min, Formation 30 min
Zuschauer: rund 800 (ausverkauft)



Luxemburg ist so etwas wie die ausgleichende Gerechtigkeit für den miesen Trend, daß immer mehr Bands nur noch in Berlin auftreten und den Rest Deutschlands ignorieren. Je größer eine Gruppe, desto mehr Länder bereist sie. Das bedeutet aber auch weniger Städte pro Land im Tourplan. Bands aus der Kategorie New Order z.B. kommen dann einfach nicht mehr nach Köln. Luxemburg dagegen liegt perfekt zwischen Paris und Brüssel (aus Booker-, nicht aus Erdkundlersicht) und passt daher gut in Reisepläne. Dazu sind die Säle toll aber auch eine Spur kleiner als unsere. Also ist die Rockhal oder das Atelier oder das Exit07 schon seit Jahren der Tipp, dieser Berlin-only Gruppen doch zu sehen.

Das deutsche Foals-Konzert ist wie so oft eines in der Hauptstadt; daß im Atelier in Luxemburg nicht nur grenznahe Besucher aus Deutschland waren, war daher nicht überraschend. Das Atelier war restlos ausverkauft und knackig voll. Neben den in Luxemburg üblichen Briten und Franzosen waren viele Deutsche da. 


Die Vorgruppe des Abends war gut ausgewählt. Formation sind ein um Livemitglieder erweitertes Bruderpaar und stammen aus Südlondon. Ganz grob gehört die Musik der Band ins Genre, dem auch Foals angehören, was auch immer das sein mag. Allerdings klingen die Songs der Engländer viel funkiger als die der Foals (ihnen wird eine Nähe zu ESG angedichtet). Ein, zwei Lieder gefielen mir gut, irgendwann nervten aber die immer wieder eingesetzten Kuhglocken ganz gehörig. Hängengeblieben ist bei mir von Formation nichts. Der halbstündige Auftritt kam aber allgemein gut an, vermutlich werden Formation also nicht sofort wieder verschwinden.


Schuld daran, warum Formation schnell wieder weg aus meinem Gedächtnis waren, waren die Foals. Nach dem ersten Lied war die Richtung des Abends klar. Es würde ein Knallerkonzert werden - und das wurde es. Die neue Platte der Band aus Oxford, die vierte, ist vor wenigen Wochen erschienen und krachiger als die Vorgänger. Mir gefällt das gut. Das Konzert begann dann auch mit einem dieser Stücke (Snake oil), das mir live gut gefiel, vor allem der Joy Division Sound von Gitarre und Bass und dem einer der Überhits (Olympic Airways) folgte. Spätestens jetzt hüpfte der Saal. Es bildeten sich vor der Bühne erste Circle pits! Vielleicht stand das im Zusammenhang mit der Tatsache, das wahnsinnig viele Rock am Ring-Kappen im Publikum zu sehen waren, da gehören solche Rock-Formationstänze (quasi der Lambada der Rockmusikfreunde) ja zur Folklore (habe ich gehört). Ich fand es ungewöhnlich und ein wenig lästig, immer mal wieder ein paar Schritte nach hinten gehen zu müssen, bis der Ringelpiez vorne wieder vorbei war. Jedenfalls war die Stimmung atemberaubend gut im Atelier. Der kleine Saal war viel vollgestopfter als unsere Clubs das bei "ausverkauft" sind. 


Auch das zweite der neuen Stücke, die Single Mountain at my gates, war vollkommen überzeugend und eines der besten Lieder des Abends. Die "schwierige zweite Platte" ist ja meist nicht das Problem bei Bands, die "enttäuschende dritte", die "katastrophale vierte"... sind es. Wer solche Kracher auch noch in der Phase, in der vielen die Ideen ausgehen, schreibt, macht offenbar vieles richtig.

Bei Providence kletterte Frontmann Yannis Philippakis zum ersten Mal ins Publikum. Das war aber nur der Appetitanreger. Später bei Inhaler stieg der bärtige Sänger die Treppe hoch auf den Balkon - mit Gitarre -, kletterte über die Brüstung und stieg auf die entgegengereckten Hände der Leute unten. Stunt Nummer eins. Bei der Zugabe, den Weg kannte er ja jetzt, ging er wieder nach oben und sprang kopfüber ins Publikum! Es ging gut.

Das Konzert war eine sagenhafte Party, vom ersten Song an. Dafür hätte sich auch eine Tour nach Berlin gelohnt. Aber in Luxemburg ist ja mindestens genauso nett. Und viel näher.

Setlist Foals, den Atelier, Luxemburg:

01: Snake oil
02: Olympic Airways
03: My number
04: Mountain at my gates
05: Birch tree
06: Providence
07: Spanish Sahara
08: Red socks pugie
09: Late night
10: A knife in the ocean
11: Inhaler

12: What went down (Z)
13: Two steps, twice (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Foals, Köln, 20.03.13 
- Foals, Paris, 27.08.10
- Foals, Haldern, 07.08.08
- Foals, Evreux, 28.06.08
- Foals, Paris, 16.04.08
- Foals, Paris, 21.02.08
- Foals, Paris, 09.11.07


Montag, 7. September 2015

Owen Pallett, Essen, 06.09.15

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Konzert: Owen Pallett & s t a r g a z e
Ort: PACT Zollverein, Essen
Datum: 06.09.2015
Dauer: gut 70 min
Zuschauer: knapp 350 (wohl ausverkauft)



Als ich vor einigen Monaten sah, daß Owen Pallett im September zwei Konzerte im Rahmen der Ruhrtriennale spielen würde, wollte ich da natürlich hin, hocheuphorisch war ich allerdings nicht. Owen Palletts Konzerte sind grundsätzlich toll, ich habe aber eine ganze Menge davon in den letzten Jahren gesehen. Mal Owen alleine, mal mit mehr oder weniger rockiger Band, mal als Final Fantasy, mal unter seinem Namen. Daß in Essen ein Orchester dabei sein würde, war auch nicht vollkommen neu, in Eindhoven hatten wir den Kanadier schon mit einem großen Ensemble in einer Kirche gesehen.

Als ich ein paar Stunden vor dem Konzert nach der Anfangszeit suchte, fand ich die Beschreibung des Abends und den Hinweis, Owen Pallett spiele mit dem s t a r g a z e Ensemble Stücke eines neuen, unveröffentlichten Albums. Und schon war meine Aufmerksamkeit da. 

Das PACT auf dem Gelände der Zeche Zollverein ist einer dieser modernen Theaterräume in einer ehemaligen Industrieanlage. Der Gang vor dem Saal ist weiß gefliest, was uns vermuten ließ, daß hier früher die Bergleute geduscht haben werden. Der Raum selbst hat hohe Decken, eine hervorragende Lichtanlage und war vorne fünf Reihen bestuhlt und hatte hinten eine Tribüne. Auf der Bühne stand ein Flügel und um ihn eine Menge Notenständer, ganz links ein Schlagzeug.

Um kurz nach acht traten die Musiker des s t a r g a z e Orchesters auf, fünf Bläser (Horn, Posaune, Oboe, Saxophon und Bassflöte), fünf Streicher (Kontrabass, Cello, drei Geigen) und ein Schlagzeuger (und Glockenspielist). Owen Pallett kam nach einer kleinen Kunstpause dazu und stellte sich zunächst ans Mikro vorne am Bühnenrand und begann On a path von der letzten Platte In conflict.

Bei seinen Konzerten in einem weniger hochkulturellen Rahmen spielt der Kanadier Violine und Keyboard und baut die Songs mit seiner Loop-Technik auf. Er nimmt kleine Melodie- oder Rhythmus-Schnippsel auf, spielt darauf etwas anderes und bastelt so nach und nach die Lieder zusammen. Das ist enorm spannend anzusehen und klingt viel aufregender als meine Beschreibung vermuten lässt. Bevor er das macht fliegen allerdings seine Stiefel im hohen Bogen in die Ecke. Owen Pallett ist Barfuß-Künstler.

Der Abend in Essen war komplett anders. Owen behielt die Schuhe an und spielte nur Klavier. Seine Geige, sein rotes Keyboard und die Loopstation waren nicht mitgekommen. Aber natürlich fehlte nichts an seiner üblichen Souveränität, obwohl es erst das dritte Konzert mit diesem Orchester war. Sänger, die sonst immer auch ein Instrument spielen, wirken oft schrecklich hilflos, wenn sie nur singen sollen. Davon war Owen Pallett nichts anzumerken, wenn er alleine vor dem Mikro stand und sich nicht aufs Loopen oder sein Keyboard konzentrieren musste.

On a path stand die orchestrale Begleitung ausgezeichnet. Ich bin zu wenig Experte, um die Güte eines Orchesters seriös beurteilen zu können. Die elf Musiker des Ensembles unter Leitung von André de Ridder klangen in meinen Ohren aber fantastisch. Wenn er nicht sang, drehte sich Owen Pallett zur Seite und beobachtete die Musiker.

Nach On a path erklärte der Kanadier, was uns erwartete. Er arbeite an einem neuen Album namens Island, das sich inhaltlich an sein vorletztes Heartland anschließe und u.a. inspiriert sei von der deutschen Romantik. In einem Lied werde Protagonist Lewis (der auf Heartland schon auftauchte und u.a. sein Hemd auszog) "fucked into space", damit ende die Platte.

Selbstverständlich kannte ich keines der neuen Lieder, leider auch keine Titel. Daher ist es etwas mühsam, sie zu beschreiben, vor allem, weil die Instrumentierung dann letztendlich vermutlich eine andere sein wird. Die ersten drei dieser Lieder gingen ineinander über. Owen Pallett saß dabei am Klavier. Das erste neue Stück (mit der Textzeile "this emptiness is a gift") begann sehr getragen mit schweren Bläsern, bevor mit dem Einsatz der Streicher etwas Luftigkeit dazukam. Ein toller Einstieg! Das anschließende zweite Stück war durch einen Schlagzeug-Rhythmus eine Spur flotter und hätte von Hearland stammen können. Wie schwer es ist, über solche unveröffentlichten Lieder zu schreiben, habe ich jetzt hoffentlich bewiesen.

Alle neuen Stücke - Owen spielte neun, also mindestens einen Großteil der Platte - waren hervorragend, keines langweilig. Drei ragten für mich heraus, Lewis is fucked into space, das mit Flöten- und klackernden Schlagzeug-Tönen begann und mich damit an Step into my office, baby von Belle & Sebastian erinnerte, dann ein sehr getragen klingender Song unmittelbar davor (im Text kommt der Inhalt seines Magens vor und die Zeile "we made a pact") und das fünfte Stück mit viel Glockenspiel und Bläsern, von dem ich leider keinen Text mitbekam.

Das - die neuen Stücke, die wundervolle Instrumentierung, der fabelhafte Klang im Saal - machte die ersten zehn Lieder (On a path und die neuen) schon zu einem riesigen Vergnügen. Ich hätte gar nicht mehr gebraucht für ein perfektes Konzert, halte mich mit solchen Aussagen aber zurück, da der Sänger irgendwann fragte, ob wir den German Music Opinion twitter kennten. Dort seien Kritikpunkte von deutschen Konzertbesuchern gesammelt, denen ausländische Bands ausgeliefert seien. Am ersten Abend in Essen habe ein Gast ihn gefragt, warum er nur 60 min gespielt habe? "Weil sie mich gebeten hatten, 60 min zu spielen." Daß es am Sonntag länger ging, gefiel mir aber auch ohne Angst vor Twitter-Ruhm gut. 

Nach den letzten Tönen des letzten neuen Lieds machte Owen eine Kreisbewegung. Ich verstand das als Hinweis, The Arctiv Circle spielen zu wollen, das Orchester auch. Es folgte ein weiterer seiner alten Songs, als er noch als Final Fantasy Musik gemacht hat, The Pooka sings. "I don't know if I played this one before!" (auch auf die Gefahr hin... click).

Die Zugaben, die wir dem mündigen Konzertgänger vom Vorabend zu verdanken hatten, begannen mit The secret seven von In conflict, das Owen Pallett alleine am Klavier spielte. Das Orchester setzte sich zwanglos auf den Bühnenboden. Das war eine dieser Sachen, die die Musiker grundsympathisch machten. Da war nichts Aufgesetztes auszumachen. Sie machten ihren Job offenbar mit großer Freude und genossen den Auftritt. Davon daß das Publikum sich voll und ganz auf die Musik konzentrieren konnte, lenkten allenfalls die zum Teil (für einen Laien wie mich) ungewöhnlichen Instrumente ab (die Flöte und das sehr lange Saxophon). Und das wundervoll schwarz-weiß gestreifte Kleid der Flötistin.

Zum letzten Titel I'm not afraid spielte das s t a r g a z e Ensemble wieder mit. Das plötzlich einsetzende Schlagzeug war dabei ein besonderer Moment.

Islands wird eine tolle Platte, gar kein Zweifel. Eine der Premieren (jaja, ist Quatsch) mit solch aufregender Instrumentierung miterlebt zu haben, war aber sicher noch eine ganze Ecke toller. Und wie schön, daß die "habe ich alles schon gesehen"-Ignoranz, die ich an mir so hasse, sich als großer Blödsinn rausgestellt hat.

Setlist Owen Pallett & s t a r g a z e, PACT Zollverein, Essen:

01: On a path
02: neu ("this emptiness is a gift")
03: neu
04: neu ("collapsing buildings")
05: neu

06: neu ("we talked about the drugs")
07: neu ("wild horses")
08: neu ("we made a pact")
09: neu ("fucked into space")
10: neu ("mistaken for a planet")
11: The Arctic Circle (Final Fantasy)
12: The Pooka sings (Final Fantasy)

13: The secret seven (Z)
14: The riverbed (Z)
15: I am not afraid (Z)

Links: 

- aus unserem Archiv:
- Owen Pallett, Storkow, 22.08.15
- Owen Pallett, Münster, 15.04.15
- Owen Pallett, Karlsruhe, 30.11.14
- Owen Pallett, Köln, 29.11.14
- Owen Pallett, Dresden, 17.06.14
- Owen Pallett, Paris, 11.12.12
- Owen Pallett, Düsseldorf, 26.05.12
- Owen Pallett, Eindhoven, 11.11.11
- Owen Pallett, Köln, 23.06.11
- Owen Pallett, Paris, 22.02.11
- Owen Pallett, Eindhoven, 18.02.11
- Owen Pallett, Paris, 01.06.10
- Owen Pallett, Barcelona, 28.05.10
- Owen Pallett, Frankfurt, 15.03.10
- Final Fantasy, Haldern, 14.08.09



Les concerts de la semaine à Paris du 7 au 13 septembre 2015

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Les concerts de la semaine à Paris du 7 au 13 septembre 2015



Plein de beaux concerts à cette semaine de rentrée. Tout le monde attends les deux Grand Rex du sublime Sufjan Stevens (photo archive par Christoph Konzerttagebuch ©), ca va être quelque chose !

07.09.2015: House Of Wolves et Manolo Redondo, Le Pop In
08.09.2015: Sufjan Stevens Le Grand Rex, complet
08.09.2015: Van Gogh Superstar, Le Môtel
08.09.2015: Sonny And The Sunsets, Espace B
08.09.2015: VKNG, Le Baron, 24h

09.09.2015: Sufjan Stevens et Mina Tindle, Le Grand Rex, complet
09.09.2015: The Shivas et Mary Bell et Miaow Miaow The Tiger, Espace B
09.09.2015: Dawes, La Boule Noire
09.09.2015: Little Barrie, Point Ephémère
10.09.2015: Rendez-Vous et Marble Arch et Venera 4, Divan Du Monde
10.09.2015: Baio, Pop Up Du Label, complet
10.09.2015: White Note et Elise Mélinand, Théatre de Menilmontant
10.09.2015: Pomme, Café de la Presse 
10.09.2015: Inès Desorages, Le Limonaire
10.09.2015: Teach Kid Manners, La Bellevilloise
11.09.2015: Les Traversées du Marais,  avec Burning Peacocks et Tahiti 80, Musée Picasso, complet
11.09.2015: Showcase This Is The Kit chez Penny Lane, 19h30
11.09.2015: Black Strobe, Petit Bain
11.09.2015: Fête de l'Huma: 20h30 Clarys, puis 22h Les Innocents, Scène Zebrock
11.09.2015: Lower, Espace B
12.09.2015: Roisin Murphy, Trabendo
12.09.2015: Nathan Roche, Olympic Café
12.09.2015: Rach Tree, Chair de Poule
12.09.2015: Fête de l'Huma, Scène Zebrock: 15h40, Inigo Montoya, 17h10 Robi, 19h Einleit, 20h30, We Insist
13.09.2015: Peter von Poehl, Musée Picasso, complet
13.09.2015: Jonny Montreuil, Fête de l'Huma, Scène Zebrock, 14h
13.09.2015: Clio, Le Réservoir



Donnerstag, 3. September 2015

The Luxembourg Signal, Ripley, 26.07.15

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Konzert: The Luxembourg Signal
Ort: Midlands Railway Centre, Ripley (Indietracks Festival)
Datum: 26.07.2015
Dauer: 42 min
Zuschauer: einige Hundert



Meinen Rückweg vom Indietracks Festival nutzte ich, um endlich einmal Bristol zu besuchen. Die Stadt in der Nähe des Kanals, der England und Wales trennt, hat erstaunlich viele große Künstler hervorgebracht (Nik Kershaw, Bananarama, Tears for Fears - aber auch Massive Attack und Portishead). In die Popgeschichtsbücher gehört die Stadt aber wegen des (laut NME zweit-) besten Platten-Labels aller Zeiten - Sarah Records.


Auf Sarah erschienen zwischen 87 und 95 unzählige* Hits von Indiepop-Perlen wie Heavenly, den Field Mice, St. Christopher oder Another Sunny Day. Zwei der letzten Singles im Sarah-Katalog stammten von Aberdeen, einer Twee-Pop Band aus der Rock-, Rap- und RnB-Stadt Los Angeles, die sich 2005 auflöste. Irgendwann 2014 machte die Nachricht die Runde, daß Ex-Aberdeen-Mitglieder eine neue Band gegründet hätten - das war mein erster Kontakt mit The Luxembourg Signal. Das erste Lied, das man damals hören konnte, reichte für so etwas wie einen Hype (in Twee-Pop Kreisen sind auch Hypes eher niedlich), die angekündigte Platte wollte jeder haben. The Luxembourg Signal erschien im Oktober bei Shelflife und war schnell ausverkauft. Und all die hohen Erwartungen ("you’re alredy in love with the band, and you haven’t even heard them yet" - Austin Town Hall) waren so berechtigt, die Platte ist durch und durch brillant und war mein Liebling des vergangenen Jahres.  

Daß ich die Band live sehen wollte, war die logische Folge, daß das Indietracks, also das Sarah-Records unter den Festivals, die Band einladen würde, natürlich auch. 


Die Ansetzung am Sonntag auf der Indoor-Stage fand ich zunächst unglücklich. Die Lokwerkstatt-Halle ist klanglich soviel komplizierter als die Openair-Bühne. Die hohen Decken und der viele leere Raum hinter der Bühne lassen viele tolle Bands etwas fade klingen. Als es am Sonntag aber ununterbrochen regnete, war mir die Halle mehr als recht.


Der Raum, in dem auch die Bar mit den vielen ungekühlten Cider- und Bierfässern  untergebracht ist, war voll, als The Luxembourg Signal mit großer Besetzung auf die Bühne kamen. Neben den Aberdeen-Mitgliedern Beth Arzy (Gesang), Kelly Davis (akustische Gitarre), Brian Espinosa (Schlagzeug) und Johnny Joyner (Gitarre) gehörten Ginny Pitchford (Keyboard), Betsy Moyer (Gesang) und Daniel Kumiega (Bass) zum Lineup. 


Die Band hat zehn Jahre an den Songs der Platte gearbeitet. Beth lebt in London, der restliche Band-Kern in LA. Aber es gab keinen Zeitdruck, wie The Luxembourg Signal in einem Interview auf der Festival-Seite erklärten. Daher wurde an der Musik gearbeitet, wenn die Sängerin in den USA war.

Das Konzert begann wie die Platte mit dem grandiosen Dying star. Obwohl sie erst ganz wenige gemeinsame Auftritte hatten - eigentlich sollte der auf dem Indietracks der erste sein - und die Instrumentierung so umfangreich war, klang es sehr gut, so als spielten The Luxembourg Signal schon Jahre gemeinsam. Nunja, das machen sie ja auch zum großen Teil. Aber eben anders. 




Die Funktion der zweiten Sängerin Betsy Moyer hatten wir nicht ganz verstanden, weil in Beth Arzy ja eine hervorragende Frontfrau da war. Aber auch dafür wird es Gründe geben. Natürlich war auch der Klang im Bahnschuppen nicht perfekt. Alles andere war es schon. Was für eine großartige Band und was für tolle Lieder!



Nach fünf Stücken vom Album kündigte Beth ein neues Lied an. Ob das Lied (Arbeitstitel Laura Palmer) auch in den zehn Jahren oder nach der Veröffentlichung der Platte entstanden ist, weiß ich nicht. Es begann sehr ruhig, wurde dann besser und besser und blieb mir als Hit im Ohr. Also haben die verstärkten Aberdeens bzw. Trembling Blue Stars mit den Knüllern Distant drive, Dying star oder We go on (!) noch nicht alles Pulver verschossen. Wo die herkommen, gibt es noch mehr.

Zum Abschluß des kurzen Sets spielten The Luxembourg Signal noch ein fremdes Lied. Vermutlich nicht, weil sie kein eigenes mehr geprobt hatten. Mir schien das eher zielgruppenorientiert zu sein. Let's make some plans von den Close Lobsters, einer Band, die auf der C86 Kassette des NME vertreten war, war wohl mehr ein kleines Mitbringsel für das Twee-Pop-Publikum in Ripley als ein Weg, die 40 min voll zu bekommen.



Wie so oft gilt leider auch hier, daß man grandiose Bands wie The Luxembourg Signal wohl nur auf dem Indietracks sehen kann. Aber macht ja nichts, da bin ich nächstes Jahr ja auch wieder. Und was mir seit ich das erste Stück der Band gehört habe, durch den Kopf ging, fasste Beth schön in Worte: "thanks Johnny for writing the fucking amazing songs!"

Setlist The Luxembourg Signal, Indietracks, Ripley:

01: Dying star
02: She loves to feel the sun
03: Heaven
04: Distant drive
05: Wishing pool
06: Laura Palmer (neu)
07: We go on
08: Let it go
09: Let's make some plans (Close Lobsters Cover)


* leider doch nur endlich viele.




Dienstag, 1. September 2015

Safetyville, Adorf, 29.08.15

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Konzert: Safetyville
Wohnzimmerkonzert in der Scala Adorf
Datum: 29. August 2015
Dauer: 75 min
Zuschauer: knapp 30


Unser Urlaub war dieses Jahr erst kurz vor  knapp "eingetütet". Hilfestellung für eine Entscheidung, wohin es gehen könnte, bot uns schließlich die Einladung von Michael zum Wohnzimmerkonzert in die Scala nach Adorf mit Isa Meiner aka Safetyville aus Köln (*). Wir genossen diesen letzten Samstag im August - einen wunderschönen Sommertag am Rande des Ergebirges zu einem großen Teil im Schatten im Garten. Zum Beispiel auch damit, Wetten darauf abzuschließen, ob die Königin der Nacht wohl noch an diesem Abend eine ihrer fünf Blüten öffnen würde...


Am Nachmittag wurde der Raum vorbereitet und nach einem Ausflug zum Chemnitzer Hauptbahnhof reihte sich die Künstlerin in unsere entspannte Runde unter dem Kirschbaum ein. Die Zeit bis zum Abendessen verging wie im Flug und bald trafen auch die Gäste ein. Alles heiter und entspannt und zum genießen. Wie konnte es anders sein, dass sich anschließend auch alle mit offenem Herzen der Musik von Safetyville zuwenden würden?


Der Abend begann jedoch zunächst mit der Aufführung des Filmes über das letzte WOZOPA in Kamerun, das dieses Jahr zum zweiten Mal stattgefunden hatte. Die 15 min fassten den Tag furios und treffend zusammen und rief für viele Anwesende die mit erlebten Highlights wieder in Erinnerung. 


Die Musik von Isa hat klare Anklänge an englischsprachige Folkmusik in ihrer musikalischen Färbung und der Ernsthaftigkeit der Texte, die immer Destillat von Erlebtem sind. Mit Ruhe und Ernsthaftigkeit - oft auch mit Wundern und Unverständnis auf das was uns geschieht schauend. Fäden spannen sich von Herz zu Herz bis ein dichtes Netz die Herzensregungen und Bewegungen in jeder Ecke des Raumes auf alle übertragen konnte. Mit Applaus wurde nicht gespart. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir aus der ersten Hälfte die sehr eigene Bearbeitung von Big in Japan - immerhin ein Knallerhit aus meiner Jugend... Der hier viel tiefer blicken ließ als in der mir gewohnten poppigen Variante.


In der Pause zeigte sich schließlich, dass zwei der fünf Blüten der Königin uns die Freude machten und sich in ihrem ganzen verrückten Übermut genau an diesem Abend zeigten. Es wurde geschwatzt, getrunken und die Künstlerin umlagert, mit Fragen fast schon bedrängt und der Sommerabend im Garten genossen. Bevor zur zweiten Runde geklingelt wurde. Auch hier wieder volle Aufmerksamkeit und voller Genuss. Und so voller Gleichklang, dass sogar im Klatschen vorbewusste Einigkeit herrschte und mehrfach der Applaus wie auf Befehl endete.



Für Bonny & Clyde gab es spontane Rückmeldung aus dem Publikum, dass das ja wohl passen würde wie die Faust aufs Auge. Eine erste Zugabe versuchte, einen ruhigen und tröstlichen Schlußpunkt zu setzen mit einem wunderschönen Wiegenlied und es war schon etwas Besonderes, dass das Publikum die Künstlerin auch danach noch nicht gehen lassen wollte, und noch eine zweite Zugabe erbeten wurde: Leaving Song. Hinterher sagte jemand, es wäre überhaupt das beste Stück des Abends gewesen. Aber vielleicht lag hier einfach besondere in Resonanz zur eigenen Situation vor...

Und da hatte wohl jede und jeder einen Herzenssong gefunden.


(*) ... Und andererseits das Programm von Alínae Lumr in Storkow.

Setlist:
01: Everything Right
02: Far Away
03: Neu - "capo2"
04: What it is
05: Reason
06: Big in Japan (Alphaville-Bearbeitung)
07: Lost Empires
- Pause -
08: Right behind
09: Home
10: Once
11: Passing Strangers
12: War
13: Neu "capo5" (The sky falls)
14: Bonnie & Clyde

15: Lullaby for Amelie (Z)

16: Leaving Song (Z)


 


 

Konzerttagebuch © 2010

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