Freitag, 7. Dezember 2012

Hrsta, Matana Roberts, Thee Silver Mt. Zion, München, 21.11.12

0 Kommentare

Konzert: Hrsta, Matana Roberts, Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra
Ort: Hansa 39, München
Datum: 21.11.2012

Vorbemerkung (von Oliver):



Auch in Paris gab es Konzertabende zur Feier des 15. Geburtstages von Constellation Records, aber ich habe es leider nicht dorthin geschafft. Zum Trost hier aber nun ein Bericht von Blogger-Wimbledonsieger (Sieg gegen Federer in fünf Sätzen) Eike Klien.* Erstveröffentlichung auf seinem Klienicum.

Drei Acts, die höchste Konzentration erforderten, die für sich stehend eigentlich genügten. Der Abend im Hansa 39 zu München, angesetzt als Teil der 15 Jahr Feier des kanadischen Labels Constellation Records, hatte es in sich. Die musikalische Güte, die das Unternehmen unter seinem Dach hütet, ist unbenommen, ihr Ausstoss zuweilen schwitzig und brachial. Was durfte man also erwarten? Viel! Was bekam man? Enorm viel! Zunächst starteten Hrsta, zuvorderst das Projekt von Mike Moya, den man auch als Gründungsmitglied von Godspeed You! Black Emperor kennt. Unter dem im Sanskrit getroffenen Bandtitel erzeugt er weirdfolkiges abseits von Klangsperenzchen, die durchsichtige Stimme tut dabei ihr Übriges. Mit Hilfe von Brooke Crouser (Jackie-O-Motherfucker), der neben einer E-Gitarre auch ein Tonbandgerät inkl. Effekten bediente, wurde ein eigenwilliger wie einnehmender Klangkosmos erarbeitet. Schleifen über Gitarrensaiten, Bögen, die sich über den Stahl zogen, entzerrt und getrieben, ausdrucksstarker Gesang, Liedformen, die sich wie von selbst ergaben. Das hatte was von Hohelied und priesterlicher Klage. Mit "Silver Planes" und "Holiday" blieben zwei beeindruckende songs aus dem recht kurzen Set in Erinnerung. Auch Moya schien noch nicht ganz warm gelaufen sein, da mussten er und sein Kompagnon bereits wieder die Bühne räumen. Die Band kann man, muss man im Auge behalten, wenn einem offene Arrangements, Soundfahrten und lichtes Spiel taugen. Mir hat es sehr gefallen. Vor allem diese Art von Understatement, obwohl man mit großer handwerklicher Kunst konfrontiert war. Das launige Gitarrenspiel täuschte allzu gern über die Meisterschaft hinweg. Das hatte Stil. 


Die Reihen lichteten sich kurzzeitig, doch schon bald huschte eine Erscheinung durchs alte Industriegemäuer. In rotes Tuch gewandet, mit Halstuch ausgestattet und einer schwarzen Weste, stiefelte in schweren Schuhen Matana Roberts auf die Bühne. Was für ein Anblick! Die Erzeugerin der letztjährigen Großtat "coin coin chapter one: gens de couleur libres" stand tatsächlich vor uns. Allein mit ihrem Alto Sax und aufgeräumt, offenherzig und zugewandt. Ein Ausbund an empathischer Hingabe. Freudige Erregung allenthalben, vorangetrieben durch ihr expressives Spiel, durch ihren Variantenreichtum, durch den ekstatischen Drang. Die Klappen ihres Instruments wurden geradezu geschlagen, ihr Schließen war wohl bis zum Ende des bemessenen Raums zu hören. Das Atmen der Künstlerin und das Blasen in ihr Saxophon wurden eins. Ein Atemzug entstand, aus dem heraus sich die Töne filterten. Klare Noten, gepresstes, Noten, die Hiebe erhielten, andere, die reingewaschen ans Ohr des Hörers gelangten, Noten, Noten, Noten. Auszüge aus dem benannten Album erklangen. Doch vielmehr war sie hier. Unterhielt, sprach an, rezitierte, mahnte und nahm ernst. Die Schnellschüsse, die Aalven schossen geradewegs ins Publikum und erhielten Rückstoss und dankbaren Applaus. Nicht zuletzt sang man gemeinsam den Refrain des Oscar Brown jr. Songs "Bid' Em In". Ein einvernehmliches Gestalten, da wir, wenn es das entsprechende Zeichen gab, sonor brummten und Roberts die Textzeilen sang, das vielfache "bid 'em in! get 'em in!" aber intonierten wir gemeinsam, ein Fest: 

"Bid 'em in! Get 'em in! That sun is hot and plenty bright. Let's get down to business and get home tonight. Bid 'em in! Auctioning slaves is a real high art. Bring that young gal, Roy. She's good for a start. Bid 'em in! Get 'em in! Now here's a real good buy only about 15. Her great grandmammy was a Dahomey queen. Just look at her face, she sure ain't homely. Like Sheba in the Bible, she's black but comely. Bid 'em in! Gonna start her at three. Can I hear three? Step up gents. Take a good look see. Cause I know you'll want her once you've seen her. She's young and ripe. Make a darn good breeder. Bid 'em in! She's good in the fields. She can sew and cook. Strip her down Roy, let the gentlemen look. She's full up front and ample behind. Examine her teeth if you've got a mind. Bid 'em in! Get 'em in! Here's a bid of three from a man who's thrifty. Three twenty five! Can I hear three fifty? Your money ain't earning you much in the banks. Turn her around Roy, let 'em look at her flanks. Bid 'em in! Three fifty's bid. I'm looking for four. At four hundred dollars she's a bargain sure. Four is the bid. Four fifty. Five! Five hundred dollars. Now look alive! Bid 'em in! Get 'em in! Don't mind them tears, that's one of her tricks. Five fifty's bid and who'll say six? She's healthy and strong and well equipped. Make a fine lady's maid when she's properly whipped. Bid 'em in! Six! Six fifty! Don't be slow. Seven is the bid. Gonna let her go. At seven she's going! Going! Gone! Pull her down Roy, bring the next one on. Bid 'em in! Get 'em in! Bid 'em in!"


Dass Matana das deutsche Publikum erkorte, zum besten, dass sie Liebe verteilte mit offenen Händen, dass sie viel zu kurz da war, geschenkt. Sie hielt hier inne, und nur das zählt. Wir haben sie mit allen Sinnen erfahren. Es bleibt kaum noch Platz für Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra. Und doch darf man das kanadische Ensemble keineswegs unter den Tisch fallen lassen. Nicht zuletzt, weil viele Zuschauer wegen ihnen gekommen waren. Und wenn bspw. "13 Blues For Thirteen Moons" erschallte, wusste auch der Letzte, worin die Faszination dieser Band liegt. Die dynamische Wucht, die nach zehrend langem Anlauf aus düsterem Schlagwerkpoltern, flehenden Geigenlauten, angedeuter Bassline, verhaltenem Gitarrenwirken und mahnendem Gesang entstand, pustete den befangensten Hirnkasten frei. Der Blues rollte so gewaltig, dass er sich locker in jeder Ecke der Halle breit gemacht hatte, als die letzte Sekunde schwerfällig verhallte. Doch die Musik ist diffiziler und akzentuierter, als diese Worte belegen wollten. Der Klangfarben sind viele trotz oder wegen des eingeschränkten Instrumentariums. Durchwirkte Kollektivarbeit, mal drohend, dann aufgeräumt und statisch, dann wieder von Efrims hellem Gesang dominiert, in der Violinenkontrolle gefangen, von der Drumsgebärde bedroht. Im Chor erfährt der Trotz Belebung, im Innehalten wächst die Spannung. Die vier arbeiteten sich in Reife und in Konzentration durch ihr Set. Auch eine gerissene Bassseite brachte sie nicht aus dem Konzept. Die Frage nach Fragen ins Publikum blieb leider weitgehend ungenutzt. Denn was sollte der gelockte Sänger schon auf "wo ist deine Jacke?" antworten? oder wie sollte er "warum seid Ihr so gut?" parieren? er antwortete "üben, üben, üben." 

* das Foto von Roberts stammt von Eike Klien, die anderen beiden sind Archivpics von Oliver Peel.


Concerts à venir à Paris en décembre 2012

0 Kommentare

Concerts à venir à Paris en décembre 2012




L'année 2012 est presque finie, mais il reste quelques concerts intéressants quand même. On m'a dit plein de bonnes choses de la tournée actuelle d'Efterklang qui vont jouer le 13 décembre au Café de la Danse. Mais bon, il y a aussi Marie-Flore, Farewell Poetry, Rozi Plain ou Peter Hook qui vont sûrement donner des chouettes concerts aussi!
 

Décembre
 
01.12.2012: Crystal Castles, Le Trianon, complet
01.12.2012: Local Natives, Point Ephémère, complet

01.12.2012: Happy Mondays, Le Trabendo
01.12.2012: I Heart Sharks, International
01.12.2012: Slow Club, La Maroquinerie
01.12.2012: Fidlar, Espace B
02.12.2012: Dark Dark Dark, La Maroquinerie, complet

02.12.2012: Mac Demarco & Chris Cohen & Arlt, Point Ephémère
03.12.2012: Suuns, Point Ephémère

03.12.2012: The Spinto Band
03.12.2012: DIIV, Nouveau Casino
03.12.2012: Django Django, Le Trianon

03.12.2012: Erin Lang & I Love UFO & Nicolas Haas, L'International
03.12.2012: The Apartements, showcase gratuit chez French Touch, 1 rue Jaquemeont,75017 Paris, 13 h, gratuit
03.12.2012: The Apartments, Théatre des Bouffes du Nord
04.12.2012: Ravens & Chimes, Showcase gratuit à la Fabrique des Balades Sonores, 13 h

04.12.2012: Mathieu Boogaerts, Le Trianon
04.12.2012: Django, Django, Studio SFR, Apéro Rock Oui FM
04.12.2012: Alexis Gideon, Le Pop In, gratuit 
04.1.2.2012: Sarah-Jeanne, Showcase au China
04.12.2012: Ravens & Chimes & The Luyas, Espace B
04.12.2012: The Luyas & Stealing Sheep, Point Ephémère, annulé,The Luyas déplacé à L'Espace B
04.12.2012: The Jon Spencer Blues Explosion, Le Bataclan

05.12.2012: Ben Gibbard (Death Cab For Cutie), Le Café de la Danse
05.12.2012: Nights Beds, Showcase Boutique Frago, 18 h, gratuit
05.12.2012: Nat Jenkins, Le Pop In, gratuit
05.12.2012: James IHA, La Maroquinerie
05.12.2012: Nick Waterhouse & Allah Las, La Bellevilloise
05.12.2012: Mark Lanegan, Trabendo
06.12.2012: Alex June, La Fabrique des Balades Sonores

06.12.2012: Echo Me, Le Pop In, gratuit 
06.12.2012: The Very Best & Seye & Glass Animals, Gaité Lyrique
07.12.2012: The Raveonettes, Trabendo
07.12.2012: Yeasayer, La Gaité Lyrique
08.12.2012: Stars, La Maroquinerie

08.12.2012: Martha Wainwright, Café de la Danse
08.12.2012: Christopher Owens, La Gaité Lyrique
09.12.2012: Mono,
La Maroquinerie
10.12.2012: Rufus Wainwright, Folies Bergère.
10.12.2012: Fiodor Dream Dog, Le Pop In, gratuit
10.12.2012: Orouni, International, gratuit
10.12.2012: Cat Power, Le Trianon, annulé
10.12.2012: White Fence & The Feeling Of Love, Point Ephémère
11.12.2012: Two Gallants, Nouveau Casino
11.12.2012: Owen Pallett, La Gaité Lyrique 

11.12.2012: Ballaké Sissoko, le 104

12.12.2012: Owlle, Nouveau Casino
12.12.2012: Pinback & Will Smason, La Maroquinerie 
13.12.2012: Chris Garneau  @ Wintercamp Festival, Divan Du Monde avec Botibol.
13.12.2012: Foals(& Trophy Wife), La Maroquinerie, complet
13.12.2012: Anneke Van Giersbergen, La Scène Bastille
13.12.2012: Efterklang & Neeskens + An Island (documentaire de Vincent Moon), Café de la Danse
13.12.2012: Marie-Flore, Showcase à la Fabrique des Balades Sonores, gratuit
14.12.2012: New Model Army, Le Trabendo
14.12.2012: Winter Camp, Zun Zun Egui & Caandides & Sauvage, Point Ephèmère 
14.12.2012: Mount Kimbie & Darkstar DJ & Guests, Warp Xmas, Trabendo
15.12.2012: Lisa Portelli, La Maroquinerie 
15.12.2012: Rozi Plain & BRNS, La Flèche d'or
16.12.2012: The Underground Youth, Espace B
17.12.2012: Daphne chante Barbara, Café de la Danse 
17.12.2012: Carly Bryant, Le China
17.12. 2012: Peter Hook And The Lights jouant Closer de Joy Division
18.12.2012: The xx, Le 104, complet
18.12.2012: Showcase à la Fabrique des Balades Sonores: Eloise Decazes & Eric Chenaux & Gilles

19.12.2012: The xx, Le 104, complet
20.12.2012: This Is The Kit & Morning Star, Espace B 
20.12.2012: The Delano Orchestra, Théâtre de la Ville de Paris

22.12.2012: Farewell Poetry, La Loge




Fredda + Francoiz Breut, Berlin, 3.12.12

0 Kommentare

Konzert: Fredda + Francoiz Breut
Datum: 3.12.12
Ort: Crystal Club, Berlin
Zuhörer: geschätzt über 100



Nur wenige Tage zuvor, enttäuschte mich das Konzert von Nouvelle Vague sehr. Ich konnte nur sehr wenig mit dieser Art Show anfangen. Zwar mag ich deren Coversongs sehr gerne, aber in der Live-Darbietung wirkte es auf mich nur abstoßend.
So machte ich mir an diesem Abend weitaus größere Hoffnung auf einen gelungenen Abend französischer Musik. Eingeladen hat das Le Pop-Label und so nannte sich der Abend auch Le Pop on Tour.
Als ich ankam, war der Crystal Club schon gut gefüllt. Sicherlich über 100 Jünger des Frenchpop haben sich dort eingefunden. Für einen Montag Abend und dazu noch recht weit abgelegen von typischen Szeneorten, ein guter Erfolg. Das Publikum war so zwischen 30-50 Jahre alt - und wohl kaum jemand war dort einfach nur zufällig reingestolpert, wie es einem oft in Kreuzberger Indieschuppen vorkommt. Angekündigt waren neben Francoiz Breut auch Fredda. Ich muss gestehen, dass ich die Tage zuvor meist die aktuelle Platte von Fredda hörte und Francoiz Breut nicht mein Favorit des Abends war.



Als die Fredda dann auf die Bühne kam,  wurde sie begleitet von ihrem Gitarristen Jerome Castel. Für mich war der Gitarrist der Prototyp des französischen Liedermachers. Er erinnerte mich an den Jean Reno vor 15 Jahren und hatte zugleich auch etwas von Jarvis Cocker (wenn auch er kein Franzose ist). Während er es sich cool auf einem Barhocker bequem machte, saß Fredda auf einem Stuhl und fing sogleich an. Was ich an ihrer Platte so mag, bestätigte sich auch live - eine tolle Stimme, welche instrumental schön arrangiert ist. Als zweiter Lied wird gleich mein Lieblingslied Morin Heights gespielt. Bezaubernd. Andächtig wird ihr gelauscht. Richtig süß ist ihr "Vielen Danke" nach jedem Lied. Es ging mir mein Herz auf. Das verspielte L´Ancolie gefällt mir ebenso sehr. Es sind diese schönen leichten Melodien gepaart mit ihrer reifen Stimme, die das Zuhören so herrlich machen. Ab Fleur dennui singt nun auch ihr Gitarrist immer mal wieder mit. Nicht unbedingt seine größte Stärke, aber atmosphärisch durchaus passend. Zwischendurch darf auch das Publikum das fehlende Schlagzeug ersetzen. Das gelingt erstaunlich gut: Mit Banjoklängen und Klatschen Les Rose Des Filles. Gespenstische Klänge dann zu Constant, die mich ein wenig aus meinem Traum herausreißen, mir vorzustellen, ich sei in einer dieser typischen französischen Bars und sitze an einem Tisch mit dickwandigen Gläsern voller Rotwein. Rugir Noel wirkt ein wenig mehr gehetzt als ich es erwartet hätte. Da gefiel mir die besinnlichere Albumversion besser. Nach Calvavera ist dann leider auch schon Schluss. Für mich ein gelungenes Konzert auch wenn ich zwischendurch den Eindruck hatte, dass Fredda an diesem Abend abgespannt war. Das würde mich aber nicht davon abhalten erneut zu einem ihrer Konzerte zu gehen. Ihr Publikum hat sie sich an diesem Abend mit Sicherheit erspielt.

Im Gegensatz zu Fredda, hat Francoiz Breut eine komplette Band mitgebracht, die sich alle auf der kleinen Bühne tummeln. Sie trägt ein schickes kurzes Kleid. Beginnen tut sie mit dem Opener des aktuellen Albums: BXL Bleuette. Ein schöner Einstieg in den seichten Franco-Pop. Schön, dass sie auch noch Lust hat ihre "alten" Lieder zu spielen. Es folgt nämlich mit La femme sans historie (mit schönem Gitarrensolo) ein Lied ihres Debutalbums von 1997. Die 15 Jahre hört man dem Lied aber gar nicht an. Ihre Musik ist zeitlos schöner (melancholischer) Pop. Ihre Band gefällt mir. Sie schafft es mit ihrer Musik den Balanceakt zwischen Melancholie und Euphorie ohne dabei beliebig zu werden. Ich liebe diesen Klang ihres Retro-Mikrofons bei Marie-Lise. Das hat mir auch schon bei Laura Gibson so gut gefallen. 

Hätte Francoiz Breut jetzt auch noch einen Bläser in der Band...träumen wird man ja dürfen. Ich mag ihren lässigen Charme. Ich mag diese Momente, wie jenen, als der Gitarrist bei Le don d´ubiquite die Melodica nimmt und dem Lied noch mehr Tiefe verleiht. Das war schon bei Jack White eines meiner Highlights des Konzerts. Und dann dieser Beginn von Werewolf. Sie stellt sich ins Publikum und die Zuschauer werden zu den Bäumen im tiefen und dunklen Wald. Sehr aufwühlendes Lied. Nach ein paar rockigeren Liedern, lassen uns die Werwölfe an diesem Abend aber nicht in Ruhe. Sie tauchen bei Overall wieder auf. Ein rührendes Duett mit dem Gitarristen, bei dem sich der Schlagzeuger von der Bühne zurückzog. Und anders als bei Fredda, hat der Gitarrist sogar eine gute Stimme. Überhaupt gibt es bei dieser Band nichts zu kritisieren, was es sich lohnen würde aufzuschreiben. Und dann wieder ein Ausflug ins Publikum und ein Liebes-Duett mit dem Gitarristen. Damit aber der Schmalz nicht allzu arg trieft, wird direkt ohne Unterbrechung zum locker, flockigen Ultimo übergeleitet. Es reicht dann eine Sekunde und ich weiß direkt, dass Michka Soka mit Tonsamples ihres Sohnes folgt. Gehört jetzt nicht unbedingt zu meinen Lieblingstiteln des Abends, aber trotzdem recht unterhaltsam. Richtig getanzt wird im Publikum auch nicht. Kein Wunder, es ist Montag Abend - was Francoiz Breut ebenfalls anmerkt. Mit einem Ah Ah Ah bei La Chirurgie des Sentiments und einem "Vielen Dankeschön" verlässt die Band erstmal die Bühne und klar gibt es eine Zugabe, welche als old, sad songs angekündigt werden. Und mit Le Nord macht sie dieser Ankündigung alle Ehre, ist aber nicht ganz so ausufernd, wie auf ihrer Platte. Einen schönen Abschluss des Abends findet Francoiz Breut mit Cabinet de Curiosites. Vielleicht das passende Motto des Abends. Zur Zeit hat es die französische Musikszene in Berlin nicht sehr leicht Fuß zu fassen. Künstler, die in Paris Stars sind, spielen in Berlin in kleinen Läden vor exklusivem Publikum. Umso dankbarer bin ich, dass ich an diesem Abend die Gelegenheit hatte mich berauschen zu lassen.

Links:
Francoiz Breut
Fredda


Donnerstag, 6. Dezember 2012

Sons of Bill, Karlsruhe, 05.12.12

0 Kommentare

Konzert: Sons of Bill
Datum:  5. 12. 2012
Ort: Jubez in Karlsruhe
Dauer: 130 min
Zuhörer: etwa 70




Für diesen Konzertabend habe ich mich sehr spontan entschieden. Eigentlich entspricht die Musik von Sons of Bill nicht meinem Beuteschema. Andererseits warum soll man nicht ab und zu mal etwas ausprobieren? So fand ich mich an diesem Abend in Gesellschaft von Blues Rock Freunden und ließ mir von den drei Brüder und zweien ihrer Freunde die klassischen Posen vorführen. Und ...
 

... alle hatten so richtig Spaß. Einige Herren hatten sehr viel Freude daran, die Rockerposen fotografisch festzuhalten (*), das Publikum ging voll ab und die Band gab wirklich Vollgas und bedankte sich immer wieder neu irgendwie gerührt für das aufmerksame zuhören.

Und es wurde eine lange Nacht...



(*) Schöne (und viele) Fotos z.B. hier - lustigerweise finde ich, dass die Bilder sehr gut ausdrücken, was mein knapper Bericht nur andeutet. Man kann förmlich die Musik hören...
 
Tourdaten:
30 Nov Bordesholm  Savoy-Kino
01 Dec Lauchhammer Real Music Club
03 Dec Wesel JZ-Karo
04 Dec Villingen-Schwenningen Scheuer
05 Dec Karlsruhe  JUBEZ
06 Dec Nürnberg KunstKulturquartier
07 Dec Brilon Kump
08 Dec Isernhagen Blues Garage
09 Dec Bad Saulgau Franziskaner
11 Dec Kolbermoor (Rosenheim) Kesselhaus
12 Dec Eppstein Wunderbar Weite Welt
13 Dec Neuenkirchen-Voerden Kulturbahnhof
14 Dec Norderstedt Music Star
15 Dec Singwitz Kesselhaus Lager
16 Dec Hamburg Knust - with Band of Heathens
22 Dec Charlottesville, VA The Jefferson Theater 


 

Stealing Sheep, München, 01.12.12

0 Kommentare

Konzert: Stealing Sheep
Ort: on3 Festival, München
Datum: 01.12.2012

Bericht von Eike Klien. Erstveröffentlichung auf dem Klienicum. Fotos by Oliver Peel



War ich doch im Dezember 2010 nicht zu vorschnell, um Stealing Sheep eine Zukunft voraus zu sagen. Nun ist bei der gegenwärtigen Begeisterung nicht von das Klienicum die Rede, wenn es darum geht, die Sprungbretter für die Karriere des Liverpooler Trios zu klären, eher hält man sich da an Jarvis Cocker. Macht mir nichts aus, denn es ändert nichts an meiner unverbrüchlichen Sympathie für Becky, Emily und Lucy. 

Der Dreier eröffnete im Studio 1 die Konzertnacht, und zunächst hatte ich befürchtet, dass die liebenswerten Mädels der hungrigen Meute zum Frass vorgeworfen würden. Doch die Stimmung brach, alles Unaufgeräumte fand schnell seinen Platz und die Konzentration auf das wunderbare Konzert schnellte empor. Denn die Mädels hatten ihr Publikum flott im Griff. Nicht zuletzt dank freudiger Gesichter und einer ausnahmslos perfekten Umsetzung ihrer Songs, wie man sie engagiert und akzentuiert vorgetragen auch vom Tonträger herunter kennt. Fokussiert haben sich Stealing Sheep bei ihrem Vortrag auf das aktuelle Album "Into The Diamond Sun", das herausragendes Material zu bieten hat. Das choral beginnende "Shut Eye" etwa, bei dem die von Emily geführte E-Gitarre vortrefflich zu dengeln weiß und der Harmoniegesang von der Abgestimmtheit lebt. Das Feuer, welches den Refrain auszeichnet, übertrug sich in das in Bewegung geratene Publikum. Nicht weniger spannend das psychedelisch verbrämte "Rearrange". Die Mädels stimmten sich perfekt ab, die Übergänge konkurrierten um die Bestleistung, in der abschließenden Elegie ging der Song schließlich auf. "White Lies" trommelte sich voran, es war eine Wonne, Lucy beim Knüppel schwingen am mittig platzierten Drumset zu beobachten, wie sie es stehend engagiert bearbeitete. Ihr dabei zur Schau gestelltes Dauergrinsen war inspirierend, anregend, versöhnlich. 





"Genevieve" war natürlich ein Höhepunkt. Der Song geht unmittelbar in die Beine, auch live gelang er ausgezeichnet. Die beschwingte Note umwarb sofort die Aufmerksamkeit und startete einen Angriff auf die Beinmuskulatur. Die dürftige instrumentale Ausstattung begrenzte das Trio nicht sehr. Oft ähnelte sich der Verlauf der vorgetragenen Lieder. Schwungvolle Parts wechselten sich mit einem kurzen Innehalten ab, da man sich einem rhythmischen Aufgalopp oder einer vokalen Einzelleistung gegenübersah, die alsbald wieder in kollektives Zusammenspiel überging. Becky, die die Schellen und die Keyboards bediente, wand und bewegte sich schlangengleich im Takt. Mit ihrem Stirnband kontrollierte sie die Mähne, mit ihrem Instrument die vielfachen Harmonien. Die große Kunst der Drei lässt sich hier festmachen. 

Die Songs sind songwriterische Kleinode, die mit Ausfallschritten und Vertracktheiten dienen können, die sich jedoch nie Fehltritte erlauben. Das stimmige Ganze ergänzt sich in den liebenswerten Menschen, die sie vortragen. Trotz ihres angeblich letzten Auftritts einer längeren Konzertreise (Paris am 04.12. steht noch an), witzigerweise verabschiedeten sie sich damit von Europa, boten sie ein in allen Belangen zufriedenstellendes Konzert. 

Noch ein Wort zu den Damen selbst. Die höchst unterschiedlichen Charaktere bilden ein faszinierendes Gesamtbild. Die extrovertierte Becky, immer in Bewegung, schwungvoll tänzelnd, jungmädchenhaft leuchtend (den eher ungewöhnlichen Augenblick der Einkehr haben wir auf Foto gebannt), mitsamt ihrer leicht keckernden Stimme, die in sich ruhende Lucy, die mit ihrem offenen Gesicht allein Geschichten zu erzählen wusste und mit einem betörend klaren Gesang zu dienen wusste und schließlich die in sich gekehrt wirkende Emily, die einer Elfe gleich über die Saiten ihres Instruments strich und doch einen so wichtigen Part beisteuerte. Ein tolles Ensemble mit einer ausgesprochen hoch qualitativen Darbietung.


 

Konzerttagebuch © 2010

Blogger Templates by Splashy Templates