Sonntag, 12. Juli 2009

Mono, Köln, 12.07.09

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Konzert: Mono
Ort: Gebäude 9, Köln
Datum: 12.07.2009
Zuschauer: etwa 300
Dauer: 82 min


Meine beiden ständigen Konzertbegleiter Müdigkeit und Neugierde buhlten den ganzen Samstag um meine Aufmerksamkeit. Erst am frühen Abend war der Hamburg-Ausflug beendet (hier jede Rechtfertigung dafür, für 24 Stunden in den Norden zu fahren), und ein erneutes Konzert schien wirklich keine gute Idee zu sein. Eine kurze Unachtsamkeit meiner Schlappheit bedeutete aber dann, daß ich mich plötzlich im Gebäude 9 wiederfand.

Immerhin hatten meine realen Begleiter und ich verabredet, die Vorgruppe gezielt auszulassen und pünktlich zu Mono da zu sein. Entgegen der üblichen Kölner Unsitte (die mir heute enorm recht gewesen wäre), Konzerte am Wochenende viel früher als an Werktagen starten zu lassen, kamen die japanischen Postrocker erst um zehn auf die Bühne. Als wir den Konzertraum betraten, begann es unwirklich zu werden. Die vier Mono-Bandmitglieder beendeten gerade das Einrichten ihrer Instrumente und waren dabei in herrlich kalt-blaues Licht getaucht. Die aufgebauten
Musikstationen wirkten zunächst einmal nicht ungewöhnlich. Bis auf den großen Gong hinter dem Schlagzeug (zuletzt bei den Postrockern Morrissey und Coldplay gesehen...).

Viel weniger ungewöhnlich als gedacht war auch das Publikum. Erwartet hatten wir die üblichen Postrock Zuschauer, Ü30-Männer eben. Allerdings war die Menge viel weniger monothematisch (da ist er, der Wortwitz), erstaunlich viele junge Frauen hatten Instrumentalmusik den gleichzeitig stattfindenden Kölner Lichtern vorgezogen.

Zu klassischen Tönen* kamen die vier Japaner auf die Bühne. Auf Schnickschnack
wie Mikros für Ansagen hatte man komplett verzichtet, also kam auch kein "Hello Cologne" oder irgendein anderer banaler Unterbrecher des Programms. Takaakira Goto und Yoda (nicht verwandt) bauten sich mit ihren Gitarren rechts und links auf, während Bassistin Tamaki mittig vor Schlagzeuger Yasunori stand.

Und dann begann um 22 Uhr anderthalb atemberaubende Stunden intrumentaler Klangwelten. Faszinierend waren dabei viele Aspekte. Die vier Musiker kommunizierten überhaupt nicht miteinander, auch nicht merklich nonverbal (nur einmal war mir aufgefallen, daß Tamaki auf Yasunori achtete). Trotzdem spielten sie ihre langen und enorm komplexen Stücke mit einer wahnsinnigen Präzision. Oft begannen die Lieder ruhig und leise - und vor allem mit einfachen Melodien. Doch plötzlich wurde daraus etwas Lautes, Schnelleres. In der Zeit, in der sich die Stücke so entwickelten, hätten The View schon ein Album durchgespielt. Als ich nach dem zweiten Lied auf die Uhr guckte, waren fast 30 Minuten vorbei!

Das dritte Stück brach ein wenig aus. Bassistin Tamaki setzte sich ans Keyboard und
begleitete ihre männlichen Kollegen von dort. Das Lied war neben der anderen Instrumentierung vor allem auch extrem kurz, höchstens drei Minuten.

Zwei weitere Stücke und die erste Stunde war vorbei. Die beiden Gitarristen hatten in dieser Stunde kaum einmal (oder gar nicht) Richtung Publikum geguckt. Kein Wunder, sie haben vermutlich noch nicht einmal ihre Instrumente zwischen ihren vielen und langen Haaren sehen können. Umso faszinierender, wie wahnwitzig schnell und präzise die beiden, vor allem aber der von uns aus rechte Gitarrist, spielten (ich weiß leider nicht, wer wer war). Ich glaube nicht, daß ich schon einmal solch aufregendes Gitarrenspiel gesehen habe.

Die beiden hatten Quasi-Zwillinge im Publikum... Rechts vorne standen zwei
Männer, die mit irrer Kondition ihre Arme im Takt nach vorne warfen. Sie machten das nicht zum gleichen Beat, allerdings vollkommen synchron!

Das sechste Stück barg wieder Überraschendes. Statt der Besetzung Bass, Gitarre, Gitarre, Schlagzeug kamen zwei Glockenspiele, Gitarre und Bass zum Einsatz. Es änderte aber nichts an Stil und Qualität des Lieds, es machte nur mehr "blink"...

Noch einmal elf Minuten, ein wenig Keyboard (dann wechselte Tamaki vollkommen teilnahmslos zum Bass) und die gewohnten Gitarrenwände und der Abend war vorbei - und der Saal fasziniert. Schweigen ist Gold, eindrucksvoll bestätigt!

Setlist Mono, Gebäude 9, Köln (bei DeadPassenger hier gefunden):

01: Ashes in the snow
02: Burial at sea
03: Follow the map
04: Pure as snow
05: Yearning
06: Halo
07: Everlasting light

Links:

- Mono beim Furia Sound Festival bei Paris
- mehr Fotos von Mono

*
vielleicht Donizetti - aber ich bin zu sehr Banause - jedenfalls erinnerte es mich an den Italiener




Samstag, 11. Juli 2009

The Lucksmiths u.a., Hamburg, 11.07.09

8 Kommentare

Konzert: The Lucksmiths, A Smile And A Ribbon, Gary Olson, Uni & Her Ukulele

Ort: Prinzenbar, Hamburg
Datum: 11.07.2009
Zuschauer: vielleicht 250 (voll)
Dauer: The Lucksmiths 95 min, A Smile And A Ribbon 40 min, Gary Olson 27 min, Uni & Her Ukulele 35 min


Im März bekam ich ein mail mit dem Betreff "Wir fahren nach Hamburg". Als ich las, wer der Grund für den Ausflug sein sollte, fiel mir als Antwort nicht mehr als "Natürlich!!!" ein. Obwohl da wirklich noch nicht absehbar war, daß die bevorstehende Trennung der australischen Band, das Konzert noch besonderer machen sollte, wollte ich unbedingt hin, denn zu gerne wollte ich die Indiepop-Band endlich einmal sehen. Im Mai folgte dann auf ihrer Website die Meldung, daß sich die Lucksmiths nach ihrer Europatour (die Samstag in Berlin endete) und einigen australischen Abschiedsgigs auflösen würden ("There's no easy way to put this, so please accept our apologies for the seemingly abrupt nature of this post. We are saddened to announce that after sixteen years as The Lucksmiths, the band has decided to break up"). Schnief.

Die Lucksmiths wären wahrlich Grund genug gewesen, nach Hamburg zu fahren. Aber das
Programm bot noch mehr... Vorgruppen sollten die tollen A Smile And A Ribbon, eine fabelhafte schwedische Indiepop-Band und Uni & Her Ukulele aus den USA sein. Uni hatte ich noch nicht gesehen, ihre Musik hörte sich aber interessant an. Also mehr Motivation als nötig...

Die Prinzenbar gehört zum gleichen Gebäudekomplex wie die Docks. Während die
aber von der Reeperbahn erreicht werden, befindet sich der Eingang zur Prinzenbar in einer Parallelstraße. Die Bar ist einer der sehenswertesten Clubs, die ich kenne. Neben vielen Stuckverzierungen an den Wänden fallen sofort der riesige Kronleuchter und das nach Jugendstil aussehende Oberlicht auf. Besonders toll sind aber die beiden unterschiedlich hohen Balkone, von denen man in dem kleinen Club den perfekten Überblick hat.

Um acht war der Laden noch sehr leer. Aber wir wollten ja nichts verpassen. Von oben sah man die Künstler des Abends eintreffen. Unverkennbar waren dabei Uni und A Smile And A Ribbon. Uni trug ein Kleid, das mich ein wenig an eine Gardine erinnerte, an eine schöne. Mit ihrer Ukulele und ziemlich hohen Schuhen, kletterte die recht kleine Uni auf die Bühne und begann ein 35 minütiges Set, bestehend aus eigenen und fremden Liedern. Das war nett, hat mich aber nicht umgehauen. Am meisten sind mir die (mindestens drei) Cover im Gedächtnis geblieben. Schön war dabei Dancing in the dark von Bruce Springsteen. Am besten kam aber ein Lied von einem Sänger an, den Uni als "great songwriter with awesome hair" ankündigte: Right here waiting von Richard Marx...

Nach einer Zugabe machten Uni und ihre Ukulele dann Platz für einen später ins Roster gerutschten vierten Künstler: Gary Olson, den Sänger von The Ladybug Transistor. Da er ohne Band aus New York angereist war, begleiteten die Lucksmiths den amerikanischen Sänger und Trompeter. Gary Olson spielte Trompete und
einen... zweisaitigen Bass. Schwer einzuschätzen, ob der nur Deko war, laut ausgesteuert habe ich keinen Bass gehört, oder ob eben zwei Saiten vollkommen genügen. Dazu drei Gitarren und Schlagzeug (ein ausgewachsenes) der Lucksmiths und es entstand ein großartiger Song nach dem anderen. Leider war ich zu hingerissen, um eine Setlist zusammenzubekommen. Das war allerdings auch vollkommen egal, denn der knapp halbstündige Augenblick war so fabelhaft, wie wenige Konzerte, die ich dieses Jahr gesehen habe. Die Musiker harmonierten, als hätte sie nie in anderer Besetzung gespielt. Nur einmal gab es kleinere Unstimmigkeiten, als Gary ein Under The Bridge Cover ankündigte (die Frage, ob das Original oder das vorzügliche All Saints Cover besser ist, war gerade Dienstag erst Gesprächsthema), man sich kurz unterhielt und dann etwas anderes spielte (Summer rain?, keine Ahnung). Es ging alles viel zu schnell vorbei und hinterließ uns mit der irren Meinung, daß es die Lucksmiths schwer haben würden, das bessere Konzert hinzulegen...

Dritte Akteure des Abends waren die schwedischen A Smile And A Ribbon. Die weiblichen Bandmitglieder konnte man schon vorher im Saal kaum übersehen. Vor allem Bassistin Antonia Pehrson stach ins Auge. Mit
einem schwarz-weißen Kleid mit schwarzer Fliege, roter Brille und Pony war sie vermutlich die auffälligste Person in der Prinzenbar. An ihrem Bass steckte dann vorne auch noch eine Sonnenblume (da, wo ansonsten die Stimmechanik ist - die wiederum habe ich nicht gesehen - ein Fakebass vielleicht auch hier?). Nachdem alle Vorbereitungen abgeschlossen waren (dazu zählten u.a. das Befestigen eines Stoffeinhorns und eines Tuchs an Mikroständern), begannen die fünf Schweden. Sängerin Rebecca Mehlman sah mit Dauerwelle und rotem Kleid wie eine 50er Jahre Traum-Schwiegertochter aus. Mein Bandliebling war aber eindeutig die Keyboarderin (Kajsa Tretow vermutlich) mit ihrem Matrosenkleid und der roten Schleife im Haar! Hui!

Ich hatte die Zeit mir die Band genauer anzugucken, weil es mich musikalisch leider etwas enttäuschte. Die The boy I wish I never met EP von ASAAR mag ich sehr, live lebte alles von den Personen, weniger vom Spiel. Es fesselte mich leider nicht sonderlich... Natürlich spielte der irre gute Auftritt von Gary Olson vorher dabei eine Rolle. Quasi eine akustische Täuschung, nachdem man zu lange etwas Brillantes gehört hat (analog zu diesem).

A Smile And A Ribbon spielten all die fabelhaften Instrumente, die eine Indiepop-Band gefälligst im Repertoire haben sollte: Flöte, Glockenspiel, Melodica und Keyboard - aber sie spielten ihren größten Hit leider
nicht, The boy I wish I never met. Gespielt haben ASAAR Stücke ihrer EP, Lieder, die ich nicht kannte (darunter eines mit dem dänischen Titel Den lille havfrue - Die kleine Meerjungfrau, auf Schwedisch Den lilla sjöjungfrun) und ein Television Personalities Cover (Magnificient dreams).

Sehen will ich sie auf alle Fälle noch mal, ohne die beiden Auftritte vor und nach ihnen, werde ich das vielleicht anders beurteilen. Die Musik ist ja da, und die ist gut.

Setlist A Smile And A Ribbon, Prinzenbar, Hamburg:

01: Sommer
02: Then I felt your cheek
03: The bomb
04: My bunny's back
05: Pebbles
06: Batgirl
07: A nice walk in the park
08: A little late to be polite
09: Den lille havfrue
10: Blue rose
11: Miracles
12: Magnificient dreams (Television Personalities Cover)

Und dann der Hauptact... Die Lucksmiths haben ein anderes Bühnenlayout als
normale Bands. Weil der Leadsänger auch Schlagzeuger ist, standen mittig Tali Whites Trommeln. Er bediente sein Instrument im Stehen, alleine optisch macht das viel mehr her. Neben und hinter Tali hatten sich seine Kollegen, Bassist Marky Monnone und die beiden Gitarristen Marty Donald und Louis Richter aufgebaut.

Mit Young and dumb von Warmer corners und Good light von der leider letzten Platte First frost begann die Show und nahm mir die Angst, die Lucksmiths könnten nur zweiter Sieger des Abends sein. Es folgte eine Perle nach der anderen, darunter Transpontine von der A little distraction EP, das Lied, das Kölner (und
Wäre-gern-Kölner) so gut nachvollziehen können ("The river has a right side and a wrong side"). Brillant brillant wurde es dann mit The town & the hills (mit der punktgenauen Ansage "this is a song about a town and the hills") und dem Wiedererscheinen von Gary Olson. Die Trompete gab dem Sound und meinem breiten Grinsen den Rest.

Der Trompeter begleitete die Band auch bei den nächsten drei Stücken. Eines davon, Even Stevens, ist eine Kooperation seiner Ladybug Transistors mit den Australiern. Ein weiterer Gastmusiker kam dann zu
The year of driving langourously dazu, die in Dänemark lebende Violinistin Saundrah Humphrey des Math And Physics Club aus Seattle. Wundervoll!

Normalerweise achte ich bei Konzerten immer auf die vielen Dinge, die so nebenher passieren. Entweder gab es so etwas nicht, oder ich war einfach so sehr auf die Lieder der Lucksmiths fixiert, daß alles drumherum egal war. Ich fürchte, es war letzteres.

Die Band war aufmerksamer als ich. Auf der der Bühne gegenüberliegenden Seite der Bar hängt ein riesiger gekippter Spiegel. Einer der Schmidts sagte, wie toll das sei, das man als Band auch einmal die Zuschauer von hinten sehen könnte. Einer hätte ein Teenage Fanclub T-Shirt an, habe er da gesehen...

Weil der Club wegen der Anwohner (Rückseite Reeperbahn, remember...) um
Mitternacht leiser sein muß, kündigte Tali Sunlight in a jar als letztes Lied an. "One more...". Im richtigen Moment erschien der Veranstalter und sagte ihm etwas. "Five more!" Leider gingen aber auch die viel zu schnell um. Aber vermutlich wäre jede Konzertlänge zu kurz gewesen. Wir haben 95 Minuten Bandgeschichte von allen Platten seit der vierten gespielt bekommen und schließlich die tollen Lucksmiths vor ihrer Auflösung noch einmal rechtzeitig sehen können. Sänger Tali wird jetzt als Grundschullehrer arbeiten, seine Kollegen in anderer Form weitermusizieren. Darf man hoffen, daß australische Kinder ganz schreckliche Nervensägen sind? Dann mache ich das hiermit!

Setlist The Lucksmiths, Prinzenbar, Hamburg:

01: Young and dumb
02: Good light
03: Transpontine
04: Synchronised sinking
05: South-east coastal rendezvous
06: A hiccup in your happiness
07: Under the rotunda
08: The town & the hills
09: Self-preservation
10: Even Stevens
11: Stay-away stars
12: Song of the undersea
13: Smokers in love
14: Great lengths
15: The year of driving langourously
16: A sobering thought (just when one was needed)
17: T-Shirt weather
18: Sunlight in a jar
19: California in popular song
20: The music next door

21: Untidy towns (Z)

22: Camera-shy (Z)

Links:

- mehr Fotos aus der Prinzenbar




Freitag, 10. Juli 2009

Leonhard Cohen, Paris, 07.07.2009

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Konzert: Leonhard Cohen

Ort: Palais Omnisport de Paris Bercy, POPB
Datum: 07.07.2009
Zuschauer: 12-13.000
Konzertdauer: fast drei Stunden



Verdammt gerne wäre ich am Dienstag zu Altmeister Leonhard Cohen gegangen, aber eine Akkreditierungsanfrage hatte ich verpennt und die Ticketpreise waren mir wahrlich zu gesalzen. Hinzu kam eine flächendeckende Bestuhlung in einer Mehrzweckhalle und die (letztlich sicherlich unbegründete) Sorge, vor Hitze einzugehen. Ob ich den inzwischen 74 Jahre alten Knaben in meinem Leben wohl noch einmal live sehen werde?

Zumindest mein sizilianischer Freund (lol) Angelo Misterioso war aber vor Ort und hat die Setlist mitgebracht, auf seiner Seite den Abend in englisch resümiert, Fotos geschossen und auch zwei Videos beigefügt. Bravo Angelo, you are the King Of Blop, ähem, Blog!

Setlist Leonhard Cohen, POPB, Paris Bercy:

01: Dance Me To The End Of Love
02: The Future
03: Ain't No Cure For Love
04: Bird On The Wire
05: Everybody Knows
06: In My Secret Life
07: Who By Fire
08: Chelsea Hotel #2
09: Waiting For The Miracle
10: Anthem

2. Teil:

11: Tower Of Song
12: Avalanche
13: Suzanne
14: Sisters Of Mercy
15: The Partisan
16: Boogie Street
17: Hallelujah
18: I'm Your Man
19: Take This Waltz

20: So Long, Marianne (Z)
21: First We Take Manhattan (Z)

23: Famous Blue Raincoat (Z)
24: If It Be Your Will (Z)
25: Closing Time (Z)

26: I Tried To Leave You (Z)
27: Whither Thou Goest (tutti a cappella) (Z)



Donnerstag, 9. Juli 2009

Portugal. The Man, Köln, 08.07.09

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Konzert: Portugal. The Man (akustisch)
Ort: Stereo Wonderland, Köln
Datum: 08.07.2009
Zuschauer: gut 100 (ausverkauft) und noch einmal gut 30 vor der Tür, die keine Karte mehr bekommen haben
Dauer: 47 min.


Weil ihr heutiges Konzert in Mechelen in Belgien ausfallen mußte, suchten Portugal. The Man aus Alaska eine alternative Abendgestaltung. Also arrangierten sie kurzfristig (gestern Abend spät machte die Nachricht die Runde) ein Ersatz-Konzert in ihrem Kölner Lieblingsclub, dem Stereo Wonderland. Eigentlich hatte ich geplant, den Abend auf der anderen Straßenseite zu verbringen, um im Luxor La Roux zu sehen. Die Alternative hörte sich aber viel reizvoller an - und die Entscheidung war sicherlich richtig.

Die Nachricht des ungewöhnlich intimen Konzerts (der letzte Auftritt in Köln fand im September im vollen Gebäude 9 statt) hatte schnell die Runde gemacht; vor dem Stereo Wonderland standen reichlich Leute. Der ursprüngliche Hauptact des Abends, Atlantic/Pacific spielte gerade seine letzten beiden Lieder. Die Band um Mitglieder von Solea, Texas Is The
Reason und House & Parish hatte ich als Support von Tiger Lou im Dezember gesehen. Für mehr als einen kurzen Eindruck reichte es diesmal aber nicht.

Portugal. The Man waren eine Live-Premiere für mich. Nachdem ich die Band erst vollkommen ingnoriert hatte (weil sie mir von den falschen Leuten zu sehr gehypt wurde zu Beginn ihrer Karriere), wurde ich dann im vergangenen Jahr durch einige Lieder neugierig.

Viel mussten Portugal. The Man nicht um- oder aufbauen, da sie ja akustisch spielen sollten. Neben einer geliehenen Gitarre benötigten die Amerikaner nur ein Keyboard, eine
Schlagzeug- und eine Percussion-Trommel (eine Conga?). Sänger John Gourley (mit Hut, langen Locken und verwegenem Schnauzbart) klimperte irgendwann auf seiner (bzw. nicht seiner) Gitarre rum und begann dann das erste Stück, um es sofort wieder abzubrechen. Ein zweiter Versuch ging besser, bis eine Saite riss ("I broke a string - first song..."). Sofort bot zwar jemand hinten im Publikum Ersatz an, John wollte es aber erst einmal so versuchen. Der nächste Versuch saß und beeindruckte mich. Johns hohe Stimme passte auch zum ungewohnten Sound sehr gut und stand sicher deutlich mehr im Mittelpunkt als bei normalen Konzerten mit dem Druck vieler E-Gitarren (aber das kann ich wie erwähnt nicht richtig beurteilen).

Sehr gut gefielen mir die Percussions, von zwei Bandmitgliedern bedient (Jason und Ryan?). Am Keyboard saß dann der letzte
Portugal-Man neben einer Bandfreundin, die wohl mitspielte. So genau war das von meinem Standort aus nicht zu sehen, die Bühne im Stereo ist leider sehr niedrig.

Die aus Hockey-Mum's own country stammende Band veröffentlich in anderthalb Wochen ihre vierte
Platte. Drei Stücke von The Satanic Satanist waren Teil des akustischen Programms im Stereo Wonderland. Ich kann schlecht einschätzen, wie Everyone is golden, People say und Do you auf CD klingen werden, die leise arrangierten Versionen gefielen mir aber schon einmal gut. Vor allem People say war ein Knüller!

Der Rest des Programms stammt von hauptsächlich von der zweiten und dritten Platte der Band, vor allem von Censored Colors. Meine Favoriten waren Shade von Church Mouth und die drei ineinander gespielten 1989, Our way und Colors.

Trotz (oder wegen) fehlender Vergleichsmöglichkeit, fand ich das Konzert ganz ausgezeichnet. Auch wenn es Mist gewesen wäre, wäre ich mit einem guten Gefühl aus der kleinen Bar gekommen. Denn Bands, die wegen des Spaßes ein spontanes Konzert spielen, finde ich prima!

Gut, daß ich meine Berührungsängste mit Portugal. The Man (trotz des doofen Bandnamens) abgelegt habe. Ich denke, daß ich sie sicher noch einmal sehen werde!

Setlist Portugal. The Man, Stereo Wonderland, Köln:

01: Church mouth
02: And I
03: Everyone is golden (neu)
04: New Orleans
05: People say (neu)
06: Shade
07: Do you (neu)
08: 1989
09: Our way
10: Colors
11: AKA M80 The Wolf



Flowers From The Man Who Shot Your Cousin & Stefana Fratila, Paris, 8.07.09

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Konzert: Flowers From The Man Who Shot Your Cousin & Stefana Fratila

Ort: Le Pop In, Paris
Datum: 08.07.2009
Zuschauer: 40-80 (ein ständiges Kommen und Gehen...)
Konzertdauer: jeweils 35-40 Minuten


Der 8. Juli 2009, kein Tag an dem in Paris ein großes Konzert auf dem Programm stand, an dem es aber für Indie-und Folkfans eine reichhaltige Auswahl gab. Diane Cluck wollte ich schon seit längerer Zeit mal sehen und heute war in Paris eigentlich auch die Gelegenheit dazu, aber Flowers From The Man Who Shot Your Cousin gab ich schließlich den Vorzug. Morgan Caris, Sänger, Gitarrist und Songwriter des Projekts, hatte mir nämlich neulich verraten, daß er sehr bald Paris verlassen werde, um wieder ganz nach Vancouver, Kanada, zu ziehen. Die Chancen ihn bald wieder auf einer Pariser Konzertbühen zu erleben, sind also recht dürftig und so galt es im Pop In auf der Matte zu stehen.Als ich die Stufen des trubeligen Pubs erklomm, klebte sein heutiger Bühnenpartner Erwan, gleichzeitig Labelchef des vorzüglichen Ladens Waterhouse Records , gerade noch ein paar Plakate für künftige Veranstaltungen an die Wand, bevor er sich Richtung Kellergruft in Gang setzte, wo die feinen Konzerte stattfinden. Es gibt hier selten allzu bekannte Künstler zu erleben, dafür aber immer wieder interessante Entdeckungen und regelmäßig Musiker von Niveau. Erwan als Organisator einiger im Pop In stattfindender Gigs ist hierfür mitverantwortlich, aber auch Musiker wie Herman Dune oder passionierte Musikfans wie Eloise und Laurent Orseau von Hinah.com, die aber inzwischen in Frankfurt am Main ihre Zelte aufgeschlagen haben. Auch die Orseaus sind Fans von Flowers From The Man Who Shot Your Cousin und auch sonst haben die alternativen Labelbetreiber bei ihrer Künstlerauswahl immer ein glückliches Händchen. Mit ein bißchen Fantasie könnte man sagen, daß ich Laurents Arbeit in Teilen fortsetze, denn auch er fotografierte Musiker im Pop In und veranstaltete mit seinen Favoriten, genau wie ich, Homeshows. Und wer weiß, vielleicht gründe ich ja auch noch mein eigenes kleines Indielabel?Aber nun genug fantasiert, kommen wir zum eigentlichen Geschehen! Flowers From The Man Who Shot Your Cousin, gebildet aus dem Sänger Morgan an der Gitarre und Erwan am Bass, starteten gegen 21 Uhr 45 mit ihrem Set. Schon nach ein paar Takten fiel die unglaublich warme und schöne Stimme von Morgan positiv auf. Ein Kehlchen, das klingt als hätte man Morrissey mit Nick Drake gekreuzt, eine wahrlich gelungene Mischung! Ganz ruhig und gelassen erzählte der Doppelstaatler (Franzose, Kanadier) seine süß-sauren, mit schwarzem Humor versehenen Geschichten und verwandelte den Keller des Pop In in eine weite amerikanische Wüstenlandschaft. Leonhard Cohen, Smog oder die Silver Jews werden oft als Referenzen genannt, für mich bestand aber auch eine Seelenverwandschaft zu anderen Meistern des soften, depressiven Folks und zwar zu Malcolm Middleton und Yames Yorkston. Was dort vorne gespiekt wurde, gefiel mir jedenfalls ganz ausgezeichnet. Leider gab es aber auch heute wieder ein paar Störenfriede, die glaubten, nur weil der Eintritt zu den Konzerten im Pop In frei ist, laut reden zu können. Das nervte massiv und veranlasste Bassist Erwan, mitsamt Instrument unter dem Arm spontan die Bühne zu verlassen und die Unruhestifter aus nächster Nähe anzupflaumen. Er hatte mit dieser Disziplinierungsmaßnahme recht und auch Erfolg, denn danach herrschte Ruhe, weil die Schwatzbasen nach oben abzogen. Absolut störungsfrei konnte man nun den Rest des Programmes genießen, das ausschließlich aus neuem, noch unveröffentlichen Material bestand. Von der bisher einzigen CD Hapless (2006) stammte lediglich der wundervolle Opener Postcard From A River. Wann das neue Werk erscheinen soll, wurde nicht mitgeteilt, sicher ist aber, daß es traumhaft werden wird, denn einfühlsame Songs wie Kitchen Fires oder das abschließende Father's Day ließen den Folkfan in mir mit der Zunge schnalzen. Ein Mädchen im Publikum vergoss sogar während Father's Day warme Tränen, was ich aber nicht auf den melancholischen Song von Morgan schiebe, sondern eher auf Liebeskummer oder Streit mit den Eltern. Oder was meinst Du Morgan? Bringst Du etwa die Mädels zum Weinen? Tu fais pleurer les filles avec tes chansons tristes, Morgan?

Setlist Flowers From The Man Who Shot Your Cousin, Le Pop In, Paris:

01: Postcard From A River
02: Prospector
03: Fortress
04: Tired
05: No Home
06: Kitchen Fires
07: Standards
08: Drive In
09: Father's Day


Anschließend war mit Stefana Fratila eine Kanadierin aus Vancouver am Start. Die junge Frau mit dem italienischen Namen erschien zusammen mit einem knabenhaften Burschen, der ein kleines Roland-Keyboard bediente, während sie überwiegend Ukulele spielte. Die beiden waren zum ersten Mal in Paris, sogar zum ersten Mal in Europa und entsprechend aufgeregt. Mit viel Charme, Spielfreude und Enthusiasmus kompensierten sie aber ihre Nervosität und brachten Stimmung in die Bude. Zu dumm nur, daß Stefana heute heiser war und nicht jeden Ton traf! Aber auch hierauf hatte das kesse Mädel den passenden Spruch parat: Kauft einfach die CD, da singe ich perfekt und wunderschön! Stimmt auch, wie ich mich inzwischen überzeugen konnte und überdies hat die brilletragende Brünette jede einzelen Scheibe selbst gestaltet und in hübsch bemalte Kartons gesteckt. Keine CD ähnelt somit optisch der anderen und es gibt auch lediglich 100 Stück weltweit! Liebevoll gemachte Handarbeit, die man auch aus der Musik heraushört, die eine Mischung aus Folk und organischem Elektro Pop darstellt. Die Frau mit der leicht infantilen Stimme (eine ihrer Vorbilder ist Joanna Newsom, aber auch Soko könnte man heraushören) hätte auch gut zum kürzlich stattfindenden Festival Music For Toys gepasst, denn ihr Hauptinstrument , die Ukulele, tauschte sie nur am Ende einmal gegen eine Akustigitarre aus.

Eine tolle Entdeckung, die man auch demnächst auf Berliner Konzertbühnen bestaunen kann!

Konzerttermine Stefana Fratila:

16. Jui: Soundtrack Summer Fest, Schokoladen, Berlin
17. Juli: Schwarzer Kanal: La D.I.Y. Fest, Berlin
18. Juli: Madame Claude: Siro Bercetche, Berlin

Setlist Steafa Fratila, Pop In, Paris:

01: Look Daen!
02: The See Inside
03: October
04: City Of Glass
05: January 2055
06: Vista Voyager
07: Understanding Both Parts...
08: A Similar Response

Die abschließend auftretenden Captain Kidd konnte ich dann leider nicht mehr sehen, die Müdigkeit...

- Mehr Fotos von Flowers From The Man Who Shot Your Cousin hier
- Mehr Fotos von Stefana Fratila hier

- Videos: Stefana Fratila A Similar Response live
Flowers From The Man Who Shot Your Cousin - No Home live Girls live


 

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