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Freitag, 20. Februar 2009

Kings Of Leon, Paris, 20.02.09

1 Kommentare

Konzert: Kings Of Leon

Ort: L'Olympia, Paris
Datum: 20.02.2009
Zuschauer: ausverkauft
Konzertdauer: ca. 90 Minuten




Haargenau erinnere ich mich noch daran, wie euphorisch ich mich damals fühlte, als ich das Berliner Huxley's Neue Welt nach dem grandiosen Konzert der Kings Of Leon verließ!

Es war im November 2004, die jungen Amerikaner hatten gerade ihr 2. Album Aha Shake Heartbreak auf den Markt geworfen und tourten nun ausgiebig in Europa. Mit ihrem schrammeligen Gitarrensound, den bluesigen Rhythmen und der krächzigen Stimme von Sänger Caleb hatten sie mich weichgeklopft und völlig aus dem Häuschen gebracht. Man waren die stark und so saucool dabei! Kein Anbiedern beim Publikum, kein Rumgelaber von wegen "Berlin ist die tollste Stadt der Welt" und auch keine Vorstellung der einzelnen Bandmitglieder. Einfach nur Rock'n Roll. Pur, greadlinig, schmutzig, direkt. Besonders der Drummer hatte es mir angetan. Der spielte duchgehend in einem Höllentempo, verzog aber keine Miene, sondern ließ stattdessen seinen Chewinggum knallen. Was für ein Unterschied zu den Killers, die ich ein paar Monate vorher gesehen hatte und die mir damals schon wie schwülstige Schmalzrocker vorkamen. Außerdem verzog deren Schlagzeuger trotz softerer Töne permanent sein Gesicht und schnitt unsägliche Fratzen.

Ich war überzeugt, daß die Kings Of Leon ganz groß werden würden und man sie bald nur noch in Stadien zu sehen bekäme.

Ich sollte recht behalten, die Brüder Followill wurden nicht nur im Jahre 2008 Headliner beim bedeutendsten Festival der Welt, dem britischen Glastonbury, nein, sie belegten sowohl mit dem Album Only By The Night als auch der Single Sex On Fire Platz eins der Charts in den UK und räumten erst vor ein paar Tagen bei den Brit Awards kräftig ab, als sie die Krone für die beste internationale Band und das beste Album gewannen.

Allerdings muß ich gestehen, daß ich das aktuelle Album wirklich nicht sonderlich mag. Zu geschliffen, zu wuchtig produziert, zu schmalzig, so mein Urteil. Was ist aus meiner rohen Blues-Rockband aus Nashville, Tennessee geworden? Und ausgerechnet damit feiern sie die größten kommerziellen Erfolge! Irgendwie ist es ja immer das Gleiche...

Ich war gespannt, wie unter diesen Umständen das Konzert im Olympia werden würde, das seit Wochen restlos ausverkauft war. Ich würde die Kings Of Leon heute zum insgesamt fünften Male sehen und hoffte inständig, das es nicht mein schlechtestes Konzert mit den Brüdern und dem Cousin Followill werden würde.

Schon beim Auftauchen aus dem U-Bahn Schacht der Station Madeleine kann ich die Leuchtreklame des Olympia sehen. Ein fast magischer Ort für viele Künstler, vor allem für Franzosen, weil hier bereits Edith Piaf und Jaques Brel ( allerdings Belgier) auftraten. Für Amerikaner dürfte so etwas aber nicht übermäßig viel bedeuten, was wissen die schon von der Geschichte des Olympia? Dennoch: Caleb Followill zeigte sich während des Konzertes sehr angetan von der "beautifull location". Er hatte auch allen Grund zufrieden zu sein, der Gig lief richtig gut für ihn und seine Brüder (und den Cousin, aber das sage ich jetzt nicht immer extra dazu). Nach einer guten, aber nicht überragenden ersten Konzerthäfte mit alten Klassikern wie Molly's Chambers , Taper Jean Girl und Wasted Time und Neulingen wie Crawl und Revelry (Crawl: o.k., Revelry: Rohrkrepierer!), kam die Show mit Sex On Fire so richtig in Fahrt. Ein Riesenhit, zweifelsohne der bisher größte der Band, der das Omypia zum Beben brachte. Aus unzähligen ( oft auch englischen und holländischen) Kehlen wurde der Refrain mitgegröhlt: "yeahoo, this sex is on fire!" Selten habe ich eine solch explosive Stimmung erlebt und ich gehe ja nun einmal mehr als auf fünf Konzerte pro Jahr! Die Leute waren außer Rand und Band und hätten das Lied wahrscheinlich am liebsten 10 mal hintereinander gehört. Ein Kracher, ein Knaller, ein Abräumer erster Güte, gar keine Frage!

Der Gig trat jetzt in seine beste Phase, Sex On Fire folgte The Bucket vom zweiten Album, ein Song den ich schon immer sehr mochte und der auch heute wieder gut zog. Dann kam mit Notion ein Neuling, bei dem für meinen Geschmack zu viel Zuckerguss draufgekippt wurde, der aber dennoch in Ordnung ging. Besser gefiel mir jedoch On Call, eine von vielen Perlen des dritten Albums Because Of The Times: "I'm on call to be there!", auch hier wurde im Chor mitgesungen.

Bei der aktuellen Single Use Somebody wurde dann sehr deutlich, daß die Kings Of Leon soundtechnisch inzwischen nicht mehr Lichtjahre von U2 (und schlimm genug: auch nicht von den Killers!) entfernt sind. Eine sphärige Stadionnummer, viel zu hymnisch für meinen Geschmack, aber interessanterweise bestens geeeignet, um einen größeren Saal wie das Olympia zu beschallen. "Weil sie nun ständig in Stadien spielen, klingen sie inzwischen auch so", hatte ich neulich in einer französischen Musikzeitschrift gelesen und so falsch war dieser Spruch gar nicht! Auch die Ballade Cold ging soundtechnisch in diese Richtung, gefiel mir aber live doch wesentlich besser als auf CD.

Zum Glück haben die Amerikaner aber mit Because Of The Times ein richtig gutes drittes Album hingelegt und der Zugabenteil (das offizielle Set wurde wie so oft mit Slow Night, So Long beschlossen) stammte fast komplett von diesem vorzüglichen Opus. Auf Because Of The Times schafften es Kings Of Leon auf fast geniale Art und Weise ihre bluesige Schrammeligkeit mit einem modernen, sphärischen Sound zu verbinden. Kernstück davon ist das mehrminütige Knocked Up, das nichts von seiner hypnotischen Sogwirkung verloren hat und auch in Paris wieder stark rüberkam. Gelungen auch der knarzige Abschluß mit den basslastigen Krachern Charmer und Black Thumbnail, die über die deplatzierten Balladen vom neuen Album (Revelry= scheußlich!) hinwegtrösteten.

Die Helden ließen sich mit nach oben gereckten Armen eine Weile feiern, der Drummer schleuderte seine Sticks ins Publikum und die jungen Damen waren entzückt ob des blendenden Aussehens ihrer Idole. Meine Euphorie war allerdings nicht mehr stark wie nach dem umwerfenden Konzert in Berlin im Winter 2004. So spontan und zügellos roh wird man die Followills wahrscheinlich nie mehr erleben, das musste ich schmerzlich erkennen. Ihrem kommerziellen Erfolg tut dies keinen Abbruch, im Gegenteil. Ein Fan der ersten Stunde, wie ich es bin, hofft aber, daß Caleb nicht in die Fußstapfen von Bono treten will. Leider haben die Jungs einen Schritt in diese Richtung gemacht, sind aber dennoch keine fiese Stadionband geworden. Noch nicht! Aber sie müssen aufpassen, daß sie mich nicht vergraulen. Bereits heute habe ich California Waiting vermisst, das ich tausend mal lieber als den neuen Kram gehört hätte. Nicht auszudenken was passiert, wenn die Band so circa. ab der Tournee zu Album sechs, auch die anderen knarzigen Lieder wie Molly's Chambers und Wasted Time entrümpelt und durch neue glattgeschliffene Stücke ersetzt...



Setlist Kings Of Leon, Olympia, Paris 2009:

Intro: Requiem von Mozart

01: Crawl
02: Taper Jean Girl
03: My Party
04: Molly's Chambers
05: Closer
06: Fans
07: Revelry
08: Milk
09: Four Kicks
10: Wasted Time
11: Sex On Fire
12: The Bucket
13: Notion
14: On Call
15: Use Somebody
16: Cold
17: Slow Night, So Long

18: Knocked Up (Z)
19: Manhattan (Z)
20: Charmer (Z)
21: Black Thumbnail (Z)

Pour nos lecteurs français:

Les Kings Of Leon ne sont pas (encore) devenues un groupe de stade vulgaire. Ils ont livré à L'Olympia un concert très puissant et efficace. Le tube Sex On Fire était une vraie tuerie et a veritablement lancé le concert. The Bucket, On Call, Use Somebody et Knocked Up étaient aussi remarquables. C'était peut-être un peu moins bien et spontané qu'au Bataclan il y a deux ans, mais Kings of Leon sont desormais une valeure sûre du rock international. U2 et Oasis n'ont qu'a bien se tenir!

- Mehr Fotos/Plus de photos/more pictures Kings Of Leon: click!



Mittwoch, 9. Juli 2008

Kings Of Leon, Paris, 08.07.08

9 Kommentare

Konzert: Kings Of Leon (MGMT)
Ort: Le Zénith, Paris
Datum: 08.07.2008
Zuschauer: nicht ausverkauft
Konzertdauer: ca. 93 Minuten



Die Kings Of Leon haben die bestaussehenden Fans, so viel steht schon einmal fest!

Vom vielen Weiber-Glotzen konnte man glatt einen Steifen, ähh,... ich meine natürlich einen steifen Nacken bekommen. Wohin das Auge auch blickte, eine Mieze war schärfer als die andere!

Aber das war ja keine neue Erkenntnis, die erfreulichen Anblicke kannte ich schon vom Bataclan und dem Auftritt von Kol bei Rock en Seine. Fraglich war eher, ob die Band auch eine ausreichend grosse Fanbasis hat, um den Zénith zu füllen, der eine Kapazität von 6000 Plätzen aufweist. Die Amerikaner und ihr Mangement zeigten sich im Vorfeld diesbezüglich optimistisch und pochten darauf, in dem nach dem Bercy grössten Saal (das Stade de France und den Parc de Prince lasse ich hierbei mal aussen vor) aufzutreten. Der Konzertveranstalter Alias war da schon skeptischer. Alias hielt das Risiko eines Flopps für zu hoch und zog sich aus dem Geschäft zurück. Mit Nous Production fand sich aber ein Ersatzpartner, der sich sicher war, dass die Kings Of Leon den Raum ausverkaufen werden.

Sie hatten sich getäuscht. Selbst die nachträgliche Verpflichtung der unglaublich gehypten Newcomer MGMT konnte nicht verhindern, dass etliche Sitzplätze ungenutzt blieben und sogar mit einer Plane abgedeckt wurden, damit es vorne links nicht so gähnend leer aussah.

Machen wir uns nichts vor: eine Riesenenttäuschnung für die drei Brüder Followill (Caleb, Jared, Nathan) und ihren Cousin Matthew!

Schlimm genug, dass sie schon MGMT brauchten, um den Vorverkauf anzukurbeln und damit nicht genug: es gab mit den britischen Whigs sogar noch eine zweite Vorgruppe.

Deren Auftritt bekam ich aber nicht mehr mit, was hauptsächlich daran lag, dass ich meine Eintrittskarte partout nicht finden konnte. Ich hatte sie schon vor Monaten gekauft und hatte inzwischen einen anderen Stapel mit Konzerttickets angesammelt, wo aber das Kärtchen, das ich heute brauchte dummerweise nicht dabei war. Irgendwann fand ich aber dann doch den Fetzen Papier, er hatte sich versteckt und nichts gesagt...

Auf dem Gelände von La Villette angekommen, wo der Zénith liegt, herrscht unter den Schwarzhändler kein reges Treiben. Schon einmal ein schlechtes Zeichen. Aus der Halle dröhnt mir - jetzt da ich näher komme - aber schon "Weekend Wars" von MGMT entgegen. Ich erfahre kurz später, dass ich zuvor nur ein Lied verpasst hatte, welches konnte mir aber auch niemand sagen. Es hat wohl keinen bleibenden Eindruck hinterlassen...

Die Jungs von MGMT mühen sich redlich, der Sound ist klar und druckvoll und die Lieder wirken live wuchtiger und rockiger als auf dem Album. Bereits "4th Dimensional Transition" schmettert hart und psychedelisch durch die Boxen. Das Tempo ist unerhört hoch, was auch an dem Drummer mit dem Stirnband liegt. Der war mir bei anderen Konzerten nicht aufgefallen, vielleicht ist er nur Ersatz oder ein Neuling, keine Ahnung. Ohnehin verwundert es immer wieder, dass die drei Typen, die nicht zur Band gehören, am expressivsten sind. Der Gitarrist mit den langen Haaren zum Beispiel, der am linken Bildrand agiert, wirbelt wie ein Aufziehmännchen rum und auch der lockenköpfige Bassist spielt sich oft in den Vordergrund. Keyboarder Ben Goldwasser, immerhin einer der beiden Bandleader, bleibt hingegen stets diskret am rechten Bühnenrand und bedient seine Knöpfchen.

Sein Kollege Andrew Van Wyngarden, zweiter "Chef" von MGMT, beansprucht den Platz in der Mitte. Er fällt nicht nur durch seine brüchige Falsettstimme, sondern auch sein Äusseres auf. Immer irgendwie hippiesk und engelhaft zugleich. Auch das lange Tuch, das er zum Stirnband umfunktioniert hat, darf nie fehlen. Es scheint sein Markenzeichen zu sein.

Der Kerl hat Charisma, keine Frage! Würde mich nicht wundern, wenn die Frauen auf ihn flögen, er hat das gewisse Etwas. Und seine Stimme ist absolut markant, ich könnte auf Anhieb keinen anderen Sänger zitieren.

Auch die Songs der Newcomer sind stark, "Pieces Of What" ist herrlich hippiehaft, folkig und modern zugleich und bei dem funkigen "Electric Feel" fühlt man sich an Musik erinnert, die in den 70ern in szenigen und noblen Discos lief. "Handshake Drugs" wiederum wird im zweiten Teil richtiggehend heavy, Black Sabbath lassen grüssen.

Der grösste Hit bleibt aber weiterhin "Time To Pretend" der das recht kurze Set nach circa einer halben Stunde beschliesst. Die Jungs von MGMT haben noch nicht einmal Zeit, das leicht trashige "Kids" nachzuschieben, das ansonsten immer das ekstatische Finale ihrer Konzerte darstellte. So bleiben dann auch heute die T-Shirts der Bandchefs an und auch ins Publikum wird Andrew nicht springen, so wie er das noch vor ein paar Wochen im Bataclan getan hatte.

Schade! Die Amerikaner haben aber bewiesen, das ihre Musik druckvoll und energisch genug ist, um auch ein Stadion in Wallung zu bringen. Bloss interessierten sich hier zumindest nicht alle Leute im Zénith dafür.

Setlist MGMT, Le Zénith, Paris:

01: ?
02: Weekend Wars
03: 4th Dimensional Transition
04: Pieces Of What
05: Electric Feel
06: Handshake Drugs
07: Time To Pretend

Danach wartete ein sehr hübsches und stylishes Publikum auf die Gebrüder (und den Cousin) Followill. Etliche Amerikaner waren unter den Zuschauern und sogar aus Australien waren zwei dunkelhaarige Schwestern angereist. Sehr international, oft weiblich und recht jung (allerdings doch oft älter als bei den Kooks, wo die Mädchen 16 sind) war also die "Crowd".

Dann endlich ging es los! Ein Intro mit klassischer Musik (was war das jetz genau?) ertönte und mischte sich unter die spitzen Schreie euphorischer Mädels, die die gutaussehenden Followills standesgemäss begrüssten.

Die Amis legten gleich mit einem neuen Lied los ("Crawl"), das aber ein wenig verpuffte, weil es kaum jemand kannte. "Black Thumbnail " zog hingegen schon besser, aber der Funke sprang diesmal nicht direkt über. Vor ein paar Monaten im kleineren Bataclan war das noch anders, da startete die Party vom ersten Lied an. Das Problem heute war einfach, dass zu wenige Leute da waren, die für Stimmung sorgten. Zwar tanzten zwei Amerikanerinnnen vor mir zu jedem Lied, aber gerade in den hinteren Reihen war es enttäuschend ruhig und lahm.

Auch "Taper Jean Girl" vom zweiten Album "Aha Shake Heartbreak" erzielte nicht den üblichen Effekt, obwohl Sänger Caleb greinte und krächzte wie sonst und der unglaublich muskulös gewordene Drummer Nathan auf sein Schlagzeug einprügelte wie ein Preisboxer! Das mit verzerrter Stimme gesungene "My Party" war danach völlig übersteuert und somit kein Hörgenuss.

Sollte eine der besten Livebands der Welt mich also enttäuschen? Hmm, abwarten...

Aber jetzt bei "Razz" mit seinem polternden Basslauf und dem höllisch schnellen Gitarrensolo da muss doch was gehen, oder nicht? - Ja, schon, aber irgendwie hatte ich das auch schon überzeugender erlebt. Noch war die ganz grosse Stimmung noch nicht aufgekommen, allerdings merkte man, dass mit jedem Lied mehr Spannung und Dichte aufgebaut wurde. "King Of The Rodeo" steigerte das Ganze dann noch weiter. "Wasted Time", der bluesige Stumpfer vom ersten Album kam dann wie gerufen und sorgte für noch mehr Tempo.

"Fans" drosselte dieses zwar dann, war aber tanz-und mitsingtauglich. Warum dann aber das schleppende und träumerische "Arizona" hinterhergeschickt wurde, bleibt mir ein Rätsel. Die mühsam aufgebaute Stimmung sackte wieder ein wenig ab. Machte aber nicht allzuviel aus, denn mit "Milk" kam nun einer meiner Lieblinge und mit "Four Kicks" war endlich der Knoten geplatzt. Bisher das geilste Lied des Abends! Es rumpelte und rockte wie Hölle und die harten Gitarrenriffs wurden einem nur so um die Ohren gehauen. Von nun an gab es kein Halten mehr! "Molly's Chamber" garagenrockte und jeder sang begeistert mit. Mit "California Waiting" schaffte man den perfekten Hattrick.

Sind also doch die Lieder vom ersten Album, die besten von den Kings of Leon? Zumindest live kommt kaum neues Material an diese Klassiker von "Youth And Young Manhood" heran. Wahrscheinlich waren die jungen Männer in dieser Phase noch richtig ungestüm und spürten noch nicht den Druck der Plattenindustrie.

Das heisst aber keinesfalls, dass die beiden folgenden Alben schlecht waren, im Gegenteil! Alle drei CDs sind dufte und weisen kaum Ausfälle auf. Bester Beweis dafür, dass auch das zweite Opus der Amis ein Hammer war, ist und bleibt "The Bucket" das wie wild nach vorne galoppierte und einschlug wie eine Bombe. Und mit "On Call" brachten sie dann gleich danach das beste Lied von Album Nummer drei. Perfektes Timing!

"Mc Fearless" "Pistols Of Fire" und "Spiral Staircase" folgten, bevor dann das ruhige und melancholische "Trani" den offiziellen Teil beendete.

Aber ein paar Kracher hatten sich die Kings noch für den Zugabenteil aufgehoben. Nicht zu Unrecht halten viele "Knocked Up" für das beste Stück, dass die Brüder Followill je geschrieben haben. Auch der Text ist sehr einprägsam : "I don't care what nobody says, we're gonna have a baby... I don't care what nobody says, I'm going to be her lover!" und zu der "Ohuohu - Passage" klatschte jeder begeistert mit.

Auch ein weiteres neues Lied wurde geboten und macht schon einmal auf das vierte Album neugierig, das im September erscheinen wird. Der Song war eher spährisch und höchstens mittelschnell, aber möglicherweise handelt es sich hierbei um einen Grower wie er im Buche steht.

Der endgültige Abschluss mit "Charmer" und "Slow Night, So Long" dann noch einmal stürmisch. Caleb ging zum ersten Mal so richtig aus sich heraus, suchte den Kontakt zu seinen Brüdern und seinem Cousin Matthew und zeigte ein paar richtige Rockergesten. Vielleicht hätte er schon vorher etwas expressiver und wilder sein müssen, um ein nicht in ausreichend grosser Menge anwesendes Publikum (darunter auch die Pariser Folksängerin Soko) mehr durchzuschütteln.

Aber auch so war es ein gutes und ausgeglichen starkes Konzert, das aber nicht an die drei Auftritte herankam, die ich zuvor von den Kings Of Leon geboten bekommen hatte. Vielleicht ist in Frankreich wirlich das Zenith noch eine Nummer zu gross für sie...

Setlist Kings Of Leon, Le Zénith, Paris:

klassisches intro
01: Crawl (neu)
02: Black Thumbnail
03: Taper Jean Girl
04: My Party
05: Razz
06: King Of The Rodeo
07: Waisted Time
08: Fans
09: Arizona
10: Milk
11: Four Kicks
12: Molly's Chamber
13: California Waiting
14: The Bucket
15: On Call
16: Mc Fearless
17: Pistols Of Fire
18: Spiral Staircase
19: Trani

20: Knocked Up (Z)
21: Manhattan (Z)
22: Charmer
23: Slow Night, So Long

Links:

- der neue Song Manhattan live aus dem Pariser Zénith. Ordentliche Qualität!
- mehr Fotos von den Kings Of Leon
- mehr Fotos von MGMT





Montag, 27. August 2007

Kings Of Leon, Rock en Seine, 26.08.07

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Konzert: Kings Of Leon

Ort: Saint Cloud bei Paris
Datum: 26.08.2007
Zuschauer: enorm viele (der arme Albert Hammond Jr., der zur gleichen Zeit spielte!)


Nach dem begeisternden Auftritt der Kings Of Leon im Pariser Bataclan vor ein paar Wochen, waren die Erwartungen an die Brüder (und den Cousin) Followill meinerseits sehr hoch gesteckt. Würden mich die schlaksigen Typen wieder so umhauen, oder würde es heute nur ein runtergeleierter Festivalauftritt werden?

Nun, ich kann es vorwegnehmen, die Amerikaner waren auch heute gut. Sehr gut sogar. Und das lag nicht zuletzt am tollen Einsatz des heiseren Sängers Caleb Followill. "Ihr müßt mir helfen beim nächsten Stück, ich habe Probleme mit meiner Stimme". Heiser, mag man sich da verwundert fragen, ist er das nicht eigentlich immer? Nun, auch sonst ist sein Gesangesorgan wunderbar kratzig und rauh (und dabei trotzdem präzise!), das ist wohl nicht zu bestreiten. Heute schien er allerdings ein echtes Handicap mit sich rumzutragen. Umso bewundernswerter darum, wie er sich reinkniete und gegen Ende eigentlich stimmlich wieder hervorragend aufgelegt war, vor allem bei "On Call". Sichtlich gerührt verkündete der inzwischen kurzhaarige junge Mann: "ich dachte vorher, daß würde heute nichts mit unserem Auftritt, aber ihr habt mir toll geholfen, daß es doch ein starkes Konzert wurde, danke!"

Dabei war von Schonung von Anfang an nichts zu spüren, eher von Zurückhaltung hinsichtlich des Spielens von Titeln des aktuellen Albums "Because Of The Times", stammten doch die ersten drei Titel ("For Kicks", "Taper Jean Girl", und "King Of The Rodeo") samt und sonders von den beiden Vorgängerwerken. Erst mit "My Party" wurde in das neue Material eingestiegen, Caleb krächzte hierzu abwechselnd in Stimmverzerrer und Mikro, nachdem ein prägnantes Gitarrenriff, welches vom Publikum sofort erkannt wurde, das Stück eröffnet hatte. "Uhh, she's on my party, uhh she's on my party", hallte es über das riesige Gelände und die Crowdsurfer trieben hierzu - wie auch zu den anderen Stücken - ihre nicht ungefährlichen Spielchen. Wie sollte man aber auch still bleiben, bei den straubtrockenen, rockigen Klängen der Weiberhelden aus Tennessee? Wenn das kein geiler Rock n' Roll ist, was dann? "Die klingen wie die ollen Allmann Brothers" wurde ihnen unzählige Male von Rockkritikern vorgworfen. Spätestens seit dem Erscheinen von "Because Of The Times" sind aber die kritischen Stimmen weitgehend verstummt. Kaum eine Band hat sich so gewaltig weiterentwickelt wie die Kings Of Leon, das müssen jetzt auch Nörgler eingestehen. Alte Stücke zogen schon immer und auch heute wieder auf Anhieb, die neuen Sachen sind aber vielschichtiger, durchdachter, komplexer. Das sensationelle "Knocked Up", welches auf den Klassiker "Spiral Staircase" folgte, verdeutlichte diesen Werdegang eindrucksvoll. "I don't care what nobody said, we gonna have a baby", keifte Caleb, daß es einem durch Mark und Bein ging. Bruder und Drummer Nathan blieb hingegen wie immer cool wie Eis. Mal rauchte er ein Zigarettchen, ein anderes Mal ließ er seinen Bubblegum theatralisch platzen und trommelte trotz dieser scheinbaren Gleichgültigkeit wie ein Wahnsinniger auf seine Drums ein.

Die beiden anderen Followills waren eher unscheinbar,
sieht man mal davon ab, daß der Bassist ein wenig den Schönling raushängen ließ und die Mundwinkel verkniff, wenn er seine fabelhaften Bassläufe spielte. Heute hatte ich aber erfreulicherweise wieder das Gefühl, eine Band vor mir zu haben, in der prächtig zusammengespielt wird, beim Konzert im Bataclan stand vor ein paar Wochen Sänger Caleb doch sehr im Vordergrund. Gut so, denn so konnte man zumindest ansatzweise erleben, wie die Brüder miteinander rockten und gemeinsam mithalfen, ein tolles Konzert auf die Beine zu stellen. "It's a beautiful day, I hope you appreciate that", meinte der Frontmann irgendwann und meinte damit sicherlich nicht nur das heute herrliche Wetter. Damit hatte er im übrigen vollkommen Recht, die Sonne wärmte das Haupt, der Spätsommer zeigte sich von seiner besten Seite und die Kings Of Leon taten alles dafür, daß auch im Herzen die Sonne schien, denn sie spielten abschließend noch die Ballade "Trani", die freilich gegen Ende zu einem wild stampfenden Rockstück mutierte.

Es bleibt festzuhalten, daß das heute vielleicht nicht ganz so stark war, wie im Bataclan, aber dennoch weit über dem, was die anderen Bands auf dem Festival so boten (sieht man mal von Arcade Fire ab).

Setlist Kings Of Leon, Rock en Seine:

intro: Requiem von Mozart!
01: For Kicks
02: Taper Jean Girl
03: King Of The Rodeo
04: My Party
05: Razz
06: Molly's Chamber
07: The Bucket
08: Milk
09: On Call
10: Fans
11: Spiral Staircase
12: Knocked Up
13: Charmer
14: Mc Fearless
15: Trani

Links:

- mehr Fotos bei Robert Gil (merci beaucoup, Robert!), einem der besten Pariser Konzertfotographen: www.photosconcerts.com

- Kings of Leon in Paris (Bataclan)




Mittwoch, 27. Juni 2007

Kings of Leon, Paris, 26.06.07

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Konzert: Kings Of Leon

Datum: 26.06.2007
Ort: Le Bataclan, Paris
Zuschauer: ausverkauft


"We just came from Germany and I must say that you guys here in Paris are so much better than them, believe me!" Caleb Followill, der Sänger und Gitarrist der Amerikaner Kings of Leon, klang glaubwürdig als er diese Sätze zur Mitte des Konzerts an das Publikum im Pariser Bataclan richtete. Was war los während des Doppelfestivals Southside/Hurricane in Deutschland, wo die Kings of Leon kurz zuvor gespielt hatten? War die Unterstützung etwa nicht so massiv, wie es sich die Burschen aus Tennessee gewünscht hätten? Oder sollte einfach nur die unglaubliche Begeisterung beim Pariser Publikum am heutigen Tage besonders hervorgehoben werden? Für mich nicht zu beurteilen, ich war nun einmal weder beim Southside, noch beim Hurricane dabei. Dafür aber im Bataclan und das sollte sich als äußerst lohnend herausstellen...

Als die drei Brüder Followill, als da wären: Caleb (Gesang, Gitarre), Jared (Bass), Nathan (Drums) mitsamt ihrem Cousin Matthew die Bühne betraten, wäre mein Trommelfell fast von den spitzen Schreien der hyterischen Girlies in meiner unmittelbaren Umgebung zerstört worden. Sind ja auch wirklich sehr ansehnlich, die jungen Hüpfer, vor allem jetzt, nachdem die Vollbärte gefallen sind! Aber mal ehrlich, sind die Typen nicht wirklich zu dünn? Selten habe ich solch spindeldürren Waden bei Männern gesehen, wie bei Caleb und Jared. Man hatte bei dem Sänger mit der knarzigen Stimme fast den Eindruck, er trüge Leggings, so eng klebten seine grauen Röhren-Jeans an seinen Beinen! Aber sei's drum, die Bastarde sind mit ihren schwarzen Lederjacken und den Muskelshirts einfach saucool, da kann man sagen, was man will! Wann sieht man zum Beispiel schon mal einen Schlagzeuger Kaugummi-Kauen und Blasen machen, wie im Falle von Nathan Followill? Und wer hält schon Gitarre und Bass so sexy wie diese Wanderprediger-Söhne? Nein, nein, da gibt's keinen Zweifel, die Kings of Leon gewinnen den Preis für die coolste Band auf der Erde, die pissen bestimmt Eiswürfel, da wett' ich drum!

Viel wichtiger als die Pose, war mir aber die Musik am heutigen Abend, schließlich bin ich weder 16-18, noch weiblich... "Black Thumnail" donnerte aus den riesigen Boxen und mischte gleich zu Beginn die Fans mächtig auf. Hat ja schon irgendwie was von Black Sabbath oder Led Zep, diese Nummer, ohne den Mief der siebziger, aber mit der Power die heutzutage technisch möglich ist. Mit "Taper Jean Girl" kam im Anschluß daran schon ein frühes Highlight, "Aha, shake" hallte es im Bataclan und Tausende tanzten ausgelassen dazu. Dabei hätte man sich gar nicht bewegen müssen, um zu kochen, denn die Hitze im Saale war auch so schon unerträglich...

Die neuen Lieder, die zu Beginn gebracht wurden ("True Love Way", "My Party", "Fans"), fügten sich verblüffend direkt in das Gesamtwerk der Band ein, man spürte hinsichtlich der Akzeptanz beim Publikum kaum einen Unterschied zu den alten Hits. Sogar das eher langsame "Arizona" schien nicht fehl am Platze, sondern sorgte dafür, daß man mal kurz Luft holen konnte, bevor wieder losgedonnert wurde. Schließlich brauchte man etwas Kraft für die unglaublichen Kracher "Molly's Chambers", "The Bucket" und "Four Kicks", allesamt alt, aber bei weitem nicht verbraucht und ausgenudelt. Diese Stücke hatte ich schon einmal bei meinem ersten Kings of Leon Konzert im Berliner "Huxley's Neue Welt" vor zwei bis drei Jahren erlebt, logischerweise aber noch nicht die größte Zugnummer von dem neuen Album "Because Of The Times", die erste Singleauskopplung "On Call", die nach "Four Kicks" angestimmt wurde. "I'm on call, to be there", raunzte Caleb in sein Mikro und unzählige Fans schrien mit. Wahnsinn, wie gut dieses Lied schon zog, vielleicht inzwischen schon am Besten überhaupt! Aber auch die alten Sachen, die das offizielle Set beschloßen, hatten noch genug Zunder, um die Festtagsstimmung zu halten. "Trani" begann langsam und bluesig, steigerte sich aber am Ende in ein monströses Etwas und ließ mich erschaudern...

Das Quartett aus Nashville verließ zum ersten Mal unter riesigem Jubel die Bühne. Inzwischen wurde schon an den Mikros rumgewerkelt, so daß man den Eindruck gewinnen konnte, daß auf Zugaben verzichtet würde. Zum Glück schlich dann aber nach einer Weile Nathan, cool wie sau hinter seine Drums und trommelte das sensationelle Stücke "Knocked Up", den Opener des neuen Albums an. "I don't care what nobody says, we gonna have a baby", krächzte der hinzugestoßene Caleb und die Party ging weiter. "She's such a Charmer, she is always looking at me, oh no..." war das weitere Programm bevor das nach "On Call" vielleicht zweitbeste Stück des neuen Longplayers "MC Fearless", noch mal so richtig einschlug. Auch eine vierte Zugabe wurde noch gegeben, bevor die Brüder Followill die Arme hochreißend den Ort des Triumphes verließen und den Wunsch aussprachen, mit Fans an der Bar, noch ein wenig zu plaudern...

Ich kam nicht mehr in diesen Genuß, aber mit Sicherheit ein paar weibliche Gäste, die heute so zahlreich und attraktiv aussehend erschienen waren. Aber auch als Mann konnte ich mich für die Kings of Leon am heutigen Abend begeistern, denn es war wirklich ein Leckerbissen für Freunde harter, schneller und guter Rock-Musik!

Setlist Kings Of Leon Paris:

01: Black Thumbnail
02: Taper Jean Girl
03: King Of The Rodeo
04: True Love Way
05: My Party
06: Soft
07: Fans
08: Arizona
09: Molly's Chambers
10: The Bucket
11: Milk
12: Four Kicks
13: On Call
14: California Waiting
15: Wasted Time
16: Trani

17: Knocked Up (Z)
18: Charmer (Z)
19: Mc Fearless (Z)
20: Camaro (Z)

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- mehr Fotos

von Oliver


 

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