Dienstag, 1. Dezember 2015

Joanna Chapman-Smith, Karlsruhe, 24.11.15


Wohnzimmerkonzert mit Joanna Chapman-Smith
 bei Renate und Matthias
Datum: 24. November 2015
Dauer: 90 min
Zuschauer: 22


All die sprechenden Bilder sind von Matthias! 
Click for English version below

O du Falada, da du hangest
O du Jungfer Königin, da du gangest,
wenn das deine Mutter wüßte, ihr Herz tät ihr zerspringen. 

Ist das zum lachen oder weinen? Das fragten wir uns nach dem Konzert von Joanna Chapman-Smith und beantworteten uns das nach einiger Zeit mit: beides, denn so ist das Leben. Aber vielleicht lieber eins nach dem anderen.


Die Künstlerin aus Toronto war uns empfohlen worden von Uwe aus Aachen, der auch selbst an dem Abend dabei war. Angehört hatte ich mir das letzte veröffentlichte Album Love me deeply und hatte mich auf ein Konzert eingestellt, das von einer wunderbaren Stimme und sehr filigranen Liedern beherrscht sein würde. Der Bogen zu Melissa Bandura, die uns als Familiar wild im Herbst 2016 besuchen wird war auch eine gute Empfehlung (wenn ich auch im Laufe des Abends eher die Verbindung zu Madeline Tasquin sah).


Aber es wurde ganz anders, da sie ihre noch unveröffentlichten Songs zu Märchen und Mythen aus aller Welt vorstellte. Selbst aufgewachsen mit den Geschichten ihres neuseeländischen Vaters und auf ihren Reisen immer wieder fasziniert von den dort gehörten Erzählungen war dieses Jahr daraus ein Album geworden und der Abend wurde ein Mischung von erzählen mit Worten und Liedern ganz wie Anno dunnemals am Spinnrad.


Den Anfang durfte die Schöpfungsgeschichte der Maori bilden, wo im Wald Insekten und Vögeln erschaffen werden und die Kiwi aus Abfall gebaut sind. Ein schwirrendes, zauberisches Universum erschuf sie da mit ihrer Musik. 

Eine selbst erlebte Begebenheit, die sich in einem Lied manifestiert hatte, war, dass sie in der Prärie von Saskatchewan einmal 26 Stunden mit einem Zug liegen geblieben war, in dem sie als Musikerin unterwegs war. Diese Stimmung kurz vor dem durchdrehen, wenn keiner sagen kann, wann es weitergehen wird und man im Nichts festsitzt.


Wunderbar beschwingt stellte sie uns ihre Sicht auf die Stadt Paris vor, die sie als Joni Mitchells große Liebe zuerst indirekt lieb gewonnen hatte, bevor sie endlich selbst dort sein konnte. Das anschließende Pick me up war ebenso fröhlich und heiter. Im Leben vermischt sich ja oft schönes und trauriges. So spielte sie wohl das Konzert vor der spektakulärsten Kulisse in einer Bar, die  nach einer Katze benannt war, die nicht zurückkehrte.


Herzen werden gebrochen und manche versteinern. Dies spiegelte sich auch in einer langen vietnamesischen Liebesgeschichte. Bevor dann im zweiten Teil des Konzertes auch noch ein deutsches Märchen - Die Gänsemagd - mit dem sprechenden Pferd Falada ausführlich nacherzählt und insbesondere gewürdigt wurde, wie sich am Ende alles zum Guten Ende wendet, dem dann auch noch selbst ein letztes Lied des normalen Sets gewidmet war.


Zwischendurch hatten wir alle fleißig schon mitgetan und textsicher mmmm mitgesummt (dabei sogar den richtigen kanadischen Dialekt getroffen!). Aber heimlicher Höhepunkt war sicher, als sich Simone als zweite Stimme auf die Bühne begab und mir eine kleine Träne im Auge stand. Als Zugabe schenkte Joanna uns ein sehr kraftvolles Get in line und ein uralt-fast-Schlager-Mitsing-und-Klatsch-Lied Arbitrary lines, das sich tief in mein Herz grub. 

Wieder ein wunderbarer Abend!

Setlist:
01: The Spaces between
02: Little bird
03: Train Song
04: After the war
05: Melodies
06: Paris
07: Pick me up
08: The Crystal heart (Vietnam)
09: A Glass of right and wrong

10: Let's
11: mmmm
12: Bloody
13: Lonesome
14: June
15: Goose Girl
16: The End

17: Get in line (Z)
18: Arbitrary lines (Z)


English version:
Is that to laugh or cry? That we wondered after the concert of Joanna Chapman-Smith and answered after some time: both, because that's life. But let me tell you one by one. 


The artist from Toronto was recommended to us by Uwe from Aachen, who also was with us that evening. I had listened to the last published album Love me deeply and had prepared myself for a concert that would be dominated by a wonderful voice and very delicate songs. The connection to Melissa Bandura, who is visiting us as Familiar wild in autumn 2016 was also a good recommendation (during the show I was reminded of Madeline Tasquin as well). 

But it turned out quite differently, as she presented her yet unpublished songs to tales and myths from around the world. Having grown up to the stories of her father from New Zealand and on her travels fascinated by stories this year this passion turned into an album and the evening was a mixture of words and songs to tell stories just as once upon a time at the spinning wheel. 

The first song gave a form to the creation story of the Maori, where the forest, insects and birds are created and the Kiwi are made of waste. A whirring, mystical universe was constructed for us by her music. An incident experienced by Joanna which had manifested itself in a song, was that she had been lying 26 hours with a train in the prairies of Saskatchewan, while she was traveling as a musician. This mood shortly before the spin, when no one can say when things will move on and to be stuck in nothingness... 

Wonderfully elated she gave us her view of the city of Paris which she got to know as Joni Mitchell's great love and fell in love with the idea, before she could finally be there herself. The subsequent Pick me up was as happy and cheerful. In life beautiful and sad often mix. So she played probably the most spectacular concert in a bar, which was named after a cat who did not return. 

Hearts are broken and some even petrify. This was also reflected in a long Vietnamese love story. Then, finally, also a German fairy tale - The Goose Girl - was retold in detail with the talking horse Falada and especially appreciated how in the end of the fairtale everything turns for the good, which also was the dedication one last song of the regular set. 

In between, we had all been diligently contributing and knew our lines while humming mmmm (we even hit the right Canadian dialect!). But my secret highlight was for sure when Simone went up on stage as a second voice. There was a small tear in my eye. As an encore, Joanna gave us a very powerful Get in line and an ancient-almost-hit-sing-along-and-clap-song Arbitrary Lines, which deeply dug into my heart. 

What a wonderful evening!

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