Dienstag, 18. Januar 2011

Milk & Fruit Juice, Paris, 17.01.11


Konzert: Milk & Fruit Juice

Ort: Le Pop In, Paris

Datum: 17.01.11

Zuschauer: voller Keller

Konzertdauer: ungefähr 1 Stunde


Milk & Fruit Juice hätten einen wahnsinnigen Charme, schwärmte kürzlich die renommierte französische Kultur-und Musikzeitschrift Les Inrockuptibles und traf damit natürlich den Nagel auf den Kopf. Schließlich handelt es sich ja auch um eine Band, die bereits eine erinnerungswürdige Oliver Peel Session abgeliefert hat.



(Relativ) lange ist's her, am 25 Juni 2009 (dem Todestag von diesem King Of Pop) war das genau. Seitdem hat sich Einiges getan. Die Tweepop-Band um Sänger, Songschreiber und Ukulelespieler Michel hat kürzlich ein zweites, selbstproduziertes, Album mit dem kuriosen Namen I'm Cold Handed Cause I Have No Heart To Pump The Blood Through My Fingers herausgebracht und ist seitdem wieder auf Tour, um das neue Material zu präsentieren.


Erster Konzerttermin in diesem Jahr* war der heutige Auftritt im kultigen Keller des Pop In. Hier hat Herman Dune seine Spuren hinterlassen und mit seinen amüsanten Konzerten eine ganze Generation junger Musiker beeinflusst. Freakfolk wurde sein Stil schnell etikettiert und im Zusammenhang mit Milk & Fruit Juice wird dieser Begriff auch immer mal wieder verwendet. Man könnte aber auch mit der Schublade Indiepop, Tweepop, oder Sixties Pop kommen, um zu beschreiben welches Feld Michel (Milk) und seine Mitstreiter (Fruit Juice) beackern.

Jedenfalls schien das Pariser Publikum daran interessiert, wie die neuen Lieder der insgesamt fünfkopfigen Truppe klingen, sie hatten sich zahlreich im Keller des Pop In eingefunden. Nach einer synthetischen Vorgruppe standen Milk & Fruit Juice bereit. Michel hatte mit seiner Ukulele in der Mitte Stellung bezogen, Littlesa mit ihrem hellblauen Glockenspiel die linke Bühnenhälfte eingenommen und die hochaufgeschossene Cococerise sorgte rechts für Dampf. Orouni an der Gitarre und l'Homme Mystère am Schlagzeug (bzw. einer Fernsteuerung einer Wii!!) komplettierten die Formation.


Von Beginn an ließen die multikulturellen Pariser (viele der Bandmitglieder haben asiatische Wurzeln) ihren ganzen Charme wirken. Es gab so vieles, was das romantische Herz erwärmte. In erster Linie natürlich die liebliche, omnipräsente Ukulele, aber auch der unschuldige Gesang von Michel, die süßen Chorgesänge von Littlesa und Cococerise und die Retro- Dingel Dengel Gitarren von Orouni. Und dann auch die Texte. Immer wieder kreisen sie um Liebeskummer, unerwiderte Avancen und kleine Missgeschicke und Ärgernisse des Lebens. Milk & Fruit Juice schreiben somit eine Art Soundtrack zu Büchern von Nick Hornby, in denen sich auch alles um Musik und Mädchen, Pleiten Pech und Pannen kümmert. All diese Themen würzen sie mit einem liebenswürdigen Galgenhumor und einer ausgeprägten Beobachtungsgabe. Irgendwie hat man hierbei ein weinendes und ein lachendes Auge, fast wie bei einer Tragikomödie und die gehen ja bekanntlich immer gut aus.



Das gebotene Liedmaterial war bestechend. Jeder einzelne Titel kam ungemein frisch, unverbraucht und ungekünstelt rüber, es war eine helle Freude den als Leistreter bekannten Franzosen zuzuhören. Nicht umsonst hieß das erste Album: Nobody Listens To Silent People, aber mit dem neuen Zweitling im Gepäck gib es inzwischen auch mehr Dampf und ab und zu ein paar elektrische Gitarren. Besonders positiv ist mir aber aufgefallen, daß Michel massiv an seinem Gesang gearbeitet hat. Früher murmelte er immer ein wenig verschnupft und ängstlich ins Mikro, inzwischen singt er aber wesentlich fester und sicherer. Auch auf der CD sind diese Fortschritte zu merken, die Produktion ist besser und druckvoller, ohne aber auch nur ein Gramm von ihrem Lofi- und DIY Charme (das Album wurde erneut in Eigenregie verlegt) zu verlieren. Anspieltips: das sanft melancholische Lied The Glace Game, A Soft Hand und das flotte und wahnsinnig stimmunsvolle The Song.

Die heutige tolle Zugabe, das Cyndi Lauper Cover Girls Just Wanna Have Fun (besser als das Original), ist auf em Opus aber nicht enthalten, was jedoch nicht weiter schlimm ist, weil es genüg andere feine Titel auf I'm Cold Handed Cause I Have No Heart To Pump The Blood Through My Fingers gibt.



Prima Konzert, höchst lohnenswerte Platte. Ace!

Setlist Milk & Fruit Juice, Le Pop In Paris 2010:

01: The Song
02 Does The Sun Still Shine Into Your Eyes
03: The Glace Game
04: The Elements Girl
05: The Girl Who Was Born In A BoxOf Laundry Power
06: This Thing We Don't Have To Name
07: My Baby's Got ANew Car
08: Call Waiting
09: He's Just A Boy
10: Intend To Be Happy
11: Things They Only Go
12: Did You Figure Out?
13: A Soft Hand
14: The Basement Of My Brain
15: I Turned My Feet And Went Back Home
16: Girl's Just Wanna Have Fun (Cyndi Lauper)



* der zweite Konzerttermin wird am 24. Januar im Espace B zusammen mit den Holländern Bird On The Wire stattfinden. Ich promote diesen Abend! Yeah, baby! 5 Euro kostet der Spaß lediglich!




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