Donnerstag, 26. September 2013

Motorama, Köln, 25.09.13

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Konzert: Motorama
Ort: Blue Shell,Köln
Datum: 25.09.2013
Dauer: knapp 60 min
Zuschauer: ca. 150



Um kurz vor elf war Vladimir Parshin außer Atem und hatte nur noch ein Glas in seinem Brillengestell, und das war beschlagen. Das knapp einstündige Konzert hatte den Motorama-Frontmann gezeichnet - und mich erneut überzeugt, eine der spannendsten und besten Bands der letzten Jahre gesehen zu haben.

Motorama stammen aus Rostow am Don im tiefsten Russland, einem Land, aus dem nicht viele Indiebands den Weg nach Westeuropa finden. Stimmt mein Bild vom musikalischen Russland, sind Indiebands dort noch exotischer als bei uns. Also wären Motorama schon einmal per se erwähnenswert. Aber das reicht natürlich nicht, um uns hier nachhaltig zu beeindrucken. Diesen Part übernimmt die phänomenal gute Musik der Russen! Die beiden Alben Alps und Calendar und die beiden EPs Horse (2008) und Bear (2009) enthalten eine Unmenge an Ohrwürmern und Hits, melodieverliebte Lieder, die süchtig machen. Hätte ich nicht gewußt, woher sie kommen, hätte ich Motorama dem Hören nach nach Skandinavien (wegen Bands wie Tiger Lou oder Mary Onettes) oder nach England verortet. 


Motorama begannen ihr Konzert um kurz vor zehn mit Lantern von der Bear-EP. Das Stück ist das einzige Lied, bei dem ich den zielzitierten (und schon lästigen) Ian Curtis-Vergleich des Sängers nachvollziehen kann. Lantern hört sich wirklich ein wenig an, als sei es ein (sehr gut gemachtes) Joy Division Cover. Ab da brauchte man schon viel (nein, richtiger: wenig) Phantasie, um immer wieder die Engländer als Referenz anzuführen. Motorama sind melodiöser und viel weniger melancholisch und wütend als Joy Division (die ich hier schon wieder viel zu oft erwähnt habe).


Motorama sind ein Quintett. Neben Vladimir gehören seine Frau am Bass, ein zweiter Gitarrist, ein Keyboarder und ein Schlagzeuger zur Band. Das ist für die kleine Bühne des Blue Shell schon eine große Mannschaft. Ich wusste von meinem ersten Konzert in Wiesbaden aber, daß Vlad nicht lange an seinem Platz stehen bleiben würde. Am Anfang stand er noch brav vorne in der Mitte mit Blick nach rechts zu seiner Frau. Beim zweiten Lied White light (von Calendar) nahm er das Mikro vom Ständer und hängte stattdessen seine Gitarre oben an das Gestell - ein erster Ausblick auf die Ausbrüche, die noch kommen sollten.


Zunächst folgten aber noch ruhigere Lieder, allesamt Hits. To the south, Eyes, Far away in the city, Stücke, in die ich mich unsterblich verliebt habe. Bei Scars flog die Brille runter und die Gitarre auf den Boden. Der Sänger wurde extrovertierter. Der erste richtige Ausbruch kam in der Mitte von Alps. Irgendwann schrie es aus Vlad raus, das Stück wurde lauter und lauter. Bei During the years danach sprang der Musiker mit dem kahlrasierten Kopf in die Menge. Irgendwann flog das Brillenglas raus - jemand wies Vladimir darauf hin, er konnte es retten. Weiter ging es einäugig und außer Atem. Und laut und wild und großartig. Nach Anchor, bei dem der Frontmann seine Gitarre mit den Saiten zur Brust umhatte, war Schluß. Viel zu früh für meinen Geschmack. Es reichte aber ein Blick ins Gesicht des erschöpft schräg am Verstärker (mit Delphin-Foto geschmückt!) lehnenden Sängers: der war platt! Restlos!


Trotzdem gab es eine Zugabe, das unverschämt ohrwurmige Warm eyelids, zu dem Vlad eine Blechtröte in Form eines Tiger- oder Bärenkopfes ...trötete. Das klingt komisch, machte aber wie alles* an diesem Abend enorm viel Sinn! Gottseidank wurde dieses fabelhafte Konzert mit vielen Zuschauern belohnt. Wer 2.800 km von der Heimat entfernt so grandios aufspielt, verdient ein großes, glückliches Publikum. Und der kommt hoffentlich bald zurück, so ganz uneigennützig bemerkt.


Sicheres Jahres-Top-5-Konzert!


Setlist Motorama, Blue Shell, Köln:

01: Lantern
02: White light
03: To the south
04: Letter home
05: Eyes
06: Young river
07: Scars
08: Rose in the vase
09: Far away in the city
10: Winter at night
11: Empty bed
12: Alps
13: During the years
14: Anchor

15: Warm eyelids 

Links:

- aus unserem Archiv:
- Motorama, Esslingen, 05.03.13
- Motorama, Wiesbaden, 06.03.13
- Motorama, Wiesbaden, 06.03.13
- Motorama, Paris, 25.02.13
- Motorama, Paris, 27.11.12 

Tourdaten Motorama:

26.09.13: Münster, Gleis 22
27.09.13: Hamburg, Knust (Reeperbahn Festival)
28.09.13: Berlin, Astra (Berlin Independent Night)
29.09.13: Leipzig, Kafic
30.09.13: Jena, Café Wagner
01.10.13: Würzburg, Cairo
02.10.13: Swamp, Freiburg




* das "alles" bezieht sich auf das Hauptprogramm. Die Elwins aus Kanada als Vorgruppe überzeugten mich mit ihrem Highschool-Rock nicht, das Konzert langweilte mich. Man muß ihnen aber zugute halten, daß sie für ordentlich Stimmung gesorgt haben (Job erfüllt). Außerdem hatte der rechte Gitarrist der höflichen Kanadier eine dieser Schnurrbart-Brille-lustige-Nase-Kombinationen an, die es früher in jedem gutsortierten Scherzartikelladen zu kaufen gab!


Mittwoch, 25. September 2013

Anna von Hausswolff, Frankfurt, 24.09.13*

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Konzert: Anna von Hausswolff
Ort: Mousonturm (Studio), Frankfurt
Datum: 24.09.2013
Dauer: 85 min
Zuschauer: knapp 100 (recht voller Raum) 



Beim Haldern-Pop Festival Anfang August hatte ich mich vor allem auf den Auftritt der Schwedin Anna von Hausswolff gefreut. Ihre beiden Alben - vor allem das von mir oft gehörte Ceremony, das im Juni bei City Slang erschienen ist, begeistern mich immer wieder. Vor Haldern war ich trotz meiner Vorfreude aber skeptisch, ob die Musikerin den Kirchen-Sound, die schweren Orgel-Breitseiten live umsetzen könnte. Sie konnte - und wie! Manche Stücke waren mehr Postrock als Düsterpop und ließen nicht nur mich mit offenem Mund zurück. Das Konzert war noch eine gute Ecke besser als erhofft!

Seit heute ist die Schwedin mit ihrer Band auf Deutschland-Tour, Auftakt dazu war das Studio im ersten Stock des Mousonturms in Frankfurt. "Ich habe schon einmal in Frankfurt gespielt. Mein allererstes Konzert war in der Städelschule, das vergesse ich aber immer wieder, wenn ich nach meinem ersten Auftritt gefragt werde." Zu ihrem zweiten Frankfurter Konzert waren vielleicht 100 Zuschauer gekommen. Das Studio, das wie eine Mini-Ausgabe des Saals unten aussieht (und damit ein ebenso schöner Konzertort ist), war recht gut gefüllt, als Anna und ihre vier Begleiter (Gitarre, Bass, Schlagzeug und Synthesizer) um 21.15 Uhr auftraten. 

Mit Mountains grave von Ceremony begann das Konzert - und damit mit einem der besten Stücke der aktuellen Platte. Irgendetwas war trotz aller Erhabenheit des Lieds anders als bei der Studioversion und als in Haldern. Ich glaube, es waren anders klingende Gitarren, ich weiß es aber nicht sicher. Aber ich habe es sehr angetan aufgenommen, weil es ein Zeichen besonderer Qualität ist, wenn gerade junge Künstler ihre Stücke live weiterentwickeln und variieren. Und natürlich nicht etwa, weil sie ein Lied nicht zweimal gleich hinbekämen sondern weil sie bewußt verändern. Ein Paradebeispiel dafür sind die fabelhaften Warpaint, die dies regelmäßig machen. Wegen des Frankfurter Anna von Hausswolff Konzerts hatte ich mich beim End Of The Road Festival vor ein paar Wochen bei paralleler Ansetzung gegen die Schwedin entscheiden müssen und für... Warpaint. So klein ist die Indiewelt.


Nach Mountains grave folgte etwas herrlich Skurriles. Es wurde dunkel, die Nebelmaschinen wurden angeworfen und die Band spielte dazu wummernde Geräusche. Anna erzeugte irgendwann Töne, die vermutlich ein Nebelhorn darstellen sollten (oder meine Phantasie hat sich treiben lassen). Diese "Nebel und dagegen Ankämpfen-Variationen" gingen nahtlos in Liturgy of light über, das eine weitere strahlende Perle des zweiten Albums ist, bevor mit Epitaph of Theodor der Star des Haldern-Konzerts angestimmt wurde. Im Gegensatz zu damals war das Lied über das Grabmal eines Theodor diesmal weit weniger lang und postrockig. Es war alles andere als schlecht, die Version in Haldern war allerdings noch viel beeindruckender.

Mit Deathbed folgte das nächste Stück von Ceremony, das ein düsteres Thema hat. Anna verarbeitet auf ihrer zweiten Platte u.a. den Tod ihres Großvaters, wobei die junge Schwedin den Tod pragmatisch zu sehen scheint. "Ceremony is a celebration of life and everything that it contains, especially death, because in death we will be truly one with nature again." Auch Deathbed hatte ein ewig langes Intro und schien mir abgewandelt zu sein. Und auch Deathbed ist eines der besten Lieder von Ceremony, aber das sind ja die meisten.

Vor Sova und Harmonica beklagte Anna zu wenig Effekt auf ihrem Mikrophon. "I'm an effect maniac!"  Von zu wenig Effekt vorher oder anderem schlechtem Klang konnte aber während des Konzerts überhaupt keine Rede sein. Das einzige, das das Konzertvergnügen deutlich verringerte, war die Bullenhitze im Studio. Die Saunatemperaturen im großen Saal sind ein Running gag, da war es offenbar nur konsequent, daß es auch oben heiß war. Ein komplett durchgeschwitztes Hemd wie das vor mir habe ich jedenfalls noch nicht oft Ende September gesehen. Schade, daß sich Klimatisierung von Konzertsälen in Deutschland nie durchgesetzt hat. Vermutlich sind wir dazu viel zu gutmenschlerisch. Leiden für die Umwelt, und so.


Harmonica ist wieder eines dieser persönlichen Lieder der Schwedin. Das besungene Instrument schenkte der Großvater, der ein Tüftler war und unter anderem einen Würstchenautomat erfand, den Anna uns beschrieb ("hier laufen die Würste her und da treffen sie aufs Brot..."), der Musikerin kurz vor seinem Tod. Harmonica beginnt mit Handklaschen des Synthesizer-Spielers Filip Leyman (der Ceremony produziert hat), in das glücklicherweise niemand im Publikum einstieg.

Das vorletzte reguläre Stück war das einzige bis dahin, das nicht von Ceremony stammt. Es war das Cover Come wander with me von Jeff Alexander, das sie schon in Haldern gespielt hatte, das aber diesmal in Funeral for my future children überging. Vermutlich 15 Minuten hatten diese beiden Lieder gedauert, mit vielen Rhythmus-Wechseln und viel Orgeltönen und einer immer lauter werdenen Sängerin.


Es war zwar wirklich unerträglich heiß und die Fluktuation aus dem Saal war groß (der Wasserhaushalt...), trotzdem war die Erleichterung groß, daß Anna zu Zugaben zurückkam. Die erste (Sun rise) ist auf dem Album. Anna von Hausswolff stand dazu in der Mitte der Bühne und hatte ihren Platz rechts hinter der Mini-Orgel verlassen. Sie wurde nur von Filip und ihrem Gitarristen Karl Vento begleitet. Die beiden anderen Musiker kamen danach zurück, um ein neues Lied zu spielen. Das Stück hat noch keinen Titel ("actually we call it 'new song'), das einen schwedischen Text und einen dramatischen Lautstärke- und Spannungsanstieg hat. Karl spielte dabei seine Gitarre mit einem Geigenbogen, was zur Dramaturgie des Titel schön passte. Auch New song war wundervoll und herrlich erhaben.

Das Konzert hat meine hohe Meinung von der Schwedin mit der hohen Stimme noch einmal bestätigt. Wir können uns da ganz sicher noch auf viele gute Lieder und Auftritte freuen. Wobei das mit dem Freuen auf traurige Lieder ja immer so eine Sache ist.

Setlist Anna von Hasswolff, Mousonturm (Studio), Frankfurt:

01: Mountains grave
02: Liturgy of light
03: Epitaph of Theodor
04: Deathbed
05: Sova
06: Harmonica
07: Come wander with me (Jeff Alexander Cover)
08: Funeral for my future children

09: Sun rise (Z)
10: neu (Z) 

Links:

- aus unserem Archiv:
- Anna von Hausswolff, End Of The Road Festival, 31.08.13
- Anna von Hausswolff, Haldern Festival,10.08.13

Tourdaten:

26.09.13: Berlin, Volksbühne
27.09.13: Hamburg, Reeperbahn Festival
28.09.13: Kiel, Alte Pumpe
30.09.13: Köln, Gebäude 9
01.10.13: Leipzig, Werk 2
02.10.13: Nürnberg, Muz
03.10.13: Heidelberg, Enjoy Jazz Festival
04.10.13: Basel, Parterre
05.10.13. Lyon, Le Sonic
06.10.13: Bern. Dampfzentrale
07.10.13: Freiburg (i.Br.) Café Atlantik
09.10.13: Wien, Arena
11.10.13: München, Feierwerk
12.10.13: Graz, Steirischer Herbst
14.10.13: Paris, La flèche d'or


* dieser Artikel ist den beiden Orgellehrern meiner Kindheit gewidmet, die mir ermöglicht haben, erst 25 Jahre später zu erkennen, was für ein wundervolles Instrument eine Orgel ist 

- mehr Fotos gleich



Marius Ziska, Karlsruhe, 24.09.13

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Konzert mit Marius Ziska
Ort: Karlsruhe
Datum: 24. September 2013
Dauer: 55 min
Zuschauer: 12


Marius Ziska mussten wir um Ostern schon einmal vorbeiziehen lassen. Als es jetzt eine zweite Chance gab, wollte ich die unbedingt nutzen. Deshalb habe ich mich auch darauf eingelassen, dass zwei Konzerte sehr dicht aufeinander folgten. 



Für mich hat sich diese Entscheidung in jedem Fall gelohnt. Wieder hatten wir einen wunderbaren Abend mit vielseitiger und warmherziger Musik. Eine unvergleichlich intime Atmosphäre in der Aufmerksamkeit geschenkt wurde und die Musik-Juwelen zum Glänzen gebracht wurden. Leider war es für die Musiker im Vorfeld ziemlicher Stress. Sie steckten Stunden im Stau und als sie endlich in Karlsruhe ankamen, wartete schon seit zwei Stunden ein Kameramann auf sie, um eine Akustiksession aufzunehmen. Sie blieben zwar professionell und ruhig, aber mir ist im nachhinein ziemlich unbegreiflich, wie wir mit Auspacken, Akustik-Aufnahme und Abendessen fertig wurden bevor die Zuhörer eintrafen.


Die Band hatte sich im Halbrund in unserem Wintergarten auf Stühlen niedergelassen. Mit zwei Akustikgitarren, einem Moog, einer Trommel und einem Bass war die Besetzung sehr reduziert und wirklich fast ganz akustisch. Zu Gast waren Marius Ziska als vier Musiker, nämlich

Hans Marius Ziska – Gesang & Gitarren,
Heðin Ziska Davidsen – Gitarre & Gesang,

Sakaris Emil Joensen – Gitarre & Gesang,
Brandur Jacobsen – Drums & Gesang.


Total begeistert hat mich der wunderbare Satzgesang der vier Männer. Das war wie Lagerfeuerromantik nur viiiel schöner. 


Die Stimmungen der Songs waren recht breit gestreut. Z.B. ein unglaublich beschwingtes One in the masses und ein fast fröhliches While you were dreaming (gerichtet an einen Freund, der immer schon betrunken weggetreten ist, wenn es interessant wird am Abend) im Wiegetakt. Meine zwei heimlichen Hits waren aber eher innige Lieder, nämlich Nærveran WIP in der Heimatsprache und ein Lied für den zweijährigen Sohn, von Marius All the good I know.


Als das Set nach einer reichlichen Dreiviertelstunde schon zu Ende sein sollte, erklatschten wir uns eine Zugabe und erhielten eine sehr ruhig und wunderbar intensive Solonummer von Marius. 

Nach dem Konzert hieß es erst einmal tief Luft ausatmen und ankommen für die vier. Wir konnten bei etwas Bier und viel Wein den Abend im lauen Garten und in der Küche bei schönen Gesprächen ausklingen lassen. 


Mancher, der hier liest hat vielleicht noch die Möglichkeit, sich selbst ein Liveurteil zu bilden. Es gibt diesen Herbst noch einige Termine in der Schweiz und Deutschland.


Setlist:
1: Restless Mind
2: The House
3: One in the masses
4: The Middle way
5: While you were dreaming
6: Shades
7: All the good I know
8: Going home
9: Nærveran WIP
10: Down fall
11:  Painting (Z)

Video der Akustiksession:


 

Weitere Tourdaten:
25.09. Zürich - Kafi
27.09. Gießen - Cafe Amelie
28.09. St. Gallen - Keller der Rosen
29.09. Basel 
30.09. Duisburg - Grammatikoff
02.10. Aachen - AZ
03.10. Hamburg - MS Hedi
04.10. Leipzig - Noch Besser Leben

 

Andere Meinungen:
Bedroomdisco

Mehr Bilder

 


Ankündigung Motorama & Empire Escape

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Tour: Motorama (RUS) und Empire Escape (D)
Orte und Daten: s.u.



Zwei extrem spannende Bands, die mir nach überzeugenden Auftritten sehr am Herzen liegen, beginnen heute ihre Deutschland-Touren:


Motorama - eine Band aus Rostow am Don, deren Platten und EPs toll sind, die aber live noch einmal fünf Schippen drauflegen. Die Energie der Konzerte der Russen ist atemberaubend. Wenn es in der Musikindustrie nur nach Geschmack und Stil ginge, würden Motorama riesig!

Motorama auf Tour:

25.09.13: Köln, Blue Shell
26.09.13: Münster, Gleis 22
27.09.13: Hamburg, Knust (Reeperbahn Festival)
28.09.13: Berlin, Astra (Berlin Independent Night)
29.09.13: Leipzig, Kafic
30.09.13: Jena, Café Wagner
01.10.13: Würzburg, Cairo
02.10.13: Swamp, Freiburg


Empire Escape aus Berlin haben am 13.09. ihr wundervolles Debütalbum Colours veröffentlicht und in den vergangenen Jahren Bands wie Stars, Tu Fawning, Temper Trap oder I Like Trains supportet. Nach einer Support-Tour mit den Shout Out Louds durch Deutschland, Österreich und die Schweiz, die heute in Osnabrück beginnt, geht die Band anschließend auf ausgedehnte Headliner-Tour. Bitte unbedingt (gerne mehrfach) ansehen!

Empire Escape auf Tour:

Support Shout Out Louds:
25.09.13: Osnabrück, Rosenhof
27.09.13: Dresden, Alter Schlachthof
29.09.13: Hannover, Faust
30.09.13: Düsseldorf, Zakk
01.10.13: Mannheim, Alte Feuerwache
02.10.13: Stuttgart, Wagenhallen 
03.10.13: CH-Aarau, KiFF
04.10.13: AT-Graz, PPC
05.10.13: AT-Linz, Posthof

Headliner-Tour:
10.10.13: Oberhausen, Druckluft 
11.10.13: Münster, Eule 
12.10.13: Dortmund, Subrosa 
13.10.13: Offenbach, Hafen 2 
14.10.13: Hannover, Kulturpalast Linden 
15.10.13: Göttingen, Pools 
16.10.13: Oldenburg, Polyester 
17.10.13: Hamburg, Astra Stube 
18.10.13: Kiel, Die Pumpe 
19.10.13: Lübeck, Tonfink 
21.10.13: Halle, Goldene Rose 
22.10.13: Mainz, Schon Schön 
23.10.13: Ilmenau, BD Club 
24.10.13: Berlin, Privatclub 
26.10.13: Chemnitz, Weltecho 
27.10.13: Leipzig, Werk 2 (+ I AM IN LOVE) 

2014:
01.02.14: Dresden, Ostpol 
04.02.14: AT-Wien, B72 
05.02.14: AT-Graz, Spotting @ Postgarage 
06.02.14: München, Milla 
10.02.14: AT-Innsbruck, Weekender 
11.02.14: Reutlingen, franz.K 
12.02.14: Stuttgart, Café Galao 
13.02.14: Nürnberg, Club Stereo 
14.02.14: Saarbrücken, Sparte4 
15.02.14: Karlsruhe, Kohi 
16.02.14: Köln, Tsunami Club 
13.03.14: Hagen, Pelmke Noir 
15.03.14: Aachen, AZ 
21.03.14: Jena, Kassablanca 
22.03.14: Wolfsburg, Sauna Klub






Dienstag, 24. September 2013

CocoRosie, Köln, 21.09.13

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Konzert: CocoRosie
Ort: Gloria, Köln
Datum: 21.09.2013
Dauer: ca. 100 min
Zuschauer: ca. 600 



von Ursula von neulich als ich dachte

Letzte Woche hatten Menschen im Raum Hessen/NRW die möglicherweise einmalige Chance auf einen CocoRosie-Hattrick: Nachdem die Schwestern Bianca und Sierra Casady zunächst an zwei Abenden im Frankfurter Mousonturm aufgespielt hatten, gastierten sie Tags drauf im Kölner Gloria. Ich allerdings bin mit einem einzigen CocoRosie-Konzert skurrilitätsmäßig bereits völlig ausgelastet und hatte das Duo auch erst im Mai auf der Bühne erlebt, und so begab ich mich nur auf Konzert Nummer 3 - in Köln hatte ich die beiden (nach Frankfurt, Wien und Mannheim) immerhin noch nicht gesehen. 

Im Gloria war bei unsere Ankunft die Bühne bereits sichtbar auf CocoRosie vorbereitet: Neben Harfe, Keyboards und Flügel hatte man mitten auf der Bühne auch eine Schminkkommode mit Spiegel platziert, auf der einige seltsame Utensilien und ausgestopfte Vögel zu sehen waren. Außerdem lief quer durch den Bühnenraum eine Wäscheleine, an der einige Kleidungsstücke hingen. Keine Frage, wir waren beim richtigen Konzert. 

Für die Betrachtung der Bühnendekoration blieb uns auch noch einiges an Zeit, denn CocoRosie ließen auf sich warten. Erst gegen viertel vor 9 (statt des auf den Tickets angegebenen Beginns um 20 Uhr) erklommen zunächst der asiatische Pianist/Keyboarder/Posaunist Tak(uya Nakamura) und der stets im Liveprogramm vorhandene Beatboxer Tez die Bühne. Es folgte zunächst nur Sierra, die wie gewohnt überschwänglich über die Bühne hopste und dann sogleich ihren Gesangspart zu Child Bride aufnahm. Erst als sie bereits sang, kam auch Bianca auf die Bühne, nahm traditionsgemäß keine Notiz vom Publikum und hing noch etwas mitgebrachte Wäsche auf. Dann begab auch sie sich ans Mikrophon. 

Alle vier Musiker trugen zu diesem Zeitpunkt identische schwarzweiß gestreifte Kittel im Sträflingsstil und dazu irgendeine Form von Leucht-Makeup. Die Kittel fielen jedoch schon bald, und während uns Bianca im Laufe des Abends so gut wie jedes Kleidungsstück von der Wäscheleine vorführte (Korsage mit Rock und Zylinder, lange Männerunterhose mit Hosenträgern, Latzhose, Slogan-T-Shirts, Burka, Nachthemd), durchlief auch Sierra etliche Kostümwechsel (unter anderem sah man sie im Hochzeitskleid und Bauchfrei mit bunten Leggings und einem Unterrock, am beeindruckendsten war eine Art Gesichtsdiadem), aber das kennt man von den beiden ja bereits. 

Neu war für uns dagegen, dass sich die Casady-Schwestern zwischendurch auch immer wieder an die Schminkkommode begaben, die also keine reine Bühnendekoration darstellte. Zuerst malten sie einander übertrieben große Lippen, dann wurden mit Zahnlack Gebisslücken kreiert und schließlich die Leuchtschminke immer großflächiger aufgetragen. 


Nach sechs Songs vom aktuellen Album Tales of a Grass Widow folgte mit Ana Lama ein neues Lied, für dessen Vortrag Bianca zur Burka griff. Danach folgte der traditionelle Soloauftritt von Tez, dessen Leucht-Makeup in einem grünen Wimpernkranz bestand. Dass er um den Hals einen riesigen goldenen Zahn trug, wäre in einem anderen Kontext sicher ungewöhnlich, im Rahmen eines CocoRosie-Konzertes scheint es aber kaum erwähnenswert. 

Nach diesem Intermezzo bauten CocoRosie auch ältere Songs ins Set ein (Undertaker, Grey Oceans, K-Hole), griff Bianca zur Pungi (bei God has a Voice, She speaks to me), trug Sierra einen Titel (R.I.P. Burn Face) mit dem Rücken zum Publikum an der Schminkkommode vor und legten beide beim letzten Lied des Hauptteils seltsame, furchterregende Federmasken an (We are on Fire). 

Sierra wirkte wie immer fröhlich und aufgedreht und sparte nicht an theatralischen Gesten, sie sprach auch immerhin zweimal zum Publikum ("Dankeschön" und "Auf Wiedersehen"). Bianca vermittelte durch ihre Teilnahmslosigkeit ebenfalls wie immer den Eindruck, als gebe es für sie Schöneres als Liveauftritte, sie stellte aber mehrmals die Mitmusiker vor. 

Um eine Zugabe musste das Publikum recht lange bitten, die beiden kehrten aber für Werewolf schließlich nochmals auf die Bühne zurück. Anschließend wurde wieder lange geklatscht und gejubelt, aber schließlich ging dann doch das Licht an, ohne dass man die Band noch einmal zu sehen bekommen hätte. Vielleicht war ja wegen des sehr späten Konzertbeginns eine weitere Zugabe nicht möglich. Auf der Setliste wäre mit Turn Me On noch eine weitere Zugabe vorgesehen gewesen, was möglicherweise dazu führte, dass man uns so lange klatschen ließ, ohne das internationale Signal für "Da kommt nichts mehr" (Licht und Konservenmusik an) einzusetzen. 

Nach diesem etwas unbefriedigenden Ende erwähnte mein Freund auch noch, dass seine beiden Wünsche an den Abend - eine Live-Performance von Terrible Angels und eine Kostümvariante mit Geweih - leider nicht erfüllt worden seien. Er wird also wohl in absehbarer Zeit wieder ein CocoRosie-Konzert sehen wollen ... 



Setlist CocoRosie, Gloria, Köln:

01: Child Bride 
02: End Of Time 
03: Harmless Monster 
04: Tears For Animals 
05: After The Afterlife 
06: Gravediggers 
07: Ana Lama 
- TEZ solo - 
08: Villain 
09: Far Away 
10: Undertaker 
11: Grey Oceans 
12: God Has A Voice, She Speaks Through Me 
13: Poison 
14: R.I.P. Burn Face 
15: Smokey Taboo 
16: K-Hole 
17: We Are On Fire 

18: Werewolf (Z) 

Links:

- aus unserem Archiv:
- CocoRosie, Stuttgart, 13.09.13
- CocoRosie, Berlin, 24.05.13
- CocoRosie, Paris, 12.07.12
- CocoRosie, Wien, 27.07.10
- CocoRosie, Paris, 27.09.07
- CocoRosie, Paris, 10.04.07

- Fotos: Dirk von Platten vor Gericht




 

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