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Mittwoch, 7. Mai 2008

The Lodger & The Long Blondes, Köln, 06.05.08

5 Kommentare

Konzert: The Lodger & The Long Blondes
Ort: Luxor, Köln
Datum: 06.05.2008
Zuschauer: ca. 100
Konzertdauer: The Lodger 30 min., The Long Blondes 60 min.


"Fest steht, dass The Long Blondes enormen Wert auf Glamour legen. "Der Jammer ist doch, dass immer mehr Rockstars aussehen wie Coldplay. Also wie Lehrer oder Beamte im Büro. Stil ist keine Frage des Einkommens, sondern der Phantasie", sagt Jackson, die lange in einem Secondhand-Modeladen in Sheffield arbeitete und den ehemaligen Roxy-Music-Sänger Bryan Ferry verehrt", schrieb der Spiegel 2006 über eine Band, die auf Konzerttagebuch.de schon ganz unterschiedlich wahrgenommen wurde - damals, als sie ihr erstes Album promoteten. Jetzt sind anderthalb Jahre vergangen und die Kate Jackson, die ich vor dem Luxor noch in Zivil sah, hatte soviel Glamour wie ein Lied von Bryan Adams.

Der eigentliche Grund meines Besuchs des Konzerts sollte die Vorgruppe sein. Ich hatte die Karte für diesen Abend zwar schon, bevor ich wußte, daß das The Lodger sein würden, hatte dann aber nach dem ersten Hören der neuen Long Blondes Platte entschieden, mir das Konzert zu sparen und die Karte weiterzugeben, bis ich las, wer
Support sein würde. Ganz unvoreingenommen war ich an diesem sommerlichen Konzertabend also sicher nicht.

Um neun war das Luxor leer - die vielleicht 50 Leute, die da waren, verteilten sich großzügig über den Club. Vier schlacksige Musiker, die alle den Housemartins entsprungen sein könnten, griffen sich ihre Instrumente, stimmten noch eine Weile und begannen dann mit "You got me wrong", einem Lied, das schon ganz typisch für The Lodger ist, nämlich Gitarren-Indie-Pop mit wunderschönen Melodien. Besonders markant bei der Musik der Band aus Leeds ist die Stimme des Gründers Ben Siddall, die ganz ausgezeichnet zu den Lodger Popsongs paßt (oder umgekehrt...). Meine Assoziation mit den Housemartins kam mir sicher auch deshalb in den Sinn, weil die Musik der Band nicht so weit weg ist von den Britpop Vorläufern aus
den 80ern. Aber auch die Smiths sind ganz sicher eine Referenz für The Lodger. Aber ähnliche Musik hin oder her, The Lodger sind eine großartige Band mit großartigen Songs, die viel mehr als die Handvoll Leutchen vor der Bühne verdient gehabt hätte.

Es klappte nicht alles bei ihrem halbstündigen Auftritt. Ben hatte einige Probleme mit seiner Gitarre und seiner Stimme. Das nahm aber nichts von dem großen Vergnügen, die vier Nordengländer einmal live zu sehen. Ihr Debüt "Grown-Ups" läuft bei mir sehr oft, die Vorfreude auf Konzert und neue Platte war also entsprechend hoch. Von "Life is sweet" (jetzt habe ich wieder den ganzen Tag "Julia, we don't live in the 60's" von den Indelicates im Kopf...), dem gerade erschienenen Nachfolger, spielten The Lodger einige Stücke. Keines von denen hatte ich vorher gehört, sie gefielen mir aber ohne Ausnahme sofort. Leider war das Vergnügen - wie so oft - ein kurzes. Nach "
Many thanks for your honest opinion" und einer halben Stunde verabschiedeten sich Ben und seine Kollegen wieder. Mich hat der Auftritt restlos überzeugt, auch wenn die Umstände sicher nicht perfekt waren. Schade nur, daß das so wenige interessierte.

Setlist The Lodger, Luxor, Köln:

01: You got me wrong
02: My finest hour
03: A hero's welcome
04: A year since last summer
05: Simply left behind
06: I can't stop (?)
07: Unsatisfied
08: The good old days
09: Many thanks for your honest opinion

Am mangelnden Interesse an The Lodger in Köln hatten die Long Blondes sicher die Hauptschuld. Denn für die einstigen Lieblinge des Hypes interessiert sich offenbar auch im indiephilen Köln kaum noch jemand. Ansonsten wären sicher mehr als die vielleicht hundert Leutchen zur Band aus Sheffield gekommen, deren zweites Album gerade erschienen ist. Das erste, "Someone to drive you home", war ein großer Knüller. Viele der Songs sind echte Hits - die Mischung aus Kates Stimme, die manchmal herrlich tief kommt, und den knackigen Melodien machte die Platte zu einer tollen, die auch weiter ihren Platz haben wird, wenn die Bandmitglieder bereits im Ruhestand sind (wäre ich zynisch, würde ich den für 2009 erwarten). "Couples", Album zwei, ist sicher kein Abklatsch der ersten CD. Es ist eher der gescheiterte Versuch, etwas neu und anders zu machen, was dann in die Hose gegangen ist. Bei den ersten Hören fand ich die Platte ganz grausam. Dieses Urteil ist sicher ungerecht, "langweilig" trifft es sicher besser. Wenn man erst einmal am Opener "Century" vorbei ist, wird es erträglicher, gegen Ende kommen einige nette Lieder. Allerdings fehlt all diesen neuen Songs jegliches Hit- und Überlebenspotential. "Lust in the movies", "Giddy stratospheres" oder "Weekend without makeup" freuen mich immer, wenn ich sie höre. Für "Erin O'Connor" oder "Autonomy boy" kann ich mir das nicht vorstellen. Die Platte klingt für mich wie eine B-Seiten Sammlung.

Aber zum Auftritt... Wir sind schließlich ein Konzerttagebuch.

Kates T-Shirt kannte ich schon. In einem NME-Konzertbericht, der mir zufällig vor die Augen kam, wurde von einem Vorab-Gig in England berichtet. Der Artikel war
wenig euphorisch. Mir fiel auf den Fotos auf, wie wenig glamourös die Frontfrau dabei aussah. Sie trug ein mausgraues (im übertragenen Sinne) T-Shirt mit aufgedruckten Fotos (?) und Jeans. Den überragenden Stil konnte ich da nicht erkennen. Beim Pariser Konzert hatte sie sich noch ein wenig mehr rausgebrezelt, vielleicht, weil das die Modehauptstadt irgendwo verlangt. Auch das Hinternwackeln, ihr zweites Merkmal, war weniger ausgeprägt, als ich das in Erinnerung hatte. Der größte Tänzer und Hinternwackler war eindeutig Gitarrist Dorian Cox (auch unglamourös gekleidet). Komplettiert wurde die Band wieder vom soliden Schlagzeuger Mark Turvey, der einem englischen Kinderbuch entsprungenen Emma Chaplin und der agilen Bassistin Reenie Hollis ("agil" heißt doch reglos, oder?).

Mich ließ das ganze Konzert vollkommen kalt. Den Anfang hatte ich mir noch vorne angesehen, entgegen meiner sonstigen Gewohnheit, ging ich aber irgendwann in der Mitte nach hinten, weil mir das, was sich da auf der Bühne tat, ziemlich egal war. Schade, denn ich würde die Long Blondes gerne gut finden, es klappte aber nicht so recht. Der Gerechtigkeit halber muß ich aber sagen, daß ich die Ausnahme darstellte. Die Leute, die vorne auf der Tanzfläche waren, gingen ordentlich mit. Gesanglich - oder überhaupt hinsichtlich der Performance - gab es auch nichts auszusetzen. Nur fehlt eben mittlerweile der Pep. Womit eigentlich alles gesagt ist.

Setlist The Long Blondes, Luxor, Köln:

01: Round the hairpin
02: Weekend without makeup
03: Autonomy boy
04: Here comes the serious bit
05: Separated by motorways
06: I liked the boys
07: Erin O'Connor
08: Century
09: Too clever by half
10: You could have both
11: The couples
12: Once and never again
13: Guilt
14: I'm going to hell
15: Giddy stratospheres

16: Lust in the movies (Z)

Links:

- aus dem Archiv:
- The Long Blondes, Paris, 26.04.08
- The Long Blondes, Paris, 29.03.07
- The Long Blondes, Dresden, 23.03.07
- The Long Blondes, Paris, 15.12.06
- mehr Fotos aus dem Luxor

The Lodger sind am 9. Mai im Club Drushba in Halle!




Sonntag, 27. April 2008

The Long Blondes, Paris, 26.04.08

1 Kommentare

Konzert:The Long Blondes
Ort: La Maroquinerie, Paris
Datum: 26.04.2008
Zuschauer: wahrscheinlich ausverkauft

"Als wir das letzte Mal in Paris gespielt haben, ging es mir soo fürchterlich schlecht, daß ich mich kaum auf den Beinen halten konnte, aber zum Glück ist das heute anders: "I feel well".

Kate Jackson, die charismatische Frontfrau der Long Blondes strahlte über das ganze Gesicht, als sie das sagte und man merkte ihr an, daß sie es aufrichtig meinte. Beim "letzten Mal in Paris" war ich übrigens auch dabei und ich hielt es nach dem enttäuschenden Auftritt (Krankheit hin oder her) im Pariser Trabendo (März 2007) nicht für augeschlossen, daß es sich ausgelongblondet hatte. Tatsache war nämlich, daß Kate trotz ihres Handicaps die mit Abstand agilste Person in der ansonsten saulahmen Truppe war. Die Bassistin schien hinter ihrem Instrument zu dösen und die Keyboarderin und Gitarristin machte den Eindruck, als könne sie nicht spielen. Ganz schön mau das Ganze also. Der damals herrschende massive Medienhype um die Band war letzlich nicht zu rechtfertigen.

Der Trubel hat sich allerdings in den letzten Monaten deutlich gelegt, die Kids hatten in der Zwischenzeit einfach andere Lieblinge bei meinzuhausemeinblog (demnächst konzerttagebuch.de) oder MySpace entdeckt.

Eine dieser neuen Lieblingsbands der Blogosphäre wollte ich vor dem Auftritt der Long Blondes unter die Lupe nehmen. Ich spreche von der Londoner Girlgroup Ipso Facto, von denen ich schon anderswo gelesen hatte (seltsamerweise nicht auf unserer eigenen Seite, aber die waren halt noch nicht in Paris oder Köln). Ihre dunklen, mysteriösen Songs auf ihrer MySpace Seite hatten mich neugierig gemacht und die Bilder von den attraktiven jungen Damen mit ihren schwarzen Pagenköpfen, die im Netz zirkulieren, sind einfach entzückend. Extrem stylish diese Girls, genau mein Geschmack! Das Problem war bloß, daß...sie nicht kamen! Angeblich im Stau steckengeblieben, oder was auch immer! Ein Jammer! Über eine Stunde wartete man in der Maroquinerie gespannt (ein Herr vor mir spielte auf seinem Blackberry), ob sie vielleicht doch noch aufkreuzen würden. Einige Besucher sprachen aus, was alle dachten: Lasst sie doch einfach nach den Long Blondes spielen! Aber alle Hoffnungen wurden enttäuscht, Ipso Facto ersatzlos gestrichen! Mist!

Das Publikum mußte mit den längst uncool gewordenen Long Blondes vorlieb nehmen. Deren Drummer hatte sich schon früh blicken lassen und überprüfte ein paar Einstellungen. Soundingenieure testeten ein wenig hin und her und man hörte ein paar elektronische Samples, die unschwer zu erraten zu den neuen Liedern vom zweiten Album "Couples" gehören würden. Ich fragte mich, was von den Neuheiten live zu erwarten war, hatte aber im Grunde genommen keine Vergleichsmöglichkeiten, da ich die neue CD noch gar nicht gehört hatte.

Kostproben sollte ich kurze Zeit später bekommen. Nach einem Intro ging es nämlich gleich mit "Century" los. Dies klang überraschend organisch und wavig, von einem allzu starken elektronischen Sound war nicht viel zu merken. Gut so! Auch "Here Comes The Serious Bit" war o.k., zum ersten Mal richtige Stimmung kam allerdings erst bei dem alten Hit "Weekend Without Make Up" auf. Ich fragte mich allerdings schon, wie es damals zu dem Text kommen konnte. Ein Wochendende ohne Make Up gibt es oder gab so etwas bei den Long Blondes wirklich einmal? Kaum vorstellbar, wenn man sich die drei Weiber der Truppe so ansieht. Kate Jackson sieht immer so aus, als sei sie mit den Augen in den Tuschkasten gefallen und ihre Lippen sind stets feuerrot. Diesmals allerdings auch ihr Nagellack, eine Neuheit für mich. Bei früheren Konzerten trug sie immer blaue Nägel, wirklich nicht mein Fall. Für die roten Krallen gab es also Pluspunkte bei mir, genauso für die (neuen?) Tattoos auf ihren beiden Oberarmen, die von gewaltigen Schiffen geziert wurden. Geil, ey!

Aber was machten eigentlich die anderen Mädels der Band, sind sie inzwischen dynamischer geworden? Nun, nur sehr bedingt, die Bassistin gibt sich nach wie vor die allergrößte Mühe teilnahmslos und gelangweilt zu gucken (irgendwann mußte sie allerdings einmal heimlich lachen) und die Gitarristin und Keyboarderin hatte auch keine besonders ausgeprägte Mimik. Aber ich glaube sie hat inzwischen ein wenig gelernt, wie man Gitarre gespielt, zumindest versuchte sie konzentriert diesen Eindruck zu erwecken. Die Herren in der Runde, Songwriter und Gitarrist (auch er spielt zudem Keyboard) Dorian Cox und Drummer Screech Louder waren im Gegensatz dazu Aktivposten der Band. Vielleicht sollte man aus den Long Blondes ein Trio machen, das wäre vielleicht dynamischer? Gerade der gute Drummer könnte so mehr in den Vordergrund gestellt werden und die Live-Performances wären nicht mehr so einseitig auf Leaderin Kate Jackson ausgerichtet.

Mit der bisherigen Besetzung blieb allerdings alles beim Alten, Kate tanzt nach wie vor lasziv und erotisch, führt sich das Mikro von oben in den Mund und wackelt mit den Hüften, daß es eine wahre Freunde für die Männer im Publikum ist. So konnte dann auch der ein oder ander mittelmäßige Song kompensiert werden. Gerade auf dem neuen Album ist nämlich nicht alles so glänzend wie die Wimperntusche von Frau Jackson. Das gab es definitiv ein paar Hänger und vor allem der Langweiler "Too Clever By Half" verpuffte völlig. Auch die Samples zu Beginn der Lieder, auf denen man oft eine Männerstimme reden hört, stellten sich als überflüssiges Beiwerk heraus. Lobend hervorheben möchte ich allerdings das tanzbare Stück "I Liked The Boys", das durchaus zu gefallen wußte. Die Kracher entfielen allerdings fast einhellig auf die alten Live-Klassiker und so hatte das Konzert mit "Once And Never Again" und dem 60ies angehauchten "Separated By Motorways" eine seiner stärksten Phasen, zu denen man auch das Ende mit dem Hit "Giddy Stratospheres" und der Zugabe "Lust In The Movies" zählen konnte.

Insgesamt sahen die Besucher ein anprechendes und kurzweiliges Konzert, allerdings ohne in Extase zu verfallen. Dazu sind die Long Blondes einfach eine Spur zu belanglos, trotz der nach wie vor guten Hits des ersten Albums.

Setlist The Long Blondes, Maroquinerie, Paris:

01: Century
02: Here Comes The Serious Bit
03: Weekend Without Make - Up
04: Autonomy Boy
05: The Couples
06: You Could Have Both
07: Round The Hairpin
08: Once And Never Again
09: Separated By Motorways
10: I Liked The Boys
11: Too Clever By Half
12: Guilt
13: Erin O'Connor
14: I'm Going To Hell
15: Giddy Stratospheres

16: Lust In The Movies (Z)

Links:

- aus dem Archiv:
- The Long Blondes, Paris, 29.03.07
- The Long Blondes, Dresden, 23.03.07
- The Long Blondes, Paris, 15.12.06
-
mehr Fotos von Kate Jackson und den Long Blondes
- Video von "Weekend Without Make Up" in der Pariser Maroquinerie von 2006
- Century (Promo Video)


Konzerttermine der Long Blondes:

28.04.2008: Evreux, Frankreich
29.04.2008: Strasbourg, Frankreich
01.05.2008: Groningen (Vera), Niederlande
02.05.2008: Osnabrück (Glanz & Gloria)
04.05.2008:
Hamburg (Knust)
05.05.2008: Berlin (Lido)
06.05.2008:
Köln (Luxor)
07.05.2008:
München (Atomic Café)




Freitag, 30. März 2007

The Long Blondes, Paris, 29.03.07

2 Kommentare
Konzertbericht The Long Blondes
Datum:29.03.2007
Ort: Le Trabendo, Paris (auf der MySpace Seite der LB: La Trabendo)
Zuschauer: nicht sonderlich gut besucht

Um mich auf das heutige Konzert einzustimmen, hörte ich in der Metro auf meinem iPod den Punkrock-Klassiker "Fresh fruit for rotten vegetables" von den Dead Kennedys. Dies hatte auch eine spezielle Bewandnis. Ein markantes Gitarrenriff im Song "Weekend without make-up" von den Long Blondes hatte mich nämlich stark an "Holiday in Cambodia" von eben den Dead Kennedys erinnert. Christoph hat diesen Vergleich immer als fernliegend abgetan. Rückendeckung bekam ich jedoch von dem Bassisten der Band The Young Knives, der meinen Eindruck in einem Zeitungsbericht bestätigte. Deshalb hatte ich auch beim Hören des Debütalbums der Long Blondes immer den Eindruck, einige Songs schon vorher einmal gehört zu haben. Beim weiteren Durchlauf von "Fresh fruit" erhärtete sich der Verdacht des "Ideenklaus" sogar noch etwas mehr. Dieser Basslauf zu Beginn von "California über alles", gibt es den nicht auch so ähnlich bei den falschen Blondinen? Und dann dieses "Nag Nag, on your door", bei welchem Song der Newcomer aus Sheffield taucht das noch einmal als Versatzstück auf? Na ja. sollte man vielleicht auch nicht überbewerten, aber den Hauptpreis für Originalität haben die Long Blondes schon mal nicht gewonnen, soviel steht fest, zumal auch viel "Siouxie" in ihrem Sound steckt.

Trotzdem hatte mir ihr Konzert in der Maroquinerie im vergangenen Dezember gut gefallen. Um etwas abzukürzen: heute war es weniger gut. Das lag an zwei Umständen: zunächst einmal war das Trabendo bei weitem nicht ausverkauft, um nicht zu sagen, daß es ziemlich leer war und deshalb auch keine sonderliche Stimmung im Publikum aufkam.

Zum zweiten und dieser Grund fällt stärker ins Gewicht, war Kate Jackson krank. Dies sagte sie zur Vorwarnung auch gleich schon zu Beginn. Eine lange Tournee hat also schon ihre Spuren hinterlassen, obwohl sich Kate trotzdem relativ tapfer schlug. Sie biss die Zähne zusammen und versuchte das Beste aus der Situation zu machen. Ihre zwei weiblichen Mitstreiterinnen, Emma am Keyboard und Reenie am Bass waren aber gewohnt lethargisch und trantütig. Zum Glück gab es wenigstens noch den engagierten und guten Drummer, sonst wäre es wirklich ziemlich lau geworden. So kam wenigstens bei "Giddy Stratospheres" und "A knife for the girl" so etwas wie Begeisterung auf. Zu diesem Zeitpunkt waren wir allerdings schon fast am Ende des sehr kurzen Sets angekommen. Vorher hatte noch am Ehesten "Once and never again" zu überzeugen gewusst, während "Five ways to end it" ziemlich belanglos dahinplätscherte. Nach dem 9. Titel "Appropiation" und nur 45(!) Minuten war dann allerdings schon Schluß. Hastig verließ das Quintett die Bühne und es gab auch keine einzige Zugabe. Schade, schade, aber Frau Jackson war wohl wirklich nicht fit heute. Das sei ihr verziehen, sowas kann passieren, andere Bands sagen vielleicht in einem solchen Falle sogar ganz ab. Weil es aber Paris war (genau so sagten sie das), sind sie zumindest angetreten. Das verdient Respekt, aber ein relativ enttäuschendes Konzert war es nichtsdestotrotz!




Setlist The Long Blondes:

01: Lust in the movies
02: Weekend without make-up
03: Once and never again
04: Five ways to end it
05: Only lovers left alive
06: You could have both
07: Giddy Stratospheres
08: A knife for the girl
09: Appropriation

von Oliver



Samstag, 24. März 2007

The Long Blondes, Dresden, 23.03.07

8 Kommentare
Konzert: The Long Blondes
Ort: Starclub, Dresden
Datum: 23.03.2007
Zuschauer: ziemlich voll

Dienstreisen verlieren ihren Schrecken, wenn am Ziel der Reise abends ein Alternative-Konzert stattfindet. Mein Ausflug führte mich nach Dresden und bescherte mir abends die mächtig angesagten Long Blondes aus Sheffield. Das Konzert fand im Starclub statt und sollte um 22 Uhr beginnen. Als ich pünktlich um neun zum Einlaß da war, waren neben mir schon eine Handvoll Leute meines Alters da. Der Konzertsaal ist im ersten Stock des Gebäudes. Imposant ist da die etwa sieben Meter hohe Decke mit Stuckverzierung, wenn mich nicht alles täuscht, aus der Zeit des Jugendstils, allerdings seitdem auch nicht mehr ausgebessert. An den Wänden des Clubs hängen die Konzertplakate des Starclubs aus den 90er Jahren.

Der Raum füllte sich schnell und plötzlich standen um 21.30 Uhr drei gleich gekleidete Musiker (rote Stiegler-Pullunder und braune Nadelstreifen Hosen) auf der Bühne. Ein vierter Mann ohne Band-Uniform stand seitlich an einem kleinen Licht-Dings und steuerte zwei Glühbirnen-Bäume, die neben dem Schlagzeug standen. Eigentlich ist damit alles zu Mr. Brown aus Hamburg gesagt. Die Musik und der Stil der Band waren mir einen Tick zu bemüht. Ein Newcomer, der sich so durchstylt, bei jedem Lied mindestens einmal aufs Schlagzeug klettert und von da runterhüpft und dazu austauschbare Musik macht, ist nett aber schnell wieder vergessen. Erwähnenswert war, wie der Sänger es sich mit den Dresdnern verscherzte. Weil am gleichen Tag die erste Platte von Mr. Brown (vielleicht nach Reservoir Dogs benannt) erschien, sagte der Sänger, er sei jetzt lieber in Hamburg, was ihm entsprechende Reaktionen einbrachte. Er versuchte das damit zu retten, daß aber die Leute in Dresden hübscher und besser sprechend seien. Nach einer halben Stunde war Schluß damit. Falls ich vollkommen daneben liege und da die nächste deutsche Bandsensation auf der Bühne stand (ich bezweifele es ein wenig), hier die

Setlist Mr. Brown:

01: Yeah
02: Take it
03: Teacher
04: You want us
05: Ms Green
06: Karaoke bar
07: Love songs
08: Camel toe
09: Shivers
(das auf der Setlist erwähnte E.G.O. wurde nicht gespielt)

Während der Vorgruppe standen fast alle Zuschauer einige Meter von der Bühne entfernt, kaum war die von der Bühne, kamen alle nach vorne.

Gegen 22.35 Uhr kam dann die junge Band aus England auf die Bühne. Hätte ich das nicht gesehen, hätte ich es gerochen, denn Sängerin Kate Jackson hatte nicht nur ein Weekend with makeup sondern auch mit sehr viel Parfum. Ich stand zwar sehr nah am Sängerinnen-Platz, bin aber sicher, daß man ihre Duftwolke auch bis hinten gerochen hat. Es ist wohl angebracht, bei einer Band, der Mode wichtig ist, ein paar Worte über die Kleidung der Band zu verlieren. Am spektakulärsten sah Keyboarderin und Gitarristin Emma. Sie trug ein giftgrünes Teil über einer cremefarbenen Bluse, einen knielangen, zu eng wirkenden Rock und eine Stoffschleife im Haar. Eine englische Rose. Sängerin Kate hatte erst einen schwarzen Pullover mit Silberbesatz, eine sehr kurze schwarze Hose und schwarze Strümpfe bis zum Knie. Später flog das Pulloverchen weg und offenbarte, daß die Hose wohl zu einem Einteiler gehörte. Da das hier kein Modeblog ist, soll es damit aber gut sein.

Neben den beiden genannten Bandmitglieder gehören Bassistin Reenie, Schlagzeuger Screech (der ab und zu wie ein Bruder Roger Willemsens aussah) und Gitarrist Dorian zu den Long Blondes. Die Band tritt aber ab und zu auch
nur in Besetzung Kate, Dorian und Screech auf. So richtig überrascht das nicht, denn die beiden anderen spielen musikalisch nicht die größte Rolle auf der Bühne. Reenie, die direkt vor mir stand, hatte ein überschaubares Programm am Bass. Mich störte das aber überhaupt nicht, denn der Sound der Band war sehr ok. Kates Stimme funktioniert live gut und das, obwohl sie ununterbrochen über die Bühne tanzt und sich in immer neue Posen setzt.

Ich mochte die Platte der Long Blondes auf Anhieb. Daher gefiel mir das Konzert, das natürlich zum Großteil aus Liedern des Debuts bestand, ausgezeichnet. Beim
Publikum kam das Set auch sehr gut an. Die Zuschauer im Starclub waren aber auch typisches Indie-Publikum, vielleicht im Schnitt ein paar Jahre älter als bei vergleichbaren Konzerten in Köln.

Besonders gut gefiel mir, daß Kate den Text bei "Once and never again", das gleich nach "Lust in the movies" und "Weekend without makeup" kam - ein sehr ordentlicher Auftakt also - geändert hatte. Statt "Nineteen, you're only nineteen..." sang sie "Neunzehn..."! Der genuschelte Rest war für mich leider nicht zu verstehen. A propos nicht verstehen: Vor Kate klebten zwei grüne Packbandstreifen mit der Aufschrift: "These are riches of the poor."

Neben den Albumtiteln spielten Kate & Co. ein paar B-Seiten ("Fulwood Babylon" z.B.). Nach einer knappen Stunde endete das reguläre Set. Die Band, die übrigens zum zweiten Mal in Dresden war, kam aber für eine Zugabe zurück auf die Bühne.

Es hat Spaß gemacht, den Long Blondes zuzusehen. Ob der Hype berechtigt ist, mag jeder für sich entscheiden. Ich mag die Platte wie erwähnt sehr und hatte wirklich viel Spaß. Modisch war der Auftritt für mich keine Offenbarung, die Long Blondes rochen aber definitiv viel besser als gewöhnliche Indie-Bands!

Zum nächsten Kölner Konzert der Engländer werde ich ganz sicher wieder gehen.

Setlist: The Long Blondes

01: Lust in the movies
02: Weekend without makeup
03: Once and never again
04: Fulwood Babylon
05: Heaven help the new girl
06: Five ways to end it
07: Only lovers left alive
08: Swallow tattoo
09: Madame Ray
10: You could have both
11: Giddy stratospheres
12: Knife for the girls
13: Separated by motorways

14: ??? Vielleicht Appropriation, werde ich noch klären (Z)

Live-Video "Giddy
stratospheres"



Freitag, 2. März 2007

Kaiser Chiefs, The Long Blondes, The Pigeon Detectives, London, 03.03.07

3 Kommentare
Konzert: Kaiser Chiefs, The Long Blondes, The Pigeon Detectives
Ort: Shepherds Bush Empire, London
Datum: 03.03.2007
Zuschauer: Seit Wochen ausverkauft

Die Influenza, auch „echte“ Grippe genannt, ist eine durch Viren aus den Gattungen Influenzavirus A oder B ausgelöste Infektionskrankheit bei Menschen, anderen Säugetieren und Vögeln. Im Volksmund wird die Bezeichnung Grippe häufig für grippale Infekte verwendet, bei denen es sich aber um verschiedene, in der Regel deutlich harmloser verlaufende Viruserkrankungen handelt.

Wikipedia


 

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