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Sonntag, 26. Mai 2013

The Burning Hell, Karlsruhe, 24.05.13

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Konzert: The Burning Hell mit support Jake Nicoll
Ort: Kohi in Karlsruhe
Datum: 24. Mai 2013
Zuschauer: etwa 50
Dauer: 35 min + 80 min




Das war einfach himmlisch mit The Burning Hell im Kohi. Klingt platt, stimmt aber zu 100%!!

Ich hatte die bunte Truppe um Mathias Kom und seine Ukulele im Sommer 2011 in Darmstadt getroffen und mich verliebt in diese selbstironisch schwarzhumorigen Texte und die mitreißende Musik, die so geerdet und gleichzeitig komplett jenseitig ist. Seitdem immer darauf gehofft, dass wir uns demnächst wieder sehen. My name is Mathias war auf meiner persönlichen Best-of-2011-Platte: where we’re born and when we die: we can’t control that. and life in between is just war and combat. there are targets you can shoot for and mines to circumvent, but most of life is an accident.

Dass sich die Band rar machen würde, kann man ihr nicht vorwerfen. Obwohl am Arsch von Kanada zu Hause, touren sie fleißigst Land-auf und Land-ab in Deutschland (und Resteuropa und Kanada) und manchmal stellen sie auch so verrückte Rekorde auf wie 10 Konzerte in 10 Ländern binnen 24 Stunden spielen...


Trotzdem dauerte es nun fast zwei Jahre. Seitdem der Termin im November abgemacht worden war, habe ich dem 24. Mai wie ein Kind dem Weihnachtsabend entgegengefiebert. Tatsächlich lief ich im Kohi angekommen Mathias und Ariel von der Band gleich als erstes in die Arme. Wahrscheinlich habe ich gegrinst wie ein Honigkuchenpferd... Ich war ein bisschen in Sorge, ob wohl genug Leute den Weg ins Kohi finden würden, denn es war noch ziemlich wenig los. So wollte ich sie wenigstens persönlich besonders nett willkommen heißen.



Aber die Band war ganz gelassen. Der Gitarrist nutzte die Zeit, um ein bisschen Mandoline zu üben und  als der Support Jack Nicoll gegen 21:30 Uhr sein Set begann, waren sicher 40 Leute da. Im Verlauf des Abends füllte es sich so gut, dass die Kapazität am Ende so ziemlich ausgeschöpft war.


Jack ist als Drummer von The Burning Hell mit von der Partie, hat darüber hinaus aber schon ganz schön viel eigene Musik veröffentlicht. Die akustische Darbietung im Kohi (sehr schön auf dem Bild zu sehen ist, dass er eine Mütze über das Mikro gelegt hatte...) unterschied sich stark von der Realisierung auf den verfügbaren Tonträgern. Meiner Meinung nach, war er so reduziert viel stärker und die Eigenart seiner Stimme kam besser zur Geltung. Mein Highlight: I miss you so, wo ich mich echt am Riemen reißen musste, ihm nicht stante pede meine mütterliche Schulter zum Trost anzubieten. Das Publikum im Kohi hat ihn jedenfalls ganz ins Herz geschlossen und war damit bestens aufgelegt, als es tatsächlich mit The burning Hell losging, die nichts umzubauen brauchten, sondern dem Schlagzeuger nur etwas verschnaufen ließen.


An diesem Abend waren sie zu fünft angekommen:

Mathias Kom: Ukulele
Ariel Sharratt : Klarinette
Nick Ferrio : Bass
Jake Nicoll : Schlagzeug
Darren Browne : Gitarre


Es wurden natürlich viele Songs der aktuellen (gerade im Mai erschienenen) Platte People gespielt, die noch komplett neu für mich sind. Aber ... aber ... das Set begann doch tatsächlich mit My name is Mathias als hätte ich es mir so wünschen können. Das rumste natürlich gleich erst einmal und es gab sehr viele spontane Lacher über den zum Teil sehr schwarzen Text zu der tänzerischen Musik.



Weitere ganz besondere Highlights für mich waren die Oldies: Everything you believe is a lie, I love the Things that People make und The Things that People make pt. 2. Das sind einfach erprobte Partykracher und auch in der Darbietung für Leute im Kohi, die die Texte nicht mitsingen konnten, erschlossen sich doch viele Textteile beim ersten hören und es gab viele spontane Lacher und Gejohle.



Zu vielen Liedern erzählte Mathias etwas zur Entstehung und sprach auch über das Konzept von People. Das machte offene Ohren auch für die Lieder, die nicht ganz so eingängig sind, oder das erst mit dem dritten hören werden. 



Bei dem letzten Stück der vorbereiteten Setlist Amateur Rappers schon stand Mathias im Publikum - eine Schranke zwischen Bühne und Hörern war sowieso nie so richtig dagewesen, aber nun gab es eine allgemeine Verbrüderung. 



Klar, dass es nicht ohne Zugaben abgehen würde, aber was dann im allerletzten dritten Zugabenteil folgte, war selbst für das Kohi etwas besonderes. Die Band kam in die Mitte, wurde von allen Seiten liebevoll eingeschlossen und ALLE sangen mit über die Liebe, die uns auch gern mal wie ein Laster überfährt oder nach anfänglichem Hochgefühl auf viele verschiedene Arten unsanft verlässt oder uns anders hart rannimmt. Was für ein Finale!

Die Musiker ließen den Abend im Kohi noch nett ausklingen mit Schwatzen und CDs verkaufen. Ich habe das Honigkuchengesicht auch heut (2 Tage später) noch nicht ganz abgelegt. Was für ein Fest das war!




Setlist:
1) My name is Mathias
2) Schoolyard
3) Realists
4) Wallflowers
5) Everything you believe is a lie
6) Last Winter
7) Industrialists
8) I love the Things that People make
9) Holidaymakers
10) Nostalgia
11) Pirates
12) The Things that People make pt. 2
13) Amateur rappers

14) Everybody needs a body (Z)
15) The Berlin Conference (Z)
16) It happens in Florida (akustisch) (Z)



Weitere Tourdaten:

25.05. Geislingen - Seemühle
27.05. Paris - Le Pop In
28.05. Nancy - Le Quai'son
29.05. Freiburg - Swamp
30.05. Mannheim - 7er Club
31.05. Crailsheim - Jugendzentrum
01.06. Nürtingen - Provisorium
02.06. Tübingen - Plattform Festival
04.06. Innsbruck - Café Galerie
05.06. Timelkam - Farm
06.06. Bratislava - LOFT Club
07.06. Wien - Haus der Musik
08.06. Zagreb - Zedno Uhu
09.06 - 15.06. Italy - tba
16.06. Munich - innen.außen.raum
18.06. Darmstadt - Zucker
19.06. Trier - Exhaus
20.06. Rees-Haldern - Haldern Pop Bar
21.06. Lauenau - Kesselhaus
22.06. Northeim - Alte Brauerei
23.06. Essen - Goldbar
24.06. Osnabrück - Café Mojo
25.06. Lübeck - Blauer Engel
28.06. Kiel - AStA-Festival  


Tourempfehlung vom klienicum
Die aktuelle Besetzung in Lauenau 2012 auf Video einfangen: 



Samstag, 19. September 2009

Tomte, Wien, 05.09.09

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Konzert: Tomte (A Life, A Song, A Cigarette)
Ort: Karlsplatz, Wien
Datum: 05.09.2009
Zuschauer: ca. 3000
Konzertdauer: etwa 100 Minuten


von Julius aus Wien

Als sich Thees Uhlmann auf dem Frequency Festival selbst für den 5. September und den Wiener Karlsplatz ankündigte, erntete er so manches Gelächter und leicht irritierte Blicke, gilt besagter Platz doch als Hotspot des städtischen Drogenmilieus.

Wie insgeheim allerdings schon erwartet, machte der RedBull-Tourbus, unter dessen Schirmherrschaft das Konzert statt fand, nicht zwischen Streetworkern und Giftlern Station, sondern vor der imposant-kitschigen Kulisse der Karlskirche.

Das kreisrunde Brunnenbassin mit einem Durchmesser von etwa 100m soll wohl als eine kleine Reminiszenz an den Hamburger Hafen dienen, wo Tomte mit bzw. auf besagtem Getränkeherstellervehikel ihrer Heimatstadt die Ehre erwiesen. In der Praxis funktioniert diese Idee natürlich nicht, und so klaffte eine riesige (nasse) Lücke im Publikum, in der sich dann immerhin die Abendsonne spiegeln konnte. Ja, richtig gelesen, Abendsonne, welche in Österreich zwar schon rund eine Stunde früher am Horizont verschwindet als in Deutschland, aber dennoch Tomte noch kurz bis vor Schluss begleiten durfte. Beginn war nämlich schon um 17h, als die als Support fungierenden A Life, A Song, A Cigarette die Leiter auf das Gefährt erklommen. Ein für Wiener Verhältnisse extrem früher, vor allem aber pünktlicher Beginn und so verpassten viele den Beginn der Folk/Americana/Indie-Truppe, was die meisten aber nicht allzu schwer nehmen dürften, stammen doch Alasac erstens aus Wien und war doch die gesamte Veranstaltung gratis.

Eben genannte Formation wusste zwar handwerklich durchaus zu überzeugen, ihre Stärke liegt aber erfahrungsgemäß indoor und in möglichst dunklen Räumen. Auch mit dem Amateur-Sound, der der im Tourbus eingesetzten Sparversion einer Soundanlage geschuldet war, hatten Alasac zu kämpfen, spielten ihre knappe Stunde Spielzeit dennoch mehr als solide herunter. Egal, der Hauptzweck aller Support-Slots war erfüllt: Neugier wecken. Und so bleibt zu hoffen, dass die in Wien meistens als Supportacts „verschleuderten“ Alasac demnächst wieder einmal eine Solo-Show spielen können/wollen/dürfen. Thees Uhlmann war auf jeden Fall mehr als nur angetan von der Darbietung und bekundete zwischen zwei Songs freimütig, dass er zwar die ganze Zeit schon auf die Toilette gemusst hätte, aber nicht weg wollte. Und tatsächlich lief uns Thees nach dem Ende von Alasac über den Weg, als er in die TU eilte, wo die Toiletten zugänglich gemacht waren. Und er, der joviale Frontmann, der sich sonst für jeden Fan, der ihn anspricht, ein paar Worte Zeit nimmt, hatte auch nur einen kurzen Gruß für uns übrig. Dass er wesentlich erleichterter wirkte, als er wieder aus dem TU-Gebäude heraus kam, passte somit auch ins Bild.

Während der Umbauphase zeigten dann einige BMX-Fahrer im Sold von Red Bull ihre Künste, welche auch durchaus spektakulär waren, aber Tomte kamen dadurch natürlich nicht früher auf den Bus. Währenddessen strömten die zwei Generationen über uns in die Karlskirche, wo ein Konzert der Wiener Sängerknaben stattfand.

Stilgerecht eröffnete Thees den Abend dann mit einer Zeile aus der Strauß- Operette „Wiener Blut“, nur um dann eine 180°-Wendung zu vollziehen und den „Killers“-Hit „Human“ zum Besten zu geben... „Are we human or are we dancer?“ Naja, ich entschied mich mal vorerst für „human“, den „dancer“ wollte ich mir für die besseren Songs aufsparen.

Und diese ließen auch nicht lange auf sich warten: „Die Schönheit der Chance“ schickte sich nämlich gleich an, uns in Galilei’scher Manier die Gravitationstheorie näherzubringen: „Das ist nicht die Sonne, die untergeht, sondern die Erde, die sich dreht.“ Ein durchaus eingängiger Refrain, den im vergangenen November das bestens gelaunte Wiener Publikum über 30 Minuten lang nach dem eigentlichen Konzert rezitierte und so den auch nicht gerade miesepetrigen Thees zu insgesamt drei Zugabenblöcken verleitete.

Diesmal war dies leider nicht der Fall, denn die Spielzeit war durch die Konkurrenzveranstaltung in der Kirche begrenzt und so ging es flott weiter und Tomte fragten nach dem werten Befinden in ihrer Heimat: „Wie siehts aus in Hamburg?“

Von Hamburg ging es flugs wieder nach Österreich und Thees widmete dem österreichischen Ausnahmetalent Anja Plaschg alias „Soap&Skin“ den Song „So soll es sein.“ Die nächste, diesmal eher zweifelhafte, Hommage ließen die Hamburger dann den kürzlich aneinander zerbrochenen Britpop-Monolithen „Oasis“ zukommen: „Wilhelm, das war nichts.“ Ein Song, der nicht nur hinsichtlich des Titels viel mit dem „Smiths“-Klassiker „William, it was really nothing“ gemein hat. Und um keinen Zweifel an seiner Einstellung zu Liam Gallagher’s Gesang zu lassen, intonierte Thees, mehr würgend als grölend, „I am the walrus“. Und auch die ewige Nr. 1 des Oasis-Werks – „Wonderwall“ blieb nicht unangetastet. Aber als Gegengewicht zu dieser gewaltigen Ladung Spott und Ironie muss klar gestellt werden, dass Tomte immerhin schon als Vorband für Oasis in Dresden auftraten und damals richtig stolz darauf waren, gerade mal ein halbes Jahr her. Und besonders Keyboarder Simon Frontzek äußerte sich in Interviews positiv über die Mods aus Manchester und vergleicht mitunter auch mal Songs wie „Die Bastarde, die dich jetzt nach Hause bringen“ mit Oasis-Granaten.

Der großartige Conferencier Thees Uhlmann verzückte dann mit einer neuen Version einer bereits am Frequency Festival zum Besten gegebenen Geschichte: Nach ihrem Konzert auf Sylt (am Frequency noch das „Graz Deutschlands“, diesmal die „Steiermark Skandinaviens“) vor ein paar Wochen seien er und Dennis Becker, der Gitarrist, nächtens und nackt im Meer schwimmen gewesen, eine riesige Woge hätte Dennis dann an eine Klippe geschleudert, worauf der sich eine Rippe gebrochen hätte. Am nächsten Morgen hätten sie dann ein Warnschild mit der Aufschrift „Schwimmen verboten. Lebensgefahr!“ entdeckt.

Diese kleine Geschichte aus dem Tomte’schen Nachtleben sorgte aber längst nicht für die Erheiterung, für die Thees sorgte, als er mit neidischem Blick auf die BMX-Fahrer gestand, in jungen Jahren einmal zwei Jahre auf ein Skateboard gespart und dann an einem einzigen Abend das ganze Geld versoffen zu haben. Denn: „Nichts ist so schön, wie betrunken traurige Musik zu hören.“ Und unter das Label „Traurige Musik“ fällt auch wohl „What A Wonderful World“, Tomtes hinreißende Ode an ebendessen Geigen beendeten dann ein typisches Tomte-Konzert, es soll zwar schon bessere Abende mit den Hamburgern gegeben haben, aber dank Thees’ charmanter Ansagen, der Spielfreude der ganzen Band und natürlich auch des Preises konnte man einfach nicht enttäuscht sein, „so soll es sein, so war es erdacht.“

Setlist Tomte, Karlsplatz, Wien:

01: Human (The Killers Cover)
02: Die Schönheit der Chance
03: Wie siehts aus in Hamburg
04: So soll es sein
05: Schwer wie ein Planet
06: Schrei den Namen deiner Mutter
07: Heureka
08: Wilhelm, das war nichts
09: Wonderwall (Oasis Cover)
10: Korn & Sprite
11: Küss mich wach, Gloria!
12: (spontane Ode von Thees an den Gitarristen Dennis Becker)
13: New York
14: Voran Voran
15: Nichts ist so schön, wie betrunken traurige Musik zu hören

16: Dein Herz sei wild (Z)
17: Ich sang die ganze Zeit von dir (Z)
18: Die Geigen bei Wonderful World (Z)

Links und Fotos folgen!




 

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