Konzert: Our Broken Garden & Tearist & Phoebe Killdeer Ort: Le Divan Du Monde, Paris Datum: 31.03.11 Zuschauer: leider nicht ausverkauft
Die 1980er Jahre sind voll zurück! Und dies nicht erst seit gestern, man hat seit spätestens 2002 den Eindruck, daß sämtliche Scheußlichkeiten aus diesem nicht sonderlich geschmackssicheren Jahrzehnt wieder ausgekramt werden. Auch vor der Musik macht dieses Revival keinen Halt. Fever Ray hatte 2009 ein irre erfolgreiches Album auf den Markt gebracht, daß unglaublich eightieslastig war und seitdem schießen die Fever Ray-Klone wie die Pilze aus dem Boden. Zola Jesus, Glasser, Juliette Commagère, Austra, Tearist, alle klingen sie mehr oder weniger nach dem Projekt von Karin Dreijer Andersson.
Das Festival les femmes s'en mêlent springt 2011 auf diesen Trend auf und hetzte dem Publikum gestern Glasser und heute Tearist auf den Hals. Morgen schicken sie Austra hinterher.
Und Yasmine Kittles aka Tearist gebärdete sich wahrlich als wilde, furchteinflößende Furie und bot ein Spektakel mit gothischer Diskosoße und theatralischer Bühnenshow. Am Ende schlug sie mit einer kurzen Eisenstange um sich, wälzte sich wie eine Gestörte auf dem Boden und schrie wie eine Hexe. Scarry! Ich selbst hatte von dem Set der jungen Dame aus Los Angeles aber nicht allzu viel mitbekommen, so daß ich mich um ein Urteil drücke.Speziell, sehr speziell. In Berlin würde man sagen: "ey voll krass, Alter!"
Auch bei der in Paris lebenden Australierin Phoebe Kildeer und ihrer Band The Short Strawes, die am Ende auftrat, muss ich passen, denn ich sah mir nur zwei Stücke an, weil ich noch zur Fotoaustellung von Troy von Balthazar wollte. Allerdings weiß ich von einem früheren Konzert her, daß mir die Phoebe nicht so wirklich zusagt. Knödelstimme, Rockröhrengehabe auf der Bühne, irgendwie nix für mich.Aber wie gesagt, ich weiß nicht wie es im Divan Du Monde war.
Kommen wir deshalb direkt zu der Dänin Anna Brönsted aka Our Broken Garden. Für die Dame mit der glockenhellen Hauchstimme war ich hauptsächlich aufgelaufen und mein Erscheinen sollte sich als lohnend herausstellen. Wir schon vor ein paar Monaten im Européen (Vorprogamm Emily Jane White) begeisterte sie mich mit ihrem sahnig gerührten Dream Pop mit unwiderstehlichen, melodisch melancholischen Gitarren und pulsierendem Bass. Auch ihr Set war sehr eightieslastig, aber nicht so trashig wie bei den anderen oben zitierten Damen. Vielmehr macht sie sich das romantische (und zugegebenermaßen recht kitschige) Moment der 1980 er Jahre zu Eigen, redet von wilden Pferden und singt wie eine Fee. Ohnehin ein irreal hübsches Wesen diese Anna. Blond, blauäugig, langbeinig und mit einem Lächeln gesegnet, mit dem sie Eisberge zum Schmelzen bringen könnte. Heute zeigte sie sich besonders sexy. Extrem hohe Absätze, güldnes Kleid, fürs Auge war viel geboten. Aber auch die drei Männer in ihrer Band machten ihre Sache ausgezeichnet. Toll vor allem der Basser. Er spielte fast wie Peter Hook und setzte mit seinem schnellen, druckvollen Spiel viele positive Akzente. Der Gitarrist wiederum kitzelte wundersame Melodien aus seiner Elektrischen und ließ die Riffs meterhoch durch den Divan du Monde segeln.
In einem ausgewogenen Set stachen Garden Grow und The Burial besonders hervor. Schade, daß die durchaus nicht schlechte letzte CD Golden Sea die live vermittelten rauschhaften Gefühle nicht wirklich einfangen kann und etwas glatt und seicht klingt. Dreampoppigen Shoegaze wie ihn Our Broken Garden spielt, genießt man deshalb am besten live vor Ort. Eine Genuß für Ohren und Augen!
Konzert: The Rodeo (& Phoebe Killdeer) Ort: La Flèche d'Or Datum: 22.10.2207 Zuschauer: nicht so voll wie sonst
Am Sonntag bekam ich elektronische Post von der Flèche d'Or: "wenn sie möchten, können sie sich gerne wieder in die Gästeliste eintragen, morgen werden unter anderem The Rodeo und Phoebe Killdeer spielen und sie bekommen sogar den Apperitif noch gratis dazu. Freuen sie sich also auf einen Abend mit guter Musik und einem kostenlosen Wodka."
The Rodeo und einen Wodka, alles für lau, da sagt man doch nicht nein, oder?
Sehr pünktlich stand ich also mit den ebenfalls konzertbesessenen Marguerite und Silvia auf der Matte bzw. an der Bar, nur um zu erfahren, daß die Nummer mit dem Gratis-Wodka... ersatzlos gestrichen wurde! Für Getränke mußte also wie immer gelöhnt werden, und wenn man weiß, daß alleine ein Gläschen Cola 5 € kostet, kann einem schnell der Durst vergehen. Wissen die etwa in dem Laden nicht, daß Musikfanatiker ihr Geld für iPods, CDs, Singles, Konzerttickets, T-Shirts etc. brauchen? - Anscheinend nicht...
Nun gut, zumindest die Musik war - wie so oft in dem Schuppen - gut und die Mädchen im Publikum sahen auch nicht übel aus. Da gibt es immer wieder die ein oder andere fesche Schnalle zu bewundern; wer also im Gegensatz zu mir männlich (na gut männlich bin ich auch), ledig und ungebunden ist, sollte mal in der Flèche d'or aufkreuzen, wenn er in Paris ist.
Auch auf der Bühne gab es eine charmante junge Frau zu sehen, Dorothée nämlich, die hinter dem Projektnamen The Rodeo steckt, und ansonsten auch bei Hopper mitsingt. The Rodeo ist aber ihr eigenes Baby und das wächst und gedeiht. Nur ein Album, daß man auch käuflich erwerben kann, ist leider noch nicht abgefallen, kein Wunder die Gute arbeitet Vollzeit!
Den Opener "I'm Rude" und auch "I Could" sang sie noch ohne Begleitung, dann stießen aber zwei Herren (später auch drei) hinzu, ein Schlagzeuger und ein schnauzbärtiger Herr an diesen seltsamen waschbrettartigen Holzteilen, die man in der Country-Szene benutzt (man reibt hierzu mit einem Metallteil an den Fingern über das Instrument). Weiß jemand, wie so etwas heißt? - Wie auch immer, der Sound wurde aufgrund der Unterstützung durch die Band wuchtiger und lauter. Das launemachende "People Know" wurde gespielt und die ersten Leutchen im Publikum trauten sich, ein wenig mit dem Tanzbein zu wankeln (von schwingen konnte hingegen nicht die Rede sein). Schade, daß es in der Flèche d'or noch so leer war, die meisten standen verschüchtert hintenrum, kaum jemand traute sich näher an den Bühnenrand.
Die Zuspätgekommenen verpassten in der Folge auch den Höhepunkt des Sets, nämlich das starke Stück "Your Love Is Huge" ("I can share it with you, if you want"), das sich immer mehr zum Ohrwurm entwickelt. Wie ich erfahren habe, ist dieser Knüller auch auf einem Sampler enthalten. Wenn ich bloß wüßte, wo man das gute Stück kaufen kann...
Ein weiteres Glanzlicht im Repertoire von The Rodeo wurde den Zuschauern aber leider vorenthalten. Das ganz und gar fabelhafte "Winterlands" war zwar auf der Setlist vermerkt, wurde aber vermutlich aus Zeitgründen gestrichen. Einfach gestrichen, wie zuvor schon der Wodka, die Veranstalter des heutigen Abends schulden mir also noch etwas!
Setlist The Rodeo, Flèche d'or:
01: I'm Rude 02: I Could 03: People Know 04: Feel The Fire 05: Your Love Is Huge 06: HRW 07: Little Soldier 08: Cha Cha Cha
Die Geschichte des anschließenden Auftritts der ehemaligen Nouvelle Vague Sängerin Phoebe Killdeer ist schnell erzählt. Viel Pose, schicke Klamotten und Schuhe (der Gitarrist trug silberne Schühchen) und eine perfekte Rockstar-Attitüde, aber die Qualität der Lieder ließ leider etwas zu wünschen übrig. Geboten wurde ein bluesiger Garagenrock, wohl inspiriert durch Tom Waits und Co. aber leider mit wenig packendem Songmaterial. Die englischen Noisettes oder auch die kleine Sharah Worden aka My Brightest Diamond setzten Ähnliches deutlich gekonnter in Szene. Die zahlreich verwendeten exotischen Rasseln, Kastagnetten, etc. waren allerdings schon ein kurioser Hingucker. Und schlecht sah die leicht verückte Phoebe ja auch nicht aus, ihre Frisur hat mir auf jeden Fall gefallen...
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