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Montag, 8. Mai 2017

Flowers, London, 24.03.17

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Konzert: Flowers
Ort: Islington Assembly Hall, London (20 Years Of Trouble)
Datum: 24.03.2017
Dauer: knapp 40 min
Zuschauer: 400 vielleicht



Eigentlich sollte ich es mittlerweile kapiert haben, schließlich war es nicht mein erstes Flowers-Konzert. Trotzdem stand ich auch nach diesem Mal wieder mit offenem Mund da und war hin und weg, was für eine grandiose Musik diese drei jungen Londoner immer wieder erzeugen!

Flowers spielten als zweite Band am Freitag des FortunaPOP!-Festivals. Auch ihr Auftrittsort (die Islington Assembly Hall) alleine wäre den Besuch wert gewesen, der Saal aus den 30er Jahren ist herrlich prachtvoll, mit einem großen Balkon, so wie diese vielen alten, hergerichteten Londoner Konzertsäle eben  sind.

Flowers sind Rachel Kenedy (Gesang und Bass), Sam Ayres (Gitarre) und Jordan Nathan Hockley (Schlagzeug). Das so zurückhaltend gespielte Schlagzeug und die Gitarre, die mal nur sanft unterstützt, sich mal mogwaiesque aufspielt sind toll, wer einmal bei Flowers war, wird aber hinterher nicht so genau wissen, ob ein 20-köpfiges Streichorchester oder Hochseilakrobaten da waren, so sehr steht Rachels dunkle Stimme im Vordergrund. Bei Liedern wie Joanna wirkt der Gesang der Frau fast operettig, gücklicherweise aber nur fast. Ich hatte mir eigentlich fest vorgenommen, Rachel diesmal endlich zu fragen, ob sie meine Mobilbox bespricht.


Die Londoner Band spielte in dem 40minütigen Set drei neue Songs, die sich nahtlos ins Repertoire einpassten. Nur AI unterschied sich etwas, weil es eine ganze Spur rockiger als die beiden anderen (Blanket, Nightmare in the supermarket) war. Hoffentlich wird sich ein Label finden, daß die mögliche dritte Platte der Band herausbringt!

Natürlich war der Auftritt von Flowers eines der Konzerte am 20 years of trouble Wochenende, der mir in Erinnerung bleiben wird! Und so wird das auch bei jedem nächsten sein!

Setlist Flower, Islington Assembly Hall, London:

01: Be with you 
02: Pull my arm 
03: Knock you out 
04: Ego loss 
05: Blanket (neu)
06: Nightmare in the supermarket (neu)
07: How do you do 
08: I don't mind 
09: Joanna 
10: AI (neu)
11: Stuck 
12: Young

Links:

- aus unserem Archiv:
- Flowers, Ripley, 30.07.16
- Flowers, Brighton, 30.07.15
- Flowers, Madrid, 20.04.15



Montag, 1. August 2016

Flowers, Ripley, 30.07.16

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Konzert: Flowers
Ort: Midlands Railway Centre, Ripley (Indietracks)
Datum: 30.07.2016
Dauer: knapp 35 min
Zuschauer: einige hundert




Der Name Flowers ist nicht gut zu ergoogeln. Die Bandcamp- und Facebookseiten der Engländer findet man über "flowersdomusic". Flowers do music... welch eine Untertreibung. Als hätte jemand vom Stadtmarketing die brillante Idee, "Stockholm ist eine Stadt" auf Broschüren zu drucken.


Flowers waren eine der wenigen Bands im diesjährigen Indietracks-Lineup, die ich nicht nur kannte, die ich sogar schon live gesehen hatte. Die junge britische Band war von Luna als Support für deren Konzerte im letzten Sommer in Großbritannien aber auch im April in Spanien geladen worden. Ich hatte gleich dreimal das Glück, Flowers-Sets vor Luna sehen zu dürfen. Und von Mal zu Mal freute ich mich mehr darauf, die drei Engländer noch einmal zu erleben!

Flowers sind Sängerin Rachel Kenedy, Gitarrist Sam Ayres und Schlagzeuger Jordan Hockley. Auf Platte (es gibt bisher zwei - bei Fortuna POP!) beeindruckt schon Rachels Stimme. Allerdings sind die Studioaufnahmen ein müder Abklatsch gegenüber dem Livegesang! Um das gleich schon einmal herauszuarbeiten, begann das Konzert mit I don't mind, von Rachel ohne Begleitung vorgetragen! Popstars, DSDS und Co.? Das hier ist The Voice! Rachel von Flowers!




Bei Pull my arm stiegen Sam und Jordan ein. Und auch wenn ich schon zufrieden gewesen wäre, wenn Rachel nur den Fahrplan der Midlands Railways vorgelesen hätte, die herrliche, oft krachige Gitarre von Sam und das ganz zurückhaltend gespielte Schlagzeug heben das Ganze noch einmal in andere Dimensionen!



Dabei steht Sam so auf der Bühne, daß er immer Rachel ansieht. Ich sollte mich zwar auf die Lieder konzentrieren, dem Gitarristen zuzusehen, macht aber auch enorm viel Spaß!



Die Londoner spielten leider nur 35 Minuten, packten aber auch neue Stücke ins Programm. Know you out, hieß eines davon, meine ich mitbekommen zu haben. Das zweite sei so neu, an dem hätten sie Donnerstag und sogar noch am Morgen vor dem Indietracks-Auftritt gearbeitet. Es sei ein wenig verrückt, es zu spielen, sie hätten aber große Lust darauf. Das Lied sei "basically Pull my arm backwards," sagte Rachel. Und natürlich war das eine gute Idee, das Stück zu teilen, es war hervorragend, mit sehr toller Melodie! Vielleicht das bisher popigste Lied der Band!


Ab Ende spielt Rachel wieder alleine - diesmal sich selbst mit Bass begleitend. 

Warum buchen deutsche Festivals Flowers nicht? Und wie kann es sein, daß ich eine solch grandiose Band für ein Clubkonzert buchen kann und keine echte Bookingagentur?

Denn: Flowers do concerts.

06.10.16 Köln, Tsunami

07.10.16 Hamburg, Astra Stube
08.10.16 Berlin

Setlist Flowers, Indietracks, Ripley:

01: I don't mind
02: Pull my arm
03: Know you out (neu)
04: Be with you
05: Comfort
06: Ego loss
07: Joanna
08: How do you do
09: neu
10: Tammy
11: Stuck

Links:

- aus unserem Archiv:
- Flowers, Brighton, 30.07.15

- Flowers, Madrid, 20.04.15 



Dienstag, 4. August 2015

Luna, Brighton, 30.07.15

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Konzert: Luna (& Flowers)
Ort: Sticky Mike's Frog Bar, Brighton
Datum: 30.07.2015
Dauer: Luna knapp 85 min, Flowers gut 30 min
Zuschauer: vielleicht 80



Als im Teatro Lara Ende April die letzten Töne von Time to quit verklangen, war mein Entschluß eigentlich schon gemacht, daß das nicht mein letztes Luna Konzert gewesen sein konnte. Daß die andere Band von Galaxie 500 Sänger Dean Wareham live gut sein würde, hatte ich geahnt - sonst wären wir nicht nach Madrid gefahren. Daß Luna so viel besser als meine hohen Erwartungen sein würden, aber nicht. 


Das Brighton-Konzert der kurzen UK-Tour wurde mit "Luna farewell tour" beworben. Das machte es nicht leichter, auf eine der Gelegenheiten, die Band noch einmal zu sehen, zu verzichten. Außerdem war das Indietracks am Wochenende vorher ein schöner Vorwand, gleich in Großbritannien zu bleiben und Luna noch einmal zu sehen. Die einzigen später noch angekündigten Konzerte finden in Australien, Neuseeland und Nordamerika statt und sind damit unerreichbar.


Ursprünglich sollte das Konzert im Old Market in Brighton stattfinden. Das Label habe gewünscht, daß Luna stattdessen in Sticky Mike's Frog Bar auftreten sollten, sagte der Mann am Einlaß. Der Vorverkauf lief also nicht gut. In der Stadt war nichts von einem Luna-Konzert zu lesen. Am nachfolgenden Wochenende fand der Brighton Pride statt, die meisten Häuser und Geschäfte waren mit Regenbogenfahnen geschmückt. Wenn schon Konzertplakate, dann welche, die für eine David Bowie Nacht warben. Wegen einer amerikanischen (Kritiker-) Lieblingsband, die einer anderen amerikanischen (Kritiker-) Lieblingsband nach deren Auflösung nachgefolgt war, waren die Leute nicht in die Küstenstadt im Süden gekommen. Zumindest nicht mehr als die vielleicht 80, die während des Luna-Teils des Abends in Sticky Mike's Keller standen. Von denen schienen die wenigsten aus Brighton zu stammen (wenn überhaupt). Dean Wareham erkannte einige Besucher wieder, die aus Schweden oder Australien angereist waren. 

Das Sticky Mike's ist eine (Frog) Bar mit kleinem Konzertraum im Keller. Der Soundmann des Abends war aber offenbar vom großen Saal des Kurhauses ausgegangen, als er die Lautstärke festgelegt hatte - schon bei der Vorgruppe war es höllisch laut! Dabei sind Flowers keine Band, die Lautstärke braucht. Das Schlagzeug spielt Drummer Jordan Hockley so zurückhaltend, wie dies zum Beispiel bei Daughter auch Stilmittel ist.


Neben Jordan sind Gitarrist Sam Ayres und Sängerin und Bassistin Rachel Kenedy Flowers. Das Debütalbum der Londoner Do what you want to, it's what you should do (produziert von ehemaligen Suede Gitarristen Bernard Butler) ist im September vergangenen Jahres erschienen. Die Band scheint aber bereits viel neues Material geschrieben zu haben. Obwohl ich die Platte oft gehört habe und auch die Singles besitze, kannte ich die wenigsten Stücke.


Das prägende Instrument der Musik der jungen Briten ist Rachels Stimme, die live noch einmal um Nummern eindrucksvoller als auf Platte ist. Rachels Gesang hört sich "erwachsen" an (das Wort ist doof, die Anführungszeichen auch), dabei ist die Band blutjung und schüchtern. Die Sängerin hatte ihre Augen fast immer geschlossen und machte keine Ansagen. Gitarrist Sam stand nicht frontal sondern seitlich zur Bühne und guckte seine Frontfrau an, mit gekreuzten Füßen, ein tolles Bild!



Die besten Stücke des halbstündigen Konzerts waren My only friend, Joanna, Bitter pill und Drag me down vom Album, das aber in einer viel roheren Version gespielt wurde. Zweimal wichen Flowers von der üblichen Instrumentierung ab. Bei I don't mind sang Rachel nur zu elektronischen Klängen, beim abschließenden Stuck, begleitete sie sich selbst mit ein, zwei Basstönen, abwechselnd mit Klopfen auf ihrem Instrument. Für die beiden anderen war da Pause bzw. schon Schluß.



Flowers sind nicht bei Dean Warehams Label Sonic Cathedral. Daß sie nach der Spanien-Tour auch wieder in England und Glasgow Support waren, hat wohl ausschließlich musikalische Gründe. Und die kann ich zu gut nachvollziehen! 

Setlist Flowers, Sticky Mike's Frog Bar, Brighton:

01: Be with you
02: Pull my arm
03: Bitter pill
04: Ego loss
05: My only friend
06: Intrusive thoughts
07: Drag me down
08: I don't mind
09: Joanna
10: I love you
11: Stuck

Vielleicht hatten Luna aber Flowers auch mitgenommen, weil man sie ähnlich schlecht googlen kann.


Luna hatten lange Zeit einen Platz in der Motzecke meiner Musiksammlung. Nach dem Ende meiner großen Lieblinge Galaxie 500 (dazu - nicht nur dazu - empfehle ich Dean Warehams Biographie Black Postcards) habe ich die Nachfolgeband erst einmal vollkommen mißachtet. Erst nach und nach änderte ich meine fundamentalistische Haltung und entdeckte, wie brillant auch diese Warehamsche Band ist. Im Gegensatz zu Galaxie 500 (die nicht als gute Liveband galten) habe ich Luna damals, also in ihrer aktiven Zeit nicht live gesehen. Ich musste auf die Reunion-Tour warten, um Luna fast genau zehn Jahre nach der Auflösung in Madrid sehen zu können. 


Luna spielen heute in der letzten Aufstellung vor der Auflösung. Neben Dean Wareham und seiner Frau Britta Phillips sind das Gitarrist Sean Eden und Schlagzeuger Lee Wall. Auch wenn der Sänger und die Bassistin im Fokus stehen, sind die beiden anderen mindestens genauso sehenswert, ich glaube ich habe noch nie bessere Musiker an ihren Instrumenten gesehen als Lee und Sean. Während der kahlköpfige Lee während der Konzert nichts sagt, ist Sean nicht nur brillanter Musiker sondern auch im Team mit Dean Wareham urkomisch. Die beiden spielten sich die Bälle zu oder reagierten auf Zurufe aus dem Publikum. Irgendwie kam Sean auf Tennis (wenn man nach Brighton reinfährt, liegen an der Straße einige Rasenplätze). Er habe noch nie auf Gras gespielt, würde aber gerne, sagte der Gitarrist. Nach einer kurzen Anstandspause antwortete Dean lachend "oh, you played on grass!" 


Aber trotz aller Unterhaltung zwischen den Songs war die Musik natürlich noch besser. Luna haben bis zu ihrer Auflösung sieben Studio-Alben veröffentlicht (und damit nichts verdient!). Auf den Platten sind unzählige Hits! Viel mehr als in ein knapp anderthalbstündiges Konzert passen. Natürlich müssen da Lieblinge fehlen. Die Frau hinter mir rief irgendwann rein, sie wünsche sich California (all the way). "We didn't practice this!" - "But we could play it!" Also wurde die Setlist geändert und California gespielt. Toll!

Mein Liebling des Abends war wohl Malibu love nest. Chinatown, das ich ganz besonders mag, hatten Luna (wie schon ein Madrid) ein wenig verpatzt. Aber Bewitched, Moon palace... ach, es sind so viele!

Und obwohl Luna nur Knüller im Repertoire haben, spielten sie als Zugaben zwei Cover. Naja, halbe Cover. Blue thunder von Galaxie 500 ist nur für Britta, Sean und Lee eines und Indian summer erschien bereits auf der Luna Cover-Platte Lunafied.

Es war einen Ticken zu laut, es gab Rückkopplungen und komische Geräusche, ein oder zwei Einsätze holperten, Brittas Gesang war meist zu leise, trotzdem war es ein wundervolles Konzert. Was für eine Schande, daß Luna im Vergleich zu ihrer Brillanz viel zu unbekannt sind! Und was für eine Schande, daß man diese großartige Band bald nicht mehr sehen kann. Einmal Luna hatte ich noch - am folgenden Tag in der Garage in London. Aber das erzähle ich später.

Setlist Luna, Sticky Mike's Frog Bar, Brighton:

01: Slide
02: Chinatown
03: Sideshow by the seashore
04: Malibu love nest
05: Going home
06: Tiger Lily
07: Tracy I love you
08: Bewitched
09: Lost in space
10: California (all the way)
11: Moon palace
12: Friendly advice
13: 23 minutes in Brussels

14: Blue thunder (Galaxie 500) (Z)
15: Indian summer (Beat Happening Cover) (Z)


Links:

- aus unserem Archiv:
- Luna, Madrid, 20.04.15

- Flowers, Madrid, 20.04.15 
- mehr Fotos





Mittwoch, 22. April 2015

Luna, Madrid, 20.04.15

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Konzert: Luna
Ort: Teatro Lara
Datum: 20.04.2015
Dauer: Luna 90 min, Flowers ca. 30 min
Zuschauer: gut 300 (ausverkauft)
 

Im letzten Sommer deutete einiges darauf hin, daß es zu einer Reunion von Luna kommen würde. Dean Wareham spielte in seinen Soloprogrammen plötzlich Stücke seiner 2005 aufgelösten Band und postete Fotos von gemeinsamen Treffen mit Lee Wall und Sean Eden (und Ehefrau Britta natürlich). Zumindest im Rückblick macht das plötzlich Sinn. Damit gerechnet, die Nachfolger meiner heißgeliebten Galaxie 500 irgendwann einmal live zu sehen, hatte ich nicht mehr.

Galaxie 500 waren nicht nur meine erste (ernstzunehmende) Lieblingsband, sie waren auch die erste, deren Auflösung ich miterlebte. Danach war ich trotzig. Luna, die Nachfolge-Gruppe habe ich lange Zeit nicht beachtet. Vielleicht mußte ich erst erwachsener werden - so wie die Musik vielleicht auch erwachsener im Vergleich zu der der drei Schulfreunde Dean, Naomi und Damon war.

Gefragt, warum es jetzt die Reunion gab, antwortete Dean Wareham in einem Interview, es habe ein Angebot eines spanischen Bookers gegeben, der ihnen eine Tour buchen wolle und das habe nach zehn Jahren Bandpause nach großen Spaß geklungen. Die Comeback-Tour im April klang auch für uns nach einem großen Spaß und vor allem nach einem Muß!

In Madrid spielten Luna in einem 1880 eröffneten, wunderschönen Theater. Daß das Teatro Lara in einer Querstraße zur Calle de la Luna liegt und in diesem Viertel alles irgendwas mit "Luna" heißt, war nur ein Zufall, aber ein schöner. Wenn man zwei Tage immer wieder an Lunas vorbeigeht, ist das durchaus vorfreudewirksam.


Auch auf das Vorprogramm hatte ich mich sehr gefreut. Flowers aus London sind Sängerin Rachel und ihre beiden Kollegen Jordan und Sam. Das besondere Merkmal der Band ist Rachels wundervolle Stimme, die mich an die von Elena von Daughter erinnert. Flowers' Stücke sind oft sehr minimalistisch und manchmal erst auf den zweiten Blick echte Schönheiten - aber sie sind es alle!


Leider war der herrliche Theatersaal noch ziemlich leer, als Flowers loslegten. Sie hätten nicht viel Zeit, hatte der nette Merch-Mann uns vorher gesagt. Damit es eine halbe Stunde werden konnte, hatten Flowers bereits zehn Minuten vor der angesetzten Zeit anfangen müssen. Sie schafften immerhin zehn Lieder. 


Mir gefielen Forget the fall und All over again am besten. Bei weitem nicht alle Lieder stammten von der Debütplatte Do what you want to, it's what you should do. Was ich tun sollte, ist Flowers demnächst noch einmal anzusehen. Mir gefiel die halbe Stunde mit den drei Briten sehr! Dummerweise wurde es danach aber so weltbewegend gut, daß die Erinnerung an Flowers viel zu schnell verblasste...

Setlist Flowers. Teatro Lara, Madrid:

01: Be with you
02: All at once
03: Ego loss
04: Everybody's dying 
05: Forget the fall
06: All over again
07: I don't mind
08: Joanna
09: I love you
10: Stuck 

... aber das ist beim Fußball eben auch so. Wenn du ein tolles Spiel hinlegst, der Mann neben dir aber fünf Tore macht, redet man nur über den. Luna haben an diesem Montagabend weit mehr als fünf Treffer gelandet!


Es begann noch ein wenig holprig. Chinatown, das ich als meinen Luna-Liebling bezeichnet hätte, war noch schlecht abgemischt. Sean Edens Gitarre war im Verhältnis zu den anderen Instrumenten und Dean Warehams Stimme viel zu laut. "It's been a dramatic evening already," sagte der Frontmann. Auch die Anreise nach Spanien war dies wohl. Brittas Bass ist irgendwo im Iberia-Nirvana verschwunden. Sie spiele jeden Abend mit einem anderen Instrument. Die Pedale hatten Flowers der Bassistin geliehen.


Ab dem zweiten Lied wurde alles perfekt. Die Setlist war es, der Sound, die Spielfreude. Perfekt und nicht anders. Ich habe Dean Wareham jetzt einige Male gesehen, keines der Konzerte war schlechter als hervorragend*, immer wurde er von tollen Musikern begleitet. Aber Luna - und das war die große Überraschung für mich - waren noch einmal deutlich brillanter. Sie waren viel besser als die Summe ihrer Einzelteile, würden Journalisten sagen.  Ich weiß nicht, ob sie vor zehn Jahren ähnlich mitreißend aufgespielt haben.


Dean Wareham ist ein fabelhafter Gitarrist. Bei Luna hat er aber in Sean Eden einen Kollegen an seiner Seite, der vielleicht der beste Gitarrist ist, den ich je gesehen habe. Ihm auf die Finger zu gucken, war atemberaubend. Spätestens nach seinem Spiel bei Friendly advice müsste eigentlich jeder im Saal den Wunsch verspüren, selbst Gitarre lernen zu wollen.


Lieder, die ich bisher nett aber nicht umwerfend fand (Bewitched, Outdoor miner), waren Sensationen! Lieblinge wie Tiger Lily, 23 minutes in Brussels, Moon palace oder Lost in space noch deutlich besser als auf den Alben. Im Saal war niemand zufällig. Das ausverkaufte Konzert hatte nicht nur uns anreisen lassen. Irgendwer machte einen Spruch über das Bierwerbeschild über der Bühne. "David, bist du extra aus Boston angereist, um das zu sagen?" fragte Dean Wareham. Wenn ich mal nicht auf Sean Edens Hände oder die scheinbar nicht alternde Britta Phillips guckte, sah ich im Publikum nur Leute mit staunend-offenem Mund. 


Warum sind Luna nicht unendlich viel größer? Konzerte in Deutschland wird es wohl nicht geben, sagte der Sänger nach der Show. Also muß man reisen, um California (all the way) oder Bobby Peru sehen zu können. Warum man die sehen sollte? Weil denen nichts das Wasser reichen kann.


Nach dem faszinierenden Friendly advice kam die Band zur Zugabe zurück und erfüllte einen Pulikumswunsch, Ride into the sun, das Velvet Underground Cover. 23 minutes in Brussels danach wäre ein großartiger Abschluß gewesen, der Klatsch-Krach danach war aber so laut, daß Luna noch einmal erschienen und Outdoor miner ("nicht Outdoor minor," wie Sean klarstellte) und Time to quit spielten.

Es waren anderthalb Stunden, die umwerfend waren! Ach, umwerfend... weltbewegend! Eines der britischen Konzerte im Juli wird als Teil der Luna "Farewell-Tour" angekündigt. Neues Material scheint jedenfalls ausgeschlossen zu sein. "What about a new album?" rief irgendwer rein. Nach langer Pause antwortete Dean "what?"

Ich bereite mich also wieder auf die nächste Auflösung einer Lieblingsband vor. Denn spätestens nach diesem Auftritt sind auch die Galaxie 500 Stiefgeschwister Luna dies!

Setlist Luna, Teatro Lara, Madrid:

01: Chinatown
02: Sideshow by the seashore
03: Malibu love nest
04: California (all the way)
05: Cindy tastes of barbeque
06: Tracy I love you
07: Pup tent
08: Bobby Peru
09: Tiger Lily
10: Lost in space
11: Bewitched
12: Moon palace
13: Friendly advice

14: Ride into the sun (The Velvet Underground Cover) (Z)
15: 23 minutes in Brussels (Z)

16: Outdoor miner (Z)
17: Time to quit (Z) 

* an mein erstes 1990 erinnere ich mich leider nicht. Laut Dean Wareham waren Galaxie 500 aber keine gute Liveband.

- mehr Fotos folgen!




 

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