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Mittwoch, 21. Dezember 2016

Emily Jane White, Motorama, Flotation Toy Warning, Paris und Bordeaux 9.und 12.11.16

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Konzerte: Emily Jane White, Flotation Toy Warning, Motorama
Orte: La Maroquinerie, Paris, Le Rocher de Palmer, Bordeaux
Daten: 9 November 2016 Paris, 12. November 2016 Bordeaux 


Das absolut wundervolle französische Label Talitres feierte seinen 15. Geburtstag in Paris und Bordeaux und da musste ich natürlich dabei sein! Was hat mir Labelchef Sean Bouchard mit seinen Veröffentlichungen über die ganzen Jahre hinweg für eine Freude bereitet! Der Teufelskerl hat einen Grossteil meiner Lieblingsalben der 2000er Jahre veröffentlicht! Zu seinem Katalog gehörten und gehören unter anderem Longplayer von: The Organ, I liketrains, Swell, The Wedding Present, Kim Novak, The National (Album Sad Songs For Dirty Lovers), Rachael Dadd, The Walkmen, Rozi Plain, The Apartments! 

Alben die mein Leben verändert und mir viel Mut und Hoffung gegeben haben, ja die auch mit dazu beitrugen, dass ich mit diesem Blog hier überhaupt angefangen habe. Die Platte von The Organ haben Christoph und ich geliebt und das hat uns Lust gegeben, uns täglich mit dem Schreiben über Musik die wir mögen zu beschäftigen.

Das musikalische Programm der Jubiläumsfeierlichkeiten von Talitres sah dann im Detail so aus:

Paris,  La Maroquinerie:

09.11.16: Motorama, Emily Jane White
10.11.16: Motorama, Flotation Toy Warning, Will Samson

Bordeaux, Le Rocher de Palmer

11.11.16: François And The Atlas Mountains, Stranded Horse, Will Samson
12.11.16: Emily Jane White, Flotation Toy Warning, Motorama

Natürlich wollte ich eigentlich jeden Abend mitfeiern, aber es gab da ein paar Probleme. Zunächst einmal war da mein Tinnitus zu nennen, den ich mir beim Konzert von The Wedding Present ein paar Tage zuvor zugezogen hatte und dann war meine Freundin auch noch auf die gute, aber mich in eine Zwickmühle bringende Idee gekommen, für den 9. November Karten für John Carpenter im Pariser Grand Rex zu ordern. Ausgerechnet an jenem Abend waren aber eben Emily Jane White und Motorama in der Maroquinerie angesetzt! Was also tun? Meine Lösung sah folgendermassen aus: am 9. zu John Carpenter gehen und dann am 12. nach Bordeaux fahren, um dort den in Paris verpassten Auftritt von Emily Jane White nachzuholen. Die Reise nach Bordeaux trat ich dann auch wirklich an, das Konzert von John Carpenter am 9 Novemver verliess ich aber nach nur einem einzigen Lied, weil es mir dort mit meinen schmerzenden, pfeifenden Ohren viel zu laut war, trotz Ohrenstöpseln.

Eine Tag später, am 10. November, versuchte ich erneut zu testen, ob meine Ohren dem Lärm eines Konzertes stand halten würden und da ich meine Laucherchen fest mit Wachs verschlossen hatte, ging das dann schliesslich auch.


Als ich die sehr gut gefüllte Maroquinerie betrat, hatten die Briten Flotation Toy Warning gerade angefangen. Labelchef Sean von Talitres hatte bereits nach dem nachmittäglichen Soundcheck die Erwartungen weiter angeheizt als er postete, die Proben hätten sensationell geklungen. 

Und schön wurde es in der Tat! Popstar Researching Oblivion wurde angestimmt und die grandiose Studioversion klang auch live toll. Natürlich konnten nicht alle kleinen Details der Plattenversion wiedergegeben werden, weil dort mit so vielen Chören, Effekten, Geräuschen und Computerprogrammen gearbeitet worden war, dass es unmöglich war, das Ganze genau wiederzugeben. Die Bläserparts fehlten sogar gänzlich. Aber das hatte natürlich auch mit Kostengründen zu tun. Schon jetzt standen sehr viele Musiker auf der Bühne die bezahlt werden wollten, hätte man jetzt noch Bläser und Streicher eingeflogen, wäre das nicht mehr finanzierbar gewesen. "Trying to understand it all" croonte Bandleader Paul Carter und die feierliche Kammerpopatmosphäre des Stücks legte sich über die Maroquinerie. Nun wurden mit Controlling The Sea und Foxgloves viel versprechende Neulinge gespielt, die man 2017 auf ein neues Album pressen will.


Der Mittelteil des Konzerts war eine Art Dankeschön an Labelchef Sean und seine Mitarbeiter, die auf die Bühne zitiert wurden und zusammen mit der Band ein Lied im Chor sangen. Das anschliessende kurze Made From Tiny Boxes war für den heutigen Abend extra umgeschrieben worden, der Text war nun französisch! Die Parolen handelten logischerweise von Glückwunsch-und Dankesbekundungen an Talitres. Natürlich kam das gut an, es war auch wirklich eine nette, aufrichtig gemeinte Geste.


Der Abschluss erfolgte mit Even Fantastica, einem melancholischen Stück das fast schon vorweihnachtliche Stimmung verbreitete und besinnlich vor sich hin schlenderte, teilweise aber auch die für die Band typischen spacigen Weltraumpassagen aufwies.

Ein paar Tage später in Bordeaux klang das irgendwie noch besser, die Gruppe schien eingespielter zu sein, der Sound war nuancierter, meine Aufmerksamkeit und Empfänglichkeit höher. Zwar wurde auch hier nicht ganz das sensationelle Niveau der Platte erreicht, aber das Konzert war dennoch weit überdurchschnittlich.


Setlist Flotation Toy Warning

01: Postar Researching Oblivion
02: Controlling The Sea (neu)
03: Foxgloves (neu)
04: Driving 
05: When The Boat Comes Inside Your House
06: Sings, mit Sean von Talitres
07: Made From Tiny Boxes auf französich
08: Even Fantastica


Dann Motorama! Ich war gespannt wie ein Flitzebogen wie mir die neuen Songs von Dialogues in der Liveversion gefallen würden. Das Studioalbum selbst hatte ich noch nicht gehört, da ich ganz unbefangen an die Sache rangehen und das neue Material im Konzert entdecken wollte.


Sofort gab es 3 Neulinge hintereinander weg. Es wurde schnell klar, dass der Sound genauso basslastig wie früher, aber elektronischer und softer war. Synthieplayer Alex hatte mehr zu tun als früher, aber Drummer Oleg trommelte genau so schnell und stakkatisch wie bei der Tour zum letzten Album von Poverty. Von Letzgenanntem wurden heuer nur das herrlich melodiöse Heavy Wave und Corona gespielt, der Akzent lag ansonsten ganz klar auf Dialogues. Und die ersten beiden gespielten Stücke dieses aktuellen Outputs hatten es bereits in sich, sie gehören sicherlich zu den Highlights des Werkes und auch live kamen sie Tadellos rüber. Tell Me klang so wunderbar sanft, war catchy wie gewohnt und blieb schnell im Ohr hängen. Sign begeisterte ebenfalls.

Mit Wind in Her Hair und Above The Clouds liessen die Russen dann die Sonne rein, wer behauptet Motorama seien nur düster, wurde hier eines Besseren belehrt. Wind In Her Hair hatte fast ein tropical feeling mit seinen lässigen sonnengetränkten Gitarren. Es sollte nicht der einzige Titel von Alps bleiben, Ghost kam ebenfalls, der famose Titeltrack des Erstlings aber nicht, obwohl die Russen den Song gerne als Zugabe gespielt hätten. Aufgrund der recht späten Stunde und des frühen Curfews kam es aber im Gegensatz zum Vortageskonzert in der Maroquinerie nicht mehr dazu. Schade ! Gerade in der Schlussphase hatte Sänger (und Gitarrist und Bassist) Vlad Parshin mächtig aufgedreht, ja sich regelrecht in einen Rausch gespielt! Wild fuchtelte er mit seiner Gitarre bzw. seinem Bass um sich, tänzelte wie Elvis Presley auf Zehenspitzen hin und her schien wie von Sinnen zu sein. Seine Brille hatte er zu diesem Zeitpunkt längst nicht mehr auf. Bevor er ausrastet, zieht er die immer sicherheitshalber ab.


Das dynamische Finish hatte selbt diejenigen überzeugt, die vorher, unwissend wie sie waren, gegen Motorama gestichelt hatten. 

Am 12 November in Bordeaux wiederholten Motorama dann noch einmal die Show zu ihrem neuen Album und da ich die Stücke inzwischen besser kannte, kam ich noch mehr auf meine Kosten, hatte noch mehr Spass, selbst wenn das Publikum in Bordeaux eher schüchtern reagierte und sich kaum bewegete. Und dies obwohl vorne mit 350 Sachen gespielt wurde!

Setlist Motorama

01: By Your Side
02: Tell Me
03: Sign
04: Wind In Her Hair
05: Above The Clouds
06: I See You
07: Heavy Wave
08: Ghost
09: Hard Times
10: Holy Day
11: Alps
12: Reflection
13: To The South
14: Corona
15: Eyes 


Und wer fehlt noch in meiner Zusammenfassung ? Na klar, Emily Jane White! Die hatte wie erwähnt bereits am 9. November in Paris gespielt und stand dann am 12. November in Bordeaux als Erste auf der Bühne. Ich war gerade noch rechtzeitig angekommen und schleppte sogar meinen Reisekoffer mit rein, freilich nachdem ich minutenlang gefilzt worden war. Das Sicherheitspersonal hielt mich sicherlich für verrückt zu den Konzerten mit einem Koffer anzurücken, aber ich hatte keine Zeit mehr diesen vorher in die Wohnung meines mich beherbergenden Freundes zu bringen.

Den Auftritt von Emily Jane White genoss ich trotzdem in vollen Zügen, trotz meines bepackten Zustandes, denn den Koffer stellte ich einfach in eine Ecke und meinen Mantel hatte ich auch schnell ausgezogen.


Sehr erfreulich war der hervorragende Sound in der Venue, wirklich brillant und perfekt ausgesteuert, was da aus den Boxen kam. Und nicht nur zu meiner Freude war heute auch noch ein Geiger mit dabei, der sehr einfühlsam und virtuos spielte. Das Line Up komplettierten wie schon zur Tour im Frühjahr die Bassistin Laura aka Foxtails Brigade und der Drummer und Lover von Emily Jane namens Nick.

Das 2016 er Album gefällt mir ganz ausgezeichnet und natürlich lag auf diesem Machwerk auch der Schwerpunkt. Emily Jane White hat sich bei den neuen Songs wirklich auf ihre Stärken besonnen, Songs wie Frozen Garden oder Nightmares On Repeat glänzten mit wundervoller Instrumentierung, melodisch-melancholischem Ambiente, guten Texten und der sanftweichen Stimme von White.

Was die Lyrics anbelangt, beschäftigte sich die Kalifornierin auch mit aktuellen politischen Themen wie der Black Live Matters Bewegung, die die oft unberechtigte Polizeigewalt gerade gegen schwarze vermeintliche Straftäter anprangert. Black Dove ging unter die Haut, begeisterte durch regelrechte Trommelwirbel, tolle Chöre und eine verführerische Klaviermelodie. 

Oh Katherine vom Album Ode To Sentience widmete Emily dann Labelgründer Sean und als sie am Ende das sublime Dagger spielte, hatten alle im Publikum einen Kloss im Hals.

Unter dem Strich waren die Konzerte zum 15. Geburtstag von Talitres ein voller Erfolg. Es kamen viele Zuschauer, die Gigs waren exquisit und es wurde auch hinterher viel Vinyl verkauft.

Setlist Emily Jane White

01: Antechamber (neu)
02: Moulding (neu)
03: Frozen Garden (neu)
04: Hands (neu)
05: Rupturing (neu)
06: Nightmares On Repeat (neu)
07: Liza (Victorian America)
08: Stairs (Victorian America)
09: O Katherine (Ode to Sentience)
10: The Black Dove (neu)
11: Dagger( Dark Undercoat)


Donnerstag, 28. August 2014

Emily Jane White, Strasbourg, 25.03.14

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Konzert: Emily Jane White mit Support Enelos
Ort: La Laiterie in Strasbourg im Rahmen 
   des Festivals Les Femmes S’en Mêlents
Datum: 25. März 2014
Dauer: 30 min + 90 min
Zuschauer:etwa 200



Emily Jane White habe ich Anno dunnemals mit dem Album Dark Undercoat von der VISIONS empfohlen bekommen. Es hatte mich 2008 infiziert und ich war nach den großartigen Alben American Undercoat und Ode to Sentience auch 2013 beim aktuellen Album Blood/Lines eine begeisterte Hörerin. Für Konzerte war jedoch bisher Oliver (s.u.) "zuständig" und Eike hatte mich mit seiner Konzertbestenliste 2012 noch einmal empfindlich auf das bestehende Manko meinerseits aufmerksam gemacht. 


Als für 2014 zehn deutsche Termine fest standen, wollte ich es zwingen. Das Konzert in Weinheim am 16. März war fest abgemacht, aber dann wurde ich krank. Wirklich schade und auch ärgerlich, aber ich habe mich damit getröstet, dass auch Strasbourg nicht aus der Welt ist und es dort obenauf noch Julianna Barwick als Support geben würde. Tatsächlich war ich am 25. März gesund und guter Dinge in Strasbourg: Es war wunderbares Wetter und ich hatte am Nachmittag die Gelegenheit nutzen können, einige dienstliche Kniffligkeiten mit Hilfe von Strasbourger Kollegen auf die richtige Rille zu setzen. Der Tag stand also unter einem guten Stern!



Das war allerdings ein bisschen zu früh gefreut, denn in letzter Minute (*) musste Julianna Barwick ihren Auftritt absagen und als Support sprangen super kurzfristig Enelos ein. Die zwei Damen mit je einer Gitarre wurden vom Publikum in der Laiterie zwar mit großer Sympathie begleitet, aber wir waren uns anschließend einig darüber, dass der ganze Auftritt (also Musik und Livedarbietung) etwas von Pfadfinderinnencharme hatte. Rau und echt, aber nicht wirklich mit Julianna Barwick auch nur annähernd vergleichbar ...





Aber schließlich betrat Emily Jane White die Bühne. Dort war für sie ein Podium vorbereitet auf dem stehend sie ziemlich weit über das Publikum in der ersten Reihe hinausrausragte. Sie trug einen rotem Umhang und schwarze Haare. Mit der weißen Gitarre war ihr Auftritt eine Mischung aus Schneewittchenpoetik und Aggressivität der bösen Königin. Er wirkte sehr durchdacht und durchinszeniert, wozu auch die Videoprojektionen im Laufe des Konzertes beitrugen.

Sie hatte als Begleiter mitgebracht: 
Shawn Alpay mit Piano & Cello, Gitarre und Gesang,
Nick Ott am Schlagzeug und Synthesizern und
Rosie Droll am Keyboard.  


Es machte mir besonders große Freude, dem hingebungsvollen Cellospiel (direkt vor meiner Nase) zuzusehen. Im ersten Stück Keeley (vom aktuellen Album) vertraute Emily stark auf die Wirkung ihrer Stimme, was in meinen Augen wirklich gut funktionierte. Der Saal war sofort ruhig und ließ sich auf die Stimmung ein. Auch das zweite Stück Holiday song mit seinem Klavierintro wirkte eher nachdenklich. Erst im dritten wurde auf älteres Material zurückgegriffen: The Black Oak ist mir sehr vertraut und in seiner tänzelnden Haltung sehr einschmeichelnd. Dandelion Daze war anschließend ein bisschen wie ein trauriges Abschiedslied mit Gitarrenbegleitung. My beloved danach hatte für mich Patty Smith Anklänge und war insgesamt live sehr herb und hart.


Requiem Waltz war wieder einer meiner persönlichen Lieblinge. Im Dreivierteltakt wird es dem Namen Walzer gerecht und hat Klavier- und Cello Parts, die es sehr in meinen Ohren ganz besonders hübsch machen. Silence war danach wieder ein sehr dunkles und grimmiges Stück. Mit Thoroughbred wurde es wieder tänzelnd, aber gleichzeitig auch sehr angriffslustig mit der klaren und tiefen Gitarrenlinie. Schließlich entließ uns Wake mit seiner intensiven Pianobegleitung relativ harmonisch aus dem geplanten Set.


Zugaben fanden sich auf der Setlist nicht notiert. Es wurden aber nach frenetischem Applaus weitere Stücke geboten. Den Schlusspunkt setzte für den ersten Teil wieder ein pianodominiertes Stück: Wild tigers I have known. Das Publikum war hochzufrieden, aber noch nicht bereit, die Künstler ziehen zu lassen. Für den zweiten Zugabenblock wirkte das Quartett gar nicht vorbereitet. Es gab einige Blicke und flüsternde Gespräche. Schließlich setzte sich Emily ans Keyboard und schenkte uns mit Rosie gemeinsam noch zwei ihrer "Oldies".



Ein wirklich runder und einzigartiger Konzertabend war damit schließlich zu Ende.

Setlist:
01: Keeley (BL)
02: Holiday Song (BL)
03: The Black Oak (OS)
04: Dandelion Daze (BL)
05: My Beloved (BL)
06: Requiem Waltz (OS)
07: Silence (BL)
08: Dagger (DU)
09: Thoroughbred (BL)
10: Wake (BL)
  

11: Dark Undercoat (Z, DU)
12: The Cliff (Z, OS)
13: Wild Tigers I Have Known (Z, DU)

14: Two Shots to the Head (Z, DU)

15: Oh Katherine (Z, OS)

(Alben: Blood/Lines: BL, 2013; 
Ode to Sentience: OS, 2010; 
Dark Undercoat: DU, 2008)


(*) DERNIERE MINUTE : Julianna Barwick est dans l'obligation d'annuler son concert ce soir. (une partie de son matériel et ses papiers ont été volés cet après midi. Elle doit retourner à Paris afin de récupérer des papiers d'urgence ce qui l'empêche d'honorer son concert à Strasbourg ce soir . Elle est bien sûr très déçue et espère revenir rapidement à Strasbourg pour une nouvelle date.” Enelos assurera la 1ère partie de Emily Jane White ce soir.  

Aus unserem Archiv:
Emily Jane White, Paris, 16.10.13
Emily Jane White, Paris, 16.11.10
Emily Jane White, Paris, 17.10.08
Emily Jane White, Paris, 23.04.08


Alle Bilder:




Montag, 28. Oktober 2013

Emily Jane White, Paris, 16.10.13

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Konzert: Emily Jane White (Maissiat)
Ort: Les Trois Baudets, Paris
Datum: 16.10.2013
Zuschauer: ausverlauft, etwa 120
Konzertdauer: 65 Minuten



PJ Harvey, Alela Diane, Cat Power, Marissa Nadler all diese Namen kommen einem unweigerlich in den Sinn, wenn man Musik der Kalifornierin Emily Jane White hört. Die wunderbar sinnliche Stimme, die Art und Weise zu intonieren, die Instrumentierung, vieles bei Emily Jane erinnert einfach an die großen Damen des Indierocks und Folks der vergangenen 15 Jahre. Eine bloße Mitläuferin ist White dennoch nicht, auf nun insgesamt vier Alben hat die gothisch angehauchte Dame gezeigt, daß auch sie das Zeug hat, selbt eine Große zu werden bzw. es inzwischen sogar schon ist. Gleichmäßig gut sind sie nämlich diese exquisiten Longplayer und auch der Neuling fügt sich jetzt schon nahtlos in den Gesamtkatalog ein.


Und natürlich ging es bei dem heutigen Pariser Konzert um dieses neue Werk, das auf den Namen Blood/Lines hört. Emily Jane hat es mit ein paar Gastmusikern, darunter der Seelenverwandten Marissa Nadler, aufgenommen und um zumindest auch ein paar der Facetten des Studiowerkes wiederzugeben, war ein männlicher Cellist mit dabei, der auch ab und an Gitarre und Piano spielte. Emily Jane selbt ging wie immer an der E-Gitarre und dem Piano zu Werke.

Die rund 120 Zuschauer im ausverkauften Trois Baudets mussten allerdings lange auf den Auftritt der Amerikanerin warten. Vorher waren nämlich im Rahmen des Mama Events zwei andere Acts zum Zuge gekommen. Zunächst eine scheußliche Band, deren Namen ich mir zum Glück nicht gemerkt habe und dann die Französin Maissiat und ihre Band, die mit ihren melancholischen, auf französisch gesungenen Pianoballaden zu gefallen wußte.



Um 22 Uhr dann aber endlich Emily Jane und ihr Cellist Shawn Alpay. Entzückend sah sie aus, die zierliche Amerikanerin, mit ihrem schlichten schwarzen Kleid und den offenen langen Haaren. Man merkte, daß sie an Selbstbewußtsein gewonnen hat, ohne gleich zur Diva geworden zu sein. Ihre vielen guten Auftritte in den letzten Jahren und ihre dadurch gewonnene Spielpraxis haben sicherlich dazu beigetragen, daß man hier und heute eine junge Musikerin erlebte, die Stolz und Würde ausdrückte, dabei aber natürlich, nahbar und immer noch ein klein wenig schüchtern blieb.


Schließlich wurde es dann auch das erwartet erlesene Konzert, daß wir Zuschauer in butterweichen roten Kinosesseln genießen durften. Die Sitze waren gar so weich, daß man manchmal in eine Art Sekundenschaf glitt und dies nicht etwa, weil der Vortrag vorne so langweilig war, sondern weil die Kombination aus sanfter, mit Hauchstimme vorgetragener Pianomusik und den bequemen Sesseln ungemein entspannend wirkte.


Dabei ist ja gerade das neue Album einen Hauch rockiger und orchestraler ausgefallen als die Vorgänger. Weil aber heuer live die Drums und ein paar andere Instrumente fehlten, blieb es letztlich eher sanft, reduziert und balladesk, wenngleich manchmal mit zwei E-Gitarren gleichzeitig angegriffen wurde. Bei einem Song gab es gar zwei Pianos gleichzeitig.

Am schönsten fand ich persönlich allerdings, wenn der Herr Cello spielte und mit seinen betörenden brummenden Klängen Emily Janes Gesang auf das Wundervollste begleitete. Sehr gediegen klang das bei dem altbekannten Oh Katherine, tief melancholisch beim unbeschreiblich schönen Requiem Waltz


Langgezogene Chöre gab bei Faster Than The Devil dazu einen flotten Pianosound und ein kanrziges prägnantes Riff, der Song, der auf der neuen Platte definitiv zu den besten gehört, konnte auch live sofort überzeugen.



"I never loved you, darling" sang Emil Jane sehnsuchtsvoll dann bei dem von The Black Oak, bevor nun abgesehen vom den bereits erwähnten Requiem Waltz quaisi das komplette neue Album performt wurde.

Die Lieder, ob My Beloved, The Roses oder das abschließende The Wolves waren ausnahmslos vorzüglich und es ist schon erstaunlich, welch hohes Niveau Emily Jane White inzwischen erreicht hat. 

Um noch mal zu den eingangs erwähnten Referenzen zu kommen: Emily Jane ist weniger launisch und gleichmäßiger als Cat Power, warmherziger als die stets recht kühle PJ Harvey, musikalisch ausgewogener ausgerichtet als die reine Folksängerin Alela Diane und nicht ganz so morbide wie die mysteriöse Marissa Nadler. An ihr kommen Fans von faszierenden Frauenstimmen also nicht mehr vorbei und dies obwohl sie medial nach wie vor nicht besonders präsent ist. Ihren kontinuierlichen Aufstieg hat sie also ausschließlich ihrer exquisiten Musik zu verdanken.

Setlist:
 
01: A Shot Rang Out
02: Oh Katerine
03: Faster Than The Devil
04: The Black Oak
05: Holiday Song
06:?
07: Dandelion Daze
08: My Beloved
09: The Roses 
10: Wake
11: Requiem Waltz
12: The Wolves

Aus unserem Archiv:

Emily Jane White, Paris, 16.11.10
Emily Jane White, Paris, 17.10.08
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Mittwoch, 17. November 2010

Emily Jane White, Paris,16.11.10

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Konzert: Emily Jane White (Our Broken Garden)

Ort: L'Européen, Paris

Datum: 16.11.2010

Zuschauer: fast ausverkauft

Konzertdauer. Emily Jane White zwischen 80 und 90 Minuten, Our Broken Garden etwa 40



Un des plus beaux et émouvants concerts de l'année! Sublimissime! Emily Jane White dépasse dèjà Cat Power avec laquelle on la compare souvent, à cause de leurs voix de vélours qu'elles ont en commun. (Lire une chronique plus détaillée ci- dessous!)



Wow!! Der Konzertmonat November 2010 hat es wirklich in sich! Unfassbar, wie viele überragende Konzerte ich in den letzten 2 Wochen gesehen habe. In dieser Dichte habe ich so etwas noch nie zuvor erlebt. Nahezu täglich geben sich zur Zeit famose Künstler die Klinke in die Hand und verzaubern mich auf ganzer Linie. Künstlerinnen müsste ich eigentlich genauer sagen, denn fast ausschließlich waren es hochtalentierte junge Damen, die mir unvergessliche Momente bereiteten. Ob Gregory and The Hawk, Alina Orlova (auf dem Foto), Agnes Obel, Faustine Seilman, Your Kid Sister, oder heute Emily Jane White, alle waren sie ganz vorzüglich, bestachen durch Stimme, exzellentes Songwriting, perfekte Beherrschung ihrer Instrumente und natürlich-charmante Ausstrahlung. Ein Hoch auf diese Ladies!

Mir fehlen fast die Superlative, um immer wieder aufs Neue die Qualitäten dieser Ausnahmemusikerinnen zu loben. Viellicht werden jetzt einige Leser sagen: "ach, dieser Oliver Peel, der ist eh auf Droge und gerät automatisch ins Schwärmen, sobald ein adrettes Mädel auf der Bühne erscheint." Kann was dran sein. Oder auch nicht. Wenn ich zurückblicke, fallen mir aus den letzten Jahren auch viele Konzerte fescher junger Damen ein, die grottenschlecht waren. Die Konzerte von Heulbojen wie Kate Nash (auf dem Foto, auf dem man gut sehen kann, daß sie ihre eigene Musik zum Kotzen findet) Ellie Goulding, Lykke Li, Zola Jesus, Florence and The Machine, Little Boots, M.I.A. und ein paar anderen, die ich verdrängt oder bewußt nicht gesehen habe (La Roux, Marina & The Diamonds), spotteten jeglicher Beschreibung. Also eher kein Frauenbonus bei mir. Nur eine natürliche Auslese. Die Guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen.

Und Emily Jane White ist gut, sehr gut sogar! Im Pariser Européen legte sie ein atemberaubend schönes Konzert aufs Parkett, von dem ich morgen gerne mehr erzählen möchte. Ich frage mich: Ist Emily Jane White viellicht sogar die beste Folksängerin unserer Zeit? Legitime Erbin von Joni Mitchell und Sandy Denny? Zumindest hat sich mich nun bereits zum dritten Mal live mehr begeistert als Thronanwärterinnen wie Cat Power, Marissa Nadler oder Alela Diane. Das soll was heißen!

Aber mal von vorne:



Vor Emily Jane White ging nämlich noch die Dänin Anna Brönsted alias Our Broken Garden an den Sart. Und sie war überraschenderweise mit einer ausgewachsenen Begleitband gekommen. Statt gehauchten Pianopops mit Cello wie im letzten Jahr in der Maroquinerie gab es ein shoegaziges, gitarrenlastiges Set. Diese neue Ausrichtung gefiel mir ausgeprochen gut, denn die Herren an Bass und Gitarre spielten so herrlich luftig und melodisch, daß es eine wahre Freude war. Die kristallklare Stimme der Blondine wurde so wie auf Flügeln getragen und schwebte förmlich durch den Raum. Absolutes Highlight in einem schönen Set war das treibende Garden Grow vom neuen Album Golden Sea Auf der CD hört man Geigen, die hier und heute aber durch die Gitarren ersetzt wurden. Hochglanzpop, den ein paar Mitbürger als zu steril empfanden, der mich aber begeisterte. Wem das aktuelle Album von Beach House schon zu den Ohren raushängt, der sollte es mal mit Our Broken Garden versuchen. Und wie hübsch diese Anna schon wieder war! Sehen in Dänemark etwa alle Frauen so aus wie Agnes Obel und Anna Brönsted? Blonde Hare, blaue Augen, ein puppiges Gesicht? Wenn ja, ziehe ich nächstes Jahr nach Kopenhagen! Oder so.



Setlist Our Broken Garden, L'Européen, Paris:

01: Seven Wild Horses
02: The Burial
03: Nightsong
04: Share
05: Warriors of Love
06: The Feral
07: Garden Grow
08: Watermark

Etwa 20 Minuten anch dem Auftritt von Our Broken Garrden wurde es mit der Kalifornierin Emily Jane White deutlich erdiger und folkiger. Allerdings auch rockiger als gewohnt, denn ich erlebte Emily Jane zum ersten Mal live mit einem Gitarristen und einem Drummer. Am Anfang iher Livekarriere in Paris kam sie immer auschließlich mit ihrem Kontrabassisten, später dann erschien sie auch mit Cellistin und Violinistin. Heute aber die Folk-Rock Variante. Am Bass: Julien Pras, seines Zeichens hervorragender französischer Singer/Songwriter und Sänger der famosen, aus Bordeaux stammenden Band Calc. In Bordeaux hat auch das Label Talitres von Emily Jane White ihren Sitz, so daß die Querverbindungen schnell hergestellt sind. Vier Musiker heute also auf der Bühne, aber nicht immer gleichzeitig im Einsatz. Beim ersten Song war der langmähnige Drummer noch nicht aktiv. Auch in der Folge wechselte das Line-Up je nach Stück immer mal wieder. Oft spielte die gesamt Band, manchmal aber auch nur Emily Jane White und ihr Gitarrist, bisweilen Emily sogar ganz allein. Und die letzte Variante war im Falle von Wild Tigers I Have Known auch die allerschönste. Die Amerikanerin saß hinter ihrem Piano und klimperte mich in einen veritablen Rausch. Ihre Stimme aus Samt und Seide umhüllte mich wie dabei ein wärmender Schal im Winter. Ich schaute wie gebannt auf die Bühne und kam aus dem Schwärmen nicht mehr raus. Mann, was für ein Talent! Die gefühlvolle Ballade schoß wirklich den Vogel ab, spendete so unendlich viel Trost und Zuneigung. Wir befanden uns schon in der Endphase des Konzertes, das noch meine kühnsten Erwartungen übertroffen hatte. Zu Beginn war ich etwas unkonzentriert und müde, dann aber kam ich mit jedem Lied besser rein und genoß die Show in vollen Zügen. Auch die neuen Stücke gingen mir gut ins Ohr. Das aktuelle Werk Ode To Sentience hatte ich noch nicht gehört, aber ein paar Perlen davon verzauberten mich auf Anhieb. An erster Stelle zu nennen war I Lay To Rest. Erneut ein Lied am Piano, in diesem Falle aber mit Bandbegleitung. "It's only California, oh I lay to rest", ging es textlich los und dann war von "devils" und "ghosts" die Rede, was nicht verwundert, wenn man weiß, daß sich Emily Jane selbst als gothisch einordnet. Sie zelebriert einen dunklen Folk und nicht nur deshalb gibt so etwas wie eine Seelenverwandschaft mit Marissa Nadler, die einem mit ihren mysteriösen, bisweilen morbiden Texten auch immer Rätsel aufgibt.

Aber nicht nur Freude esoterisch- verhallten Folks kamen auf ihre Kosten, sondern auch Fans von Countryklängen. In zwei bis drei Fällen kam nämlich eine Pedal Steel zum Einsatz. Besonders schön ertönte sie bei Broken Words und erfüllte das Européen mit einer würzigen Wildwestnote. Der Sound war brillant, wunderbar harmonisch und ausgewogen und der Instrumentierung war es im Übrigen auch nie zuviel. Es wurde genau die richtige Balance gefunden, um auch der sehnsüchtigen Hauchstimme von Emily Jane noch genug Luft zum Atmen zu lassen.

Nach fast 90 Minuten Spielzeit und zwei umjubelten Zugaben war klar: diese junge Frau spielt in einer ganz hohen Liga! Das Européen hatte sie zweimal in Folge fast ganz gefüllt und insgesamt etwa 600 Zuschauer angelockt. Das sollte aber noch nicht das Ende der Fahnenstange sein. Ich gönne ihr die Cigale oder das Oympia. Das spielerische Niveau hat das Mädel allemal!

Pour nos lecteurs français:

Déjà impressionné par le tout premier concert que j'avais vu d'elle ( 2008 au Pont FMR) la californienne Emily Jane White ne cesse de progresser. Un pur bonheur de la voir évoluer à un niveau aussi élevé. Désormais entourée d'un vrai groupe folk rock (on notera la présence du bordelais Julien Pras (Calc) à la basse) Emily Jane White a donné à l'Européen son concert le plus abouti, le mieux maîtrisé. Arrangements d'orfèvre, voix sensuelle, chaude et sans faille, morceaux touchants et beaux à pleurer, on ne pouvait difficilement mieux faire. Ceux qui l'avaient vu la veille au même endroit étaient du même avis: "c'était beaucoup mieux", lanca mon ami Michael. "Actually I felt better yesterday", retorqua Emily que nous avions croisée après son concert au merch où elle signait avec patience des autographes et se laissait librement photographier. Elle vendait pas mal d'exemplaires de son tout nouvel opus baptisé Ode To Sentience. De ce dernier né on retiendra surtout I Lay To Rest (interpreté au piano) et Broken Words avec Henry à la slide guitare. Mais la chanson qui m'avait le plus emballé c'était Wild Tigers I Have Known, tirée de son tout premier opus Dark Undercoat. Elle l'interpréta toute seule au clavier et me mit les larmes aux yeux. Cette petite melodie ultramélancolique et son chant sincère et chuchotté etaient tellement intenses que c'était presque normal de craquer un peu.

Les applaudissements furent nourris et amplement merités. Ils poussèrent l'artiste à faire deux rappels dans lesquels figurait le morceau Dagger où son guitariste Henry jouait des petites melodies accrocheuses de toute beauté.

Un bon point aussi pour la danoise Anna Bronsted alias Our Borken Garden qui était elle aussi entourée pour la première fois d'un groupe complet. Les guitares aériennes donnaient un parfum de shoegaze à ses balades intimistes et portaient à merveille sa voix cristalline. Ceux qui se lassent déjà un peu du (magnifique) dernier album de Beach House peuvent trouver une bonne alternative en achetant Golden Sea, le deuxième et actuel album de Our Broken Garden.

Setlist Emily Jane White, Européen, Paris:

01: A Shot Rang
02: Bessie Smith
03: Oh Katerine
04: The Cliff
05: Frozen Heart
06: The Ravens
07: Stairs
08: Broekn Words
09: California
10: Black Silk
111. Red Serpent
12: Wild Tigers I Have Known
13: Dark Undercoat

14: Time on Your Side
15: The Preacher
16: Dagger

17: Faster Than...

Außerdem wurde im mIttelteil Victorina Amercia gespielt.

Ausgewählte Konzerttermine von Emily Jane White (ohne Gewähr):

18.11.2010: L'Astrolabe, Orleans
19.11.2010: La Dynamo, Toulouse
22.11.2010: Galerie, Dijon
30.11.2010: Ziegel Oh Lac, Zürich
08.12.2010: Le Botanique, Brüssel
09.12.2010: Haldern Pop Bar, Rees-Haldern
10.12.2010: Hafen 2, Offenbach
11.12.2010: Café Glocksee, Hannover
13.12.2010: Subrosa, Dortmund
19.12.2010: Paradiso, Amsterdam

Aus unserem Archiv:

Emily Jane White, Paris, 17.10.08
Emily Jane White, Paris, 23.04.08

Sehr lesenswert: Das Klienicum zu Ode To Sentience, dem neuen Album von Emily Jane White, klick!




Samstag, 18. Oktober 2008

Emily Jane White & Swell, Paris, 17.10.08

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Konzert: Emily Jane White & Swell (Jonquil)

Ort: La Maroquinerie, Paris
Datum: 17.10.2008
Zuschauer: ausverkauft
Konzertdauer: Jonquil: gut 30 Minuten, Emily Jane White eine gute Stunde, Swell fast 85 Minuten



Den ganzen Abend Hunger schieben, dafür aber alle Bands in der Maroquinerie komplett sehen, oder aber noch schnell einen Happen essen und riskieren, daß mir von Jonquil ein paar Lieder flöten gehen?

Vor dieser Wahl stand ich am heutigen Freitagabend und mein Magen setzte sich durch. In einem türkischen Schnellimbiss, der kurioserweise hauptsächlich überbackene Kartoffeln anbietet, schlang ich hastig mein Sandwich runter, bevor ich zum Bus 96 eilte, der die steile Rue Menilmontant hochfährt, die zur Maroquinerie führt.

Wie ein Wilder sprang ich aus dem Bus, rannte zur Maroquinerie, nur um unten im Keller angekommen, feststellen zu müssen, daß die Oxforder Jonquil schon ohne mich losmusiziert hatten. Pech! Ich bekam aber noch drei Songs von dem ohnehin nur gut 30 minütigen Set mit, das die sechs Mann starke Band um den bulligen Sänger Hugo Manuel mit der Hymne Lions abschloss. Der Frontmann (inzwischen mit deutlich kürzeren Haaren!) stand hierzu von seinem elektrischen Piano auf und spielte einfühlsam Akkordeon, während einer seiner Kollegen mittels eines Schlauches in eine Melodica blies. Tolle Instrumente gibt es ohnehin zu Hauf bei Jonquil, da kann man sich beispielsweise auch an einer Querflöte oder Trompete erfreuen.

Bestes und stimmungsvollstes Lied bleibt aber wohl wirklich Lions, das eine an Arcade Fire erinnernde Wucht und Dramatik bietet. Aus voller Kehle sangen alle sechs Musiker Zeilen wie "And all the towns we build", oder "So the lions lived alone" und legten noch einmal alles an Herzblut in die Waagschalle, was sie zu bieten hatten.

À propos zu bieten haben, neben dem Album Lions, gab es von Jonquil auch die neue 7 Tracks umfassende EP Whistle Low (ebenfalls ein famoser Song!) zu kaufen. Daneben boten sie desweiteren zwei Tour-Raritäten an. Free As New Sleep Vol. I und II heißen die Scheiben auf denen es "Rough Mixes, Sketches and Ideas" zu hören gibt. Ich bin gespannt!


Nach dem Abgang von Jonquil wurden recht bald Streichinstrumentenund Stühlchen herein getragen. Emily Jane White sollte also mit einem richtigen kleinen Orchester erscheinen! Neben ihrem hochgeschossenen Kontrabassisten, den sie schon bei ihrem wundervollen Konzert im Pariser Point FMR dabei hatte, verstärkten auch zwei junge Frauen an Cello und Geige das Team.

Nachdem diese vier ihre Plätzchen eingenommen hatten, konnte es auch schon zügig losgehen. Genau wie bei meinem letzten Konzert mit Emily Jane White war Dark Undercoat, der Titeltrack des ersten Albums, Opener. "I'm not strong" sang die junge Blondine und obwohl ich ihr ungerne widerspreche, war das natürlich grober Unfug! Sie war nämlich "Very strong"! Was für eine wunderschöne, warme Stimme diese Frau doch hat! Samtweich, einfühlsam, trostspendend, ein Hörgenuss par excellence! Von ihren Streichern wurde ihr Goldkehlchen auf das Beste untermalt, während sie selbst spärliche Gitarrenklänge beisteuerte. Hach, war das herrlich! Und zur Freude der Franzosen sprach Emily auch noch fast akzentfreies französisch. Sie hatte mal ein paar Semester in Bordeaux studiert, das merkte man sofort. Zwischen den Liedern erschien sie fröhlich und aufgeweckt. Wenn sie lächelte, fiel auf, wie jung sie eigentlich aussieht. Und im Gegensatz zum Konzert im Point FMR , war sie weniger gothisch gekleidet. Hatte sie damals noch ein schwarze, durchsichtige Netz-Bluse an, die an ein viktorianisches Korsett erinnerte, trug sie heute ein schlichtes schwarzes Kleid. Auch ihre Kette mit dem Totenkopfanhänger fehlte diesmal.

Zeichen für ein glattpolierteres, weniger folkig -gothisches Image? Immerhin trat sogar ihr vormals noch Vollbart tragender Kontrabassist mit einem glattrasierten Gesicht auf...

Nein, keine Panik! Emily Jane White wird sich nicht zu einer Katie Melua entwicklen und in Klamotten von Lagerfeld wie sie ihre Seelen- und Stimmverwandte Cat Power trägt, sehe ich sie auch in Zukunft nicht.

Dass hier und heute alles sehr gediegen und höchst harmonisch rüberkam, bedeutet nämlich keineswegs, daß die Künstlerin keine Ecken und Kanten hat und in Richtung Mainstream unterwegs ist. Dafür sind allein schon ihre Texte zu düster und depressiv "when youve got time on your side you sit and think about your wasted life" (dem Song Time On Your Side entnommen), mag hierfür nur ein Beispiel von vielen sein.

Vor allem aber ist jedes Lied der jungen Künstlerin schöner und einfühlsamer als das andere. Das an Nina Nastasia erinnernde Never Dead rührte mich fast zu Tränen, wenn sie da so sitzt und Sätze wie "Come friendship come "oder später "Gone are you truly gone ?" ins Mikro haucht, geht das schon sehr nahe. Wunderbar auch, daß das Publikum sich bei solchen stillen Liedern so vorbildlich ruhig verhielt und die festliche Atmosphäre nicht zerstörte. Das wunderte selbst Emily Jane und verleitete sie zu der Aussage: "You're so quiet, thank you! When we play in America, people usually go to the bar, talking very loudly!"

Die Pariser gaben das Kompliment postwendend zurück: "We love you!" Gerne hätte ich noch hinzugefügt "Stay in France", aber das war eigentlich unnötig, weil die Amerikanerin ohnehin sehr ausgiebig durch Frankreich tourt. Gut so, denn so kann man sich die sensationell schönen , zum Teil auf dem Piano vorgetragenen Lieder auch in Paris Ende 2008 noch zweimal live anhören. Durch einen Konzertbesuch kommt man zudem noch in den Genuss der neuen Stücke , die auf dem zweiten Album (wann kommt es endlich?!), enthalten sein werden.

Eine ganze Stunde schmachten mit Emily Jane White und ihren Streichern, wie kann man da noch sagen, das Leben sei immer nur schlecht?

Ein Traum!

Setlist Emily Jane White, La Maroquinerie, Paris:

01: Dark Undercoat
02: Two Shots To The Head
03: Never Dead
04: Stairs
05: Time On Your Side
06: Ghost Of A Horse
07: Liza
08: Dagger
09: Victorian America
10: Frozen Heart
11: Wild Tigers I Have Known

12: Bessie Smith*

Headliner des Abends war aber nicht Emily Jane White, sondern Swell aus San Francisco. In den späten 1980er Jahren als Band gegründet, handelt es sich heute im Grunde genommen nur noch um das Projekt des Sängers und Akustikgitarristen David Freel. Der Mann mit dem Bismarck-Bart brauchte aber dennoch einen Drummer und einen Gitarristen, der auch am Keyboard agierte, um den Sound der Alben zu kreieren. Stolze 11 an der Zahl gibt es von Swell (Diskografie hier bei Wikipedia), der seinen Namen auch manchmal in Klammern setzt, sich dann also (Swell) schreibt.

Im Mittelpunkt steht David Freel aber anscheinend nicht gerne, denn dort agierte vielmehr ein recht jung aussehender Drummer. Der Boss hingegen hatte sich in die (vom Zuschauer aus gesehen) rechte Bühnenecke verkrochen und der schlaksige Typ, der die zusätzliche elektrische Gitarre und das Keyboard spielte, drehte dem Publikum gar den Rücken zu und glotzte auf die Bühenwand der Maroquinerie. Eine seltsame Aufstellung! Hinzu kam noch, daß David Freel während der ersten gut 20 bis 30 Minuten unter dem dichtem Nebel und dem dunklen Licht fast gar nicht zu erkennen war. Eigentlich waren die Spots meistens nur auf den Schlagzeuger in der Mitte gerichtet und so konnte man wenigstens deutlich sehen, wie der Kerl sein Gerät malträtierte. Sein Schlagzeugspiel war nämlich hart und präzise und für den bisweilen noisigen Sound, der ansonsten aber eher recht ruhig und verträumt war, ziemlich typisch. Auch die leicht rauchige Stimme von David war eher zurückgenommen, sie erinnerte mich an Bands wie Sparklehorse, Eels, oder Syd Matters, manchmal aber auch an Frank Black von den Pixies. Hervorragende Referenzen also, zu denen man auch noch Gruppen wie Grandaddy oder die Mountain Ghosts gesellen könnte. Letzlich musikalisch genau mein Fall und insofern höchst verwunderlich, daß ich bisher nichts von Swell kannte. Dabei ist gerade das aktuelle Album (2007/2008) South Of The Rain And Snow gespickt mit traumhaften Liedern, die allesamt einen simplen Charme, herrliche Melodien und eine große Gelassenheit aufweisen, wie ich während des Konzertes feststellte. Allein die wunderbaren Stücke Trouble Loves You und Saved By The Summer wären das Eintrittsgeld wert gewesen, aber auch das an die Pixies erinnernde Down (vom Album...Well? aus dem Jahre 1993) und Song Seven vom Album 41 waren klasse. Highlight war aber wohl der Klassiker Sunshine Every Day, bei dem nicht nur textlich die Sonne schien, sondern auch ansonsten mehr Heiterkeit durchsickerte. Düster kann man die Musik von Swell ohnehin nicht unbedingt nennen, sie ist trotz der allgeegenwärtigen Melancholie immer mit einem Hoffungsschimmer verbunden und insofern wohl am besten als süß/sauer zu bezeichnen. Ich persönlich hatte jedenfalls einen glänzenden Abend und konnte auch nicht ganz nachvollziehen, warum einige meiner Bekannten den Auftritt von Swell hinterher als zu lahm und langweilig beschrieben.

Setlist Swell, La Maroquinerie, Paris:

01: Good Good Good
02: Trouble Loves You
03: Something
04: Bong Star
05: Down
06: Saved By Summer
07: Song Seven
08: Tell Us All
09: What I Always Wanted
10: Sunshine Everyday
11: South Of The Rain And Snow

12: Still Get High (Z)
13: The Measure Of This Moment (Z)
14: Bridgette, You Love Me (Z)

15: At Long Last (Z)

Merci à Stéphane pour la setlist!

Ausgewählte Konzerttermine von Swell:

27.10.2008: Black Session France Inter, Paris
29.10.2008: A/B, Brüssel, Belgien
30.10.2008: Het Paard, Den Haag, Niederlande
31.10.2008: 013, Tilburg, Niederlande
01.11.2008: Factory Festival, Nivelles, Belgien
02.11.2008: Brügge, Belgien
3.11.2008: MTC, Köln
04.11.2008: Grüner Jäger, Hamburg
05.11.2008: Lido, Berlin
06.11.2008: Scheune, Dresden
07.11.2008: Cafe Central, Weinheim
08.11.2008: Spitalkelle, Offenburg
09.11.2008: Chelsea, Wien, Österreich
11.11.2008: Palace, St. Gallen, Schweiz
12.11.2008: Ebullition, Bulle, Schweiz

Links:

- Videoclips Emily Jane White - Dark Undercoat
, Wild Tigers I Have Known, und Never Dead, in einer dieser tollen Lavomatik-Sessions, die Sängerin spielt in einem belebten Waschsalon vor der sich drehenden Schleuder!
- Jonquil Lions live
- Jonquil Whistle Low
- Swell Videoclip Everything Is Good
- mehr Bilder von Jonquil
- Mehr Pics von Emily Jane White
- Fotos Swell





 

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