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Sonntag, 11. Dezember 2011

Fest van Cleef, Trier, 10.12.11

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Konzert: Thees Uhlmann, Element Of Crime, Frank Turner & Casper (Fest van Cleef)
Ort: Messehalle, Trier
Datum: 10.12.2011
Zuschauer: 2.500 vielleicht? Nicht ganz ausverkauft
Dauer: Thees Uhlmann 75 min, Element Of Crime 45 min, Frank Turner 42 min, Casper knapp 40 min


Die Trierer Messehalle hat etwa den Charme eines nordkoreanischen Kaufhauses. Sie beherbergt normalerweise Mosellandausstellungen und Flohmärkte, als Konzertveranstaltungsort ist sie mit dem Bau der Arena am anderen Ende der Stadt vor ein paar Jahren unwichtiger geworden. Die Messehalle ist irre hoch und sah von innen aus wie ein Hangar für die Busflotte der Stadtwerke, sehr sexy also.

Beide Bühnen waren im gleichen Raum untergebracht, es sollten sich also keine Auftritte überschneiden. Der Zeitplan hatte das vorher nahegelegt, vielleicht hatte ich die Spielzeiten von Element Of Crime z.B. aber auch zu optimistisch eingeschätzt. An der Bühnenkonzeption und am Ablauf des gesamten Festivals merkt man, daß die
Veranstaltung von Musikern bzw. Musiknerds konzipiert wurde. An der Häßlichkeit der Halle konnten die nichts ändern, der Rest passte perfekt.

Zwischen den beiden Bühnen standen Bierwagen, die an gleicher Stelle draußen auch im Sommer vermutlich die Kirmes versorgen. In einer Halle hatte ich die noch nicht gesehen, zum Flair passte es aber perfekt. Vermutlich waren auch die Tourbusse in einem abgesperrten Teil der Halle geparkt. Ähnlich pragmatisch hatte man die Bierversorgung geplant: damit man nicht zu oft laufen musste, gab es 1-Liter-Plastikbecher!

Meine ersten Konzertnachbarn hatten von denen schon einige verdrückt, sie hatten
um halb sechs schon ordentliche Stand-Probleme. Allerdings waren sie auch extrem textsicher und gröhlten sich durch den Auftritt Frank Turners, sodaß ich das Konzert im Surround-Sound miterlebte (oder 3D für die jüngeren). Aber nicht nur der angeschickerte Frank-Turner-Fanclub aus Bawü hatte Spaß mit dem Soloauftritt des Engländers. Man sah erstaunlich viele T-Shirts des Sängers in den ersten Reihen.

Frank Turner war mit Band (The Sleeping Souls) angekündigt worden. Als er auf die Bühne kam entschuldigte er sich dafür, solo da zu sein, es habe Probleme mit dem Schlagzeug gegeben. Ich hatte den Musiker beim 2010er Latitude Festival nachmittags mit Band gesehen, hatte aber mehr in der Sonne gelungert und nicht richtig zugesehen, sodaß ich nicht weiß, ob mir eine Band gefehlt hätte. Alleine, mit Gitarre zur rauhen Stimme, taugte der Auftritte jedenfalls sehr viel!

Obwohl ja auf dem Papier akustisch, trug Frank Turner seine Lieder eindrucksvoll
brachial vor. Ich kannte nicht viel davon, bin aber jetzt Fan. Sein vierzigminütiger Auftritt war zu gut, um den Engländer weiter zu ignorieren. Thees Uhlmann, der alle Bands ansagte (eine sehr schöne Sitte des Festivals), hatte geschildert, wie er Franks Musik kennengelernt hat. Er saß in einem vermüllten Auto eines Freunds und griff einen der zerkratzen CD-Rohlinge, die da rumlagen. Darauf war Substitute, das ihn sofort begeisterte. Frank Turner, der sehr passabel deutsch sprach (er hat europäische Geschichte studiert), fragte vor dem Song, "was der Typ, der mich angekündigt hat, über den Song erzählt hat. War das nett?"

Das war ein hervorragender Einstieg ins Festival, ohne jeden Zweifel!

Setlist Frank Turner, Fest van Cleef, Trier:

01: I knew Prufrock before he got famous
02: Try this at home
03: Peggy sang the blues
04: I'm disappeared
05: The ballad of Steve
06: Dan's song
07: Substitute
08: The English curse
09: I still believe
10: The road
11: Photosynthesis

Meine nächste Band war eine gute halbe Stunde später Element Of Crime. Wenn
man die fünf Musiker auf die Bühne schlurfen sieht, kommt man nicht dirket auf die Idee, eine der wichtigsten deutschen Bands der letzten Jahrzehnte vor sich zu haben. Bassist David Young beispielweise sieht nicht aus wie ein Mitglied einer Band, die ich mag. Truckstop, ok - aber Indiemusiker? Im Leben nicht. Wenn die Mannen um Sven Regener dann aber losspielen, ist das alles weg. Die Musik bleibt leise und ruhig. Daß sie trotzdem wuchtiger ist, als der meiste übrige Kram, liegt an den wunderbaren Texten des Sängers und Schriftstellers. "Element Of Crime sind härter als alle anderen," urteilte auch Thees Uhlmann. Recht hat er.

Mit Nightmare von Freedom, Love & Happiness, einem der englischsprachigen Alben der Band, begann das Konzert. Neben Immer unter Strom vom fast 20 Jahre alten Weißes Papier blieb Nightmare das einzige alte Stück der Mitte der achtziger Jahre
gegründeten Band. Die anderen Lieder stammten von den beiden letzten (vorzüglichen) Alben Mittelpunkt der Welt und Immer da wo Du bist bin ich nie.

Leider gilt das Immer da wo Du bist, bin ich nie nicht für die jeweils anstrengendsten Konzertbesucher und mich. Die sind nämlich immer da, wo ich bin. Diesmal eine Gruppe von freundlichen und betrunkenen Frauen mit zwei dazugehörigen Typen, die mitgröhlten (ist ok) und sich mit vors Gesicht gehaltenen Kameras und Handys in der ersten Reihe fotografierten. Da das nicht klappte (sie guckten sich jedes der verwackelten Fotos ausgiebig an), wurde weitergeschossen. Aufzupassen, nicht auf die Bilder zu geraten (falls durch ein Wunder eines mal nicht unscharf werden würde) und den hochgehaltenen schwankenden und überschwappenden Bierbechern auszuweichen, erforderte all
mein Geschick. Daß ich das Konzert trotzdem und trotz der Leute, die auf meinen Füßen stehen, aufmerksam und gut gelaunt genießen konnte, rechne ich mir hoch an.

Die doofe Floskel, es wäre sehr gut aber viel zu kurz gewesen, traf es leider sehr genau. Element Of Crime mit einem 45 Minuten Auftritt bei einem Festival zu verheizen, ist eigentlich Perlen vor die Säue geschmissen. So als lüde die Trierer Sparkasse den Dalei Lama zu einem Grußwort zum Sparkassendingstag ein. Eigentlich. Da das Fest van Cleef allerdings alles andere als die Sparkasse unter den deutschen Festivals ist, passte das trotzdem. Man sollte sich jedoch fest vornehmen, die nächsten richtigen Konzerte nicht wieder zu verpassen (done.).

Setlist Element Of Crime, Fest van Cleef, Trier:

01: Nightmare
02: Straßenbahn des Todes
03: Am Ende denk ich immer nur an dich
04: Deborah Müller
05: Immer unter Strom
06: Bitte bleib bei mir
07: Kaffee und Karin
08: Immer da wo du bist bin ich nie

09: Delmenhorst (Z)

Danach kam der Künstler, der das Lineup des diesjährigen Festivals besonders machte. Casper (bitte als Cäsper lesen), der Rapper aus Bielefeld, "der Mann, der mehr Platten verkauft hat, als alle Assi-Rapper" (Thees Uhlmann). Der Soundcheck von Caspers Band war schon bemerkenswert. Nachdem clickclickdecker auf der kleinen Bühne fertig waren, hatten die Musiker und Techniker nicht schrecklich viel Zeit, mit richtiger Lautstärke abzustimmen. Die Tontests dabei waren schon ziemlich laut. Das reichte den Männern in Kapuzenshirts aber nicht, sie standen alle minutenlang mit erhobenem Zeigefingern auf der Bühne und wurden und wurden nicht zufrieden.

Sie verschwanden wieder und wurden durch dichten Nebel ersetzt. Als das Saallicht ausging, und die Musiker schemenhaft erschienen, sah man zunächst nur Tiermasken und Lichtstrahlen, die aus den Augenhöhlen kamen. Dazu
wummerten die Instrumente (klassisch besetzt: Bass, Gitarre, Keyboard, Schlagzeug) durch die Nebelschwaden - der Anfang war schon einmal sagenhaft gut!

Rap ist nicht meine Musik, ich stehe auch nicht auf Matrosensprache, was mir das Zuhören von MC Hastenichtgesehens schwer macht. Casper hat mit denen allerdings kaum etwas gemeinsam. Bon Jovi und die Thermals könnte man grob ja auch beide als Rockbands bezeichnen, wobei die eine göttlich, die andere schlimmster Schund ist. Ich habe viel zu wenig Ahnung von aktuellem Rap, deshalb will ich nicht versuchen, Casper irgendwie einzuordnen, das ginge gnadenlos schief.

Also hintenrum: das Konzert hat sagenhaft viel Spaß gemacht. Irgendwie schien das Publikum auch plötzlich ausgetauscht zu sein. Hatte
ich bei Frank Turner und bei Element Of Crime noch den Eindruck, die Leute seien ausschließlich wegen dieser Bands da (und nicht nur die in den ersten Reihen), war es diesmal viel jünger und rapaffiner. Ich kannte außer dem Duett mit Thees Uhlmann nichts von Casper, hatte auch seine Nummer eins Platte XOXO bisher ignoriert. Aber ich verstehe auch vollkommen, warum Casper als "Indierapper" gilt (auch wenn das furchtbar ist), und warum er vollkommen zurecht ins Lineup des Festivals gehörte. Es fehlte komplett diese aufgelegte Ghetto-Attitüde. Die Texte wirkten intelligent, es gab richtige Musikinstrumente. Besonders wohltuend waren Benjamins Ansagen. Während des Konzerts flogen Becher und auch einmal Schuhe nach vorne auf die Bühne. "Da sagt man immer, daß Rap-Publikum besonders doof sei. Und dann spielen wir vor Rock Publikum, und es fliegen Sachen nach vorne." Der Kerl kann nicht verstecken, daß mehr in der Birne hat, als man Rappern gerne zugesteht.

Natürlich gab es auch die Standard Rap-Folklore (Arme in die Höhe... usw.). Die
störte mich aber nicht, dafür vermittelten Casper zu viel Spaß. Ich bin jetzt nicht selbst zum Rapper geworden, das Konzert war allerdings ausgezeichnet!

A propos ausgezeichnet: Casper hat für XOXO gerade die einslive Krone fürs beste Album 2011 bekommen.

Setlist Casper, Fest van Cleef, Trier:

01: Der Druck steigt
02: Auf und davon
03: XOXO (mit Thees Uhlmann)
04: Die letzte Gang der Stadt
05: Rock'n'roll
06: Casper Bumaye
07: So perfekt
08: Michael X

Den Schlußpunkt des Abends lieferte der nächste Krone-Gewinner, Thees Uhlmann.
Thees hatte den Radiopreis als bester Plan-B-Act (will sagen Indiemusiker) bekommen und das runde Ding gleich mitgebracht. Die Kugel lag während des Konzerts vor dem Schlagzeug.

Das Konzert von Thees Uhlmann und Band unterschied sich kaum vom Auftritt in der Live Music Hall vor sechs Wochen. Ich war damals mit
gemischten Erwartungen in die LMH gefahren, verließ die Bude nach 90 Minuten aber vollkommen begeistert. Diese Euphorie fehlte diesmal, ich wusste ja, was mich erwartete. Das Konzert selbst war allerdings nicht schlechter als das letzte, es fehlten wegen der gleichen Setlist (nur eine Abweichung: 17 Worte ersetzte Paris im Herbst als Zugabe) aber die großen Überraschungen.

Der Gastauftritt von Casper bei & Jay Z singt uns ein Lied war nicht überraschend, aber auch das nahm ihm nicht den Reiz. Danach lagen sich Casper und Thees (verschwitzt) in den Armen und strahlten!

Wie die drei anderen Konzerte, die ich Samstag gesehen habe, war auch der Abschluß wirklich hervorragend. Das konnte selbst das Ambiente nicht versauen. Ein schönes Festival entstellt eben nichts.

Setlist Thees Uhlmann, Fest van Cleef, Trier:

01: Römer am Ende Roms

02: Das Mädchen von Kasse 2
03: Lat: 53.7 Lon: 9.11667
04: Vom Delta bis zur Quelle
05: Sommer in der Stadt
06: New York (Tomte)
07: Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf
08: Die Nacht war kurz (Ich stehe früh auf)
09: & Jay-Z singt uns ein Lied (mit Casper)
10: Die Toten auf dem Rücksitz

11: Das hier ist wie Fußball (Tomte) (Z)
12: 17 Worte (Z)

Links:

- Thees Uhlmann, Live Music Hall, 25.10.11



Montag, 20. Dezember 2010

Fest van Cleef, Bielefeld, 12.12.10

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Konzert: Fest van Cleef
Datum: 12.12.2010
Ort: Ringlokschuppen, Bielefeld


- von Johannes von HerrSalami.de -

Das sehr, sehr gute Ham­bur­ger Label „Grand Hotel van Cleef“ bat zum all­jähr­li­chen „Fest van Cleef“ (Rück­blick: 2009) und weil ich mich ein­ge­la­den ge­fühlt habe, war ich letz­ten Sonn­tag im Bie­le­fel­der Rin­glok­schup­pen kör­per­lich und geis­tig zu­ge­gen. Und Heis­sa, es war ein Fest! Es gab Glüh­wein, Brat­wurst und Heiz­pil­ze, aber nur im Drau­ßen­be­reich für Rau­cher und Frisch­luft­fe­ti­schis­ten, die ei­gent­li­che Ver­an­stal­tung fand in einer Halle statt. Mit acht Bands auf zwei Büh­nen, so dass man immer hin und her wan­dern muss­te. Wie ein rich­ti­ges Fes­ti­val fühl­te es sich also im­mer­hin be­dingt an, aber das Wich­tigs­te an sol­chen Ver­an­stal­tun­gen (Aus­nah­men: Wa­cken, Rock im Park, Rock am Ring, etc.) ist ja oh­ne­hin die Musik. Und die war prima. Ein klei­ner Ein­trag ins Kon­zert­ta­ge­buch.


Ich ar­bei­te mal chro­no­lo­gisch den Ab­lauf­plan ab: Beat!Beat!Beat! sah ich be­reits zum drit­ten Mal und ir­gend­wie werde ich mit die­ser Band nicht warm. Ja, nette Musik ma­chen sie ja be­stimmt, aber meine ehe­ma­li­ge Sitz­nach­ba­rin aus dem Che­mie­un­ter­richt ist auch nett und den­noch weiß ich ihren Nach­na­men nicht mehr. Im­mer­hin konn­te man die durch das lang­wei­li­ge erste Kon­zert ge­won­ne­ne Zeit in Al­ko­hol-​ und Fan­ar­ti­kel­kon­sum in­ves­tie­ren. Da­nach: wan­dern zur Bühne zwei, wo Tim Neu­haus auf der Bühne her­um­sound­check­te. Ich setz­te mich mit mei­ner mich be­glei­ten­den Freun­din an den Büh­nen­rand, da spa­zier­ten Nils Koppruch und Gis­bert zu Kny­phau­sen an uns vor­bei – Gis­bert hielt inne und er­in­ner­te sich: „Ihr wart doch auch in Ober­hau­sen, oder?“ Ja, waren wir – und tags zuvor auch in Müns­ter. Wir ver­ab­schie­de­ten uns wahr­heits­ge­mäß mit „Und nächs­ten Frei­tag sehen wir dich schon wie­der, in Ham­burg!“. Scheiß Grou­pies sind wir. Aber ei­gent­lich woll­te ich was zu Tim Neu­haus sagen, kann ich aber nicht, da mir von sei­nem Pro­gramm nichts im Ohr ge­blie­ben ist. War so ein Song­wri­ter-​Ge­schwur­bel mit Drum­mer. War viel­leicht gut. Viel­leicht aber auch nur so naja. Und be­stimmt was fürs Radio. Also wei­ter zu den mir vorab völ­lig un­be­kann­ten Young Rebel Set. Bri­ti­sche Hut-, Bart- und Un­ter­hem­den­trä­ger, also sehr sym­pa­thisch. Mu­si­ka­lisch ir­gend­wo zwi­schen The Po­gues, Mum­ford & Sons und den Fleet Foxes. Aber beim ers­ten Hören lei­der auch nur nett.


Da­nach be­gann für mich der Fes­ti­val­tag. Nils Koppruch war schließ­lich nicht nur zum Spa­zie­ren­ge­hen nach Bie­le­feld ge­kom­men. Ir­gend­je­mand hat mal ge­schrie­ben, dass er der deut­sche Tom Waits sei. Aber das ist eine noch grö­ße­re Lüge, als wenn ich sagen würde, dass Bir­nen und Äpfel fast das Glei­che wären. Ein ziem­li­cher Schrat ist Koppruch (siehe Bild) den­noch, denn er nennt au­ßer­ge­wöhn­lich un­schö­ne Cow­boy­stie­fel und einen Drei­ßig­ta­ge­bart sein eigen. Sein ak­tu­el­les Album „Ca­ru­so“ ist einer der bes­ten Ton­trä­ger des Jah­res, üb­ri­gens. Auch auf der Bie­le­fel­der Bühne funk­tio­nier­ten seine Stü­cke, ge­tra­gen nur von Gi­tar­re (wahl­wei­se: Banjo), Bass und Koppruchs mar­kan­ter Stim­me, ziem­lich gut. Er sang von Liebe, Zwei­feln und (ge­mein­sam mit zu Kny­phau­sen) der Aus­sicht. Ja, das war sehr gut. Und wenn wir schon bei „sehr gut“ und Gis­bert sind: Gis­bert zu Kny­phau­sen ist so­wie­so der un­an­ge­foch­te­ne Spit­zen­rei­ter in den Lie­der­ma­cher­charts. Auch wenn er sei­nen Vor­sprung bei sei­nem sonn­täg­li­chen Akus­tik­gi­tar­ren­auf­tritt nicht aus­bau­en konn­te, da er ohne Band eben deut­lich an Wucht und Gän­se­haut­mo­men­ten ver­liert. Egal, Frei­tag in Ham­burg sind die Her­ren Band­kol­le­gen ja wie­der dabei.


Es folg­ten Bier­stand­vi­si­ta­tio­nen und ver­spä­te­tes Ein­tref­fen beim Auf­tritt des aus­tra­li­schen In­die-​Rock-​Du­os An Horse. Ein Drum­mer und eine Gi­tar­ris­tin. Ich weiß zu wenig über die Band, um an die­ser Stel­le nicht (wie alle an­de­ren auch) „The White Stri­pes!“ zu rufen, Ver­zei­hung. Scheint aber gute Musik zu sein. Schön auch, dass wäh­rend des Auf­tritts Nils Koppruch aus Grün­den zu mir kam und mir nach einem klei­nen Plausch eine Zi­ga­ret­te anbot. Jetzt ist er end­gül­tig mein Lieb­lings­sch­rat. Zu An Horse ver­mag ich hin­ge­gen lei­der nichts mehr zu be­rich­ten, daher schnell wei­ter zum heim­li­chen Head­liner Thees Uhl­mann, der be­glei­tet von be­freun­de­ten Mu­si­kern zu­nächst zwei Tom­te-​Klas­si­ker („Das hier ist Fuß­ball“, „Die Schön­heit der Chan­ce“) und an­schlie­ßend Titel von sei­nem im nächs­ten Jahr er­schei­nen­den So­lo­al­bum spiel­te. Es bleibt dabei: Uhl­mann, Grün­dungs­pa­pa vom Grand Hotel van Cleef und seit Jah­ren schon der al­ber­ne Weise der deut­schen Pop­kul­tur, ist ein echt prima Kerl. Und ich möch­te pro­gnos­ti­zie­ren, dass sein So­lo­al­bum ein ech­tes Feu­er­werk wird.


Die Kri­ti­ker wer­den zwar schrei­ben, dass sich die Song­struk­tu­ren zu sehr äh­neln und dass er immer noch ein wenig nu­schelt, aber die­sen Leu­ten möch­te ich jetzt schon sagen: Fres­se. Bei Uhl­mann selbst muss ich mich al­ler­dings auch be­schwe­ren, denn mir an einem Abend der­ma­ßen viele Ohr­wür­mer ins Hirn schie­ßen, ohne dass ich zu Hause auf Ton­trä­ger­auf­nah­men zu­rück­grei­fen kann und auf YouTu­be-​Mit­schnit­te an­ge­wie­sen bin – fies und ge­mein. Trotz­dem ist Uhl­mann einer der Bes­ten unter all den Guten, al­lein schon wegen Song­ti­teln wie „Zum Lai­chen und Ster­ben zie­hen die Lach­se den Fluss hin­auf“. Am Epo­chi­als­ten ist al­ler­dings der zwei Sätze zuvor ver­link­te Song na­mens „Und Jay-Z singt uns ein Lied“ (wer genau hin­hört, be­merkt zum Ende des Lie­des zwei Text­zei­len­ver­wechs­ler des mit­sin­gen­den Gi­tar­ris­ten): „Und wie häu­fig schlägt dein Herz? Wie häu­fig siehst du him­mel­wärts? Und wie häu­fig stehst du auf und freust du dich dar­auf? Und Jay-Z singt uns ein Lied“ singt Thees und wenn das Lied nach drei Mi­nu­ten so tut, als wäre es vor­bei, hauen einem die Gi­tar­ren noch ein­mal mäch­tig in die Fres­se und föh­nen einem die Gän­se­haut auf die Arme. Sap­per­lot! Groß. So viel Ap­plaus spen­de­te ich sel­ten.


Ganz wenig Klat­sche­rei be­ka­men zum Ab­schluss des Tages Kett­car spen­diert, al­ler­dings nur des­we­gen, weil letz­te Züge am Bahn­hof er­reicht wer­den woll­ten. Mit dem un­ge­wöhn­li­cher­wei­se nicht zum Kon­zer­ten­de, son­dern schon nach vier Songs ge­spiel­ten „Balu“ in den Ohren ver­lie­ßen wir fro­hen Mutes den Rin­glok­schup­pen und be­ga­ben uns in die ost­west­fä­li­sche Kälte. Feste soll man fei­ern, wie sie fal­len – sagt der Volks­mund. Aus die­sem Sprüch­lein ließe sich si­cher ein lus­ti­ges Fazit für das Fest van Cleef 2010 bas­teln, aber schlech­te Wort­spie­le hebe ich mir lie­ber für die nächs­te Kurz­ge­schich­te auf. Statt­des­sen möch­te ich die­sen klei­nen Be­richt schlie­ßen mit: bis nächs­tes Jahr, Grand Hotel van Cleef-​Men­schen!

(Danke an An­ni­ka! Auch für die Bil­der.)



Sonntag, 27. Juli 2008

I Am Kloot & Robocop Kraus, Köln, 26.07.08

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Konzert: I Am Kloot & Robocop Kraus
Ort: Odonien, Köln (Fest van Cleef)
Datum: 26.07.2008
Zuschauer: recht voll aber wohl nicht ausverkauft


Setlist I Am Kloot, Fest van Cleef, Köln:

01: One man brawl
02: From your favourite skies
03: Someone like you
04: Suddenly strange
05: The runaways
06: Life in a day
07: Hey little bird
08: Twist
09: To you

Setlist Robocop Kraus folgt!



 

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