Man
könnte ja meinen, dass das Konzert schon fast vorbei wäre, aber
nein: Lilablau und Ariel in perfektem Zusammenspiel. Der
erste Teil des Abends endet mit Nach der Demo gings bergab und Hinterland, wobei wir übereifrigen Deutschen abermals
eindrucksvoll beweisen, dass wir trotz oder gerade wegen all der
Begeisterung nicht richtig im Takt mitklatschen können. Ich bin bei
rhythmischem Mitklatschen sowieso raus, nehme aber amüsiert das
verzweifelte Kopfschütteln und vehement am Takt festhalten des
Drummers Timur zur Kenntnis und bin erleichtert, dass sich die Casper
Bande trotz katastrophalem Klatschen all around nicht aus dem Konzept
bringen lässt.
Mittwoch, 5. März 2014
Casper, Bielefeld, 24.10.2013
Man
könnte ja meinen, dass das Konzert schon fast vorbei wäre, aber
nein: Lilablau und Ariel in perfektem Zusammenspiel. Der
erste Teil des Abends endet mit Nach der Demo gings bergab und Hinterland, wobei wir übereifrigen Deutschen abermals
eindrucksvoll beweisen, dass wir trotz oder gerade wegen all der
Begeisterung nicht richtig im Takt mitklatschen können. Ich bin bei
rhythmischem Mitklatschen sowieso raus, nehme aber amüsiert das
verzweifelte Kopfschütteln und vehement am Takt festhalten des
Drummers Timur zur Kenntnis und bin erleichtert, dass sich die Casper
Bande trotz katastrophalem Klatschen all around nicht aus dem Konzept
bringen lässt.
Montag, 20. Dezember 2010
Fest van Cleef, Bielefeld, 12.12.10
Konzert: Fest van Cleef
Datum: 12.12.2010
Ort: Ringlokschuppen, Bielefeld
- von Johannes von HerrSalami.de -
Das sehr, sehr gute Hamburger Label „Grand Hotel van Cleef“ bat zum alljährlichen „Fest van Cleef“ (Rückblick: 2009) und weil ich mich eingeladen gefühlt habe, war ich letzten Sonntag im Bielefelder Ringlokschuppen körperlich und geistig zugegen. Und Heissa, es war ein Fest! Es gab Glühwein, Bratwurst und Heizpilze, aber nur im Draußenbereich für Raucher und Frischluftfetischisten, die eigentliche Veranstaltung fand in einer Halle statt. Mit acht Bands auf zwei Bühnen, so dass man immer hin und her wandern musste. Wie ein richtiges Festival fühlte es sich also immerhin bedingt an, aber das Wichtigste an solchen Veranstaltungen (Ausnahmen: Wacken, Rock im Park, Rock am Ring, etc.) ist ja ohnehin die Musik. Und die war prima. Ein kleiner Eintrag ins Konzerttagebuch.
Ich arbeite mal chronologisch den Ablaufplan ab: Beat!Beat!Beat! sah ich bereits zum dritten Mal und irgendwie werde ich mit dieser Band nicht warm. Ja, nette Musik machen sie ja bestimmt, aber meine ehemalige Sitznachbarin aus dem Chemieunterricht ist auch nett und dennoch weiß ich ihren Nachnamen nicht mehr. Immerhin konnte man die durch das langweilige erste Konzert gewonnene Zeit in Alkohol- und Fanartikelkonsum investieren. Danach: wandern zur Bühne zwei, wo Tim Neuhaus auf der Bühne herumsoundcheckte. Ich setzte mich mit meiner mich begleitenden Freundin an den Bühnenrand, da spazierten Nils Koppruch und Gisbert zu Knyphausen an uns vorbei – Gisbert hielt inne und erinnerte sich: „Ihr wart doch auch in Oberhausen, oder?“ Ja, waren wir – und tags zuvor auch in Münster. Wir verabschiedeten uns wahrheitsgemäß mit „Und nächsten Freitag sehen wir dich schon wieder, in Hamburg!“. Scheiß Groupies sind wir. Aber eigentlich wollte ich was zu Tim Neuhaus sagen, kann ich aber nicht, da mir von seinem Programm nichts im Ohr geblieben ist. War so ein Songwriter-Geschwurbel mit Drummer. War vielleicht gut. Vielleicht aber auch nur so naja. Und bestimmt was fürs Radio. Also weiter zu den mir vorab völlig unbekannten Young Rebel Set. Britische Hut-, Bart- und Unterhemdenträger, also sehr sympathisch. Musikalisch irgendwo zwischen The Pogues, Mumford & Sons und den Fleet Foxes. Aber beim ersten Hören leider auch nur nett.
Danach begann für mich der Festivaltag. Nils Koppruch war schließlich nicht nur zum Spazierengehen nach Bielefeld gekommen. Irgendjemand hat mal geschrieben, dass er der deutsche Tom Waits sei. Aber das ist eine noch größere Lüge, als wenn ich sagen würde, dass Birnen und Äpfel fast das Gleiche wären. Ein ziemlicher Schrat ist Koppruch (siehe Bild) dennoch, denn er nennt außergewöhnlich unschöne Cowboystiefel und einen Dreißigtagebart sein eigen. Sein aktuelles Album „Caruso“ ist einer der besten Tonträger des Jahres, übrigens. Auch auf der Bielefelder Bühne funktionierten seine Stücke, getragen nur von Gitarre (wahlweise: Banjo), Bass und Koppruchs markanter Stimme, ziemlich gut. Er sang von Liebe, Zweifeln und (gemeinsam mit zu Knyphausen) der Aussicht. Ja, das war sehr gut. Und wenn wir schon bei „sehr gut“ und Gisbert sind: Gisbert zu Knyphausen ist sowieso der unangefochtene Spitzenreiter in den Liedermachercharts. Auch wenn er seinen Vorsprung bei seinem sonntäglichen Akustikgitarrenauftritt nicht ausbauen konnte, da er ohne Band eben deutlich an Wucht und Gänsehautmomenten verliert. Egal, Freitag in Hamburg sind die Herren Bandkollegen ja wieder dabei.
Es folgten Bierstandvisitationen und verspätetes Eintreffen beim Auftritt des australischen Indie-Rock-Duos An Horse. Ein Drummer und eine Gitarristin. Ich weiß zu wenig über die Band, um an dieser Stelle nicht (wie alle anderen auch) „The White Stripes!“ zu rufen, Verzeihung. Scheint aber gute Musik zu sein. Schön auch, dass während des Auftritts Nils Koppruch aus Gründen zu mir kam und mir nach einem kleinen Plausch eine Zigarette anbot. Jetzt ist er endgültig mein Lieblingsschrat. Zu An Horse vermag ich hingegen leider nichts mehr zu berichten, daher schnell weiter zum heimlichen Headliner Thees Uhlmann, der begleitet von befreundeten Musikern zunächst zwei Tomte-Klassiker („Das hier ist Fußball“, „Die Schönheit der Chance“) und anschließend Titel von seinem im nächsten Jahr erscheinenden Soloalbum spielte. Es bleibt dabei: Uhlmann, Gründungspapa vom Grand Hotel van Cleef und seit Jahren schon der alberne Weise der deutschen Popkultur, ist ein echt prima Kerl. Und ich möchte prognostizieren, dass sein Soloalbum ein echtes Feuerwerk wird.
Die Kritiker werden zwar schreiben, dass sich die Songstrukturen zu sehr ähneln und
dass er immer noch ein wenig nuschelt, aber diesen Leuten möchte ich jetzt schon sagen: Fresse. Bei Uhlmann selbst muss ich mich allerdings auch beschweren, denn mir an einem Abend dermaßen viele Ohrwürmer ins Hirn schießen, ohne dass ich zu Hause auf Tonträgeraufnahmen zurückgreifen kann und auf YouTube-Mitschnitte angewiesen bin – fies und gemein. Trotzdem ist Uhlmann einer der Besten unter all den Guten, allein schon wegen Songtiteln wie „Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf“. Am Epochialsten ist allerdings der zwei Sätze zuvor verlinkte Song namens „Und Jay-Z singt uns ein Lied“ (wer genau hinhört, bemerkt zum Ende des Liedes zwei Textzeilenverwechsler des mitsingenden Gitarristen): „Und wie häufig schlägt dein Herz? Wie häufig siehst du himmelwärts? Und wie häufig stehst du auf und freust du dich darauf? Und Jay-Z singt uns ein Lied“ singt Thees und wenn das Lied nach drei Minuten so tut, als wäre es vorbei, hauen einem die Gitarren noch einmal mächtig in die Fresse und föhnen einem die Gänsehaut auf die Arme. Sapperlot! Groß. So viel Applaus spendete ich selten.
Ganz wenig Klatscherei bekamen zum Abschluss des Tages Kettcar spendiert, allerdings nur deswegen, weil letzte Züge am Bahnhof erreicht werden wollten. Mit dem ungewöhnlicherweise nicht zum Konzertende, sondern schon nach vier Songs gespielten „Balu“ in den Ohren verließen wir frohen Mutes den Ringlokschuppen und begaben uns in die ostwestfälische Kälte. Feste soll man feiern, wie sie fallen – sagt der Volksmund. Aus diesem Sprüchlein ließe sich sicher ein lustiges Fazit für das Fest van Cleef 2010 basteln, aber schlechte Wortspiele hebe ich mir lieber für die nächste Kurzgeschichte auf. Stattdessen möchte ich diesen kleinen Bericht schließen mit: bis nächstes Jahr, Grand Hotel van Cleef-Menschen!
Freitag, 16. Mai 2008
Konzertrückblick: Slut, Bielefeld, 15.03.08
Ort: Forum, Bielefeld
Datum: 15.03.2008
Zuschauer: gut gefüllt, aber bei weitem nicht ausverkauft
Dauer: 120 Minuten
Um 17h betrete ich in meiner Niedersächsischen Heimat eine Pizzeria und mir als immigrierter Nordrheinwestfale fällt eines sofort ins Auge, große aber dennoch dezente Schilder am Eingang und auf jedem Tisch die den Gast höflichst aber bestimmt darauf hinweisen, dass hier nicht (mehr) geraucht werden darf. Wie schön das doch auch in NRW wäre … Konzerte ohne rauchende Schlote …
Aber spulen wir doch mal ein wenig vor.
Gegen 20:30h betreten wir das Forum in Bielefeld. Das Forum, ach wie viele Erinnerungen hängen mit dem Laden zusammen. Wie viele wirklich geile Konzerte habe ich hier gesehen? Blumfeld mit einem über den Kickerautomaten im Foyer philosophierenden Jochen Distelmeyer auf Heimaturlaub, You will Know us by the Trail of Dead die alles auf der Bühne kurz und klein schlugen, Jimmy Eat World und und und … heute sind die glorreichen 5 Ingolstädter mit Namen Slut hier. Zuletzt hatte ich sie im Kamp gesehen und da hätten sie auch diesmal besser spielen sollen, wirklich füllen können sie das Forum leider nicht. Auch wenn der Parkplatz schon fast voll ist als wir am Forum ankommen, drinnen herrscht gähnende Leere, das ändert sich Gott sei dank zwar noch bis zum Konzert, aber im Kamp wäre es sicherlich heimeliger gewesen.
Den Anfang machen Uphill Racer ebenfalls aus Ingolstadt. Wie Chris Neuburger noch im laufe des Abends stolz zu Protokoll geben wird, eine der wenigen Bands aus Ingolstadt die nicht nach Bonfire oder Bon Jovi klingen.
Wunderschöne Musik zelebrieren die 4 Herren dort auf der Bühne, nur schade, dass man davon leider kaum was mitbekommt. Es dauert fast das halbe Set, bis der Sound hörbar ist und nicht mehr nur noch aus übersteuerten Rückkoppelungen besteht.
Aber neues Spiel, neues Glück, pünktlich um 22Uhr beginnt das Spektakel. Das Licht erlischt und auf der Bühne beginnt ein Filmchen zu flimmern. Dazu gesellen sich nach und nach 3 Monitore mit immer wiederkehrenden Filmchen. Dann kommen Slut und beginnen Ihr Konzert mit ‚Come On’ vom aktuellen Album. Die Bühne bleibt spärlich beleuchtet nur hier und da blitzt im Laufe des Abends eine der sechs Glühbirnen über der Band auf.
Die Songs der vergangenen 5 Alben und der 5 Groschenoper Ep reihen sich schon fast wie Hit und Hit aneinander an und harmonieren gleichzeitig wunderbar mit dem neuen Material.
Auf der Bühne findet beinahe nach jedem Song das wilde Instrumente Tauschen statt. Die Jungs bieten dem Publikum, neben bis zu drei Gitarren auch noch Pianos, Synthies, ein Akkordeon, diverse Rhythmus Instrumente und eine Posaune. Dargeboten werden Perlen des Slut Repertoirs wie Swingquest, die man schon lange nicht mehr auf einem Slut Konzert gehört hatte. Chris Neuburger schwingt mit seinem Lockenkopf im Takt hin und her und stellt damit locker Chris Martin, seinen Namensvetter von Coldplay, in den Schatten. Schade ist es, daß 'If I had a Heart' leider nicht so druckvoll daherkommt, wie ich es mir gewünscht hätte. Genauso wie ich 'Failed On You' schmerzlich vermisse. Das Hauptset beschließt die Band mit 'Say Yes To Everything'. Chris schreit dem Publikum unter einem silbernen Lamettaregen 'Thank you for passing us bye' entgegen.
Aber das Publikum hat noch lange nicht genug, 2 Zugabenblocks folgen, die u.a. 'Mackie Messer' und 'Staggered And Torn' beinhalten. Dann ist Schluß, die Meute bewegt sich in Richtung Ausgang und nicht nur ich scheine glücklich darüber zu sein, dass die breite Masse die Band ignoriert und diese trotzdem immer noch das tun was sie lieben, nämlich Musik und längst nicht die Flinte ins Korn geworfen haben wie ehemalige Mitstreiter.
von O. S.

