Sonntag, 26. November 2017

Me And Oceans, Chemnitz, 24.11.17


Konzert: Me And Oceans
Ort: Boden der Tatsachen, Chemnitz
Datum: 24.11.2017
Dauer: 75 min
Zuschauer: 25+


4. Etage, Maisonette - irgendwo in Chemnitz. Der Boden der Tatsachen ist eine Adresse für sorgfältig ausgewählte und stets besondere Wohnzimmerkonzerte. Zu Gast heute Abend ist Me And Oceans.

Ich saß während des Konzertes da und ließ kurz meine Erlebnisse von Wohnzimmerkonzerten Revue passieren: was ist typisch? Singer/Songwriter, Gitarre, mal Cajon, mal Keyboard, auch schon mal eine Band. Der heutige Abend war im Rückblick einer der bisher ungewöhnlichsten dieser Art in solch einer Umgebung.



Me And Oceans alias Fabian Schütze gastiert mit seinem Hörerlebnis „MIR“ - Briefe an Juri (Wolkow). Die Bühne meist in blau getaucht wie das Innere einer Raumstation, ein Stück Leinwand als Fenster zur Welt - zur Erde. Musikalisch wird er begleitet von seinem Computer. Maxim Pritula liest als Einspielung die Briefe an Juri, teils in deutsch, teils in russisch.

In Szene gesetzt wird das Ganze mit Postkarten, Fotos und Live-Zeichnungen passend zu Liedern, Briefen und Zeit. Fabian hat viel zu tun im Cockpit. Und wir sitzen im Kontrollzentrum des Sternenstädtchens und verfolgen Juris Erdumrundungen in der MIR, die Zwiegespräche mit seinen Mitfliegern, die Sorgen seiner Freundin Sofia, die Geburtstagswünsche seiner Kosmonautenkollegen und Wissenschaftler oder auch die Anweisungen für die Durchführung der Experimente durch die Akademie der Wissenschaften.



Fabians Lieder zu den Briefen durchweben die Kapitel. Sie widerspiegeln das Gedankengebäude Juris in der Erdferne. Manchmal sind es auch Songs über kritische und lebensgefährliche Situationen, in denen sich die Mitbewohner der MIR selbst versichern, dass Juri schon alles in den Griff bekommen wird. Und wenn Juri sagt, er kann es reparieren, dann kann er es auch reparieren! Der Fels in der Brandung: Juri auf der MIR und Fabian auf dem Boden der Tatsachen!



Die Landung ist dann so unsanft wie das Aufprallen der Sojuskapseln in der kasachischen Wüste: wir sind zurück in der Novemberwirklichkeit in Chemnitz, ein bisschen traurig, dass so ein Flug auch immer ganz plötzlich zu Ende ist.



Glücklicherweise werden wir als Zugabe und Mutprobe musikalisch von Fabian Richtung Weihnacht nach Hause geschickt.

Das alles war eine Gefangennahme des Publikums im besten Sinne, so eingesaugt in eine Geschichte habe ich mich selten gefühlt. Ich habe eine wahnsinnig intensive Geschichte, eine fesselnde Performance von Me And Oceans erlebt und kann allen Lesern, die diese Geschichte noch nicht kennen, nur wünschen, dass sie einen dieser Abende von Fabian einmal selbst erleben dürfen.



Aus unserem Archiv 
Me And Oceans, Dresden, 07.09.14
Me And Oceans, Karlsruhe, 10.02.14 




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