Donnerstag, 15. März 2012

Anna Aaron, Paris, 13.03.12


Konzert: Anna Aaron
Ort: Centre Culturel Suisse, Paris 3ème

Datum: 13.03.2012
Zuschauer: etwa 100, quasi ausverkauft

Konzertdauer: etwa 85 Minuten


"Auf Wiedersehen"


Diese zwei Worte am Ende blieben die einzigen deutschen während des gesamten Konzerts der aus dem deutschsprachigen Teil der Schweiz stammenden Pianistin Anna Aaron. Ansonsten wurde französisch, mitunter auch ein wenig englisch gesprochen. Die 26 jährige Künstlerin wunderte sich ein wenig über diesen Umstand: "Ich dachte, ich würde hier auf eine kleine schweizer Insel mitten in Paris treffen und schwyzerdütsch reden können, aber da habe ich mich wohl getäuscht", merkte die Blondine lächelnd (und auf französisch) an.

Aber was hatte sie erwartet? Das wir hier Käsefondu und feinste Schweizer Schokolade essen? Bündner Nusstorte zum Dessert nach dem Konzert serviert bekommen? Eine Kellnerin mit Rivella Limonade durch die Reihen geht?


Nein, all dies gab es nicht. Aber es war auch piepegal. Viel wichtiger war die gebotene Musik und die war wirklich ganz ausgezeichnet! Mit immenser Leidenschaft und Einsatzfreude gingen Anna und ihre drei Mitmusiker zur Sache. Wenn Aaron elektrisches Klavier oder klassisches Piano spielte, flog ihre Haarsträhne immer wie wild durch die Luft, so viel Power hatte das zierliche Persönchen! Aber man durfte sich eben nicht täuschen lassen, hinter dem schmalen Engelsgesicht mit der Kriegsbemalung eines amerikanischen Footballspielers steckte ein Vulkan. Anna ist eine Performerin vor dem Herrn, die immer 100 % gibt und herrlich theatralisch agiert. Fand ich super, wie sie die Emotionen auch durch ihre Gestik und Mimik ausdrückte, den Lyrics eine äußere Form gab und so die Blicke auf sich zog. Schon erstaunlich, wie viel Charisma und Bühnenpräsenz dieses junge Mädel hat, da können sich viele Shoegaze-Langweiler mal 'ne Scheibe von abschneiden! Und ihre Stimme ist absolut markant. Leicht soulig und auch ein wenig verraucht, wenn man Anna ahnungslos im Radio hörte, würde man ihr dieses kraftvolle und ungewöhnliche Gesangesorgan gar nicht zutrauen.


Aber auch ihre vierköpfige Band (zwei Männlein, zwei Weiblein) war dufte und spielte, als ginge es hier und heute um Alles. Besonders die Gitarristin (ich glaube sie hieß Emilie) legte sich wahnsinnig ins Zeug und rockte so richtig ab, daß ihr Pferdeschwanz in alle Richtungen flog.

Stilistisch war das Ganze gar nicht so leicht einzuordnen. Folk, Blues, Soul, Indierock, Pianopop, alles war vertreten. Als (relativ) ähnliche Künstler könnte man ihre Landsfrau Sophie Hunger und Wallis Bird, aber auch Soap & Skin, Katharina Franck (Rainbirds), Martha Wainwright, Joan As Police Woman, Melissa Etheridge oder Dear Reader nennen, wobei kein Vergleich so richtig passt, was im Sinne der Eigenständigkeit natürlich positiv zu werten ist.

Anna Aaron imitiert jedenfalls schon mal definitiv nicht ihre berühmte Landsfrau Sophie Hunger, dazu sind allein schon die Stimmen viel zu unterschiedlich, wenngleich eine vergleichbare Emotionalität festzustellen ist.


Die besten Songs im Programm waren sicherlcih die ergreifende Pianoballade Joanna, der Uptempo Song Sea Monsters und das wundervoll melodiöse Stück Siren ("if you please play princess with me in the city park"). Lieder, die man allesamt auf dem Album Dogs In Spirit finden kann. Heute bekamen wir aber auch andere Stücke geboten (z.B. Mary Ruth) und erfreulicherweise war wirklich kein Rohrkrepierer dabei.



Das Publikum, das auf bequemen Kinosesseln saß, aber dennoch nie in Gefahr geriet einzuschlafen, applaudierte feurig und erkämpfte sich am Ende mehrere Zugaben, wovon die allerletzte nicht eingeplant und extrem rockig war.


Ein tolles Konzert und obwohl die Musikerin aus Basel kam, wurde kein Wort über das Champions-League Spiel gegen Bayern verloren. Das Ergebnis erfuhr ich in der U-Bahn, als sich zwei deutsche Jugendliche unterhielten und laut kichernd das Resultat auf ihren Smartphonen abriefen: "7:0, den Baselern haben wir es gegeben!"

Setlist Anna Aaron, Centre Culturel Suisse, Paris:

01: solo
02: Queen Of Sound
03: Holy Mother
04: Where Are You David
05: The Drainout
06: Elijah's Chant's
07: In The Devil's Camp
08: Mary Ruth
09: Solo
10: Fire Over The Forbidden Mountain
11: Joanna
12: Sea Monsters
13: Sparkle & Blood

14: Siren
15: A Sun Shines On Aimée

16: ?

Aus unserem Archiv:

Anna Aaron, Paris, 23.11.11



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