Mittwoch, 3. Juni 2009

Alela Diane, Paris, 02.06.09

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Konzert: Alela Diane (Matt Bauer, Olle Nyman)

Ort: L'Olympia, Paris
Datum: 02.06.2009
Zuschauer: so gut wie ausverkauft
Konzertdauer: ca. 85 Minuten



Parallel zu dem immer größer werdenden Erfolg von Alela Diane kommen die ersten Kritiker und Lästerer aus ihren Löchern gekrochen. War noch im Jahre 2008 die Mehrheit der Folkmusikfans entzückt von der neuen "Queen" dieser Gattung, scheiden sich seit der Veröffentlichung des zweiten Albums To Be Still ein wenig die Geister an der jungen Frau aus Kalifornien. "Ihr Songwriting ist ziemlich flach", maulen die einen, das neue Material ist zu seicht und glatt ausgefallen"", krakelen die anderen und teilweise las man sogar etwas von einer schwachen Kopie von Joanna Newsom, ein Vergleich der fürchterlich hinkt, denn weder die Stimmen der beiden Folkeusen sind vergleichbar, noch spielt Alela Harfe.

Vielleicht nervt einige auch, daß Alela Diane gerade in Frankreich omnipräsent ist und einem aus Modezeitschriften wie der Vogue oder Biba entgegenlächelt. Aber gerade diese Vermarktung außerhalb klassischer Musikpostillen wie den Inrocks, Rock & Folk, oder dem neuen auf Country und Folk spezialisierten Magazin Eldorado, führte dazu, daß heute im Olympia auch junge, trendige Leute auf der Matte standen und nicht nur die üblichen Verdächtigen, bestehend aus altlinken Oberstudienräten mitsamt Gattin, gutmenschelnden Psychiatern und steifen Verwaltunsgrichtern.

Dabei war gerade für junge Leute am heutigen Tage in Paris Etliches geboten. Maximo Park schumpften im Trabendo rum, Snow Patrol versprühten ihre melancholische Seichtheit im Elysée Montmarte, Partrick Watson spielte zusammen mit Sherlock Holmes in der Maroquinerie und Morrissey sollte eigentlich das Grand Rex beehren , sagte aber ab. Die Parallelveranstaltung, die mich abgesehen von Alelas Konzert allerdings am meisten interessierte, war die Kombination aus dem aufstrebenden Franzosen François Virot (die französische Antwort auf Animal Collective, so liest man vielerorts*) und dem famosen Chad VanGaalen.

Viel los also in der Stadt der Liebe, in der zur Zeit auch die offenen französischen Tennismeisterschaften stattfinden. Und da Tennis neben der Musik meine größte Leidenschaft ist, saß ich heute bei brütender Hitze im Stadion in Roland Garros und sah die Matches zwichen Azarenka und Safina und Gonzales und Murray. Eher mäßiges Tennis wurde dort geboten und auf das abschließende Mixed verzichtete ich dann auch, weil ich unbedingt Matt Bauer im Olympia sehen wollte, der für das Vorprogramm von Alela Diane vorgesehen war. Ich hetzte von der Tennisanlage, stieg mit tausenden von schwitzenden Menschen in die überfüllte U-Bahn und hoffte pünktlich im mystischen Konzertsaal zu erscheinen. Aber ich hatte Pech: Obwohl ich schon kurz nach 20 Uhr eintraf, war der hochtalentierte Banjospieler und Sänger schon durch und ich mußte mich mit dem recht zähen Set des Schweden Olle Nyman begnügen. Der Song Don't Let Those Bastards war allerdings richtig gut.

Mit den Vorgruppen ist es ohnehin ein ziemlicher Fluch.Wenn mich mal eine interessiert, wird sie immer sehr früh angesetzt und falls ich es trotzdem zeitlich schaffe (wie neulich bei The Miserable Rich), dann werden diese Künstler entweder durch Abwesenheit eines Großteils des Publikums oder Ignoranz bestraft. Zum Konzert von Matt Bauer, den ich nicht nur wegen seiner natürlich- bescheidenen und hochsympatischen Art, sondern vor allem wegen seiner starken und berührenden Kompositionen verehre, hörte ich nämlich im Anschluß schon wieder nur desinteressierte bis ablehnende Kommentare. Dabei hätte es der glatzköpfige Bartträger sogar verdient, selbst das Hauptprogramm in einer Location wie dem Olympia zu bestreiten! Sein Songwriting ist vortrefflich, sein Banjospiel meisterlich und sein Gefühl atemberaubend!

Ich habe mir deshalb in den Kopf gesetzt, Matt für eine Oliver Peel Session zu gewinnen. Dort wird er auf ein aufmerksames und hochmotiviertes Publikum treffen, so wie er das verdient. Gegen das Konzept "Homeshow" scheint er ohnehin nichts zu haben, noch am Vortage ist er zusammen mit meinen Freunden von Arch Woodman in einem Appartement aufgetreten.

Soviel zum Warm-Up, kommen wir nun zum Star des Abends, Alela Diane. Die erschien mit flottem Kurzharschnitt und hübschem Kleid, zu dem sie wie gewohnt stilechte Cowboystiefel trug. Zunächst performte sie zusammen mit ihrem Dad, dem Gitarristen und Mandolinspieler Tom Menig, den Song Lady Divine und stellte das Christophsche Gesetz kräftig auf den Kopf. Sie fing nämlich mit dem letzten Lied ihres aktuellen Albums an! Ein wunderschöner Song im Übrigen, dieses Lady Divine, sehr lieblich und hoffnungspendend, mit einem herrlichen Pfeifsolo von Alela am Ende.

Dann stieß Matt Bauer mit hinzu und durch das tolle Pluckern des schönen Instruments wurde es gleich noch eine Ecke brillianter. Der Klassiker Tired Feet und das wundervolle Tatted Lace, eine der Perlen des neuen Albums wurden dargeboten und mir war schon zu diesem Zeitpunkt klar, daß ich am Ende ein positives Fazit ziehen würde. Ich wußte wieder, warum ich Alela so verehre! Ich mag ihre Ausstrahlung, ihre Natürlichkeit, ihr Lächeln und vor allem natürlich die feste, stolze und klare Stimme, die heute besonders gut zur Geltung kam. Ich glaube sogar stimmlich das beste Konzert der jungen Amerikanerin gehört zu haben. In diesem Bereich hat sie sich weiterhin verbessert und zeigt kaum Schwächen.

Vorne auf der Bühne gab es also nichts zu bemängeln, aber leider gab es Störfeuer in meinem direkten Umfeld. Zwei junge Mädels, beide höchstens 18 Kahre alt, plauderten unentwegt und nervten damit ungeheuerlich. Ich wollte ihnen sagen, daß sie doch nächstens lieber zu den Kooks gehen sollen, ließ das aber bleiben, weil ich insgeheim froh war, daß auch junges Publikum auf Alela Diane aufmerksam geworden ist und ihre Konzerte besucht. Folkkonzerte erinnern ja oft an Beerdigungen, da wird ernst und andächtig geschaut und keiner sagt einen Mucks. Insofern nicht schlecht, daß das althergebrachte Genre auch einmal ein wenig aufgelockert wird und der Muff von tausend Jahren unter den Talaren weggespült wird. Vor allem aber: der Stimmung tat das gemischte Publikum gut, es herrschte eine ausgelassene Atmosphäre, genau wie bei anderen Indiekonzerten auch und die Pariser Folkszene erfährt nicht nur durch die Künstlerin Alela, sondern auch durch ihr Publikum eine Frischzellenkur.

Die Bühne wurde unterdessen von immer mehr Musikern bevölkert. Matt Bauer war im Mittelteil nicht mehr dabei, dafür gab es aber Verstärkung durch den Schlagzeuger Benjamin Oak Goodman, den permanent posenden Bassisten Tom Bevitori (ob er wohl gerne Mitglied einer Heavy Metal Band wäre? und die stets schüchtern wirkende Alina Hardin. Die junge Sirene hat bereits eigene Lieder veröffentlicht, war aber heute wirklich nur für sehr leisen Backgroundgesang verantwortlich, den man auch auf dem Album hören kann, wenn man seine Öhrchen sehr gut spitzt. Trotz der Mehrzahl an aktiven Musikern, flachte die Stimmung im Publikum ganz leicht ab, weil mit The Alder Trees und To Be Still langsame Stücke kamen, die mehr oder weniger dahinplätscherten. Mit dem Neil Young Cover Heart Of Gold kam dann aber wieder Schwung in die Bude. Alela hatte eingangs erläutert, daß sie während des Primavera Festivals in Spanien die Gelegenheit gehabt hätten, den alten kanadischen Haudegen zu genießen und daß seine Stimme nach wie vor fantastisch sei. Er sei lediglich recht alt geworden, schloß Alela kess schmunzelnd. Das Cover selbst war gut, aber nicht überragend. Mehr Spaß hatte ich persönlich mit dem traumhaften Every Path auf dem Alelas Vater Tom auf das Wundervollste Mandoline spielte, desweiteren mit dem mir live breits gebotenen My Brambles und schließlich mit dem wohl schönsten Stück, The Ocean, das von Alelas Mutter handelte. Und Mutti war sogar extra aus den USA angereist und dabei zum allerersten Mal in ihrem Leben über den großen Teich gekommen! Sogar Großmutti und Tantchen waren anwesend und soviel familiäre Unterstützung ist natürlich rührend und verfehlte auch nicht die herzerweichende Wirkung bei mir. Zumal auch der Text über ihre Mom wirklich naheging : "In spirit she drifted to the oean, all those years of in her mind, the sunset by the sea is in her mind, the sunset by the sea was in her mind." Mit welcher Inbrunst Alea diesen Zeilen dang! Das wühlte auf und mit Oh! My Mama vorm ersten Album The Pirate's Gospel (nach einem vorzüglichen The Rifle) kam 10 Minuten später erneut die Mutter ins Spiel.

Take Us Back wurde schließlich zusammen mit dem Bassisten Tom am Mikro vorgetragen und die beiden tauschten verliebte Blicke aus, die kaum verhehlen konnten, daß die beiden ein Paar sind.

Tosender Applaus und ein Finale, daß sich sehen lassen konnte: Auf Age Old Blue folgte mit The Pirate's Gospel der Überhit des ersten Albums, der der Künstlerin möglicherweise zu den Ohren heraushängt, aber selbst das hüftsteife Publikum in den oberen Sitzreihen zum Tanzen und Mitklatschen verleitete. Das ausgelassene Treiben auf und vor der Bühne sorgte für einen wunderbaren Abschluß eines sehr schönen Konzertes, das mir allerdings nicht ganz die Glücksmomente des legendären Auftritts in der Cigale bescherte.

* Francois Virot spielt übrigens am 11. Juli beim Potsdamer Street Festival





Konzerttermine Alela Diane

3. Juni Mousonturm, Frankfurt
4. Juni München, Ampere

Setlist Alela Diane, Olympia, Paris:

01: Lady Divine
02: Tired Feet
03: Tatted Lace
04. Dry Grass & Shadows
05: White As Diamonds
06: The Alder Trees
07: To Be Still
08: Heart Of Gold (Neil Young Cover)
09: Every Path
10: My Brambles
11: The Ocean
12: The Rifle
13: Oh! My Mama
14: Take Us Back

15: Age Old Blue (Z)
16: The Pirate's Gospel (Z)

- Mehr Fotos von Alela Diane hier



Dienstag, 2. Juni 2009

Rodriguez & The Miserable Rich, Paris, 01.06.09

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Konzert Rodriguez & The Miserable Rich

Ort: Le Nouveau Casino, Paris
Datum: 01.06.2009
Zuschauer: gut besuchte Veranstaltung
Konzertdauer: The Miserable Rich: 40 Minuten, Rodriguez circa 80 Minuten



Pünktlich zur Vorgruppe zu erscheinen, fällt mir nicht so leicht, da ich konzerttechnisch im denkbar ungünstigsten Viertel in Paris lebe und stets eine sehr lange Anfahrtszeit habe. Abgesehen vom Olympia ist keine Location für mich schnell erreichbar und das Nouveau Casino, das im trubeligen Oberkampfviertel liegt, bildet da keine Ausnahme.

Deshalb bin ich diesmal extra früh aufgebrochen, denn ich wollte die englische Vorgruppe The Miserable Rich auf jeden Fall sehen. Der nervige Bus 96, den ich benötigte, wollte mir aber einen Strich durch die Rechnung machen: Das Scheißding fuhr mir gleich vor der Nase weg! Der nächste sollte erst 13 Minuten später kommen, was absolut inakzeptabel war. Mir blieb also nichts anderes übrig, als meine Beine unter den Arm zu nehmen und ins Nouveau Casino zu rennen.

Ich schaffte eine Punktlandung und war genau zum ersten Lied des Kammerpop-Orchesters da. Schweißtriefend glotzte ich auf die Bühne und sah als Erstes Richtung Violinist, der mir unglaublich bekannt vorkam. Woher bloß? Ich grübelte, bevor es mir wie Schuppen von den Haaren rieselte: Genau, den Burschen (Mike Siddell) hatte ich bereits bei Konzerten von Lightspeed Champion fiedeln gesehen, damals allerdings noch ohne Bart. Der lockenköpfige Akustikgitarrist, auf den mein Blick nun fiel, erinnerte mich wiederum irgendwie an John Arnold "I Am Kloot" Bramwell. Natürlich war es nicht Bramwell selbst, der da beherzt an den Seiten zupfte, allerdings erfuhr ich hinterher (danke Carsten!), daß er auch in der vorzüglichen, aber leider viel zu unbekannten Band Clearlake Akzente setzt. Jim Briffett sein Name. Für den Gesang war und ist James de Malplaquet verantwortlich und komlpettiert wurde die Band von zwei Herren an Kontrabass und Cello.

Die fünf Briten kamen gerade erst von einer ausgedehnten Deutschland-Tournee nach Frankreich und waren noch am Vortage beim herrlichen Orange Blossom Special Festival in Beverungen positiv in Erscheinung getreten.

Dennoch wirkten sie keineswegs müde, sondern sehr inspiriert und spielfreudig. Zwar waren zum Zeitpunkt ihres Auftrittes noch nicht sehr viele Zuschauer versammelt, aber diejenigen, die schon da waren, lauschten feierlichen Blickes den warmen, amtosphärisch dichten und filigran arrangierten Songs. Diese stammten mehrheitlich vom Debütalbum 12 Ways To Count, welches ihnen vorzügliche Kritiken in der Fachpresse eingrebacht hatte. Die vermutlich bekanntesten Lieder sind wohl der Boat Song und Pisshead (was für ein Titel!), aber mir persönlich hatte es besonders der melancholische Schmachtfetzen Muswell ("What do I know about flying?") angetan, der wunderbar harmonisch und rotweinseelig war. A propos Rotwein: Sänger James nippte immer mal wieder an diesem berauschenden Getränk. Eine witzige Sache übrigens, die Geschichte mit dem Rotwein. Sehr oft schon habe ich englische oder amerikanische Künstler erlebt, die in Paris dem Roten zusprachen, während die Franzosen selbst auf der Bühne eher Wasser oder Bier konsumieren, Wein trinkt man in Frankreich in der Regel nur zum Essen.

Aber Rotwein passt hervorragend zu der Musik von The Miserable Rich und man hätte auch noch ein paar andere Klischees bemühen können, zum Beispiel das Kaminfeuer oder die Phrase "die richtige Musik für den Herbst". Stimmt ja auch irgendwo alles, aber ich kann bestätigen, daß die Stücke der Brightoner auch im Juni und ohne loderndes Feuer noch funktionieren.

Schön anzusehen auch die Mimik von Sänger James, der passabel französisch sprach (obwohl er selbst erklärte: "mon français n'existe pas") und den Barmaid's Canon ("a drinking song", wie er betonte) theatralisch unterstrich, indem er einen Betrunkenen mimend über die Bühne torkelte.

Aber es gab nicht nur Titel vom Album 12 Ways To Count,
denn The Miserable Rich sind mit ihrem neuen Album schon so gut wie fertig und beglückten uns deswegen auch mit Neuheiten. Ob das Hot Chip Over And Over darauf enthalten sein wird, das heute weniger dancefloorlastig, in neuem, barocken Glanz erstrahlte? Wie auch immer, Sänger James sprach jedenfalls davon, daß man sich den Song gratis downloaden könne, wenn man seine E-mail Adresse hinterlasse.

Und das allerschönste Lied hatten sich die Brightoner für den Schluss aufgehoben, es wird definitiv auf dem neuen Album drauf sein. Es heißt wie ich: Oliver.

In der Umbaupause gab es Zeit zu einem Plausch mit den Musikern von The Miserable Rich. Insbesondere Volinist Mike zeigte sich gesrächig und berichtete von einer äußerst gelungenen Deutschland- Tournee, mit dem perfekten Abschluß beim Sommer Blossom Special in Beverungen. Angetan war er auch von der barocken Schönheit von Salzburg, neben Wien eine der beiden Städte, die The Miserable Rich in Österreich besucht hatten.

Meine Frage, ob sie denn jeweils mit Rodriguez unterwegs waren, konnte allerdings nicht mehr beantwortet werden, denn das Licht war inzwischen ausgegangen und ich kämpfte mich nach vorne durch, um aussagekräftige Fotos des nicht mehr ganz taufrischen Blues- und Folkmusikers zu schießen. Ohnehin wäre die Antwort nein gewesen, denn der Amerikaner mit mexikanischen Wurzeln hatte einen anderen Tourkalender als die Engländer aus Brighton. Er sei unglaublich herzlich, dieser Rodriguez, hatte Sänger James schon vorher geschwärmt, das sei leider eine Seltenheit, Stars würden sich ansonsten gegenüber Vorgruppen eher distanziert verhalten.

Ein Star? Ist der das überhaupt, dieser alte Haudegen mit Sonnenbrille und Hut? Ehrlich gesagt: Ich hatte noch nie zuvor von ihm gelesen, er war für mich ein unbeschriebenes Blatt! In Südafrika soll er allerdings ganze Stadien gefüllt haben. Sein Auftreten hatte von Beginn an etwas Divenhaftes. Obwohl nicht mehr allzuschnell auf den Beinen und teilweise etwas desorintiert wirkend*, ging von ihm ein unbeschreibliches Charisma aus. Die Bildzeitung beschreibt Charaktere wie Sixto Rodriguez gerne als Alphatiere und selbst wenn ich die Ausdrücke dieser Postille ("Boxenluder", "Rosenkrieg", "Zickenalarm", "Dummbanker", "Brückenteufel", "Inzestmonster", "Traineridiot", "Torwarttitan", "Modezar") nicht sonderlich schätze, war er das mit Sicherheit. Ein Alphatier, ein Zuchtbulle, ein Kerl, der die Aufmerksamkeit auf sich zieht.

Ich war gespannt, ob er musikalisch halten konnte, was sein Rockstargebaren (das mühsame Aufsetzen des Hutes, die schwarze Sonnenbrille, der exzentrische Gürtel, einfach alles) versprach.

Meine Skepsis hielt nicht länger als ein paar Sekunden an, dann war sie unmittelbar aufkommender Euphorie gewichen. Boaaaaahhhhhh! Was für eine Bluesstimme! Welch nonchalantes Gitarrenspiel! Die Magie, die von seinen simplen Gitarrengriffen ausging, war unbeschreiblich. Ein Typ im Publikum, der das Werk des Altmeisters (welches lediglich aus zwei Studioalben, Cold Fact 1970 und Coming From Reality 1971 besteht) anscheinend in und auswendig kannte, unterstrich durch ausladende Gestik und urkomische Mimik seine grenzenlose Begeisterung. Ein seltsamer Kauz, dieser Fan! Aber er hatte verdammt noch mal recht! Sixto Rodriguez war wirklich sensationell gut und der Musiker, der an der Hammond rumorgelte ,unterstrich die Melancholie der Songs auf das Beste. Das Konzert wurde von Lied zu Lied besser. Mit Crucify Your Mind berührte mich Rodriguez wie kaum ein anderer Musiker zuvor . Ich kannte den Titel vorher nicht, aber ich hatte sofort das Gefühl, eines der schönsten und bewegendsten Lieder aller Zeiten zu hören! Zeile für Zeile hing ich an den vollen Lippen des sagenumwobenen Musikers und am liebsten hätte ich hinterher geschrien: "Rodriguez, you are a hero, you really are," aber ich wollte mich nicht blamieren, schließlich sagte mir bis vor wenigen Minuten der Hutträger noch rein gar nichts. Rodriguez hatte mich spielend um seinen kleinen kräftigen Finger gewickelt, ich war ihm von nun an verfallen. Unbeschreibliche Glücksgefühle überkamen mich, obwohl die Grundstimmung der regelmäßig recht kurzen Songs oft melancholisch bis traurig war. Ich begriff, warum man vor der Musikgattung Blues spricht. Nicht nur die Engländer verwenden den Ausdruck "I feel blue", wenn sie traurig sind, auch die Franzosen reden davon, einen "coup de blues", eine Niedergeschlagenheit, zu empfinden.

Das nächste Lied, was mich so richtig durcheinanderwirbelte, war dann Rich Folks Hoax. Rodriguez machte jetzt mit mir, was er wollte: "Talking bout the rich folks , rich folks, have the same jokes and they park in basic places", raunte er und ich zitterte innerlich vor Erregung. Unfassbar, dieses einfache, aber direkt ins Ziel treffende Songwriting. Ich war den Tränen sehr nahe, auch weil ich es nicht begreifen konnte, daß dieser Bursche da vorne kein Weltstar geworden ist, wie er es mit Songs dieser Güte verdient gehabt hätte. Haben etwa die Beatles viele Lieder von der Qualität wie I Wonder zu bieten? Da muß schon ein Bob Dylan mit Like A Rolling Stone kommen, um da was Adäquates entgegenzusetzen! Ok, ich schwärme wieder maßlos, aber wie will ich mich auch dem zeitlosen Charme dieser betörenden Kompositionen entziehen? Wer einmal einen Schocker wie Sugar Man gehört hat, wird ihn wahrscheinlich nie in seinem Leben mehr vergessen.

Und dieses sensationelle, unglaublich nahegehende Konzert des Mannes, der sich selbst leicht ironisch nicht nur als "old", sondern "almost dead " (gerüchtehalber war er das bereits!) bezeichnete, werde ich auch niemals vergessen, es sein denn Herr Alzheimer wird mein Hirn zerfressen und alles Schöne auslöschen!

In der Hoffnung, daß dies nicht passiert, schwelge ich hoffentlich noch einige Jährchen zu Evergreens von Rodriguez, der nach ungefähr 80 Minuten mit einem traumhaft schönen I Think Of You abschloß. Ist das schmalztriefender Kitsch? - Und wenn schon, ich stehe zu meinen romantischen Gefühlen und singe leise die Songzeilen mit: "and in these times that were apart, I hear this song that breaks my heart and I think of you and I think of you"...

Danke Sixto!



Setlist Rodriguez, Le Nouveau Casino, Paris:

01: Can't Get Away
02: Only Good For Conversation
03: Crucify Your Mind
04: Inner City Blues
05: Rich Folks Hoax
06: Like Janis
07: I Wonder
08: Establishement Blues
09: Sugar Man
10: To Whom It May Concern
11: Admit
12: Climb Up On My Music

13: Jane S. Piddy
14: Forget It
15: I Think Of You

Links:

- Die offizielle Rodriguez Webseite
- Videos: The Miserable Rich performen Muswell auf einem Hamburger Balkon. Sehr charmant! Oliver live
Rodriguez Sugar Man
I Think Of You

Mehr Fotos von Rodriguez hier
Mehr Fotos von The Miserable Rich hier

* er ließ sich oft von seinem Gitarristen helfen und manchmal hatte man den Eindruck, er würde fragen, wie er seine Klampfe stimmen müsse.



Deerhoof, Paris, 31.05.09

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Konzert: Deerhoof
Ort: Festival Villette Sonique, Paris
Datum: 31.05.2009
Zuschauer: sehr viele
Konzertdauer: ca. 45-50 Minuten



Deerhoof sind dufte, das dürfte ja bekannt sein. Wenn dann noch das Wetter mitspielt und man von der Sonne gewärmt wird, während die furiosen Amis über die Bühne wirbeln, dann ist das Glück perfekt. Und das Ganze war gratis. Leben wie Gott in Frankreich!

Demnächst mehr Details...

Setlist Deerhoof, Festival Villette Sonic, Paris:

01: Milking
02: Panda Panda Panda
03: Fresh Born
04: Pinhead (The Ramones Cover)
05: + 81
06: Twin Killers
07: Jet
08: Hitchhike (Martha Reeves & The Vandellas Cover)
09: The Tears And Music Of Love
10: Gigadance
11: The Perfect Me
12. Le Soleil (Brigitte Bardot Cover)
13: Going Up The Country (Canned Heat Cover)
14: Basketball Get Your Groove Back



Pollyanna, Milkymee, u.a., Paris, 31.05.09

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Konzert: Pollyanna & The Milkymee u.a.

Ort: Festival Villette Sonique, Ateliers Enfants
Datum: 31.05.2009
Zuschauer: groß und klein, wie fein.
Konzertdauer: 20 Minuten



Ein Wiedersehen mit den wunderbaren Isabelle und David von Pollyanna, die auf der vorletzten Oliver Peel Session einen ganz hervorragenden Eindruck hinterließen! Heute spielten sie lediglich den Song Take und jamten dann noch ein wenig mit The Milkymee und den Kindern. Den Song Take, den Pollyanna heute performten, kann man sich bei Blog Up Musique gratis downloaden, genau wie die anderen Lieder, die bei diesem akustischen Konzert für Kinder heute und gestern gespielt wurden.





Mina Tindle, Milk & Fruitjuice, Rivkah, u.a., Paris, 30.05.09

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Konzert: Berceuses Acoustiques pour enfants (akustische Wiegenlieder für Kinder), mit Mina Tindle, Orouni, Rivkah, Suzanne The Man, EliotE & The Ritournelles, Milk & Fruit Juice, Zoé Wolf (The Konki Duet)
Ort: Village Label, festival Villette Sonique, Paris (Have A Good Night/Blog Up Musique)
Datum: 30.05.2009
Zuschauer: etliche Eltern mit ihren Kindern
Konzertdauer: insgesamt circa. 40 Minuten



Konzertbericht folgt.
Bitte hört Euch unbedingt dieser tollen Folk Pop Künstler aus Frankreich bei MySpace an. Es lohnt sich! Sie haben ein lustiges, akustisches Konzert für Kinder und Erwachsene gespielt, das man sich auf http://www.blogupmusique.com gratis downloaden kann.

- EliotE & The Ritournelles
- Rivkah
- Milkymee
- The Konki Duet
- Suzanne The Man
- Ourouni
- Milk & Fruit Juice
- Mina Tindle



 

Konzerttagebuch © 2010

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