Posts mit dem Label The Yolks werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label The Yolks werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 8. Dezember 2008

The Yolks, Paris, 06.12.08

2 Kommentare

Konzert The Yolks (Louis De Lights)

Ort: Le Showcase, Paris
Datum: 06.12.2008
Zuschauer: habe die feschen Mädels nicht gezählt
Konzertdauer: ca. 45 Minuten



Glotz nicht so! Oliver, jetzt guck 'doch nicht ständig dahin!

Ich ermahne mich selbst, aber es ist zwecklos! Ich schaffe es nicht, meinen Blick von den höllisch erotischen Mädchenbeinen abzuwenden. "Die Weiber in dem Laden sind der Hammer, megageil!", würde Poet und Sprachästhet Dieter Bohlen vermutlich jetzt ausrufen. Damals in der Schulzeit in den späten 80ern hätten wir "oberaffentittengeil" oder etwas ähnlich romantisches gesagt.

Wir Deutschen sind schon Banausen, müssen ständig glotzen. Schon ein französischer Bekannter von mir hatte sich bei mir darüber beschwert: "Oliver, Berlin war wirklich schön, aber die Glotzerei der Leute kann irgendwann richtig nervig werden!"

Recht hat er, auch meine französische Frau war, als wir noch in Berlin lebten, immer fuchsteufelswild, wenn ihr Passanten dabei zuguckten, wie sie den Wagen einparkte! Manchmal war sie so wütend, daß sie die Fensterscheibe runterließ und schrie: "Ist irgendwas?", was seine Wirkung meistens nicht verfehlte und die Typen zum Abziehen bewegte.

Ja, ja, meine Frau, ein temperamentvolles Weibsbild! Erstaunlich, daß sie mich alleine ins Pariser Showcase, der In-Disco von Paris schlechthin, gehen lässt. Wenn sie jetzt auch noch sehen würde, daß ich die feschen Mädels nicht nur begaffe, sondern auch abfotografiere! Aber sie kennt mich ja, genau wie mein Konzertgängerfreund Philippe, der ein wenig mit dem Kopf schüttelt, als er sieht, daß ich gerade wieder ein Paparazzi-Foto mache.

Ich muss aufpassen, daß ich von Präsident Sarko nicht ausgewiesen werde für meinen Voyeurismus! Aber vermutlich würde er das Ganze noch gut finden und als Ehrpreisung an die französische Frau werten. Vielleicht bekäme ich dann eine Verdienstmedaille, wer weiß? Im besten Falle wird sie mir von der schönen Carla umgehangen, die zwar nicht aus Frankreich, sondern Italien stammt (während Sarko ungarisch-jüdische Wurzeln hat), aber anscheinend auf untersetzte Männer steht (oder gab es andere Gründe, sich Nicholas zu angeln? Kann ich mir nicht vorstellen, außer vielleicht, daß sie seine getönten Sonnenbrillen stark fand...).

Ich sehe mich gerade schon im Elysée-Palast, auf der Couch von Nico und Carla und schlürfe ein Tässchen Tee, den mir die Präsidentengattin persönlich zubereitet hat. "Oliver, ihr Engagement für die französische Frau und vor allem die französische Popmusik finde ich außerordentlich gut!", höre ich Sarko sagen und winke ab, um einen auf bescheiden zu machen. "Ach Nico, das ist doch selbstverständlich, jeder Mensch in der ganzen großen Welt soll schließlich erfahren, daß Frankreich in jeder Hinsicht den Spitzenplatz einnimmt!" Während ich so schleimerisch daherrede, kommt mir in den Sinn, das die Franzosen laut einer seriösen Studie die längsten Penisse in ganz Europa haben sollen und die Deutschen, wie schon bei Pisa, wieder mittelmäßig bis schlecht abschnitten. Ich erzähle dem Präsidenten aber nichts von dieser Studie, sonst bekommt er gleich schon wieder ein vulgäres Bild von den Deutschen. Es reicht ja schon, daß die Spanier uns wegen der Sangriabesäufnisse am Ballermann für Vollproleten halten!

Als Deutscher in Frankreich hat man ohnehin nicht immer einen leichten Stand, muss mit vielen Vorurteilen leben. Abgesehen davon, daß die Froschfresser permanent meinen Akzent bemängeln, werde ich auch damit konfrontiert, daß der Deutsche allgemeinhin als fett, verfressen, kulturlos und schlecht angezogen gilt. Die Birkenstocklatschen, die in Deutschland niemand mehr trägt, sich jedoch in Frankreich seit ein paar Jahren in allen Kreisen ungemeiner Beliebtheit erfreuen, werden "Les chaussures allemandes" - die deutschen Schuhe genannt. Wenigstens finden die kleinwüchsigen Frenchies lobende Worte für das deutsche Bier, die gepflegten großen Autos und die perfekt funktionierenden Klospülungen. Auch über "die deutsche Frau" hört man desöfteren Komplimente, allerdings mit einem unangenehmen Nebensatz. "Ihr habt wirklich hübsche Frauen! Schade nur, daß sie sich nicht die Haare unter den Achseln rasieren!" Peng!- schon wieder einen in die germanische Fresse gekriegt!

Sie haben ja auch recht, die eitlen Franzosen, an ihre Mädchen kommt nichts ran, die sind noch besser als die vorzüglichen Käse, Weine und Süßspeisen. Aber halt, stop! Reden wir doch lieber (auch wenn es schwer fällt) von der französischen Popmusik. Spätestens seit dem Aufkommen von Bands wie Air, Phoenix und Daft Punk auch international enorm erfolgreich. Wer hätte das geglaubt? Dabei dachten wir doch, daß die Franzosen wenigstens in dieser Hinsicht scheiße sind! Reicht es nicht, daß sie 1998 Fußballweltmeister wurden, den Tennis- Daviscup mehrfach gewonnen haben und auch bei der WM in Germany 2. wurden und somit einen Platz vor den Gastgebern lagen?

Wo soll das Hinführen? Plant Sarko die Welt zu übernehmen und blau-weiß-rot anzustreichen? Finden die Franzosen Obama deshalb so tolll, weil sie davon ausgehen, daß er ihnen bei ihren großen Plänen nicht so dumm kommt wie das texanische Sackgesicht George W. Bush (bei dessen Namen schon viele Franzosen ihre edle Foie-Gras oder den Kaninchenbraten wieder rauskotzen müssen)?

Aber was soll's, dann sind sie halt überall die Besten, auch bei der Musik! Und Bands wie die Yolks, die schon einmal in meinem heimischenWohnzimmer aufgetreten sind, haben ohnehin meinen Segen! Aber aufgepasst: Ich lobe die nicht nur, weil ihre Karriere bei mir begann (blablabla), sondern weil die richtig gut sind!

Gerade erst vor ein paar Tagen, nach dem Konzert von Herman Dune im Olympia, hatte ich Arnaud und Francois, die beiden Bandleader des Quartetts, getroffen und mit ihnen geplaudert. Francois warnte mich schon einmal vor, daß ihr Musikstil inzwischen anders geworden sei, sie seien eben jetzt älter und reifer. Also nichts mehr zu spüren von den stark an die Beatles erinnernden, wunderschönen Chorgesängen? "Mir machen jetzt eher Elektro-Pop", erklärte Arnaud.

Au weia!, würde ich das Ganze dann noch mögen? Egal, ich ließ mich von den Jungs auf die im Showcase obligatorische Gästeliste setzen und ließ mich überraschen...

Die Schlange vor dem Showcase, gleich unter der prunkvollen Brücke Pont Alexandre III gelegen, war bereits um 22 Uhr 30 riesig. Wohin das Auge auch blickte, junge und adrette Menschen! Und vor allem die ganzen Mädchen mit den Röckchen! ...

Als ich an der Reihe war und bei dem bulligen Einlasser vorsprechen musste, ließ ich mein Sätzchen fallen: "Bin auf der Gästeliste der Yolks!" und hätte, falls es Probleme gegeben hätte, auch noch gerne hinzugefügt: "Lassen sie mich jetzt schnell durch, die Yolks ist die Band, die schon in meinem privaten Wohnzimmer gespielt hat!" - War aber nicht nötig, da die Burschen eigentlich gar nicht auf die dämliche Liste schauten. Sie diente nur der Wichtigtuerei.

Ich blickte auf die Seine, auf der sich romantisch das Licht der Laternen spiegelte und trat in den Ämusiertempel ein, für dessen Inbetriebnahme die Pächter 13 (!) Jahre auf alle möglichen Genehmigungen gewartet hatten!

Wie immer zu dieser für Diskoverhältnisse frühen Uhrzeit (es war jetzt 22 Uhr 45) war es noch recht leer, was sich aber im Laufe des Abends gewaltig ändern würde. Ausnahmsweise gilt hier aber keineswegs der Spruch " Je später der Abend, desto besser die Gäste", denn die "besseren" Gäste, sprich die weniger versnobte Klientel, kommt früher, um die Livekonzerte zu sehen. Zu vorgerückter Stunde kreuzen dann immer tussigere Weiber und derbere Typen hier auf und der Konzertgänger weiß dann, das er jetzt besser geht und die Tanzfläche den halbseidenen Schickimickis überlässt...

Während ein DJ noch irgendeinen käsigen Kram da vorne mixte, gingen plötzlich alle Blicke von der Bühne weg, Richtung Flur. Die Elektromusik verstummte und es wehte ein beatlesker Wind durch das noble Showcase. Da kamen sie ja einmarschiert, meine Yolks! Genau wie bei der Oliver Peel Session erschienen sie durch irgendeinen Eingang, latschten an den verdutzten Gästen vorbei und sangen und spielten. Fast wie bei der Blogotèque, eine äußerst charmante A-Capella-Einlage! Gutgelaunt schoß Arnaud, der Sänger, mittels einer Plastikpistole auch noch Seifenblasen in die Luft, bevor die drei Jungs schließlich die recht hohe Bühne erkletterten. Ihr Drummer, den ich vorher nicht kannte und der an dem Einzug nicht teilgenommen hatte, hatte schon Platz genommen. Es konnte jetzt richtig, sprich angeschlossen an die Verstärker, losgehen!

Viele der nun gespielten Lieder kannte ich noch nicht, da sie vor einem Jahr entweder noch gar nicht existierten, oder aber mangels Tonträger zur Zeit noch nicht anhörbar sind. Opener Lazy On Sunday, der noch ganz im alten, d.h. stark beatlesken (allerdings auch an Herman Dune erinnernden) Stil gehalten war, kannte ich noch von damals. Game Over, das Bezug auf ein Videospiel nimmt, war mir aber neu und eine Ecke elektronischer als das alte Material. Zum Glück hielten sich die Elektro-Passagen aber in Grenzen und dienten eher der Ergänzung des Klangbildes. Ein Klangbild, zu dem jetzt auch eine Band wie Vampie Weekend als Einfluss hinzugekommen ist, wie man bei dem gelungenen Tempation hören konnte. Die zahlreichen Mädchen, die die vorderen Reihen bevölkerten, hatten deutlich sichtbar ihre helle Freude! Auch ich genoss das schwungvolle und Laune machende Konzert und wippte oft im Takt mit, bei dem funkigen Faster logischerweise auch etwas schneller. Die Zeit verging erneut wie im Fluge und im Handumdrehen war man schon wieder beim letzten Song angelangt. Stop Working, abschließender Titel und der Hit der Band, der bestimmt irgendwann einmal als Single ausgekoppelt wird. Stilistisch im weiten Feld zwischen ihren anderen Einflüssen Air, Phoenix und Blur angesiedelt, allerdings mit der Yolkschen Soße überzogen. Le french touch, so sagt man hier oft zu Franzosen, die englisch singen, aber ihre Herkunft- und sei es nur wegen des Akzentes- nicht verheimlichen können.

Toll war das und ich habe es sogar halbwegs geschafft, meistens auf die Bühne und nicht ins überwiegend weibliche Publikum zu schauen!

Hach, diese Franzosen! Käse, Penislänge, Wein, Weib und Gesang, überall nehmen sie Spitzenplätze ein. Zum neidisch werden! Viva la france!


Setlist The Yolks, Le Showcase:

01: Lazy On Sunday
02: Trampoline
03: Game Over
04: Rainbow
05: G.I.R.A.F.E.
06: Temptation
07: Twat
08: Alone In My Spaceship
09: Faster
10: Cyborg United
11: Stop Working

Links:

- Oliver Peel Session mit den Yolks hier
- The Yolks im Pariser Motel, Februar 2008 hier

- Noch viel mehr Fotos von diesem Abend mit den Yolks hier





Mittwoch, 20. Februar 2008

The Yolks, Paris, 19.02.08

1 Kommentare

Konzert: The Yolks
Ort: Le Motel, Paris
Datum: 19.02.2008
Zuschauer: ca. 100



Am Geburtstag meiner Schwester gab es ein Widersehen mit den Yolks.
Ihr erinnert Euch an die Band? - Ja, genau, die Yolks sind die jungen Pariser, die letztes Jahr in meiner Wohnung gespielt hatten und somit für die erste Oliver Peel Session (Trademark) verantwortlich waren. Anlaß für die Wohnzimmer-Einlage im letzten Dezember war Philippe's Geburtstag, der auf Grund von Platzmangel bei mir stattfand. Auch heute wurde wieder ein neues Lebensjahr eingeläutet. Daß der ursprünglich aus Schottland stammende Pariser Barry schon am 8. Februar 36 wurde, tat dabei nichts zur Sache. Und wie das bei Konzertjunkies nun einmal so ist, mußte natürlich mit Musik gefeiert werden! Da bot sich die kleine, aber feine Bar "Le Motel" als Austragunsort an. Hier spielen regelmäßig junge, aufstrebende Gruppen vor einem neugierigen Publikum und auch lokale Musikgrößen wie Syd Matters, die Huspuppies und andere, lassen sich gerne mal blicken.Als ich mit Cécile im Motel eintrudelte, war es allerdings noch sehr leer, selbst Barry, das Geburtstagskind (ein schöner deutscher Ausdruck, der sich nicht übersetzen läßt) war noch nicht da. Ich begutachtete ein wenig ein altes Poster von den Smiths (und fragte mich, wer von den Burschen um Morrissey denn Johnny Marr war*), dann ein anderes Plakat von Blur und schließlich auch ein Poster der Berliner Volksbühne. Irgendwann kam dann auch Barry angeschlichen und der wohnzimmerartige Raum - garniert mit Sofas und Sesseln- füllte sich langsam aber sicher. Auf der winzigen Bühne standen schon die Instrumente rum, aber die Yolks hatten noch Zeit vor der Tür einen Kebab runterzuwürgen, denn zunächst spielte der Folk-Barde Chapter 9 ein paar melancholische Balladen. Eigentlich sind Chapter 9 eine Band, aber heute war der Sänger Marc ganz alleine im Motel zu Gast und stellte sich zur Belustigung der Besucher als "Nous sommes Chapter 9" (wir sind...) vor. Die Musik des Fans von Wilco und Damien Rice war nicht übel und stimmte angenehm auf den Abend ein.

Gegen 21 Uhr 15 dann der Auftritt der Yolks und ähnlich wie bei der Oliver Peel Session (Trademark) marschierten sie auch heute wieder durch den Flur ein. Diesmal waren aber auch Laurent der Bassist und Olivier, der Batteur dabei. "Yesterday was saturday and tomorrow is monday" waren die ersten Strophen die man vernehmen konnte und das Intro leitete ein in "Snowing Holidays", ein sonniges Folk-Pop Stück, das die letzten Reste der Winterdepression verjagte. Inzwischen war es knackig voll geworden und man hatte engen Kontakt zu seinem jeweiligen Nachbarn. Wohl dem, der ein hübsches Mädchen neben sich hatte! Eine wohlig-warme Stimmung also, die mit "Why" fabelhaft untermalt wurde. Wie Sänger Arnaud erklärte, sollte uns das stark beatleske Lied an den Strand entführen. Man findet es übrigens auch auf der MySpace Seite der Band. "Spider House", das herrlich beschwingte "Lazy" (in dem auch wieder die Strophe "Yesterday was saturday" vorkam) und "Night Walk" folgten, bevor mit "Gym Tonic" (lustiges Spielwort) ein nagelneues Lied zum Besten gegeben wurde. Es sollte uns "in Bewegung bringen" und der flotte Titel im Stile von Herman Düne tat das auch, sofern man sich auf dem engen Raum denn bewegen konnte.

Ich selbst hatte mich entgegen meiner sonstigen Gewohnheiten auf einen Sessel im hinteren Teil des Raumes gepflanzt, um ein wenig Platz zu haben. Neben mir schlummerte friedlich Pierre, der wohl etwas Schlafmangel mitgebracht hatte. Gähnend langweilig war es allerdings auf keinen Fall, denn die vierzig Minuten Konzertdauer vergingen wie im Fluge und das Set hielt auch noch unter anderem "Talk Too Much", "Twat" und das flamenco-artige "Sin Embargo" bereit, allesamt Stücke, die man sich bei MySpace in Ruhe anhören kann.

Der Abend hatte also wieder einmal bewiesen, daß die lokale Pariser Musikszene quitschfidel ist und es auch im Bereich Folk-Pop jede Menge Nachwuchs gibt. Und das Motel kann ich sowieso jedem empfehlen, der mal in Paris zu Gast ist.

Setlist The Yolks, Le Motel, Paris

01: Snowing Holidays
02: Why
03: Spider House
04: Lazy
05: Night Walk
06: Gym Tonic
07: Little Fish
08: Talk Too Much
09: Sin Embargo
10. Twat
11: Temptation

* der zweite von rechts, oder?



Sonntag, 2. Dezember 2007

The Yolks, Paris, 02.12.07

1 Kommentare

Konzert: The Yolks

Ort: In meinem Pariser Wohnzimmer (Oliver Peel Session # 1)
Datum: 02.12.2007
Zuschauer: 20


meinzuhausemeinblog proudly presents: die allererste Oliver Peel Session mit den vielverprechenden Pariser Nachwuchsmusikern The Yolks.

"Ruf mich mal dringend auf meinem Handy an!". Trotz der späten Stunde (nach Mitternacht am Samstag), schien mein Freund Philippe noch etwas Wichtiges besprechen zu müssen. Kurze Zeit später wußte ich auch, worum es ging. Seine Geburtstagsfete, die auf Grund des bei ihm vorherschenden Platzmangels bei Marguerite stattfinden sollte, würde bei uns zu Hause über die Bühne gehen! Auch bei Marguerite war es nämlich deutlich zu eng, zumal neben den ca. 20 geladenen Gästen auch den Musikern von The Yolks eine ihrem immensen Talent entsprechende Auftrittsfläche geboten werden mußte. Eingefädelt hatte diesen Coup das Geburtstagskind selbst, der dann auch in einer kurzen Ansprache, die "zur Zeit beste französische Band" verkündete. "Und wenn ihr das vorher noch nicht wußtet, werdet ihr es spätestens hinterher festgestellt haben". Philippe wußte zudem noch spannende Details (sozusagen Insider-Wissen) zu berichten. "Die Yolks werden möglicherweise in England ihr erstes Album produzieren und zwar mit Jim Abbis, der auch schon mit den Arctic Monkeys und zuletzt Jack Penate zusammengearbeitet hat." "Deshalb lassen wir hinterher einen Hut rumgehen, um ihnen die Reise nach London zu finanzieren".

Zunächst aber mußten uns die Yolks von ihrem Talent etwas zeigen.
Nachdem sie fleißig ein Keyboard aufgebaut und zwei Gitarren angeschloßen hatten, marschierten sie durch den Flur unseres Appartments ins Wohnzimmer ein und versprühten sofort mächtig Charm. Der mit seinem Schnäuzer sehr lustig aussehende Keyboarder Alex hatte sich einen flämisch aussehenden Hut mit schöner Krempe von Cécile ausgeliehen, die anderen beiden (Sänger Arno, Gitarrist Franz) kamen aber ohne Kopfbedeckung aus, obwohl wir ihnen auch gerne etwas Passendes angeboten hätten. Das Publikum hatte sich hinter dem weißen Sofa aufgebaut, auf dem unser Kater d'Artagnan friedlich schlummerte. Nur wenn die Rassel und das Tambourin zum Einsatz kam, spitze er zeitweise seine Öhrchen. Optimale Bedingungen also, für ein unglaublich intimes Konzert, das von Starfilmer Stéphane aufgezeichnet wurde, der schon alle Größen der Indie-Szene vor der Linse hatte. Seit sechs Jahren filmt er ununterbrochen beste Konzerte, zuletzt die Editors in Brüssel und Luxemburg. Und ich bin sicher, das dieses "Wohnzimmerevent" auch für ihn unvergesslich war.

Die drei Anwesenden Yolks (es fehlten der Drummer und der Bassist,
woraufhin ihnen später zum Trost ein Lied gewidmet wurde) waren aber auch wirklich spitze. Selbst unter den speziellen Bedingungen verfehlten ihre wunderschönen Chorgesänge im Stile der Beatles und Beach Boys ihre Wirkung nicht. Im Gegenteil, in dem lauschigen Ambiente waren sie Seelentröster an einem völlig verregneten und grauen Sonntag. Hört Euch doch nur einmal "Hey Little Fish" (welches unserem Kater gewidmet wurde) an, welches man auf der MySpace Seite entdecken kann. Ist das nicht traumhaft? Und die anderen Songs ("Night Walk", "Why", "I Don't Care") sind die etwa nicht dufte?

Verwöhnt wie wir an diesem Tage waren, kamen wir aber in den Genuß anderer Perlen,
wie "Lazy On Sunday" (passte thematisch sehr gut) und "Cab Driver" und auch eines Stückes, das entstanden ist, nachdem sich Nachbarn in ihrer Wohnung über den Lärm beschwert hatten. Damit sich dies heute nicht wiederholt, wollten die Jungs, die auch Belle & Sebastian, die Kings Of Convenience und Herman Düne sehr schätzen, dann auch nach circa. 40 Minuten Schluß machen. So schnell ließ das kleine, aber sehr fachkundige Publikum die Grünschnäbel jedoch nicht ziehen. Die geforderte Zugabe bekamen wir dann auch prompt noch geboten und waren hingerissen, von etlichen zauberhaften Liedern, die das Potential haben, 2008 für Furore zu sorgen. Philippe machte dann auch in seiner kurzen Dankesrede noch einmal deutlich, wohin die Reise für die Yolks gehen sollte. "Zuerst spielt ihr mal in der Flèche d'or, dann im Olympia und schließlich im Zénith!" Zu wünschen wäre es ihnen und das Zeug dazu haben sie auch!

Setlist The Yolks hier




 

Konzerttagebuch © 2010

Blogger Templates by Splashy Templates