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Montag, 8. Dezember 2008

The Yolks, Paris, 06.12.08

2 Kommentare

Konzert The Yolks (Louis De Lights)

Ort: Le Showcase, Paris
Datum: 06.12.2008
Zuschauer: habe die feschen Mädels nicht gezählt
Konzertdauer: ca. 45 Minuten



Glotz nicht so! Oliver, jetzt guck 'doch nicht ständig dahin!

Ich ermahne mich selbst, aber es ist zwecklos! Ich schaffe es nicht, meinen Blick von den höllisch erotischen Mädchenbeinen abzuwenden. "Die Weiber in dem Laden sind der Hammer, megageil!", würde Poet und Sprachästhet Dieter Bohlen vermutlich jetzt ausrufen. Damals in der Schulzeit in den späten 80ern hätten wir "oberaffentittengeil" oder etwas ähnlich romantisches gesagt.

Wir Deutschen sind schon Banausen, müssen ständig glotzen. Schon ein französischer Bekannter von mir hatte sich bei mir darüber beschwert: "Oliver, Berlin war wirklich schön, aber die Glotzerei der Leute kann irgendwann richtig nervig werden!"

Recht hat er, auch meine französische Frau war, als wir noch in Berlin lebten, immer fuchsteufelswild, wenn ihr Passanten dabei zuguckten, wie sie den Wagen einparkte! Manchmal war sie so wütend, daß sie die Fensterscheibe runterließ und schrie: "Ist irgendwas?", was seine Wirkung meistens nicht verfehlte und die Typen zum Abziehen bewegte.

Ja, ja, meine Frau, ein temperamentvolles Weibsbild! Erstaunlich, daß sie mich alleine ins Pariser Showcase, der In-Disco von Paris schlechthin, gehen lässt. Wenn sie jetzt auch noch sehen würde, daß ich die feschen Mädels nicht nur begaffe, sondern auch abfotografiere! Aber sie kennt mich ja, genau wie mein Konzertgängerfreund Philippe, der ein wenig mit dem Kopf schüttelt, als er sieht, daß ich gerade wieder ein Paparazzi-Foto mache.

Ich muss aufpassen, daß ich von Präsident Sarko nicht ausgewiesen werde für meinen Voyeurismus! Aber vermutlich würde er das Ganze noch gut finden und als Ehrpreisung an die französische Frau werten. Vielleicht bekäme ich dann eine Verdienstmedaille, wer weiß? Im besten Falle wird sie mir von der schönen Carla umgehangen, die zwar nicht aus Frankreich, sondern Italien stammt (während Sarko ungarisch-jüdische Wurzeln hat), aber anscheinend auf untersetzte Männer steht (oder gab es andere Gründe, sich Nicholas zu angeln? Kann ich mir nicht vorstellen, außer vielleicht, daß sie seine getönten Sonnenbrillen stark fand...).

Ich sehe mich gerade schon im Elysée-Palast, auf der Couch von Nico und Carla und schlürfe ein Tässchen Tee, den mir die Präsidentengattin persönlich zubereitet hat. "Oliver, ihr Engagement für die französische Frau und vor allem die französische Popmusik finde ich außerordentlich gut!", höre ich Sarko sagen und winke ab, um einen auf bescheiden zu machen. "Ach Nico, das ist doch selbstverständlich, jeder Mensch in der ganzen großen Welt soll schließlich erfahren, daß Frankreich in jeder Hinsicht den Spitzenplatz einnimmt!" Während ich so schleimerisch daherrede, kommt mir in den Sinn, das die Franzosen laut einer seriösen Studie die längsten Penisse in ganz Europa haben sollen und die Deutschen, wie schon bei Pisa, wieder mittelmäßig bis schlecht abschnitten. Ich erzähle dem Präsidenten aber nichts von dieser Studie, sonst bekommt er gleich schon wieder ein vulgäres Bild von den Deutschen. Es reicht ja schon, daß die Spanier uns wegen der Sangriabesäufnisse am Ballermann für Vollproleten halten!

Als Deutscher in Frankreich hat man ohnehin nicht immer einen leichten Stand, muss mit vielen Vorurteilen leben. Abgesehen davon, daß die Froschfresser permanent meinen Akzent bemängeln, werde ich auch damit konfrontiert, daß der Deutsche allgemeinhin als fett, verfressen, kulturlos und schlecht angezogen gilt. Die Birkenstocklatschen, die in Deutschland niemand mehr trägt, sich jedoch in Frankreich seit ein paar Jahren in allen Kreisen ungemeiner Beliebtheit erfreuen, werden "Les chaussures allemandes" - die deutschen Schuhe genannt. Wenigstens finden die kleinwüchsigen Frenchies lobende Worte für das deutsche Bier, die gepflegten großen Autos und die perfekt funktionierenden Klospülungen. Auch über "die deutsche Frau" hört man desöfteren Komplimente, allerdings mit einem unangenehmen Nebensatz. "Ihr habt wirklich hübsche Frauen! Schade nur, daß sie sich nicht die Haare unter den Achseln rasieren!" Peng!- schon wieder einen in die germanische Fresse gekriegt!

Sie haben ja auch recht, die eitlen Franzosen, an ihre Mädchen kommt nichts ran, die sind noch besser als die vorzüglichen Käse, Weine und Süßspeisen. Aber halt, stop! Reden wir doch lieber (auch wenn es schwer fällt) von der französischen Popmusik. Spätestens seit dem Aufkommen von Bands wie Air, Phoenix und Daft Punk auch international enorm erfolgreich. Wer hätte das geglaubt? Dabei dachten wir doch, daß die Franzosen wenigstens in dieser Hinsicht scheiße sind! Reicht es nicht, daß sie 1998 Fußballweltmeister wurden, den Tennis- Daviscup mehrfach gewonnen haben und auch bei der WM in Germany 2. wurden und somit einen Platz vor den Gastgebern lagen?

Wo soll das Hinführen? Plant Sarko die Welt zu übernehmen und blau-weiß-rot anzustreichen? Finden die Franzosen Obama deshalb so tolll, weil sie davon ausgehen, daß er ihnen bei ihren großen Plänen nicht so dumm kommt wie das texanische Sackgesicht George W. Bush (bei dessen Namen schon viele Franzosen ihre edle Foie-Gras oder den Kaninchenbraten wieder rauskotzen müssen)?

Aber was soll's, dann sind sie halt überall die Besten, auch bei der Musik! Und Bands wie die Yolks, die schon einmal in meinem heimischenWohnzimmer aufgetreten sind, haben ohnehin meinen Segen! Aber aufgepasst: Ich lobe die nicht nur, weil ihre Karriere bei mir begann (blablabla), sondern weil die richtig gut sind!

Gerade erst vor ein paar Tagen, nach dem Konzert von Herman Dune im Olympia, hatte ich Arnaud und Francois, die beiden Bandleader des Quartetts, getroffen und mit ihnen geplaudert. Francois warnte mich schon einmal vor, daß ihr Musikstil inzwischen anders geworden sei, sie seien eben jetzt älter und reifer. Also nichts mehr zu spüren von den stark an die Beatles erinnernden, wunderschönen Chorgesängen? "Mir machen jetzt eher Elektro-Pop", erklärte Arnaud.

Au weia!, würde ich das Ganze dann noch mögen? Egal, ich ließ mich von den Jungs auf die im Showcase obligatorische Gästeliste setzen und ließ mich überraschen...

Die Schlange vor dem Showcase, gleich unter der prunkvollen Brücke Pont Alexandre III gelegen, war bereits um 22 Uhr 30 riesig. Wohin das Auge auch blickte, junge und adrette Menschen! Und vor allem die ganzen Mädchen mit den Röckchen! ...

Als ich an der Reihe war und bei dem bulligen Einlasser vorsprechen musste, ließ ich mein Sätzchen fallen: "Bin auf der Gästeliste der Yolks!" und hätte, falls es Probleme gegeben hätte, auch noch gerne hinzugefügt: "Lassen sie mich jetzt schnell durch, die Yolks ist die Band, die schon in meinem privaten Wohnzimmer gespielt hat!" - War aber nicht nötig, da die Burschen eigentlich gar nicht auf die dämliche Liste schauten. Sie diente nur der Wichtigtuerei.

Ich blickte auf die Seine, auf der sich romantisch das Licht der Laternen spiegelte und trat in den Ämusiertempel ein, für dessen Inbetriebnahme die Pächter 13 (!) Jahre auf alle möglichen Genehmigungen gewartet hatten!

Wie immer zu dieser für Diskoverhältnisse frühen Uhrzeit (es war jetzt 22 Uhr 45) war es noch recht leer, was sich aber im Laufe des Abends gewaltig ändern würde. Ausnahmsweise gilt hier aber keineswegs der Spruch " Je später der Abend, desto besser die Gäste", denn die "besseren" Gäste, sprich die weniger versnobte Klientel, kommt früher, um die Livekonzerte zu sehen. Zu vorgerückter Stunde kreuzen dann immer tussigere Weiber und derbere Typen hier auf und der Konzertgänger weiß dann, das er jetzt besser geht und die Tanzfläche den halbseidenen Schickimickis überlässt...

Während ein DJ noch irgendeinen käsigen Kram da vorne mixte, gingen plötzlich alle Blicke von der Bühne weg, Richtung Flur. Die Elektromusik verstummte und es wehte ein beatlesker Wind durch das noble Showcase. Da kamen sie ja einmarschiert, meine Yolks! Genau wie bei der Oliver Peel Session erschienen sie durch irgendeinen Eingang, latschten an den verdutzten Gästen vorbei und sangen und spielten. Fast wie bei der Blogotèque, eine äußerst charmante A-Capella-Einlage! Gutgelaunt schoß Arnaud, der Sänger, mittels einer Plastikpistole auch noch Seifenblasen in die Luft, bevor die drei Jungs schließlich die recht hohe Bühne erkletterten. Ihr Drummer, den ich vorher nicht kannte und der an dem Einzug nicht teilgenommen hatte, hatte schon Platz genommen. Es konnte jetzt richtig, sprich angeschlossen an die Verstärker, losgehen!

Viele der nun gespielten Lieder kannte ich noch nicht, da sie vor einem Jahr entweder noch gar nicht existierten, oder aber mangels Tonträger zur Zeit noch nicht anhörbar sind. Opener Lazy On Sunday, der noch ganz im alten, d.h. stark beatlesken (allerdings auch an Herman Dune erinnernden) Stil gehalten war, kannte ich noch von damals. Game Over, das Bezug auf ein Videospiel nimmt, war mir aber neu und eine Ecke elektronischer als das alte Material. Zum Glück hielten sich die Elektro-Passagen aber in Grenzen und dienten eher der Ergänzung des Klangbildes. Ein Klangbild, zu dem jetzt auch eine Band wie Vampie Weekend als Einfluss hinzugekommen ist, wie man bei dem gelungenen Tempation hören konnte. Die zahlreichen Mädchen, die die vorderen Reihen bevölkerten, hatten deutlich sichtbar ihre helle Freude! Auch ich genoss das schwungvolle und Laune machende Konzert und wippte oft im Takt mit, bei dem funkigen Faster logischerweise auch etwas schneller. Die Zeit verging erneut wie im Fluge und im Handumdrehen war man schon wieder beim letzten Song angelangt. Stop Working, abschließender Titel und der Hit der Band, der bestimmt irgendwann einmal als Single ausgekoppelt wird. Stilistisch im weiten Feld zwischen ihren anderen Einflüssen Air, Phoenix und Blur angesiedelt, allerdings mit der Yolkschen Soße überzogen. Le french touch, so sagt man hier oft zu Franzosen, die englisch singen, aber ihre Herkunft- und sei es nur wegen des Akzentes- nicht verheimlichen können.

Toll war das und ich habe es sogar halbwegs geschafft, meistens auf die Bühne und nicht ins überwiegend weibliche Publikum zu schauen!

Hach, diese Franzosen! Käse, Penislänge, Wein, Weib und Gesang, überall nehmen sie Spitzenplätze ein. Zum neidisch werden! Viva la france!


Setlist The Yolks, Le Showcase:

01: Lazy On Sunday
02: Trampoline
03: Game Over
04: Rainbow
05: G.I.R.A.F.E.
06: Temptation
07: Twat
08: Alone In My Spaceship
09: Faster
10: Cyborg United
11: Stop Working

Links:

- Oliver Peel Session mit den Yolks hier
- The Yolks im Pariser Motel, Februar 2008 hier

- Noch viel mehr Fotos von diesem Abend mit den Yolks hier





Sonntag, 15. Juli 2007

Jack Penate & The Blood Arm, Paris, 14.07.07

3 Kommentare

Konzert Jack Penate & The Blood Arm

Ort: Le Showcase, Paris
Datum: 14.07.2007
Zuschauer: zunächst sehr wenige, später war es dann voller


Heute war Nationalfeiertag in Frankreich, was wie jedes Jahr entprechend pompös
gefeiert wurde, schließlich ist und bleibt Frankreich die Grande Nation, da können die Amerikaner, allen voran Politiker wie Donald Rumsfeld, die sich vor allem während des Irak Krieges abschätzig über die Frenchies geäußert haben, sticheln wie sie wollen.

Eine besonders bombastische Veranstaltung fand zu Ehren des Tages am Champ de Mars statt, dem
wunderschönen Park zwischen der Ecole Militaire und dem Eiffelturm, der damals als Exerzierplatz für Soldaten diente. Als ich am Vortage gelesen hatte, wer denn auf der riesigen Bühne, die unmittelbar vor der Militärakademie aufgebaut worden war, spielen solle, traute ich meinen Augen kaum... Tokio Hotel sollten die Franzosen in Feierlaune bringen!

Ausgerechnet eine deutsche Teenie-Band also, einfach unglaublich! Angeblich soll sich der neugewählte Staatspräsident Nicolas Sarkozy persönlich für den Auftritt der Nachwuchsrocker stark gemacht haben. Dies sei ein cleverer Schachzug, um die französiche Jugend auf seine Seite zu ziehen, las man hierzu in der Presse. Höchstwahrscheinlich haben ihm seine Berater gesteckt, daß Tokio Hotel eine ganz große Nummer in seinem schönen Frankreich sei, schließlich füllten sie bereits den riesigen Zénith und die Bübchen haben den Saal für ihr Konzert im Oktober erneut binnen 24 Stunden ausverkauft! Das schafften noch nicht einmal die Arctic Monkeys!

Die Geschichte des Auftritts von Bill, Tim und Co ist allerdings schnell erzählt, denn
sie spielten gerade einmal drei Lieder, was allerdings reichte, um 14 jährige Mädchen (ach was erzähle ich, teilweise waren die erst 8!) in augenblickliche Hysterie zu versetzen. Es wimmelte nur so an Plakaten mit Liebesbekundungen für die Deutschen: "Bill isch liebe Disch!" und Ähnliches war zu lesen und auch die deutschen Texte wurden komplett mitgesungen. Dieser gigantische Erfolg im Nachbarland schien auch Sänger Bill zu ermutigen, ganz ungezwungen mit seiner Muttersprache umzugehen: "oh, so viele Leute hier, so viele Menschen habe ich ja noch nie auf einem Platz gesehen", sprudelte es aus ihm heraus. "Wir spielen jetzt leider schon unser letztes Lied "Durch den Monsun", aber wir setzen ja unsere Europa-Tournee fort und kommen bald wieder." " Bonsoir et merci beaucoup tout le monde, ça va?", waren zuvor die einzigen Wortfetzen, die er auf französisch herausgebracht hatte, allerdings mit beachtlichem Akzent und mit entsprechend positiven Reaktionen hinsichtlich der Franzosen, die ihre eigene Sprache natürlich selbstredend für die schönste der Welt halten. Angeblich sollen die jungen Leute aber fleißig Deutschkurse besuchen, um die Texte von Tokio Hotel zu verstehen...

Um das mal klarzustelllen: wir von meinzuhausemeinblog stehen nicht zuletzt
wegen unseres fortgeschrittenen Alters nicht auf Tokio Hotel! Das ist nicht unsere Musik und ich denke, auch nicht die Musik unserer Leser! Wenn schon Tokio, dann Tokio Police Club!

Allerdings mußte ich feststellen, daß die Musik der Grünschnäbel nicht mal unbedingt schlechter als Juli, Silbermond und Konsorten ist und allemal besser als die von der knack-(oder besser kack) braunen Nelly Furtado, die im Anschluß einige ihrer Chart-Scheußlichkeiten trällerte.

Aber nun endlich zu guter Musik:

Jack Penate, der englische Senkrechtstarter, beglückte Paris mit einem seiner bisher
noch seltenen Auftritte in der Metropole. Jack hatte bereits beim exzellenten texanischen Festival South By Southwest für Furore gesorgt und sogar in Glastonbury war er kürzlich dabei!

Als der hochsymphatische Engländer die Bühne mit seien beiden Bandmitgliedern betrat, war das unter der historischen Brücke "Alexandre III" gelegene Showcase allerdings noch sehr spärlich gefüllt. "Oh, we gonna have a lot of fun together
tonight" entfuhr es als Reaktion hierauf dem Ohrringträger und "please come a litle bit closer!"...

Jack konzentrierte sich daraufhin kurz und dann konnte die Show beginnen. Ziemlich bald setzen seine wilden Hüftschwünge ein und sogleich fühlte ich mich in gewisser Weise an Elvis erinnert, was allerdings gar nicht so weit hergeholt zu sein schien, denn schließlich steckt in
der Musik von Herrn Penate auch eine gehörige Portion Rockabilly. Als Einfluss nennt er deshalb auch Billy Holiday, den man in einer Reihe mit Namen wie James Brown und Otis Redding findet. Otis Redding? Also auch Soul als Einfluss? - Durchaus, wenngleich in modernem Gewand präsentiert. Im Grunde genommen vermischt der Londoner sämtliche Stilrichtungen, die es so gibt, darunter auch ein wenig Reggae und Hip Hop (er nennt Dizze Rascal ebenfalls als Einfluß) zu einem hochinteressanten und flott dargebotenen Gemisch. Der Typ macht ganz einfach Laune, viele Lieder prägen sich schon nach ein paar Minuten ein und regen zum Mittanzen an! So zappelte auch ich nach ein paar Minuten wild herum und begeisterte mich an der Lebensfreude, die von den drei Burschen, neben Jack noch Joel Porter am Bass und Alex Robins an den hübsch bemalten Drums, ausging.

Die absoluten Höhepunkte des leider recht kurzen Konzerts fanden sich vor allem gegen Ende des Sets, darunter auch eine witzige und sehr schnelle Cover-Version
von "Just Be Good To Me", die damals von der R & B Gruppe S.O.S. Band eingespielt wurde.

Auch die erste Singleauskopplung "Second, Minute, Or Hour" wußte zu gefallen und brachte endlich etwas Stimmung in die inzwischen etwas voller gewordene Bude. Jack hätte ein ausverkauftes (obwohl der Eintritt im Showcase, nicht aber die Getränke(!) gratis ist) Haus verdient gehabt! Mit dem aktuellen Hit "Thorn On The Platform" gelang ihm dann auch noch ein würdiger Abschluß eines gelungenen Gigs. Ich werde ihn mir wieder ansehen, keine Frage. Wer das auch tun möchte, hat dazu ausgiebig in England, oder am 15.08. in Rotterdam, bzw. am 16.08. beim Pukkelpop-Festival in Belgien, Gelegenheit.

Setlist Jack Penate Showcase Paris:

01: Spit At The Stars
02: Got My Favourite
03: Learning Lines
04: Made Of Codes
05: Cold Thin Line
06: Have I Been A Fool ?
07: Just Be Good To Me (S.O.S. Band-Cover!)
08: Second, Minute, Or Hour
09: Torn On The Plattform

"We gonna lay down some fucking hits" (Zitat aus "Stay Put!), war im Anschluß die Devise von The Blood Arm aus Los Angeles. Im Showcase war es inzwischen recht spät (fast 1 Uhr) und ziemlich voll geworden, als die vierköpfige Band um Sänger Nathaniel Fregoso endlich loslegte. Vorangegangen war die großspurige Ankündigung eines nicht zur spielenden Band gehörenden Ansagers, der dem Publikum den Auftritt der besten Band der Welt, den "großartigen The Blood Arm aus Los Angeles, California", versprach. Hmm...

Sind die wirklich so großartig und haben sie denn tatsächlich so viele "fucking hits" zu bieten, wie sie sagen?

Nun, der Opener "Accidential Soul" war schon mal nur ein halber Hit, nicht schlecht zwar, auch sehr flott gespielt, aber leider auch ziemlich nah dran an Franz Ferdinand und Konsorten. Schon besser war da "The Chasers", welches zwar ebenfalls an die zur Zeit pausierenden Schotten erinnerte, aber mehr Pfeffer hatte. Die hübsche Keyboarderin Dyan Valdes lieferte hierzu peppigen Chorgesang und sexy gespielte
synthetische Pianoklänge. Ich hatte Probleme, meine Augen von ihr abzuwenden, wenn ich sie da so wild rumwirbeln sah mit ihrer rotstichigen Lockenmähne und den hochhackigen Schuhen. Hach... Ich kann Eddie Argos von Art Brut schon verstehen, wenn er auf die steht!

Besonders witzig fand ich, daß ihr beigefarbenes Kleid durch einen originellen Druck verziert wurde, auf dem
man zwei Pudel, einen weißen und einen schwarzen, erkennen konnte.

Gitarrist Zebastien Carlisle war hingegen trotz seiner beachtlichen Größe eher unscheinbar (vom Drummer Zach Amos mal ganz zu schweigen). Seine Körperlänge veranlasste Sänger Nathaniel dann auch zu der Aussage, der Bursche sei der größte Mann der Welt! Auch hiermit übertrieb der Frontmann natürlich wieder etwas, wie er überhaupt dazu neigt, große Töne zu spucken. Wer behauptet schließlich schon von sich: " I like all the girls and all the girls like me"? ("Suspicious Charakter")

Dieses zur Show getragene Selbstbewußtsein störte mich
allerdings nicht im Gerinsten, da es zur Musikbranche ja wie selbstverständlich dazugehört. Ist Morrissey etwa bescheiden? Oder Johnny Borell? Oder die Brüder Gallagher? - Eben nicht! Allerdings haben sie schon ein paar mehr Hits als The Blood Arm zu bieten, um mal bei dem Eingangsspruch zu bleiben. Aber Ziele gehören hoch gesteckt, nicht kleckern, sondern klotzen muß richtigerweise die Devise sein!

Zumindest mit "Do I Have Your Attention" haben die Kalifornier schließlich wirklich einen Dance-Floor-Knüller hingelegt. Da tanzte selbst Jack Penate im Publikum mit weiblichen Fans ausgelassen mit. Kurz zuvor hatte sich eine kuriose Szene ereignet, denn Nathaniel war samt Mikro ins Publikum herabgestiegen, hatte es sich auf dem Boden gemütlich gemacht und die Zuschauer gebeten, "Angela" mit ihm gemeinsam sitzenderweise zu bestreiten. Der Aufforderung wurde Folge geleistet und der südamerikanisch aussehende Sänger schmachtete dabei ein paar Mädels in seiner unmittelbaren Umgebung an. Am Ende des Liedes ließ er sich gar theatralisch auf den Boden fallen und genoß die verwunderten Blicke sichtlich.

Ein weiterer Höhepunkt, vor allem auch in musikalischer Hinsicht, war mit Sicherheit das zackige Stück "Mass Murder", welches zum Besten gehört, was das erste Album "Lie Lover Lie" zu bieten hat. Aber auch neue, noch unveröffentliche Sachen wurden gespielt, so z.B. "Bottom Below" und "All My Love", die recht passabel und kurzweilig
waren.

Wie im Übrigen das gesamte Set auch so einzustufen war: passabel und kurzweilig (ein weiteres Beispiel hierfür war das Erklettern der noblen Bar durch Herrn Fregoso), aber nicht wirklich in der Champions-League des Indie-Rock anzusiedeln.

Um in der Fußballersprache zu beleiben: The Blood Arm spielen in der Bundesliga auf einem der mittleren Plätze, keine Ambitionen auf den Uefa-Pokal, aber auch nicht in der Gefahr, schnell abzusteigen...

Konzerttermine The Blood Arm in Deutschland:

19. Juli 2007 Erlangen (E-Werk)
20. Juli 2007 Obstwiesenfestival

Setlist The Blood Arm:

01: Accidential Soul
02: Stay Put!
03: Bottom Below
04: The Chasers
05: Angela
06: Want Want Want
07: Do I Have Your Attention?
08: Mass Murder
09: All My Love
10: Suspicious Character
11: P.S. I Love You But Don't Miss You




Montag, 26. März 2007

The Noisettes, Paris, 24.03.07

1 Kommentare
Konzertbericht The Noisettes
Datum: 24.03.2007
Ort: The Showcase, Paris
Zuschauer: 15 (22 Uhr), 1500 und mehr (24 Uhr)

Beim Surfen über meine MySpace-Seite habe ich den Beweis dafür erhalten, daß dieser Service doch zu mehr gut sein kann, als maximal den Kommentar: "Thanks for the add" zu bekommen, zumindest was die Kommunkation mit Musikgruppen betrifft. Nelson, die aufstrebenden Pariser Dark-Rocker waren so nett, ein Bulletin zu versenden, um darauf hinzuweisen, daß sie vor und nach dem Konzert der Noisettes im hippen Showcase ein bißchen mixen, sprich Platten auflegen werden. Sie verbanden diesen Hinweis freundlicherweise mit der Nachfrage auf etwaig gewünschte Eintragung in die Gästeliste.

Wie bitte, eine Guest-List?? Hätten sie das nicht erwähnt wäre ich wie ein Idiot einfach so unter die schmucke Brücke "Pont Alexandre III" getappt. So aber durfte ich der Tussnelda und dem Gorilla am Eingang des im Moment stark angesagten Clubs ganz cool verkünden: "Oliver. Oliver Peel. Steh' auf der Liste von Nelson!"

Schwups, und schon war ich drin, so einfach kann das gehen! Natürlich war ich für so einen obercoolen Laden viel zu früh da, um 22 Uhr hatten sich neben den gestylten Kellnern nur ein paar andere ähnlich unwissende Pappnasen eingefunden. Zwei dieser circa. 15 Pappnasen waren schon etwas älter als das gewöhnliche Konzertpublikum. Herr und Frau Boring nämlich, wie sich herausstellen sollten, die Eltern des Sängers der später auftretetenden Pariser Band Naive New Beaters.

Bis die ihre Show aber abzogen, war erst noch etwas rumlungern - ähh, ich meine natürlich chillen, wie man das in diesen Kreisen nennt- auf den schicken Ledersofas angesagt. Währenddessen starrten alle Anwesenden krampfhaft und etwas gelangweilt auf die Videoleinwände, die einen alten Streifen mit Jane Birkin aus den 60ern oder 70ern darboten. Ganz, ganz allmählich füllte sich der noble Laden dann etwas und es wurde daraufhin auch gleich ein bißchen gemütlicher.

Irgendwann war es voll genug, um beginnen zu können. Ein Ansager verkündete den Auftritt dreier junger Pariser, den Naive New Beaters. Der Sänger der Band, ein Typ mit einem ganz scheußlichen Pullover, stellte sich aber aus L.A. stammend vor und sprach mit gebrochenem amerikanischen Akzent. Das war natürlich alles nur Show, aber wir waren ja im Showcase... David Boring hieß er angeblich, der Oberlippenbartträger, begleitet von Martin Luther BB King an der Gitarre (ha,ha) und Eurobelix am Keyboard.

Die drei waren wirklich so was von schräg drauf, aber mit ihrem Mix aus Funk im Stile von Prince, Rap à la Public Enemy und ironischem Elektro-Pop-Rock Marke Philipp Katerine kamen sie von Anfang an extrem gut an. Unterhaltsam waren sie ja, vor allem der Sänger, der immer wieder den harten amerikanischen Gangster-Rapper heraushängen ließ. Einige fragten sich wirklich, ob sie aus L.A. kämen, so perfekt zog der Typ seine Nummer ab. Wenn die Lieder gut ankamen, was sie eigentlich alle taten, kommentierte das David dann immer mit Worten wie: "Stimmt, ihr habt Recht, das Stück war wirklich top, allererste Sahne, etc."

Auch zu seinem grauenvollen Pulli verlor er ein paar Sätze: "Den habe ich Mami aus dem Kleiderschrank geklaut, der ist toll, oder? Mami, die im Publikum stand, war ganz gerührt. Mein Sohn, ein richtiger Rockstar! Irgendwann war aber Schluß mit lustig, denn das letzte Lied war unter tosendem Beifall abgefeiert worden. Der Sänger hatte aber immer noch nicht genug. Er wollte gerne noch eine Zugabe spielen. Angeblich wurde ihm das aber "von Oben" verweigert. "Hey, die vom Showcase haben uns verarscht, die wollen bestimmt an der Gage rumtricken", war sein (ironisch gemeintes?) Statement.

Setlist Naive New Beaters:

01: Hamburger
02: Balu
03: Porc rapé
04: L.A.
05: Tokyo
06: Live good
07: Bang bang
08: Cristal
09: Flam n' cut
10: That's what I like

Das Publikum stand nach diesem humoreskem Auftritt noch eine Weile breit grinsend in Bühnennähe, vielleicht aus Angst, sie könnten doch noch eine Zugabe verpassen. Als sie merkten, daß dies nicht der Fall sein wird, verzogen sie sich aber zum Großteil in Richtung Bar, oder lauschten dem DJ-Set von Nelson, die uns u.a. mit Titeln von Kraftwerk und der Gang of Four beglückten.

Gegen 24 Uhr hatte aber dann endlich die Stunde der Noisettes aus London geschlagen. Wie eine Wildkatze sprang die ursprünglich aus Zimbabwe stammende Shingai Shoniwa auf die Bühne, begleitet von ihrem Gitarristen Dan und Schlagzeuger Jamie.

Ihren ersten Hit "Sister Rosetta" brachten sie gleich zu Beginn. Musikalisch ein wild donnerndes Monster aus harten Gitarrenriffs, explosiven Drums und der unglaublichen Rockröhrenstimme von Shingai. Der Songtitel nimmt übrigens Bezug auf eine Gospelsängerin aus den späten 30er Jahren, Sister Rosetta Tharpe, die damals in den Clubs Chicagos mit ihrer Mischung aus Gospel, Blues und Swing für Furore sorgte.

Den Einfluß von Sister Tharpe hört man auch bei den Noisettes heraus, denn dem ungestümen Garagenrock ist mehr als eine Prise Blues und Soul beigemischt. Aber selbst denjenigen, denen Blues und Soul eher auf die Nerven gehen, könnte die Musik der englischen Newcomer gefallen, denn genannte Kunstformen werden auf unglaublich moderne Weise eingewebt. Unter den zeitgenössischen Musikbands haben die Noisettes eh schon viele berühmte Fans zu bieten. So urteilen die ehemaligen Tourpartnern Muse über das Trio schlicht mit: "Fantastic", die Guillemots reden von: "An inspired band with a brilliant singer" und Bloc Party entlockt es ein: "Noisettes are the complete package." Viele Vorschußlorbeeren also, für eine Band, die mit "What's the time Mr Wolf?" gerade eben erst ihr Debütalbum auf den Markt gebracht hat.

Wenn man Shingai in ihrer roten, ultrakurzen Shorts mit den giftgrünen Strumpfhosen so rumrocken sah, konnte man aber auch ins Schwärmen geraten. Was für ein Vulkan, diese (im übrigen barfuß rumlaufende) Frau, welche Sexbombe! Mit ihrem Hinterteil könnte sie noch Nüsse knacken!

Daß sie sich aber auch auf leisere Töne verstehen, konnte man anhand der ein oder anderen Ballade erkennen, ein Lied, das irgendwie an Edith Piaf erinnerte, kann hierzu als Beispiel dienen. Es handelte sich um ein exklusives Frankreich-Special. "Your language is much more sensitive, much more sexy than ours", urteilte Shingai dann auch folgerichtig. Insgesamt dominierten aber die rockigen, lauten Stücke, nicht umsonst hat die Band ja das "Noise"(Lärm) schon im Namen. Das brachte dann auch das szenige Publikum in Wallung und so verging die Zeit mal wieder wie im Fluge, zumal das Set relativ kurz gehalten war, was allerdings normal ist, bei Auftritten dieser Art, schließlich handelte es sich heute nicht wirklich um ein reguläres Konzert. Eher um ein Appetithappen für ein paar Auserwählte.

Zumindest eine Zugabe hatten die "Lärmmacher" aber dann doch noch im Gepäck, Shingai spielte hierzu auf einer neu hereingereichten roten Gitarre. Danach der obligatorische Spruch: "Thanks a lot, I'll see you guys quite soon.", der allerdings in diesem Fall stimmte, denn schon im Mai kommen die Engländer zurück in die Stadt der Liebe, diesmal dann aber mit Sicherheit mit einem längeren Konzert.

Setlist The Noisettes:

01: Sister Rosetta
02: Iwe
03: Bridge to Canada
04: Rifle song
05: Angry angels
06: Signs
07: Monte Cristo
08: Scratch your name
09: Nothing to dread
10: Don't give up

von Oliver




 

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