Konzert: The Enemy Ort: Hohenfelden (Highfield-Festival) Datum: 19.08.2007 Zuschauer: um diese frühe Uhrzeit (14 Uhr) noch nicht sehr viele
Die Ska-Legenden The Specials ertönten als Einmarschmusik für die Jungspunde von The Enemy vom Band und lieferten mit dem Klassiker "Too Much Too Young" ein gutes Stichwort für das folgende Konzert: sehr jung sind sie nämlich wirklich, die drei Youngster aus Coventry. Aber auch zu jung? Zumindest zu jung, um richtig gute Musik zu machen? Nun, das war die Frage, die man sich stellen konnte...
The Enemy, das sind Tom Clarke (Gesang, Gitarre), Liam Watts (Drums) und Andy Hopkins (Bass, Gesang), allesamt noch recht grünschnäbelig, aber bereits mit dem Ego und der Rockstar-Attitüde alter Hasen ausgestattet. Oasis nennen sie als Einfluß, aber auch die Sex Pistols und The Clash. Und natürlich die Specials. Mit Ska hat ihre Musik allerdings kaum etwas zu tun, außer daß sie ebenfalls sehr britisch klingen.
Straight sind sie jedenfalls, die drei, jedes Lied kam ohne große Schnörkel aus, es wurden durchweg geradeaus gerockt, für Balladen oder komplexe Songstrukturen war da kein Platz. Interessant war hierbei, daß sie wenig bis gar nicht nach anderen jungen Bands klingen, die im Moment in Großbritannien angesagt sind (wie. z.B. die Good Shoes oder die Maccabees), sondern eher Old-School Rock - bzw. Punk bieten.
Sänger Tom Clarke freute sich, vor solch einer herrlichen Kulisse wie hier am malerischen Stausee in Hohenfelde spielen zu dürfen ("Very nice setting"), war aber mit Sicherheit ein wenig irritiert darüber, daß seine Band in Deutschland noch nahezu unbekannt ist und darum zu früher Uhrzeit und vor relativ wenigen Leuten antreten mußte. In England hingegen hat das junge Trio schon für reichlich Furore gesorgt und ihr soeben dort erschienenes Debütalbum "We'll Live And Die In These Towns" (diesen Titel konnte man auch im Hintergrund als weißen Schriftzug vor schwarzem Hintergrund lesen) stieg in den Charts prompt auf Platz eins. Zumindest die Singleauskoppelungen "Away From Me", "You're Not Alone" und "Had Enough" kamen auch schon auf dem heutigen Highfield-Festival gut an, ohne allerdings Begeisterungsstürme auszulösen.
Auch bei mir haben The Enemy einen recht guten Eindruck hinterlassen, neben den zuvor genannten Liedern konnte vor allem auch noch "It's not o.k." überzeugen. Nach einer knappen halben Stunde und acht Stücken, war allerdings auch schon Schluß, bevor man sich ein genaueres Bild machen konnte. Ich werde den weiteren Werdegang der Band aber gespannt verfolgen und dann sehen, ob die Vorschußlorbeeren, die in ihrer Heimat verteilt wurden, gerechtfertigt sind...
Hat jemand meinen Konzertbericht über The Sunshine Underground und The Automatic in der Maroquinerie Paris gelesen? Das Konzert fand Anfang des Jahres statt und zum damaligen Zeitpunkt lief auch eine Tournee des NME durch England, bei der Vertreter des Indie-Rock gegen solche des Indie-Rave (oder auch Nu-Rave) antraten. The Automatic gehörten der ersten Kategorie an, während The Sunshine Underground all ihr Gewicht für die Raver in die Waagschale warfen (soll jetzt keine Anspielung auf die Figur des Sängers sein...). Mit The View und Mumm-Ra standen nun gleich zwei damalige Verfechter des Indie-Rock auf dem heutigen Programmzettel. Zusätzlich hatten die Veranstalter des "Inrocks-Indie Clubs" mit The Enemy aus Coventry eine weitere gehypte britische Band an Land gezogen.
Schade, daß ich die einzige französische Band des Abends, die ebenfalls geladenen Cocoon verpasste. Die Gewinner des von der Zeitschrift "Les Inrocks" ins Leben gerufenen Talentwettbewerbs (CQFD), spielen nämlich wundervollen, modern interpretierten Folk-Pop. Dieses Versäumnis werde ich demnächst nachholen.
Zu The View kam ich zum Glück gerade noch pünktlich, denn als ich die schwere Tür des Kellerraums aufstieß, lief gerade schon der Hit "Wasted Little DJs". Auffällig war sofort, dass hier jedes Lied im Schnelldurchlauf gespielt wurde, so ungefähr so, als hätte man beim Plattenspieler fälschlicherweise die Taste für die Single-Funktion für ein Album eingestellt...
Die blutjungen Schotten hatten anscheinend keine Zeit zu verlieren, oder wollten noch eine Maschine für Brighton bekommen, wo sie demnächst beim Great Escape Festival spielen werden. Der Veranstalter hatte ihren Auftritt extra auf 20 Uhr 15 vorverlegt, Headliner des Abends waren somit Mumm-Ra. Dass sie aber auch in maximal 40 Minuten für Begeisterung sorgen können, bewiesen die Jungspunde um Sänger Kyle Falconer eindrucksvoll. Von Anfang an war nämlich "Crowdsurfing" und lautes Mitsingen der Texte angesagt. Einen wichtigen Anteil daran hatten mit Sicherheit die angereisten Engländer (und Schotten), die, wie so oft, Paris unsicher machten. Zum Glück gibt es diese Form des Konzerttourismus, ansonsten würden wohlmöglich selbst beste Bands außerhalb von Großbritannien vor halbleeren Rängen spielen! The View waren mit ihrem Album in England immerhin Nummer Eins, das ist doch was, oder etwa nicht?
Von ihrem Debüt stammte dann auch die neue Single "The Don", ein tolles Stück, das in den Charts des NME ebenfalls bereits den Gipfel erklommen hat. Schade nur, dass die Lieder so kurz waren, ich und die meisten anderen im Saale hätten gerne mehr von den Thronfolgern der Libertines gesehen. Diese Burschen sind nämlich so knackig und mitreißend, daß es eine wahre Freude ist! Nah an der Grundidee des Punk sind sie dran, die Boys aus Dundee, die da lautet, spiele laut, schnell und hart. Insofern vertreten sie auch sehr würdig das Erbe der legendären The Clash, von denen sie mit Sicherheit jede Platte im Schrank haben. Toll ist aber, daß sie auch jede Menge Eigenes einbringen, vor allem den Sinn für so manche schöne Melodie, die man nicht so leicht vergisst und natürlich das jugendlich Ungestüme. Man merkt einfach, daß die Bock haben, Konzerte zu spielen und wild drauf loszurocken. Besonders schön: "Same jeans" und das unnachahmliche Rollen des "R". Man muß wohl in Schottland aufgewachsen sein, um das so perfekt hinzukriegen. Mit "Superstar Tradesmen" war dann aber auch schon Schluss...
Aber es gibt ja einen Trost. Wir sehen uns in Haldern am 2. August wieder!
Setlist The View, Paris:
01: Wasted Little DJs
02: Don't Tell Me
03: The Don
04: Grans For Tea
05: Skag Trendy
06: ?
07: Same Jeans
08: Superstar Tradesman
Mit den anschließend auftreten The Enemy aus Coventry wurde dann mitnichten derFuß vom Gaspedal genommen, im Gegenteil! Das ebenfalls sehr junge Trio ist gerade dabei, in England immer größer und größer zu werden und wenn man sie da so wild losrocken sieht, bekommt man auch eine Ahnung davon, warum das so ist. Im Gegensatz zu The View ist der Hang zu netten Melodien nicht besonders ausgeprägt. Vielmehr heißt es hier wirklich "Hau den Lukas", Schmalz ist für Weicheier. Erinnerte mich fast an die legendären Sex Pistols, oder auch Shame 69. Punk will ursprünglich nun einmal nicht gefallen, soll hart und fies sein. Gerade diese Attitüde aber sprach mich persönlich an, für Fans des sogenannten Punk-Pop ist das hingegen wohl weniger geeignet. Dem Publikum gefiel es übrigens anscheinend auch sehr gut, was die junge Band um den spitzgesichtigen Sänger Tom Clarke da so veranstaltete. Ich denke von der Gruppe wird man 2007 noch so einiges hören, zumal sie oft als Missing Link zwischen Oasis und eben den Sex Pistols bezeichnet werden.
Mit Mumm-Ra kamen schließlich die Freunde von melodiöserem Indie-Rock wieder auf ihre Kosten. Mit dem Opener "Song B" wurde gleich die Richtung vorgegeben. Spacige Gitarren, ein flottes Schlagzeug und schnelle Bassläufe bestimmten von nun an das Bild. Der Sänger Noo zeigte von Beginn an vollen Einsatz, baute sich vor dem Publikum auf, stieg auch schon einmal auf die Drums und gegen Ende gar auf eine seitlich positionierte Box. Kein Wunder, daß sich die vorderen Reihen der Maroquinerie in einen Dancefloor verwandelten...
"Sick Deal" war dann eine weitere Punkpop-Perle, die gut zog. Auch hier wieder wunderbar melancholische Gitarren, ein signifikanter Bass und der leicht schräge Gesang von Noo. "So stay" heißt es da unter anderem in einer Songzeile, was eine Selbstverständlickeit war, klar wollte hier niemand vorzeitig gehen! Kamen ja noch so einige Knüller unter anderem ein Lied mit dem lustigen Titel "Cheese got you high"! Als dieses Stück verklungen war, verließen die anderen fünf Musiker die Bühne und der Sänger trug die wundervolle Ballade "Light Up The Room" unplugged vor. Das war für mich das Highlight des Sets, denn hier wurde schön deutlich, daß die Band nicht nur ungestüm drauflosspielen kann. Anrührig hier der Text: "I'm drinking myself to the floor" heißt es da unter anderem. Danach aber wieder deutlich schnellere Musik mit "Cute as". Das Tempo wurde bis zur Hitsingle "Out Of The Question" beibehalten, die noch einmal richtig abräumte. Mit "Now oder Never" wurde dann auch noch eine Zugabe gegeben. Mehr Lieder hatten sie dann schlicht und einfach nicht mehr im Repertoire...
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