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Donnerstag, 18. Oktober 2007

Travis & The Taste, Köln, 17.10.07

8 Kommentare

Konzert: Travis & The Taste
Ort: E-Werk Köln
Datum: 17.10.2007
Zuschauer: Gut gefüllt, leider aber nicht ausverkauft


Eigentlich war alles wie am Vortag. Eine große britische Band spielte in der Kölner Schanzenstraße, das Konzert begann ungewohnt früh, Vorgruppe war eine zweiköpfige Band mit Gitarristin und Schlagzeuger, auf die ich mich besonders gefreut hatte, ich habe sogar an der selben Stelle geparkt. Und doch war es so grundlegend anders. So sehr, daß ich richtig glücklich und zufrieden um elf nach Hause gefahren bin.

Ich hatte eigentlich befürchtet, Travis ein paar Jahre zu spät zu sehen. Die Band aus Glasgow begleitet mich eigentlich schon so lange und steht auch genauso lange schon auf meiner Wunschliste. Allerdings klappte das mit uns nie. Als ich vor einiger Zeit las, daß Fran Healy und Band nach Köln kommen, war ich auch sofort wild entschlossen, mir das nicht entgehen zu lassen, obwohl ich die neue Platte der Schotten, die ich mir im Sommer gekauft hatte, wirklich nicht oft gehört habe. Vor zwei Wochen dann, am Tag nach meinem Maximo Park Konzert in Glasgow (es paßt alles zusammen) kam ein Newsletter meiner vollkommen ins Herz geschlossenen Band The Taste aus München, daß sie Travis auf deren Deutschland-, Luxemburg- und Schweiz-Tour supporteten. Perfekt! Denn wenn Travis mich enttäuschen würden, hätte ich ja zumindest eine lohnenswerte Band gesehen (also wie am Vorabend die Blood Red Shoes).

The Taste habe ich zweimal als Vorgruppe erlebt, die Band trat mit den Noisettes in Köln und mit Jamie T in Frankfurt auf. Mich hat die Musik der Bayern schon im
Gebäude 9 vollkommen fasziniert. Leider gibt es zu wenige ihrer Lieder bisher zu kaufen, meine Sammlung beschränkt sich auf drei Stücke, die auf ihrer Single und auf dem Sampler "Fresh, weird & wunderful", den es bei iTunes gibt. Ein weiterer Titel ist gerade auf dem Dance to the Radio-Sampler "Out of the woods and trees" erschienen, gemeinsam mit Liedern von Forward Russia!, den Pigeon Detectives oder den Howling Bells. The Taste machen unglaublich komplexe Lieder, eine Indie Musik, die wirklich sehr nach England klingt. Ich hielt die Band vor den Noisettes auch noch für Engländer, bis sie sich vorstellten.

Das E-Werk war ziemlich voll - aber nicht ausverkauft. Pünktlich um acht kamen Maria und Nick Pattusch auf die Bühne. Ich war mir nicht so ganz sicher, wie die Musik der beiden beim Publikum ankommen würde, weil die Stücke eben ganz anders als der Gute-Laune-Indiepop von Travis ist. Die Melodien verändern sich, die Stücke haben Brüche, sind einfach anspruchsvoll und vielleicht
eben zu (Indie-) anspruchsvoll für den Geschmack von Leuten, die sich sonst nur bis zum Travis-Rand des Indiespektrums vorwagen. Aber die Befürchtungen waren umsonst. Die großartigen Lieder und die furchtbar sympathische Art der beiden kam sofort gut an. Die meisten der Stücke kannte ich von den beiden anderen Konzerten. Neu waren für mich "I want you", "Jennifer you're so sexy" und "Getting through". Da Maria und Nick aber alle Titel ansagten, konnte ich alle Lieder identifizieren (das war unglaublich nett, es waren keine Ansagen, wie sie Musiker vor einem so großen Publikum sonst machen, es war so, als erzählten die Tastes ein paar Freunden, was als nächstes komme - das war aber nicht unprofessionell, sondern sensationell sympathisch). Neben den Liedern, die ich habe und daher gut kenne (mein Liebling ist wohl gerade "You should have danced"), war der Rest genauso fabelhaft. Hoffentlich gibt es bald eine Platte! Und ganz viele weitere Konzerte in Deutschland, zuletzt waren The Taste nämlich vor allem in England unterwegs, ein weiteres Gütesiegel. A propos Gütesiegel: Um meine fehlende Objektivität etwas auszugleichen, noch ein Zitat über die Band:

"Fantastical. I would actually love to make an album with you all... I could just sit in the corner and marvel at your genius. Your stuff is excellent."

Das stammt von Fran Healy, dem Travis Sänger...

Setlist The Taste E-Werk Köln:

01: Can't get enough of your dang-da-dang
02: I want you
03:
I know that you hate me
04: Jennifer you're so sexy
05:
123 what can you see from up the hill when life stands still
06: Getting through
07:
You should have danced
08:
Till there was you

Travis hätte also ein riesiger Reinfall sein können, der Abend wäre schon gerettet gewesen. Und es deutete sich auch erst an, als würde es schrecklich. Als das Licht um neun ausging, kam nämlich zunächst die 20th Century Fox Fanfare, gefolgt von "Eye of the tiger". Ich hatte allerschlimmste Befürchtungen! Dann drehten sich in unserer Nähe aber einige Leute nach hinten um. Auf die Rückseite des Saals schien nämlich ein Scheinwerfer-Spot. Und es war nicht schlimm, es war fabelhaft, Travis kamen nämlich wirklich wie Boxer in Bademänteln mitten durchs Publikum auf die Bühne. Wow! Die Bademäntel wurden weggeschmissen und los ging es.

Musiker mögen oft auch gute Schauspieler sein. Die große Lust daran, gestern für uns zu spielen, wirkte bei Travis aber hundertprozentig ehrlich. Die Bandmitglieder hatten offenbar riesigen Spaß! Fran Healy hatte dauernd ein Grinsen im Gesicht, machte Späße mit seinen Kollegen. Bassist Dougie Payne stand
ihm da in nichts nach. Sie hüpften über die Bühne und wirkten dabei überhaupt nicht gelangweilt oder routiniert, auch nicht bei Liedern, die sie schon tausendfach gespielt haben.

Am Anfang waren es aber Lieder vom neuen Album "The boy with no name", auch gleich zwei meiner Lieblinge von der Platte "Selfish Jean" und "Eyes wide open". Danach folgte quasi ein Querschnitt durch die fünf Platten der Band, relativ gleichmäßig
verteilt, vier Lieder vom Debüt "Good feeling", je fünf von den beiden Nummer-Eins-Alben "The man who" und "The invisible band", zwei von "12 memories" und vier von der neuen CD.

Und das Publikum war traumhaft und nahm alles freudestrahlend und laut mitsingend auf. Das Singen kommentierte Fran gleich am Anfang mit "so far we love your accent", um dann zu erzählen, wie toll es sei, wieder unterwegs zu sein. Sie
hätten ja eine lange Pause gemacht, die Tour jetzt mache mehr Spaß als je zuvor. Und genau so wirkten die vier Schotten eben. Selbst Bassist Dougie, der im Bus vorher noch Schottlands Länderspiel in Georgien mitbekommen hatte ("Scotland got beaten, Dougie is really fucked up" und das alles in diesem herrlichen Glasgow-Singsang).

Vor "My eyes" erzählte der Sänger dann, was alles in der Zwischenzeit passiert ist. Er
habe einen Sohn, Gitarrist Andy mehrere Kinder. Sein Sohn habe übrigens einen deutschen Pass ("my son is German!", als überrasche ihn das gerade selbst - Healy ist mit der deutschen Fotografin Nora Kryst verheiratet).

Zu "Good feeling" wurde ein Gast vorgestellt, Claus* aus Schweden, der vorher irgendwo im Bühnenhintergrund saß. Claus sollte die Klavierbegleitung von "Good feeling" übernehmen. Schweden, das müßten wir wissen, liefen sonst immer nur nackt durch die Gegend, es wäre ungewöhnlich, daß Claus ein T-Shirt anhabe. Noch dazu sei sein Gepäck verschollen. Aber wir sollten ruhig
während seines Solos ein wenig Druck auf ihn ausüben. Daher übte Fran mit uns, auf den Keyboarder zu zeigen und "Claus, Claus, Claus" zu brüllen, sobald er alleine spiele. Wir sollten all unsere Energie dazu verwenden. Das taten wir - Claus spielte aber fehlerfrei...

Ach, was soll ich weiter beschreiben, wie traumhaft es war... Es war eben ein wundervoller Konzertabend. Die Zuschauer wirkten alle wahnsinnig glücklich und zufrieden, die Band herrlich entspannt. Als sie zur ersten Zugabe, zu "Flowers in the
window", erschienen, standen die vier Bandmitglieder (und Claus) sich umarmend vorne auf der Bühne. Nur Fran hatte eine Gitarre dabei. Auch diese Geste wirkte nicht aufgesetzt. Während des Lieds spielten dann Dougie und Andy die Gitarre, die immer noch um Frans Hals hing, ein lustiger Stunt!

Nach anderthalb Stunden Konzert beendete natürlich "Why does it always rain on me" den Abend. Vieles erinnerte mich an eines der schönsten (vermutlich das schönste) Konzerte meines Lebens, Belle & Sebastian auch im E-Werk. Bands aus Glasgow, die im E-Werk zwanzig Lieder spielen, scheinen Garant für fantastische Abende zu sein.

Es war also gar nichts wie am Vorabend. Die Stimmung war viel angenehmer, der Saal der richtige, die Band motiviert und lustvoll, das Konzert aufregend. Nur eins hatten die Auftritte von Maximo Park und Travis gemeinsam, eine exzellente Vorgruppe.

Setlist Travis E-Werk Köln:

01: Selfish Jean
02: Eyes wide open
03: Writing to reach you
04: Good day to die
05: Love will come through
06: As you are
07: My eyes
08: Pipe dreams
09: The line is fine
10: Beautiful occupation
11: Side
12: Driftwood
13: Good feeling
14: Closer
15: Sing
16: All I want to do is rock
17: Turn

18: Flowers in the window
19: The Humpty Dumpty love song
20: Why does it always rain on me?

Links:

- The Taste am 03.06.07 mit Jamie T in Frankfurt
- am 13.05.07 in Köln mit den Noisettes
- mehr Fotos aus dem E-Werk

* Danke! Ist geändert!




Montag, 4. Juni 2007

Jamie T & The Taste, Frankfurt, 03.06.07

1 Kommentare

Konzert: Jamie T. & The Taste

Ort: Frankfurt Cooky's

Datum: 03.06.2007
Zuschauer: voll


Vor ein paar Wochen habe ich im Spiegel über eine psychische Besonderheit gelesen, über Menschen, die sich in Gegenstände verlieben. Ich hielt das für sehr exzentrisch und die betroffenen Leute für bemitleidenswert, bis ich mich gestern ein kleines bißchen in einen Club verliebt habe. Dieser Club ist das Cooky's in Frankfurt - und dieser Club ist der perfekte Ort für Konzerte. Es geht erst eine Treppe runter, dann um ein paar (verspiegelte) Ecken - und dann steht man unmittelbar vor der Bühne. Die Bühne ist winzig und wird hinten von einer Wand, rechts von einer abgetrennten Sitzecke (von der Sorte gibt es ein paar), links von der großen Bar und vorne von einer 3x3 m großen Tanzfläche begrenzt. An die Tanzfläche schließen sich wieder zwei Sitzecken an. Diejenigen, die wie ich um kurz vor neun vor dem Cooky's waren und dann um neun eingelassen wurden (auf meiner Karte stand Beginn 21 Uhr, Einlaß 21 Uhr), wurden erst noch Zeuge einer badesalzesquen Auseinandersetzung zwischen dem Einlasser und dem Security Mann, durften dann aber die besten (Sitz-) Plätze vor der Bühne auswählen. Ich entschied mich gegen die erhöhte Sitzecke am Ende der Tanzfläche und setzte mich an die Bar und damit in die erste Reihe vor der Bühne.

Der winzige Laden füllte sich schnell, viele hatten vermutlich die gleichen Schwierigkeiten wie ich, den genauen Startzeitpunkt herauszufinden. Ich wollte eines auf keinen Fall, nämlich die Vorgruppe The Taste verpassen, die ich in Köln vor den Noisettes gesehen hatte. The Taste aus München hatten mich damals vollkommen überzeugt, sodaß ich mich sehr darauf freute, die Band noch einmal zu sehen.

Aufgebaut war da schon alles. Das Taste-Schlagzeug stand am Rand der Mini-Bühne, vor dem Jamie T Schlagzeug, das mitten in der angrenzenden Sitzecke aufgebaut war. Direkt vor mir - also an der Bar - stand eines der Mikros, denn die Bühne war wirklich sehr eng. An den Platz "an der Bar" stellte sich dann Bassist Frank, der mit Maria (Gesang & Gitarre) und Nick (Schlagzeug) The Taste bildet. Die Gruppe stammt aus
München, hat im vergangenen Jahr aber häufiger in England als in Deutschland gespielt und schon so namhafte Bands wie Forward Russia!, We are Scientists, Duels oder eben die Noisettes supportet. Und daß sie diese Supports nicht gewonnen hatten, haben sie in Frankfurt wieder sehr schnell gezeigt: The Taste ist für mich eine der talentiertesten deutschen Bands, gar keine Frage. Ich hoffe nur, daß sich das schnell rumspricht, damit bald eine Platte der Band erscheinen kann. Die Münchener haben wie schon in Köln acht Lieder gespielt, von denen drei auf einer Single sind, die die Band vertreibt. Die drei machen Alternative Rock, der sofort funktioniert. Auch in Frankfurt war direkt Stimmung da. Marias Stimme ist sehr einprägsam, zusammen mit dem schnellen Gitarrenspiel und einem unfassbar energisch gespielten Schlagzeug entstehen so fabelhafte Lieder. Ich hoffe wirklich sehr, die Band bald einmal als Hauptgruppe zu sehen. Und ich kann mir nicht vorstellen, daß das noch lange dauern kann.

Übrigens sind The Taste wahnsinnig nett. Die Ansagen zwischen den Liedern sind unglaublich sympathisch. Vor "Do you love me?" fragte Maria, ob wir sie denn liebten - und sie war zufrieden mit der Antwort. Nick nannte später die myspace-Adresse und sagte, wir sollten ihnen schreiben, sie würden antworten (stimmt!) und sie wären nett (sag ich doch!). Wenn Ihr Gelegenheit habt, Jamie T in Bremen zu sehen, geht hin, das Ticket lohnt sich schon für The Taste!

Setlist The Taste Frankfurt:

01: Can't get enough of your dang-da-dang
02: 123 what can you see from up the hill when life stands still
03: Do you love me?
04: Everybody but you
05: Contradiction
06: I know that you hate me
07: You should have danced
08: Till there was you


Während des Konzerts habe ich mich an meiner Bar gefragt, wie wohl das Schlagzeug wieder von der Bühne kommt. Vor der Bühne drängten sich nämlich mittlerweile die Leute so sehr, daß da wirklich keine größeren Geräte durchgetragen werden konnten. Das Problem war aber offenbar nicht neu und leicht zu lösen: Die Instrumente wurden durch die Bar transportiert! Das Jamie T Schlagzeug blieb in der Sitzecke und einer der Roadies nach dem Umbau auch gleich, denn da waren ja einige Sitzgelegenheiten neben seinem Schlagzeuger. Was mich ein wenig gewundert hatte, waren die Wasserflaschen, die die Helfer auf die Bühne gestellt hatten. Das paßte nicht so ganz zu dem Bild, das ich mir gemacht hatte. Kurz vor Beginn, wurde das Wasser dann auch noch gegen Bier ausgetauscht. Damit stimmte das Weltbild wieder!

Auch durch die Bar kamen dann erst die Pacemakers, die zu Jamie gehörende Band. Jamie T stieß sich erst mal den Kopf an der Bar und kam dann mit Windjacke, einem karierten Hemd und einer Washington Redskins Kappe (richtig rum und gerade) bekleidet auf das Bühnchen und legte gleich ordentlich los, um nach dem ersten Lied erst einmal das Tempo wieder rauszunehmen, denn das zweite Stück spielte er solo mit einer normalen Gitarre. Sein Gitarrist nutze die Gelegenheit, sich auf die Bühne zu setzen und seinem Sänger zuzusehen. Die Pacemakers sind übrigens neben dem Gitarristen ein Keyboarder, der wie eine jüngere Version von Iggy Pop aussah, dem Schlagzeuger in der Sitzecke und einem Bassisten.

Man darf nicht glauben, Jamie T mache reinen Rap oder Hip Hop. Auch wenn die Platte
eher danach klingt, ist das live viel mehr so wie die Babyshambles (ok, das kann ich nicht wissen...) oder die Arctic Monkeys. Grandios! Sicherlich ist Jamie nicht jedermanns Sache, ich kann mir aber nicht vorstellen, daß man sich der Wahnsinnsstimmung live entziehen könnte. Die Leute tanzten von Anfang an wild vor sich hin. Jamie kommentierte das mit "there are two bars in this room. So there's no excuse not to have fun." Er wolle junge Männer sehen, die mit 45 jährigen Frauen Spaß hätten. Wir wüßten schon.

Highlights im Set gab es eigentlich nicht, alles war toll. Es wurde durch das wilde Rumgezappele zwar immer heißer (Jamies Hemd war klatschnass), das machte aber überhaupt nichts. Irgendwie bestellte auch niemand mehr Getränke (gut, man hätte erst mal zur Bar kommen müssen). Daher standen in der Bar auch hauptsächlich Zuschauer (Jamies Manager oder Tourmanager wohl, ein paar Roadies und The Taste).

Auf mich wirkt dieser Jamie, obwohl er mächtig prollig aussieht, richtig nett. Seine
Version des "Hallo Frankfurt, seid Ihr gut drauf" war zum Beispiel: "I heard the only good thing about Frankfurt is the airport, is that true?"

Nach 12 Liedern endete mit "Sheila" das normale Programm. "Sheila" ist die aktuelle Single und räumte noch mal richtig ab. Danach verschwand die Band in der Bar, der gitarrenstimmende Helfer ließ aber keinen Zweifel zu, ob Jamie noch einmal wiederkommen würde. Er kam, nahm sich eine normale Gitarre und spielte "New England", und ich muß sagen, daß mir die Version, bei der zwar die prägnante Gitarre des Originals fehlte, gut gefallen hat. Im Cooky's gröhlten auch dabei viele mit, die meisten sicher Engländer, von denen einige da waren. Nach dieser Soloeinlage rief Jamie die Pacemakers zurück, um dann noch vier Zugaben zu spielen.

Irgendwann während der Zugaben gab Jamie dem Tourmanager (?) ein Zeichen. Er streckte zwei Finger hoch. Der kapierte und ließ zwei Schnäpse machen, die Jamie und sein Gitarrist zwischendrin tranken.

"Salvador" war die letzte Zugabe und damit das Ende eines tollen Konzerts mit zwei großartigen Bands in einem sensationellen Club.

Setlist Jamie T. Frankfurt:

01: NWA
02: Livin with Betty
03: Brand new bass guitar
04: If you got the money
05: Operation
06: Ike & Tina
07: Calm down dearest
08: Back in the game
09: Alicia Quays
10: So lonely was the ballad
11: Pacemaker
12: Sheila

13: New England (Billy Bragg Cover) (Z)

14: Dry off your cheeks (Z)
15: Northern line (Z)
16: Down to the subway (Z)
17: Salvador

Links:

- Jamie T. in Paris
- The Taste in Köln

Termine:

05.06.2007: Jamie T. in Leipzig
06.06.2007: Jamie T. in Hannover
07.06.2007: Jamie T. & The Taste in Bremen
08.06.2007: The Taste in Hamburg
09.06.2007: Jamie T. in Hamburg
09.06.2007: The Taste in Berlin
21.06.2007: The Taste in Innsbruck
14.07.2007: The Taste in München
03.08.2007: Jamie T. in Haldern



Sonntag, 13. Mai 2007

Noisettes, Köln, 13.05.07

8 Kommentare
Konzert: Noisettes & The Taste
Ort: Gebäude 9 Köln

Datum: 13.05.2007

Zuschauer: viel zu wenige


Zum ersten Mal habe ich von den Noisettes im vergangenen Jahr gehört. Auf einem Sampler im NME ("The best new bands from the Reading Festival 2006") war das fabelhafte "Scratch your name", das ich seitdem zigmal gehört habe. Aber irgendwie fiel es mir danach schwer, mir vorzustellen, wie denn eine Platte der Noisettes klingen könnte. Die erschien dann Ende April und hat mich auch wieder sehr begeistert. Stilistisch ist die Musik schwer zu greifen, finde ich, sie ist wirklich kaum mit anderen Indie-Bands zu vergleichen. Nun denn, ich hatte jedenfalls gute Gründe, mir die Band einmal live anzusehen.

Auf dem Ticket stand Einlaß 20.00 Uhr, Beginn 21.00 Uhr pünktlich. Das klang für mich, als spielten die Noisettes ohne Vorgruppe, was im Gebäude 9 ganz toll oder ganz schlimm sein kann. Denn zum einen habe ich da die fantastischen Tellers gesehen, dann aber auch Panda ("Dit nächste Lied handelt über Euch: Männer & Frauen"). Als ich in den Saal ging, war da aber ein Merchandising-Stand, an dem es neben Noisettes Sachen auch T-Shirts und eine Single einer Band The Taste lagen. Auf der Single stand, ein Lied erscheine demnächst auf einem Sampler "Dance to the radio Leeds" (des gleichnamigen Labels). Das klang also endlich mal wieder nach einer guten englischen Vorgruppe.

Der Raum war noch furchtbar leer (nur hinten saßen ein paar Leute), als ich langsam zur Bühne gegangen bin. Gleichzeitig mit mir kamen drei Musiker an, die sich verwundert umsahen, weil keiner da war. Licht war auch keines da. Als das behoben war, stellten sich die drei als The Taste aus München vor und begannen ihr Konzert - vor glücklicherweile mittlerweile mehr Leuten. Die Lieder von The Taste gefielen dem Publikum offenbar sehr gut, denn ziemlich schnell wippten die meisten mit und schienen wie ich sehr angetan. Leider war die Stimme von Sängerin Maria Pattusch da wo ich stand etwas leise, das ändert aber nichts daran, daß die Musik der Münchener wirklich toller Alternative Rock ist. So ganz alleine scheine ich mit der Meinung nicht zu sein, denn neben Dance to the radio schätzt auch Travis Sänger Fran Healy The Taste. Auf der Single ist ein Zitat von ihm: "Fantastical. I would actually love to make an album with you all... I could just sit in the corner and marvel at your genius. Your stuff is excellent." The Taste haben auch schon We are scientists, Forward Russia! und Duels supportet - und die Noisettes in Birmingham. Demnächst werden sie mit Jamie T. auf Tour gehen. Als Schlagzeuger Nick am Ende dann viel Spaß bei den Noisettes wünschte und uns zu unserem guten Geschmack gratulierte, brüllte eine Frau aus der Mitte des Saals: "You're fucking lying!" Das war Shingai Shoniwa, die Sängerin der Noisettes, die sich The Taste angesehen hatte!

Setlist The Taste:

01: Can't get enough of your dang-da-dang
02: Everybody but you
03: Do you love me?
04: I know that you hate me
05: 123 what can you see from up the hill when life stands still
06: Contradiction
07: You should have danced
08: Till there was you*

Als die Noisettes dann auf die Bühne kamen, humpelte Shingai mit Krücke und verletztem Fuß auf die Bühne. Sie erklärte das mit einem "Rock'n'roll accident last night in Hamburg." So richtig eingeschränkt war sie, nachdem die Krücke erstmal in der Ecke lag, aber nicht. Weil der Fuß wohl wehtat, hüpfte sie eben auf dem anderen rum, mit einer Energie, die unfassbar war. Das Set begann gleich mit dem Hit "Scratch your name" gefolgt von einem meiner anderen Lieblinge "Nothing to dread". Es ist erstaunlich, was für eine großartige Stimme dieses Persönchen hat. Mich hat das auf der Platte schon fasziniert, live war die Einzigartigkeit des Gesangs keinen Deut schlechter. Dazu platzt Shingai fast vor Energie. Sie hüpfte und rannte hin und her (immer mit Bass und mit Strumpf an einem Fuß). Unverletzt muß das wirklich sehr wild sein.

Erst bei "The count of Monte Christo", einem der ruhigeren Stücke (bei dem ihre Stimme sehr sanft klingt), setzte sich Shingai auf einen Barhocker (und spielte Gitarre). Zu den Noisettes gehören noch Schlagzeuger Jamie und Gitarrist Dan. Dan trug das wohl schrecklichste Hemd, das ich bisher auf einer Bühne gesehen habe. Aber auch da stand er im Schatten seiner Frontfrau, denn Shingai hatte ein kurzes Kleid mit einer mintgrünen Strumpfhose an. Auf das Kleid war ein Stoff-Kampfflugzeug genäht (wenn ich es richtig erkannt habe).

Nach elf Liedern (zehn vom Album plus "Signs") erschienen die drei Londoner noch einmal für drei Zugaben. Danach schien Shingai doch ziemlich mitgenommen und humpelte mit Krücke von der Bühne. Leider ist die Deutschland-Tour damit beendet. Wer die Chance hat, die Band bald einmal live zu sehen, sollte das aber unbedingt machen!

Setlist Noisettes Köln:

01: Scratch your name
02: Nothing to dread
03: I we
04: Signs
05: Cannot even (break free)
06: Don't give up
07: The count of Monte Christo
08: Bridge to Canade
09: Hierarchy / Never fall in love again
10: Mind the gap
11: Sister Rosetta

12: The wind blows hot
13: Beg, steal, borrow
14: Rifle song**

Links:
- mehr Fotos hier
- Noisettes live in Paris

* Vielen Dank an Nick von The Taste!
** Und anschließend vielen Dank an Dan von den Noisettes!




 

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