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Montag, 12. November 2007

Editors, Noisettes & Los Campesinos!, Paris, 11.11.07

2 Kommentare

Konzert: Editors, Noisettes & Los Campesinos! (+ Elvis Perkins, Marit Bergman), Festival Les Inrocks
Ort: La Cigale, Paris
Datum: 11.11.2207
Zuschauer: leerer als bei Gossip, totzdem ausverkauft? - Ich denke ja!


Vom Vortag war ich noch ziemlich angegriffen und müde, da ich mir die Nacht zuvor noch sämtliche Auftritte in der Boule Noire angesehen hatte. Ich beschloß deshalb, Marit Bergman sausen zu lassen und erst etwäs später zu erscheinen. Auch das Verpassen des Auftritts von Elvis Perkins hatte ich miteinkalkuliert, da ich ihn vor nicht allzu langer Zeit im Rahmen eines Showcases in der Fnac "unplugged" gehört und gesehen hatte. Als ich gegen 19 Uhr in der Cigale eintraf, war das Konzert von Elvis und seinen zahlreichen Begleitmusikern aber noch in vollem Gange. Im wahrsten Sinne mit Pauken und Trompeten (und Kontrabass) wurde hier und heute richtig Krach gemacht. Ich fühlte mich fast an die Decemberists erinnert und dieses Aufpeppen der Lieder tat dem Gig richtig gut. Das brachte Leben ins Haus und ein Lächeln auf die Gesichter, der Besucher. "Night Without Love" diesen unglaublichen Schmachtfetzen bekam ich glatt auch noch mit und war sehr happy darüber, denn ich liebe diesen Song sehr. Anschließend kam der Sänger der französischen Band Louise Attaque, Gaetan Roussel, mit hinzu und begleitete Elvis auf der Gitarre. Zusammen schmetterten sie das sehr gute "While You Were Sleeping". Anscheinend ist zwischen den beiden Musikern eine weitere Kooperation geplant, so verstand ich zumindest die Kommentare von Herrn Perkins. Französisch-amerikanische Freundschaft sozusagen, sehr begrüßenswert! Monsieur Roussel blieb auch noch zu "Doomsday" auf der Bühne. Danach gab es noch einen abschließenden Song (eine Textstelle lautete: "you can tell my brother") und der bärtige Ami und seine Band ließen sich zurecht feiern. Ich denke, daß Elvis Perkins als Musiker noch unterschätzt ist. Die Musikjournalisten sollten aufhören, über seine familiäre Tragödie zu berichten und sich auf seine überdurchschnittlichen Lieder konzentrieren!

Danach war ich natürlich gespannt, wie mir Los Campesinos! gefallen würden.
Christoph hatte ja schon in höchsten Tönen von den Walisern geschwärmt und somit war meine Erwartungshaltung natürlich recht hoch. Ich wurde letztendlich auch nicht enttäuscht, denn dem ungestümen Charme der gemischten Band kann man sich nur schwerlich entziehen. Passend zu dem französischsprachigen Publikum wurde das Stück "Don't Tell Me To Do The Math(s) nicht wie auf der EP "Sticking Fingers Into Sockets" auf englisch mit "one, two, three, four", sondern mit "un, deux, trois, quatre" angezählt, bevor es langsam startete, aber ein paar Sekunden später mit Karacho weiterging. Zwei junge Mädchen neben mir tanzten auf Anhieb wild dazu ab, aber in der Cigale blieb es trotz dieser flotten Rhythmen leider recht still. Viele Besucher kannten wohl weder Band noch Lieder und guckten lediglich neugierig in Richtung Bühne. Und auf dieser tat sich eine ganze Menge, die drei Mädchen und vier Jungen wirbelten wie der vielzitierte Sack Flöhe über das Parkett und kamen kaum zum Luft holen. Besonders angetan war ich von der hübschen Keyboarderin Aleksandra, die in meiner unmittelbaren Nähe in die Tasten griff. Zuckersüß steuerte sie die Gesangesparts bei und klang dabei wie... die wesentlich schlechter aussehende Kollegin von Architecture in Helsinki! Bloß, daß mir die Waliser besser als die Ausstralier gefallen und dies nicht nur aus rein optischen Aspekten. Ausschlaggebend hierfür ist das postpunkige, rockige Element, welches man bei den Aussies in dieser Form nicht finden kann. Und dann noch der nicht zu leugnende Pavement-Einfluß! Kein Wunder, daß sie ein Lied ("Frontwards") der US-Kultband coverten, das passte stilistisch genau. Denn ebenso wie Stephen Malkmus und Co. schaffen es Los Campesinos! meisterlich, das süßliche Element, was vom Glockenspiel und der Geige (hach Harriet!) stammt, durch schräge Gitarrenriffs zu konterkarieren. Schade, daß dies zumindest heute noch nicht ausreichend gewürdigt wurde. Aber 2008 wird das Jahr der Aufsteiger, davon bin ich fest überzeugt! Erfreulicherweise war zumindest "We Throw Parties, You Throw Knives!" ein paar Leutchen geläufig. Einige staunten nicht schlecht, als in das Lied der Sixties-Klassiker "It's My Party" von Lesley Gore eingefügt wurde ("It's my party and I cry if I want to"). Auch der Hit "You! Me! Dancing!" schien sich bis Paris rumgesprochen zu haben. Wie Christoph das schon vom Brüsseler Konzert beschrieben hatte, turnte Sänger Gareth in der Nähe seines Schlagzeugers rum und trommelte zum langgestreckten Intro auf das Becken ein, bevor er runtersprang und losschrie wie am Spieß. Danach gab's mit "Frontwards" noch das auf der EP enthaltene Pavement-Cover und mit "Sweet Dreams, Sweet Cheeks" war die Party dann auch leider schon vorbei. Los Campesinos! muß man genau im Auge behalten, da kann was draus werden!

Mehr Photos von Los Campesinos!

Setlist Los Campesinos!, Paris, La Cigale, Festival Des Inrocks:

01: Don't Tell Me To Do The Math(s)
02: Broken Heartbeats Sounds Like Breakbeats
03: The International Tweexcore Underground
04: Drop It Doe Eyes
05: We Throw Parties, You Throw Knives
06: It Sarted With A Mixx
07: ?
08: You! Me! Dancing!
09: Frontwards (Pavement Cover)
10: Sweet Dreams, Sweet Cheeks

Nachdem sich die jungen Musiker artig bedankt hatten (der extrem jung aussehende Schlagzeuger klatschte mit nacktem Oberkörper begeistert in die Hände), fiel der rote Vorhang und eine zierliche blonde Frau an der Gitarre klimperte 2 bis 3 folkige Lieder voller Melancholie. Neben mir wollte man wissen, wer die Künstlerin sei. Ich konnte nicht weiterhelfen und fragte den Experten Philippe, dem in Punkto Musikkentnisse niemand das Wasser reichen kann. Laura Marling schrieb er mir auf einen Zettel, den ich weiterreichte und somit die Frage mittels meines (Telefon)- Jokers doch noch beantworten konnte. Die Blondine stammt soweit ich weiß aus England und sie sagte, daß sie demnächst noch öfter in Paris auftreten würde. Ich werde dabei sein!

Desöfteren in Paris aufgetreten sind auch schon die Noisettes. Sängerin Shingai Shoniwa hatte vor einigen Wochen beispielsweise einen wilden und von mir beobachteten Auftritt im szenigen Showcase. Heute trug die Raubkatze zu Beginn gar einen schwarzen, riesengroßen Federschmuck in den Haaren, der seine optische Wirkung nicht verfehlte. Nach ein paar Titeln hatte die extrem wendige Rockröhre aber genug von der Maskerade und warf das Ding mit den Worten "it gives me a fucking headache" wütend zu Boden. Ohne diesen Ballast auf dem schönen Köpfchen war sie dann noch schneller zu Fuß und heizte oft am Bühnenrand dem Publikum ein. Zwangsläufig blieben da ihre zwei männlichen Mitspieler an Gitarre und Schlagzeug blaß dagegen, obwohl gerade der Drummer Dynamit in den Händen hatte. Im Mittelpunkt stand aber immer die schöne Shingai, die bei den meisten Liedern den polternden Bass spielte. Highlights des Sets waren natürlich die Hits "Don't Give Up!" (Opener) und das blues-rockige "Scratch Your Name", aber besonders berührend fand ich , daß die farbige Sängerin das Lied "Monte Christo" ihrem (verstorbenen?) Vater widmete. Auch Ausflüge ins Publikum gehörten zur Show, ebenso wie der coole Spruch: "I hope you have a sweet time, as sweet as my chocolate hazelnut crisp I had today". Und diese gute Zeit hatte ich auch bei dem Gig, die Noisettes hatten es mir süß-sauer gegeben und der Abschluß mit " Cannot Even (Break Free)" kam auch noch einmal richtig gut!

Die Setlist der Noisettes in der Cigale umfasste u.a.: (in dieser Reihenfolge)

01: Don't Give Up
02: IWE
03: Monte Christo
....

06: Scratch Your Name
07: Bridge To Canada
08: Break Free

Mehr Photos der Noisettes hier

Anschließend sollte mit den Editors einer der größten Headliner des gesamten Festivals auftreten.
Würden sie ihrer Favoritenrolle gerecht? Zumindest in Musikkritikerkreisen häufen sich ja in letzter Zeit die bissigen Kommentare, die den Sound der Engländer inzwischen als zu bombastsich und stadiontauglich empfinden. Aber betrachten wir die Sache doch einmal ganz nüchtern. Die Editors werden auch live immer besser und die Lieder gewinnen ständig an Komplexität hinzu. Und schnell sind sie die Burschen, sauschnell! "Bones" stürmte gleich los wie ein 100 Meter - Läufer und unmittelbar wackelte wieder der trampolinartige Boden in der Cigale. Recht feist wirkende Engländer neben mir sangen lauthals die Texte mit. Tom Smith, der mit seinen längeren Haaren inzwischen richtig attraktiv aussieht, verdrehte natürlich auch wie immer seine Arme, so daß man Angst hatte, er könne sich die Schulter auskugeln und auch dieser Scheren-Sprung war spektakulär. Hat er den eigentlich von Ex-Tennisspieler Petr Korda abgeschaut? Wie auch immer, er gab richtig Gas! Seine Kollegen wirken hingegen etwas statisch, vor allem der etwas pummelige Bassist bewegte sich kaum und der Gitarrist schien vor sich hinzuträumen. Der Schlagzeuger allerdings war der zweite Aktivposten der Band, er spielte wie gewohnt in einem atemberaubenden Tempo. Gedrosselt wurde dieses zum ersten Mal mit der Ballade "The Weight Of The World" , bei der sich Tom hinter sein Piano begab, aber selbst an diesem "ruhigen" Instrument rumzappelte wie Pumuckl. Einmal kletterte er sogar ziemlich akrobatisch auf das Ding drauf. Abgefahren!

Die Hits vom neuen Album zogen schon sehr gut, aber nach wie vor gingen die alten Sachen wie "Blood", oder "Munich" runter wie Öl. Zu meinem persönlichen Favoriten will ich aber das dramatische "Racing Rats" mit seinen Dingel-Dengel Gitarren und den düsteren Texten erklären.
Ein Smasher wie er im Buche steht! Weniger gut gefällt mir hingegen "You Are Fading", an dem die Band anscheinend einen Narren gefressen hat. Immer wieder wird diese eher mittelmäßige Nummer live gespielt, warum weiß ich auch nicht so genau....

Schwamm drüber, "Smokers Outside The Hospital Doors", (die erste Zugabe) mit seiner Textzeile "The sadest thing i've ever seen..." läßt immer noch das Blut in meinen Adern gefrieren! So schön kann also gelitten werden! Mit "Fingers In The Factories" wurde dann standesgemäß der Schlußstrich unter ein erneut gutes Editors-Konzert gezogen und die Cigale tobte.

Setlist Editors, La Cigale, Paris, Festival des Inrocks:

01: Bones
02: Bullets
03: An End Has A Start
04: The Weight Of The World
05: Blood
06: Escape The Nest
07: When Anger Shows
08: Racing Rats
09: Munich
10: You Are Fading

11: Smokers Outside The Hospital Doors (Z)
12: Fingers In The Factories (Z)

Mehr Photos von den Editors



Sonntag, 13. Mai 2007

Noisettes, Köln, 13.05.07

8 Kommentare
Konzert: Noisettes & The Taste
Ort: Gebäude 9 Köln

Datum: 13.05.2007

Zuschauer: viel zu wenige


Zum ersten Mal habe ich von den Noisettes im vergangenen Jahr gehört. Auf einem Sampler im NME ("The best new bands from the Reading Festival 2006") war das fabelhafte "Scratch your name", das ich seitdem zigmal gehört habe. Aber irgendwie fiel es mir danach schwer, mir vorzustellen, wie denn eine Platte der Noisettes klingen könnte. Die erschien dann Ende April und hat mich auch wieder sehr begeistert. Stilistisch ist die Musik schwer zu greifen, finde ich, sie ist wirklich kaum mit anderen Indie-Bands zu vergleichen. Nun denn, ich hatte jedenfalls gute Gründe, mir die Band einmal live anzusehen.

Auf dem Ticket stand Einlaß 20.00 Uhr, Beginn 21.00 Uhr pünktlich. Das klang für mich, als spielten die Noisettes ohne Vorgruppe, was im Gebäude 9 ganz toll oder ganz schlimm sein kann. Denn zum einen habe ich da die fantastischen Tellers gesehen, dann aber auch Panda ("Dit nächste Lied handelt über Euch: Männer & Frauen"). Als ich in den Saal ging, war da aber ein Merchandising-Stand, an dem es neben Noisettes Sachen auch T-Shirts und eine Single einer Band The Taste lagen. Auf der Single stand, ein Lied erscheine demnächst auf einem Sampler "Dance to the radio Leeds" (des gleichnamigen Labels). Das klang also endlich mal wieder nach einer guten englischen Vorgruppe.

Der Raum war noch furchtbar leer (nur hinten saßen ein paar Leute), als ich langsam zur Bühne gegangen bin. Gleichzeitig mit mir kamen drei Musiker an, die sich verwundert umsahen, weil keiner da war. Licht war auch keines da. Als das behoben war, stellten sich die drei als The Taste aus München vor und begannen ihr Konzert - vor glücklicherweile mittlerweile mehr Leuten. Die Lieder von The Taste gefielen dem Publikum offenbar sehr gut, denn ziemlich schnell wippten die meisten mit und schienen wie ich sehr angetan. Leider war die Stimme von Sängerin Maria Pattusch da wo ich stand etwas leise, das ändert aber nichts daran, daß die Musik der Münchener wirklich toller Alternative Rock ist. So ganz alleine scheine ich mit der Meinung nicht zu sein, denn neben Dance to the radio schätzt auch Travis Sänger Fran Healy The Taste. Auf der Single ist ein Zitat von ihm: "Fantastical. I would actually love to make an album with you all... I could just sit in the corner and marvel at your genius. Your stuff is excellent." The Taste haben auch schon We are scientists, Forward Russia! und Duels supportet - und die Noisettes in Birmingham. Demnächst werden sie mit Jamie T. auf Tour gehen. Als Schlagzeuger Nick am Ende dann viel Spaß bei den Noisettes wünschte und uns zu unserem guten Geschmack gratulierte, brüllte eine Frau aus der Mitte des Saals: "You're fucking lying!" Das war Shingai Shoniwa, die Sängerin der Noisettes, die sich The Taste angesehen hatte!

Setlist The Taste:

01: Can't get enough of your dang-da-dang
02: Everybody but you
03: Do you love me?
04: I know that you hate me
05: 123 what can you see from up the hill when life stands still
06: Contradiction
07: You should have danced
08: Till there was you*

Als die Noisettes dann auf die Bühne kamen, humpelte Shingai mit Krücke und verletztem Fuß auf die Bühne. Sie erklärte das mit einem "Rock'n'roll accident last night in Hamburg." So richtig eingeschränkt war sie, nachdem die Krücke erstmal in der Ecke lag, aber nicht. Weil der Fuß wohl wehtat, hüpfte sie eben auf dem anderen rum, mit einer Energie, die unfassbar war. Das Set begann gleich mit dem Hit "Scratch your name" gefolgt von einem meiner anderen Lieblinge "Nothing to dread". Es ist erstaunlich, was für eine großartige Stimme dieses Persönchen hat. Mich hat das auf der Platte schon fasziniert, live war die Einzigartigkeit des Gesangs keinen Deut schlechter. Dazu platzt Shingai fast vor Energie. Sie hüpfte und rannte hin und her (immer mit Bass und mit Strumpf an einem Fuß). Unverletzt muß das wirklich sehr wild sein.

Erst bei "The count of Monte Christo", einem der ruhigeren Stücke (bei dem ihre Stimme sehr sanft klingt), setzte sich Shingai auf einen Barhocker (und spielte Gitarre). Zu den Noisettes gehören noch Schlagzeuger Jamie und Gitarrist Dan. Dan trug das wohl schrecklichste Hemd, das ich bisher auf einer Bühne gesehen habe. Aber auch da stand er im Schatten seiner Frontfrau, denn Shingai hatte ein kurzes Kleid mit einer mintgrünen Strumpfhose an. Auf das Kleid war ein Stoff-Kampfflugzeug genäht (wenn ich es richtig erkannt habe).

Nach elf Liedern (zehn vom Album plus "Signs") erschienen die drei Londoner noch einmal für drei Zugaben. Danach schien Shingai doch ziemlich mitgenommen und humpelte mit Krücke von der Bühne. Leider ist die Deutschland-Tour damit beendet. Wer die Chance hat, die Band bald einmal live zu sehen, sollte das aber unbedingt machen!

Setlist Noisettes Köln:

01: Scratch your name
02: Nothing to dread
03: I we
04: Signs
05: Cannot even (break free)
06: Don't give up
07: The count of Monte Christo
08: Bridge to Canade
09: Hierarchy / Never fall in love again
10: Mind the gap
11: Sister Rosetta

12: The wind blows hot
13: Beg, steal, borrow
14: Rifle song**

Links:
- mehr Fotos hier
- Noisettes live in Paris

* Vielen Dank an Nick von The Taste!
** Und anschließend vielen Dank an Dan von den Noisettes!




Montag, 26. März 2007

The Noisettes, Paris, 24.03.07

1 Kommentare
Konzertbericht The Noisettes
Datum: 24.03.2007
Ort: The Showcase, Paris
Zuschauer: 15 (22 Uhr), 1500 und mehr (24 Uhr)

Beim Surfen über meine MySpace-Seite habe ich den Beweis dafür erhalten, daß dieser Service doch zu mehr gut sein kann, als maximal den Kommentar: "Thanks for the add" zu bekommen, zumindest was die Kommunkation mit Musikgruppen betrifft. Nelson, die aufstrebenden Pariser Dark-Rocker waren so nett, ein Bulletin zu versenden, um darauf hinzuweisen, daß sie vor und nach dem Konzert der Noisettes im hippen Showcase ein bißchen mixen, sprich Platten auflegen werden. Sie verbanden diesen Hinweis freundlicherweise mit der Nachfrage auf etwaig gewünschte Eintragung in die Gästeliste.

Wie bitte, eine Guest-List?? Hätten sie das nicht erwähnt wäre ich wie ein Idiot einfach so unter die schmucke Brücke "Pont Alexandre III" getappt. So aber durfte ich der Tussnelda und dem Gorilla am Eingang des im Moment stark angesagten Clubs ganz cool verkünden: "Oliver. Oliver Peel. Steh' auf der Liste von Nelson!"

Schwups, und schon war ich drin, so einfach kann das gehen! Natürlich war ich für so einen obercoolen Laden viel zu früh da, um 22 Uhr hatten sich neben den gestylten Kellnern nur ein paar andere ähnlich unwissende Pappnasen eingefunden. Zwei dieser circa. 15 Pappnasen waren schon etwas älter als das gewöhnliche Konzertpublikum. Herr und Frau Boring nämlich, wie sich herausstellen sollten, die Eltern des Sängers der später auftretetenden Pariser Band Naive New Beaters.

Bis die ihre Show aber abzogen, war erst noch etwas rumlungern - ähh, ich meine natürlich chillen, wie man das in diesen Kreisen nennt- auf den schicken Ledersofas angesagt. Währenddessen starrten alle Anwesenden krampfhaft und etwas gelangweilt auf die Videoleinwände, die einen alten Streifen mit Jane Birkin aus den 60ern oder 70ern darboten. Ganz, ganz allmählich füllte sich der noble Laden dann etwas und es wurde daraufhin auch gleich ein bißchen gemütlicher.

Irgendwann war es voll genug, um beginnen zu können. Ein Ansager verkündete den Auftritt dreier junger Pariser, den Naive New Beaters. Der Sänger der Band, ein Typ mit einem ganz scheußlichen Pullover, stellte sich aber aus L.A. stammend vor und sprach mit gebrochenem amerikanischen Akzent. Das war natürlich alles nur Show, aber wir waren ja im Showcase... David Boring hieß er angeblich, der Oberlippenbartträger, begleitet von Martin Luther BB King an der Gitarre (ha,ha) und Eurobelix am Keyboard.

Die drei waren wirklich so was von schräg drauf, aber mit ihrem Mix aus Funk im Stile von Prince, Rap à la Public Enemy und ironischem Elektro-Pop-Rock Marke Philipp Katerine kamen sie von Anfang an extrem gut an. Unterhaltsam waren sie ja, vor allem der Sänger, der immer wieder den harten amerikanischen Gangster-Rapper heraushängen ließ. Einige fragten sich wirklich, ob sie aus L.A. kämen, so perfekt zog der Typ seine Nummer ab. Wenn die Lieder gut ankamen, was sie eigentlich alle taten, kommentierte das David dann immer mit Worten wie: "Stimmt, ihr habt Recht, das Stück war wirklich top, allererste Sahne, etc."

Auch zu seinem grauenvollen Pulli verlor er ein paar Sätze: "Den habe ich Mami aus dem Kleiderschrank geklaut, der ist toll, oder? Mami, die im Publikum stand, war ganz gerührt. Mein Sohn, ein richtiger Rockstar! Irgendwann war aber Schluß mit lustig, denn das letzte Lied war unter tosendem Beifall abgefeiert worden. Der Sänger hatte aber immer noch nicht genug. Er wollte gerne noch eine Zugabe spielen. Angeblich wurde ihm das aber "von Oben" verweigert. "Hey, die vom Showcase haben uns verarscht, die wollen bestimmt an der Gage rumtricken", war sein (ironisch gemeintes?) Statement.

Setlist Naive New Beaters:

01: Hamburger
02: Balu
03: Porc rapé
04: L.A.
05: Tokyo
06: Live good
07: Bang bang
08: Cristal
09: Flam n' cut
10: That's what I like

Das Publikum stand nach diesem humoreskem Auftritt noch eine Weile breit grinsend in Bühnennähe, vielleicht aus Angst, sie könnten doch noch eine Zugabe verpassen. Als sie merkten, daß dies nicht der Fall sein wird, verzogen sie sich aber zum Großteil in Richtung Bar, oder lauschten dem DJ-Set von Nelson, die uns u.a. mit Titeln von Kraftwerk und der Gang of Four beglückten.

Gegen 24 Uhr hatte aber dann endlich die Stunde der Noisettes aus London geschlagen. Wie eine Wildkatze sprang die ursprünglich aus Zimbabwe stammende Shingai Shoniwa auf die Bühne, begleitet von ihrem Gitarristen Dan und Schlagzeuger Jamie.

Ihren ersten Hit "Sister Rosetta" brachten sie gleich zu Beginn. Musikalisch ein wild donnerndes Monster aus harten Gitarrenriffs, explosiven Drums und der unglaublichen Rockröhrenstimme von Shingai. Der Songtitel nimmt übrigens Bezug auf eine Gospelsängerin aus den späten 30er Jahren, Sister Rosetta Tharpe, die damals in den Clubs Chicagos mit ihrer Mischung aus Gospel, Blues und Swing für Furore sorgte.

Den Einfluß von Sister Tharpe hört man auch bei den Noisettes heraus, denn dem ungestümen Garagenrock ist mehr als eine Prise Blues und Soul beigemischt. Aber selbst denjenigen, denen Blues und Soul eher auf die Nerven gehen, könnte die Musik der englischen Newcomer gefallen, denn genannte Kunstformen werden auf unglaublich moderne Weise eingewebt. Unter den zeitgenössischen Musikbands haben die Noisettes eh schon viele berühmte Fans zu bieten. So urteilen die ehemaligen Tourpartnern Muse über das Trio schlicht mit: "Fantastic", die Guillemots reden von: "An inspired band with a brilliant singer" und Bloc Party entlockt es ein: "Noisettes are the complete package." Viele Vorschußlorbeeren also, für eine Band, die mit "What's the time Mr Wolf?" gerade eben erst ihr Debütalbum auf den Markt gebracht hat.

Wenn man Shingai in ihrer roten, ultrakurzen Shorts mit den giftgrünen Strumpfhosen so rumrocken sah, konnte man aber auch ins Schwärmen geraten. Was für ein Vulkan, diese (im übrigen barfuß rumlaufende) Frau, welche Sexbombe! Mit ihrem Hinterteil könnte sie noch Nüsse knacken!

Daß sie sich aber auch auf leisere Töne verstehen, konnte man anhand der ein oder anderen Ballade erkennen, ein Lied, das irgendwie an Edith Piaf erinnerte, kann hierzu als Beispiel dienen. Es handelte sich um ein exklusives Frankreich-Special. "Your language is much more sensitive, much more sexy than ours", urteilte Shingai dann auch folgerichtig. Insgesamt dominierten aber die rockigen, lauten Stücke, nicht umsonst hat die Band ja das "Noise"(Lärm) schon im Namen. Das brachte dann auch das szenige Publikum in Wallung und so verging die Zeit mal wieder wie im Fluge, zumal das Set relativ kurz gehalten war, was allerdings normal ist, bei Auftritten dieser Art, schließlich handelte es sich heute nicht wirklich um ein reguläres Konzert. Eher um ein Appetithappen für ein paar Auserwählte.

Zumindest eine Zugabe hatten die "Lärmmacher" aber dann doch noch im Gepäck, Shingai spielte hierzu auf einer neu hereingereichten roten Gitarre. Danach der obligatorische Spruch: "Thanks a lot, I'll see you guys quite soon.", der allerdings in diesem Fall stimmte, denn schon im Mai kommen die Engländer zurück in die Stadt der Liebe, diesmal dann aber mit Sicherheit mit einem längeren Konzert.

Setlist The Noisettes:

01: Sister Rosetta
02: Iwe
03: Bridge to Canada
04: Rifle song
05: Angry angels
06: Signs
07: Monte Cristo
08: Scratch your name
09: Nothing to dread
10: Don't give up

von Oliver




 

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