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Mittwoch, 2. Juni 2010

Owen Pallett & Young Marble Giants & Arto Lindsay, Paris, 01.06.10

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Konzert: Owen Pallett & Young Marble Giants & Arto Lindsay, Festival Villette Sonique

Ort: La Grande Halle de la Villette, Paris
Datum: 01.06.10
Zuschauer: etwa 2000 erneut
Konzertdauer: pro Act jeweils rund eine Stunde


Aber das sind doch..., nein sind sie das wirklich?, doch, doch, das sind... Georgia Hubley & Ira Kaplan von Yo La Tengo! Echte Indie-Helden, die mich bereitwillig ein Erinnerungsfoto von ihnen schießen ließen. Wenn die beiden heute zu den Konzerten in der Grande Halle de la Villette in Paris kamen, dann muss das Line-Up ja toll gewesen sein, schließlich haben Yo La Tengo einen ausgewiesen guten Geschmack. Nun, das war auch wirklich so. Krass geiles Programm heute, Alter,ey! Escht, ey! Aber auch anderswo in Paris spielte die Musik. Der junge Engländer Thos Henley (auf dem Foto links, weltberühmt geworden durch die Oliver Peel Session # 6) hatte heute die große Ehre, gemeinsam mit meinen französischen Lieblingen Syd Matters die kultige Maroquinerie zu erobern, Phosphorescent, Bruder im Geiste von Bonnie "Prince" Billy, trat im Espace B auf und Air teilten sich die Bühne mit Au Revoir Simone und zwar gleich um die Ecke in der Cité de la Musique. Dennoch war ich hinterher sicher, mich für das "richtige" Konzert entschieden zu haben. Und das lag vor allem an Owen Pallett. Der junge Kanadier war einfach sensationell!

Hier mein Resumée:

Arto Lindsay: Eine Kreuzung aus Woody Allen und Stephen Hawking, zumindest optisch. Der hagere Bursche mit dem Kassengestell auf der Nase, spielte auf einer noisigen Gitarre und wurde von einer afrikanischen Backing Band begleitet, in der auch ein Bongospieler agierte. Musikalisch schwer einzuordnen, das Ganze. Irgendwo zwischen Rock, Freejazz, Blues, Noise, Reggae und Funk. Alles sehr hochstehend und gekonnt dargeboten, aber auch bisweilen zäh und schwer verdaulich. Dennoch bin ich sicher, daß Yo La Tengo für ihn gekommen sind.

Young Marble Giants: Hier gingen hinterher die Meinungen auseinander. Uschi und Guillaume, mit denen ich gekommen war, fanden es kultig und cool, Fotografenzar Robert Gil nörgelte irgendwas von: "ist schlecht gealtert, die Mucke". Was sagt Oliver Peel? Hmm. Statisch wie beim letzten Mal in Boulogne Billancourt, aber für mich immer noch verblüffend modern. 1980 haben die Waliser mit diesem minimalistischen Sound die Blaupause für den Erfolg von The XX geliefert und musikalisch sind sie immer noch stark. Ein knarzig polternder Bass, rasierklingenscharfe Gitarrenriffs und der wunderschöne, weltentrückte Gesang von Alison Statton, alle Markenzeichen der einflußreichen Band (und dies mit einem einzigen Album!) gibt es nach wie vor, lediglich der Drumpart ist heute anders. Anstatt eines Drumcomputers agierte wie schon 2007 in Boulogne Billancourt Andrew Moxham, der dritte der Gebrüder Moxham (Stuart Moxham: Gitarre und Keys, Bass: Phil Moxham). Die Songs (Brand New Life, Wurlitzer Jukebox, Searching For Mr. Right, etc.) stammten von Colossal Youth, aber eine der Zugaben Taxi (ohne Allison) kam von der Testcard Ep. Ein gutes Konzert.

Owen Pallett: Alle Lobeshymen auf den jungen Kanadier sind gerechtfertigt! Donnerwetter, was die nonchalante Bohnenstange mit der engelsgleichen Stimme aus seiner Violine rausstrich, zupfte und loopte! Ein perfekter Sound machte diesen Auftritt zu einem Ohrenschmauß der allerersten Güteklasse. Begleitet von einem zusätzlichen Musiker namens Thomas (Drums, Gitarre), spielte mich der Bursche mit dem Waverscheitel in einen wahren Rausch. Ein Lied schöner als das andere, kein einziger Patzer und stimmlich eine brillante Vorstellung ließen mich zu einem unzweideutigen Urteil kommen: Owen muss als Kind in eine Zauberbrunnen gefallen sein. Ein Riesentalent! Wie sagte Stuart Moxham in einer Szene so treffend: "Es ist toll, vor Owen Pallett zu spielen, schließlich ist er Kanadier. Und aus Kanada kommen Leonard Cohen, Neil Youg und Joni Mitchell." Wenn der junge Geiger konstant so weiter macht, hat er wirklich das Zeug aus dem übergroßen Schatten dieser legendären Künstler zu treten. Eines der Konzerte des Jahres. Wahnsinn!! Und wer war eigentlich noch mal dieser Andrew Bird?



Setlist Young Marble Giants, La Grande Halle de la Villette, Festival Villette Sonique, Paris (tausend Dank an Uschi)

01: N.I.T.A.
02: Choci Loni
03: Eating Noddemix
04: Ode To Booker T.
05: Wurlitzer Jukebox
06: Music For Evenings
07: Cakewalking
08: The Man Amplifier
09: Final Day
10: Radio Silents
11: Include Me Out
12: Constantly Changing
13: Searching For Mister Right (pour Melodie)
14: Brand New Life

15: The Taxi
16: Salad Days
17: Credit In The Straight World

Setlist Owen Pallett, Festival Villette Sonique, Paris (noch einmal vielen lieben Dank an Uschi für die unglaubliche Mühe!!)

01. E Is for Estranged
02. This is the Dream of Win & Regine
03. Scandal at the Parkade
04. That's When The Audience Died
05. Midnight Directives
06. Keep the Dog Quiet
07. The Great Elsewhere
08. Lewis Takes Action
09. He Poos Clouds
10. Oh Heartland, Up Yours!
11. Flare Gun
12. The Butcher
13. Many Lives → 49 MP

14. Lewis Takes Off His Shirt
15. Cliquot (co-written with Beirut)
16. This Lamb Sells Condos

- tolle Fotos von diesen Konzerten gibt es bei Robert Gil:

Owen Pallett, klick!
Young Marble Giants, klick!
Arto Lindsay, klick!

Aus unsererm Archiv:

Young Marble Giants, Paris, 28.10.07

Owen Pallett, Barcelona, 28.05.10
Owen Pallett, Frankfurt, 15.03.10
Final Fantasy, Haldern, 14.08.09




Mittwoch, 31. Oktober 2007

Young Marble Giants, Paris, 28.10.07

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Konzert: Young Marble Giants (& Serafina Steer)
Ort: Festival B.B. Mix, Boulogne Billancourt bei Paris
Datum: 28.10.2007
Zuschauer: ca. 450


Auf das Festival BBMix in Boulogne Billancourt bin ich durch Flyer aufmerksam geworden, die in schöner Regelmäßigkeit vor Konzerten verteilt werden. Die meisten teilnehmenden Bands sagten mir aber überhaupt nichts, abgesehen von Fujiya & Miyagi , Deerhof und...den Young Marble Giants! Was die Young Marble Giants gibt es noch?, schoß es mir durch den Kopf. Von dieser Kultband hatte ich zumindest schon gelesen, obgleich ich ihr einziges Album "Colossal Youth", ein von Kritikern hochgelobtes Werk aus dem Jahre 1980, nicht besitze. Und irgendwie kam auch eines ihres bekanntesten Stücke "Brand-New-Life" auf meinen i-pod, es war auf einem Sampler, der der Musikzeitschrift Magic beilag, enthalten.

"Brand-New-Life" gefiel mir dann auch prompt so gut, daß ich Blut geleckt hatte und mehr von diesem minimalistischen Post-Punk haben wollte. Der Festivaltermin in Boulogne-Billancourt kam mir da gerade recht und zudem handelte es sich um ein Gratisevent. Allerdings mußte man sich für die letzten drei Tage telefonisch in die Gästeliste eintragen lassen. Bis ich endlich zum Hörer gegriffen hatte, war es allerdings schon zu spät; "die Sitzplatzkapazität ist ausgeschöpft, mein Herr, tut uns leid!". Mist, ich hatte gepennt! Da die Franzosen aber die hilfsbereitesten Menschen der Welt sind, wenn es darum geht, interessierte Leute mitreinzuschleußen, machte ich mich am Sonntag um 15 Uhr 30 trotzdem in Richtung des Centre Gorse auf, in dessen Auditorium der lediglich zweite Konzerttermin der Young Marble Giants nach einer Pause von 27 Jahren (!) stattfinden sollte . Das allerste Konzert nach der ewig langen Pause hatte das Trio beim walischen Hay-Festival im Mai 2007 gegeben.

Meine Hartnäckigkeit sollte sich schließlich auszahlen, denn nachdem die Leute mit Reservierung allesamt eingetreten waren, durften auch diejenigen, die auf gut Glück gekommen waren, ein grünes Eintrittskärtchen bekommen und der Sesam öffnete sich. Danke an dieser Stelle an die unglaublich engagierte Französin Marie Pierre Bonniol, die die Waliser nach Paris geholt hatte. Marie Piere, Du bist ein Schatz!

Vor dem Auftritt der Gebrüder Moxham und Sängerin Alison gab es aber noch Vorgruppen. Zu Exil kam ich wegen der Warterei zu spät, aber die harfespielende Serafina Steer bekam ich zum Glück noch mit. Die Waliserin hat gerade ihr erstes Album "Cheap Demo Bad Science" herausgebracht und spielte daraus wundervolle Folk-Songs vor, die nicht nur an Joanna Newsom erinnerten, sondern auch an Brian Eno, von dem sie ein Lied coverte. Der Vergleich mit Fräulein Newsom hinkt in stimmlicher Hinsicht allerdings etwas. Serafina hat nämlich einer eher weiche, ruhige, an Vashti Bunjan erinnernde Stimme. Was sie vortrug, gefiel mir außerordentlich gut, ich kann jedem nur empfehlen, sich mit der klassisch ausgebildeten Frau zu beschäftigen!

Danach versank ich in meinem roten Sesselchen und wartete auf die Comeback-Band. Es war derart gemütlich, daß ich fast dahindämmerte.
Dann aber brandete Jubel auf und zwei Männer im mittleren Alter und eine gut konservierte Frau mit Kleidchen betraten das Podium. Das waren sie also, die Young Marble Giants! Der Empfang war herzlich, das Publikum fachkundig und zum Teil im Alter der Hauptdarsteller des Tages. Am Bass agierte der großgewachsene Phil Moxham , an den Keys und der Gitarre sein leicht füllig gewordener Bruder Stuart und die lieblichen Gesangesparts wurden von der natürlich-sympatischen Alison Statton beigesteuert. Was ich von meiner Position aus nicht sah: die Band ist neuerdings vierköpfig, seitdem Andrew Moxham noch hinzugestoßen ist. Die Waliser hatten normalerweise nie einen Schlagzeuger, sondern verwendeten einen Drumcomputer, an dem heute Andrew saß. Wenn ich bei der anschließenden öffentlichen Pressekonferenz aber richtig zugehört habe, soll der dritte Moxham im Bunde neuerdings echte Drums spielen. Und neuerdings heißt in dem Zusammenhang auch, daß es ein nagelneues Stuidoalbum geben soll!!

Heute spielte die Band aber erst einmal alte Klassiker von "Colossal Youth".
Und gleich der Auftakt mit Brand-New-Life hatte es in sich, das kurze Gitarrenriff zu Beginn machte nämlich gleich die Richtung deutlich. Mimimalistische, aber dennoch geniale und äußerst charmant gesungene Titel waren Trumpf. Und kurz waren sie. Kurz und ergreifend, wie man so schön sagt. Alle ziemlich ähnlich aufgebaut, mit dem pluckernden Drumcomputer zu Beginn, kurzen Gitarrenriffs und prägnanten Bassläufen und fast immer recht abrupt endend. Besonders gut gefiel mir der Mittelteil mit "Music For Evenings" und dem Hit "Searching For Mr Right", der über einen spitzenmäßigen Basslauf verfügt. Der Applaus war heftig und verdient. Gesprochen wurde trotzdem nicht viel, die Waliser sind Stoiker, reden nur soviel sie müßen, wenn sie aber etwas sagen, klingt es immer sehr herzlich.

Aufgrund der Kürze der Stücke verging die Zeit wie im Fluge, "Include Me Out" und "Final Day" ragten noch heraus, bevor mit "N.I.T.A." schon das angeblich letzte Lied gespielt wurde. Circa 45 angenehm verbrachte Minuten waren vergangen, als die Band zum ersten Mal die Bühne verließ. Sie ließen sich aber noch einmal blicken und spielten zwei gefeierte Zugaben, die letzte bestehend aus "Credit In The Straight World". Die Kultstars, die keine sein wollen, hatten fertig und stellten sich etwas später den Fragen von Journalisten und Fans in einer öffentlichen Preesekonferenz. Davon werde ich gesondert berichten...

Setlist Young Marble Giants, Boulogne Billancourt:

01: Brand-New-Life
02: Wurlitzer Jukebox
03: Choci Loni
04: Ode To Booker T.
05: Radio Silents
06: Eating Noddemix
07: Music For Evenings
08: Searching For Mr. Right

09: Constantly Changing
10: Include Me Out
11: Cakewalking
12: Final Day
13: N.I.T.A.

14: Salad Days (Z)
15: Credit In The Straight World (Z)

Bilder der Young Marble Giants hier

Hinweis: bitte die unterstrichenen Liedtitel anklingen, dann stößt man auf You Tube Videos, mit teilweise alten Aufnahem von 1980!





 

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