Konzert: Lasse Matthiessen & Band mit Support Endless Second Ort: Kellerhalle in Karlsruhe Datum: 10. Oktober 2015 Dauer: 50 min + 75 min Zuschauer: etwa 60
Ich gehe sehr gern zu Konzerten in die Kellerhalle. Wir verstehen uns ohne viele Worte ohne dass wir uns schon lange kennen würden oder viel übereinander wissen. Ein Glückstreffer des Schicksals!! Und wenn dort die Vorfreude siedet, weil mit dem DänenLasse Matthiessen eine Lieblingsband gewonnen werden konnte, kann ich das mitfühlen und bin natürlich wenn möglich dabei. Auch wenn ich mich z.B. im April 2014 nicht im Tollhaus eingefunden hatte als Lasse auf TVNoir-Tour mit Pohlmann dort halt gemacht hat. Und auch am Crowdfunding mit dem TVNoir-Team für das aktuelle Album hatte ich mich nicht beteiligt. Also kurz gesagt - auf meiner Lieblingsmusikerliste ist er nicht unter den Top Ten.
Aber im Rahmen der Kellerhalle versprach ich mir einen wirklich guten Abend und wollte auch gern die Freude teilen. Als Support begann die Karlsruher Band Endless Second schon ungewohnt pünktlich das Konzert. Die Truppe um Nicolai Dörr an diesem Abend mit Niklas Kreuz, Artur Timar und Wey Lam semiakustisch (z.B. Cajon statt Drumset) erspielte sich schnell die Gunst des Publikums mit solidem etwas poppigem Rock von Ballade bis extrem tanzbar. Die Stimme von Nicolai ist dabei wohl ein klarer Pluspunkt und unterstützt von einer soliden Gruppenleistung machten sie einfach alles richtig.
Für mich wurde es aber erst wirklich interessant, als Lasse Matthiessen mit seiner
Band aus Niels Knudsen am E-Bass,
Johanna Weckesser an der E-Gitarre (und kurz auch Keyboard) und
Martin Krümmling an den Drums auf der Bühne stand. Wie würden sie das hier angehen? Fetzig und druckvoll oder eher folkig und innig? Die Bandbesetzung sprach rein optisch zunächst für die erste Variante und tatsächlich krachteWintergutordentlich rein. Aber durchaus in einer Form, die mir sehr gut gefiel. Aber das war tatsächlich nur eine von sehr vielen Facetten des Programms, das wir an diesem Abend erleben durften.
Wildfire begann z.B. mit wunderbarem Satzgesang und ganz hymnisch. Es klang für mich wie eine Fortschreibung von Musik für klassisch trainierte Ohren, und kam mir fast wie eine Referenz an DDR-Progressiv-Rockmusik meiner Jugend vor (*). Und trotz Bandunterstützung gelang Broken ganz und gar fragil und verletzlich um dann trotzig und rotzig zu stampfen. Ein besonderes Highlight des Sets war für mich wohl Travelling song mit dem in für die Kellerhalle irgendwie so besonders passenden Textpassage something here resonates.
Sehr gut gefiel mir, dass sich nicht nur die Bandbesetzung als sehr wandel- und formbares Medium erwies, sondern Lasse im mittleren Teil des Programms auch solo bzw. im Duo mit Johanna Weckesser aufspielte. Hier war der Fokus noch mehr als im Vierer auf den "nackigten" Liedern und seiner warmen und viele Empfindungen spiegelnden Stimme gerichtet. Und beides präsentierte sich funkelnd und schillernd und rührte mich sehr an. In diesem Mittelteil ist mir besonders das Doppel Looking for a Reason mit direktem Übergang zu In Water and Salt in Erinnerung geblieben. Vielleicht auch, weil er hier eine besonders lange inhaltliche Einführung spendiert wurde.
SEHR genossen habe ich es, allen vier Musikern auf die Finger zu schauen. Die Percussions wurden oft so herrlich reingetröpfelt und ganz unscheinbar gehalten und wenn es laut wurde, war es wunderbar furios. Der Mann am Bass hat wahrscheinlich den Rekord in "wie tief kann ich mein Instrument hängen" und war ganz die Ruhe und Verlässlichkeit in Person. Und Johanna Weckesser hat mich ganz und gar hingerissen, wie sie ihrem interessanten Instrument die herrlich dreckigsten und fiepsigsten Töne entlocken konnte. Ich musste zu Hause gleich einmal schauen, was sie sonst noch musikalisch so treibt und werde wohl versuchen, ihr Projekt Bluehead & Robin für Karlsruhe an Land zu ziehen (ja, wer hätte das gedacht...!).
Ich muss wohl nicht extra betonen, dass nicht nur ich ganz und gar eingenommen war von dieser Performance. Es wurde geklatscht und gejubelt was das Zeug hielt und eine ordentliche Zugabe eingefordert, ehe sich alle noch etwas benommen von der Band und der Musik verabschiedeten. Als heimliches Lieblingslied begleitet mich seit dem herrlichen Abend in der Kellerhalle übrigens 7 Ravens, das Lasse aus Mexico mitgebracht hatte und für ihn erst eine Liebe auf den zweiten Blick war.
(*) Die ich damals gar nicht so besonders schätzte sondern erst später als etwas Besonderes wahrnahm
Konzert: Doppelkonzert Adam Evald & Dominik Baer Ort: Kellerhalle in Karlsruhe Datum: 13. Mai 2015 Dauer: 50 min + 70 min Zuschauer: 50-60
Nicht von dieser Welt kann ja so oder so ausgehn. Es passt aber ganz sicher bestens zu Himmelfahrt, sich der etwas anderen Welt von Adam Evald auszuliefern. Auf seiner Welttour (Moskau - Sibirien - Ex-Jugoslawien - Athen - Deutschland - Madrid - Südamerika - New York) benutzte er die überall verständliche Sprache der Musik, um die Menschen offenen Herzens in seiner Welt willkommen zu heißen. Trotzdem schadete es nichts, auch die englischen Texte zu verstehen. Denn die laufen in der Regel schwarzhumorige oder anders leicht entrückte Wege.
Der Abend begann in der Kellerhalle jedoch mit der Musik von Dominik Bear und insgesamt sechs Leuten auf der Bühne: Dominik Baer - Gitarre & Gesang, Anna Baer - Gesang, Thomas Meseck - Drums, Maria Pentzek - Gesang & Glockenspiel, Frederic Weber - Klavier und Matthias Esper - Kontrabass. Das ging ins Bein und regte die Lachmuskeln an. Es war stimmungsvoll, fröhlich und ganz mitten ins Leben hinein gegriffen. Kam natürlich so richtig gut beim Publikum an, zumal auch die zum Teil deutschen Texte gut ankamen. Zwei der Songs des Sets wurden gekonnt auf Video gebannt und so zum nacherleben verfügbar gemacht: Bestehen und das für mich schönste weil so herrlich innige Lied Until you grow old.
Ich war sehr gespannt auf den zweiten Teil des Abends mit Adam Evald, diesem Charmeur aus Schweden, den ich nun schon das dritte Mal begegnete. Zweimal, nämlich im Vorprogramm und als Teil der Band von Big Fox und Solander hatte ich ihn im Cafe Nun erlebt und mir gemerkt, dass ihm der Schalk im Nacken sitzt. Ein weiteres Mal als Teil der Begleitband von Solander auf dem Maifeld Derby 2014. Diesmal sollte es nun also ein Konzert für seine Musik allein geben, die von Caroline Karpinska an der Geige begleitet wurde (an manchen Stationen der genannten Welttour war ein ganzes Streichquartett mit von der Partie). Schon beim ansehen der Fotos von den verschiedenen Stationen der Tour war klar, dass Adam wohl im etwas exaltierten Outfit einer längst untergegangen Zeit auftreten würde.
Mit seinem Hut, seinem als Krawatte gebundenen Tuch, seinem ganzen Habitus hatte er das Publikum schon im Griff, bevor er überhaupt zu singen begann. Um nach dem etwas hektischen Umbau wieder für Ruhe zu sorgen, begann er People in the first row - it's time to relax your mind - feel the silence... Anschließend spielte er mit That day ist eines seiner typisch romantischen und hochdramatischen Lieder. Ich habe im Folgenden nicht mitgeschrieben und deshalb nur in Erinnerung, dass Map of mistakes (you know what its about) Teil des Sets war und mich In the next life, besonders beeindruckte mit dem Versprechen: it will work out in the next life ... no trouble no disappointment, das alles sich selbst begleitend am Flügel bis auch die Violine einstimmte.
Guts hingegen war sehr lebhaft und mit wilden Taktwechseln, und bewies, dass da ein ordentliches Temperament in dem so bieder erscheinenden Adam Evald schlummert. Das war mir auch schon klar, nachdem ich zum ersten Mal Swimming in Romance gehört hatte, den Song, den er spaßig seinen Radiohit nennt. Darin wird nämlich aus enttäuschter Liebe gleich mal jemand ersäuft. Auch Dancing heart hat dieses romantische Ader mit Doppelboden. Das sehr traurige - mal ganz ohne doppelten Boden auskommende - Leaving über das Verlassen werden hat schließlich einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen erobert. In guter Erinnerung geblieben sind mir außerdem No more excuses, und One more day - alles dieser Beziehungsschlamassel....
Die romantische Musik von Flügel und Geige mit Evalds und manchmal auch Carolines Stimme erschufen eine wunderbare Atmosphäre, der alle in der Kellerhalle nur allzu gern verfielen. Aber Höhepunkte der Unterhaltung waren die zwei Songs, wo Adam den Flügel an Caroline abtrat und sich zum Entertainer am Mikro verwandeln konnte. Insbesonder in den Songs, wo er schwedisch sang. Kein Mensch konnte sich sicher sein, ob er uns nicht in seiner Heimatsprache wild auslachte oder gar beschimpfte und dazu einfach ein freundliches Gesicht und dramatische Gesten machte. Auf all das müssten wir nach den messerscharf ironischen Songs auf englisch eigentlich gefasst sein....
Teil des Abends war als dritte Komponente auch noch die Foto-Ausstellung Corner Space von Masha Bender. Mit Bildern die auf der ausgedehnten Tour des Vorjahres entstanden waren, hatte sie Foto-Mashups gestaltete, die sehr eindrucksvoll waren und prima in die Atmosphäre des Abends passten. Es war zufällig auch noch ihr 25. Geburtstag und wir ließen sie deshalb ordentlich hochleben. Wer sich einen Eindruck verschaffen will, kann z.B. auf instagram sehen, wie sie fotographiert.
(c) Masha Bender
Tourstationen
Im Juli folgte eine Chinatour und später, im September noch einmal Stationen in Russland...
Aus unserem Archiv: Adam Evald, Karlsruhe, 24.05.14 Adam Evald, Karlsruhe, 04.04.14
Konzert: Professor Gall Ort: Kellerhalle in Karlsruhe Datum: 24. Mai 2015 Dauer: 50 min Zuschauer: etwa 40
Die unruhige Truppe unter dem Namen Professor Gall macht Musik, die von den Ohren direkt ins Rückenmark geht. Sie selbst nennen es Junkyard Folk & Steampunk Jazz - ein bisschen archaisch, ein wenig sarkastisch in den Texten, ein wenig so, dass es wohl für jede und jeden zu Situationen des eigenen Lebens passt. Sie ziehen zielsicher die Aufmerksamkeit in jeder beliebigen Fußgängerzone auf sich und sind beim näheren hinschauen und hinhören sehr herzliche und aufmerksame Zeitgenossen.
Deshalb war ich wirklich
beglückt, als sich die Gelegenheit bot, ihnen in der Kellerhalle bei ihrem Kunststück von nahem, an einem sehr passenden Ort und in bester Gesellschaft zuzusehen. Prof. Gall ist in erster Linie Drew Norman, der in der Kellerhalle als einzigen Begleiter Andrew Alikhanov an der Klarinette dabei hatte und selbst mit Gitarre bzw. Banjo und Holzblock-Tambourine (stompbox) agierte. Zu Hause in Portland (OR) werden es auch leicht mal sechs Personen und mehr auf der Bühne und die Bläser blasen wie zum jüngsten Gericht....
Die Darbietung in der Kellerhalle war wie erwartet temperamentvoll und mit trockenem Humor gewürzt. Das Publikum überließ sich willig der rauen und lockenden Stimme, klopfte den Takt mit dem Fuß, lachte wissend über solche Songs wie Whisky was the medicine und klatschte enthusiastisch Applaus.
Höhepunkt war eine finale Wanderung durch das Publikum mit ganz unverstärkter Durchschlagskraft.
Konzert: Christine Owman Ort: Kellerhalle in Karlsruhe Datum: 24. Mai 2015 Dauer: 65 min Zuschauer: etwa 40
Die Schwedin Christine Owman wollte ich schon seit Ewigkeiten einmal live erleben. In der Konstellation als frühes Mitglied von Golden Kanine (zu Zeiten der Wahnsinns-Debut-Platte), als Mitglied der Glitterhouse-Familie seit 2012 (und dem Auftritt beim Familienfest OBS 2013) und ebenso als Partnerin von Soko auf vielen ihrer Touren gab es so viele verschiedene Gründe, mich für sie zu interessieren und auch zu begeistern. Deshalb war ich wirklich beglückt, als sich die Gelegenheit bot, sie nach Karlsruhe zu locken. Mit dem Beistand und wegen des Enthusiasmus des Teams in der Kellerhalle war schließlich der Deal für den Pfingstsonntag erfolgreich eingefädelt und ich habe mich schon Monate auf diesen Abend gefreut.
Für diesen Abend hat sie neben ihrem Cello noch an der Gitarre Robert Wegner und am Bass Neil Keener von Wovenhand dabei. Fast alle Songs wurden durch Sound vom Computer und Projektionen in dramatischer Weise unterstützt. Das Konzert begann mit One of the folks sehr dunkel mit dräuenden Beats und Bass und Weltuntergangsstimmung. Wie ein erster (vager) Hoffnungsschimmer erschien mir da das Einsetzen ihrer so typischen Stimme.
Das Set blieb auch danach überwiegend sehr dunkel. Selbst mit Ukulele konnte Christine Owman diese Stimmung herstellen - z.B. beim Song Apart (wo zappelnde Oszillationen als Projektion benutzt wurden). Die Gitarre spielte flirrend und schließlich setzte eine singende Säge in der Liveversion den dramatischen Höhepunkt.
Für das nächste Stück Dance verließ sie ihren Stuhl "tanzte" - behauptete jedoch, sie sei not Dancing for you - begleitet von roboterhaftem Maschinensound. Der Song Familiar act ist auf dem aktuellen Album ein Duo mit Mark Lanegan und zieht auch einen guten Teil seiner Faszination aus dem Dialog zwischen Frauen- und Männerstimme. Trotzdem überzeugte mich die Liveumsetzung ohne den berühmten Partner ganz und gar.
Als Rausschmeißer für den Abend war Devil's walk mehr als gut gewählt. Auf der Leinwand sah man "Paaren", tanzen, wo Frauen sich jeweils eine Mann als Puppe anmontiert hatten. Das wirkte nur an der Oberfläche lustig und war - unterlegt von der stampfenden und repetitiven Musik eher schräg bis beängstigend anzusehen. So falsch und künstlich.
Das Publikum war vom ersten Moment an gebannt dabei gewesen und wahrhaftig nicht sparsam mit Applaus. So verwundert es nicht, dass nach Devil's walk noch um Zugaben geklatscht wurde. Es gab als Extra zunächst Sinners, das Christine solo mit Ukulele begann, um dann später Cello über die Ukulele-Loops zu legen.
Für das endgültig letzte Lied waren die beiden Männer wieder dabei und die Dramatik wurde noch einmal maximal: Deathbed hat den fordernden Refrain: Would you regret it on your Deathbed? Und stellt mit Leichtigkeit alle Gewissheiten in Frage während im Hintergrund die Brücke über den Tacoma Sound zusammenbricht. Mir bestens vertraute Bilder, die - einmal gesehen - meine Idee davon, was möglich und unmöglich ist, gründlich auf den Kopf gestellt hatten (seitdem fehlt der Film nie in meiner Vorlesung über Modellierung von Wellen). Ein wahrhaft perfekter Abschluß eines dramatisch herrlichen Abends in der Kellerhalle.
Konzert: Eliza Rickman mit Support Stanley Roy Williamson und Tina Löffler Ort: Kellerhalle in Karlsruhe Datum: 18. April 2015 Dauer: 20 min + 60 min Zuschauer: etwa 60
Meine Liebesaffaire mit der Kellerhalle hatte mit dem Konzert von Zoë Boekbinder begonnen. Um so passender fand ich es, dass ich Eliza Rickman an diesem Ort zum ersten Mal begegnen würde. Im November hatte Eliza ihre Fühler für eine mögliche Europatour vorsichtig ausgestreckt und war dabei Tipps von Zoë gefolgt (die hatte Kellerhalle ein dickes Lob-Sternchen).
Mir war ihr Name im Zusammenhang mit dem Margaret-Projekt von Jason Webley ins Auge gefallen und anschließend ins Herz. Ich hatte das Gefühl, dass sie im November zwar mit der Idee spielte, aber nicht recht daran glauben konnte, dass es funktionieren könnte. Aber in gemeinsamer Anstrengung vieler Musikenthusiasten haben wir sie schließlich über den Ozean zu uns gelockt. Und am Ende fiel es so, dass ich zu meinem Geburtstag das Geschenk eines unvergesslichen Abends in der Kellerhalle erhielt und ihn mit meinen Lieben teilen konnte.
Eliza Rickman zu erleben ist spektakulär: Es ist ein Spektakel; ein Spaß, bei dem einem immer wieder das Lachen im Hals stecken bleibt, aber auch unterhaltsam, abwechslungsreich, facettenreich und mitreißend. Eine Prinzessin, eine Diva. Aber ganz dem Publikum zugewandt, immer mit einem Augenzwinkern. Ihre Stimme hat mich gleich gefangen genommen, aber auch die Arrangements haben es in sich. Die Instrumente des Abends in der Kellerhalle waren schließlich: Der Kellerhallen-Flügel, ein rosa Spielzeugklavier, ein Glockenspiel, diverse Glocken, eine Vogelpfeife, eine Ukulele und eine Autoharp.
Was ich im Vorfeld verschlafen hatte, war ihre Entscheidung sich auf die letzte Minute Stanley Roy Williamson als Begleiter für die Tour einzuladen, der mit seiner Ukulele eine schillernde, Versatile und bejubelte Performance ablieferte. Er hat eine warme Stimme und gab halb den Clown, der mit seinem Imaginary friend spricht, halb den Künstler, der uns ganz und gar sein Herz ausschüttete darüber wie er unter dem Disco light den richtigen fand.
Sehr angenehm war es, dass Eliza nach dem Set von Stanley sofort mit ihrer Autoharp den Teil des Abends eröffnete, auf den alle im Publikum so gespannt waren. Ihr erstes Lied Fools rush in führte uns ihre stimmlichen Fähigkeiten gleich sehr eindrücklich vor und setzte im Finale noch eins drauf, als eine Spieluhr das letzte "Wort" erhielt. Klar, dass ihr in diesem Moment schon alle zu Füßen lagen. Etwas ernsthafter und mir sehr vertraut war der Song Devil's flesh and bonesvom O, you Sinners-Album (2012). Sie nutzte hier den Flügel und ein Metronom als Percussion. Und das wirkte sehr eindrücklich.
Ich musste mir später von meiner Familie allerhand Vorhaltungen gefallen lassen, dass ich bei der Frage, wer The Princess bride kennt, aufgezeigt hatte. Falls meine Familie recht hat und dieses Film-Kleinod noch nicht allgemein zum Kult-Gut zählt, bitte unbedingt an einem regnerischen Tag von ihm verzaubern lassen. Das hiervon angeregte Lied Dove of mine jedenfalls war hinreißend und zum Kult taugend, gab es doch neben einer mitreißenden Performance am Flügel auch noch ein Vogelpfeifen-Solo. Anschließend wechselte Eliza auf ihr Spielzeugklavier für einen ihrer Klassiker
Start With Goodbye, Stop With Hello. Das mit seinem bezaubernden Dreiertakt sofort im Ohr hängen bleibt.
Gar nicht niedlich war ihr Song Pretty little head - auch wenn die Instrumentierung mit Glockenspiel das wahrscheinlich scheinen lassen könnte. Im Gegenteil - er war ganz schön gruselig (und das bei so einer eingängigen Melodie!). Und mit ihrem Cover von Moon river ließ sie uns danach gar das Blut in den Adern gefrieren. Der Klang der Glockenspielstäbe, wenn sie mit einem Geigenbogen gestrichen werden, hat einen wirklich furchterregenden und zugleich doch auch faszinierenden Sound.
Als Unterstützerin des Margaret Projektes kannte ich schon das nächste Lied Lark of my heart, das durch ein Hochzeitsfoto angeregt wurde. Und Black rose - das erste Stück des 2012er Albums, das wieder auf dem Spielzeugklavier begleitet wurde. Manchmal sind ja herausfordernde Spielchen zu etwas gut. So wie der Vorstatz, 20 songs in a day zu schreiben. Vielleicht sind dann zwei davon ganz gut und so etwas schönes wie Only for today entsteht unter dem Druck.Oder ein ganz neues Instrument. Jason Webleys Drängen verdanken wir wohl den wunderschönen Ukulele-Walzer Waiting around again(jedenfalls berichtete Eliza uns das so).
Natürlich trampelten anschließend alle um eine Zugabe. Und Stanley und Eliza bedienten sich am Pophimmel und coverten Dark horse. Glücklicherweise wurde mir die Peinlichkeit erspart, meine radiohörende Tochter fragen zu müssen, was für ein Song das war, weil ich es erst kürzlich in einem Indie-Konzert als Cover gehört hatte.... Ein einmalig bezaubernder Abend war damit leider zu Ende. Aber die Freude im Herzen wird nicht so schnell erlöschen!
Für Tina Löffler kamen wir etwas zu spät an.
Setlist: 01: Fools rush in 02: Happy birthday 03: Devil's flesh and bones 04: Dove of mine 05: Start with goodbye, Stop with hello 06: Pretty little head 07: Moon river (cover) 08: Lark of my heart 09: Black rose 10: Only for today 11: Waiting around again 12: Dark horse (Kate Perry cover, mit Stanley Z)
Tourdaten: 14.04. Berlin House Concert 15.04. Berlin Ä 16.04. Berlin Madame Claude 17.04. Frankfurt Cowhide House Concert 18.04. Karlsruhe Kellerhalle 19.04. Adorf Scala Adorf 20.04. Leipzig Basislager 21.04. Köln Kulturlichtung 22.04. Duisburg Ketan & Petra’s Living Room 23.04. Wuppertal Bürger Bahnhof 24.04. Stuttgart In die Wohnzimmer 25.04. Bern Theaterplatz 2 29.04. Zürich Kafi für Dich 30.04. La chaux de fonds Le Entree’ Deux 01.05. Bern Progr 03.05. Zürich Wohnzimmer Bar
Konzert: Marianne Dissard mit Support Allyson Ezell Ort: Kellerhalle in Karlsruhe Datum: 27. Februar Dauer: 30 min + 80 min Zuschauer: 60-70
Was war das jetzt eigentlich gewesen? Das fragten wir uns nach dem denkwürdigen Konzert in ehrlicher Bewunderung. Da waren aber diverse Schubladen ganz elegant und ordentlich zu Kleinholz gemacht worden... Und der Staub hat sich auch heut - 14 Tage später noch nicht so recht wieder gelegt.
Ich hatte mich schon sehr lange auf den Abend gefreut und besonderes erwartet. Die Atmosphäre der Kellerhalle musste einfach perfekt für so eine expressionistische Künstlerin passen und das Publikum (also auch ich) ganz nah dran! Aber am Ende war es noch viel ungewöhnlicher und auch ein bisschen verstörend gewesen, was wir da gerade erlebt hatten. Ein wenig Zirkus, viel Show, und Musik mit vollem Einsatz.
Marianne Dissard hatte sich (wie im Herbst 2014 schon) den Pariser Gitarristen Yan Péchin und die amerikanische Sängerin Allyson Ezell (die derzeit in Paris lebt) als Band mitgebracht. Darüber hinaus einen jungen Percussionisten Bumby aus Paris. Die bunte Truppe brachte auch noch die Kunstwerke von Dan Glasser und Anthony Vallon mit, die von den auch als Best boys fungierenden Bastien Forestier Rischard und Jonathan F. Kugel in Szene gesetzt wurden als Bühnenausstattung. Alles in allem waren also sechs Leute on the road.
Als ich kurz vor dem anberaumten Konzertbeginn ankam, hielt gerade ein kleiner Transporter an und es stieg ein Rudel Leute aus. Oh, Teile der Band kam wohl gerade noch von einer Besorgung? Nein, tatsächlich hatte es die Dissardsche Roadshow gerade erst bis in die Karlsruher Oststadt geschafft und musste in Windeseile aufbauen und den Sound konfigurieren und war wahrscheinlich auch total erledigt von einer furchtbaren Fahrt. Aber alles wurde professionell effektiv tatsächlich in etwas weniger als 30 min gemeistert und gleich noch ordentlich Stimmung gemacht.
Nur wenig später als sonst in der Kellerhalle üblich ging es mit dem Set von Allyson Ezell los. Sie hatten den noch sehr jungen Burschen Bumby für einen großen Teil des Sets als Unterstützung an einem elektronischen Drumset dabei. Für fast alle im Raum war sie ein gänzlich unbeschriebenes Blatt. Das änderte Allyson in der nächsten halben Stunde mit ordentlich Feuer und präsentiertem musikalischen Können.
Im ersten Song Landmine klappte dem Publikum die sprichwörtliche Kinnlade fast hörbar herunter: was für eine Stimme!! Im zweiten Song rappte Allyson ihren Namen und sorgte damit für viel Lachen und auch etwas Alberei. Ähnlich Rhythmus-zentriert war wenig später auch Pick it up. Immer wieder lustig ist es ja, wie gern die uralten Omnichords eingesetzt werden. Auch hier verfehlte es nicht seine Wirkung in Beat this drum. Für Talk to me wurde vom Computer einiges zu- und unterfüttert, was aber ganz rund wirkte und die Musik gut abrundete. In der Kloschlange war jedenfalls die einhellige Meinung - WAS WAR DAS!? (im besten Sinn)
Das Set von Marianne begann, indem ihr Gitarrist die Bühne betrat und zunächst fast unbemerkt zu spielen begann. Er war über den ganzen Abend für mich ein ganz und gar faszinierender Künstler. Sowohl in dem was er uns zu hören gab als auch ihm dabei zu zu sehen. Oiseau ist ein sehr expressives Stück und braucht für die musikalische Entwicklung einen langen Atem. Es erscheint mir deshalb einigermaßen mutig, ein Set mit so einem Lied zu beginnen, weil erst einmal wenig fassbares passiert. Aber das Publikum ging zum Glück gleich gut mit. Fahrt nahm das Set dann anschließend mit Election auf und Bumby unterstützte ab hier an den E-drums.
Das danach folgende Mouton Bercail ist ein Lied, fast wie man es von Mariannes älteren Platten kennt. Dem französischen Chanson nicht unähnlich. Wenngleich gesanglich bei ihr eigentlich immer die große Geste fehlt. Besonders im Gedächtnis geblieben ist allen wahrscheinlich die Nummer Les confettis, weil es dabei echt albern wurde und mit abschließendem Konfettiregen zur Sache ging. Auch White Wedding war eine echt krasse Show. Anschließend wurden die Kostüme getauscht. Bumby kam im Halloween Kostüm und auch die zwei Sängerinnen waren nun fast ganz in Schwarz gekleidet.
Tortue nahm fast den rhythmischen Sprechgesang von Allyson Ezell auf. Es hat eine ziemlich drängende Basslinie und ließ Yan Péchin ordentlich Raum, seine Gitarre zu quälen. Doll Circa handelte anscheinend von misshandelten Barbie-Puppen und war mehr Sprechgesang und Soundkulisse für einen Film im Kopf. Die Gitarre durfte wieder ordentlich kreischen und brummen. Etwas albern ging es in Pomme zur Sache mit Mundharmonika und Banjo und Kinderreimen.
Je ne le savai pas war etwas bombastisch trotz des Wiegenrhythmus. Die Best Boys machten Backgroundchor aus dem Publikum und schunkelten ordentlich. Anschließend wurde das Tempo heruntergefahren. Am letzten war extrem introvertiert und fast nur gehaucht. Und auch das allerletzte Stück bestand im wesentlichen aus Sprechgesang und Gitarrensound: Le draps sourds übersetzte sie spontan auf Deutsch, denn im Gegensatz zur beschwingten Fassung auf CD war es eher ganz auf den Text orientiert.
Ein bisschen plötzlich war das Konzert damit zu Ende. Es gab keine Zugaben, da konnte der Saal noch so toben. Marianne und Allyson standen etwas später hinten am Merch und waren ganz offensichtlich ziemlich hin. Marianne konnte gar nicht mehr sprechen. Wie sie das Konzert eben noch geschafft hatte...? Chapeau! Und - ich bin immer noch ganz erleuchtet von diesem besonderen Abend in der Kellerhalle.
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