Posts mit dem Label Árstíðir werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Árstíðir werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 6. November 2016

Árstíðir, Reykjavík, 04.11.16

0 Kommentare

Konzert: Árstíðir
Ort: Fríkirkjan in Reykjavík (Iceland Airwaves)
Datum: 4. November 2016
Dauer: 40 min
Zuschauer: volle Kirche (vielleicht 300)


Die tollen Bilder sind von Claudia - Vielen Dank!

Ich hatte schon darüber berichtet, dass in der Überfülle das Iceland Airwaves Programms ein Abend für mich von Anfang an geplant war: Freitag Abend geht es in die Kirche. Das lag vor allem daran, dass das offizielle Konzert von Árstíðir hier angekündigt war - ausgerechnet an dem Ort, den ich per Video schon von den Weihnachtskonzerten kannte. Wie sehr hatte ich mir immer gewünscht, einmal bei so einem Weihnachtskonzert dabeisein zu können. Nun gab es immerhin eine ziemlich gute Näherungslösung, die möglich werden könnte.  Lustigerweise war als zweite Band des Abends in der Kirche Mugison angekündigt, über die ich vor 2 Jahren bei einem Weihnachtsdeal gestolpert war und die ich mir live unbedingt mal näher ansehen würde. Der Abend würde von Ólöf Arnalds (Cousine von Ólafur) abgerundet werden, deren Musik ich kenne, nicht aus ganzem Herzen toll finde, wo man aber mal sitzen bleiben könnte.


Ein Nachteil des eigentlich für meine Bedürfnisse perfekten Konzertortes war, dass ich mir nicht sicher war, ob das kleine Gotteshaus dem Ansturm gewachsen sein würde, weshalb ich mich schon zeitig auf den Weg machte. Zum Glück war es ein klarer Abend und der Blick auf den großen See am Rathaus nicht zu verachten. Durch die Kirchenfenster konnte man im erleuchteten Innenraum Eindrücke vom Soundcheck stibitzen und den Raum bewundern. Das war ein bisschen wie Nase plattdrücken an der Weihnachtsstube. Die Besetzung war genau die Gleiche wie am Mittwoch (insgeheim hatte ich ja auf die eine oder andere Überraschung gehofft...). Mit der Zeit wurde es freilich einen Tacken zu kalt und im nachhinein war klar, es hätte auch gereicht, erst etwa 20 min später vor Ort zu sein - aber hinterher ist man ja immer schlauer. Eingelassen wurde schließlich 15 min vor Konzertbeginn und der Kirchenraum war schön warm und anheimelnd.
 


Das Konzert begann dann fast auf den Punkt und wieder mit den zwei ersten Songs vom aktuellsten Album Hvel. Das zweite - Things you said - endete sehr emotional und für den Raum sehr passend mit einer regelrechten Geigenhimmelfahrt. Es folgte wie schon im Set am Mittwoch etwas neues Material, wobei das zweite Stück regelrecht rockig und stürmig wirkte und mit einem dramatischen Abbruch ein ordentliches Ausrufezeichen setzte. Auf Wunsch der neuen Managerin folgte Shine. Eines der Stücke, in dem ich bei jedem hören ganz und gar zergehen könnte und mich hinterher ermutigt fühle. Auch Nú gleymist ég ist so eine sichere Bank mit der unwerfenden Dramatik im Mittelteil. Die anschließende Ansage, dass nun You again, dran wäre, wurde mit spontanen Juchzern aus dem Publikum beantwortet. Leider war hier schon klar, dass es nun auf das Ende zugehen würde.
 


Das so wohlbekannte und herrlich dramatische Stück Shades wurde als Abschluss wieder ganz packend inszeniert und blieb in seiner Dramatik nicht hinter z.B. mit Moschpit ausgestatteten Konzerten zurück. Es schickte uns alle mit einem gigantischen Ausrufezeichen ins Festivalgeschehen zurück. Wohl der Kürze der Zeit geschuldet, gab es fast keine Ansagen außer den Bezug zu ihren ersten Schritten 2008 in dieser Kirche und zur Tradition der Weihnachtskonzerte daselbst - insgesamt also wirklich heimatlich.  Der rundum hervorragende Eindruck von Musik, Atmosphäre und enthusiastischem Publikum wurde nur dadurch geschmälert, dass es einfach zu früh schon wieder zu Ende war.


Setlist:
01: Himinhvel
02: Things You Said

03: Someone who cares
04: neu
05: neu
06: Shine
07: Nú gleymist ég
08: You again
09: Shades

Aus unserem Archiv:
Árstíðir, Reykjavík, 02.11.16
 
Árstíðir, Esslingen, 23.04.16
Árstíðir, Gera, 25.04.14
Árstíðir, Berlin, 08.04.12 
Alle Konzertberichte vom Iceland Airwaves 


Freitag, 4. November 2016

Árstíðir, Reykjaviík, 02.11.16

0 Kommentare

Konzert: Árstíðir
Ort: Petersen Suite in Reykjavík (Iceland Airwaves)
Datum: 2. November 2016
Dauer: 35 min 
Zuschauer: knapp 100

(c) Claudia

Árstíðir hatten kürzlich verkündet nur noch als Trio weiter zu machen, als Kernmannschaft sozusagen mit
  Daniel Auðunsson (Gitarre),
  Ragnar Ólafsson (Piano) und 
  Gunnar Már Jakobsson (Gitarre).

Immerhin hatte ich sie erst im April in Esslingen gesehen, aber ich versprachen mir schon ein besonderes Erlebnis davon, sie in Island zu sehen. Im Rahmen des Iceland Airwaves Festivals gab es dafür fünf Chancen: vier in ungewöhnlichen Orten (sogenannte Off-Venues) und eine offizielle Show in einer Kirche. Der Nerd in mir hätte natürlich am liebsten alle fünf eingesammelt und sich an der Fülle ergötzt - andererseits ist das Programm in Reykjavík einfach zu gut, als dass man dafür dann nicht andere tolle Sachen verpasst. 
  

So war mein Plan, die erste Gelegenheit am Mittwoch Abend zu nutzen und die Kirchenshow am Freitag zu versuchen. Wohl wissend, dass es in den kleinen Venues bestimmt ordentlich eng wird und man vielleicht gar nicht dabeisein kann. Vielleicht wäre also ein Gelingen dieses ersten Versuches ein gutes Omen für das ganze Festival?? Tatsächlich aber hatte ich mir selbst vor dem eigentlichen Festivalbeginn klein geredet, dass ich ganz und gar nicht für solche Situationen gemacht bin. Zur Sorge um das Heineinkommen kam schließlich noch die Sorge um das rechtzeitige Ankommen, die nicht dadurch gebessert wurde, dass im Theater erst die dritte Person wusste, wie es zur Petersen Suite geht und der Weg nur per sehr erratisch funktionierendem Fahrstuhl zu bewältigen war. Der war wohl auch zum Engpass für die Band geworden, denn als wir nur kurz vor Beginn ankamen, waren die Instrumente noch nicht einmal am Mischpult angeschlossen... 
 

Aber immerhin waren wir da - sogar noch rechtzeitig für das Konzert und wir konnten uns - wenn auch etwas mühsam - hineinquetschen. Tatsächlich waren sie zu fünft zum musizieren versammelt (selbst ein wenig gequetscht) mit Jean-Samuel Bez als für mich neuem Geiger und Guillaume Lagraviere als erprobtem Gast am Cello. Der Ort war eigentlich wunderbar gediegen gemütlich, aber leider war der Platz als Konzertort nicht gut genutzt. Recht große runde Tische standen da, wo eigentlich gern Publikum gelauscht hätte. Schließlich wurde die Tür zum Dachgarten aufgemacht, um ein paar mehr Leuten wenigstens das Hörerlebnis zu ermöglichen (allerdings regnete es draußen in Strömen). 

(c) Claudia
Mit schließlich nur zehn Minuten Verzug begann das Konzert traditionell mit den beiden ersten Stücken vom aktuellen Album: Himinhvel und Things you said. Das war am Anfang tatsächlich ein bißchen wacklich so fast ohne Soundcheck aber trotzdem vom Start weg souverän und intensiv. Und es wurde eine wunderbare halbe Stunde: Emotional hoch und höher mit einem nur etwa halbstündigen Best off (wie z.B. das einfach nicht alternde Ljoð í sand). Die Ansagen waren wegen der knappen Zeit auf ein Minimum reduziert. Als auf die Frage Wer spricht isländisch? kaum ein paar Hände aufzeigten war auch klar, dass die Band viele ihrer in der ganzen Welt gewonnen Fans - so wie mich - nach Island gelockt hatte. Es wurde nach Wünschen gefragt, aber die von Stefanie geäußerten wurden  leider nicht erfüllt. Als I-Tüpfelchen gab es aber ganz neues und wunderbares Material und so war es zwar ein für mich zu kurzes Konzert, aber sehr intensiv und vielleicht wirklich mein erhofftes gutes Omen für die Tage im Reykjavík.




Aus unserem Archiv:
Árstíðir, Esslingen, 23.04.16
Árstíðir, Gera, 25.04.14
Árstíðir, Berlin, 08.04.12 
Alle Konzertberichte vom Iceland Airwaves  
 

Samstag, 30. April 2016

Árstíðir, Esslingen, 23.04.16

0 Kommentare

Konzert: Árstíðir mit support The Anatomy of Frank (solo)
Ort: Kulturzentrum Dieselstrasse in Esslingen
Datum: 23. April 2016
Dauer: 45 min + 80 min
Zuschauer: etwa 200


Wenn man auf die Archivdaten unten schaut, könnte der Eindruck entstehen, wir hätten alle zwei Jahre im April ein Verabredung mit Árstíðir. In Wirklichkeit ist mein Bedürfnis nach so innigen Konzerterlebnissen viel größer, aber wir haben eine Geschichte darin, uns zu verpassen (*). Auch diesmal war die Planung weniger optimal, als die geographische Nähe zwischen Karlsruhe und Esslingen vermuten lassen würde, denn ist die Zug-Verbindung zwischen Karlsruhe und Stuttgart schon tagsüber mehr eine Lachnummer, so wird es nach 22 Uhr komplett traurig und um das Elend voll zu machen, endeten wegen Bauarbeiten auch noch die späten Züge aus Stuttgart in Pforzheim. 


Ich hatte fieberhaft bis zum letzten Moment nach Alternativen gesucht, musste aber mit der Variante leben, erst gegen 3 Uhr nachts aus Esslingen zurück zu sein - mit 6 km Nacht-Radtour als Finale (+). Was für sich genommen noch ginge - zumal an einem Samstag - erschien mir aber im Kontext meines viertägigen Konzert-Marathons eher wie ein Schuß ins Knie. Trotzdem gab es keine Ausweichmöglichkeit und ich machte mich also etwas fatalistisch auf den Weg nach Esslingen. Was in Anbetracht der Tatsache, dass ich mir von dem Abend eines der Konzerthighlights des Jahres versprach, schon irgendwie schräg war.


Aber alles ging gut und ich habe es auch besser weggesteckt als gedacht. Im Nachhinein kann ich mir nur selbst sagen - Ja, es wäre komplett bescheuert gewesen, nicht zu fahren (selbst wenn ich danach ganz im Eimer gewesen wäre).  Denn es war einfach wunderbar: Ein einladender Konzert-Ort, nette Leute angetroffen, aufmerksames Publikum, bestens aufgelegte Künster, herrliche Zusammenarbeit zwischen beiden Bands und natürlich diese himmlische Musik aus Island, die live einfach noch einmal in der Intensität quadriert wird. Definitiv ein Highlight des laufenden Jahres. Ja!


Dabei ist es schon ein bisschen lustig, was für einen Narren die gestandenen Isländer an Kyle Woolard  aus Charlottesville gefressen haben - dem Kopf der Band The anatomy of Frank. Schon im letzten Jahr, als Kyle bei uns im Wohnzimmer Station gemacht hatte, war er anschließend in Österreich mit Árstíðir unterwegs gewesen und anscheinend hat es ihnen so gut miteinander gefallen, dass es dieses Jahr eine Neuauflage gab. Wenn ich bei meinem Bild der Weihnachtsfeiertage bleiben will, war das tatsächlich der zweite Weihnachtstag mit dem Chor-Hochamt und Kyle machte den Kindergottesdienst zum Boxing day. Er begann sein Konzert mit dem Spruch: Welcome to English lesson. Wobei wahrscheinlich Erdkunde die zutreffendere Beschreibung gewesen wäre, denn mit seiner Setlist ging es einmal quer durch Amerika.


Die Konzerte mit Kyle sind immer wirkliche Erlebnisse. Das liegt einerseits an seiner authentischen Art, zweitens daran, wie er die akustische Gitarre einsetzt und dabei wie ein Rocker tanzt, aber auch daran, dass er der geborene Entertainer ist. Auch diesmal erhielten wir zwischen den Songs z.B. Ratschläge für mehr Selbstvertrauen und Zaubertricks, die natürlich herzliche Lacher ernteten. Aber auch die richtige Dosis Mitsing- und Mitwipp-Nummern. Als Reaktion auf die Peinlichkeit, im gleichen Land wie Trump leben zu müssen, verkaufte er Elvis als großen US-amerikanischen Singer/Songwriter  und bot uns eine köstliche Version von Only fools rush in. Das allein wäre schon eine wirklich lohnende dreiviertel Stunde gewesen.



Aber im Set gab es überdies zweimal Unterstützung durch Árstíðir, nämlich bei Minnesota (Karl mit seiner Geige wurde angesagt und die anderen schlichen sich später dazu) und bei Occupy Anchorage in voller Besetzung. Und das ist natürlich weder selbstverständlich noch ließ es das Publikum kalt. Die Lieder durften so ganz besonders funkeln und glänzen und als wir dann im Finale bei Vancouver sogar zweistimmig Mitsingen durften, da groovte der Saal ordentlich und Kyle hatte alle da, wo er sie haben wollte: zu seinen Füßen!


Setlist:
01: Blurry
02: Minnesota pt. 1
03: Patagonia

04: Ecuador
05: Only fools rush in (Elvis Cover)
06: Occupy Anchorage
07: Vancouver (for child astronauts)


In der Pause zeigte sich, dass Kyle tatsächlich ordentlich gepunktet hatte weil sich eine Schlange am Merchstand bildete. Jede/r erhielt obendrauf noch ein Lächeln, das die Sonne im Raum aufgehen ließ. So musste ordentlich geläutet werden, damit sich alle für die Band des Abends wieder im Saal einfanden. Diesmal waren die Isländer zu fünft auf der Bühne, nämlich mit Guillaume Lagraviere  als Gast am Cello und den vier aktuellen Bandmitgliedern

  Karl Aldinsteinn Pestka (Violine),  
  Daniel Auðunsson (Gitarre),  
  Ragnar Ólafsson (Piano) und   
  Gunnar Már Jakobsson (Gitarre). 


Für den Abend hatten sie als Anfang die ersten drei Songs des aktuellen Albums Hvel gewählt und so startete es mit Düsternis und dem Cello fast etwas bedrohlich bis schließlich die tröstlichen Stimmen darüber das erste Mal DEN Trumpf der Musik von Árstíðir ausspielten. Das zweite Lied setzte dann rhythmische Akzente, war dabei aber doch auch eher sehnsuchtvoll und endete mit einem himmelwärts gerichteten Abschluß der Geigenstimme. Das dritte - Someone who cares - lebte für mich wieder sehr stark vom Satzgesang also dem "typischen" Árstíðir-Kosmos, war damit aber trotzdem sehr eindrücklich. Die Band hatte vor Esslingen zwei Tage ohne Konzerte geplant gehabt und sich kurzfristig am Donnerstag für ein Trio-Konzert im Galao in Stuttgart entschieden. Sie erzählten, dass sie vorher Stuttgart eigentlich eher doof fanden, aber dieser Abend ihr Bild der Stadt deutlich verändert hätte.


Bei dem sehr innigen Við dagsins hnig merkte ich wieder, wie ich doch immer noch das zweite Album der Isländer besonders nah am Herzen trage. Wobei das wohl eher daran liegt, das unsere Bekanntschaft so begann und ich die Lieder alle im Schlaf mitsingen könnte. Mir fiel diesmal auf, dass sich die eher knappen Ansagen zu den Songs auf alle vier Musiker verteilten. Karl erzählte uns z.B. etwas verschmitzt davon, was sie für einen Spaß gehabt hätten an der Musik für das Videospiel The Banner Saga 2 beteiligt zu sein (z.B. Our steps, to the night) bevor er Days and nights anstimmte.


Auch Nú gleymist ég ist vom zweiten Album und begeistert mich immer neu schon mit dem plinkernden Klavierintro. Aber der intensivste Moment war vielleicht (wieder) der Song Shine vom aktuellen Album, der mir auch schon in Gera Ganzkörper-Gänsehaut verursacht hatte. Man hört die Weite des Weltraums und die Einsamkeit und die Entschlossenheit, sich davon nicht entmutigen zu lassen. Ein ergreifender Moment ohne Eiapopeia.


Der neuste Tonträger der Band - eine Zusammenarbeit mit der ehemaligen The Gathering Sängerin Anneke van Giersbergen - ist Verloren Verleden. Die Mischung der Platte ließ es zu, auch einen streunenden acapella Song von Árstíðir  aufzunehmen: Þér ég unni verfehlte seine Wirkung auf das Publikum und auf mich natürlich nicht und war ein weiterer emotionaler Hochpunkt. Dabei ist ja mein heimliches Lieblingslied nach wie vor Ljoð í sand und hier liefen mir dann wirklich die Tränen, als Kyle den Gesangspart übernehmen durfte und dies bravourös erledigte. Die Vorgeschichte dazu ist nicht so nett, denn als die Band letzten Herbst eine Tour in den USA gebucht hatten (auch mit Kyles Band im Vorprogramm), saßen sie in Kanada fest, denn die US-Behörden waren von einer Hacker-Attacke für lange Zeit lahm gelegt und konnten die Visa nicht rechtzeitig ausstellen. Damals hatten Karl (der ein Arbeitsvisum für die USA hatte) und Kyle ein Notprogramm eingeübt.


Ein großartiges Finale war Shades mit dem Streichergewitter, das auch sichtbare Spuren an Karls Bogen hinterließ. Ein echter Knaller als Schlußpunkt. Natürlich wurde anschließend um Zugaben geklatscht und es gab noch ein herrliches Lied vom ersten Album - Ages - und anschließend im Publikum eine weitere acapella Performance. Mit übervollen Herzen verließen alle den Saal und werden noch lange von diesem bewegenden Abend erzählen.


Setlist:
01: Himinhvel
02: Things you said
03: Someone who cares 
04: Moonlight
05: Við dagsins hnig  
06: Shine
07: Ljoð í sand (feat. Kyle)
08: Á meðan jörðin sjefur
09: Þér ég unni
10: Nú gleymist ég
11: Silfurskin
12: Systir
13: You again
14: Shades

15: Ages (Z)

17: Góda veslu göra skal (Z)


(*)  Es gibt Leute in Deutschland, die machen das irgendwie besser...
(+) Also etwa 3 1/2 Std. für 80 km... Wohlgemerkt - das Problem ist nicht die Anbindung von Esslingen (wo selbst gegen Mitternacht noch im 10 min Takt S-Bahnen in die Stadt und zusätzlich RB/RE-Züge zum Hbf alle 15-20 min fuhren), sondern die Verbindung der Landeshauptstadt zur zweitgrößten Stadt des Landes BaWü.

Aus unserem Archiv:
The anatomy of Frank, Karlsruhe, 12.03.15
Árstíðir, Gera, 25.04.14
Árstíðir, Berlin, 08.04.12 


Tourdaten:
15.04. Christuskirche, Hagen
16.04. Alte Brauerei e.V., Annaberg-Buchholz
17.04. Feierwerk, München
18.04. Dreikönigskirche, Dresden
19.04. Colos-Saal, Aschaffenburg
20.04. Cafe Mokka, Thun

22.04. Cafe Galao, Stuttgart
23.04. Dieselstraße, Esslingen
24.04. E-Werk e.V., Erlangen
26.04. Auster-Club, Berlin
27.04. Savoy-Kino, Bordesholm
28.04. Folkbaltica @ Auferstehungskirche, Kappeln
29.04. Folkbaltica @ St. Jürgen Kirche, Flensburg



Samstag, 26. April 2014

Árstíðir, Gera, 25.04.14

2 Kommentare

Konzert: Árstíðir im Rahmen der Geraer Songtage
Ort: Trinitatiskirche Gera
Datum: 25. April 2014
Dauer: 90 min
Zuschauer: etwas mehr als 200 

Foto (c) Valentin Boettcher

It's your turn now shine

Manchmal gebe ich nicht nur gute Ratschläge, sondern befolge sie selbst. Geht zu den Geraer Songtagen - habe ich gesagt. Schon letztes Jahr und dieses Jahr wieder - und nun war ich endlich selbst da. Árstíðir in einer Kirche - ich habe ehrlich gesagt nicht sehr lange überlegt, ob sich die Fahrt von Karlsruhe lohnt. Ich habe nur meinen Geraer Leuten Bescheid gesagt, dass wir da einen Termin haben.


Meine Liebe für die Musik der Formation entbrannte mit Ljóð í sand  von ihrem zweiten Album (das ich auf einem Grapevine-Sampler kennenlernte). Später kaufte ich das ganze Album direkt in Island - schöne neue Welt sei Dank, ist das ja oft nur ein paar Clicks entfernt. Es ist aber gar nicht so einfach, die jungen Männer im Konzert zu sehen in Deutschland. Markus hat es in Berlin schon geschafft und war restlos begeistert. Und Besucher des Rudolstädter Folkfestivals hatten 2013 auch schon das Vergnügen. Dort hatten die Veranstalter der Songtage im Konzert auch den Plan gefasst, das Ensemble nach Gera zu holen.

Foto (c) Falko Trojahn
An diesem heiteren Tag in Gera war allerdings erst einmal weiteres warten angesagt. Die Band hatte im Stau gestanden und war erst 20:15 Uhr angekommen (geplanter Beginn war 20:30 Uhr). Im Garten an der Kirche kam man aber schnell miteinander ins Gespräch und es war deutlich, dass es wohl gut gefüllt werden würde. Eine spürbar freudige Erwartung lag in der Luft, die nicht zuletzt auch von den Veranstaltern ausging. 
 
Foto (c) Valentin Boettcher

Etwas nach 21 Uhr ging dann die Tür auf und der Einlass wurde superfix abgewickelt. Nachdem alle Ticketinhaber saßen, wurde noch einmal zusammengerückt auf den Kirchenbänken, damit die letzten, die noch vor der Tür standen, auch ein Plätzchen finden konnten. Die Kirche erwies sich als echtes Kleinod.

Foto (c) Valentin Boettcher

Das Konzert begann acapella und setzte gleich den lyrischen Ton, der mir die Musik dieser Isländer so lieb macht. Die Band war mit vier Personen aus Island angereist und ein Cellist war dazugestoßen. Alle fünf sangen saubersten und innigsten Satzgesang unverstärkt. Die Kirchenakustik trug das perfekt in den letzten Winkel. Und der anschließende Applaus sagte, dass hier kein Herz unberührt geblieben war. Diese enthusiastische Freudenbekundung setzte sich (ganz zurecht!) während des ganzen Konzertes fort.

Foto (c) Valentin Boettcher
Im Altarraum war natürlich mehr vorbereitet für Guillaume Lagraviere (Cello), Karl Aldinsteinn Pestka (Violine), Daniel Auðunsson (Gitarre), Ragnar Ólafsson (Piano) und  Gunnar Már Jakobsson (Gitarre). Karl, der Geiger rechts außen regelte während des ganzen Konzerts mit seinen nackten Füßen auf Drehschaltern, Pads und Touchscreens den Klang und auch sonst gab es sehr viel kleine und große Gerätschaften auf der Bühne.

Foto (c) Valentin Boettcher
Was sich schon in dem ersten Stück angedeutet hatte: diese Musiker sind auf ganz besondere Weise aufeinander eingestimmt. Es ist - noch mehr als sonst - das gemeinschaftliche Tun, was diese Musik entstehen lässt und einen im Hören unversehens an einen heimatlichen Ofen holt - an einen Ort wo sich Leute versammeln und es gut miteinander haben.


Das Programm des Abends bot uns eine Sammlung von Stücken beider existierender Alben und von Stücken, die auf dem neusten Tonträger einen Platz finden sollen. Stücke, die mir schon am Herz liegen neben Material, was gerade noch geformt wird.


Und die Ansagen - sie sprühten nur so vor unverstelltem Charme. Sie waren einladend und entwaffnend und so musste ich die jungen Männer einfach von ganzem Herzen lieb haben. Nach etwa 40 min gab es eine Pause, die nur 10 min dauern sollte, aber dann 25 min brauchte, weil der Strom der Menschen, die hinten bei den pausierenden Musikern CDs und Platten kaufen wollten, nicht abriss.
Foto (c) Valentin Boettcher
Im zweiten Teil zeigten sie, warum ihr Name, der übersetzt  Jahreszeiten heißt, so sprechend für ihre Musik ist. Denn mit einem fast 10 minütigen Shades mit Tárin ohne Pause fortgesetzt ließen sie musikalisch einen Sturm aufziehen und wieder vergehen, so dass mir im Publikum wirklich die Luft wegblieb. Eine moderne Variante des Vivaldi-Klassikers.  So fiel es im Finish schwer, dieses Konzert zu beenden. Die Zeit war verflogen und als nach dem aufwühlenden Shades/Tárin ein Urgestein der Band Kill us die Wogen wieder mit hymnisch in den Abend gesandten und zuversichtlichen Harmonien glätten durfte, durfte doch noch nicht Schluß sein!


Klar, dass wir uns eine Zugabe erklatschten. Aber auch danach war die Begeisterung ungebrochen und mitgerissen vom Enthusiasmus des Geraer Publikums fand sich die Band (sichtlich ungeplant) noch einmal a capella vor der Bühne ein und verabschiedete uns mit einem Hymnus Heyr himna smiður der innig, fokussiert und jubilierend einen wunderbaren Abschluss eines absoluten Ausnahemabends bildete.


Es bleibt mir nur, den Organisatoren der Songtage von ganzem Herzen zu danken und zu gratulieren: das habt ihr wirklich sauber hingekriegt! Wunderbar, dass es solche Leute wie euch gibt!


Und es gibt die Möglichkeit, das dritte Album von Árstíðir mit zu finanzieren. Oder einfach nur das wunderbar gemachte Video zur Kampagne anzusehen (ehrlich - es ist wunderschön; der link findet sich weiter unten).


Foto (c) Valentin Boettcher


Setlist (von Stefanie Oepen)
01: Góða veislu gjöra skal
02: Látum okkur sjá
03: Heiðin
04: Cannon
05: You just have to know of me
06: Moonlight
07: Ró
08: Ljod i sand
09: Siðasta Kveðjan

10: Orð að eigin vali
11: Days and Nights
12: Shine
13: Shades
14: Tárin

15: Næturylur
16: Kill us


17: Nú gleymist ég (Z)


18: Heyr himna smiður (Z)


Aus unserem Archiv:  
Árstíðir, Berlin, 08.04.12 
Vorschau Geraer Songtage

Kickstarter Kampagne für das dritte Album


Mittwoch, 18. April 2012

Árstíðir, Berlin, 08.04.12

1 Kommentare

Konzert: Northzone Festival - Árstíðir
Ort: Lido, Berlin

Datum: 08.04.2012
Zuschauer: ca. 80

Konzertdauer: ca. 100 Minuten


Bericht und Fotos von Markus aus Berlin



Der letzte Abend des Northzone-Festivals lud dieses Mal ins Berliner Lido. Eigentlich wollte ich das Lido eine Weile meiden, alleine schon aufgrund des recht durchwachsenen Miss Li Konzerts, welches damals durch die anwesende Tontechnik völlig verhunzt wurde. Es war einfach nur unerträglich laut und dazu noch ziemliche Idioten im Publikum. Kein Vergleich zu dem Konzert im Frannz Club zuvor.


Also habe ich an diesem Abend zwei große Chancen - zum Einen mein Lido-Trauma zu überwinden und zum Anderen eine interessante Neuentdeckung zu machen. Im Lido versammelten sich um neun Uhr vielleicht an die 80 Interessierten. Das ist so weit in Ordnung, da es in Berlin nicht leicht ist ein Publikum für unbekanntere Bands zu mobilisieren. An den Seiten der Halle sitzt ein Großteil des Publikums auf Barhockern oder kleinen Podesten. Ich ergattere mit meiner Begleitung zwei Kinosessel. Der Rest des Publikums setzt sich in der ordentlich geheizten Halle auf den harten Boden. Zu Anfang sollte die Musikdoku Backyard gezeigt werden. Dieses Mal tritt eine Organisatorin ans Mikrofon und verkündet, dass die notwendige DVD wohl verschollen ist. Die DVD von „Árstíðir:You just have to know of me“ ist aber wohl auffindbar - und so erleben wir eine Dokumentation über die nachfolgende isländischen Band Árstíðir. Auf mich wirkt das so als würde ich im Kino vor dem Film ein „Making Of“ ansehen. Interessant - kostet aber für mich Atmosphäre. Der Film besteht aus kurzen Interviewhäppchen der Band und Liveauftritten. Für mich eher ein einstündiger Werbeclip - schön gemacht aber auch nichts sagend. Ich und die anderen Anwesenden applaudieren am Ende artig, bei mir aus Höflichkeit der anwesenden Regisseurin geschuldet.






Es ist der erste Auftritt der Band Árstíðir in Berlin. Das ist erstaunlich, da Berlin oft als erste Anlaufstelle für aufstrebende Bands aus dem Ausland gilt - zumindest ist das mein Glaube. Die Band betritt unspektakulär in voller Stärke die Bühne - das bedeutet sechs Bandmitglieder - allesamt attraktive Männer im besten Alter zwischen Ende 20 und Anfang 30. Ich hätte sie jünger geschätzt - vielleicht ist es der gesunden Luft Islands geschuldet.Das erste Lied beginnt - direkt in Landessprache. Die wuchtige Tiefe der Musik ist von Anfang an spürbar - wird aber noch gesteigert sobald die drei Gitarristen gemeinsam singen. Árstíðir setzen auf Akustikinstrumente - bis auf das E-Piano, welches ein wenig das Gesamtbild stört. Dennoch - singen können die Herren und so spielen sie mit ihren Stimmen - mal solo oder bis zu sechst. So variationsreich wie die Stimmen zum Einsatz kommen, so vielfältig werden auch die Instrumente in die allesamt schönen bis wunderschönen Melodien eingebunden. Ich bin verzückt - zwischendurch neige ich - geblendet durch die teils übersteigerte Lichtshow - die Augen zu verschließen und kann mich dann noch mehr von der Musik aufsaugen lassen. Nur eine rote Tischleuchte dekoriert die Bühne - und so kommt in der doch recht tristen Halle ein wenig Wohnzimmeratmosphäre auf. Das sind auch die Orte an denen sich Árstíðir besonders wohlfühlen - die Wohnzimmer und kleinen Cafes und Kneipen ihrer Heimat. Mit Freunden und Familien gemeinsam musizieren.


Das Publikum lauschte andächtig und für Berliner Verhältnisse angenehm ruhig. Niemand verließ das Konzert vorzeitig. Drei Gitarren, ein Cello, Piano und eine Violine und sechs miteinander harmonisch klingende Stimmen. Immer wieder kamen mir Crosby, Stills, Nash & Young in den Sinn und das nicht, weil die Musik altbacken und überholt klingt, sondern ganz im Gegenteil - schöne Folkmusik mit erfrischend charmanten Untertönen. Etwas was First Aid Kit schon seit einiger Zeit auf den Bühnen der Welt erfolgreich etablieren. Schöne Melodien mit ausdrucksstarken Stimmen und ohne viel Effekthascherei. Im Verlauf des Konzerts gesellte sich noch eine weitere Violine auf die Bühne - ein Freund der Band studiert in Berlin. Die sechs jungen Männer verzaubern und betören ihr Publikum, dass es mit viel Applaus dankt. Ganz besondere Momente sind die bei denen isländische Volksweisen a capella vorgetragen werden. Sie öffnen die Herzen der Zuhörer. Die übertriebenen Lichteffekte können das Gesamtbild nicht nicht wirklich stören - schaffen aber unnötige Unruhe. Gott sei Dank versucht nicht die Band dem nachzueifern und ihre Musik in Hektik und Unruhe münden zu lassen. Árstíðir spielen und genießen das sichtlich. Immer mal wieder werden kleine Geschichten erzählt. Die Halle ist für die Anwesenden eigentlich ein wenig zu groß und dennoch sitzen alle beisammen - auf den Sesseln oder auf dem Boden.Es gibt mehrere Zugaben und irgendwie möchte man die Jungs nicht gehen lassen. Zu schön ist diese Reise in die Welt nach der wir uns alle sehnen. In der die Gemeinschaft das höchste Gut ist. Nein - keine Sorge - wir haben keine neue Kelly Family zu erwarten, sondern etwas viel Schöneres. Nach dem Konzert strömen noch viele zum Merchandising-Stand - so auch ich. Eine geballte und für mich unvorbereitete Charme-Offensive der kompletten Band, lässt mich noch gemeinsame Fotos mit ihnen machen und ich merke, wie ich und alle Anderen aus dem Schwärmen nicht mehr herauskommen.Es beruhigt unheimlich, dass Árstíðir Ende des Jahres eine Deutschlandtour planen. Eine Band, die man live erlebt haben sollte. Vielen Dank an die Organisatoren des Festivals für diesen Glücksgriff. Ich hätte mich gefreut, wenn sich die Verantwortlichen ein wenig mehr zu erkennen gegeben hätten. Für dieses Festival braucht man sich nicht zu verstecken. Ich freue mich auf das kommende Jahr und hoffe auf eine Wiederholung.

Links:




 

Konzerttagebuch © 2010

Blogger Templates by Splashy Templates