Freitag, 4. November 2016

Iceland Airwaves Tag 1, Reykjavík, 02.11.16

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Mein Iceland Airwaves 2016 Tag 1:
  Árstíðir (35 min)
  Hinemoa (30 min)
  Pétur Ben (30 min)
Ort: Gamla Bió
Datum: 2. November 2016
Zuschauer: 60, 100 und 250

(c) Claudia

Einmal im Jahr - Anfang November beim Iceland Airwaves - feiert die isländische Musikszene ordentlich in Reykjavík. Anderswo sieht man sich in den Weihnachtsferien - als isländische Indie-Musikerin ist es dagegen ein muss, in der ersten Novemberwoche in Reykjavík zu sein. Zum Glück dürfen auch nicht-Isländer mitfeiern und nachdem wir uns nach dem ATP-Festival im letzten Jahr nur von Island losreißen konnten, nachdem wir einen festen Plan für das Wiederkommen abgemacht hatten, war das Iceland Airwaves 2016 ganz unabhängig vom Line-up für uns gesetzt. Das Prozedere des Festivals kannten wir alle aus Berichten: Ein offizielles Programm findet von Mittwoch bis Sonntag in verschiedenen Klubs, Sälen und dem Opernhaus Harpa statt, aber daneben gibt es etwa doppelt so viel Konzerte in sogenannten Off-Venues zu erleben. Ein paar ausländische Bands dürfen dabei sein, aber im Wesentlichen rockt und säuselt hier schon der Isländer auf der Bühne.
 
Foyer des Gamla Bió

Da wir alle ganz viel isländische Musik ganz wundertoll finden, hört es sich logisch an, dass wir den Plan fassten, nun auch einmal dabeisein zu wollen. Aber das stimmt nur in der Theorie. Denn ich hasse Auswahlfestivals, wo fest steht, dass ich im Überangebot mehrfach zwischen verschiedenen Optionen wählen muss, die ich beide (oder gar drei) gern erleben würde und die Sorge, in kleinen Venues nicht Platz zu finden bzw. ewig vorher anzustehen ist nicht meine Vorstellung von angenehm verbrachter Zeit. Man stelle sich dazu noch November in Island vor mit Regen, Temperaturen kurz über Null und vielleicht noch horizontalem Wind. Dazu kommen die Festival-üblichen viel zu kurzen Slots von nur 30 min für jede Band. Nee, ich glaube ich hätte mich nicht überreden lassen, dafür Zeit und Geld zu erübrigen. Zum Glück wird das beim Iceland Airwaves etwas abgemildert durch Wiederholungen - viele Bands treten drei bis fünfmal zu unterschiedlichen Tageszeiten an sehr unterschiedlichen Orten auf. Damit lassen sich viele Konflitke auflösen. Aber... Trotzdem! 
 

Die Probe auf's Exempel machte ich mit dem ersten Off-Venue Konzert von Árstíðir, wo es mir eigentlich zu wichtig war, als dass ich es hätte locker angehen können (auch wenn es anschließend noch vier Versuche geben würde). Zum Glück ging das Experiment nach sehr viel Herz klopfen und Nerven zittern gut aus. Da wir schon im wunderschönen Theaterhaus Gamla Bió waren, beschloss ich anschließend nicht durch den Regen zu einem anderen interessant klingenden Konzert zu rennen, sondern unten im großen Saal zu bleiben - auch weil wir uns für den ersten Tag Pétur Ben ausgesucht hatten, der dort später spielen würde.  Damit ergab sich zufällig die Gelegenheit, die Band Hinemoa zu erleben und mit ihr eine herrliche musikalische Überraschung. Der Saal war mit knapp 100 Leuten nur sehr locker besetzt, hat aber eine sehr einladende Atmosphäre und ich wusste schon in dem Moment, als ich mich auf die Seiten-Tribüne setzte, dass es mir hier sehr gut gefallen würde.


Hinemoa sind:
  Ásta Björg Björgvinsdóttir - Gesang, Gitarre, Tasten
  Bergrós Halla Gunnarsdót - Gesang, Gitarre, Tasten

  Kristófer Nökkvi Sigurðsson - Perkussion
  Sindri Magnússon - Bass
 


Also zwei Frontfrauen mit einem Schlagzeug- und einem Bassmann. Auffällig war sofort für mich der sehr tolle Satzgesang und das passte dann auch dazu, dass sie schon beim Árstíðir Releasekonzert als Support dabei waren. Es fing ziemlich poppig an mit genug Indieeinschlag für mich, um angelockt zu sein. Danach schwangen sie sich mit einem ruhigeren Liebeslied noch mehr auf meine Wellenlänge ein. Richtig toll wurde es für mich mit dem Song Bye Bye Birdie und sogar noch besser beim isländischen Song  Í Rökkurró - einfach herrlich war das! Aber mit dem Abschiedssong Running among the Stars wurde noch eins drauf gesetzt durch den Gegensatz von schmachtender Strophe  und dem tanzbaren Refrain - ein wirklich irrer Tempowechsel und damit ein herrlicher Rausschmeißer-Song.


Setlist:
01: Imaginary Cartoons 
02: Declaration 
03: Bye Bye Birdie 
04: Still for a moment 
05: Í rökkurró 
06: Running Amongst The Stars
 


Über den Sänger Pétur Ben stolperte mit dem 2008er Album Wine for my weekness - insbesondere der Song I'll be here blieb im Ohr - sogar bis heute. Vielleicht ist das dem Sänger gar nicht so recht, noch immer vor allem damit verbunden zu werden. Jedenfalls war das, was ich mir als Konzert erwartet hatte, etwas ganz anderes, als der Herr für diesen Abend vorbereitet hatte. Auf der Bühne spielte ein Quintett auf mit großem Schlagzeug, Kontrabass, Saxophon, einer Frau hinter Synthieberg (diese sang auch oft zweite Stimme) und einem Bass neben Pétur Ben und seiner Gitarre.


(c) Claudia

Das Set begann mit einem eigentlich bekannten Stück - Painted Blue - das klang aber ganz anders als weiter unten verlinkt. Es gab nämlich ein unheimlich treibendes Schlagzeug und interessante Taktwechsel. Und so trieb er uns druch ein tolles Set, das mal rockig und drängend und dabei doch auch schwingend und leicht war. Auf jeden Fall extrem abwechslungsreich und begeisternd. Den Zusammenhalt lieferte dabei stets seine Melodie und die Stimme.  Ein regelrechter Krachblues - Blinded by the warning lights - zum Abschied war dabei für mich das Spannungs-Highlight (und natürlich ohne Saxophon...) Gerade als ich bedauern wollte, dass es nun wohl mit dem Spaß schon vorbei sei, holte er 21 Leute als Chor auf die Bühne für einen Vorgeschmack auf das mitternächtliche Körus-Konzert in der Fríkirkjan. Was für ein Glückgefühl dabei transportiert wurde, läßt sich nur sehr schwer in Worte fassen. Und wurde dadurch zu einem grandiosen emotionalen Finale geführt, dass wir mitsingen durften. 


(c) Claudia
Ein wirklich überraschendes Konzert der Sonderklasse ging damit zu Ende und bildete zugleich den Abschluss meines ersten Iceland Airwaves Tages. Zunächst hatte ich mir selbst die Schuld gegeben, seit 2008 mein Pétur-Ben-Bild nicht modernisiert zu haben, aber ich habe keinerlei Spuren im Netz gefunden, die ein solches Konzert hätten vermuten lassen.

Setlist:
01: Painted Blue
02: Search and Destroy
03: O.S. 2.0
04: My saints K.o.'d
05: Skinny Girl
06: Blinded by the warning lights
07: Lonesome like me (Körus) 
  

Aus unserem Archiv:
Alle Konzertberichte vom Iceland Airwaves




 


Svavar Knútur, Reykjavík, 03.11.16

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Konzert: Svavar Knútur
Ort: Landnámssýningin in Reykjavík (Iceland Airwaves)
Datum: 3. November 2016
Dauer: 45 min
Zuschauer: 70


Die tollen Fotos sind von Claudia - vielen Dank!
 

Tag zwei in Reykjavík hatte ja mittags schon wirklich toll begonnen. Anschließend machten wir Pause und Pläne und Foto-Sortierung und was alles sein muss, damit man in der Fülle der Eindrücke nicht untergeht. Für das Abendprogramm hatten wir uns Svavar Knútur als Startpaket ausgewählt, der zur Teatime im Landnámssýningin angekündigt war. Man kann den Namen anfangen zu lesen und kommt darauf, dass es was mit der Erstbesiedlung von Island zu tun haben könnte. Tatsächlich erwies es sich als Museum mit einem großen (etwas gegliederten) Raum, in dem nachvollzogen wurde, wie die ersten nachweisbaren Siedler Island zu ihrer Heimat machten. Angenehm war, dass es - wie in einem schönen Museum nicht unüblich - eine Garderobe und ordentliche Toiletten gab und alles ruhig, kompetent und freundlich zuging. Kein warten und kein schubsen. Ein prima Anfang für einen langen Tag!


Was wir uns von dem Konzert erwartet hatten, erfüllte sich alles auf das Schönste: Es wurde viel Blödsinn geredet, fleißig mitgesungen und die Erinnerung brachten uns auch auf dem nächtlichen Heimweg noch zum loslachen. Svavar begann damit, sich zu entschuldigen, dass er nicht ganz pünktlich sei (was fast nicht stimmte, denn es ging nur um 2 Minuten), weil sein kleiner Sohn eine Lungenentzündung hat und die Kinderbetreuung... Das war eine gute Überleitung dazu, dass er das erste Lied seiner Tochter widmete: Soundtrack. Unser Konzert war Teil eines Straußes von Svavar-Knútur-Konzerten während des Festivals - alle an Off-Venues, weil er ein Airwaves Outlaw sei. Nachdem er sich einige Jahre darüber geärgert hätte, derartig übergangen zu werden, fände er es mittlerweile viel netter vor aufmerksamem Publikum zu spielen als durch betrunkene Idioten gestört zu werden. Da hatten wir ihn, unseren schwarzhumorigen Isländer... Um zu zeigen, dass wir wirklich ein ganz liebes Publikum sind, sangen wir anschließend bei Humble hymn auch ganz innig mit. Dabei gab es die erste Show-Einlage beim Vorsagen des Textes durch den Künstler: Svavar als Evangelikaler Prediger oder auch kurz - Svavar der Kinderschreck... 


Singen hält bekanntlich gesund und so ist er wohl in Wirklichkeit nicht einfach irgendein zwischen alle Stühle rutschender Indie-Pop-Singer-Songwriter, sondern ein Public Health Troubadur! Für das nächste Lied Clementine packte er zum ersten Mal seine brandneue Ukulele aus. Mein musikalischer Höhepunkt folgte mit dem Song Curtain. Fast schon hatte er mich überzeugt, er würde sich in dem kurzen Slot doch auf die Musik konzentrieren, als er für den Wanderlust-Song ganz, ganz weit ausholte. Alle möglichen Nationalhymnen neu interpretierte, den Ehrentitel Schrödingers Troubadur aus dem Publikum verliehen bekam und uns versuchte zu überzeugen, dass wenn man Wale versteht, man weiß, dass sie ganz üble Gesellen sind. Was die Geschichte mit dem wirklich schönen Lied Wanderlust zu tun hat (den wir natürlich auch schön mitgesungen haben), habe ich freilich nicht verstanden... Als ich schon befürchtete, jetzt sei wahrscheinlich Schluß (die halbe Stunde war schon ziemlich übererfüllt), gab es noch eines der Ohrwurm-Lieder (inkl. Geschichte) mit Girl from Vancouver. Da Savavar-Knútur-Konzerte immer Lust auf mehr machen, befragten wir ihn anschließend noch nach Konzertterminen in Deutschland und ich kann hiermit die frohe Kunde verbreiten, dass es eine vorweihnachtliche Tour durch einige Stationen in Deutschland und der Schweiz geben wird!


Setlist:
1: Soundtracks
2: Humble hymn
3: Clementine
4: Curtain
5: Wanderlust
6: Girl from Vancouver


Tourdaten: 
01.12. Grüner Salon Berlin
02.12. Warenwirtschaft Hamburg
04.12. Krone Alt-Hoheneck Ludwigsburg
05.12. Trachtenvogel München
07.12. Gemeinschafthaus Köniz
08.12. Piccolo Giardino Zürich
09.12. Horns Erben    Leipzig
10.12. Schauburg Dresden


Aus unserem Archiv: 
Svavar Knútur, Karlsruhe, 15.09.16
Svavar Knútur, Leipzig, 09.10.13 
Alle Konzertberichte vom Iceland Airwaves

Coals, Reykjavik, 03.11.16

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Konzert: Coals
Ort: Kex Hostel
Datum: 03.11.2016
Dauer: gut 25 min
Zuschauer: sicher 200




Beim morgendlichen Hören der uns unbekannten Bands des Tages (etwa 500) blieb ich bei Coals aus Polen hängen. Nach ein paar Eindrücken stand "schön!" auf meinem Schmierzettel. Mein erster richtiger Airwaves-Tag sah dann so aus, daß wir um 13 Uhr bei Samaris im Kex Hostel waren und danach ab 17 Uhr wieder ins Programm eingestiegen sind. Konzert - schnell quer durch die Stadt zur nächsten Location (Hostel, Bio-Restaurant, Theater, Museum, Konzerthaus...) und zum nächsten Konzert. Das Irgendwo-mal-Reinhören, das ich eh hasse, geht schlecht, wenn die Bands über die ganze Stadt verteilt sind. Ich hatte mich daher schnell mit mir auf einen Zeitplan verständigt, Coals blieben trotz der wenigen Eindrücke fest drin.

Coals spielten wie Samaris im Kex Hostel in der Innenstadt. Das Kex ist während des Airwaves Hauptquartier des Radiosenders KEXP aus Seattle. Auch Coals wurde von KEXP gefilmt und übertragen. Coals sind ein Duo, ein Keyboarder und eine Sängerin. Beide wirkten schüchtern in der kleinen Wohnzimmerecke des Foyers des Hostels, dircht umringt von Zuschauern auf zwei Seiten der Bühne. Das Kex war wieder randvoll.


Im ersten Lied spielte Sängerin Katarzyna Kowalczyk Gitarre. Dazu sang sie eher Mantren als wirklich einen Liedtext. Auch wenn die musikalische Herangehensweise des Duos komplett anders war, passte Coals ganz perfekt zu Samaris, hätte ich nicht gelesen, daß Coals aus Polen stammen, hätte ich sie für Isländer gehalten. Der verhutschelte Gesang, oft verändert, der einen deutlichen Akzent hatte, hätte auch in den weniger deutlich verständlichen Momenten als Isländisch durchgehen können. Das Entrückte des Gesangs wurde optisch dadurch verstärkt, daß Kasia während des Konzerts einen Kopfhörer trug.


Mich faszinierte die Musik der beiden Polen von Beginn an. Es war leicht, sich (Achtung! Eklige Floskel!) in ihr zu verlieren. Auch wenn vermutlich KEXP für das Booking von Coals verantwortlich waren, sind Coals wohl heimliche Isländer, so sphärische, elfenhafte Musik machen Mitteleuropäer üblicherweise nicht.

Coals spielten vier Lieder. Offenbar sind alle bisher nicht veröffentlicht. Skeleton in the closet, bei dem Keyboarder Łukasz Rozmysłowski mitsingt und das abschließende Brother gefielen mir am besten, wohl aber auch, weil mich das Konzert immer mehr begeisterte, je länger es dauerte. 

Bitte merken: Coals aus Gleiwitz! 

Setlist Coals, Kex, Iceland Airwaves, Reykjavik:

01: Rave 03
02: East streets
03: Skeleton in the closet
04: Brother



Árstíðir, Reykjaviík, 02.11.16

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Konzert: Árstíðir
Ort: Petersen Suite in Reykjavík (Iceland Airwaves)
Datum: 2. November 2016
Dauer: 35 min 
Zuschauer: knapp 100

(c) Claudia

Árstíðir hatten kürzlich verkündet nur noch als Trio weiter zu machen, als Kernmannschaft sozusagen mit
  Daniel Auðunsson (Gitarre),
  Ragnar Ólafsson (Piano) und 
  Gunnar Már Jakobsson (Gitarre).

Immerhin hatte ich sie erst im April in Esslingen gesehen, aber ich versprachen mir schon ein besonderes Erlebnis davon, sie in Island zu sehen. Im Rahmen des Iceland Airwaves Festivals gab es dafür fünf Chancen: vier in ungewöhnlichen Orten (sogenannte Off-Venues) und eine offizielle Show in einer Kirche. Der Nerd in mir hätte natürlich am liebsten alle fünf eingesammelt und sich an der Fülle ergötzt - andererseits ist das Programm in Reykjavík einfach zu gut, als dass man dafür dann nicht andere tolle Sachen verpasst. 
  

So war mein Plan, die erste Gelegenheit am Mittwoch Abend zu nutzen und die Kirchenshow am Freitag zu versuchen. Wohl wissend, dass es in den kleinen Venues bestimmt ordentlich eng wird und man vielleicht gar nicht dabeisein kann. Vielleicht wäre also ein Gelingen dieses ersten Versuches ein gutes Omen für das ganze Festival?? Tatsächlich aber hatte ich mir selbst vor dem eigentlichen Festivalbeginn klein geredet, dass ich ganz und gar nicht für solche Situationen gemacht bin. Zur Sorge um das Heineinkommen kam schließlich noch die Sorge um das rechtzeitige Ankommen, die nicht dadurch gebessert wurde, dass im Theater erst die dritte Person wusste, wie es zur Petersen Suite geht und der Weg nur per sehr erratisch funktionierendem Fahrstuhl zu bewältigen war. Der war wohl auch zum Engpass für die Band geworden, denn als wir nur kurz vor Beginn ankamen, waren die Instrumente noch nicht einmal am Mischpult angeschlossen... 
 

Aber immerhin waren wir da - sogar noch rechtzeitig für das Konzert und wir konnten uns - wenn auch etwas mühsam - hineinquetschen. Tatsächlich waren sie zu fünft zum musizieren versammelt (selbst ein wenig gequetscht) mit Jean-Samuel Bez als für mich neuem Geiger und Guillaume Lagraviere als erprobtem Gast am Cello. Der Ort war eigentlich wunderbar gediegen gemütlich, aber leider war der Platz als Konzertort nicht gut genutzt. Recht große runde Tische standen da, wo eigentlich gern Publikum gelauscht hätte. Schließlich wurde die Tür zum Dachgarten aufgemacht, um ein paar mehr Leuten wenigstens das Hörerlebnis zu ermöglichen (allerdings regnete es draußen in Strömen). 

(c) Claudia
Mit schließlich nur zehn Minuten Verzug begann das Konzert traditionell mit den beiden ersten Stücken vom aktuellen Album: Himinhvel und Things you said. Das war am Anfang tatsächlich ein bißchen wacklich so fast ohne Soundcheck aber trotzdem vom Start weg souverän und intensiv. Und es wurde eine wunderbare halbe Stunde: Emotional hoch und höher mit einem nur etwa halbstündigen Best off (wie z.B. das einfach nicht alternde Ljoð í sand). Die Ansagen waren wegen der knappen Zeit auf ein Minimum reduziert. Als auf die Frage Wer spricht isländisch? kaum ein paar Hände aufzeigten war auch klar, dass die Band viele ihrer in der ganzen Welt gewonnen Fans - so wie mich - nach Island gelockt hatte. Es wurde nach Wünschen gefragt, aber die von Stefanie geäußerten wurden  leider nicht erfüllt. Als I-Tüpfelchen gab es aber ganz neues und wunderbares Material und so war es zwar ein für mich zu kurzes Konzert, aber sehr intensiv und vielleicht wirklich mein erhofftes gutes Omen für die Tage im Reykjavík.




Aus unserem Archiv:
Árstíðir, Esslingen, 23.04.16
Árstíðir, Gera, 25.04.14
Árstíðir, Berlin, 08.04.12 
Alle Konzertberichte vom Iceland Airwaves  
 

Samaris, Reykjavík, 03.11.16

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Konzert: Samaris
Ort: KEX Hostel in Reykjavík (Iceland Airwaves)
Datum: 3. November 2016
Dauer: 35 min
Zuschauer: 150 (randvoll)


Die tollen Bilder sind von Claudia - Vielen Dank!

Das Kex Hostel ist eine Institution - Sæmundur í Sparifötunum der Pub im Zentrum und ein mir schon lange bekannter Konzertort aus den KEXP-Mitschnitten. Das Haus von außen kannte ich vom vorbeischlendern im Juli letztes Jahr. Die Aussicht, es nun endlich kennen zu lernen fand ich sehr spannend, wobei ich aus den Aufnahmen auf die Bühne natürlich gar keine Idee hatte, wie sich der Konzertort anfühlen und wie er aussehen würde. 


Es fand sich ein sehr einladender großer Raum mit großen Fenstern, die den Blick zum Wasser und in einen freundlichen Himmel öffneten. Vielleicht trifft urig gemütlich im besten Sinne es ganz gut. Wir waren vorgewarnt, dass es gern sehr voll wird im KEX und so waren wir selbst für diese Mittagsshow auf ein frühes Erscheinen orientiert. Das sicherte uns Plätze am Bühnenrand mit bester Sicht und die Gelegenheit zu beobachten, wie sich der Raum schließlich bis an den Rand mit 150 - 200 Leuten füllte.
 


Die Zeit des Soundchecks verging wie im Flug und schon waren wir Live on KEXP - sehr lustig, auf einmal "drin" zu sein. Nach der Ansage begannen die drei Musiker Áslaug Rún Magnúsdóttir (Klarinette), Þórður Kári Steinþórsson (an den Knöpfen) und natürlich Jófríður Ákadóttir (Gesang) mit ihrer magischen Performance. Für sie nicht das erste Mal gut dokumentiert von den Kameras der KEXP-Crew.


Ich war natürlich neugierig, wie sie sich entwickelt haben und wie die Songs des neuen Albums Black Lights live klingen würden. Immerhin waen wir hier zu dritt am Bühnenrand und nur einer von uns hat Samaris wirklich schon live erlebt - was auch schon zu lange zurückliegt. Aber vor 18 Monaten hatten wir in der gleichen Gruppe gestaunt über das Konzert von JFRD in Ásbru. Und im August hatte es ein Wiedersehen mit der Musik von Pascal Pinon in Storkow gegeben. Nun also in einem sehr passenden Ambiente Samaris!

Ich halte eigentlich persönlich nicht so viel davon, die Kleidung von Musikern und Musikerinnen zu beschreiben, aber diesmal war es doch irgendwie sehr auffallend, wie jede in der Gruppe ein ganz anderes Modestatement setzte. Aber in jedem Fall hatten sie wohl Kleidung gewählt, in der sie sich wohl fühlten und unverkleidet. Selbst Frisur und make-up waren eher so, wie man sich vielleicht auch zu Hause mit Freunden an den Frühstückstisch setzen würde.


Eine gute Atmosphäre transportierte die umfangreiche freundliche und sehr entspannte Kommunikation in der Band auf der Bühne. Auch wenn nur
Jófríður mit dem Publikum sprach und durch ihren Gesang im Zentrum der Aufmerksamkeit stand, war es doch eine musikalische Leistung des Trios. Das Publikum gustierte es mit Spannung und Aufmerksamkeit und begeistertem Applaus. Dafür gab es keinen Moment Entspannung, sondern immer rhythmisches Vorantreiben und pulsieren.


Für den Song T3mp0 steuerte "die Klarinette" schließlich auch eine zweite Frauenstimme bei und auch ganz am Schluß durfte sie den perfekten Punkt des Konzertes setzen, indem sie uns wohl alle zum Atmen in einem Rhythmus nötigte.


Heimlicher Höhepunkt oder Punkt auf den das Konzert in der Choreographie hingearbeitet hatte, war Blacklights vom neuen Album. Das war expressiv treibend und fast euphorisch und viel explosiver als auf Platte. Mich begeisterte das musikalische Austrudeln des Stückes auf das Ende hin und ich hätte nie von mir gedacht, dass ich bei elektronischer Musik einmal Gänsehaut haben würde - Samaris haben das geschafft. Ein toller Einstieg in den zweiten Konzerttag.



Aus unserem Archiv:
Samaris, Paris, 01.02.14
Samaris, Berlin, 17.09.14
Samaris, Köln, 16.09.14

Alle Konzertberichte vom Iceland Airwaves

 

Konzerttagebuch © 2010

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