Freitag, 3. Dezember 2010

The Indelicates, Köln, 02.12.10

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Konzert: The Indelicates
Ort: Sonic Ballroom, Köln
Datum: 02.12.2010
Dauer: The Indelicates 75 min, Stereo Inn 45 min


Nein, nein, es ist immer noch nicht langweilig, die Indelicates schon wieder zu sehen. Auch heute haben es Julia und Simon Indelicate verstanden, ein wundervolles Konzert mit hohem Unterhaltungswert abzuliefern.

Eröffnet wurde der Abend von Stereo Inn aus Köln, einer fünfköpfigen Band, deren Dresscode rot-schwarze Holzfällerhemden vorschreibt. Die beiden Gitarristen Fabio und Lukas singen abwechselnd, meist aber gemeinsam, und da ihre Stimmen hervorragend zueinander passen, konnten sie damit sofort punkten. Die weiteren Bandmitglieder sind Olli (Schlagzeug*), Guido (Bass) und Gonzo (Keyboard). Der Mann mit dem wenig schmeichelhaften Spitznamen (hoffentlich!) spielte aber nicht nur Keyboard, er bediente auch bei mehreren Stücken ein Akkordeon und einmal mit der rechten Hand Melodica und mit der linken sein Piano. Auch wenn als Referenzen auf der Sonic Ballroom Seite die Beatles und Housemartins genannt wurden, kam mir sofort und dann immer drängender eine andere aufgelöste Gruppe in den Sinn: Stereo Inn erinnerten mich mit ihren lockeren Melodien und der unverkrampft fröhlichen Musik an die Lucksmiths. Das war nicht nur gut, es war vor allem auch über die Distanz von 45 Minuten kurzweilig.

Obwohl in der Umbaupause für eine ganze Band angerichtet wurde, kamen anschließend zunächst nur Julia und Simon Indelicate auf die Bühne. Bei den beiden
weiß man vorher nie recht, in welcher Konstellation und mit welchen Mitmusikern sie auftreten. The Indelicates sind eben ein Duo, das um mehr oder weniger feste Musiker ergänzt wird. Bei meinem letzten Indelicates Konzert im Sommer im Bett in Frankfurt spielten Simon und Julia alleine. Und so begannen sie jetzt eben auch; sie hinter dem Keyboard sitzend und er mit ziemlich verstimmter Gitarre stehend.

Nachdem sie mir mit dem ersten Stück New art for the people (einem Liebling) gleich wieder gezeigt hatten, warum ich sie so mag, bewies Simon danach, daß auch das zwischen den Liedern bei den Indelicates so unterhaltsam ist. "Wir sind nicht hier, um unser neues Album zu promoten, ich hasse so etwas, das ist Mist! Wir promoten lieber unsere dritte Platte David Koresh Superstar, die irgendwann erscheinen wird. Bis dahin habt ihr aber wieder vergessen, daß wir dafür Werbung gemacht haben!"

Von dem Waco-Konzeptalbum folgte dann I am Koresh, dies blieb aber auch der einzige Appetitanreger, das Bewerben der Platte, die wieder auf ihrem eigenen Label
Corporate Records (nach dem Prinzip: bezahl für den Download soviel, wie du willst) erscheinen wird, wurde also eher subtil beworben.

Weil es die eigentlich aktuelle Platte Songs for swinging lovers schon eine Weile gibt, sind mir die Lieder mittlerweile extrem vertraut - und, wichtiger, sie ziehen live hervorragend! Auch wenn ich den akustischen Anfang schon sehr mochte, wirkten in dem kleinen Club die schmissigen Stücke mit viel Band und Lautstärke heute noch besser. Your money oder America waren herrlich druckvoll und laut, natürlich auch, weil da die Band dabei war.

Die zusätzlichen drei Musiker standen am Bühnenrand und bekamen bei Roses die Ansage, sich diskret auf ihre Plätze zu begeben. Den Bassisten Laurence Owen kannte ich, er war im Sommer schon einmal dabei. Neu war der Schlagzeuger (Neil) und der zweite
Gitarrist, der hinten hinter Julia in die Ecke musste. Dieser Gastmusiker ist im Indelicates und Art Brut Umfeld für mich eine Art Legende, von ihm und seinen Bands las ich nämlich immer wieder, von den Art Goblins zum Beispiel, in denen auch Eddie Argos und Jasper Future von Art Brut spielen. Die Indelicates hatten mir in einem Interview von den Konzerten einer britischen Supergroup erzählt, bei der fünf oder sechs Gitarristen spielen, ohne zu wissen, wie das Lied geht. Die Band heißt Keith TOTP (And His Minor UK Indie Celebrity Allstar Backing Band) und ihr Kopf Keith spielte also heute die zweite Gitarre. Er hatte davon erst Montag erfahren, weil der der reguläre Gitarrist ausfiel. "His passport didn't work," erklärte Simon.

Keith TOTP bat direkt um mehr Licht, er konnte nämlich seine Zettel, auf denen er die Akkorde der Lieder notiert hatte,
nicht lesen! Trotz Simons ungestimmter Gitarre und der neuen Musiker war das Konzert aber toll wie immer! Die fehlende Eingespieltheit wurde herrlich überbrückt. Bei Our daughters will never be free gibt es eine Phase, in der die Basedrum regelmäßige Einsätze hat. Damit Neil das nicht verpatzt, zeigte Simon jeden dieser Trommelschläge an, herrlich!

Nach dem Lied war vorerst Schluß, also zumindest im Prinzip. "Jetzt kommen die Zugaben, stellt euch vor, wir verlassen die Bühne, aber wir bleiben hier!" erklärte Simon. Julia, die sehr gut deutsch spricht, erzählte dann, daß sie bei Konzerten in Österreich und Deutschland immer gedacht habe, die Leute riefen danach "Buchstaben, Buchstaben", um die zusätzlichen Lieder zu verlangen. Und sie habe nie verstanden, was das solle.

Natürlich riefen auch wir nach Jerusalem "Buchstaben, Buchstaben" und bekamen
damit die grinsenden Indelicates zurück auf die Bühne. Aber nur Simon und Julia. Die anderen drei Musiker standen in der ersten Reihe, während die beiden fragten, was wir noch hören wollten. Ich bin für so etwas immer zu schüchtern. Aber einen meiner Wunschtitel (Fun is for the feeble minded) brüllte jemand anderes nach vorne: Gitarrist Keith TOTP...

Ein wundervolles Konzert, und ich freue mich auf das nächste! Geht hin, seht euch die Indelicates an und fordert Buchstaben!


Setlist The Indelicates, Sonic Ballroom, Köln:

01: New art for the people
02: I am Koresh
03: Sixteen
04: Savages
05: Roses
06: We love you, Tania
07: Your money
08: Europe
09: Flesh
10: America
11: Stars
12: Ill
13: Be afraid of your parents
14: Our daughters will never be free
15: Waiting for Pete Doherty to die
16: Jerusalem

17: Julia, we don't live in the 60s (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:

The Indelicates, Frankfurt, 05.08.10
The Indelicates, Köln, 09.06.10
The Indelicates, Heidelberg, 14.08.08
The Indelicates, Frankfurt, 12.08.08
The Indelicates, Münster, 30.04.08
The Indelicates, Köln, 24.04.08
The Indelicates, Köln, 04.10.07
The Indelicates, Frankfurt, 30.09.07
- unser Interview mit den Indelicates



Donnerstag, 2. Dezember 2010

dd/mm/yyyy, u.a.,Paris, 01.12.10

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Konzert:dd/mm/yyy, Minor Sailor, Alexis Gideon, Shelley Short

Ort: Le Buzz, Paris
Datum: 01.12.2010

Zuschauer: 60 bis 70


So etwas habe ich auch noch nie erlebt! Ein Konzert wird abgebrochen, weil sich die Nachbarn wegen der enormen Lautstärke beschwert haben. Dabei wurde aber doch in einem staubigen Kellerverließ gespielt, wo man eigentlich die Sau rauslassen könnte. Nun gut, die heißspornigen Kanadier dd/mm/yyyy haben es mit zwei Schlagzeugern aber auch wirklich krachen lassen, meine Fresse!



Aber mal von vorne. Le Buzz, was is'n das? Nun, es handelt sich um eine neue Konzertlocation in Belleville, die vor ca. drei Monaten mit dem Ausrichten von Gigs begonnen hat. In Paris kann es auf Grund der regen Nachfrage gar nicht genug Venues geben, so daß man als Musikfan froh ist, wenn irgendwo wieder ein neuer Laden aufmacht. Zudem ist im Buzz der Eintritt frei. Heute wurde aber am Einlass auf eine milde Spende hingewiesen, denn es traten gleich vier Acts auf, die auch irgendwie bezahlt werden mussten.

Die Konzerte im Buzz finden unten im Keller statt, fast ein wenig wie im Pop In. Der Raum is saumäßig schmal, aber relativ lang, so daß man geschätzt 80 bis maximal 100 Leute unterbringen könnte. Ein ziemlich cooler Schuppen, der 100 Prozent indie wirkt, so herrlich ranzig und schmutzig wie er ist!



Leider, leider hatte ich die Amerikanerin Shelley Short verpasst, die als Erste ins Rennen gegangen war. Sie veröffentlicht auf dem glänzenden Hush Label, (u.a. Laura Gibson, Nils Frahm, Peter Broderick), allein dies sollte schon Qualitätsmerkmal. genug sein. Mein Freund Michael, der hier früher aufgekreuzt war, meinte hinterher nur augenzwinkernd: "die Dame wäre perfekt für eine Oliver Peel Session." Argh, da wurde der Finger in die offene Wunde gelegt!

Dann kam der Franzose Minor Sailor zum Zuge. Ein schönes Projekt von Jérémy und seiner Freundin Maia, die für die Videoprojektionen verantwortlich zeichnet. Jérémy ist ein veritabler Soundtüftler, der hinter einem Tisch mit vielen Kabeln und Steckverbindungen loopte und sampelte, was das Zeug hielt. Dreampop vom Feinsten, zu dem er auf einer Akustigitarre spielte, oder in eine Melodica blies. Das Ganze klang sehr isländisch, Sigur Ros scheinen ein möglicher Einfluss zu sein. So bombastisch wie bei der berühmten Truppe um Jonsi wurde es aber nie, sondern es blieb alles dezent, melancholisch, zart und hochcharmant. Perfekte Musik zum chillen (wie man auf neu-deutsch sagen würde), träumen, in Erinnerungen schwelgen. Einfach wunderschön!

Im Anschluß dann erneut ein Musiker, der eine Leinwand für seine Show benutzte. Bei dem aus Portland, Oregan stammenden Amerikaner Alexis Gideon bekamen wir einen richtigen Comicstreifen mit einer abgeschlossenen Handlung zu sehen. Die Geschichte spielte in Japan und im Mittelpunkt stand ein kleiner grüner Affe. Wundervolle Bilder wurden auf ein festes, weißes Laken projeziert und dazu spielte Alexis E-Gitarre, Glöckchen und Flöte und sang auch immer mal wieder. Wobei singen nicht so wirklich der richtige Ausdruck ist, denn der Kerl aus Portland rappte (!) die meiste Zeit. Abgefahren! Mitunter streute er aber auch bluesrockige Schweineriffs ein, je nach Dramaturgie der Handlung der animierten Geschichte. Eine halbe Stunde lang fühlte ich mich gut unterhalten, aber als die Performance die Marke von 60 Minuten überschritt, wurde es zäh und repetitiv. Gegen Ende war es fast eine kleine Qual, im Raume zu bleiben. Der Streifen und die dazuhörige Musik dauerte fast 80 Minuten!!

Ärgerlich vor allem für die als letzte Band anstehenden Kanadier dd/mm/yyyy. Es war bereits Mitternacht und um die letzten U-Bahnen zu kriegen, muss man sich spätestens um halb eins auf die Söckchen machen. Dass letztlich jeder noch seinen Zug bekam, lag daran, daß, wie oben geschildert , der Autritt nach lediglich 5 Songs abgebrochen wurde. Die wildwutzigen Kanadier hatten zuvor ein wahres Hauen und Stechen verantaltet und mit zwei Drummern pervers laut auf ihre Felle eingeprügelt. Die schrägen, völlig unkonventionellen Gesänge taten ein übriges hinzu. Eine völlig verrückte, experimentelle Indierockband (manche reden auch von Psych/Math/Art-Rock), die Foals oder Sky Larkin wie Mainstream-Fuzzis aussehen lässt. Vergleichbar mit ähnlich durchgeknallten Typen wie Abe Vigoda oder The Mae Shi.

Nur ein paar Zentimenter trennten sie von ihren Fans in den ersten Reihen, die in diesem knallengen Raum mitgingen wie Hölle. Nach nur vier Liedern kam aber dann ein Verantwortlicher des Ladens, deutete den Burschen an, ihre Lautstärke zu drosseln und nachdem diese genau so laut wie vorher weitermachten, schließlich komplett abbrechen ließ.

Fazit: Shelley Short wäre etwas für mein Wohnzimmer, dd/mm/yyyy eher weniger...

- Lesenswert: Das Klienicum zu Shelley Short klick!
- Hier gibt es jede Menge schöner Videos von Minor Sailor zu sehen und zu hören!


Mittwoch, 1. Dezember 2010

The Rural Alberta Advantage & Roken Is Dodelijk, Paris, 30.11.10

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Konzert: The Rural Alberta Advantage & Roken Is Dodelijk

Ort: Le Nouveau Casino, Paris
Datum: 30.11.10
Zuschauer: so gut wie ausverkauft, also etwa 350 Leute
Konzertdauer: Roken Is Dodelijk etwa 75 Minuten, TRAA etwa 45-50 Minuten


Meine derzeitige Müdigkeit spottet jeder Beschreibung. Bereits in der U-Bahn auf dem Weg ins Nouveau Casino bin ich eingenickt, verfiel in einen narkotösen Kurzschlaf und hatte große Mühe, frühzeitig auszusteigen und nicht einfach bis zum Ende der Linie durchzufahren.



Umso erstaunlicher, daß bereits eine viertel Stunde später meine Schlaffheit (kurzfristig) wie weggeblasen war. Das kanadische Trio The Rural Alberta Advantage spielte so frisch und rasant auf, daß sie noch Bären aus dem Winterschlaf gerissen hätten. Hei, was war das ein flottes, berauschendes Set! Drei hübsche junge Menschen (Nils Edenloff, Amy Cole und Paul Banwatt) vermittelten Spiel-und Lebensfreude pur und zauberten mir ein Dauerlächeln auf die Lippen. Alle drei waren auf ihre Art und Weise außergewöhnlich. Drummer Paul trommelte druchgängig mit 250 Sachen und riß dabei den Mund herrlich weit auf, Sänger Nils greinte mit krächzig kehliger Stimme im Stile eines John McCauley von Deer Tick und Amy sah nicht nur umwerfend hübsch aus, sondern spielte zudem Schlagzeug, Glockenspiel, Keyboard und alle möglichen Percussioninstrumente. Jeder einzelne Song war ein Knaller. Four Night Rider wirbelte wie ein Tornado (witzigerweise ein anderer Titel der Band) durchs Nouveau Casino und Drain The Blood setzte hinsichtlich Tempo, Catchyness und und Melodienverliebtheit noch einen obendrauf. Soviel Schmiss und Lässigkeit hatte ich zuletzt bei Tokyo Police Club erlebt und die teilen mit The Rural Alberta Advantage nicht nur das famose Label Saddle Creek, sondern auch das Gespür für süchtig machende Indiepop Songs. In dem heutigen Set gab es keinen einzigen Ausfall oder Langweiler, es wurde von der ersten bis zur letzten Minute gesprintet und hinterher fragte ich mich, warum die nicht schon viel bekannter sind. Ace! Totally ace!

Mehr Photos The Rural Alberta Advantage @ Nouveau Casino, Paris, klick!

Setlist The Rural Alberta Advantage, Nouveau Casino, Paris*

01: Luciana
02: Rush Apart
03: Don't Haunt This Place
04: Muscle
05: Frank, AB
06: The Ballad Of The RAA
07: 4 Night Rider
08: Edmonton
09: Tornado
10: Stamp
11: In The Summertime
12: Drain The Blood
13: The Deadroads
14: Knife
15: Sleep All Day
16: The Dethbridge In Lethbridge

* es wurden nicht alle aufgelisteten Lieder gespielt. Vielmehr handelte es sich um einen Pool aus Songs, aus dem man sich auf der aktuellen Tour bedient.

Aber wie waren die Headliner Roken Is Dodelijk aus Frankreich? Konnten sie die wahnsinnig gute Vorgruppe noch toppen?

Genügend Spielzeit bekamen sie zumindest eingeräumt. Opulente 75 Minuten, sehr viel für eine Band, die bisher noch kein richtiges Album, sondern lediglich zwei EPs (R.I.P, The Terrible Things) veröffentlicht hat. Roken Is Dodelijk kommen aus dem nordfranzösischen Lille und hatten mir bereits beim Festival Rock en Seine 2010 vor den Toren von Paris richtig gut gefallen.



Heute ging es um zehn nach 9 los. In der Mitte gleich vor mir agierte der hibbelige, hyperaktive Sänger, der über eine soulig angehauchte Stimme im Stile eines Patrick Watson verfügt, wenn er ins Falsett abdriftet aber auch an Morrissey erinnert. Links außen dann Lena Deluxe, zierliche Keyboarderin und Backgroundsängerin, die auch eine vielversprechende Solokarriere verfolgt und zudem vier andere Musiker, die abgesehen vom Schlagzeuger untereinander ihren Bass, die Elektrische oder die Akustische wechselten. Ein schwungvolles Sextett, das sich anschickt, eine der besten aktuellen Indiebands in Frankreich zu werden. Eingängige Hits haben sie auf jeden Fall zu bieten, King Of This Town oder The Terrible Things seien nur beispielshaft erwähnt. Alles bei ihnen klingt frisch, melodiös und treibend, sie sind so etwas wie die französische Antwort auf Acts wie Fanfarlo, Patrick Watson, Arcade Fire, Modest Mouse und den Magic Numbers und müssen sich vor diesen internationalen Namen wirklich nicht verstecken. Fast mühelos schafften sie es, das Pariser Publikum auf ihre Seite zu ziehen und durchgängig einen hohen Spannungsbogen zu halten.

Schwer zu sagen, ob sie genauso gut wie die hervorragende Vorgruppe des heutigen Abends waren, aber sie standen nicht zu Unrecht im Rampenlicht und werden sicherlich 2011 so richtig durchstarten. Ich drücke ihnen jedenfalls die Daumen!

Auf ihrem Blog kann man sich alle Stücke in Ruhe anhören.

- Die weltberühmte Pariser Blogothèque hat mit Roken Is Dodelijk jede Menge Videos gedreht, klick!

Setlist Roken Is Dodelijk, Nouveau Casino, Paris:

01: Good Enough
02: The Story
03: King Of This Town
04: I Believe
05: The Tribe
06: Cover
07: Even After All
08: Sound
09: The Letter
10: MDC
11: Jogging
12: 75

13: Stereo King

The Rural Alberta Advantage in Deutschland:

02.12.2010: Haldern Pop Bar, Rees-Haldern
03.12.2010: Magnet Club, Berlin

und am 4.12.2010 im Paradiso in Amsterdam

Link: Das Klienicum hat bereits im Februar 2008 über The Rural Alberta Advantage berichtet. Lesenswert wie immer, klick!



Konzertankündigung The Indelicates

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Konzertankündigung: The Indelicates Orte und Daten: siehe unten


Die Indelicates aus Sussex verfolgen wir hier schon seit einer Weile (2007). Julia und Simon Indelicate haben uns seitdem einige der charmantesten und unterhaltsamsten Konzerte beschert. Das Besondere bei Auftritten der beiden (oder der mehreren, wenn sie mit Band unterwegs sind) ist die Mischung aus fabelhaften Songs und großem Entertainment. Mehr Spaß und breitere Grinsen hatte ich bisher bei keiner anderen Band; selbst Eddie Argos ist gegen Julia und Simon ein Waisenknabe!

Die fabelhaften Indelicates sind ab heute wieder in Deutschland, diesmal zu einer ausgedehnten Tour, die kreuz und quer durchs Land führt (so kreuz und quer, daß man der kürzlich getätigten Aussage Prinz Andrews, England verfüge über die besten Geographie-Lehrer der Welt, nicht ganz glauben mag).

Nach ihrem großartigen Debütalbum American Demo hat die Band das sehr innovative Netlabel Corporative Records gegründet, auf dem Anfang des Jahres mit Songs For Swinging Lovers das Nachfolgealbum erschien. Die dritte Platte, ein Konzeptalbum über David Koresh, wird zur Zeit vorbereitet.

Die Indelicates sind eine der Bands, der man Erfolg ganz besonders gönnt und wünscht. Geht also nicht nur einmal hin, sie sind ja mehrfach in Eurer Nähe.
Langweilig wird es eh nicht, bisher war keines der Konzerte auch nur ansatzweise ähnlich, wie das davor. Und bringt Weihnachtskekse mit, Julia und Simon haben im Gegenzug nämlich versprochen, ein deutsches Weihnachtslied einzustudieren.

Orte und Daten:

01.12.2010 Hamburg, Haus III&70

02.12.2010 Köln Sonicballroom
03.12.2010 Münster, AMP (Support: The Dashwoods)
04.12.2010 Berlin, Bang Bang Club
o5.12.2010 Oberhausen, Zentrum Altenberg (Support:The Dashwoods)
07.12.2010 Bonn, Kult41
08.12.2010 Krefeld, Kulturfabrik
09.12.2010 Osnabrück, Kleine Freiheit (Support: The Dashwoods)
10.12.2010 Saarbrücken, Sparte4
11.12.2010 Weinheim, Café Central
12.12.2010 München, Laab
14.12.2010 Stuttgart, Zwölfzehn
15.12.2010 Wiesbaden, Alter Schlachthof
16.12.2010 Dresden, Ostpol
17.12.2010 Leipzig, Ilses Erika
18.12.2010 Magdeburg, Projekt 7 (Support: The Dashwoods)

Aus unserem Archiv:

The Indelicates, Frankfurt, 05.08.10
The Indelicates, Köln, 09.06.10
The Indelicates, Heidelberg, 14.08.08
The Indelicates, Frankfurt, 12.08.08
The Indelicates, Münster, 30.04.08
The Indelicates, Köln, 24.04.08
The Indelicates, Köln, 04.10.07
The Indelicates, Frankfurt, 30.09.07
- unser Interview mit den Indelicates




Angus & Julia Stone, Paris, 29.11.10

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Konzert: Angus & Julia Stone

Ort: La Cigale, Paris

Datum: 29.11.2010

Zuschauer: ausverkauft

Konzertdauer: 90-95 Minuten



Welch ein Kontrast! Am Vortag hundsgemeine, unbeschreiblich laute und saumäßig aggressive Musik beim Konzert der kultigen Amerikaner Swans und heute ungemein nette, teilsweise akustische und peacige Klänge beim Auftritt des charmanten australischen Geschwisterpaars Angus & Julia Stone. "Choisis ton camp" sagen die Franzosen. Entscheide dich für ein Lager, bzw. einen Stil...

Hmm. Keine leichte Entscheidung. Zumal die Swans das aggressive Schwein in mir geweckt haben, das noch irgendwo in mir schlummerte. Mann, war das granatenhaft toll, wie uns die Amis mit ihrer höllisch noisigen Musik beballert haben! Bis an die Schmerzgrenze gingen sie und manchmal auch darüber hinaus. Und wie herrlich böse die Burschen teilweise geguckt haben! Vor allem der tätowierte Gitarrist rechts von der Bühne starrte einen brutal grimmig an, so als wolle er andeuten: "Hey, was willst Du kleiner Scheißer? Wenn du ein paar auf die Fresse willst, dann komm her!" Dabei waren die Swans natürlich in Wirklichkeit nicht so finster wie sie auf der Bühne wirkten. Bandleader Michael Gira ließ sich nach der mörderischen Show am Merch blicken, hatte sanfte blaue Augen, einen Cowboyhut und signierte höflich und zuvorkommend CDs. Man sollte halt nie vergessen, daß Musiker auf der Bühne auch ein wenig (manchmal sogar sehr viel) schauspielern. Darf man nicht mit ihrem wahren Wesen verwechseln.

Wie Angus & Julia Stone wohl privat so drauf sind? Sind die dann auch immer so süßlich nett, schüchtern und sanftmütig wie auf der Bühne? Oder zeigen sie ihre andere Seite, fauchen sich im Tourbus an und beschimpfen den jeweils anderen als blödes Arschloch? Wer weiß, wer weiß...

Nun gut, meine Stellungnahme ist jetzt gefragt. Choisis ton camp. Butter bei die Fisch! Also Angus und Julia gingen mir heute in der Cigale mit ihren permanenten Nettigkeiten und dem schüchtern koketten Lächeln teilweise ein wenig auf die Nerven. Vor allem Julia redete zwischen den Liedern so mädchenhaft süßlich, als sei sie gerade erst zwölf Jahre alt und hätte noch nie über die Strenge gezogen. Ihre Masche zog freilich erwartet gut, denn das Publikum fraß ihr von der ersten bis zur letzten Minute förmlich aus der zarten Hand und fand jede noch so kleine Geste und Mimik umwerfend charmant und entzückend. Eine Frau hinte mir lachte permanent, egal was gesagt oder gemacht wurde (z.B. wenn Angus seine Mundharmonika etwas linkisch zurecht rückte, was war daran so komisch?). Ich fühlte mich bisweilen wie in einem Film von Woody Allen.

Überhaupt das Publikum. Keinen einzigen Menschen kannte ich in dem von über 1000 Mitbürgern bevölkerten Saal. Und wenn ich die Leute nicht kenne, dann gehen die nicht oft auf Konzerte! Kurzum: Angus & Julia Stone ziehen hauptsächlich ein Mainstreampublikum an, das im Jahr vier bis 6 Gigs sieht. Ist ja auch nicht so dramatisch. Störender war hingegen, das ein paar arrogante Snobs unter ihnen waren. Links von mir stand ein Brillenträger, der wie der typische Streber aus der Schule wirkte, der aber jetzt auf dicke Hose macht, weil er seine erste Anstellung in einer renommierten Anwaltskanzlei ergattert hat und vor mir standen zwei Kashmir - Pullover tragende höhere Töchter mit hochnäsigem Blick, die unentwegt schnatterten und mit ihren blöden Iphons spielten. Ich fühlte mich zugegebenermaßen etwas unwohl in dieser angeberhaften Nachbarschaft, war aber zu eingekesselt, um mich woandershin zu stellen. Ich wäre ohnehin neben einem der unzähligen Liebespärchen gelandet, die hier Händchen haltend ihrer romatischen Ader freien Lauf ließen. Fand ich ja schon immer ziemlich scheiße sowas. Mit seiner Freundin aufs Konzert gehen und dann fummelnd und schmachtend auf die Bühne glotzen und warten bis "unser Lied" kommt. Grausam. Genau wie meine Frau hassen wir beide diese ganze Romantikkacke mit Kerzenschein und dem ganzen Kokolores. Seichter Dreck aus den verkitschten Achtzigern, den kein Mensch braucht.

Konsequenterweise war dann heute auch die Bühnendeko auf die Romantikerzielgruppe im Publikum ausgerichtet. Lichterketten, omahafte Lämpchen und dazu gedimmtes Licht.

Aber kommen wir zum Konzert. Vorausgeschickt sei, daß ich kein einziges Lied vorher kannte, ganz im Gegensatz zum Publikum, das bei vielen Songs (oft falsch und schief) mitsang. Ich war aus Neugierde gekommen, wollte wissen, was hinter dem Phänomen der Geschwister Stone steckt, die es schafften, die legendäre und ziemlich große Cigale gleich zwei mal hintereinander auszuverkaufen.

Gründe, die Australier und ihre Musik zu mögen, gab es allerdings durchaus. Da war zunächst Julias hervorragende Stimme. Piepsig, mit jeder Menge Kleinmädchencharme und einem gehörigen Schuß Countryparfüm. Sie klang wie eine junge Dolly Parton,
glücklicherweise aber ohne so gräßlich tussig auszusehen, wie die inzwischen in die Jahre gekommene Dolly. Statt Tussilook mit langen Wimpern und falschen Nägeln, machte Julia auf schickes Hippiegirl. Ihr Fummel (ein weißes Spitzenkleid) stand ihr außerordentlich gut und passte perfekt zu ihrer zarten Erscheinung. Sie ist ein unglaublich hübsches Mädchen, verfügt über einen betörenden Augenaufschlag und ein zauberhaftes Lächeln. Das Gesicht ihres Bruders (er wirkte wie ein junger Reinhold Messner) war hinter dem Bart und den wuscheligen Haaren indessen kaum zu erkennen. Sicherlich hat er auch feine Züge, wenn man den den Wildwuchs auf dem Kopf und im Gesicht einmal freilegen würde.

Außer Angus und Julia agierten auch noch andere Musiker auf der Bühne, aber die fielen mir bis auf die Netzstrumpfhose tragende Geigerin, die hin und wieder zum Einsatz kam, optisch kaum auf. Sie spielten auch nicht bei jedem Lied aktiv mit, denn einige Male gab es rein akustische Vorträge auf der Gitarre von Julia. Dieser Wechsel zwischen reduzierten und stärker instrumentierten Passagen war ohne Frage wunderbar ausgewogen. Ein klarer Pluspunkt dieses Konzerts, das in technischer und musikalischer Hinsicht tadellos war. Alles flutschte und man merkte, daß wir es mit einer eingespielten Truppe und erlesenen Musikern zu tun hatten. Besonders schön fand ich die Passgen, in denen Julia Trompete spielte, das war nicht nur optisch ein Genuß. Doof hingegen das Cover von Didi Hallervorden und Helga Feddersen. Die Wanne ist voll mochte ich schon im Original nicht sonderlich und auf eine englische Neuinterpretierung (Your The One That I Want ) hatte ich auch keinen Bock (lol).



Das Highlight kam für mich (fast) ganz zum Schluß. Bei Does The Love spielte sie zum zweiten (oder dritten?) Mal E-Gitarre und der Songs rockte deshalb fast ein wenig.

Bei der Zugabe Hold On klimperte Julia dann am Klavier und spielte ihre stimmlichen Fertigkeiten voll aus. Zwar mag ich es normalerweise nicht sonderlich, wenn demonstrativ mit der Stimme "show off" betrieben wird, aber sie war gesanglich so sattelfest und gut, daß ihr Hochgehen absolut durchging. Nein mehr noch, sie sang fabelhaft!

Insgesamt ein schönes Konzert, das für mich aber sicherlich an einem ungünstigen Tag stattfand. Wenn man vorher einen Gig von den Swans erlebt hat, wird man zwangsläufig fast alles andere zu nett, zu seicht und zu süßlich empfinden...

Setlist Angus und Julia Stone, La Cigale, Paris, 29.11.2010:

01: Santa Monica
02: Babylon
03: For You
04: Black Crow
05: The One That I Want (Die Wanne ist voll)
06: Just A Boy
07: Private Lawns
08: Big Jet Plane
09: I'm not Yours
10: The milky Way
11: And The boys
12: Yellow Brick Road
13: Does The Love

14: Hold On
15: All Of Me



 

Konzerttagebuch © 2010

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