Sonntag, 5. August 2007

Tunng, Haldern-Pop, 02.08.07

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Konzert: Tunng
Ort: Rees-Haldern (Haldern-Pop Festival)
Datum: 02.08.2007
Zuschauer: volles Zelt


Nach Get Well Soon wurde zunächst eine Weile umgebaut, bis plötzlich ein Ansager ans Mikro trat und einleietende Worte sprach, die den Tunng Fans im Spiegelzelt einen leichten Schauer über den Rücken jagten: "Wir alle mögen diese Band sehr gerne und respektieren ihre Befindlichkeiten und deshalb muß ich ihnen mitteilen, daß Tunng...darum gebeten haben, auf Geplauder im Raume zu verzichten...

Puhh und ich dachte zunächst schon, daß jetzt eine krankheitsbedingte Absage verkündet würde! Entwarnung also, lediglich das Schwätzchen mit den Nachbarn im Publikum mußte entfallen. Eine verständliche Maßnahme allerdings, denn wer das zweite Album (das erste war wohl ein self-release) der Engländer "Comments Of The Inner Chorus" kennt, weiß , daß es mitunter musikalisch sehr intim und leise zugeht.

Das prachtvolle Spiegelzelt war somit ein perfekter Rahmen, um den zwischen Folk, Pop und Elektro wandelnden Klängen andächtig zu lauschen.

Gegen 20 Uhr 15 traten dann die Herrschaften, allen voran Projektgründer Mike & Sam auf die Bühne, aber auch eine zierliche schwarzhaarige Dame (Becky Jacobs) war mit von der Partie und brachte so weiblichen Charme in den Spiegelsaal.

Charmant und originell war natürlich auch die Musik der heute fünfköpfigen Band, aber auch die zum Teil kuriosen Instrumente wußten zu verzücken. So musizierte die junge Frau zum Beispiel mit einem zitrusfarbenen Schmetterling, der wohl als Rassel fungierte und mit einigen anderen ähnlich ausgefallenen "Geräuscherzeugern". Noch abgefahrener war allerdings das Sammelsurium an exotisch anmutenden Rasseln, Minitrommeln, Windspielen (die Dinger, die man sich an die Decke hängen kann) und Glöckchen, die von einem Herrn mit Zipfelmütze im Hintergrund bedient wurden. Nicht umsonst stufen Tunng ihren Stil deshalb selbst auch als experimentell ein. Nun können solche Experimente aber bekanntermaßen schnell albern werden und nerven. Nicht jedoch bei Tunng. Hier bildeten die Geräusche vielmehr einen interessanten Kontrast zu dem wunderbar sanften und melancholischem Folk-Pop.

Besonders schön: die Singleauskopplung "Jenny Again". Intimer und anrühriger kann ein Lied kaum sein. Zarte Gitarrenklänge umschmeichelten den nahegehenden Gesang auf das Vortrefflichste und die eingebauten Samples sorgten dafür, daß hier eben nicht nur wiederausgekramter Folk aus den siebzigern im Stile von Nick Drake oder Cat Stevens vorlag, sondern eine gekonnte Neuinterpretierung dieses Genres.

Darüber hinaus wußten auch neue Titel zu gefallen, die bald auf dem neuen Album "Good Arrows" zu genießen sein werden, allen voran Bullets", welches auch das Publikum zum Klatschen und Mittanzen animierte. Lied für Lied tauchte ich in der Folge tiefer in das abenteuerliche Universum der Engländer ein und war richtiggehend traurig, daß mit der genialen Bloc Party Cover Version "Pioneers" schon Schluß sein sollte.

Ich werde die Band jedenfalls im Auge (und im Ohr) behalten und Karten für kommende Konzerte frühzeitig buchen!

Setlist Tunng, Haldern Pop Festival:

01: People Folk
02: Bodies
03: B + L (schwer zu lesen auf der Setlist)
04: Take
05: Woodcat
06: Clump
07: Engine Room
08: Jenny Again
09: It's Because We've Got Hair
10: Bullets
11: Pioneers




Samstag, 4. August 2007

Voxtrot, Haldern, 04.08.07

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Konzert: Voxtrot

Ort: Haldern (Haldern-Pop Festival)
Datum: 04.08.2007
Zuschauer: ganz gut gefüllter Platz vor der Bühne

Samstag nachmittag in Haldern: Strahlender Sonnenschein und eine der Bands, auf die ich mich im Vorfeld am meisten gefreut hatte: Voxtrot aus Austin, Texas. Und ich hatte mich sehr auf die Amerikaner (die so gar nicht nach Amerikanern klingen) gefreut, ein riesiges Enttäuschungspotenzial also.

Aber es war alles ganz anders: Voxtrot waren toll! Und Voxtrot kamen gut an! Das Set war allerdings viel zu kurz, das war aber bei der frühen Ansetzung zu befürchten. Die Band besteht aus fünf Mitgliedern: Sänger Ramesh (dessen Frisur ihn aussehen läßt, als wäre er beide Wham-Mitglieder in einer Person), Keyboarder und Gitarrist Jared, Gitarrist Mitch, Bassist Jason und Schlagzeuger Matt. Für Aussehen hatten die fünf Amerikaner mit ihren vor-Album-EPs gesorgt, die Platte selbst ("Voxtrot") hatte nicht gleich euphorische Kritiken. Bei mir schon, denn ich finde sie fabelhaft, sie enthält mit "Kid gloves" einen der größten Indie-Ohrwürmer der letzten Jahre. Dieser Riesenhit, der eigentlich niemandem mit Geschmack nicht gefallen kann, kam als zweites Lied nach einem der EP-Titeln ("Raised bei wolves"). Der Rest des viel zu kurzen Programms bestand zur Hälfte aus Album- und EP-Titeln.

Glücklicherweise (aber auch nicht furchtbar überraschend) kamen Voxtrot sehr gut an, glücklicherweise deshalb, weil die Band eine von denen ist, denen ich großen Erfolg besonders gönne, weil ihre Musik fantastisch ist. Der Auftritt in Haldern war es auch!

Voxtrot ist in den nächsten Tagen in Deutschland unterwegs. Ein Bericht vom Konzert in Frankfurt (incl. Interview mit Ramesh) folgt am Sonntag.

Setlist Voxtrot Haldern:

01: Raised by wolves
02: Kid gloves
03: Mothers, sisters, daughters and wives
04: Your biggest fan
05: Ghost
06: Soft & warm
07: Brother in conflict
08: The start of something

Links:

- Fotos aus Haldern



The Magic Numbers, Haldern, 03.08.07

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Konzert: The Magic Numbers

Ort: Haldern (Haldern-Pop Festival)
Datum: 03.08.2007
Zuschauer: sehr voll


Nach der Absage der Editors fehlen dem Haldern-Pop Festival richtige Headliner. Als einer der heimlichen Haupt-Act-Kandidaten galten vorher die Magic Numbers aus England, die auch einen prominenten Platz am Freitag bekommen hatten. Den Status vom heimlichen zum unumstrittenen Freitags-Headliner erspielten sich die beiden Geschwisterpaare dann ruckzuck. Der Platz vor der Bühne war mittlerweile knallvoll - und das Publikum sofort im Bann des wundervoll-melodischen Indie-Pops von Romeo und Kollegen.

Live klingen die Magic Numbers viel komplexer und aufregender als auf Platte. Mir war schon bei meinem ersten Konzert der Engländer aufgefallen, wie toll das Zusammenspiel der Stimmen auf der Bühne zur Geltung kommt. Ich mag die beiden CDs wirklich sehr, da hatte ich die richtige Größe der Band aber noch nicht bemerkt. Live schon, gestern auch wieder! Das Besondere an den Briten ist die Mischung aus wunderbaren Melodien, durchaus rockigem Klang (insbesondere Michele am Bass sorgt auch optisch für Rock) und einmaligen Stimmen.

Das Set war nicht furchtbar überraschend. Aber das verzeihe ich jeder Band, die so viel Talent und offensichtlichen Spaß am Spielen hat. Wie alle Konzerte, über die wir hier berichtet haben, begann auch der Haldern Aufritt mit dem fabelhaften "This is a song". Danach folgten Stücke von beiden Alben, sowie das neue (aber auch schon bei den Solidays in Paris gespielte) "Fear of sleep" (nach dem Festival in Paris vor ein paar Wochen tourten die Geschwister übrigens durch Brasilien). Beendet wurde der großartige Auftritt von "There's a bar in every highway", was wohl der normale Schlußsong ist. Normal war aber wohl nicht der Background Chor der dazu auf der Bühne stand: Romeo begrüßte eine Handvoll Kinder, die zu den letzten Takten klatschend und tanzend auf der Bühne standen. Eigentlich mag ich solchen "Up with people Kram" überhaupt nicht, zu der Familienband und der familiären Stimmung in Haldern paßte das aber perfekt. Ein wahrer Headliner!

Setlist The Magic Numbers Haldern:

01: This is a song
02: Take a chance
03: Forever lost
04: Love's a game
05: I see you, you see me
06: Running out
07: Fear of sleep
08: Undecided
09: Love me like you
10: Mornings eleven
11: There's a bar in every highway

Links:

- mehr Fotos vom Haldern Festival: hier und hier
- The Magic Numbers in Paris (Solidays)
- The Magic Numbers in Köln
- The Magic Numbers in Paris



Freitag, 3. August 2007

Get Well Soon, Haldern-Pop, 02.08.07

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Konzert: Get Well Soon

Ort: Rees-Haldern (Haldern Pop Festival)
Datum: 02.08.2007
Zuschauer: gut gefülltes Spiegelzelt


Sich in kleinen Dörfern zurechtzufinden ist manchmal verkehrstechnisch komplizierter als die Suche nach einer Straße in Manhattan. So gestaltete sich die Suche nach der Einfahrt auf das schöne Festivalgelände dann auch als ziemlich zeit-und nervenaufreibend, was zur Folge hatte, daß wir die erst kürzlich auf der Titelseite des britischen NME posierende Kate Nash leider verpassten. Schade, schade, aber das wird nachgeholt, spätestens beim Festivals des Inrocks im November in Paris, wo die junge Britin auch auf der Gästeliste steht.

Einstiegsband waren somit Grand Island, die mit ihrem frischen, zackigen Sound durchaus zu gefallen wußten. So richtig in Konzertstimmung kam ich allerdings erst mit den Deutschen von Get Well Soon, die ich vorher immer für eine aufstebende, britische Band gehalten hatte. Sorgfältig und bedächtig wurden zunächst Geräte gestimmt, bevor es schließlich losgehen konnte. Mein Blick fiel sogleich auf die blonde Streicherin der Band, was bei mir augenblicklich Assoziationen zu Arcade Fire hervorrief, ein im Grunde genommen alberner Refllex- schließlich klingt nicht jede Band, die eine Violinistin dabei hat gleich nach den Kanadiern- aber nichtsdestotrotz ein ständig wiederkehrender.

Aber auch andere Namen kamen mir in den Kopf. Patrick Wolf für den Gesang von Frontmann und Bandleader Konstantin Gropper beispielsweise, Element Of Crime aufgrund des Einsatzes von Trompeten und schließlich auch Fields, eine aufstrebende englische Band, die ebenfalls gekonnt wavige Elemente mit dramatischem und leicht düsterem Follk- Pop verbindet. Beim Besuch der MySpace Seite der Band werden schließlich auch noch weitere melancholische Songwriter wie Nick Cave, Tom Waits und Leonard Cohen genannt.

Interessant ist, daß Get Well Soon wohl lediglich ein Projektame ist, hinter dem sich Konstantin Gropper verbirgt, hier also eine ähnliche Konstellation wie bei Bright Eyes und Conor Oberst vorliegt.

Beim Auftritt des mehrköpfigen Ensembles fiel dies eigentlich nicht sonderlich auf, man hatte vielmehr den Eindruck, eine homogene Band vor sich zu haben, bei der jeder Einzelne sein Teil zum Gelingen des Ganzen beitrug.

Ich war jedenfalls augenblicklich angetan von dem zwischen Melancholie und Wut hin und her schwankenden Auftritt der "falschen Briten" (bei MySpace werden sie als Engländer ausgewiesen). Und ich war nicht der Einzige, der einen positiven Eindruck gewonnen hatte, die Resonanz in meinem Freundes-und Bekanntenkreis war durch die Bank weg nahezu euphorisch, wenngleich der Jubel in dem herrlichen Spiegelzelt eher verhalten, jedoch sehr freundlich war.

"Leute kauft kräftig CDs" war dann auch konsequenterweise der nette aber entschiedene Hinweis von Sänger Konstantin am Ende des Gigs, dem anscheinend viele Leute Folge leisteten, denn die EP, die es an dem kleinen Merchandising-Stand zu erwerben gab, war im Nu vergriffen, so daß ich mich mit einem kleinen, aber feinen Button begnügen mußte.

"All that keeps us from giving in Get Well Soon" kann man darauf lesen. Sehr schön! Eine gute Besserung hat die symphatische Band im Grunde genommen aber überhaupt nicht nötig, denn sie strotzen nur so vor Ideenreichtum und Kreativität und spielen jetzt schon sehr vital in der englischen und deutschen Indie-Szene mit. Kürzliche Auftritte auf renomierten und gutbesetzten englischen Festivals, wie z. B. auf dem Latitude-Festival (wo auch Größen wie Wilco und Arcade Fire auftraten), vor allem aber in Glastonbury (!) können dies eindrucksvoll belegen.

Setlist Get Well Soon, Haldern (vielen Dank an die nette Violinistin!) :

01: Prelude
02: We Are Safe Inside While They Burn Down Our House (was für ein Titel!)
03: You Aurora/ You Seaside
04: People Magazine Front-Cover
05: Hat Missing
06: Forest Fires
07: I Sold My Hands For Food So Please Feed Me (ebenfalls unglaublicher Titel, oder?)
08: Listen
09: My Automatic Heart
10: Lost In The Mountains (Of The Heart)





Polarkreis 18, Haldern, 03.08.07

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Konzert: Polarkreis 18

Ort: Haldern-Pop Festival (Rees-Haldern)
Datum: 03.08.2007
Zuschauer: gut gefüllt vor der Bühne


Als ich Polarkreis 18 zuletzt im Underground in Köln gesehen habe, hatte ich befürchtet, die Band aus Dresden könne zu früh, nämlich bei Tageslicht, spielen. Ich war sehr unsicher, ob die experimentelle Musik der Band auch im Hellen so faszinierend wirke wie in Clubs. Vor ein paar Tagen, als der Zeitplan veröffentlicht wurde, sah ich meine Befürchtungen eintreffen: Polarkreis waren um 18.15 Uhr angesetzt. Es ging dann zwar eine Ecke später los, weil es die ersten beiden (!) Bands schon geschafft hatten, den Zeitplan zu sprengen, die Band spielte aber trotzdem noch bei strahlendem Sonnenschein.

Sonne hin oder her: Großartige Lieder wie "Dreamdancer" funktionieren auch bei Sommersonne, der Auftritt war begeisternd. So lange er dauerte... Denn nach dem dritten (!) Lied tauchte ein Offizieller auf, der Sänger Felix zu verstehen gab, daß nur noch ein Lied möglich sei. Man einigte sich wohl auf 10 Minuten, sodaß mit "Crystal lake" und "Look" noch zwei Stücke gespielt wurden, und die Band dann nach fünf Liedern und vielleicht 30 Minuten von der Bühne mußte.

Nicht nur ich habe dieses Abwürgen nicht verstanden, denn der Auftritt der Sachsen kam beim Publikum extrem gut an. Sehr schade, daß den Zuhörern die Chance genommen wurde, diese wirklich einzigartige deutsche Band besser kennenzulernen. Glücklicherweise kommen Polarkreis 18 im Herbst noch einmal nach Köln. Und dann sicher länger.

Setlist Polarkreis 18 Haldern Festival:

01: Somedays sundays
02: Dreamdancer
03: Comes around
04: Crystal lake
05: Look

Links:

- mehr Fotos vom Haldern-Festival
- Polarkreis 18 in Köln (intro intim)
- Polarkreis 18 im Underground in Köln






 

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