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Mittwoch, 27. Mai 2015

Orange Blossom Special 19, Beverungen, 22. bis 24.05.2015

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Konzert: Orange Blossom Special 19
Ort: Beverungen, Ostwestfalen
Datum: 22. bis 24.05.2015
Dauer: 3 Tage
Zuschauer:ca. 2000 (ausverkauft)

von Claudia aus Stuttgart 


2005 bekommen Maggi, Pierce & E.J., eine völlig unbekannte Folkband aus Philadelphia einen Slot auf dem Orange Blossom Special Festival und haben auf der gleichen Tour, noch lange bevor Wohnzimmerkonzerte so schön populär wurden, Wohnzimmerkonzertpremiere in meinem Heim. Zu der Zeit war auch das OBS - zumindest mir - , trotz der damals schon 9. Auflage, kein Begriff, aber durch meine allerersten quasi wildfremden Wohnzimmergäste, die gekommen waren, weil sie die Amerikaner in Beverungen begeistert hatten, wurde mir schon vor 10 Jahren schnell klar, dass das Orange Blossom Special etwas für echte Liebhaber sein musste. Damals vielleicht noch nicht so ganz meine Musikliga, haben sich zwischenzeitlich unser beider musikalische Horizonte deutlich erweitert. Einige Stuttgarter Musikfreunde schwärmen in höchsten Tönen von „ihrem“ OBS und bekommen glänzende Augen, wenn sie davon berichten. Zeit sich also endlich mal mit eigenen Augen ein Bild zu machen.

Mit obligatorischer Campingausrüstung versehen, geht’s als OBS-Rookie über Pfingsten ins Weserbergland, in den Kreis Höxter, von dem ich an diesem Tag zum ersten Mal höre. Ein Kreis den keine bundesdeutsche Autobahn auch nur berührt. Schön ist es hier. Die Wege kurz. Das Campingareal wahnsinnig idyllisch direkt an der Weser gelegen. Duschen kann man zum Beispiel im Tennisheim, wo einem die akzeptable Anstehzeit durch Nutellabrötchen, Kaffee oder ein erstes Konterbier verkürzt wird. Familiär geht es zu auf dem Orange Blossom, auch im eigentlichen Wortsinn. Es ist ein Generationentreffen wie ich es noch auf keinem Festival erlebt habe. Kinderkopfhörer kann man sich ausleihen und selbst eine große Spielecke für die Kleinen ist eingerichtet. Auf dem Zeltplatz spielt uns des Nächtens ein bisher unentdecktes 19jähriges Songwritertalent seine Eigenkompositionen nebst ein paar coolen Ärztecovern vor. Dominik ist bereits zum dritten Mal auf dem OBS.  


So auch die beiden ebenfalls sehr jungen Mädels, die sich noch dazugesellen. Wir könnten theoretisch fast alle ihre Eltern sein. Aber auch Paare, die deutlich näher an unseren eigenen Eltern dran sind lassen sich nicht davon abbringen jedes Jahr erneut an die Weser zu kommen. Das ergibt tatsächlich eine perfekte Musikliebhabermischung, die vermutlich einmalig ist und die einen guten Teil des Charmes dieses Festivals ausmachen. Die musikalische Mischung ist auch in der Abfolge gelungen. Es ist ganz sicher für jeden etwas Ansprechendes dabei. Man merkt aber auch an jeder Stelle wie viel Liebe hinter der Organisation steckt. 



Seien es die jährlich wechselnden Maskottchen, das Motto und das neu vom lokalen Künstler gesprayte Bild am Geländeeingang, sei es bei den persönlichen Ansagen vor jeder Band, dem berühmtberüchtigten auf 3 Abende verteilt erzählten Witz von Macher Rembert Stiewe, den zum Teil an Bastelabenden vom OBS-Team gefertigten Merch für den guten Zweck, den Ladies vom Bäckerstand, der eine Wand des Gartens auskleidenden Bildergalerie und vielem mehr. An der langen Fotowand mit Bildern aus allen 18 Jahren OBS finde ich dann auch tatsächlich „meine“ amerikanische Band wieder.

Maggi beim OBS 9
Den sanften musikalischen Anfang machen am Freitagspätnachmittag Easy October aus Schweden mit hübschen folkpoppigen Songs. Klingt nicht schlecht, ist aber ein bisschen harmlos. Sie kriegen mich zu diesem Zeitpunkt im sonnigen Glitterhouse Garten nicht wirklich, aber sie bekommen nächste Woche in einem Stuttgarter Wohnzimmer auf jeden Fall nochmal eine Chance. Sollte deutlich besser funktionieren.

Easy October
Mit Tone Catalano und der zierlichen CC Spina aus San Diego betritt als nächstes Little Hurricane die Bühne. Die beiden spielen eigentlich recht klassischen Blues bzw. Rock und machen großen Spaß. Rotzige Männerstimme mit Dirtrockgitarre, perfekt - auch stimmlich - ergänzt vom Californiadarling an den Drums. Frau an den Drums reicht ja schon fast als Hinhörer.

Celeste Spina bei Little Hurricane

Schön krachig und noch etwas lauter wird es mit Money For Rope. Die fünf Jungs aus Melbourne, Australien haben gleich zwei Drumkits am Start und klingen live mit ihrem Garage Surfrock zehn Mal energetischer als mit ihren eigenen Studioversionen.

Money For Rope

Von den beiden Headlinern des ersten Abends bekomme ich nicht mehr sonderlich viel mit. Ausgesprochen nette Unterhaltungen und reichlich Bier drängen AnnenMayKantereit, bei denen ich mich sowieso wundere, warum sie ungelogen auf eigentlich jedem Festival dieses Jahr gebucht wurden und die zarten Klänge von Musée Méchanique in den Hintergrund.
 
Frontfrau Jessica Larabee von She Keeps Bees
Die rasenden Kopfschmerzen nach einer sehr frischen Zeltnacht an der Weser sind am nächsten Tag nicht ganz unbegründet. Da hilft auch der erste Kaffee zunächst wenig. She Keeps Bees, die ich im Herbst verpasst hatte, leisten mir Gesellschaft und sie machen das so gut, dass Müdigkeit und sonstige Nachwehen ziemlich schnell vergessen sind. Für viele sicherlich das Highlight des Festivals, trotz oder gerade auch wegen Jessica Larabees schrulligen Ansagen zu ungewaschenen Haaren und ausgehender Unterwäsche. Besonders beindruckend die beiden Lieder, bei denen sie ausschließlich mit Gesang beginnt und ganz langsam immer mehr Percussion dazukommt. Und dann bei weiteren Songs die dunklen, tiefen Töne auf der Gitarre, die zum Teil an eine Bassline erinnern. Alles eher reduziert, feines Singer/Songwriting. Erwähnenswert auch die Keyboard- und Gitarren- Liveunterstützung, des eigentlichen Duos aus Brooklyn durch eine recht aparte Französin, die wir letztes Jahr auf dem Maifeld Derby mit ihrem eigenen Projekt Scarlett O’Hanna lieben gelernt hatten. 
Scarlett O'Hanna als Unterstützung für She Keeps Bees
Die nachfolgenden Husky aus Australien hinterlassen dann keinen bleibenden Eindruck. Das nächste Brett gibt es von blutjungen Däninnen: Baby in Vain. Ob die überhaupt schon alt genug sind, um ein Bier zu trinken? Zornige Grungegitarren, spannender Noiserock am frühen Nachmittag.

Baby In Vain

Gleich viel melodischer und harmonischer wird’s mit den bärtigen Hosenträgerträgern aus dem Niemandsland in Kanada oder auch Regina, Sasketchewan namens The Dead South. Banjogeschwängerter moderner Blusgrass schallt durch den Garten und man muss einfach mitwippen.

The Dead South
Rocky Votolato hatte ich vor zwei Jahren nur aus der Ferne hören können, da die Parcour d’Amour-Bühne beim Maifeld Derby wegen Überfüllung geschlossen war. Ich hatte das etwas bedauert, weil sich die paar Takte, die ich damals mitgekommen habe so schön harmonisch klangen. Zu viel Harmonie wird aber auch ganz schnell langweilig und ein ganzes Konzert selbst mit Band hat mich eher weniger begeistert.

Rocky Votaolato
Auch die vielköpfigen East Camoron Folkcore zünden bei mir so gar nicht. Als es dann schon dunkel ist, gibt es wieder etwas für’s Gemüt. Ex-Madrugada Frontmann Sivert Høyem lässt seine epischen Folk- und Rocksongs mit seiner einmalig schönen Baritonstimme erklingen. Das passt ganz hervorragend und ist wunderschön. 

Sivert Høyem
Wohl seit einigen Jahren wird ein Überraschungsact ins Lineup aufgenommen und selbst enge Vertraute wissen zunächst tatsächlich nicht, um welche meist nicht völlig unbekannte, aber den Glitterhäuslern eng verbundene Band es sich handeln wird. Häufig kann man aber wohl schon vorher erahnen, wer es sein könnte, weil sich befreundete Musiker des Hauses auch nicht die ganze Zeit in der Glitterhouse Gründerzeitvilla versteckt halten wollen. So war mir am Samstagabend aus recht verlässlichen Quellen bereits zu Ohren gekommen, dass Gisbert zu Knyphausen mit der Kid Kopphausen Band den Sonntagsreigen eröffnen würde. Deutschsprachige Musik ist für mich immer eher eine Gradwanderung, wird schnell belanglos, zu befindlich, peinlich berührend und war schon häufig Diskussionsstoff ohne Einigungspotential. Ein echtes Highlight für mich am deutschen Plattenhimmel war vor bald 3 Jahren Kid Kopphausen. Ich hatte das immer mehr Nils Koppruch zugeschrieben, aber Gisbert zu Knyphausen schafft es auch alleine Schmunzeln und aufsteigende Tränen bei mir hervorzurufen. Vor ein paar Wochen beim Stuttgartkonzert waren die Neuarrangements der Lieder vielleicht noch zu ungewohnt, meine Stimmung wohl auch nicht ganz passend. Ich komme jedenfalls erstmal frischgeduscht und in der Erwartung nicht wirklich etwas zu verpassen ein wenig zu spät zur Matinee im Garten an. 11:50 h ist es da, brechend voll und mucksmäuschenstill. Gisbert und die hervorragende Band haben trotz der für Festivalverhältnisse frühen Stunde totale Lust zu spielen und die Bandarrangements sind beim zweiten Mal Hören großartig. Zum Teil scheinen ganz neue Lieder zu entstehen und für mich ergibt sich einer dieser magischen OBS-Momente, die sich schwer in Worte fassen lassen. "Lieben und lieben und lieben als wär’s das Leichteste der Welt!"
 
Gisbert zu Knyphausen
 Extrem charmant waren später noch Charity Children, ein neuseeländisches Pärchen, das seit einigen Jahren wohl überwiegend in Berlin lebt und dort von meinem Lieblingsradiosender Flux-FM auf der Straße entdeckt wurde. Zwischenzeitlich haben sie eine Multikultiband um sich geschart und setzen ihre hübschen Folksongs mit entsprechender Unterstützung großartig auf der Bühne um. 

Charity Children
Leider sind die Aufnahmefähigkeiten auch bei einem so angenehmen Festival wie dem OBS, bei dem man nicht von Stage zu Stage hetzen und sich im Zweifel sogar noch zwischen Band A und Sängerin B entscheiden muss, irgendwann erschöpft. Was aber neben Eisessen (sehr leckeres Demeterschafsmilchbauernhofeis), auf der Wiese lümmeln und sich dann doch nicht mehr für Festivalfood begeistern können von Sea Wolf noch bei mir ankommt, klingt so als sollte ich dringend darauf hoffen, sie bald mal wieder live sehen und hören zu können. Wunderbare, unaufgeregte mal ruhige folkigere mal rockigere Sounds der 5 Amerikaner mit der klaren Stimme eines Alex Brown Church sind es, die mich doch nebenbei noch ein wenig in den Bann ziehen können. 

Hätte ich mal lieber Kill It Kid ausgelassen. Wie unterschiedlich die Geschmäcker und Wahrnehmungen sein können zeigt sich als einer der Konzertkumpanen nach dem Auftritt vollkommen enthusiastisch zur etwas weiter hinten stehenden Freundesgruppe gesprungen kommt und sicher ist, dass man von dieser Band wirklich noch viel hören wird. Ich habe meine persönlichen Zweifel. Ich fand die Mischung zwischen simpel gestricktem Stadionrock, abwechselnd weiblicher und männlicher Stimme und ambitionierten Punkblues vollkommen unausgegoren und eher schlecht.



Aber ich wusste ja, dass The Slow Show, die die OBS-Macher ebenso wie ich letztes Jahr beim Haldern Pop entdeckt hatten, die mehr als perfekte Schlussband abgeben würden. Aufgeregt sind sie bei ihrem ersten Headline Slot auf einem Festival. Sänger Rob Goodwin mit seinem einnehmenden und unverkennbaren Bariton bedankt sich nach jedem Lied ausgesprochen demütig beim extrem aufmerksamen Publikum noch bevor die letzten Töne verklungen sind und Applaus einsetzen kann. Dabei machen sie ihre Sache hervorragend und die schönen, sich langsam steigernden Songs passen ganz wunderbar in die Nachtstimmung. Zum Abschluss ist es ein Leichtes den Glitterhouse Garten Chor zur Hookline des wunderbaren God Only Knows zu dirigieren: "Everybody's home ... now!" 

The Slow Show

OBS, es war mir ein Fest. Wir sehen uns bestimmt wieder. Und dann schaffe ich es auch zu den legendären Aftershowparties in den legendären Stadtkrug. Versprochen.

Montag, 7. März 2011

Gaspar Claus, Sir Alice & Gaspar Claus, She Keeps Bees (solo), Paris,05.03.11

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Konzert: Gaspar Claus, Sir Alice & Gaspar Claus, She Keeps Bees (Jessica solo)

Ort: Crêperie West Country Girl, Paris
Datum: 05.03.11 (eigentlich 06.03.11, 1 Uhr morgens)
Zuschauer: etwa 40-50 Konzertdauer: Gaspar Claus, ein Lied à 20 Minuten, Gaspar & Alice und Jessica jeweils 3 Lieder


Eine ganz spezielle Sache, diese nachmitternächtliche Session in der stimmungsvollen Crêperie West Country Girl des Bretonen Erwan Le Floch und seiner Frau Sophie!

Ich gehörte zu den Auserwählten, die eine geheime Einladunsgmail erhalten hatten, um an der privaten Veranstaltung teilzunehmen. Erwan hatte ausdrücklich darauf hingewiesen, diese Mail an niemanden weiterzuleiten, keine Tweets zu versenden und auch keine Facebook-Events auszurufen. Ich hielt mich an die Vorgaben, nahm aber meinen konzertbegeisterten Freund Michael mit. Zusammen hatten wir vorher das explosive Konzert von She Keeps Bees im International gesehen und es war reichlich spät geworden. 0 Uhr 30 um genau zu sein, und die Session sollte planmäßig eigentlich um 23 Uhr 30 beginnen. Trottelig wie wir nun einmal sind, hatten wir uns glatt auch noch verlaufen und kamen erst deutlich nach 1 Uhr in der zur Konzertbühne umfunktionierten Creperie an. Hier hatten in der Vergangenheit schon Größen wie Josh T. Pearson (Foto links), Bosque Brown und sogar Micah P. Hinson akustisch vom Leder gezogen und die Geschichte in Insiderkreisen bekannt gemacht. Sogar eine Platte auf Vinyl ist schon über das flux gegründete Label erschienen und über den Konzertabend im Nouveau Casino hatte ich ja berichtet. Seitdem ist es etwas stiller um die West Country Night Sessions geworden, aber Erwan und Sophie denken gar nicht daran, aufzuhören. Josh T. Pearson ist zwar aus den über der Crêperie liegenden Räumlichkeiten ausgezogen, aber mit She Keeps Bees aus Brooklyn konnte man eine Band gewinnen, die hier die allererste West Country Night- Session überhaupt gespielt hatte.

Bevor die Bienenzüchter Jessica und Andy aber loslegten, standen erst noch andere Künstler auf dem Zettel.

Kein Geringerer als der Pariser Ausnahme- Cellist Gaspar Claus hatte den Abend mit seinem innovativen und experimentellen Stil eröffnet. Der klassisch ausgebildete Musiker ist durch Videos von der Blogothèque bekannt geworden, aber auch dadurch, daß er mit der Schwester des frankophilen Bryce "The National " Dessner liiert ist.

Was Gaspar so alles mit dem Cello anstellt, verschlägt einem glatt die Sprache. Er zupft, streicht, zwirbelt und lässt Töne erklingen, die ich in dieser Form noch nie gehört hatte. Man sah deutlich, daß er eine Symbiose mit seinem Instrument einging, es fast herzte und im Arm hielt wie eine geliebten Menschen. Zwanzig Minuten dauerte der einzige Titel, den er heute abend spielte und keiner im Raume wagte es , sich auch nur zu räuspern. Die totale Stille. Diese war allerdings auch unerläßlich, denn manchmal berührte Gaspar sein Cello nur hauchzart.

Ein bizarrer, verstörend schöner Auftritt.

Fünf Minuten später leistete ihm die blondgelockte Alice Daquet aka Sir Alice aka Viva & The Diva Gesellschaft. Die ausgebildete Naturwissenschaftlerin spielte Akustikgitarre und keifte wie zu den Hochzeiten des Grugne aggressive Töne ins Rund. Ein Mikro hatte sie nicht. Gaspar spielte Cello dazu und er und Alice ergänzten sich meisterhaft. Das Cello, die Gitarre und die tiefe Stimme von Sir Alice schufen eine düstere, aber anziehende Atmosphäre. Da es extrem spät war, schienen schon einige Leute hinwegzudämmern, aber das kurze, dreistückige Set (darunter ein Cover von k.d. Lang) hatte es in sich!

Auch Jessica Larrabee äußerte sich euphorisch und meinte Richtung Sir Alice: "My goodness, I would love to have your voice!" Sympatisch, wenn man bedenkt, daß Jessica für ihre vokalen Fertigkeiten Lobhudelei von allen Seiten (z.B. von Sharron von Etten etc.) erfährt und in der New Yorker Indieszene einen extrem guten Ruf genießt. Ihr Partner Andy saß an der Bar während sie ebenfalls drei Songs auf der Akustikklampfe performte, den letzten 'a cappela.

Inzwischen war es 2 Uhr geworden, viele Mitbürgerinnen und Mitbürger verdrückten sich, noch in der Hoffnung die letzte U-Bahn zu kriegen. Ich persönlich führte aber noch ein schönes, angeregtes Gespräch mit Jessica, bei dem ich die ganze Herzlichkeit und Warmherzigkeit der Amerikanerin erfahren durfte. Besonders der Gig im Deutschen Theater in Berlin war ihr in bester Erinnerung geblieben.

Dann war es Zeit zu gehen. Von draußen blickte ich auf den Laden und sah das obere Stockwerk in dem Jessica und Andy nächtigen würden, genau wie Josh T. Pearson damals. Nun ist der legendäre Bartträger gerade dabei, Karriere zu machen. Hier im West Country Girl werden Helden gemacht. Eine tolle Sache das, Riesenkompliment an Erwan und Sophie!






Sonntag, 6. März 2011

She Keeps Bees & Wild Moccasins, 05.03.11

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Konzert: She Keeps Bees & Wild Moccasins (Tornado)
Ort: L'International, Paris
Datum: 05.03.2011
Zuschauer: sauviele



So, jetzt ist hier mal Schluss mit Süßwarenpop à la Those Dancing Days. Zumindest vorübergehend. She Keeps Bees aus Brooklyn gastierten in Paris und boten saftigen Rock ohne Schnörkel und Chichi. Die hatte ich Christoph mal gegönnt, aber der hätte wahrscheinlich mit der bluesig-rohen Darbietung nix anfangen können. Zu wenig Honig für ihn, trotz der Bienen im Namen. Egal. Ich zumindest ließ mir gerne von Jessica und Andy den Arsch aufreißen. Eine Rockröhre am Fender Stratocaster und ein Bursche hinter den Drums, mehr brauchte es nicht, um für gehörigen Lärm zu sorgen. Das banausenhafte Samstag-Abend Publikum gröhlte mit, ohne zu wissen, wer da eigentlich spielt. Deppen. Gesindel. Gutdurchesser. Und eine Arschgeige von Fotograf vor mir, der hunderttausend Fotos geschossen hat und mir permanent die Sicht versperrte. Ich hätte ihm am liebsten seine Canon über die Rübe gezogen.

Dennoch ließ ich mir meinen Spaß am Auftritt von She Keeps Bees nicht nehmen. Schließlich war es mein erstes Konzert von und mit Jessica und Andy und das wollte ich so gut es geht genießen. Durch geschicktes Lückenausnutzen (man könnte auch sagen: vordrängeln), war es mir gelungen, in die allererste Reihe zu gelangen. Und das ist in einem kleinen Laden wie dem International unbezahlbar, denn wenn es wie heute proppenvoll ist, sieht man hinten und an den Seiten so gut wie nichts. Wäre sehr schade gewesen, Jessica Larrabee nicht aus nächster Nähe zu beobachten, denn sie hat ein bildhübsches Gesicht und ein unverschämt charmantes Lächeln, mit dem sie nicht geizte. Bestens gelaunt war sie zu später Stunde (etwa 23 Uhr 30) auf der Bühne erschienen und gab von Anfang bis Ende Vollgas. Ihr Drummer, Produzent und Lover Andy saß unterdessen ganz relaxt hinter seiner Schießbude und teilte aus wie ein Preisboxer.

Das gespielte Songmaterial war mir unbekannt. Obwohl ich vor allem durch wohlwollende Besprechungen auf dem Klienicum auf She Keeps Bees aufmerksam geworden war, hatte ich bis zum heutigen Tage keine CD der beiden New Yorker im Regal.
Bislang stehen zwei Longplayer (Minisink Hotel 2006, Nests 2008) und zwei EPs (Shhh Ep 2007 und Revival 2009) auf der Habenseite, im Laufe dieses Jahres soll dann das dritte Werk Dig On erscheinen, von dem heute auch bereits ein paar Songs performt wurden. Alles klang roh, stripped to the bone und direkt und verfehlte nicht seine stimulierende Wirkung. Meine Müdigkeit war wie weggeblasen und wurde postwended durch Adrenalinstöße ersetzt. Keine Frage: was She Keeps Bees da boten, war aggressiv und brachial. Ich hätte fast Lust gehabt, ein wenig Pogo zu tanzen und Rumzuschreien wie ein gesenktes Schwein. Man darf nicht vergessen, daß ich als junger Mensch Death Metal gehört habe (ich Held, ich!) und irgendwo schlummert noch ein nicht unbedeutendes Aggressionspotential in mir (ich Rambo, ich!). Trotzdem blieb ich ruhig, obwohl ein paar Leute richtig nervten.

Ich beachtete sie nicht und konzentrierte mich stattdessen auf die Musik, die frontal und punktgenau serviert wurde. Bluesig und leicht verraucht sang Jessie die Lyrics der oft sehr kurzen Stücke. Schwüle Wüstensand- Atmosphäre breitete sich aus, die Spannung der Lieder war kisternd und es war klar, daß auch schleppend beginnende Stücke irgendwann ausbrechen würden. In diesen Momenten drehte Jessica gesanglich voll auf und keifte wie eine Furie, während Andy hinten cool as fuck seine Felle vermöbelte. Das Ganze erinnerte mich an die frühen Black Keys, weniger an die oft zitierten White Stripes und schon gar nicht an die aktuelle PJ Harvey.
Auch Cat Power passte als Referenz nicht. Stattdessen sah ich eher Parallelen zu Liela Moss und The Duke Spirit, der Band Of Skulls oder den Raveonettes.

Zwei Lieder performte Jessica sogar a'cappella und greinte tief und bluesgetränkt.

Dann war Schluß. Zumindest was das International anbelangt. Handverlesene Gäste wie ich kamen nämlich noch in den Genuß eines sehr späten Privatkonzertes mit She Keeps Bees in der Crêperie von Erwan Le Floch in Saint Ambroise. Davon berichte ich in einem anderen Post.

Ein paar Worte gilt es aber noch zu den vor She Keeps Bees auftretenden Wild Moccasins zu sagen, denn die fünfköpfige Band aus Texas wusste mit ihrem Powerpop und der rassigen, hyperaktiven Sängerin Zahira Gutierrez (die sich prima mit dem Sänger Cody Swann ergänzte) zu gefallen. Zu dumm nur, daß es vor der Bühne so dermaßen voll war, das es für mich keine Möglichkeit gab, nahe am Geschehen zu sein. Die Leute trampelten sich halb tot, es drangen immer mehr und mehr vergnügungsgsüchtige Mitbürger in den Laden und ließen die Temperaturen auf gefühlte 55 Grad Celsius steigen. Ich musste mich mit dem undankbaren Platz auf der Treppe begnügen, sah die Gruppe nur von der Seite und kam auch nicht in den Genuß eines normalen Sounds. Was ich aber hörte, machte total Laune und ich habe es nicht bereut, die CD skincollisionpast erworben zu haben. Die ist dermaßen frisch und perlend, das gibt es gar nicht!

Tornado aus Frankreich hingegen waren öde und langweilten mich gräßlich.



Konzerttermine Wild Mocassins (ohne Gewähr):

06.03.11: Kaffe und Kuchen Matinee, Az Achen, Achen
07.03.11: Halle, Heidelberg
08.03.11: Gasthaus Sutter, Zweibrücken
09.03.11: La Brasserie du.., Lausanne, Schweiz
10.03.11: Sinkkasten, Frankfurt
11.03.11: Swamp, Freiburg
12.03.11: Zwölf Zehn, Stuttgart
13.03.11: Asta-Kneipe, Rosenheim
14.03.11: rhiz, Wien
15.03.11: Paris Syndrom, Leipzig
16.03.11: Bang Bang Club, Berlin
17.03.11: Kulturhaus III & 70, Hamburg
20.03.11: Prinz Willy, Kiel
22.03.11: Café Glocksee, Hannover
23.03.11: Druckluft, Oberhausen
24.03.11: Hafen 2, Offenbach
26.03.11: d:qliq, Luxemburg

Lesenswert: Blogger-Dr. Freiherr von und zu Eike vom Klienicum zu She Keeps Bees mit Link zu einem Interview. Klick! (@ Eike: Jessica lässt dir schöne Grüße aurichten ("How do you spell his name? Eike? What a nice guy! He is so supportive for many many years now")








 

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