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Konzert Vetiver ( Marques Toliver, Hélène Renaut)
Ort: La Flèche d'or, Paris
Datum: 07.07.2011
Zuschauer: recht gut besuchte Veranstaltung, geschätzte 300
Vorzüglicher Auftritt einer hervorragenden Band: Vetiver beehrten die Pariser Flèche d'or bei ihrem letzten Konzert vor der Heimreise in die USA.Und die Truppe um den Sänger/Liedschreiber Andy Cabic (Kumpel von Devendra Banhart) mobilisierte noch einmal letzte Reserven. Fünf Musiker agierten auf der Bühne und schufen einen äußerst harmonischen, vielschichtigen, abwechslungsreichen und sonnendurchfluteten Sound, der vor allem (aber nicht nur) den Amerikanern im Publikum bestens mundete.
Ich hatte Vetiver bereits Anfang 2009 einmal live gesehen, aber von der damaligen Beestzung schien nur noch Chef Andy Cabic übrig geblieben zu sein, was unterstreicht, daß er im Grunde genommen die Band ist. Aber seine Mitmusiker waren allesamt wichtig, denn jedes Instrument war Teil des Puzzles, das zusammengesetzt ein wundervolles Bild ergab. Nichts wurde forciert, nie mit der Brechstange agiert, sondern auf subtile und nonchalante Weise fabelhafte Songs aus dem Ärmel geschüttelt, denen ich auf Anhieb gewaltiges Wachstumspotential attestiere. Die Melodien klangen fein und dezent und fielen nicht direkt mit der Tür ins Haus. Cabic und seine Kollegen wissen wohl, daß ihre Songs für sich selbst stehen und nicht durch Effektheischerei marktschreierisch angepriesen werden müssen.
Allein die wunderbar milde und leicht würzige Stimme von Andy war das Kommen wert, sie puderte Wunden zu, bezauberte, tröstete, wirkte wie ein natürliches Antidepressivum. Auch der junge Gitarrist rechts auf der Bühne vermochte zu begeistern. Bei ein paar Stücken spielte er solch tolle melodische Riffs, das ich mit der Zunge schnalzte. Ihm in nichts nach stand der wuschelige Drummer, der auf beindruckende Weise sein Schlagzeugspiel variierte. Mal ganz zart mit dem Schneebesen gerührt, mal energischer mit den Sticks bearbeitet, immer untermalte er glänzend die Stimmung der jeweiligen Lieder.
Die lockige Keyboardspielerin und Background- Sängerin wiederum hatte ihre beste Szene bei dem Go Betweens Cover Streets Of Your Town. Wie sie zuckersüß und lieblich den Refrain sang, das war einfach zu schön um wahr zu sein.Aber auch der Basser machte seine Sache sehr odentlich, man konnte wirklich von einer gut eingestimmten Truppe sprechen.
Schon früh wurde mit dem Neuling Hard To Break ein besonders sonniger und melodiöser Song gebracht, der mich auf Anhieb davon überzeugte, daß ich das neue Album The Errant Charm haben musste. Von dem Werk gab es später noch andere Stücke, die ebenfall hochkarätig waren, allen voran das beschwingte, fein perlende Wonder Why.
Aber auch das ältere Album To Be Gone wurde mit der Ballade Maureen und dem psychedelischen You May Be Blue gewürdigt, das Set war letztlich eine Art Best Of, in dem sich verhuschte Dream Pop Stücke und Uptempo Nummern von allen Schaffensperioden die Waage hielten.Unabhängig von der Geschwindigkeit der jeweiligen Lieder tanzten aber ein paar alte Witzbolde durchgängig wild und mit ausladenden Gesten ab, als würde dort vorne eine Post Punk Band spielen. Das Ganze hatte einen Hauch von Monty Python und einige Leute hatten vor Lachen Tränen in den Augen.Ein amusantes, ein hochklassiges Konzert, in jeder Hinsicht!
Vorher hatten Hélène Renaut und Marques Toliver in den Abend eingeläutet.
Hélène ist eine in San Francisco lebende Französin, die barfüßig ein paar an Vashti Bunyan erinnernde Folksongs performte. Den Liedern wohnte ein altmodischer, stark peaciger Charme inne, so als seien sie in den friedliebenden 60 er oder 70 er Jahren geschrieben worden. Einen Chanson sang Reanut auch in französich, aber er blieb die Ausnahme in einem schönen, aber etwas langatmigen Set.
Marques Toliver aus London kam nach Hélène Renaut zum Zuge und traf stilistisch nicht wirklich meinen Geschmack. Sein inbrünstiger soulig- bluesiger Gesang zerrte ziemlich bald an den Nerven und ich war froh, als er mit seinem Programm durch war. Dabei war der sympathische Bursche sehr vielseitig (Geige, Autoharp) und ein guter Entertainer, der beim letzten Titel sogar einen Abstecher ins auf dem Boden sitzenden Publikum wagte.
Setlist Vetiver, La Flèche d'or, Paris:01: Strictly02: Hard To Break03: Worse For Wear04: Rolling Sea05: Maureen06: Angel's Share07: It's Beyond Me08: You May Be Blue09: Another Reason To Go10: Can You Tell11: Pay No Mind12: Everyday13: Right Away14: Streets Of Your Town (The Go-Betweens)15: Wonder Why16: Wishing Well17: More Of ThisAus unserem Archiv:Vetiver, Paris, 19.02.09
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Konzert: Vetiver (Dear Reader, Xavier Plumas)Ort: la Maroquinerie, ParisDatum: 19.02.2009Zuschauer: gute Raumauslastung, aber wahrscheinlich nicht ausverkauftKonzertdauer: Dear Reader: ca. 35 Minuten, Vetiver gut 60 Minuten
"Eine ganz wundervolle Band, die hoffentlich noch viel mehr gehypt wird!"So euphorisch schrieb mein Bloggerpartner Christoph, nachdem er kürzlich Dear Reader im Kölner Museum Ludwig gesehen hatte. Seinen Worten kann ich mich nach dem Pariser Konzert allerdings nur bedingt anschließen, denn alles was die Südafrikaner boten, war zwar charmant und schön, allerdings auch ein wenig brav, radiokompatibel und für meine Ohren zu sehr auf Wohlklang getrimmt.
Für die Fortsetzung des Hyps müssen dann wohl andere Blogger sorgen, wenngleich ich das sympathische Trio keineswegs schlecht machen möchte. Deren niedliche Sängerin,
Pianistin und Akustikgitarristin Cherilyn MacNeil hat nämlich eine wunderbare und markante Stimme und allein deshalb lohnt die Beschäftigung mit Dear Reader. Lediglich die Arrangements waren mir zuweilen zu dramatisch, zu stark auf die Tränendrüse drückend.
Bei einem Stück hatte auch der schlaksige Drummer Michael seinen großen Auftritt ,als er den Anfang von The Same intonierte, bevor er zu seinem Schlagzeug zurückkehrte. Bezüglich der übrigen gespielten Titel verweise ich auf den ausführlichen Bericht von Christoph aus Köln, denn es besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, daß genau die gleichen 8 Lieder Bestandteil des rund 30 minütigen Sets waren,
bei dem das Publikum im Schneidersitz den melancholischen Kompositionen der Südafrikaner lauschte.
Auch nachdem Dear Reader mit ihrem Programm durch waren, blieben die Zuschauer noch eine ganze Weile auf dem Boden sitzen. Vielleicht wollten sie eine Lagerfeueratmosphäre schaffen,
die im Grunde genommen ja auch ziemlich gut zu der warmen und erdigen Musik von Vetiver, der Hauptgruppe des heutigen Abends, passt. Ich sah mich im Publikum um und erblickte eine bunt durchgemischte Gesellschaft, zum Großteil aus im Schnitt 30- 35 jährigen Franzosen und Amerikanern bestehend. Es ist inzwischen schon ein gewohntes Bild,
daß Amis, die in Paris leben und arbeiten, zu Konzerten ihrer Landsleute angetigert kommen. Das Publikum gefiel mir, es schien reif, gebildet, diszipliniert, aufmerksam und in musikalischen Dingen bewandert zu sein. Die Musik einer Band wie Vetiver konsumiert man nicht so einfach wie Fast Food aus den Charts und es bedarf
schon einer gewissen Vorbildung durch Beschäftigung mit guten klassischen Folkrock-und Bluesrock-Bands, um das Ganze in vollen Zügen zu genießen. Diesbezüglich verhält es sich ein wenig wie mit gutem Rotwein und erlesenen Speisen. Wer da noch nicht ausreichend gekostet und probiert hat, wird kaum die feinen Unterschiede erkennen und im Zweifel, den süßeren, süffigeren Wein, dem hervorragenden trockenen vorziehen...
Irgendwann waren endlich die Aufbauarbeiten abgeschlossen und es konnte mit Vetiver losgehen. Das Publikum erhob sich. Gut so, Konzerte im Sitzen werden schnell dröge und steif! Sofort mir fiel ein Typ mit langen blonden Haaren unter den Zuschauern auf. Er sah aus wie das Klischeebild eines Hippies und
bezeugte seine Zuneigung zu der spielenden Band von Anfang bis Ende mit ausladenden Gesten. Der Kerl war köstlich, ich hatte meine helle Freude daran, seine jeweiligen Reaktionen auf die Lieder zu beobachten! Aber so hippiesk wie man vielleicht meinen könnte, war die Veranstaltung nicht.
Schließlich leben wir nicht mehr im Jahre 1968, Woodstock ist lange vorbei und selbst in San Francisco ist Flower Power nur noch ein Schlagwort, um Touristen zu ködern. Daran hat auch das musikalische Revival der letzten Jahre nichts geändert, selbst wenn junge Generationen auch heute wieder anfangen, von mehr Freiheit und einem unangepassten Lebensstil im Einklang mit der Natur zu träumen, anstatt wie in den 80ern und 90ern dem schnellen Geld hinterherzujagen.
Heuzutage sind Konzerte von erdigen Folkbands wie Vetiver erfreulicherweise bunt duchmischt und es gab auch erstaunlich viele Frauen, was beweist, daß Vetiver auch in der Damenwelt gut ankommen. Einer Bekannten von mir gefiel der smarte Bassist gar so gut, daß sie ins Schwärmen geriet. Er war wirklich ein attraktiver Kerl, mit Jacket, geöffnetem Hemd, Blue Jeans und Cowoboystiefeln.
Man hätte ihn für einen Filmschauspieler halten können! Mir war die Optik des Bassisten (der auch ab und zu Mundharmonika spielte) allerdings schnuppe, ich interessiert mich mehr für die warme und außergewöhnlich schöne Folkstimme des Sängers und Songschreibers Andy Cabic,
der das in Countrykreisen obligatorische karierte Hemd trug. Interessant war auch der Drummer mit seinem windschiefen Hut. Der Bursche spielte nicht nur außergewöhnlich filigran Schlagzeug, sondern agierte auch häufig an einer kleiner Triangel. Neben einem weiteren Herrn an der E-Gitarre gab es
schließlich eine blonde Pianistin mit feschem Kurzhaarschnitt, die gleich vor mir spielte. Auffällig war, daß sie sich oft wie eine Katze an dem Instrument dehnte und streckte, anstatt nur starr und steif vor sich hinzuklimpern.Der Start ins Programm mit Rolling, Sea, Oh Papa und dem Neuling Sister war musikalisch gut, aber ich hatte ein wenig Mühe, mich zu konzentrieren.
Die Müdigkeit der letzten Tage steckte mir in den Knochen und auch mein Kopf war kaum aufnahmefähig. Hinzu kam, daß die Musik von Vetiver eine hypnotische, einschläfernde Komponente hat. Ich sage das jetzt nicht abwertend, denn ich kann mir eigentlich kaum Schöneres vorstellen,
als Lieder, die mich friedlich in den Schlaf wiegen. Und Maureen vom 2007 er Album To Find Me Gone, welches nun folgte, ist wahrlich ein traumhaft schönes Stück! Aber Vetiver können auch anders, sprich treibender, schneller, härter. You May Be Blue war dafür das beste Beispiel. Ein bluesiger Schocker, der mich endlich in Fahrt brachte! Ich fing an zu tanzen und bewegte mich im Rhthymus der psychdelischen Nummer. Wie in Hypnose wippte ich mit verschlossenen Augen im Takt und stellte fest, daß ich gerade dabei war,
eines der besten Lieder der letzten Jahren live zu erleben. Was für ein Knüller! Die Lethargie war wie weggeblasen und von nun an genoß ich das Konzert in vollen Zügen. Everyday (vom Neuling Tight Knit) war so wunderbar sonnig und entspannt, daß ich glatt an 60ies Bands wie die Beatles oder die Beach Boys dachte. Herrlich,
genau wie On The Other Side, ebenfalls neu im Programm. Bis auf eine Ausnahme (Another Reason To Go) stammte das Ende des Sets dann aber schließlich vom Album To Find Me Gone. Ein Werk, welches ich seit längerer Zeit besitze, aber eigentlich viel zu selten gehört habe.
Allein I Know No Pardon ist so wundervoll, daß man es am liebsten stundenlang hören würde, während Idle Ties herrlich beschwingt und Laune machend ist.Verflixt, daß dann schon nach circa. einer Stunde Schluß war, weil der Laden schließen wollte! Eine rockige Zugabe gab es aber trotzdem noch mit auf den Weg und am Ende war nicht nur der langmähnige Hippie im Publikum
(der eifrig Kusshände an die Band verteilte) völlig begeistert.Vetiver werden dieses Jahr den Durchbruch schaffen, da bin ich sicher. Zumindest in den Folk-und Indiekreisen und das reicht ja vollkommen aus, wir wollen ja schließlich nicht jede Band mit jedem teilen!Setlist Vetiver, La Maroquinerie, Paris, Les Nuits de l'Alligator:01: Rolling Sea02: Oh Papa03: Sister04: Maureen05 You may be blue06: Everyday07: On The Other Side08: I Know No Pardon09: Been so Long10: Another Reason To Go11: Idle Ties- Links:
Hier schwärmt auch Eike vom Klienicum von Vetiver. Unbedingt lesen!Mehr Fotos von Vetiver.
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Vetiver - You May Be Blue Livevideo, Maureen, ebenfalls liveDear Reader - Great White Bear live aus dem Kölner Museum Ludwig, Never Goes ebenda