Posts mit dem Label Feather Feather werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Feather Feather werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 3. Mai 2012

Kinrisu, Paris, 15.04.12

0 Kommentare

Konzert: Kinrisu, Feather Feather, My Jazzy Child
Ort: ein Wohnzimmer irgendwo in Paris, aber nicht mein eigenes

Datum: 15.04.2012

Zuschauer: geschätzte 70




An einem Sonntag im April habe ich ein Fabelwesen gesehen. Eine rothaarige Fee mit seltsam infantilem Gesang, eigenartiger Gitarrentechnik (klopfen war oft angesagt) und wundersamen Texten namens Kinrisu hatte mich völlig verzaubert.

Woher stammte sie? Wer war sie? Warum hatte ich nie vorher von ihr gehört oder gelesen?


Nun, Rachael, so heißt die junge Dame bürgerlich, stammt aus Kalifornien, wohnt seit ein paar Jahren in Paris und ist hier eher sporadisch aufgetreten. Theoretisch hätte ich sie aber schon einmal live sehen können, sie war unter anderem im International oder Petit Bain zu bewundern. Aber Konzerte von ihr waren insgeamt doch eher rar gesät. Dabei hat sie in den letzten sechs Jahren fleißig Songs geschrieben und stattliche 4 Alben in Eigenregie aufgenommen. Sie heißen Make Love & Cake (2007), Monster Wisp (2008), Early Pastries (Feb 20120) und Lucent Animal Chimes (Nov 20120). Alle verfügen sie über ein außerordentlich charmantes Artwork, das die Künstlerin selbst gefertigt hat. Rachael zeichnet auf kindliche und pointilistische Weise Menschen und Tiere in bunten Farben.

Sie selbst beschreibt sich so: "Kinrisu reveals a dreamlike and personal universe favored by experimental and instinctive folk music & pointilist drawings made of intricate characters and enigmas and colorful stains."

Diese Beschreibung passte perfekt! In der Tat war ihre auf einer Akustikgitarre vorgetragene Folk-Musik experimentell, eigen und kam aus dem Bauch (oder aber dem Herzen?) raus. Vor einer Leinwand mit einer ihrer Zeichnungen spielte sie vor einer vorbildlich leisen Gruppe von Musikfans ihre verhuschten Songs und verblüffte die Leute vor allem mit ihrer an die frühe Joanna Newsom oder Coco Rosie erinnernde Kleindmädchenstimme. Sie benutzte im Gegensatz zu den Tonaufnahmen aber keinerlei Effekte oder Loops, sondern spielte rein akustisch und althergebracht auf. Ich war hin und weg, begeisterte mich neben der Stimme auch an der Klopftechnik auf der Gitarre und verbrachte traumhafte 35 bis 40 Minuten, die auschließlich mit ganz neuen, unveröffentlichten Songs bestückt waren. Textlich ging es um die Verarbeitung eigener Erlebnisse, teilweise sehr düsterer Art. Immer aber blieb die kindliche Sichtweise (Kinrisu ist bereits Mutter vielleicht liegt es daran) und man hörte von Astronauten, Panda Babies oder auch Space Frogs (Weltraum Frösche?). Abgedreht, was?


Wie ich schon sagte, ein Fabelwesen. Ich bin heute, fast drei Wochen später noch völlig geplättet von der jungen Dame. Sie hat ein immenses Talent, ist absolut außergewöhnlich. Nach den entzückenden Däninnen Nór mache ich also zum zweiten Mal in diesem Jahr bei einer Homeshow eine ganz prima Entdeckung.







Die heutige Show hat übrigens ein netter Mitbürger namens Serge organisiert. Er ist Novize in dem "Geschäft", fragt mich hinterher, was ein "Profi" wie ich (so nannte er mich, ich wies das zurück) ihm als Verbesserungsvorschlag unterbreiten würde. Da fiel mir nicht viel ein, denn ich fand die Atmospähre sehr angenehm und entspannt, die Künstler gut gewählt und die Location geräumig und gemütlich. Eine Sache gab ich ihm dann doch noch auf den Weg, weil mir das grunsätzlich wichtig erscheint. Serge hätte die jeweiligen Bands kurz ansagen und vorstellen müssen, das schafft eine gute Verbingdung zwischen Künstler und Publikum und wird leider bei Wohnzimmerkonzerten relativ oft vergessen.

Achso, neben Kinrisu traten noch zwei andere Acts bei dieser Veranstaltung auf. In den Nachmittag eingeleitet hatte der Franzose My Jazzy Child, der traurige Lieder im Stile von Nick Drake auf der Akustischen vortrug, bevor dann Feather Feather den Staffelstab übernahmen. Von dem Projekt des Franzosen Philippe, der auf einer traditionellen finnischen Kantele spielt und sich zwei amerikanische Gastsängerinnen dazu geholt hat, hatte ich ja schon vor nicht allzu langer Zeit ausführlich geschwärmt. Heute hatte er übrigens zwei andere Vokalistinnen als beim vorigen Mal dabei (ihre Namen: Austin (Foto) und Melody) und der umtriebige Kerl wird am 19. Mai dann auch ins Aufnahmestudio gehen, um die bildschönen Kompositionen für die Ewigkeit auf Tonträger zu bannen.



Montag, 12. März 2012

Feather Feather & Jae, Paris, 04.03.12

1 Kommentare

Konzert: Feather Feather & Jae
Ort: Fabrique des Balades Sonores, Paris

Datum: 04.03.12

Zuschauer: etwa 30



Wow, das war wirklich wahnsinnig schön!


Ich hatte ja immer mal wieder löblich von den fleißigen, weitestgehend ehrenamtlich tätigen Konzertveranstaltern Les Boutiques Sonores berichtet. Die haben sich nun leicht umbenannt und heißen inzwischen Balades Sonores. Das klingt poetischer (Balades=Spaziergänge), aber witzigerweise haben sie nun zum ersten Mal eine richtige Boutique. Vorher verkauften sie bei ihren Konzerten, aber auch bei Festivals CDs von winzigen Indielabels oder teilweise selbt verlegte Scheibchen, hatten also immer nur einen Stand. Nun haben sie einen kleinen, sehr charmanten Laden angemietet, wo sie Vinyl, CDs, Kassetten (!), handgefertigte Jutetaschen, gestrickte Plüschtiere (handmade) und Plattenspieler (nur eine bestimmte Marke) verkaufen.

In diesem Shop, genannt La Fabrique, veranstalten sie auch ab und zu intime akustische Konzerte. Der Laden ist wirklich winzig und so passen nicht sehr viele Leute hinein. Erstaunlicherweise war es aber doch möglich, fast 30 Mitbürgerinnen und Mitbürger, Pariserinnen und Pariser und Nichtpariserinnen und Nichtpariser unterzubringen. Diese hatten irgendwoher Wind davon bekommen, daß hier und heute erlesene Konzerte stattfinden würden.

Den Auftakt machten Feather Feather. Ein neues Projekt des (eigentlich inzwischen in Austin/Texas lebenden) Philippe Beer Gabel, der Insidern als Frontmann der Pariser Indierock-Band General Bye Bye ein Begriff ist. Feather Feather klingen aber ganz anders als seine frühere Gruppe. Statt melancholischem Rock gibt es nun feinsten, barock wirkenden Kammperpop, mit Kantele, Violine und gleich zwei gecasteten Folksängerinnen aus den USA. Kantele? Gecastet? Nun, die Kantele hatte Philippe schon bei General Bye Bye ab und zu gespielt, nun aber hat er sich deutlich intensiver diesem finnischen, harfeähnlichen Nationalinstrument gewidmet. Er hat Kurse genommen, Songs auf diesem kuriosen roten Teil geschrieben und über die in Amerika sehr beliebte Webseite Cracklists nach Sängerinnen gesucht, die ihn musikalisch begleiten können. Er wurde nach intensiver Auswahl fündig und spielt nun mit Laura Jorgensen und Liz Tolan. An der Violine bezauberte Andrea Else. Laura hatte den Hauptgesangespart zu stemmen, während Liz lediglich das (himmlische) Lied Fingers in Painting beisteuerte. Philippe selbst sang allerdings auch häufig, obwohl er mit dem Zupfen der Kantele schon viel zu tun hatte.


Die entzückenden Lieder, teilweise Neuinterpretationen von Tracks von General Bye Bye, kann man sich in aller Ruhe bei Soundcloud anhören, deshalb will ich ausnahmsweise hier nicht weitere Ausführungen machen, sondern einfach den Hörgenuß empfehlen.

Rocketlauncher (live) by featherfeather

Fingers in Painting (live) by featherfeather

Na, reingehört? Ist Fingers In Painting nicht das wundervollste Stück Musik, was man sich vorstellen kann? Ich finde es zum Steine erweichen!

Setlist Feather Feather, Fabrique des Balades Sonores:


01: Rocketlauncher
02: Holly's Hands
03: Legs In The Dark (GBB)
04: A Murder Of Crows (GBB)
05: We Will Follow
06: Selfportrait (GBB)
07: Fingers In Painting


Nach Feather Feather spielten dann noch die Holländerin Jae und ihre Freundin Anat. Jae kennen meine Freunde schon von den Oliver Peel Sessions her und auch Fans der Blogothèque dürfte diese Dame ein Begriff sein, denn sie hat schon ein paar schöne Lieder mit dieser Videoseite eingespielt.



Heute gab es aber ganz neues, noch unveröffentlichtes und im Netz unauffindbares Material. Es stammte ausschließlich vom sehnlich erwarteten zweiten Album und wies schon die Stärken auf, die das erste Album Balls And Kittens so gut machten. Die starke poetische und kontemplative Kraft der Lieder, die vielen Brüche und Wendungen, die Eigenständigkeit von Jessica Sligter, die niemanden kopiert, sondern ihren ganz eigenen Weg verfolgt, die schönen Harmoniegesänge und die feinen Melodien, die aber nie zu rund und glatt geraten. Die Künstlerin, die auch Teil des Kollektivs Sacred Harp ist, wird hoffentlich damit endlich etwas bekannter werden. Mit dem Erstling reichte es bisher nur zum Kritikerliebling.



Also bitte mal alle merken: Feather Feather, Jae und für die Pariser und Gäste: La Fabrique des Balades Sonores!



 

Konzerttagebuch © 2010

Blogger Templates by Splashy Templates