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Dienstag, 9. Juli 2013

Dirty Beaches + Anika, Berlin, 6.7.2013

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Konzert: Dirty Beaches & Anika
Ort: Haus der Berliner Festspiele - Foyer (Foreign Affairs)
Datum: 6.7.2013
Zuschauer: ausverkauft
Dauer: 30+45 Minuten






FUCK DIRTY BEACHES!!!!
FUCK MONTREAL!!!!


So endet das Konzert der Dirty Beaches im Foyer des Haus der Berliner Festspiele. 
Samstag Abend - kurz nach elf betreten Dirty Beaches die Bühne. Alex Zhang Hungtai ist nicht alleine, sondern noch es verteilen sich noch drei Musiker an den üblichen Stationen. Ich habe mich im Vorfeld fast dagegen gesperrt, dass mich Dirty Beaches besonders interessieren könnten. Viel mehr wollte ich einen entspannt düsteren Abend mit Anika verbringen.
Anders als bei Punkkonzerten der 80er, als die junge Generation noch den Widerstand und die Selbstaufgabe probte, sind die Konzertgänger an diesem Abend befriedet und sitzen neugierig abwartend auf dem Boden und versorgen sich im Vorfeld gegenseitig mit Ohrstöpseln. Es könnte ja zu laut werden und das Piepen in den Ohren - das muss nun wirklich nicht sein.
Meine Ohrstöpsel habe ich selbstredend immer griffbereit in der Tasche und dennoch befremdet mich derartiges. 

All das ist aber längst vergessen, als im düsteren Blaulicht die Herren ihre Show beginnen. Es dauert nicht lange und ich werde hineingezogen in diese Klangwelt. Wie ein Rausch. Dazu der verzerrte Sprechgesang. Schattenboxen mit schwarzen Lederhandschuhen. Gegen welche Dämonen mag Alex da gerade ankämpfen? Ein extatisches Rumgeschrei entlädt sich immer wieder. Dann wieder Kontrolle. Das blaue Gegenlicht lässt alles unscharf, unbestimmt, aber voller Energie. Diese Energie lädt sich immer weiter auf - verlangt nach Erlösung. Sie wird verwehrt.

Am Ende des Konzerts, verlangt das Publikum nach mehr. Einer besonders, der in Extase und Verzweiflung immer wieder fordernd nach Fortsetzung verlangt, um dann in völliger Frustration den Mikrofonständer auf die Bühne stampfend FUCK DIRTY BEACHES heraus brüllt. Und Recht hat er - die 30 Minuten waren zu kurz.
Man darf gespannt sein, wohin sich Dirty Beaches entwickeln werden. Mit seinem Berliner Wohnsitz ist Alex schon mal in der Schlangengrube angelangt. Und auch die Spex hat Notiz genommen.
Was an Montreal so schlimm ist, bleibt mir bis heute im Verborgenen.



Und nun Anika - aber nicht alleine. Thomas Klein, Alex Paulick, Andreas Reihse (Kreidler) und Tyler Pope (LCD Soundsystem) sowie später Bryant K sind mit auf der Bühne.
Anika ist arg nervös und das helle Licht schafft auch keine wirkliche Sicherheit. Zu Beginn direkt Terry, das mir in der Studioversion sehr gut gefällt. Leider finde ich den Zugang zu der aufgepeppten Live-Version nicht wirklich. Ist mir zu schunkelig und der Sound erinnert mich stark an Spliff.
Auch Yang Yang verliert live. Finde ich den Sound des Albums genau wegen ihres des Purismus bezaubernd, aber so verliert sich dieser Reiz. Als müsste es doch gelingen, wenn man viel Talent gemeinsam auf die Bühne bringt. Aber es wird dadurch nur beliebig.

I Go To Sleep - Die Düsternis ist wie weggewischt. Stattdessen wird es überlagert von dem Wunsch nach Selbstverwirklichung, den wohl jeder der mitgebrachten Musiker hatte. Und so steht sich alles im Weg.
Das Highlight des Konzerts ist auch der Abschluss - Masters Of War. Da bekommt auch Bryant K seinen kurzen Auftritt, indem er hockend auf der Bühne immer mal wieder ins Mikro krächzen darf. Das ist dann auch zum ersten Mal alles stimmig. Das Licht geht an und jemand mit Reisekoffer verkauft ein paar Alben und CDs. Große Euphorie macht sich leider nicht breit. Zu groß war der Kontrast zwischen beiden Konzert. 


Mittwoch, 15. Mai 2013

Veronica Falls & Dirty Beaches, Brüssel, 14.05.13

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Konzert: Veronica Falls & Dirty Beaches
Ort: Ancienne Belgique, Brüssel
Datum: 14.05.2013
Zuschauer: 300 vielleicht
Dauer: Veronica Falls 50 min, Dirty Beaches knapp 45 min


"Fütter' mein Ego! Fütter' mein Ego! Fütter' mein Ego! Yü-Gung kann Berge versetzen. Und alles ist wichtig!" 

Ich bin kein großer Kenner (und Fan) der Einstürzenden Neubauten, Yü-Gung, dieses großartige Krach-Lied gehörte aber zum festen Repertoire der Indiedisco und fundamental zu meiner musikalischen Sozialisation. Während des Auftritts der Dirty Beaches erinnerte mich das erste Stück so sehr an dieses Lied, daß es mich seitdem wieder einmal als Ohrwurm verfolgt. Alex Zhang Hungtai, der Mann hinter Dirty Beaches, hat sicherlich viel mehr Einstürzende Neubauten als ich gehört. sein Schrei-Gesang und die Rhythmen dieses Lieds klangen zu sehr nach der Blaupause, daß es ein Zufall sein könnte. Aber es gibt ja sicherlich schlechterer Orientierungen. Das zweite Lied klang nach einem Mantra, das Alex vor sich hinmurmelte. Dann gab es einen Song, der hauptsächlich aus Hubschraubergeräuschen bestand, einen der Sleeper in Metropolis zitierte und ein nur-Gitarren Cover eines Singer/Songwriters, das ich nicht erkannt habe.

Auf der Bühne standen neben dem sich ständig bewegenden Sänger ein Keyboarder in Lederjacke und ein Schlagzeuger, der meist mit einem Stick auf ein elektronisches Drumpad einschlug und wie Konzertnachbar Frank richtig feststellte sich damit für einen Einsatz bei Kraftwerk bewerben könnte. Während Alex und der Schlagzeuger für das letzte Stück - das Cover ("I'm blind... the devil's hand...") - Gitarren umschnallten und sphärische Töne erzeugten, drehte sich der arbeitslos Keyboarder scheinbar extrem gelangweilt um und stand regungslos mit dem Rücken zum Publikum.

Klingt scheußlich? Das war es absolut nicht. Dirty Beaches sind keine Band, die ich mir jemals auf Platte anhören werde, der Auftritt in Brüssel war allerdings faszinierend gut! Alleine dafür hatte sich der Ausflug ins Ancienne Belgique gelohnt ("alleine", nicht "nur"!).

Um 21.35 Uhr hatten Veronica Falls ihren dreiminütigen Soundcheck beendet und erschienen zurück für ihren Auftritt. Die Band wirkte auf mich ein wenig müde, aber vielleicht interpretiere ich zuviel in Gesichtsausdrücke hinein.

Die Box des Ancienne Belgique hatte ich mir als eigenen Saal vorgestellt. Wir waren uns im Laufe des Abends aber immer mehr sicher, daß es sich um den großen Saal handelte, bei dem die Bühne weiter zurückverschoben war und Vorhänge den hinteren Teil und die Balkone oben verdeckten. In diesem (eventuell) hatte ich New Order gesehen, damals waren vermutlich 2.000 Zuschauer anwesend. Für das heutige sehr gemischte Doppel waren 250 bis 300 gekommen, der jetzt kleinere Saal hätte einge mehr gefasst.

Veronica Falls spielten das gleiche Set, das ich in München erlebt hatte. Es gab auch sonst wenige Variationen, weder in die eine, noch in die andere Richtung. Alle Lieder im Liverepertoire sind Knüller - ihre Bühnenversionen noch einmal charmanter als die auf Platte. Alle außer Tell me. Damit hatte ich schon vor anderthalb Wochen gefremdelt, obwohl ich das Stück auf dem Album sehr gerne höre. Nachdem es mir auch in Brüssel so ging, vermute ich, daß Tell me zu langsam für Konzerte ist. Vielleicht sollte die Band es einmal punkiger spielen. Gerade als Einstieg in einen Auftritt fehlt dem Lied aber der Biss.

Daß das Konzert der jungen Londoner, in die ich mich in den letzten Jahren so verguckt ("verhört" klingt doof) habe, schlechter als das in München war, lag zum einen an der fehlenden Abwechslung, zum anderen am Publikum, das bis auf eine Handvoll Leute in der Mitte, die gegen Ende aufdrehten und laut wurden, extrem zurückhaltend war. Hauptstadtpublikum, wie man es kennt, das alles schon einmal gesehen hat.

Trotzdem heißt "schlechter" natürlich noch immer sehr gut. Also freue ich mich auf das nächste Mal mit Veronica Falls.

Setlist Veronica Falls, Ancienne Belgique, Brüssel:

01: Tell me 
02: My heart beats 
03: Beachy Head 
04: Broken toy 
05: Waiting for something to happen 
06: Bad feeling 
07: Found love in a graveyard 
08: If you still want me 
09: Buried alive 
10: Wedding day 
11: Teenage 
12: Come on over 

13: Right side of my brain (Z) 
14: Starry eyes (Roky Erickson Cover) (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- unser Interview mit Veronica Falls
- Veronica Falls, Stuttgart, 04.05.13
- Veronica Falls, München, 03.05.13
- Veronica Falls, Barcelona, 02.06.12
- Veronica Falls, Berlin, 22.03.12
- Veronica Falls, Luxemburg, 10.11.11
- Veronica Falls, Paris, 04.05.11



 

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