Sonntag, 1. September 2019

Desperate Journalist, Susteren, 31.08.19


Konzert: Desperate Journalist
Ort: Raadhuisplein, Susteren (Koppelpop Festival)
Datum: 31.08.2019
Dauer: knapp 60 min
Zuschauer: 300 vielleicht



Eigentlich hatte ich über dieses Konzert schon vor einem Monat schreiben wollen, Desperate Journalist waren fürs Indietracks bestaätigt worden, also für das Festival, bei dem ich die Londoner Band 2015 kennengelernt hatte. Kurz vor dem Indietracks brach sich Schlagzeugerin Caz das Fußgelenk, die Band musste eine ganze Menge Sommertermine absagen. Der erste Auftritt nach der Zwangspause sollte ein Festival namens Koppelpop in Susteren sein. Weil ich sie nicht beim Indietracks sehen konnte, schien es mir eine gute Idee zu sein, das in Susteren nachzuholen, wo auch immer das sein möge.

Seit dem Konzert in Ripley 2015 ist eine Menge passiert. Desperate Journalist hatten damals gerade ihre erste Platte veröffentlicht (ich kaufte im Indietracks-Merch-Zelt das vorletzte Vinyl). Seitdem erschienen zwei weitere Alben, mehrere EPs und Singles, die Band trat dreimal in Köln auf, zwei der Konzerte konnte ich (mit)veranstalten. Seit ein paar Monaten ist die Band live um Gitarristin Charley Stone erweitert worden. Die allerdings verpasste das Live-Comeback, weil sie mit ihrer anderen Band Salad (ja, die!) vier Konzerte bei den Star Shaped Festivals spielt und das erste in Manchester an diesem Wochenende stattfand.

Abgeschreckt hatte mich vorher, daß das Koppelpop ein Gratis-Festival sein sollte. Mit solchen Veranstaltungen verbinde ich betrunkene Menschen, Rathausplätze und Coverbands. Aber nicht erfolgreich abgeschreckt, ich war irgendwann in Susteren, parkte 150 m von der Hauptbühne auf dem Rathausplatz und hörte als erstes ein Girls just wanna have fun Cover. Ach, es würde ja auch reichen, pünktlich zum Start von Desperate Journalist wieder da zu sein...

Die Londoner waren um 22:45 angesetzt. So richtig voll war der Rathausplatz da nicht mehr. Dadurch, daß das Koppelpop eher ein Nachbarschafts- oder Familienfest als ein Popfestival zu sein schien, waren wohl nicht viele Zuschauer gezielt wegen des Headliners aus England da. Aber das Publikum war musikaffin genug, um schnell von der Band da auf der Hauptbühne überzeugt zu sein. Es ging niemand. Und es war ein sehr angenehmes Publikum (dämliche Vorurteile).

Da ich über viel zu wenige meiner bisherigen DJ-Konzerte geschrieben habe - das in Susteren war mein achtes, glaube ich - hole ich etwas aus. Desperate Journalist sind Sängerin Jo, Gitarrist Rob, Schlagzeugerin Caz und Bassist Simon. Musikalisch bewegt sich die Band in der Schnittstelle zwischen Indiepop, Wave, Goth und der unfiesen Version von Indierock. Daher passen Desperate Journalist sowohl aufs Indietracks als auch aufs Wave Gothic Treffen (beide haben sie gespielt).

Das Konzert begann mit Murmuration vom letzten Album In search of the miraculous und mit technischen Problemen. Jos Mikro mit dem üblichen roten Kabel funktionierte nicht, sie sang lautlos. Erst mit dem Ersatzmikro, das neben ihr lag (und das der Conférencier vorher zum Anheizen des Publikums genutzt hatte) funktionierte es, Jo stieg irgendwann ins Lied ein. Erstaunlicherweise war Murmuration nur eines von vier Stücken vom neuen Album, vielleicht dem Ausfall von Charley geschuldet, vielleicht auch, weil es ein Konzert außerhalb jeder Tour war. Da ich Desperate Journalist in Köln und Münster mit In search... gesehen hatte und alles von ihnen mag, störte mich das gar nicht. Ganz im Gegenteil. Bei der Tour im Mai hatten DJ in Köln nichts vom heißgeliebten ersten Album gespielt, in Susteren gleich vier Songs - Happening, Control, das fantastische Cristina und Distance, das Jo singt und dazu nur von Robs Gitarre begleitet wird. Das Lied diente der Band auch dazu, einen Puffer zu haben, falls Caz' Fuß die Belastung eines ganzen Konzerts nicht hinbekommen sollte. Ich war froh, ich lieben Distance. Wobei das eine unsinnige Aussage ist, weil ich eh alles von denen mag.

Für einen Rathausplatz klang das Konzert überraschend ok, auch das Publikum war viel angenehmer und aufmerksamer als befürchtet. Als besonderen Bonus spielten Desperate Journalist eine Stunde und damit ein ganz normales Konzert. Mit Zugabe (Resolution). 

Oh, es war wieder toll! Daß Desperate Journalist live immer noch besser werden, merke ich bei jedem Konzert. Ich hoffe, es kommt bald ein nächstes dazu!

Setlist Desperate Journalist, Koppelpop, Susteren:

01: Murmuration
02: Why are you so boring?
03: Jonatan
04: Hollow
05: Happening
06: Cedars
07: Be kind
08: Lacking in your love
09: Control
10: Distance
11: Cristina
12: Satellite

13: Resolution (Z) 

Links:

- Desperate Journalist, Darmstadt, 08.04.17
- Desperate Journalist, York, 05.08.16
- Desperate Journalist, Köln, 30.03.16
- Desperate Journalist, Ripley, 25.07.15


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