Mittwoch, 27. Januar 2016

Lingby, Köln, 23.01.16


Konzert: Lingby and their super-fabulous bigbandchoir 180
Ort: Aula der Gesamtschule Rodenkirchen, Köln
Datum: 23.01.2016
Dauer: gut 50 min
Zuschauer: 700



Musik ist für mich oft schrecklich rätselhaft. Zum Beispiel werde ich vermutlich nie verstehen, wie ein Text passend zu einer Melodie erschaffen wird. Gut, es gibt Lieder, bei denen ich mir den Schaffungsprozess durchaus vorstellen kann, die mag ich dann aber nicht, weil sie anspruchloser Radiopop sind.

Genauso wenig wie den Songwriting-Prozeß konnte ich mir vorstellen, wie die tollen Lingby ihr Projekt "Lingby and their super-fabulous bigbandchoir 180" realisieren könnten. 180 Musikschüler von unterschiedlichen Kölner Schulen gemeinsam auf eine Bühne zu bekommen, die eigenen Stücke umzuarrangieren und zusammen aufzuführen - ok. Aber wie das gut klingen sollte, war mir ein Rätsel. Das wäre aber auch nicht so wichtig, dachte ich. Dieses Projekt klang so unterstützenswert, daß musikalische Abstriche vollkommen egal wären. Ich war sicher, daß der frühe Abend toll werden würde!

Für 18 Uhr war das Konzert in der Aula der Gesamtschule Rodenkirchen angekündigt worden. Wir waren gut eine Stunde vorher da, denn 180 Schüler haben Eltern, Großeltern und Geschwister, es würde also voll werden. Das Interesse war so groß, daß es eine Weile dauerte, bis alle im Saal waren. 


Das Konzert begann mit dem Einzug der Musiker. Das dauerte ewig. 180 Orchestermitglieder sind eine ganze Menge! Bevor deren Konzert mit Lingby begann, spielten die Band-AGs der Schulen. Es gab eine instrumentale Seven nation army Version mit Saxophon, ein Beatles Cover und ein Metal-Stück. Das letzte Lied hatte eine der Schul-AGs gemeinsam mit Lingby-Sänger Willi Dück geschrieben. Willi spielte und sang bei Together strong auch mit. Aber auch ohne ihn wäre es vorzüglich gewesen. Wenn Lingby Singles veröffentlichen würden, wäre das eine super B-Seite!

Lingby begannen ihr Konzert mit einem der unveröffentlichten Lieder, die die Kölner Band seit knapp einem Jahr live spielt. Bei Mmh interesting hatten die vielen Bläser ihren ersten Auftritt.

"25 Querflöten. 

16 Klarinetten. 
23 Altsaxophone. 
9 Tenorsaxophone. 
23 Trompeten. 
13 Posaunen. 
11 Tenorhörner. 
Jede Menge Xylophone, Metallophone, Floortoms und Snares."

Mmh interesting
klang schon phänomenal gut! Musikschülerniveau? Unsinn! 



Impatience danach verzichtete auf die 180-köpfige Verstärkung. Die hatte bei If anything, dem dritten Stück dann wieder einen großen Auftritt. Bei Lingby ist grundsätzlich schon toll, daß neben der "normalen Indieband"-Besetzung Blasinstrumente zum Einsatz kommen. Die Bläser machen die ohnehin hervorragenden Stücke noch einmal bedeutend aufregender. Wenn sie gut gespielt werden, gilt scheinbar beim Hörnern und Posaunen "viel hilft viel". If anything war wundervoll! Aber neben den vielen Orchestermusikern begleitete auch ein Solist Lingby bei dem Stück, Sven, ein Geiger. 


Es folgten Two, einer meiner Lieblinge, und This takes me out (mit Solist Osan an der akustischen Gitarre). Two, This takes me out und Be still danach waren sehr schön, umwerfend wurde es dann mit House of glass. "Das ist eines der Lieder, bei denen alle mitmachen", kündigte Willi an. Und dabei ahnte man dann, wie wahnsinnig viel Arbeit in der Vorbereitung und Koordination dieses Abends stecken musste. Die beiden Heß-Schwestern Carmen und Judith dirigierten und spielten ihre Instrumente gleichzeitig. Rechts stand ein Chor, links die Schlagzeuger, überall Bläser und dazwischen Dirigenten. Das alles zu koordinieren, ist eine Herausforderung, weit jenseits meiner Vorstellungskraft.

Wegen der über ganz Köln verteilten Schulen fanden die Proben vor allem in Kleingruppen statt. Und es klang, als spielte genau dieses Ensemble seit Ewigkeiten zusammen!



Auch bei Like a stone kamen alle zum Einsatz. In der nur-Lingby-Version ist Like a stone ein Riesenhit. Mit Orchester und Chor ein Riesen-Riesenhit!


Zwischen den beiden spielten die Lingbys Twist and turn mit Chorbegleitung, auch das war zu schön!

Nach dem nächsten unveröffentlichten Lied (Tired eyes) war Schluß. Das Wagnis, das Lingby eingegangen waren, hat sich vollkommen gelohnt. Ich bin zwar nicht viel objektiver als die Angehörigen der 180 Musiker, nach dem Abend ist das Urteil aber einfach. Wundervoll!


Setlist Lingby and their super-fabulous bigbandchoir 180, Köln:

01: Mmh interesting
02: Impatience
03: If anything
04: Two
05: This takes me out
06: Be still
07: House of glass
08: Unter the cover of dark
09: Twist and turn
10: Like a stone
11: Tired eyes

Links:

- aus unserem Archiv:
- Lingby, Köln, 11.04.15

- Lingby, Offenbach, 01.04.15
- Lingby, Offenbach, 07.08.14
- Lingby, Köln, 12.04.14
- Lingby, Karlsruhe, 25.07.13
- Lingby, Köln, 14.02.12



2 Kommentare :

Nelle hat gesagt…

Hier ist schon ein Video vom Konzert: https://www.youtube.com/watch?v=9ZmxH2ro5oY

Die beiden von dir als unveröffentlicht genannten Stücke "Mmh interesting" und "Tired eyes" sind beide auf der EP, die im letzten Jahr rauskam. Müsstest du als Mitbringsel aus dem Motoki haben, aber vermutlich dann noch nicht gehört. Höchste Zeit das nachzuholen!

Framesight hat gesagt…

Und noch ein Video vom Konzert! https://www.youtube.com/watch?v=BIh68CEWaUI

 

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