Freitag, 16. Februar 2007

The Blood Arm, Paris, 15.02.07

Konzertbericht The Blood Arm
Datum: 15.02.2007

Ort: La Maroquinerie, Paris

Zuschauer: wie immer ausverkauft


Woran liegt es eigentlich, daß die Konzerte in der Maroquinerie fast immer toll, diejenigen in der Boule Noire fast immer lau sind? Ist daran die Auswahl der Bands schuld, die Räumlichkeit, oder was ist es? Wahrscheinlich spielt es eine Rolle, daß in der Maroquinerie die Lautstärke immer bis zum Anschlag aufgedreht wird, so daß man alleine durch die Beschallung in eine gewisse Extase versetzt wird, wohl aber auch, daß in dem Kellerraum einfach eine ganz bestimmte Magie herrscht.

Der heutige Abend machte da keine Ausnahme. Gegen 21 Uhr 45 traten die drei Burschen und die heiße Keyboarderin Dyan Valdes von The Blood Arm auf die Bühne und schon beim zweiten Lied (Opener war "Stay put!"), nämlich "Accidental Soul" war Crowdsurfing angesagt. Der Funke sprang förmlich sofort über. Den Hauptanteil dazu trugen der charismatische, stämmige Sänger Nathaniel Fregoso, der eine gewisse Ähnlichkeit zu dem jungen Diego Maradona hat und die rothaarige Keyborderin bei. Nathaniel verfügt über eine kraftvolle Stimme, die zu seinem breiten Kreuz passt und die mich irgendwie an den legendären Jim "The Doors" Morisson erinnert. Es ist wohl auch kein Zufall, daß The Blood Arm ebenfalls in Los Angeles beheimatet sind. Neben The Doors ist eine musikalische Nähe zu den ungleich bekannteren Ex-Tourpartnern Franz Ferdinand nicht von der Hand zu weisen. Die Kalifornier und die Schotten verbindet das zackige, dichte, auf Hit getrimmte Moment. Und Hits haben The Blood Arm eine ganze Menge zu bieten. So zum Beispiel das früh gebrachte "Do I have your attention", "The Chasers" oder das stürmische Stück "Mass Murder" mit dem tollen Gitarrenriff. Vor allem aber, das der Bundeskanzlerin Merkel gewidmete "Angela", bei dem Nathaniel das Publikum bat, sich hinzusetzen, was auch prompt umgesetzt wurde. Der stämmige Frontmann setzte sich hierzu mitten unter die johlende und hektisch knipsende Menge. So etwas gab es seit dem Köln-Konzert von Belle & Sebastian nicht mehr! Toll!!

Bei irgendeinem Titel stand dann Nathaniel plötzlich neben mir und setzte
eine markante Duftmarke. Der durchgeschwitzte Lockenkopf müffelte nämlich etwas (um ehrlich zu sein, er stank ganz gewaltig!). Cécile und ich bevorzugten es dann doch, ihn auf der Bühne aus etwas Distanz zu verfolgen. Der Schweißalarm tat dem gelungenen Abend aber keinen Abbruch, denn zu Freude aller kam auch noch "Suspicious Character" mit der nicht unarroganten Songzeile "I like all the girls and all the girls like me". Also, ein großes Ego hat Herr Fregoso schon, keine Frage, wenn man aber so gut singt und sich dermaßen ins Zeug legt, ist das vertretbar. In meiner Gunst sind die Kalifornier auf jeden Fall gestiegen und man kann eigentlich lediglich kritisieren, daß die Lieder eine Spur gleichförmig sind und man sich von den Vorbildern Franz Ferdinand manchmal ein wenig zu viel abgeguckt hat. Trotzdem: The Blood Arm machen live viel Spaß, sie sind kurzweilig und mitreißend und auf keinen Fall eine Mitläuferband. Seht sie Euch an!

von Oliver


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