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18:13
Samstag des Melodica Festivals #5 in Köln
Für mich mit den Konzerten:
I took your name (30 min)
Suzan Köcher & Palace Fever (30 min)
Whale vs. Elephant (30 min)
The Manana people (30 min)
Woodbell (45 min)
Ida Wenøe (35 min)
Ort: Café des Weltempfänger Hostels in Köln Ehrenfeld
Datum: 25. März 2017
Zuschauer: 40-200
Das Melodica Festival zog mich schon zum fünften Mal nachdrücklich und schwer ignorierbar nach Köln. Die absoluten Magneten waren für mich musikalisch I took your name und Ida Wenøe. Darüber hinaus versprach es ein nettes Wiedersehen mit lieben Leuten zu werden. Das bestätigte sich in dem Moment, als ich kurz vor knapp (Fabio und Stefan begrüßten schon die Gäste von der Bühne!) ins Café des Weltempfänger Hostels hineinhuschte direkt in eine erfreute Umarmung von Jan Bart, der im nächsten Moment auf die Bühne springen würde um mit Chris van der Ploeg als I took your name zu musizieren. Wie gut, dass ich mich wieder selbst überredet hatte, dass die Reise nach Köln auf den Samstag beschränkt und Heimfahrt so, dass ich den letzten schnellen Zug nehmen kriege, schon irgendwie in den Rest meines Lebens reingequetscht passt.

Das musikalische Programm am Samstag begann mit Hell on a hill eher nachdenklich und aufrichtig fragend - wofür ich die Musik von I took your name so sehr mag. Dann das vertraute Corridor mit den verrückten Harmonieverschiebungen und Paper trail, das mit der eindrücklichen Frage beginnt Danny is your life complete? und mir mit der anschmiegsamen E-Gitarre von Jan so recht zu Herzen ging. Im Finish dieser ersten halben Stunden war Wonderlines ein wunderschönes Wiegenlied und im letzten Stück gab es Unterstützung von Harmen Ridder am Klavier. Ein wirklich schöner Melodica-Moment und gleichzeitig ein perfekter Abschluss für ein zwar kurzes aber mir rundum zu Herzen gehendes Set. Ich fühlte goldrichtig da beim Kölner Melodica-Samstag!
Setlist I took your name
01: Hell on a hill
02: Bird in my hand
03: Corridor
04: Paper trail
05: You faded like a star on the late show
06: Wonderlines (Audiotransparent-cover)
07: I would do anything
Weiter ging es für mich mit lauter mir noch unbekannten Namen, wobei mir Whale vs. Elephant vom leider krankheitsbedingt verpassten Melodica in Paris schon ein Begriff waren. Es folgte im Progamm zunächst Suzan Köcher & Palace Fever (das sind Julian Müller, Jens Vetter und Piet Rosanka) aus Solingen. Da wurde die Bühne ganz schön voll und es wurde heiß(blütig). Das erste Stück Dandelion fields war zwar ein locker flockiger Popsong (der unbedingt ins Radio gehört!), aber Blood red wine eröffnete dann die filmreifen Songs mit dem inneren Bild eines einsamen Wolfes wie aus einem Tex-Mex-Western. Es ist auch der Titeltrack der für Ende April (äh ... heute!) geplanten Debüt-EP. Harley Davidson auf französisch auch in französischer Divenpose dargeboten fand ich sehr witzig und irgendwie zeitlos. Mit Moon Bordeaux gab es noch üppigste Popgeste zum Abschluß. Ein Wiedersehen wird es wohl zum Maifeld Derby für mich geben (Tourdaten finden sich ganz unten).
Setlist Suzan Köcher & Palace Fever
01: Dandelion fields
02: Blood red wine
03: Bonnie
04: Harley Davidson
05: Too young
06: When the night comes
07: Moon Bordeaux
Volle Bühne konnten Whale vs. Elephant aus Trier sogar noch besser mit ganzen fünf Personen: Die normale Besetzung um Tobias Braun (Tasten und Soundschnipsel) mit Íris Rippinger (Gesang, Effekte) und Dirk Pfeiffer (Gitarre) wurde durch den Pariser Import Marielle Martin verfeinert und einer weiteren Person, deren Namen ich nicht weiß. Trotz zwei Frauenstimmen und Geige gab es keinen Folk sondern elektronische Musik unterlegt mit Beatschnipseln und abgerundet durch Frauenstimme(n). Nach einem Intro kam Modifications zunächst irgendwie Scifi-mäßig geheimnisvoll daher bis schließlich die Íris' Stimme einsetzte. Dagegen wirkte Devil's tale fast tänzerisch und The Black Sea vergleichsweise upbeat und zum Füße wippen einladend. Methadone nahm mich auf einen beschaulichen Trip mit und ich überließ mich dieser Art Musik in allen dargebotenen Facetten wirklich gern und sehr positiv angetan. Wie das Tüpfelchen auf dem i war für mich die Stimme von Marielle!
Setlist Whale vs. Elephant
01: Intro
02: Modifications
03: Devil's tale
04: Black sea
05: Methadone
06: Colorful leaves

The mañana people aus Bonn begannen andschließend ihr Set etwas martialisch mit Death to everyone. Und das, obwohl sie vom superfriedfertigen Stefan Honig als neu für sich entdeckte Lieblingsband vorgestellt worden waren... Ich kann das mit der just entfachten Liebe nach dem Auftritt aber sehr gut verstehen! Schon die Kombination von Theremin und Banjo muss man erst mal erlebt haben, sonst glaubt man nicht, dass das geht. Aber Álvaro Arango and Tim Weissinger machen musikalisch da sowieso so eine Art neues Paralleluniversum auf. Auf der Melodica-Bühne wurden sie unterstützt durch einen Mann am Schlagzeug, einen am Bass und die junge Frau am Theremin. Mit A Recess hatten sie auch fast ein klassisches Folksong im Programm - vielleicht ein bisschen angetrunken vom Geist aus der Flasche oder dem Himmel. Judas Boogie stampfte ordentlich und rief in die Wüste, die später lustigerweise darauf antwortete. The night you stole my gun schieberschuberte und torkelte ordentlich. Die Füße konnte man da nicht still halten, auch wenn die Harmonien ein wenig betrunken wirkten. Das Teremin jaulte und der Text erwies sich beim nachlesen als ein einziger abgefahrener Trip. Die Ideen scheinen den jungen Männern nicht so bald auszugehen, denn für die nächsten zwei Jahren haben sie 100 neue (bestimmt genauso verrückte) Lieder versprochen (vier sind schon fertig).

Setlist The mañana people
01: Death to everyone
02: Seagulls
03: A Recess
04: Judas Boogie
05: The night you stole my gun
06: Mañana fight the undead
07: Who are you

Woodbell sind Jasmine Collet, Marion Hedin und Jon Sayer aus Paris. Sie räumten die Gesangsmikroständer ab, denn sie brauchten die Mikros am Kopf, damit sich Cello bzw. Bratsche spielen und singen vertrugen. Das brach etwas mit dem vorhergehenden Programm. Durch die Instrumentierung und den Satzgesang wirkte das ganze Set sehr dramatisch. Immerhin hatten sie uns auch drei französischsprachige Stücke mitgebracht! Try to smile von der aktuellen EP durfte das Set eröffnen und gab gleich ordentlich Gas. Schob sich dabei auch kreuz und quer durch die Harmonien. Dass sie singen und spielen können, bewiesen sie mit einem herrlichen A capella Teil auch noch auf das Schönste. Straight for the head schlingerte und schunkelte etwas später ganz ordentlich, klang aber gleichzeitig französisch leicht und machte süchtig auf den Refrain mitgrölen. One card schloß sich diesem Duktus nur scheinbar an denn es wurde trotz Dreiertakt zu einer hymnisch melancholischen Filmmusik. Mit dem unendlich traurigen Run ging der Auftritt der Gäste aus dem Nachbarland schließlich zu Ende.

Setlist Woodbell
01: Try to smile
02: Loin devant
03: Eleanor Rigby (Beatles Bearbeitung)
04: Straight for the head
05: One card
06: Snatches
07: Main dans l'eau
08: Holy screen
09: Je vais m'en aller
10: Talking Business
11: Run
Am Bühnenrand von Woodbell hatte ich schon Ida Wenøe ausgemacht, die mit ihrer Gitarre und sehr wenig Technik zum Glück sehr schnell und ohne lange Umbauzeit auf die Bühne kommen konnte. Sie erfüllte meine Erwartungen gleich auf das beste mit ihrem ersten Song. Denn es ging mitten hinein in den dunklen Abgrund mit der Textzeile: I kissed the devil. Schon hatte sie die Aufmerksamkeit des dicht gepackt stehenden Publikums nur mit ihrer Gitarre und ihrer Stimme zu 100%. Time of ghosts - der Titelsong ihrer Debutplatte als Solo - war im Vergleich fast fröhlich (eben die dänische Art...) Das so wunderbar sehnsuchtsvoll rufende Til jeg har dig hatte mich beim letzten Konzert in Karlsruhe schon so begeistert und verfehlte auch hier seine Wirkung nicht. Sie brauchte eigentlich gar keine Verstärkung für ihre Stimme während sie in die Ferne rief. Ich war schon wieder ganz und gar verzaubert und glücklich, diesen Moment miterlebt zu haben.

Meine Zeit für Köln lief ab und ich machte mich auf den Rückweg im Wissen, dass auch das weitere Programm bestimmt sehr sehenswert gewesen wäre aber genau genommen auch dieser Nachmittag mehr als genug Stoff für mein Herz geliefert hatte. Nun hoffe ich auf den Tag mit einem Melodica oder Wohnzimmer-Konzert mit Marius Ziska und Ida.
Setlist Ida Wenøe
01: Circus Season
02: Time of ghosts
03: Til jeg har dig
04: Charms
05: Limbo Man
06: Heather
07: Change me a little
Aus unserem Archiv:
Melodica Köln #4, Köln, 20.03.16
Ida Wenøe, Karlsruhe, 27.10.16
Boho Dancer, Karlsruhe, 08.03.14
Boho Dancer, Leipzig, 10.10.13
Boho Dancer, Karlsruhe, 14.11.12
I Took Your Name, Karlsruhe, 20.07.14
um
15:51
Sonntag des Melodica Festivals #4 in Köln
meine Konzerte: Max Freytag (30 min)
Paula Tebbens (20 min)
Leaves & Trees (35 min)
The Black Atlantic (40 min)
Toi et Moi (40 min)
Ort: Café des Weltempfänger Hostels in Köln Ehrenfeld
Datum: 20. März 2016
Zuschauer: etwa 130 (sehr voll)
Es war schon nun schon das vierte Jahr, dass Fabio und Stefan nach Köln zum Melodica Festival einluden. Eigentlich DAS Format, das wie für mich gemacht ist: Musiker suchen Musik, die ihnen selbst gefällt inklusive netten Musikanten, die auch zuhören und mitunter spontan auf der Bühne mittun. Aber dieser Termin am vorletzten Wochenende im März hatte bisher bei mir immer nicht so recht gepasst und auch diesmal habe ich mir im Vorfeld viele Gedanken gemacht, ob die weite Reise nach Köln mich nicht überfordert.
Noch am Samstag habe ich eine Stunde am Rechner gesessen, die Bahn-Seite befragt und geschaut, wie ich am gescheitesten klar komme, denn wie es mitunter so kommt, hatte ich folgendes im Kalender: 19.3. Melodica oder Wohnzimmkonzert in Montabaur, 20.3. Melodica oder Offenburg, 21.3. Darmstadt, 22.3. Frankfurt, 23.3. Karlsruhe. Da musste ich unbedingt ein wenig (eigentlich eher brutal) ausdünnen!! Gar nicht so einfach. Die Entscheidung fiel schließlich auf den Sonntag des Melodicas.

Dafür gab es zwei Gründe: Erstens dass er nach Plan einige Frauenstimmen bot (auch wenn ich so gern The green apple sea gesehen hätte, die ja am Samstag zu Gast waren) und zweitens, dass ich abends nicht so viel verpasse, wenn ich spätestens 20:30 Uhr wieder abrausche, um noch einen einigermaßen akzeptablen Zug zu bekommen. Zum Glück klappte die Fahrerei und ich kam zu einem Zeitpunkt an, dass ich noch in Ruhe allen Hallo sagen konnte und einen Platz am Bühnenrand fand. Unterwegs im Zug hatte ich eine Podcast-Aufzeichnung von Hurray for the Riff Raff gehört, die mich mit Erinnerungen an unser erstes Konzert in der Waldstadt schwelgen ließ und mich neugierig machte, wie viele unserer ehemaligen Gäste ich wohl in Köln treffen würde.
Zum meinem Glück waren es tatsächlich einige und schon dafür hatte sich eigentlich der Weg gelohnt! Als Max Freytag schließlich recht pünktlich sein Set begann, waren immerhin schon etwa 50 Leute da und es füllte sich auf etwa 70 während er spielte. Paula Tebbens erreichte sicher etwa 100 Zuhörer. Man hätte auch einen launigen Artikel darüber schreiben können, auf wie viele Arten man zur Tür des Weltempfängers (direkt neben der Bühne) hereinkommen kann (oder auch nicht), die mit Leuten dicht zugestellt ist. So viel Publikum ist natürlich für die Künstler toll, aber für mich wurde es spätestens mit Toi & Moi klaustrophobisch und ich wechselte nach hinten und traf schließlich die Entscheidung, schon 19:30 Uhr in die Bahn zu steigen und damit drei Sets zu verpassen, die mir bestimmt sehr gut gefallen hätten. Aber nach Safetyville (die zum Glück sehr bald in Karlsruhe zu Gast sein wird) hätte ich ja sowieso spätestens losgemusst.

Das Programm, das ich miterleben durfte, war aber so, dass sich auch dafür die Fahrt schon gelohnt hätte. Schon im ersten Set, das eigentlich Klaviermusik pur war, gab es eine kleine Überraschung, weil in der Zugabe eine Bearbeitung eines Stück mit Gitarre und Gesang geboten wurde durch Cadavre de Schnaps. Das sind ja genau die "Kleinigkeiten", die das Melodica so liebenswert machen selbst wenn sich die Musizierart sehr stark durch die Bearbeitung ändert.
Mir hat das anschließende Set von Paula Tebbens ganz besonders gefallen, auch weil hier für Fallin zwei special guests auf die Bühne kamen: Isa aka Safetyville und Heta von Town of Saints (die später als geheim gehaltene special guests auftraten). Hier war aber schon einiger Zeitverzug im Spiel, der leider dazu führte, dass Paula nur wenige der geplanten Songs spielen konnte.
Anschließend wurde die Bühne sehr voll mit drei jungen Männern aus Hannover, die als Leaves and Trees Musik machen. Sie waren als Supportband bei dem Stop der Tour of Tours in Hannover positiv aufgefallen und deshalb waren Fabian Baumert
und seine Mannen nach Köln auf die Bühne eingeladen worden. Meiner Meinung nach passte das auch perfekt und machte mir viel Spaß. Hervorstechend für mich die Lieder Who is that man und das abschließend Bridges and Borders (mit durchsichtigem Banjo).
Setlist Leaves and Trees:
01: Morning Bell
02: Dusty Road
03: Golden treasure
04: Til the rain goes
05: Who is that man
06: Listen up
07: Bridges and Borders
Sehr neugierig war ich ja auch auf das neue Projekt von Geert van de Velde nämlich Sun kissed mountains. Leider konnte der Auftritt krankheitsbedingt nicht so stattfinden und Geert bestritt den vorgesehenen Slot als The Black Atlantic in seiner wunderbar hymnisch jubilierenden Art. Ich war im Anschluss echt ziemlich geflasht und hatte einige Ausrufezeichen hinter Songs. Schon Song vor Mary war wunderbarst, aber auch Quiet, humble man und das abschließende Fragile meadow spielten sich auf direktem Wege in mein Herz. Ich weiß auch nicht, mit welcher Wunderzutat in seiner Stimme er das regelmäßig hinbekommt.
Er selbst scheint sich auf der Bühne auch sehr wohl gefühlt zu haben und das Publikum trug ihn nicht nur auf Händen sondern umfing ihn mit warmen Herzen.
Setlist The Black Atlantic:
01: Song for Mary
02: Sun battered
03: Haul
04: Enshrine
05: Madagascar
06: Quiet, Humble Man
07: The Aftermath (of This Unfortunate Event)
08: Fragile meadow
Anschließend wurde es mit dem kölner Duo Toi et Moi französischsprachig und ein wenige leichtfüßiger. Für mich wurde es Zeit, im Herzen langsam Abschied zu nehmen und mich noch einmal darüber zu freuen, dass mein Plan so gut aufgegangen war. Es ist so schön mit eigenen Augen zu sehen und mit eigenen Ohren zu hören, wie das Netzwerk um das Melodica so wunderbar funktioniert und sich so sympatische Leute zusammentun und das auch vom Kölner Publikum honoriert wird. Ein großes Geschenk in mehr als einem Sinn!
Konzertvorschau Black Oak
13.04. Köln @ St. Michaelskirche w/ Hello Piedpiper!
14.04. Hamburg @ Mojo Jazz Club
15.04. Berlin @ Lidolino
16.04. Leipzig @ Phillipuskirche
17.04. Münster @ Pension Schmidt 2016
18.05. Middelburg @ Kloveniersdoelen w/ Sväva
13.05. Leeuwarden @ Asteriks
15.05. Zell am Mosel @ Oben Air
20.05. Breda @ Mezz
22.05. Harderwijk @ Catharinakapel
28.05. Tilburg @ Pauluskerk i.s.m. 013 w/ Sväva
02.06. Amsterdam @ Brakke Grond
26.06. Eindhoven @ Naked Song Festival
Aus unserem Archiv:
Black Oak, Karlsruhe, 19.09.15
The Black Atlantic, Storkow, 21.08.15
The Black Atlantic, Düsseldorf, 07.10.12
The Black Atlantic, Karlsruhe, 24.01.13
The Black Atlantic, Köln, 28.01.12
The Black Atlantic, Paris, 06.06.10
Plan des Melodica für Sonntag
15:00 Max Freytag
15:40 Paula Tebbens
16:20 Leaves & Trees
17:00 Sun Kissed Mountains
17:50 Toi et Moi
18:40 Safetyville
19:50 Special guests
20:30 Meadows
um
15:10
Konzert: Björn Kleinhenz
Ort: Weltempfänger Backpacker Hostel & Café, Köln
Datum: 07.05.2015
Dauer: gut 50 min
Zuschauer: ca. 60
"Das hat ja Spaß gemacht," sagte Björn Kleinhenz nach dem letzten Lied seines Konzerts im Café des Ehrenfelder Hostels Weltempfänger. Das hat es wirklich! Sicher war ich nicht, daß es so toll würde. Ich mag die Musik des Schweden und habe zwei sehr schöne Konzerte von ihm erlebt. Aber ein Gratiskonzert in einem Laden, den ich mir klein und eng vorgestellt hatte, klang nur halb verlockend. Als ich ankam, stellte sich mein Orts-Vorurteil als Quatsch raus. Das Café des Hostels ist schön und groß und trotz einer großen Bar an der Längsseite nicht eng.
Um kurz vor neun, da waren vielleicht 30 Leute da, bestiegen Björn Kleinhenz und seine drei Kollegen die kleine Bühne. Auch wenn die ersten Stücke ruhiger waren als die späteren, waren sie laut. Der Sänger, der eine ungewöhnliche Gitarre spielte (einen Eigenumbau), entschuldigte sich dafür, etwas mehr aufgedreht zu haben. Das war Blödsinn, denn die Lautstärke stand auch den weniger rockigen Stücken gut!

Der überwiegenden Teil der Lieder stammte von zwei neuen Veröffentlichungen. Für den Frühling war das neue Album Ursa Minor eingeplant, es ist aber auf den Herbst verschoben worden. Nachdem der Sänger diese Platte fertig hatte, hat er neue Titel aufgenommen, die als 4-Titel-EP Battles long lost erschienen sind. Diese Lieder und ein paar von Ursa Minor bildeten den größten Teil des Konzerts. Es war also ein musikalisches Blinddate. Aber eines ohne Risiko, denn weder Björns Talent noch mein Geschmack scheinen sich in den letzten Jahren verändert zu haben, all die neuen Sachen gefielen mir ausgezeichnet.
Besonders toll waren Jump (Album), Battles long lost (EP) und Braveheart (das vielleicht auch vom kommenden Album stammt?). Bei Braveheart hatte Björn die Kasten-Gitarre gegen eine in der üblichen Form ausgetauscht und machte mit der ordentlich Krach. Ich mochte das, der Sänger aber wohl noch mehr: "Ich durfte fast Sologitarre spielen, Dingelingeling."
Nach dem letzten Stück Salty leg gaben sich die vier Musiker (einer von denen ist Björns Bruder) die Hand. Guter Job!
Als Zugabe gab es eine Besonderheit, eine neue Bandtradition, am Vorabend in Gießen erfunden. Jedes Bandmitglied darf an einem Abend bestimmen, was für ein Coversong gespielt wird. Einzige Voraussetzung: jeder der Musiker muß es kennen. In Köln durfte Björns Bruder wählen, die Band spielte The weight von The Band, ganz offensichtlich mit sehr viel Spaß. Wir hatten Glück, es war ein tolles Cover. Björn verriet uns hinterher seine Ideen für seinen Wunschsong an einem der nächsten Abende. Der bleibt aber unter uns.
Es war ein tolles Konzert trotz meiner Bedenken. Das Publikum war scheinbar auch zum großen Teil ganz bewußt da (es waren seit Mitte des Konzerts sicher gut 60 Leute). Irgendwann wurden die Gesprächsgeräusche zwar immer lauter, es war aber nicht so schlimm, wie das oft bei Gratis-Kunst ist.
Im Herbst kommt Björn Kleinhenz wieder auf Tour. Dann mit Platte und Eintritt (hoffe ich). Und ganz sicher wieder mit mir.
Setlist Björn Kleinhenz, Weltempfänger, Köln:
01: The straight and the narrow
02: The tree of sadness
03: Jump
04: The nothingness of all days
05: Head held high on fearsome pride
06: Braveheart
07: Battles long lost
08: Lake trouble
09: Salty leg
10: The weight (The Band Cover) (Z)
Links:
- aus unserem Archiv:
- Björn Kleinhenz, Wiesbaden, 13.12.11
- Björn Kleinhenz, Köln, 20.05.08
um
14:05
Konzert: Echo me
Ort: Café im Weltempfänger Hostel in Köln
Datum: 13. Dezember 2013
Dauer: 65 min
Zuschauer: etwa 50
Seit ich zum ersten Mal im Weltempfänger zu Gast war, hatte ich jedes Mal ein leichtes Ziehen in der Herzgegend, wenn ich in Karlsruhe davon las, dass wieder mal ein Konzert dort in dem unglaublich einladenden Café im Erdgeschoss angekündigt war. Man kann das ja gern für bekloppt halten. Aber für mich war es so Sehnsuchtsort.
Nun wurde eine Reise nach Köln einmal ausnahmsweise von anderen Mitgliedern meiner Familie initiiert und ich hatte die Wahl, mitzukommen oder daheim zu bleiben. Etwas unbekümmert, hatte ich sofort zugesagt (es würde sich schon ein Konzert finden an dem Abend). Erster Plan war das Weekend Fest in Mülheim. Dann war aber der Freitag dort irgendwie nicht mein Programm.
Trotzdem buchte ich uns im Weltempfänger Betten, weil ich das kannte und (wie ja schon gesagt) nett finde und ab dem Moment fügte sich eins ans andere wie am Schnürchen. Wir würden einen Freund dort vorfinden und im Café des Weltempfängers wurde ein sehr attraktives Konzert für den Abend angekündigt. Somit war meine Bauchentscheidung goldrichtig gewesen.
Jesper von Echo me würde solo auftreten und genau die Art Musik mitbringen, die ich nach einer etwas verrückten Arbeitswoche gut gebrauchen können würde: Ruhig, etwas nachdenklich, mit Denkanstößen, zum Augen schließen und getragen werden.
Auffällig war für mich die meisterhaft eingesetzte Kopfstimme in vielen Stücken. Das kann ja so oder so ausgehen - so reine Jammernummern kommen bei mir nicht so gut an. Aber hier war es z.B. im ersten Zugabestück I don't care anymore so geisterhaft und gebrochen, dass ich eine Trompete heraushörte. Ein Gänsehautmoment, wo auch der Rest des Publikums ganz und gar leise wurde.
Das war ansonsten leider nicht gerade sehr rücksichtsvoll. Vor der Bühne hing man zwar dem Sänger an den Lippen, aber von der Bar gab es ordentlich Störgeräusche im Weltempfänger. Das Radio war wohl noch auf Mittelwelle eingestellt... Weiterer musikalischer Höhepunkt für mich war Darkest hour - ein Walzer in Moll, der mitunter die Crooner-Qualitäten forderte, aber dann immer wieder brach zwischen optimistischen und sehr getragenen Abschnitten. Der klagend vorgetragene Bitte Remember me vom Song The Memory werde ich jedenfalls nicht umhin kommen zu entsprechen.
Aus der Setlist:
1:
2: The Memory
3: Where is your heartbeat
4: Sunday afternoon
5:
6: Darkest hour
7:
8: Packing my stuff
9:
10: You never will be mine
11: Love is a room
12: Your trigger
13: Left from the fire
14: I don't care any more (Z)
15: Videogames (Lana del Rey cover)
weitere Tourdaten im Dezember:
14.12. SIKS, Frankfurt
15.12. Brause, Düsseldorf
16.12. Pony Bar, Hamburg
Aus unserem Archiv:
Echo me, Paris, 6.12. 2012