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Donnerstag, 20. Oktober 2011

Ane Brun, Köln, 19.10.11

2 Kommentare


Konzert: Ane Brun

Ort: Stadtgarten, Köln
Datum: 19.10.2011
Zuschauer: nahezu ausverkauft
Dauer: Ane Brun 115 min, Linnea Olsson 25 min


Es war irgendwie nicht mein Konzert, dieser Auftritt von Ane Brun im Kölner Stadtgarten. Ich mag die in Schweden lebende Norwegerin gerne und hatte vor Jahren ein sehr gutes Konzert von ihr im kleinen Blue Shell erlebt. Dazu kam die dringende Empfehlung aus Paris, Ane Brun auf keinen Fall bei ihrer diesjährigen Tour zu verpassen, ich hatte also durchaus Vorfreude.

Der Stadtgarten war gut gefüllt, als ich um neun ankam. Mein Timing war perfekt, eine junge Frau hatte sich auf der Bühne gerade hingesetzt und ihr Cello ergriffen. Daß die Schwedin Linnea Olsson heißt, hatte ich vorher gelesen, ihre Musik kannte ich nicht. Was die junge Musikerin dann bot, überraschte mich wohltuend. Das erste Stück war noch instrumental. Als Linnea das zweite Lied als eines über eine Biene, ein Pferd und eine Bucht ankündigte, wollte ich mich schon darüber lustig machen, daß ein Instrumental-Stück von irgendetwas handele. Das versaute die Sängerin aber dadurch, daß sie sang. Linneas Stimme ist ganz ausgezeichnet und taugte enorm viel für die Musik, die sie vortrug. Eine Popstimme, vollkommen unanstrengend, die gemeinsam mit dem Cello tolle Lieder erzeugte. Teile der eingespielten Cello-Passagen loopte die Schwedin, mit dem gewohnt guten Effekt, daß dadurch Tiefe entstand.

Am besten gefielen mir das letzte Stück (Dinosaur) und das Lied ihrer Band Paintbox, bei dem das Cello nach Metallica klang!

Linneas 25 Minuten waren angenehm und kurzweilig, ein sehr guter Support.

Der folgende 20 minütige Umbau bestand vor allem aus Feintuning, denn das Grobe war bereits vorher aufgebaut, Linnea Olsson brauchte ja nicht viel Platz. Die wichtigste Vorbereitung schien mir die medizinische Versorgung an der rechten Keyboard Station zu sein. Beim Verteilen der Setlisten und Handtücher stellte der Gitarren- und Lichtmann zwei Suppenterrinen voll Tee zum Keyboard. Auf den Tasten lagen schon Hustenbonbons.

Eine Viertelstunde vor dem zu erahnenden Beginn erlebte der Saal eine fiese deutsche Unsitte, das Herbeiklatschen einer Band. Ich bin der Meinung, daß ein Musiker gefälligst selbst entscheiden können soll, wann er bereit für ein Konzert ist. Ich stelle mich auch nicht vor einen Supermarkt und nötige die Angestellten klatschend herbei, weil es mir gerade passt. Welch ein unverschämt-arrogantes Verhalten! Schade, daß Ane Brun zu (skandinavisch) höflich ist und mitmachte. Mir hätte gefallen, wenn sie aus Trotz eine halbe Stunde hinten geblieben wäre.

Bevor aber Ane Brun erschien, hatten ihre fünf Begleiter ihre Plätze eingenommen. Zur aktuellen Band gehören neben Linnea (Cello, Bass und Gesang) Jenny Abrahamson (die Teeliebhaberin), Ole Hultgren und Per Eklund (beide an Schlagzeugen) und Martin Hederos (denke ich) am Piano. Ane, deren extravaganten Kleidungsstil ich bereits im Blue Shell erlebt hatte, trug ein schwarzes Cape, die Kapuze über dem Kopf. Als sie das später ablegte, kam darunter eine hellblaue Bluse und eine hochgezogene Hose zum Vorschein.

Bei den ersten Liedern sang Ane Brun nur, erst ab Worship griff sie zur Gitarre. Wenn sie nur sang, tanzte die Norwegerin über die Bühne, was immer wieder an orientalischen Tanz erinnerte.

Den Liedern gemein war, daß sie satt instrumentiert waren. Das, was bei der letzten Anna Ternheim Tour mehr und mehr mißfiel, nämlich die donnernden Schlagzeuge, die mangelnde Imtimität der Musik, passte hier vermutlich besser, trotzdem assozierte ich damit den eher mäßigen Auftritt von Anna Ternheim (deren Konzerte sonst uneingeschränkt großartig sind) in Haldern vor zwei Jahren. Es gab heute Lieder, bei denen drei Musiker trommelten (auch Jenny hatte eine Trommel neben ihrem Keyboard). Bei rockigeren Bands mag ich treibende Trommelrhythmen gerne. Hierbei war es mir zu viel. Besonders
Do your remember vom neuen Album, das ich bisher nicht kannte, verkam dadurch zu einer Folkversion von Dario Gs Carnaval de Paris, puh, das war nichts für mich.

Andere Lieder gefielen mir sehr gut, es waren aber vor allem die leiseren Stücke. Ganz wundervoll war zum Beispiel Lifeline, das Ane auf einer kleinen Gitarre spielen wollte, die unverstärkt blieb. Sie machte ein paar Verrenkungen, um das Gesangsmikro für Stimme und Gitarre zu nutzen, musste aber vor der letzten Strophe abbrechen, weil eine feiste Rückkopplung das so wollte. Toll auch To let myself go mit herrlichem Parallel-Glockenspiel der beiden Schlagzeuger oder Words.

Aber trotz dieser Hits und trotz meiner Nähe zu ihrer Musik, fehlte mir heute der Zugang. Oder weniger musikjournalistisch ausgedrückt, ich langweilte mich immer mal wieder und sah oft auf die Uhr. Das ist ein weitestgehend unberechtigtes Jammern, weil der restliche Saal verzückt aussah, aber das Konzert packte mich nun einmal nicht, zumindest nicht durchgängig.

Gegen Ende (dachte ich!), als die Zugaben begannen, klappte es deutlich besser, und ich genoss diese Phase. Weil der Zugabenteil etwa 50 Minuten (!) dauerte, hatte ich viel Zeit zum Genießen. Eröffnet wurden die Zugaben von einen sehr leisen Alphaville Cover Big in Japan (sehr schön!), später folgte mit
Du gråter så store tåra ein Stück in ihrem westnorwegischen Dialekt und das schöne The light from one, daß in minutenlangen Synchrontrommeln der Schlagzeuger mündete, als der Rest schon verschwunden war.

Also Ane Brun für die letzte Zugabe Undertow noch einmal wiederkam, sang sie mir mit der Textzeile "I'm so tired" aus der Seele.

Nicht mein bestes Ane Brun Konzert, aber auch kein Grund, es nicht noch einmal zu versuchen. Donnerstag ziehe ich aber laute Gitarren und keine Zugaben vor.

Setlist Ane Brun, Stadtgarten, Köln:

01: These days
02: One
03: Worship
04: Words
05: To let myself go
06: The puzzle
07: This voice
08: Don't leave
09: Oh love
10: Dirty windshield
11: Lifeline
12: Humming one of your songs
13: What's happening with you and him
14: Do your remember

15: Big in Japan (Alphaville Cover) (Z)
16: Changing of the seasons (Z)
17: Du gråter så store tåra
(Z)18: Balloon ranger (Z)19: The light from one (Z)

20: Undertow (Z)


Links:

- aus unserem Archiv:
- Ane Brun, Paris, 15.10.11
- Ane Brun, Paris, 17.11.09
- Ane Brun, Paris, 19.04.08
- Ane Brun, Köln, 14.04.08
- Fotos hier




Sonntag, 16. Oktober 2011

Ane Brun, Paris, 15.10.11

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Konzert: Ane Brun (Linnea Olsson)

Ort: Le Trianon, Paris

Datum: 15.10.2011
Zuschauer: mindestens 800

Konzertdauer: Linnea Olsson etwa 30 Minuten, Ane Brun satte 110 Minuten


Wow! Das war ganz fantastisch! Ane Brun und ihre Band spielten im wundervollen Trianon (das renovierte Theater, in dem kürzlich bereits Alela Diane geglänzt hatte) und legten eine formidable Show aufs Parkett. Die in Schweden lebende Norwegerin ist auf dem Weg zum Star, mit jedem Album ein wenig mehr. Über kurz oder lang wird sie weltweit noch größere Locations füllen. Zu Recht, denn sie ist in jeder Hinsicht außergewöhnlich gut, das hat sie heute eindrucksvoll bewiesen. Die Schweden sollten Ane Brun ein- und die käsige Lykke Li ausbürgern, dann hätten sie was für die Musikkultur in ihrem Lande getan! Aber die Brun will ja Norwegerin bleiben, dies ist ihre Heimat, wie sie betonte und dann prompt auch ein Lied in ihrer Muttersprache folgen ließ.

Du Gräter Sa Store hieß es und war einer der vielen Höhepunkte eines fulminanten Sets, das bereits mit dem bildhübschen Opener These Days einen Traumstart hinlegte.

Die Brun war kurz nach dem Einlaufen ihrer mehrköpfigen Band zunächst mit einem schwarzen Cape über dem Kopf erschienen, das aber in der weiteren Folge von ihr abgelegt wurde. Oben trug sie eine hellblaue Seidenbluse und unten eine extrem hoch sitzende und weit geschnittene Hose. Der Look hatte etwas Gothisches, erinnerte aber auch an eine trauernde Witwe. Ihre In-Szene-Setzung war packend, die Mimik ausdrucksstark und die Lichtshow perfekt zur weltentrückten Stimmung passend. Hier wurde nichts dem Zufall überlassen, ich bin sicher, daß die Bühnenklamotten von einer Designerin geschneidert wurden, die Choreografie vorher einstudiert wurde und hinsichtlich des Lichts konnte man am Ende der Show erfahren, daß Ane Brun hierfür extra eigene Leute eingesetzt hatte. Ein aufwändiges, kostspieliges, gut geöltes Spektakel, das höchste Professionalität von allen Beteiligten erforderte. Freunde amateurhaften Charms und Spontaneität kamen hier vermutlich nicht auf ihre Kosten, aber mir persönlich gefiel es nach etlichen kleinen Clubkonzerten mit den vielen kleinen liebenswürdigen Pannen zur Abwechslung auch einmal ganz gut, eine durchinszenierte Show zu erleben. Zumal trotz der phasenweisen Opulenz die herzerwärmenden, intimen Momente nicht fehlten. Zwar gab es gleich zwei Drummer (darunter Ola Hultgren von Loney, Dear), aber von einem wuchtigen Donnersound konnte man dennoch nicht sprechen. Die Schlagzeuger varrierten vielmehr sehr schön ihr Spiel und waren auch für viele kleine feine Momente zuständig. Triangel, Glöckchen, Schneebesen, kein Gimmick wurde ausgelassen, um Magie und Subtilität herbeizuzaubern. Und dann war da natürlich das absolut wundervolle Cellospiel von Linnea Olson, die zuvor das Vorprogamm bestritten hatte. Sensationell wie sie strich, zupfte und klopfte und die herrlichsten Wohlklänge aus ihrem Saiteninstrument in die Höhe steigen ließ. Linnea sang auch tatkräftig im Background mit, genau wie die Hut tragende Keyboarderin Jennie Abrahamson und zusammen mit Anes kraftvoller Stimme entstanden göttliche Harmoniegesänge. Aber nicht nur die Damen in der Runde bezauberten, sondern auch der junge Herr am Piano, der so manche ohrwurmige Melodie erklingen ließ und ab und zu auch Akkordeon spielte.

Letztlich also eine Mannschaftsleistung, zu der nichtsdestotrotz die Anführerin Ane Brun den Löwenanteil beitrug. Ohne ihre herrliche Countrystimme wäre das Konzert nur halb so gut geworden. Mal brüchig, mal glockenklar, dann aber auch wieder fest und powervoll, ihr Kehlchen war in jeder Situation perfekt und jederzeit betörend.

Stilistisch wurde auf gelungene Weise variiert. Es gab episch aufgebaute Songs voller Dramatik (The Light From One), aber auch reduzierte Balladen (Words) und stimmungsvolle Popsongs (Do You Remember, sehr sixtieslastig) kamen nicht zu kurz.

Gegen Ende hin wurde das ohnehin schon hochkarätige Set immer besser und besser. Die allererste Zugabe, ein Cover des Alpahville Hits Big In Japan, war hinreißend und stärker als das Original und Lied 19, The Light From One einfach unwiderstehlich.Die brüchige Stimme von Ane und das einfühlsame Piano gingen eine solch betörende Hochzeit ein, daß mein Puls deutlich schneller schlug. Der Song verdichtete sich dramatisch, der Chorgesang wurde lauter und lauter und zum Schluß spielten nur noch die beiden Drummer weiter, während Ane und die anderen schon längst die Bühne verlassen hatten.

Die Norwegerin kam aber noch einmal wieder, performte noch zwei weitere Stücke und setzten mit dem Kleinod Undertow den Schlußpukt unter ein absolut denkwürdiges, stark bejubeltes (standing ovations!) Konzert, in das Linnea Olson glänzend eingeleitet hatte.

Von ihrem Auftritt möchte ich in Kürze auch noch etwas mehr berichten. Stay tuned und geht vor allem zu den Konzerten in Köln und Hamburg!

Setlist Ane Brun, Le Trianon, Paris:

01: These Days
02: One
03: Worship
04: Words
05: To Let Myself Go
06: Puzzle
07: This Voice
08: Don't Leave
09: Oh Love
10: Dirty Windshield
11: Life Line
12: Humming
13: What's Happening
14: Do You Remember?

15: Big In Japan (Alphaville)
16: Changing Of The Seasons/Treehouse
17: Du Gräter Sa Store
18: Ballon Ranger
19: The Light From One

20: The Fall
21: Undertow

Zur Einstimmung das absolut tolle Video von Valerie Toumayan

Ane Brun - The Light From One (live at Cirkus Stockholm) from valerie toumayan on Vimeo.



Aus unserem Archiv:

Ane Brun, Paris, 17.11.09
Ane Brun, Paris, 19.04.08
Ane Brun, Köln, 14.04.08


Foto: Archiv. Aktuelle Pics und ausführlicher Bericht in Kürze.

Ausgewählte Konzerttermine Ane Brun (ohne Gewähr):

17.10.2011: Botanique, Brüssel
18.10.2011: Melkweg, Amsterdam
19.10.2011: Stadtgarten, Köln
20.10.2011: Café Keese, Hamburg




 

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