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Donnerstag, 8. September 2011

Laura Stevenson & The Cans, Lightning Dust, The Leisure Society, Paris, 06.09.11

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Konzert: Laura Stevenson & The Cans, Lightning Dust, The Leisure Society

Ort: Le Café de la Danse, Paris
Datum: 06.09.11
Zuschauer: leider nicht so viele


Der Name Laura bürgt ja in Folk-und Indiekreisen für hohe Qualität. Laura Veirs, Laura Gibson, Laura Marling, alle diese jungen Chanteusen sind fantastisch.

Laura Stevenson bildet da keine Ausnahme, sondern verstärkt noch den guten Ruf ihres Vornamens. Im Pariser Café de la Danse trat die 27 Jährige New Yorkerin zusammen mit ihrer Band The Cans auf und begeisterte die Zuschauer auf ganzer Linie. Das brünette Mädel mit dem blauen Pünktchenkleid war aber auch wirklich zum Liebhaben. Nett, sympathisch, natürlich, aber auch mit viel Feuer und Leidenschaft ausgestattet. Die als ruhige Folksongs startenden Nummern entwickelten sich dann auch in der Regel zu fetzigen Indierockern, bei denen die Amerikanerin ihr ganzes Talent zeigte und so richtig schön aus sich raus ging.

Wunderbar die Instrumentierung mit dem stimmungsvollen Akkordeon, das sich zu zwei Gitarren, Bass, und Schlagzeug hinzugesellte und den Sound folkiger und wärmer klingen ließ. Stimmlich gab Laura von Anfang bis Ende alles, die Bandbreite reichte von einem wimmernden Hauchen, über ein liebliches Zirpen bis zu einem hysterischen Greinen. Viel Persönliches packte die Künstlerin in ihre Stücke und sang mal vom Leben auf einem Haussboot, mal von einer Liebesbeziehung und dies immer mit einer entwaffnenden Offenheit. (Textauszug von Master Of Art: "you should know that I'm often difficult")

Gefiel mir richtig gut, was die süße Laura da ablieferte und auch der Spruch meiner Freundin Uschi ("klingt Nach Kate Nash"- meine Güte, ich hasse Kate Nash!) konnte mir den Spaß nicht mehr verderben.

Bestes Lied des Sets? Puh! Vielleicht der beschwingte Akkordeon- Schunkelsong The Healthy One? Oder doch die berührende Ballade I See Dark? Oder das melodramatische Nervous Rex, das sie zum Abschluß spielte? Irgendwie alles toll!





Vor Laura war bereits eine andere Dame aufgetreten. Die Rede ist von der Kanadierin Amber Webber, die zusammen mit Joshua Wells, ihrem Partner von Black Mountain und zwei weiteren Musikern (darunter eine barfüßige Cellistin) unter dem Bandnamen Lightning Dust bereits um viertel vor 8 losgelegt hatte.

Amber verfügt über eine kraftvoll-vibrierende Gothikstimme, mit der sie das Café de la Danse sehr ordentlich beschallte. Ihr Gesangesorgan ist demjenigen von Katie Stelmanis aka Austra nicht unähnlich, allerdings spielt sie keinen Elektropop, sondern düsteren Kammerfolk, freilich ebenfalls mit elektronischen Elementen angereichert. Wichtiger Bestandteil der Musik von Ligthning Dust ist die Orgel, die die stark melancholische Stimmung noch unterstreicht. Manchmal fühlte ich mich wohlig an Kristin Hersh erinnert, deren Album The Grotto zu meinen absoluten Favoriten gehört.

Ich mochte auch das melodramatische Element in der Musik von Lightning Dust, das Sehnsuchtsvolle, das Cinematographische. Perfekte Songs zum Schwelgen und Träumen waren das, insofern schade, daß die Traumphase nicht ausgedehnter war und das Konzert nach lediglich gut 30 Minuten sein Ende nahm. Die beiden Alben Infinite Light und Lightning Dust muß jeder Melancholiker in seinem Plattenschrank haben!

Das Gleiche sagt man auch von The Sleeper und Into The Murky Water, den beiden hochgelobten Alben der von Nick Hemming angeführten Engländer The Leisure Society, die als Hauptact als letzte Band antraten. Ihr stark von den Beatles beeinflusster Sixties Psychedelic Pop, konnte mich aber nicht wirklich begeistern.
Obwohl die Musiker handwerklich exzellent waren, die Querflöte von Helen Whitaker (Mann, hatte die lange Beine!) herzallerliebst jubilierte, die Geige von Mike Siddell perfekt gestrichen wurde und das Songmaterial erlesen war, blieb das Ganze am Boden kleben und sorgte beim Großteil des Publikums nicht für Begeisterungsstürme. Irgend etwas fehlte. Vielleicht war die Band müde, oder aber das Publikum nach zwei vorangegangenen Bands nicht mehr richtig aufnahmefähig, unter dem Strich musste jedenfalls ein lediglich gehoben durchschnittliches Konzert notiert werden.

Setlist Laura Stevenson & The Cans, Café de la Danse, Paris:

01: Halloween Pts: 1 & 2
02: 8:08
03: Caretaker
04: Holy Ghost!
05: The Healthy One
06: Source And The Sound
07: Web
08: A Shine To It
09: Master Of Art
10: The Pretty One
11: I See Dark
12: Beets Untitled
13: Nervous Rex

Konzerttermine Laura Stevenson & The Cans:

09.09.2011: Aachen, Fest @ AZ
17.09.2011: Franzis, Wetzlar
24.09.2011: Dachau, Kultur-Schranne
26.09.2011: Erfurt, Franz Mehlhose
29.09.2011: Graz, Forum Stadtpark
01.10.2011: Wien, Haus der Musik


Aus unserem Archiv:

Lightning Dust, Paris, 05.05.10
The Leisure Society, Paris, 16.01.10
The Leisure Society, Paris, 26.10.09



Donnerstag, 6. Mai 2010

Heligoland & Lightning Dust, Paris, 05.05.10

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Konzert: Heligoland & Lightning Dust

Ort: Le Scopitone, Paris

Datum: 05.05.2010

Zuschauer: mittlere Auslastung



Die Location: Die ehemalige Yuppie-Hochburg namens Paris Paris ist seit etwa einem Jahr von den Alternativen in Beschlag genommen worden und heißt nun Le Scopitone. Trotzdem ist das Pariser Indiepublikum skeptisch und mag den Laden immer noch nicht sonderlich. Er gilt als zu clean, zu modern, zu kalt. An den Vorbehalten ist was dran, aber wenn man sich ein Plätzchen auf den ledernden Clubsesseln ergattern kann, sitzt man hier königlich. Und der Sound ist nicht übel! Seien wir also froh, daß es das Scopitone gibt, in der französischen Metropole fehlen nämlich Auftrittsorte für Indiekapellen an allen Ecken und Enden.

Die Bands des heutigen Abends

Heligoland: Eine meiner Lieblingsbands und zwar weltweit! Die Australier mit Wohnsitz Paris haben mir schon in der Vergangenheit berauschende Konzerte bereitet, aber das hier im Scopitone schoß gänzlich den Vogel ab! Die schönsten und melodiösesten Gitarren aller Zeiten (lasst mich doch ruhig mal schwärmen!) erfüllten jeden einzelnen Winkel des Raums und ich schwebte gedanklich turmhoch über den Dächern der Stadt. Angeführt von der riesengroßen Sängerin Karen Vogt (mindestens 1, 85 lang) mit der sinnlichen und umwerfend hübschen Stimme, bot die fünfköpfige Band eine dreiviertel Stunde lang Shoegaze/Dream Pop wie aus dem Lehrbuch. Gitarrist Dave Olliffe, der solo auch schon zusammen mit Frédéric D. Oberland in unserem Wohnzimmer musiziert hat (Vorgruppe Arborea), ist nicht nur einer der nettesten Burschen, den ich in den letzten Jahren getroffen habe, sondern auch ein sensationeller Musiker. Aus seiner Elektrischen schien süßester Nektar zu fließen, der mich stärker euphorisierte als drei Flaschen Schampus es hätten tun können. Wahnsinn! Der helle Wahnsinn! Ich hätte vor lauter Glücksgefühlen himmelhoch jauchzen können! Gegen die unverschämt packenden Songs war wahrlich kein Kraut gewachsen. Angefixt wie ein Junkie, ergötzte ich mich vor allem an den neuen Songs, die in diesem Jahr endlich auf den dritten Longplayer der sympathischen Truppe gebannt werden. Das tolle Cover I'm In Love With A German Filmstar wird leider nicht drauf sein, dafür aber etliche andere Kracher wie Kiss Kiss oder Landscape. Es ist eines der Alben, das ich für 2010 am sehnlichsten erwarte. Heligoland sind ganz mein Wetter, die drücken bei mir genau die richtigen Knöpfe. Toll, toll, toll!!!

Setlist Heligoland, Le Scopitone, Paris:

01: A Year Without
02: Kiss Kiss
03: Nearness
04: Speedy
05: Landscape
06: I'm In Love With A German Filmstar (The Passions Cover)
07: Cabo de Gata

Lightning Dust: Bei der kanadischen Band gingen die Meinungen hinterher zum Teil weit auseinander. Ein paar Besucher äußerten sich sehr kritisch und konnten mit dem Gebotenen nicht viel anfangen. Als man aber mich fragte, wie es mir gefallen habe , antwotete ich ohne Zögern: gut! Ich mochte die brüchige Stimme von Amber Webber sehr und auch das Orgelspiel von Joshua Wells fand ich inspiriert und stimmungsvoll. Ich hatte die beiden schon einmal als Mitglieder der psychedelischen Rockband Black Mountain live in der Pariser Maroquinerie gesehen und in eben jenem Club hatten Lightning Dust vor ein paar Monaten auch ihr erstes Konzert in der französischen Kapitale gegeben. Heute also ihr zweiter Paris Gig und den bestritten sie nicht nur als Duo, sondern zu viert. Das Mädchen mit dem Karohemd, das Background Vocals beisteuerte und auch manchmal am Bass zupfte, war unschwer als Schwester von Amber zu identifizieren, sie heißt Ashley. Im Hintergrund agierte auch noch ein Kerl mit Brille und Mütze hinter einem Apple Laptop, der zuweilen auch Schlagzeug spielte. Dieses Quartett kredenzte eine interessante Mischung aus Folk, Elektropop, Trip Hop und Dreampop. Manchmal erinnerte mich das Ganze an Beach House, ansonsten aber war das schon sehr eigen. Die Songs lebten stark von der auf wundersame Weise vibrierenden Stimme von Amber, bekamen durch das flotte Piano/Orgelspiel von Joshua aber erst den richtigen Pfiff. Never Seen war einer meiner Favoriten. Luftig leicht, melancholisch und mit psychedelischer Duftnote versehen. Ein Zungenschnalzer! Aber auch das folkigere und an Mazzy Star erinnernde Highway kam richtig gut rüber. Wenn es etwas zu bemängeln gab, dann vielleicht die Abmischung. Manchmal ging Ambers tolle Stimme unter dem Pluckersound etwas unter und ihre Gitarre war auch nicht immer optimal verstärkt. Bei den letzten drei Liedern wurde es dann basslastiger und Ambers Schwester Ashley bekam etwas mehr Arbeit. Abwechslungsreich war es auf alle Fälle und vielleicht konnten deshalb einfach ein paar Zuschauer den Stil nicht zuordnen. Traditionelle Folkfans moserten und die Shoegazer im Saale, die für Heligoland gekommen waren, verstanden auch nur Bahnhof. Egal, toll wars trotzdem. Meine Meinung zählt. Basta! :-)

Setlist Lightning Dust, Le Scopitone, Paris

01:Take Me Back
02: Antonia Jane
03: Dreamer
04: I Knew
05: History
06: Highway
07: Never Seen
08: When You Go
09: Take It Home
10: The Times



 

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