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Mittwoch, 24. April 2013

Coeur de Pirate, Köln, 23.04.13

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Konzert: Coeur de Pirate (Solo Piano Show)
Ort: Gloria-Theater, Köln
Datum: 23.04.2013
Zuschauer: vielleicht 600 (teilbestuhlt und ausverkauft)
Dauer: 65 min



Wenn man viele gute Konzerte sieht, und das tue ich, wenn ich mir mein Programm der vergangenen und kommenden Monate betrachte, kommt irgendwann der Appetit auf Abwechslung, nett formuliert auf ein Quatschkonzert. Seit Jahren nehme ich mir vor, mal Scooter, La Fee oder Sido zu sehen. Musikalisch wären das hochanstrengende Abende (bis auf Scooter), wahrscheinlich wären sie aber irre unterhaltsam. So wie Gourmets manchmal nach einem Burger ist oder Bastian Schweinsteiger mit Kumpels im Englischen Garten kickt. Dummerweise kosten die Späße in meinem Fall mehr als der Standard. La Fee wird sicher teuer sein, und so weit geht die Lust dann doch nicht.



Bei Coeur de Pirate liegt der Fall anders. Das hatte ich zumindest gehofft, ganz sicher war ich aber nicht. Ob die Musik der kanadischen Sängerin Béatrice Martin nicht doch viel mehr Schlager als Indiepop ist, frage ich mich immer, wenn ich eine ihrer Platten höre. Denn auch die bunt tätowierten Arme, die, wenn man Béatrice nicht kennte, nahelegen könnten, die junge Frau spiele zum Beispiel bei Fucked Up, können nicht darüber hinwegtäuschen, daß die Musik der Frau aus Montréal nichts anderes als Chanson ist. Chanson hört sich natürlich eine Ecke angenehmer als Schlager an, der Unterschied ist in der Regel aber nur die gesungene Sprache. Ich höre die beiden Coeur de Pirate Platten selten - vermutlich, weil sie mir zu chansonesque sind, möchte die Künsterin aber seit Jahren live sehen! 

Müsste ich mein Verhältnis zu Béatrice bei Facebook beschreiben, wäre das wohl ein Fall für den "es ist kompliziert" Knopf.

Letztes Jahr hätte es endlich die Chance gegeben, ein Coeur de Pirate Konzert zu sehen. Beátrice war da aber schon "zu schwanger", wie sie heute erklärte, daß ein Konzert nicht mehr möglich war. Der heutige Nachholtermin war lange schon ausverkauft. Der Veranstalter hatte offenbar ein gesetzteres Publikum erwartet, und das erfordert (tata!) einen teilbestuhlten Saal. Ich stehe gerne bei Konzerten, auch wenn ich das schon oft verflucht habe. Komplett bestuhlte Shows sind mir auch recht, das Zwischending, eine Art Reise nach Jerusalem im großen Stil ist dagegen großer Mist. Kann man sich - wie wir - nicht schon anderthalb Stunden vorher anstellen, bekommt man keinen Stuhl mehr und muß in einen der wenigen Zwischenräume, den dann grundsätzlich nach Konzertbeginn jeder nutzt, um Getränke zu holen oder zu entsorgen. In Läden mit einer Bar im Konzertsaal scheint mir außerdem bei teilbestuhlten Konzerten der Hang zu Thekengesprächen noch eine Ecke größer zu sein als sonst. Und als wäre das nicht nervig genug, aß die Frauengruppe hinter uns am Rand Chips während der ruhigen Momente und knippste irgendwer hinter uns im Dauerfeuer mit einer Handykamera mit diesem grausamen nachgemachten Polaroid-Geräusch (man kann das ausschalten, habe ich mir sagen lassen - dann merkt aber niemand, daß man ein Smartphone verwendet - auch wenn dies vermutlich nur bis vor zehn Jahren ein Grund zum Angeben war).

Aber der Abend war trotzdem gut! 

Auf der Bühne war ein Flügel aufgebaut, mehr nicht. Es war schließlich eine "Solo Piano Show" angekündigt worden. Nach einem angenehm dezenten DJ-Vorprogramm (sehr oft sind DJs vor Konzerten grausam-überflüssig) kam die zierliche Franko-Kanadierin um halb neun auf die Bühne.

Béatrice nahm Platz und spielte ein kurzes Instrumental-Stück, das in Cap Diamant überging. Sängerinnen mit Chansons und Klavier sind nicht neu und auch nicht furchtbar spannend, wenn es nicht ein besonderes Element gibt. Bei Coeur de Pirate ist dies zweifelsfrei Béatrices Stimme, die durch die Kombination kanadischer Akzent und Piepsigkeit enorm charmant ist. Mir ging es beim ersten Song eigentlich wie bei fast allen folgenden. Eigentlich - Fans bitte weghören - war es mir egal, was sie singt. Mir gefiel das Wie ganz ausgezeichnet. Auf Platte halte ich nie lange durch. Als die Musikerin ihr letztes Lied nach knapp 50 Minuten ankündigte, war ich überrascht, umso mehr, als ich dann sah, daß nicht erst eine halbe Stunde vorbei war. Wer es schafft, so kurzweilig aufzuspielen, macht eine ganze Menge richtig! 

Noch besser wurde es, als Béatrice anfing, mit dem Publikum zu sprechen. Sie entschuldigte sich für ihre fehlenden Deutschkenntnisse und wechselte dann fließend zwischen kanadischem Französisch und kanadischem Englisch. Ich hatte oft den Eindruck, dieses Hin- und Herwechseln sei ihr gar nicht mehr richtig bewußt.

Am besten gefiel mir C'était salement romantique gegen Ende des Hauptteils. Das vom Saal besonders gefeierte Golden baby dagegen empfanden wir als größten Langweiler. Als einzigen übrigens.

Die Grenzen einer Piano Show wurden nur einmal erkennbar. Béatrice kündigte ein Gitarrenstück an, ich weiß nicht genau, was es sein sollte. "Ich spiele nicht gut Gitarre, habe auch keine dabei." Sie wollte es am Klavier versuchen. Nach ein paar Takten änderte sie ihre Meinung. "Ich spiele ein anderes Lied" (Hôtel l'amour).

Nein, der Abend machte Spaß. Der französische bzw. französischsprachige Chanson wird mich zwar nie begeistern, Béatrice hätte ich trotzdem nicht verpassen wollen. Und nicht nur, weil sie schon einen hinreißenden Gastauftritt bei einem Konzert meiner alten Helden Indochine hatte.



Setlist Coeur de Pirate, Gloria, Köln:

01: Intro
02: Cap Diamant
03: Adieu
04: Fondu au noir
05: Ensemble
06: Pour un infidèle
07: Le long du large
08: St. Laurent
09: Your belong to me (Carly Simon Cover)
10: Hôtel amour
11: La petite mort
12: C'était salement romantique
13: Ava
14: Golden baby
15: Francis

16: Le vent et la riviere (Z)
17: Place de la République (Z)
18: Comme des enfants (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Coeur de Pirate, Paris, 14.05.09



Sonntag, 17. Mai 2009

Coeur de Pirate, Paris, 14.05.09

3 Kommentare

Konzert: Coeur de Pirate (Revolver)
Ort: La Boule Noire, Paris
Datum: 14.05.2009
Zuschauer: ausverkauft
Konzertdauer: ca. 65-70 Minuten



Wann Coeur de Pirate denn in der Boule Noire anfangen würde, wollte ich von meinem Bekannten Fabien wissen, der die Blondine Béatrice Martin bereits am Mittwoch gesehen hatte. "Gegen 20 Uhr 50", war seine Auskunft.

Als ich kurz vor neun abgehetzt von der Maroquinerie (wo ein anderes Konzert stattgefunden hatte) in der Boule Noire ankam, glaubte ich deshalb höchstens ein bis zwei Lieder verpasst zu haben. Die Leute standen bis zur Eingangstür und diejenigen, die früh gekommen waren, hingen bräsig auf Stühlchen, um der jungen Pianistin beim Klimpern zuzusehen. Ich fragte einen Besucher neben mir, seit wann das Konzert schon begonnen habe. "Depuis une demi heure", raunte er mir zu. Was? Seit einer halben Stunde? Na wunderbar, ich hatte nicht nur die vorzügliche französische Vorgruppe Revolver verpasst, sondern auch sechs Lieder von Béatrice Martin! Das hatte ich nun von meinem Clubhopping! Man kann nun einmal nicht gleichzeitig an zwei verschiedenen Orten sein. Zunächst recht enttäuscht über dieses Versäumnis, befahl ich mir, mich zu relaxen und marschierte den schmalen Gang an der Wand entlang nach vorne, um die Tätowierungen der jungen Nachwuchskünstlerin abzulichten. Es war allerdings so eng, daß ich ins Straucheln geriet und meine Kamera gegen die Steinmauuer schlug. Aber ich hatte Schwein gehabt, wie durch ein Wunder blieb meine Knipsmaschine unversehrt! Wäre ja auch zu schade gewesen, wenn die Nachwelt nicht erfahren hätte, wie unglaublich niedlich Beatrice aussah! Alleine schon diese entzückenden Schüchen, ein Traum! Und dann noch dieses hübsche, unschuldige und engelsgleiche Gesicht, das im krassen Kontrast zu den Seefahrertätowierungen auf ihrem Oberarmen stand. Also optisch war schnell die Note 1 gezückt! Es gab nur ein Problem: Die Musik gefiel mir nicht sonderlich! Sie war zu brav, zu süßlich, zu sehr auf Wohlkang getrimmt. Ecken und Kanten: Fehlanzeige! Macht Coeur de Pirate Indie: Nö! Aber ich glaube, das ist auch nicht unbedingt Ziel ihres Major Labels, bei dem sie unter Vertrag steht. Die Damen und Herren von Barclay/Universal werden schon darauf achten, daß auch möglichst musikuntrainierte Ohren Gefallen an den ach so schönen Chansons finden und daß sich das Album reißend verkauft. Allein schon die mainstreamigen Pappnasen, die im Publikum saßen, gaben mir schnell den Rest! Keine einzige Person, die ich je zuvor gesehen hatte und ich gehe nun einmal auf fast alle guten Konzerte. Ich fühlte mich fehl am Platze. Das Bild änderte sich auch nicht dadurch, daß Coeur de Pirate mit Étienne d'Aout nun eine Coverversion der durchaus nicht schlechten kanadischen Band Malajube anstimmte. Ihr Cover war nämlich nicht besonders gelungen, zu klebrig das Ganze. Kurzum: Das Konzert war nichts für mich! Ihre vielen kleinen Ansagen und Koketterien mit dem Publikum waren lieb gemeint und sie ist ja auch noch so jung, da nimmt man ihr das übertriebende Geplappere und Gekichere nicht wirklich übel (die meisten im Saale fanden das ja eh unglaublich charmant, vielleicht wegen des Akzents aus Québec), aber besser wurde dadurch die Musik auch nicht. Am Ende holte sie auch noch ein sogenannntes Omnichord heraus, ein elektronisches Musikinstrument von Yamaha aus den 80er Jahren, das laut Béatrice für Arthrosekranke (Gelächter im Publikum) entwickelt wurde und leicht zu bedienen sei. Nun ja...

Ich wußte immer noch nicht, warum ich überhaupt gekommen war, aber dann fiel es mir wieder wie Schuppen von den Haaren! Richtig, mit dem Hit und dem dazu passenden Video zu Comme des Enfants hatte sie mich um den Finger gewickelt. "Et moi je t'aime encore plus fort", säuselt sie dazu sinnlich. Herrliche Musik gegen die allgegenwärtige Krise. Fühlst Du dich deprimiert, lass dir einfach von einer süßen Blondine Honig um den Bart schmieren und schon sieht die Welt wieder ganz anders aus! Bloß, daß dieses Antidepressivum nicht sehr lange wirkt und nur in kleinen Dosen gut veträglich ist. Ich war allerdings der einzige Grieskram im Publikum, die anderen waren hingerissen und klatschten Beatrice und ihren männlichen Begleitmusiker, der an Gitarre und Fiedel hantierte, noch mehrfach wieder heraus, um unter anderem noch eine Coverversion von Rihanna's Umbrella geboten zu bekommen. Die war ok bis geht so, mehr nicht, genau wie das ganze Konzert. Und mein Bedürfnis hinterher in voller Lautstärke Metallica zu hören, riesig!

Pour nos lecteurs français:

Oui elle mignonne, charmante, accessible, souriante et rigolote. Tout ça c'est vrai. Elle vas aller loin avec ces quailtés, c'est sûr aussi. Mais honnêtement: C'est pas très bon ce qu'elle fait. Trop sucré, trop gentil, trop lisse. C'est la variété française et n'a rien avoir avoir le pop indé du groupe Malajube qu'elle adore et dont elle a repris le titre Étienne d'aout. Mais Béatrice Martin alias Coeur de Pirate a choisi le bon moment pour se lançer: C'est la crise et les gens adorent d'oublier leur soucis en écoutant et regardant une fille mignonne avec une voix sensuelle derrière son piano. Moi ça m'a sûrtout donné envie d'écouter quelque chose de méchant après le concert sur mon i-pod. Comme je n'avais pas Metallica, j'ai choisi Joy Division. Que c'est beau la déprime!


Setlist Coeur de Pirate, La Boule Noire, Paris:

01: Le Long Du Large
02: Fondu Au Noir
03: La Vie Est Ailleurs
04: Ensemble
05: Berceuse
06: Corbeau
07: Francis
08: Loind d'Ici
09: Etienne d' Aout (Malajube Cover)
10: Pour Un Infidèle
11: Comme Des Enfants

12: Umbrella (Rihanna Cover)

13: Place De La République
14: neues Lied




 

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