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Mittwoch, 30. Januar 2008

Cocoon, Paris, 29.01.08

2 Kommentare

Konzert: Cocoon
Ort: La Maroquinerie, Paris
Datum: 29.01.2008
Zuschauer: seit langem ausverkauft!



Zunächst einmal dieses hier:


"Happy Birthday to you, Happy Birthday to you, Happy Birthday lieber Christoph, Happy Birthday to you!"

Hast Dich gut gehalten alter Blogger-Partner! Deine 37 Jahre sind man Dir gar nicht an, man könnte Dich glatt auf,...ähem, nun sagen wir...35 1/2 schätzen! Ehrlich! Nun gut, kann ja nicht jeder so jung aussehen wie ich, mit meinem vollen Haar und dem flachen Bauch (die zweite Aussage ist gelogen!). Ich setze Dir hiermit die Blooger-Geburtstagskrone auf! Und wenn wir nicht von einem wütenden Musiker erschlagen werden, der uns seine Gitarre über die Rübe zieht, oder uns nicht ein Künstler hinterrücks erschießt, über den wir schlecht berichtet haben, dann sehen wir auch noch die 4 vorne bei der Altersangabe. Sei Dir darüber im Klaren, daß Du vor mir 40 wirst. So!

"My Friends All Died In A Plane Crash"

Nein, nein, ich rede nicht von mir, meine Freunde sind ja keinesfalls alle bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen. Der Beweis: Christoph ist quitschfidel, wenn auch inzwischen ziemlich alt. Ich zitiere vielmehr einen der desillusioniertesten Albumtitel des Jahres 2007, der sich mit "We Were Dead Before The Ship Even Sank" von Modest Mouse einen harten Zweifampf in dieser zynischen Kategorie lieferte. Dieser Albumveröffentlichung vorausgegangen war allerdings die erste EP von Cocoon, "From Panda Mountains". Und Panda ist auch schon das richtige Stichwort. Irgendwie dreht sich bei dem französischen Duo Mark und Morgane (schrecklicher Name für ein hübsches Mädchen!) nämlich alles um dieses Tierchen. Beispiele gefällig? - Die Rubrik "Influences" auf ihrer MySpace Seite ziert...natürlich...ein Panda Bär! - Die Tournee 2008, die sie durch ganz Frankreich und halb Belgien (allerdings vorerst nicht Deutschland) führen wird, heißt...klar: Panda Tour! Und auf dem Album - Cover, das heute mittels eines Projektors an die Wand gestrahlt wurde, sieht man...? Na? - Falsch! Keinen Panda, sondern eine Katze! "Wir mögen halt eben Tiere", sagten sie im Laufe des Konzertes irgendwann ganz lapidar. Anscheinend auch in Plüschform. Was tummelte sich nicht alles da vorne auf der Bühne. Eine Ratte, ein Äffchen, ein Igel, (aber natürlich auch ein Panda!)) allesamt vor Morgane's Piano, bzw. an ihrem Mikrofonständer und ein...hmm, Eichhörnchen (war das eins?) auf Mark's Gitarre und ...klar auch ein kleiner Panda auf seiner Ukulele. Anscheinend kriegen sie jetzt auch von Fans die Viecher geschenkt, so daß sie wohl am Ende der Tour nicht mehr wissen, wohin das flauschige Zeug soll. Stolz, aber auch belustigt, zeigte Mark gegen Mitte des Konzertes auch einmal hoch, was sie wieder Schönes bekommen hatten. Aber jetzt Schluß mit den Tierchen! Kommen wir zur Musik!

Logischerweise begann alles mit dem Titel "Take Off". Klar, bevor das Flugzeug abstürzt, muß es ja erst einmal starten! Aber was sang Mark denn da mit herzerweichender Stimme? : "Well I wish that I could land" und: "The Take Off is sometimes hard, I dream Of A Bodyguard". - Das stimmte nachdenklich, aber ganz so todernst ist das bei Cocoon nicht, manchmal sogar ganz im Gegenteil. Hier darf gelacht, gesummt, geklatscht und gleich von dem zweiten Lied "On My Way" auch mitgesungen werden. Und sogar auf den Boden durfte (sollte) man sich setzen, das sei "sehr hippie" (O-Ton Mark) und außerdem sei dieser sauber. So leisteten dann auch alle dieser Aufforderung Folge und machten es sich bequem , um andächtig dem berührenden Stück "Cliffhanger" zu lauschen. Dieses hatte definitiv nichts mit Silvester Stallone zu tun, sondern mit einem Bergsteiger, der wohl beim Aufstieg seine Zehen verloren hatte. Tragisch, aber das Lied war wirklich wunderschön mit seinen hineingesampelten Streicherpassagen. Danach wurde es vulgär, zumindest dem Titel nach zu urteilen. "I don't Give A Shit" von ihrer eingangs erwähnten EP war an der Reihe. Die beiden Musiker wirkten allerdings so nett und wohlerzogen, daß es ihnen fast peinlich schien, diese Wörter auszusprechen, genau wie Mark später förmlich errötete als er den Ausdruck "Bitch" in einem anderen Song ("Seesaw") benutzte. Aber es muß ja nicht jeder Künstler aggressiv und versaut sein. Die beiden sind nun einmal so wie sie sind. Liebenswürdig, aufmerksam, höflich. Mark würde den perfekten Schwiegersohn abgeben, aber stille Wasser sind ja oft tief...

Und das Publikum? Na, das war schwer angetan, schließlich waren ja auch nur nette und liebenswürdige Leute da, von der alten Ziege, die sich von meiner Knipserei gestört fühlte mal abgesehen. Die Stimmung hätte feierlicher nicht sein können. Der Franzose würde sagen, daß sie "Bon enfant" (gutes Kind) war. Wunderschön auch, daß alle bei "Hey Ya" dem OutKast Cover mitsangen. Ja, ja, richtig gelesen, OutKast! Eine Folk-Band wie Cocoon covert Hip Hop Lieder, wäre ja auch zu einfach gewesen, Klassiker des eigenen Genres zu verwursten! Später mußte auch ein moderner Soul-Klassiker dran glauben: "Rehab". Erstaunlich wie viele Bands sich schon an der Amy Winehouse Nummer versucht haben. Art Brut und die 1990s haben das schon eingebunden, jetzt also auch die Franzosen. Allerdings glaube ich nicht, daß sie irgendwann im Leben mal eine "Rehab" brauchen werden...

So ging es noch eine ganze Weile munter weiter, das Publikum durfte mal einen sterbenden Dinosaurier nachmachen ("Paperboat"), über Weichnachten mitlästern ("Christmas Song"), oder zu "Tell Me" (I Hate Birds) mitschluchzen. Hach, es war herrlich! Kein Wunder, daß die beiden am Schluß zweimal wieder rausgeklatscht wurden, um vielumjubelte Zugaben zu geben. Und am Ende stand dann...klar das an die Wand geworfene Bild eines... Pandas...


Setlist Cocoon, La Maroquinerie, Paris:

01: Take Off
02: On My Way
03: Cliffhanger
04: I Don't Give A Shit
05: Hummingbird
06: Microwave
07: Hey Ya (Outcast Cover)
08: Paper Boat
09: Christmas Song
10: Seesaw
11: Vultures
12: Superheroe
13: Rehab (Amy Winehouse Cover)
14: Tell Me
15: Chupee

16: Baby Seal (Z)
17: Oklahoma (Z)

18: Owls (Z)

Konzertdauer: 75 Minuten.





Freitag, 9. November 2007

Cocoon, Paris, 08.11.07

0 Kommentare

Konzert: Cocoon (& Second Sex & Ludéal)
Ort: La Boule Noire, Paris
Datum: 08.11.2007
Zuschauer: nicht ganz ausverkauft


Wer hat an der Uhr gedreht, ist es wirklich schon so spät? Die Zeit scheint dieses Jahr wieder einmal wieder wie im Fluge vergangen zu sein und die 20. Ausgabe des alljährlich im November stattfindenden Festivals des Inrocks klopfte an die Tür. Am ersten Tag auf dem Programm: die Pariserinnen (na gut, ein Mann ist auch dabei...) Koko Von Napoo, Bonde Do Role aus Brasilien, New Young Pony aus England und natürlich die Comeback-Band aus Manchester Happy Mondays. All dies fand in der Cigale statt, allerdings ohne meine Beteiligung. Ich wollte es langsam angehen lassen und bin in punkto "Glückliche Montage" eh nicht auf dem neuesten Stand...

Für mich startete das Festival somit erst um 23 Uhr, in der gleich neben der Cigale gelegenen Boule Noire. In dem kleinen Club durften die Jungspunde von Second Sex als Erste ran. Die vier gutaussehenden Burschen machten ihre Sache dann auch recht gut und ließen vor allem die Herzen junger Girlies höher schlagen. Und selbst wenn sie es mit ihrem rohen Garagenrock nicht zu Weltruhm schaffen sollten, gibt ihnen ihr Babyrocker-Status mit Sicherheit die Gelegenheit das ein-oder andere junge Groupie rumzukriegen. Wenn das nichts ist? Ihre Attitüde ist auf jeden Fall schon einmal professionell, die schwarzen Lederjacken sitzen perfekt, ebenso wie die engen Jeans und die trendigen Boots. Passend zu diesen lautete der letzte Titel dann treffenderweise auch "Lick My Boots". Wer erweist ihnen diesen unterwürfigen Dienst?

Setlist Second Sex, Boule Noire:

01: Le Monde...
02: Love's Gone Bad
03: Baby Do
04: Tramp
05: Dis Moi Qui
06: I'm Ready
07: J'ai Couché...
08: Mon autre Côté
09: Fille Facile
10: Lick My Boots

Mehr Photos von Second Sex hier

Von dem danach auftretenden Folksänger Ludéal, der mit seiner Band kam, hatte ich mir dann nach den lobpreisenden Berichten in der Zeitschreift "Les Inrockuptibles" mehr versprochen. Was er brachte, war nah dran am klassischen französischen Chanson und seine tiefe Stimme ist durchaus markant. Viel hängengeblieben ist von dem Auftritt aber letzlich nicht. Vielleicht müßte ich mich mal in Ruhe mit dem Künstler auseinandersetzen, aber während Festivals bleibt hierfür wenig Zeit.

Kurz vor 1 Uhr in der kalten Pariser Nacht (in der Boule Noire war es hingegen schön warm) kamen dann endlich meine Favoriten des Abends, nämlich das französische Duo Cocoon, auf die Bühne. Die Band besteht aus dem singenden Gitarristen und Songwriter Mark Daumail, der aus einer Musikerfamilie stammt und seiner ebenfalls singenden und Keyboard-spielenden musikalischen Partnerin Morgane Imbeaud. Was die beiden darboten, gehört zum Besten, was der französische Folk in den letzten Jahren hervorgebracht hat. Wunderbare Lieder voller Melancholie und Schwermut, die den idealen Soundtrack zu tristen Novembertagen abliefern und dennoch mit ihrer profunden Schönheit die Seele streicheln. Trotz der teilweise zynischen, oder desillusionierten Texte ("I hate birds" in "Tell Me" ihrem Hit, der sie ins Gespräch gebracht hat, oder "My Friend All Died In A Plane Crash", der Albumtitel) steckt soviel Hoffnung und Liebe in den Stücken, daß man das Gefühl hat, man könnte sich an ihnen wie an einem Kaminfeuer erwärmen. Die Stimmung war dementsprechend feierlich und knisternd, aber es gab auch Grund zum Lachen. Oft wurden Melodien mitgesummt, spontan mitgeklatscht, oder gar das Geräusch eines Dinosauriers nachgemacht. Sänger Mark hatte zuvor erklärt wie das gehe, ein paar Tests mit dem Publikum durchgeführt und nachdem er schließlich mit dem Ergebnis recht zufrieden war, das Lied "Paper Boat" angestimmt. Köstlich!

Noch witziger war allerdings der Auftritt eines Ukulele spielenden Panda-Bärs, passend zu ihrer ersten EP "From Panda Mountains". Der arme Kerl, muß ganz schön geschwitzt haben unter seiner Maske, traf aber die Noten trotz dieser Sichteinschränkung sehr gut!

Daneben gab es auch noch Platz für eine Cover-Version von Outkast ("Hey Ya"), kleinen Anekdoten und einer Ehrerweisung an den von ihnen hochgeschätzten Amerikaner Sufjan Stevens mit dem Stück Oklahoma. Schön, daß noch ein paar Nachteulen geblieben waren und diesem hochgelungen Auftritt lauschten. Das Festival hatte sehr gut für mich begonnen!

Setlist Cocoon, La Boule Noire: (Danke an Morgane, merci Morgane!):

01: Take Off
02: On My Way
03: Hummingbird
04: I Don't Give A Shit
05: Cliffhanger
06: Hey Ya (Outkast-Cover)
07: Tell Me
08: Vultures
09: Oklahoma

10: Chupee (Z)

Mehr Photos von Cocoon



 

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