Donnerstag, 5. Januar 2017

My Year In Lists - 17 Konzerte und anderes (Nelle)


Dauergast bei unseren My year in lists - Rückblicken: Nelle aus Köln. Jahresbestenlisten sind toll! Jahresbestenlisten mit Statistiken sind noch viel toller!



 
Jahresrückblick 2016 – Die Top 17 Konzerte und anderes 

Bevor ich die besten Konzerte Revue passieren lasse, wie immer ein kleiner Blick auf meine Lieblingsmusik aus der Konserve im vergangenen Jahr. Favorisiertes 2016er Album war definitiv Let them eat chaos von Kate Tempest, gefolgt von den Alben von Emmy the Great, Martha und den Tuts sowie der EP von Colour Me Wednesday. Weitere tolle Alben kamen von Amber Arcades, ¡Ay Carmela!, Big Deal, Bleached, Daughter, Gurr, Happy Accidents, Låpsley, Local Natives, den Posies und Warpaint. Dazu noch bereits in den Vorjahren erschienene Platten von Evans the Death und The Spook School. Und dann noch Hello Saferide More modern short stories from Hello Saferide. Eigentlich mein Album des Jahres, aber bereits acht Jahre alt. Die Schwedin kannte ich schon aus der Zeit ihres 2005er Albums Introducing... Hello Saferide, hatte sie aber völlig aus den Augen verloren. Irgendwie bin ich dann wieder auf sie gestoßen und habe im Internet das Album gebraucht für sage und schreibe 1,14 Euro + Versandkosten gekauft. Besser kann man sein Geld nicht anlegen. 

Hier nun die 17 besten Konzerte (wobei außer der Top 3 die Reihenfolge wie üblich variiert je nach Tageslaune): 


Platz 17: Happy Accidents – The Star and Garter, Manchester (22.07.16) Vor dem geliebten Indietracks Festival stand noch eine Woche Urlaub in anderen englischen Städten an, unter anderem Manchester. Beim Durchklicken diverser Konzertkalender entdeckte ich dann auch ein Konzert von Happy Accidcents, die ich ausschließlich kannte weil ihre Albumveröffentlichung kurz zuvor im Newsletter ihres Labels Alcopop Records erwähnt wurde, den ich wiederum nur bekomme weil es für die Anmeldung irgendwann mal einen Gratisdownload von Sam Duckworth (Get Cape. Wear Cape. Fly / Recreations) gab. Also bei Bandcamp angehört, für großartig befunden und Ticket gekauft. Das Star and Garter liegt in einem freistehenden Backsteingebäude direkt neben dem Bahnhof in einer Brachgegend, die in den kommenden Jahren komplett neu „entwickelt“ werden soll (hoffentlich ohne den Club wegzuentwickeln). Nach zwei örtlichen Vorbands spielte die Band dann fast alle Titel ihres sensationellen Album You might be right und war ganz fantastisch. 

Platz 16: Gérald Kurdian – Le Pop Lingerie, Köln (22.09.16) Im Ehrenfelder Unterwäscheladen Le Pop finden regelmäßig Konzerte statt, häufig von französischen Künstlern (die Inhaberin ist z. B. auch in der bekannten Samplerreihe gleichen Namens involviert – nicht nur als Covermodel). Im September haben ich es endlich einmal zu einem der Konzerte geschafft. Gérald Kurdians franko-deutscher Kauderwelsch zwischen den Stücken war das Lustigste was ich 2016 gehört habe und auch seine Elektropopchansons waren super. 


Platz 15: Einar Stray Orchestra – Rufffactory, Köln (03.06.16) Die Kopfhörerkonzertreihe At the B-Sites hatte im dritten Jahr ihres Bestehens immer mal wieder Probleme mit dem Wetter, so dass nicht alle Konzerte wie gewohnt in öffentlichen Parks stattfanden, sondern auf Ausweichräumlichkeiten zurückgegriffen wurde. Das meiste Pech hatten sie mit dem Veransalten ihres ersten Festivals – das Festivalgelände war hochwasserbedingt zu einem Teil des Rheins geworden und daher fiel das Ganze kurzfristig aus. Auch das Konzert der Norweger vom Einar Stray Orchestra fand drinnen statt, hier wurde eine alte Gewerbehalle in Köln-Ehrenfeld zur Konzertlocation. Bisher mein schönstes Kopfhörerkonzert. 


Platz 14: Little Green Cars – Studio 672, Köln (24.05.16) Die kleinen grünen Autos habe ich vor Jahren mal auf einem BBC 6Music-Mixtape von Tom Robinson aufgepickt, vermutlich mit ihrem damaligen Überhit My love took my down to the river to silence me aus ihrem einige Zeit später erschienenen Debütalbum Absolute zero. 2016 kam dann nicht nur endlich ein Nachfolger, sondern auch die mutmaßlich erste Deutschlandtour. Das erste Drittel des Konzerts fand ich ziemlich holprig und in der Band schien irgendeine seltsame Spannung zu herrschen, so als ob sie keine Lust hätten miteinander zu spielen oder so was. Als sie sich eine Weile eingespielt hatten, war das aber vollends verflogen und sie harmonierten miteinander, dass es eine Wonne war. 


Platz 13: Linda Guilala – Tsunami Club, Köln (29.01.16) Nein, dieses Konzert taucht hier nicht auf, um mich bei einem der Autoren dieses Blogs beliebter zu machen, da er es veranstaltet hat – sondern schlichtweg, weil es so toll war. Die spanische Band kannte ich nur vom Namen, als im Januar das erste Verbena Pop im Tsunami Club stattfand und ich hatte auf Grund irgendeines Liedes, das ich mal gehört hatte, an eine fröhliche Popband mit Sängerin oder so was gedacht. Stattdessen spielten die drei besten Shoegaze mit schön viel Gitarrengewitter. Das war nicht nur unerwartet, sondern auch umwerfend gut. 


Platz 12: Saint Etienne – Indietracks Festival, Ripley (30.07.) Der Indietracks-Headliner waren die guten alten Saint Etienne, die ich eigentlich nie auf der Liste „Bands, die ich noch live sehen muss!“ hatte, obwohl ich sie bereits seit 19 Jahren kenne. Also eine glückliche Fügung, dass sie nun dort spielten und wenn sie nicht ausgerechnet meinen langjährigen Favoriten Sylvie verhauen hätten, wären sie sicher noch ein paar Plätze weiter oben gelandet. 


Platz 11: Warpaint – Live Music Hall (30.10.) Über Warpaint brauche ich auf diesem Blog wohl nicht mehr viele Worte verlieren, sie gehören mit Sicherheit zu den am häufigsten mit Konzertberichten gepriesenen Bands. Also in der Kurzversion: Es war wieder einmal fantastisch. 


Platz 10: Flowers – Indietracks Festival, Ripley (30.07.) Kannte ich vorher nur vom Namen, waren umwerfend. 


Platz 9: The Low Anthem – Gebäude 9, Köln (23.10.16) Kein Konzert für schwache Nerven! 2010 hatte ich die mir damals unbekannte Band erstmals gesehen, das war im Halderner Spiegelzelt. Es war sensationell und damals mit großem Abstand auf dem ersten Platz meiner Jahresliste. Im Folgejahr dann ein verkorkster Festivalauftritt (für dessen Verkorksen die Band nichts konnte) und dann mehr oder minder eine Pause, die mit dem weirden Album Eyeland 2016 zu Ende ging. Das Konzert begann mit einem 6- bis 7-minütigen Intro vom Band, dann betrat die Band die Bühne und führte das Intro fort mit einem Arsenal aus dutzenden Vogelpfeifen und ähnlichen Dingern, die irgendwelche Pfeif-, Piep- und Klappergeräusche machen. So dauerte es vom erwarteten Beginn (Saallicht geht aus) bis zum Beginn des ersten richtigen Stückes bereits etwa 12 bis 15 Minuten. Wer auf Experimente keinen Bock hatte, war vermutlich jetzt bereits gegangen. Es folgten dann viele sehr leise, fein instrumentierte Stücke, die immer wieder von eingestreuten, unfassbar lauten, verzerrten Rocknummern ad absurdum geführt wurden. Die leisesten und lautesten Songs, die ich dieses Jahr live gehört habe, kamen z. T. binnen 5 Minuten während ein und dem selben Konzert. Unterm Strich war das ganze Konzert fordernd und anstrengend, aber auch extrem faszinierend. Ein absolut denkwürdiger Abend, auch wenn ich meiner Begleitung nicht böse sein kann, dass sie es schrecklich fand. 


Platz 8: At the Drive-In – Palladium, Köln (30.03.16) Eins meiner zwei großen Konzertraumata ist, dass ich 2001 nicht zu At the Drive-In im Bochumer Zwischenfall gehen konnte, weil meine Eltern mich danach nicht vom Bahnhof der nächstgelegenen größeren Stadt abholen wollten. Kleinstadtjugendmist. Reunions sind meistens ebenfalls Mist und im Palladium ist bereits die Garderobe größer als die damalige Location, dennoch wollte ich die Band endlich sehen. Die Stücke sind die gleichen, die Bandköpfe springen rum als seien sie immer noch jung und ganz sentimental betrachtet war es super. Nochmal würde ich aber nicht hingehen. 


Platz 7: The Spook School – Blue Shell, Köln (08.12.16) Die Indietracks-Entdeckung The Spook School in Köln, yeah! 


Platz 6: Emmy the Great – MTC, Köln (04.04.16) Ich liebe Emmy the Great, bewundere ihre Wandlung von der Folkpopmusikerin in Richtung elektronischer Pop ohne doof zu werden und habe sie 2016 gehört wie niemanden sonst (sagt last.fm). Das MTC war katastrophal schlecht besucht, dennoch schien sie Spaß zu haben und erfüllte sogar meinen Wunsch Algorithm. Auf Grund der geringen Besucherzahl halte ich es für unwahrscheinlich, dass sie bald wieder hier tourt – umso froher bin ich, im April dort gewesen zu sein. 


Platz 5: Kate Tempest – Capitol Theater, Düsseldorf (29.10.16) Im Capitol sind sonst eher Musicalveranstaltungen und Artverwandtes, daher war es mein erster Besuch dort. Dass das letztjährige Album von Kate Tempest großartig war / ist, hatte ich ja schon oben erwähnt. Da das Album wieder einem roten Faden folgt, hatte ich sehr gehofft dass sie bei der Liveumsetzung mit ihrer Band beim New Fall Festival dies beibehält und das Album in voller Länge durchspielt. Und dies Hoffnung wurde nicht enttäuscht: Nach einer direkt an das Publikum gerichteten Anmoderation wurde die Platte vom ersten bis zum letzten Ton ohne weitere Unterbrechungen durchgespielt! Folglich war es großartig – dass danach aber auch schon Schluss war und es keine Stücke von Everybody down oder sonstige Zugaben gab, trübte die Stimmung aber etwas und sorgt dafür, dass das Konzert nicht noch weiter oben gelandet ist. Also quasi nicht auf Grund dessen, was ich gesehen / gehört habe, sondern was ich nicht gesehen / gehört habe. 

Platz 4: Daughter – FZW, Dortmund (10.10.16) Im Frühjahr spielten Daughter schon einmal in Köln, das war wegen blödem Platz und mäßigem Sound aber nicht wirklich positiv in Erinnerung geblieben. Zum Glück spielten sie im Herbst noch einmal in Dortmund und da war alles wieder wie gewohnt herausragend. Außerdem spielte unerwartet Dan Croll im Vorprogramm, was eine nette Überraschung war. 


Platz 3: Vimes – Stadtgarten, Köln (27.08.) c/o pop, die Erste: Die Kölner Elektropopband Vimes habe ich schon seit einigen Jahren auf dem geistigen Zettel, da sie seinerzeit mit einem anderen, mit persönlich bekannten Musiker zusammengearbeitet haben. Im Stadtgarten bot sich nun die Gelegenheit, das ganze einmal live zu sehen. Es war unfassbar heiß, laut, nebelig, ekstatisch, wundervoll. 

Platz 2: The Posies – Razzmatazz 2, Barcelona (21.04.) Die Posies sind im gefühlt 100. Jahr ihrer Bandgeschichte schon alte Bekannte und auch schon hin und wieder in meinen Jahreslisten aufgetaucht – letztmalig im vergangenen Jahr, damals aber als besonders misslungenes Konzert. Inzwischen haben sie wieder einen Schlagzeuger aus Fleisch und Blut dabei. Dass sie zudem in Spanien bekannter sind als in Deutschland, Belgien und den Niederlanden, wo die Konzerte in den letzten Jahren meist sehr überschaubar besucht waren, hatte ich ebenfalls gehört. Daher haben wir einen ohnehin geplanten Wochenendtrip nach Barcelona rund um ein Posies-Konzert dort gelegt. In der Tat kommen dort viel mehr Leute und die Band wird für jedes Stück abgefeiert – egal ob Klassiker aus den 90ern oder Stücke des erst kurz zuvor erschienenen Albums Solid states. Es machte unfassbar viel Spaß, die Band endlich mal in dem Rahmen zu sehen, der ihnen gebürt. 


Platz 1: Local Natives – Klaus-von-Bismarck-Saal, Köln (26.08.) c/o pop, die Zweite: Hier hatte ich zwar ein sehr gutes, aber nie und nimmer das beste Konzert des Jahres erwartet. Die Rhythmik, die Harmonien, alles wie aus einem Guss, gleichzeitig tanzbar (in einem bestuhlten Saal) und melancholisch. Überragender Sound, tolle Songs aller drei Alben, ein wohlwollendes Publikum, ein Abend auf höchstem musikalischen Niveau.

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Wirklich richtig schlechte Konzerte waren zum Glück rar und fast ausnahmslos Zufallskonzerte. Das heißt, Bands die auf Festivals spielten bei denen ich wegen anderen Bands war (z. B. Captain Disko beim Horseshoe Festival in Olfen am 4. Juni oder Mia. beim Waltroper Parkfest am 28. August) oder Vorbands (z. B. Keegan vor den Posies im Blue Shell am 1. November) bzw. alternativ Hauptbands, wenn ich wegen der Vorband da war. Enttäuscht war ich von den Lieblingen von Fear of Men im Trix im belgischen Antwerpen (17.09.), da sprang bei mir nicht der Ansatz eines Funkens über. Dennoch werde ich bei denen bei der nächsten Tour wieder hingehen. Und schließlich stand im letzten Jahr hier als eine der Enttäuschungen auch eine Band, die jetzt oben ganz weit vorn dabei ist. 

Und wie jedes Jahr nun noch: Sinnlose Statistiken! 
• 151 einzelne Auftritte bei 50 Veranstaltungen (letztes Jahr 168) 
• Am häufigsten live gesehen: Giant Rooks (3x) 
• Länder (Auftrittsort): 105x Deutschland, 36x UK, je 3x Niederlande und Estland, je 2x Belgien und Spanien 
• Herkunft der Musiker: 57x UK, 53x Deutschland, 14x USA, 5x Spanien, 4x Schweden, 1 bis 3x Belgien, Estland, Frankreich, Irland, Kanada, Mexiko, Niederlande, Norwegen, Österreich, Russland, Schweiz (wo waren die Bands aus Dänemark und Island 2016?) 
• Laut last.fm am häufigsten gehört: Emmy the Great, Evans the Death, Fear of Men, Kilo Kish, Daughter 
• Laut last.fm am häufigsten gehörter Song: Rainy MiloHow pretty you look (when you're telling me lies)

Sonstige Vorkommnisse: 
• Ich war zum ersten mal seit 2004 nicht auf dem Haldern Pop Festival
• Mit Stornoway und Big Deal lösen sich gleich zwei Lieblingsbands der letzten Jahre auf. Während Stornoway mit großer Abschiedtour im Frühjahr unterwegs sind auf der Insel (fast wäre ich hingeflogen), waren Big Deal von heute auf morgen futsch. 
• Nach 8,5 Jahren spielen Subterfuge endlich wieder Konzerte, wundervoll. 
• Jeder sollte sich die unfassbar großartige Band Peaness aus Chester anhören. Da ich sie aber weder live gesehen habe, noch sie ein Album veröffentlich haben, hatte ich hier keine Gelegenheit sie zu erwähnen. Daher nutze ich diese finale Stelle explizit zur Lobpreisung der vielleicht besten Indiepoppunkband unserer Zeit. 

Fotos: Nelle, Christoph (Linda Guilala und Kate Tempest - beide Archiv)


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