Dienstag, 3. Mai 2011

Blue Highway Festival, Utrecht, 23.04.11

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Konzert: Blue Highways Festival

Ort: Vredenburg Leidsche Rijn, Utrecht
Datum: 23.04.2011
Zuschauer: etwa 1000
Konzertdauer: jeweils 45-60 Minuten

Mea culpa. Der gute Uwe aus Aachen hatte mir folgenden Festivalbericht bereits vor 6 Tagen zugesendet. Die verspätete Veröffentlichung geht also auf meine Kappe. Sorry!

Gastbeitrag von Uwe (vielen Dank!)

Schon wieder (na ja, nach fast 2 Jahren) ein Festival. Trotz unbestreitbar vorhandenen Vorbehalten. Trotz 2 Stunden Fahrzeit. Trotz schönen Wetters. Aber es hat sich gelohnt, es gab gute Musik und eine Überraschung.



Ich musste schon ziemlich früh ins Auto steigen, weil einer der Gründe um hinzufahren leider schon um 16 Uhr auf die Bühne musste. Jenee Halstead hatte für diesen Auftritt Verstärkung vom niederländischen Gitarristen BJ Baartmans und seinem Bassisten Gerco Aerts. Und besonders BJ verpasste dem Set eine gehörige Portion Lautstärke und steuerte viele tolle Soli auf der E-Gitarre bei. Dazu das verstärkte Fundament im Bassbereich und ich erkannte viele Stücke kaum wieder, da ich Jenee bisher immer nur solo gesehen hatte. Aber sie kann auch rocken, schönes Konzert und die erste positive Überraschung direkt zu Beginn. Der "kleine Saal" (ein Zelt neben dem Hauptgebäude) war auch recht gut gefüllt, auch noch nach Beginn des ersten Konzerts im großen Saal. Jenee musste ein Foto machen ("Das glaubt mir sonst keiner zu Hause").

Foto von Marcel Houweling:
http://www.flickr.com/photos/mhwlng/5648800505/sizes/z/in/photostream/


Danach folgte direkt Justin Rutledg. Mit Akustikgitarre und Begleitung durch einen Pedal Steeler (Burke M. Carroll) sehr ruhig. Aber durchaus schön, ich hatte vorher nichts von ihm gehört und werde mich sicher noch weiter mit seiner Musik beschäftigen. Nach ca. einer halben Stunde habe ich mich in den großen Saal aufgemacht, weil ich einen guten Platz für den zweiten Grund des Herkommens ergattern wollte. Das wäre aber unnötig gewesen, das Konzert von Boris McCutcheon war gerade zu Ende und ich konnte ohne Probleme einen Platz recht weit vorne in der "Akustik-Sicht- Gleichgewichtszone" bekommen. Der Zuschauerzuspruch insgesamt war sicher hinter den Erwartungen der Veranstalter, der große Saal (1500 Sitzplätze) war bei keiner Show proppevoll, sondern eher moderat zu etwa 2/3 bis 3/4 gefüllt.

Foto von Marcel Houweling:

http://www.flickr.com/photos/mhwlng/5649268260/sizes/z/in/photostream/



Da ich früh da war, konnte ich den Soundcheck begutachten (nicht wirklich spannend), dann verließen die Musiker die Bühne, wurden sofort danach angekündigt und kamen wieder zurück (albern). Und dann begann das Konzert von Frazey Ford, extra für diesen Auftritt aus Kanada hergeholt. In der Band an E-Gitarre und Banjo auch Trish Klein, also 2/3 der Be Good Tanyas. Darauf hatte ich mich sehr gefreut, aber irgendwie sprang kein Funke über, der Auftritt war seltsam steril. Die Musik zwar sehr schön, soulig/jazzig vom Grundgefühl her, auch ein paar recht alte Songs als Cover eingestreut (zum Schluss sogar eine a capella Gospelnummer), aber man hätte auch eine CD abspielen können. Vielleicht war es der Band auch ungemütlich auf der Riesenbühne (verziert durch das potthässliche Blue Highways Logo in ca. 10x5m Größe) und ohne den unmittelbaren Publikumskontakt. Schöne Musik aber laues Konzert, schade.


Foto von Marcel Houweling:

http://www.flickr.com/photos/mhwlng/5648731941/sizes/z/in/photostream/





Vor der Zugabe begab ich mich schon mal Richtung Ausgang, weil ich auch wieder rechtzeitig im Zelt sein wollte - ebenfalls unnötig. In der Hinsicht verlief das Festival sehr entspannt und ohne die Hindernisse die mich beim Boot Boo Hook in Hannover genervt hatten.


Wen wollte ich sehen? Brian Webb aus den USA, mir völlig unbekannt aber von mehreren Seiten während des Tages empfohlen. Auch hier war ich füh genug zum Soundcheck, aber das raus/rein-Ritual sparte man sich glücklicherweise. Der Auftritt hat mich dann völlig überrascht. Tolle Stimme, tolle Songs, eigentlich auch - zumindestens teilweise - etwas zu ruhig für ein Festival aber genau das Richtige für meinen Geschmack. Begleitet wurde Brian von Rose Polenzani an Harmonium, Ukulele, Gitarre und Gesang. Er selbst spielte Gitarre (akustisch und Slide auf einem Zigarrenkisteninstrument) und Banjo. Der Großteil des Programms waren Stücke aus seinem neuen Album (das ich natürlich kaufen musste), dazu ein paar schöne Cover - besonders toll Lucinda von Tom Waits mit schöner Geschichte: er hat es für ein Tom Waits Tributkonzert gelernt und war natürlich der einzige, der so blöd war ein Stück mit 10 Strophen auszusuchen. Jetzt spielt er es so oft wie möglich live, damit sich die Mühe gelohnt hat. Tolles Konzert, die Überraschung des Tages.


Foto von Marcel Houweling:

http://www.flickr.com/photos/mhwlng/5648695289/sizes/z/in/photostream/


Danach war ich dann ziemlich durch, habe die "gemütliche Atmosphäre" des Zweckbaus im Foyer genutzt - essen, trinken, unterhalten. Früher soll es schöner gewesen sein, als das Festival noch in der Stadt in der Vredenburg stattfand. Die ist aber plattgemacht worden und wird neu gebaut, daher der Ausweichsaal außerhalb direkt an der Autobahn. Verkehrstechnisch sehr gut, aber sonst eher katastrophal. Ich habe mir dann noch ein paar Stücke von Jimmy LaFave im großen Saal angehört - nichts für mich. Und dann noch mal ins Zelt zu Israel Nash Gripka. Da dann der Rockhammer pur, 3 E-Gitarren in einer Band müssen wohl nicht sein. War mir nach den schönen Eindrücken der ersten Festivalhälfte zu viel und zu laut, ich habe mich dann nach Hause aufgemacht.




Montag, 2. Mai 2011

Nadeah, Paris, 01.05.11

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Konzert: Nadeah

Ort: Passage Alexandrine, 11. Pariser Arrondissement
Datum: 01.05.2011
Zuschauer. 100 vielleicht
Konzertdauer: eine Stunde


Der Rahmen war perfekt. Ein Konzert in einer kleinen, malerischen Pariser Gasse, auf die man kaum zufällig stoßen würde. Dazu ein strahlender blauer Himmel, nette Leute und eine temperamentvolle australische Sängerin, die wie für die Bühne geschaffen ist. Nadeah heißt die baumlange Dame mit dem unfassbar puppigen Gesicht, die bereits im Vorprogramm von Matt Bauer in Erscheinung getreten ist und auch zur Girlgroup Nouvelle Vague gehört.

Sie ist auf die gute Idee gekommen, mehr oder weniger geheime Konzerte auf den Straßen von Paris zu geben. Neulich trat sie bereits in einer stilvollen Passage auf, heute also der Gig in einer Gasse im 11. Arrondissement, unweit der bekannten Rue Charonne. Demos (gegen wen? für wen oder was? keine Ahnung) behinderten zunächst den Weg zum Spielort, weshalb man auch etwas später, sprich gegen 18 Uhr 15, anfing.

Aber ich will gar nicht großartig um den musikalischen Eindruck vorbeireden. Die Musik von Nadeah ist eigentlich nicht so mein Wetter. Ein soulig, bluesiger Gesang, ein Variétécharakter, der die teils mit Klarinette und Posaune instrumentierte Musik umweht, alles Umstände, die eigentlich bei mir einen Würgereiz auslösen. Daß ich dennoch eine amüsante Stunde verlebte, lag zum einen am pittoresken Auftrittsort und zum anderen an den großen entertainerischen Qualitäten von Nadeah. Eine Frau, die mir mit ihrer Engerie und fast kindlich zu nennenden Lebensfreude durchgängig ein Lächeln ins Gesicht zauberte und das Publikum so spielerisch um den Finger wickelte, wie es nur performerische Naturtalente können. Ein sexy Weibsbild, das in ihrem Tatendrang kaum zu stoppen war, Grimassen schnitt, auf Stühle kletterte und den verdutzten Zuschauern manchmal ins Ohr sang.

Was die Nachbarn dazu sagten? Die hingen an den Fenstern und holten ihre Spiegelreflexkameras raus! Ein paar von ihnen kamen sogar nach unten und feierten mit. Toll diese Franzosen, anstatt die Bullen zu rufen, spendeten sie der Künsterlin und ihrer Band Applaus und klatschten eifrig mit.

Welches Lied mir am besten gefallen hat? Suddenly Afternoon, eine hübsche, melancholische Ballade mit einem herrlichen Zartschmelz und einem süßlichen Glockenspiel.



Bei einigen anderen Songs (die zum Teil an einer morgen erscheinenden EP namens Odile drauf sein werden) hatte ich eher gemischte Gefühle, aber das änderte nichts an dem angenehmen spätnachmittag.

Und ich habe schon wieder ein paar Ideen bekommen, wo ich demnächst Sessions abhalten könnte. In unserer Bude wird es zu warm, da muss man sich nach Alternativen im Freien umschauen, you know?

Fotos am Montag.





Sonntag, 1. Mai 2011

Maia Vidal, Paris, 30.04.11

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Konzert: Maia Vidal (ex- Your Kid Sister)

Ort: La Belelvilloise, Paris
Datum: 30.04.2011
Zuschauer: etwa 60-70
Konzertdauer: ungefähr 45 Minuten


"C'était très dur à Paris pour moi", es war sehr schwierig für mich in Paris, gestand mir nach dem Konzert die Franko-Amerikanerin Maia Vidal. Die süße Akkordeonspielerin, die unsere Stammleser noch unter dem Moniker Your Kid Sister kannten, hat deshalb auch bereits ihren Abschied von der Seine-Metropole geplant. Nur drei Monate hielt sie es in der Stadt der Liebe aus und im September will sie nach Barcelona zurückgehen, wo sie vorher gewohnt hatte. Den Sommer will sie in New York verbringen.

Da fragt man sich, woran es gelegen hat, daß sie in Paris nicht richtig Fuß fassen konnte. Vielleicht hat sie die Quittung dafür bekommen, daß sie keine Oliver Peel Session spielen wollte? Tja, wer nicht mit mir kollaboriert, den bestraft das Leben, gelle?!

Aber lassen wir doch die Albernheiten und konstatieren, daß sie hier nicht auf Anhieb durchgestarte ist, obwohl sie zwei französische Lieder im Repertoire hat und ein riesiges Talent ist. Jeder, der sie in den vergangenen 9 Monaten auf einer Pariser Bühne gesehen hat, war schwer beeindruckt von ihrer Musikalität und ihrem Charme. Die Kleine hat aber auch eine Stimme, Donnerwetter! Flexibel einsetzbar, nuancenreich, jede Gefühlslage bestens untermalend und stets sattelfest. Da wird nichts forciert, gibt es keine Wackler und schiefen Töne, nein, ihr Kehlchen ist gold wert. Und die Songs sind erste Sahne. In vielen Fällen ungemein originelle Coverversionen der Punkband Rancid, die sie dermaßen auf ihren Stil getrimmt hat, das man sie nicht wiedererkennt und fast von Eigenkreationen sprechen kann. Natürlich spielte sie auch heute in der stimmungsvollen Bellevilloise wieder ein paar dieser Rancid Neuvertonungen, z.b. Good Morning Heartache oder Poison, das sie besonders gelungen interpretierte. Nicht allein im Übrigen, Maia hatte Verstärkung in der Person eines französischen Multiinstrumentalisten dabei, der von der Trommel, über das Glockenspiel bis hin zur Trompete und Gitarre alles spielte. Er wird sicherlich auch ein wenig traurig darüber sein, daß der heutige Auftritt der vermutlich letzte zusammen mit Maia war.


Auch ich habe eine kleine Träne im Auge und hoffe, daß ich sie im Herbst bald wieder auf einer Pariser Bühne sehen werde. Allein schon, wenn man sich vergegenwärtigt, wie toll ein Song wie The Waltz Of The Tick-Tock Of Time ist. Maia Vidal spielte dabei mit einer Hand Toypiano und der anderen Akkordeon und sang so schön, daß den Kellnern im Restaurant fst das Tablett aus der Hand rutschte.

Your Kid Sister: the waltz of the tick-tock of time from noni on Vimeo.



Eine gute Meldung zum Schluß: die Musikerin plant im Herbst auch Konzerte in Deutschland!

Setlist Your Kid Sister, La Bellevilloise, Paris:

01: Good Morning Heartache (Rancid)
02: Let Me Go (Rancid)
03: Alphabet Of My Phobias
04: Poison(Rancid)
05: Je Me Suis Fait Tout Petit (Brassens)
06: Follow Me
07: The Waltz (of the tick tock of time)
08: Le Tango de la Femme Abandonnée


Konzertankündigung: Arms and Sleepers

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Konzertankündigung: Arms and Sleepers
Orte und Daten: siehe unten

Ohne großes Aufsehen haben sich die Arms and Sleepers auf Europatour begeben und schon ist die Hälfte davon auch wieder rum. Aber noch ist nichts verloren, wer in Mitteleuropa (und nein, Paris ist leider woanders) wohnt, dem seien die Konzerte des Duos Max Lewis und Mizra Ramic schwerstens ans Herz gelegt.

Mit großartigen, zerbrechlichen, melancholischen Klänge, selbst bezeichnet als "Ambient-Electronic-Soundtrack für einen traurigen Film", haben sich Arms and Sleepers auch schon durchaus einen Namen gemacht, Vergleiche zu Kollegen wie Uzi & Ari und den Antlers rühren nicht von irgendwo. Und eine interessante Gründungslegende hat die Band auch in petto... So be there or be square!


Arms and Sleepers - The Architekt



Ausgewählte Termine von Arms and Sleepers:

02.05.2011: Levee, Berlin
08.05.2011: Morph, Bamberg
09.05.2011: Schlachthof, Dornbirn
10.05.2011: rhiz, Wien
21.05.2011: Elfer Music Club, Frankurt a.M.


Konzertankündigung: The Luyas

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Konzertankündigung: The Luyas

Orte & Daten: siehe unten


So, was haben wir denn von den Luyas aus Kanada zu erwarten? Wenn es nach dem Kultfilmer Vincent Moon ("An Island") geht, enorm viel. Wie man lesen kann, handelt es sich um die Lieblingsband des umtriebigen Franzosen. Die Gruppe aus Montréal war erst kürzlich in Paris, sagte aber den Showcase (eines von zwei Konzerten) im Rough Trade Store kurzfristig ab. "We are not an acoustic band", schrieb mir die Sängerin Jessie zur Erklärung. Aha. Na was denn dann? Future Pop kann bei Last fm als Tag lesen, das klingt ja schon mal spannend. Und der Titel des aktuellen Albums Too Beautiful To Work ist auch cool.



Am besten ihr macht euch von den Qualitäten der Luyas selbst ein Bild, sie treten im Vorprogramm der Dodos auf und werden sicherlich neue Fans hinzugewinnen.

Ausgewählte Konzerttermine The Luyas (ohne Gewähr):

06.05.2011: Kiff, Aaarau, Schweiz
07.05.2011: 59:1, München
08.05.2011: Hafen 2, Offenbach (ohne die Dodos)
09.05.2011: Magnet Club, Berlin
10.05.2011: Prinzenbar, Hamburg
11.05.2011: Blue Shell, Köln
12.05.2011: Doornroosje, Nijmegen
13.05.2011: Melkweg, Amsterdam
14.05.2011: Botanique, Brüssel
17.05.2011: La Laiterie, Strabourg
18.05.2011: Point Ephémère, Paris



 

Konzerttagebuch © 2010

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