Konzert: Sydney Wayser Ort: ein Wohnzimer irgendwo in Paris, Val3rie presents House Party # 2 Datum: 10.04.2010 Zuschauer: um die 15 Konzertdauer. etwa 50 Minuten
Valérie ist eine junge Pariser Videofilmerin, die sich - wie soll es auch anders sein -, auf das Filmen von Konzerten spezialisiert hat. Logisch, daß wir uns irgendwann kennengelernt haben, zumal wir einen ähnlichen Musikgeschmack haben. Natürlich habe ich sie auch schon zu meinen Oliver Peel Sessions eingeladen, gekommen ist sie aber leider nie. Einmal war sie schon im Auto unterwegs zu uns, aber da ist sie dummerweise im Stau der Großstadt steckengeblieben und hat die hinreißende Simone White verpasst. Durch ihre Filmerei (ihr Videokanal: hier!) kommt sie natürlich auch oft mit Bands und Künstlern in Kontakt und irgendwann berichtete sie mir, daß sie die in Frankreich sehr geschätzte Band Holden (sie singen sogar auf französisch, eine Seltenheit!) gefragt hätte, ob sie nicht bei ihr zu Hause eine Home Show spielen würde. Holden kamen im Dezember 2009 tatsächlich zu Valérie, aber ich glänzte, gestresst von Weihnachsteinkäufen, durch Abwesenheit.
Heute also die zweite Chance zu testen, ob Valerie's Sessions etwas taugen. Nein falsch formuliert: die zweite Chance, um zu sehen, ob wir beide in Zukunft kooperieren und uns gegenseitig Künstler zuschanzen können. Man muss nämlich wissen, daß ich irrerweise so viele Anfragen von Künstlern und deren Betreuern habe, daß ich unmöglich mit jedem eine Oliver Peel Session machen kann. Ohne hier prahlen zu wollen, kann ich verraten, daß ich allein für den Mai 5 verschiedene Interessenten hatte und vier davon einen Korb geben musste. Valérie kann also gerne in Zukunft Künstler von mir vermittelt und weitergericht bekommen, auf die ich keinen Bock habe. Haha, ich Schelm! Ist natürlich kompletter Unsinn, zumal die gute Valérie mit Sydney Wayser nach Holden schon den zweiten hochkarätigen Act für ihre House Party gewinnen konnte. Die blonde New Yorkerin Sydney hat immerhin kürzlich erst auf dem erlesenen Festival "Les fêmmes s'en mêlent" in der Pariser Maroquinerie gespielt und positiv überrascht. Und am 16. April kommt sie sogar in den Berliner Bang Bang Club, ebenfalls im Rahmen des Festivals "Les femmes s'en mêlent", daß nun die Grenzen Frankreichs überschreitet und sich immer weiter ausdehnt.
Valérie wohnt übrigens auf der gleichen Metro Linie wie ich, bloß ihre Hütte ist 25 (!) Stationen von meiner entfernt. Entsprechend früh machte ich mich auf die Söckchen , um nicht zu spät anzutanzen. Bei ihr angekommen, stellte ich aber erleichtert fest, daß ich fast zu früh dran war. Außer meinem Freund Michael, der immer saupünktlich ist, waren nur Valérie, ihr Bruder Stéphane und Sydney Wayser und ihr männlicher Gitarrist im Raume. Es roch im ganzen Zimmer verführerisch nach hausgemachten Quiches und anderen Köstlichkeiten. Eine sehr gute Note für das Catering konnte ich also ohne Bedenken bescheinigen. Fehlten nur noch ein paar Gäste. Letztendlich waren wir um die 15 Leute, nicht sehr viele also, aber da darunter etliche unverschämt hübsche Mädchen waren, konnte ich mich nicht beklagen. Zudem hatte ich ein Plätzchen auf dem Sofa ergattert und saß da wie so ein fetter Pascha.
Sydney Wayser legte gegen 22 Uhr los. Die aufgeweckte Blondine hat eine wunderschöne Stimme mit leicht jazzigem Einschlag, was zur Folge hatte, daß hinterher etliche Leute sagten: "Klingt wie Feist." Damit lagen sie auch nicht ganz falsch, aber ich persönlich hatte nach ihrem Konzert in der Maroquinerie gesagt: "Klingt wie eine Mischung aus Feist, Cat Power, Alela Diane und vor allem Regina Spektor. Dabei bleibe ich auch nach den heutigen Höreindrücken. Achso, Sydney ist übrigens Pianistin und spielt im Gegensatz zu ihren ganzen folkigen Kolleginnen keine Akustikgitarre. Womit wir ein kniffliges Problem im Vorfeld dieser Session ansprechen. Die Amerikanerin hatte kein Piano mit dabei! Bei ihren Clubkonzerten bekam sie die Ausrüstung immer von den jeweiligen Läden geliehen, aber Valerie hatte nicht eben mal zufällig ein Klavier zur Hand. Noch zwei Tage vorher wurde fieberhaft nach dem benötigen Instrument gesucht, aber schließlich stand das Ding pünktlich zur House Party in Valéries Wohnzimmer. Das Piano klang einwandfrei und überhaupt war der Sound tadellos. Wer sagt da noch, daß man bei sich zu Hause keine vernünftigen Konzerte organisieren kann?
Sydney spielte überwiegend Lieder ihres zweiten Albums The Colourful. Besonders schön finde ich den Song Lullaby, zu dem die Wayser im Schneidersitz ein Glockenspiel in Schwingung brachte. Bei anderen Titel kam auch eine Ukulele zum Einsatz, so z.B. bei dem gelungen Beach Boys Cover Would'It Be Nice. Highlight war für mich aber das sentimentale Bells, bei dem die Stimme von Sydney einen unwiderstehlichen Zartschmelz hat und das sich sofort tief in die Gehörgänge bohrte. Herrlich! Aber auch das erste Album The Silent Parade wurde nicht ganz ausgespart und wir kamen in den Genuß des süffigen und federleichten Carousel, welches die Musikerin wohl zur Zeit nur noch selten spielt. Schließlich blieb sogar noch Raum für zwei ganz neue, unveröffentlichte Tracks, die auf einem in Planung befindlichen dritten Album ihren Platz finden werden. Darunter auch das allerletzte Lied des geselligen und gelungenen Abends, den man sich noch mit CD Käufen oder einem netten Flirt mit den hübschen Mädchen im Publikum versüßen konnte.
Bravo, Valérie gut gemacht! Weiter so! Et merci, merci,merci!
Konzert: Sydney Wayser & The Tiny & Sarah Blasko, Festival les femmes s'en mêlent Ort: La Maroquinerie Datum: 01.04.2010 Zuschauer: recht gut besuchte, aber nicht ausverkaufte Veranstaltung
Jede Menge Frauen heute auf der Bühne der Maroquinerie. Kein Wunder, denn es handelte sich ja auch um eine Veranstaltung im Rahmen des Festivals les femmes s'en mêlent (das im übrigen auch in Berlin stattfindet), bei dem der Fokus auf weiblichen Künstlern liegt. Die Organisatoren und vor allem der Programmgestalter Stéphane Amiel (auf dem Foto) haben es erneut geschafft, ein buntes, abwechslunsgreiches Programm auf die Beine zu stellen und so feine Künstlerinnen wie Soap & Skin, (Foto unten) Olöf Arnalds, Jesca Hoop, John & Jehn, oder auch LoneLady und Jessie Evans für die diesjährige Ausgabe zu verpflichten. Auffällig war in diesem Jahr, daß man bei etlichen Musikerinnen im Programmheft als Beschreibung lesen konnte: "klingt ein wenig nach Björk oder Kate Bush." So zum Beispiel bei der Kanadierin Kyrie Kristmanson, der Isländerin Ölöf Arnalds, bei VUK (Finnland/USA) und auch bei zwei der heutigen Sängerinnen passte der Björk/Kate Bush - Vergleich ziemlich gut und zwar bei Ellekari Larsson von The Tiny und der Australierin Sarah Blasko.
Die einzelnen Konzerte im Kurzüberblick:
Sydney Wayser: Die lebenslustige Blondine mit den strahlenden blauen Augen gefiel mir am heutigen Abend mit Abstand am Besten. Allein schon mit ihrer samtweichen, ganz leicht souligen Stimme konnte sie mächtig punkten. Vergleichbare Musikerinnen sind mit Cat Power, Alela Diane, Feist, Bosque Brown oder vor allem Regina Spektor schnell gefunden, aber es kann gar nicht genug melancholische Sängerinnen mit zartschmelzender Stimme geben. Hinzu kam ihre fröhliche und offene Art und ein Gitarrist, der das Pianospiel der New Yorkerin wunderbar begleitete. Die junge Frau hat zwei Alben veröffentlicht, zuletzt das Werk The Colorful, auf dem auch solch herrliche Seelentröster wie Bells, oder Lullaby zu finden sind. Am Ende gab es dann mit Would't It Be Nice auch noch ein gelungenes Cover der Beach Boys auf der Ukulele und ein strahlendes Lächeln zum Abschied. Eine tolle Entdeckung, die ich demnächst bei einem Wohnzimmerkonzert wiedersehen werde. Nicht bei mir allerdings...
The Tiny: Nach wie vor recht wenig kann ich hingegen mit den Schweden The Tiny anfangen. Ellekari Larsson und ihr Lover Leo Svensson (ein gegensätzliches Paar, zumindest optisch) spielen melodramatische Songs im Stile von Björk oder Kate Bush und viele lieben diese Tränendrüsendrücker, zu denen man herrlich in sein Tempotaschentuch flennen könnte, aber irgendwie wirkt die Rezeptur bei mir nicht richtig. "I could not stand losing you" wimmerte Ellekari bei Last Weekend und manche hatten sicherlich einen Klos im Hals, aber ich schaute ob soviel Herzschmerzes lediglich auf meine Uhr. Und wer findet noch, daß Ellekari manchmal ein bißchen nach Bonnie Tyler klingt, wenn ihr Kehlchen ins Rauchige abdriftet? Zugegeben ein gemeiner Vergleich!
Aber ganz egal was ich hier schreibe, das Publikum in der Maroquinerie spendete jedenfalls langanhaltenden Applaus, worauf die Sängerin sehr gerührt reagierte. Warum sie bloß so traurig ist?
Sarah Blasko: Sarah Blasko sei in ihrer Heimat Australien ein richtiger Star hörte man im Vorfeld aus vielen gutinformierten Mündern. Aber was heißt das schon? Gestern habe ich in der Bildzeitung gelsen, Thomas Anders sei in Russland ein Star. Siehste mal! Gut, Russen haben keinen Musikgeschmack, ist schon klar, aber ist das bei den Australiern anders? Aus dem Land der Känguruhs kommen Spitzenmusiker wie Nick Cave, aber auch Plastikprodukte wie Kylie Minogue, daraus kann man also noch keine Schlüsse ziehen. Sarah Blasko ist hübscher als Kylie (will heißen : natürlicher und nicht so aufgebrezelt), aber nicht so genial wie Nick Cave. Ihre eigentlich recht düsteren Songs klingen irgendwie manchmal als seien sie fürs Radio gemacht. Vor allem aber: ihr Sound ist sehr schwedisch! Kein Wunder, schließlich saß beim letzten Album Björn Yttling an den Reglern. Genau wie bei Anna Ternheim also. Letztlich kann man durchaus behaupten: Wer auf Anna Ternheim und Emiliana Torrini steht, dürfte auch an Sarah Blasko seine Freude haben. Eingefleischte Folkfans werden hingegen den fehlenden Tiefgang und die recht starke Instrumentierung bemängeln.
Setlist Sydney Wayser, La Maroquinerie, Paris:
01: Hymn 02: Atlas 03: Banjo Bayou 04: Lullaby 05: Dirty Work 06: This One Goes Out To Ethan Hawke 07: Bells 08: La Di Da 09: Wouldn't It Be Nice (Beach Boys Cover)
Setlist Sarah Blasko, La Maroquinerie, Paris:
01: Down On Love 02: Bird On A Wire 03: Hold On My Heart 04: Lost & Defeated 05: Over & Over 06: We Wont Run 07: Sleeper Awake 08: I Never Knew 09: Is My Baby Yours 10: Seems Like Old Times 11: All I Want 12: No Turning Back
Anmerkung: Aus Versehen habe ich all meine Fotos dieser hübschen Damen gelöscht. Mist! C'est la vie! Vielleicht leihen mir andere ihre Bildchen aus...
Links:
- zwei sehr schöne Akustikvideos (deux très belles vidéos acoustiques) von Sarah Blasko gibt es bei Le hiboo-com. Klick! - auch bei Soul-Kitchen.fr findet man tolle Fotos und Akustikessions mir Sarah Blasko, klick! - Chroniques et belles photos de cette soirée sur sk, soulkitchen
Ausgewählte Konzerttermine von Sarah Blasko (Ohne Gewähr):
20.04.2010: Die Werkstatt, Köln 21.04.2010: Ampere, München 22.04.2010: Frannz Club, Berlin 26.04.2010: Kauflueten, Zürich 26.05.2010: Trabendo, Paris (Support The Temper Trap) 27.05.2010: Mekweg, Amsterdam (Support The Temper Trap)
Ausgewählte Konzerttermine Sydney Wayser (Ohne Gewähr):
10. 04.2010: Private Home Show, Paris 16.04.2010: Bang Bang Club, Berlin
Mein Zuhause. Mein Blog. ist als kleines privates Konzert- Tagebuch entstanden. Und weil es zur Zeit musikalisch so spannend ist, wächst unsere Sammlung schnell. Wir schreiben die Berichte spontan, unüberarbeitet und so zeitnah wie möglich. Die Reviews stehen meist noch in der gleichen Nacht online, spätestens jedoch am nächsten Tag. Musik ist für uns vor allem Spaß und keine Wissenschaft.
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