Konzert: Sarah Blasko Ort: Le Café de la Danse, Paris Datum: 04.12.2010 Zuschauer: ausverkauft, also circa 450Konzertdauer: 75 Minuten
Sarah Blasko hätte eigentlich perfekt ins Line-Up des zur Zeit in Paris stattfindenden schwedischen Festivals AÄÖ gepasst. Einziges Problem: In ihrem Pass steht bei Nationalität: Australierin. Musikalisch aber geht sie 100%ig als Schwedin durch. Ihr letztes Album As Day Follows Night wurde von Björn Ytlling (Peter, Björn and John) produziert und ihre Begleitmusiker stammen auch aus dem Land der hübschen blonden Frauen und der großartigen Tennisspieler (Björn Borg war meine erstes Idol!). Logischerweise klingt sie ziemlich stark nach Anna Ternheim oder A Camp. Sarah Blasko ist also eine der schwedischsten Australierinnen der Welt. Oder so.
Die Schwedenpop-Fans aus Paris waren jedenfalls zu Stelle. An vorderster Front meine gute bekannte Valerie Toumayan, die den ganzen Kram filmte. Das Café de la Danse platzte aus allen Nähten. Schon wieder ein ausverkauftes Konzert, wie so oft in den letzten Tagen und Wochen. Falls es eine Krise in der Musikbranche geben sollte, will ich nicht wissen, wie es bei einem Boom zugehen würde. Vermutlich müssten dann alle Mitbürger ihre Wohnzimmer für Konzerte zur Verfügung stellen...
Nachdem Yoav gepflegt gelangweilt hatte, ging es gegen 21 Ihr mit Sarah los. Sie betrat die Bühne, aber ein großer Teil meiner Mitbürger blieb auf dem Boden sitzen. Eine Unsitte, die immer stärker grassiert. Sarko sollte mal Bullen vorbeischicken (ganz scharfe Hunde bitte!) und die Sitzblockierer raustragen lassen, damit hier mal wieder Zucht und Ordnung herrscht! Waren wir hier etwa in einer marokkanischen Teestube? Nein, der Laden nennt sich doch schon dem Namen nach Tanzkaffee, verflucht noch mal!
Sarah Blasko hatte ich dieses Jahr schon einmal gesehen und zwar in der Maroquinerie. Damals war ich hinterher aber nicht unbedingt aus dem Häuschen. Die Gründe hierfür waren schnell gefunden. Die Australierin wirkte ein wenig streng, kühl und unnahbar. Das war auch heute über weite Strecken nicht großartig anders, aber dennoch fand ich deutlich mehr Gefallen an ihrem Set als noch vor 8 Monaten. Von Stück zu Stück ließ ich mich mehr auf die feste, rauchige Stimme der Australierin ein und konnte auch den perfekt ausgeklügelten Arrangements so einiges abgewinnen. Man muss einfach neidlos anerkennen, daß diese Skandavier hervorragende Musiker sind. Sie verspielen sich selten bis nie, kommen nicht aus dem Takt und sind in der Lage, live das Album fast wie auf Platte nachzuspielen. Eine besonders gute Figur machte der Gitarrist, der spielend und scheinbar mühelos von der Akustischen zur Elektrischen wechselte, sich dann auch mal ein Banjo umschnallte, im Stehen trommelte und auch in einer Szene am Piano zum Einsatz kam. Er lieferte eine tadellose Performance ab. Sarah Blasko selbst zeigte stimmlich ebenfalls keinerlei Schwächen. Ihr jazzig angehauchter Gesang bewegte sich durchweg auf sehr hohem Niveau, war jederzeit stabil und sicher und drohte ihr nie zu entgleiten. Eine Ausnahmesängerin, die auch starkes Songmaterial zu präsentieren hatte. Hits gab es reichlich, sie hießen All I Want, We Won't Run oder Bird On A Wire.No Turning Back gegen Ende klang volles Rohr nach My Man My Moon von Feist, aber das fiel nicht sonderlich ins Gewicht, weil es heutzutage kaum noch Künstler gibt, die einen nicht an irgendeinen anderen erinnern. Oder vielleicht höre ich einfach zu viel Musik, das kann auch sein.
Zumindest mit Olivia Newton-John hat Sarah Blasko nicht viel gemeinsam, lässt man mal die australische Herkunft bei Seite. Deshalb klang Blaskos Cover von Xanadu, das als erste Zugabe kam, auch (glücklicherweise ) nicht sonderlich stark nach dem Original, sondern eher nach einem Song aus dem Repertoire von Sarah. Anschließend dann noch ein gehauchtes Night and Day und die Schwedin....ähh, Australierin natürlich!, verließ sichtlich gerührt die Bühne. Wie schön ihre Augen dabei glänzten. Hach!
Konzert: Sydney Wayser & The Tiny & Sarah Blasko, Festival les femmes s'en mêlent Ort: La Maroquinerie Datum: 01.04.2010 Zuschauer: recht gut besuchte, aber nicht ausverkaufte Veranstaltung
Jede Menge Frauen heute auf der Bühne der Maroquinerie. Kein Wunder, denn es handelte sich ja auch um eine Veranstaltung im Rahmen des Festivals les femmes s'en mêlent (das im übrigen auch in Berlin stattfindet), bei dem der Fokus auf weiblichen Künstlern liegt. Die Organisatoren und vor allem der Programmgestalter Stéphane Amiel (auf dem Foto) haben es erneut geschafft, ein buntes, abwechslunsgreiches Programm auf die Beine zu stellen und so feine Künstlerinnen wie Soap & Skin, (Foto unten) Olöf Arnalds, Jesca Hoop, John & Jehn, oder auch LoneLady und Jessie Evans für die diesjährige Ausgabe zu verpflichten. Auffällig war in diesem Jahr, daß man bei etlichen Musikerinnen im Programmheft als Beschreibung lesen konnte: "klingt ein wenig nach Björk oder Kate Bush." So zum Beispiel bei der Kanadierin Kyrie Kristmanson, der Isländerin Ölöf Arnalds, bei VUK (Finnland/USA) und auch bei zwei der heutigen Sängerinnen passte der Björk/Kate Bush - Vergleich ziemlich gut und zwar bei Ellekari Larsson von The Tiny und der Australierin Sarah Blasko.
Die einzelnen Konzerte im Kurzüberblick:
Sydney Wayser: Die lebenslustige Blondine mit den strahlenden blauen Augen gefiel mir am heutigen Abend mit Abstand am Besten. Allein schon mit ihrer samtweichen, ganz leicht souligen Stimme konnte sie mächtig punkten. Vergleichbare Musikerinnen sind mit Cat Power, Alela Diane, Feist, Bosque Brown oder vor allem Regina Spektor schnell gefunden, aber es kann gar nicht genug melancholische Sängerinnen mit zartschmelzender Stimme geben. Hinzu kam ihre fröhliche und offene Art und ein Gitarrist, der das Pianospiel der New Yorkerin wunderbar begleitete. Die junge Frau hat zwei Alben veröffentlicht, zuletzt das Werk The Colorful, auf dem auch solch herrliche Seelentröster wie Bells, oder Lullaby zu finden sind. Am Ende gab es dann mit Would't It Be Nice auch noch ein gelungenes Cover der Beach Boys auf der Ukulele und ein strahlendes Lächeln zum Abschied. Eine tolle Entdeckung, die ich demnächst bei einem Wohnzimmerkonzert wiedersehen werde. Nicht bei mir allerdings...
The Tiny: Nach wie vor recht wenig kann ich hingegen mit den Schweden The Tiny anfangen. Ellekari Larsson und ihr Lover Leo Svensson (ein gegensätzliches Paar, zumindest optisch) spielen melodramatische Songs im Stile von Björk oder Kate Bush und viele lieben diese Tränendrüsendrücker, zu denen man herrlich in sein Tempotaschentuch flennen könnte, aber irgendwie wirkt die Rezeptur bei mir nicht richtig. "I could not stand losing you" wimmerte Ellekari bei Last Weekend und manche hatten sicherlich einen Klos im Hals, aber ich schaute ob soviel Herzschmerzes lediglich auf meine Uhr. Und wer findet noch, daß Ellekari manchmal ein bißchen nach Bonnie Tyler klingt, wenn ihr Kehlchen ins Rauchige abdriftet? Zugegeben ein gemeiner Vergleich!
Aber ganz egal was ich hier schreibe, das Publikum in der Maroquinerie spendete jedenfalls langanhaltenden Applaus, worauf die Sängerin sehr gerührt reagierte. Warum sie bloß so traurig ist?
Sarah Blasko: Sarah Blasko sei in ihrer Heimat Australien ein richtiger Star hörte man im Vorfeld aus vielen gutinformierten Mündern. Aber was heißt das schon? Gestern habe ich in der Bildzeitung gelsen, Thomas Anders sei in Russland ein Star. Siehste mal! Gut, Russen haben keinen Musikgeschmack, ist schon klar, aber ist das bei den Australiern anders? Aus dem Land der Känguruhs kommen Spitzenmusiker wie Nick Cave, aber auch Plastikprodukte wie Kylie Minogue, daraus kann man also noch keine Schlüsse ziehen. Sarah Blasko ist hübscher als Kylie (will heißen : natürlicher und nicht so aufgebrezelt), aber nicht so genial wie Nick Cave. Ihre eigentlich recht düsteren Songs klingen irgendwie manchmal als seien sie fürs Radio gemacht. Vor allem aber: ihr Sound ist sehr schwedisch! Kein Wunder, schließlich saß beim letzten Album Björn Yttling an den Reglern. Genau wie bei Anna Ternheim also. Letztlich kann man durchaus behaupten: Wer auf Anna Ternheim und Emiliana Torrini steht, dürfte auch an Sarah Blasko seine Freude haben. Eingefleischte Folkfans werden hingegen den fehlenden Tiefgang und die recht starke Instrumentierung bemängeln.
Setlist Sydney Wayser, La Maroquinerie, Paris:
01: Hymn 02: Atlas 03: Banjo Bayou 04: Lullaby 05: Dirty Work 06: This One Goes Out To Ethan Hawke 07: Bells 08: La Di Da 09: Wouldn't It Be Nice (Beach Boys Cover)
Setlist Sarah Blasko, La Maroquinerie, Paris:
01: Down On Love 02: Bird On A Wire 03: Hold On My Heart 04: Lost & Defeated 05: Over & Over 06: We Wont Run 07: Sleeper Awake 08: I Never Knew 09: Is My Baby Yours 10: Seems Like Old Times 11: All I Want 12: No Turning Back
Anmerkung: Aus Versehen habe ich all meine Fotos dieser hübschen Damen gelöscht. Mist! C'est la vie! Vielleicht leihen mir andere ihre Bildchen aus...
Links:
- zwei sehr schöne Akustikvideos (deux très belles vidéos acoustiques) von Sarah Blasko gibt es bei Le hiboo-com. Klick! - auch bei Soul-Kitchen.fr findet man tolle Fotos und Akustikessions mir Sarah Blasko, klick! - Chroniques et belles photos de cette soirée sur sk, soulkitchen
Ausgewählte Konzerttermine von Sarah Blasko (Ohne Gewähr):
20.04.2010: Die Werkstatt, Köln 21.04.2010: Ampere, München 22.04.2010: Frannz Club, Berlin 26.04.2010: Kauflueten, Zürich 26.05.2010: Trabendo, Paris (Support The Temper Trap) 27.05.2010: Mekweg, Amsterdam (Support The Temper Trap)
Ausgewählte Konzerttermine Sydney Wayser (Ohne Gewähr):
10. 04.2010: Private Home Show, Paris 16.04.2010: Bang Bang Club, Berlin
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