Posts mit dem Label Orange Blossom Special werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Orange Blossom Special werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 28. Mai 2018

OBS - Orange Blossom Festival 2018, Beverungen,

0 Kommentare

Konzert: OBS22
Ort: Beverungen
Datum: 18.05.-20.05.2018
Dauer: 3 Tage
Zuschauer: ausverkauft


46 Minuten.



46 Minuten dauerte es. Dann kam „Sold Out“. Nix, kein Vor, kein Zurück. Wer nicht zum Zuge kam, frage bereits nach wenigen Minuten nach irgendeiner Möglichkeit um noch an Karten zu kommen. Bei dem eher knapp gehaltenen Kartenkontingent blieb erfahrungsgemäß kaum Bewegung.

Seit dem großartigen OBS 15 gab es meines Empfindens kein so grandioses LineUp wie in diesem Jahr. Natürlich war jedes Jahr für sich ein Herausragendes und stets war das OBS mit das Beste was der Festivalsommer überhaupt bieten konnte. Rembert und Crew sei‘s gedankt! 

Aber dieses Mal fügten sich anscheinend wieder einmal des Bookers glückliches Händchen mit des Künstler kongenialer Lust am Auftritt zu einem kaum zu überbietenden Klanggemälde. Anders ist dieses LineUp nicht zu erklären. Und dann startet ein Festival bei dem auch sagenhaft viele erwartungsfröhliche und freundlichen Fahrgemeinschaften zwischen Eltern und ihren Kindern gebildet werden. Hier kommen die Generationen wieder zusammen. 

Und in diesem Jahr gelang der Altersklassenbogen so exakt zwischen Casper, Giant Rooks und Sophia und Mitnight Choir verbindend, dass kein Auge trocken blieb. Und es lief und lief... 

Die erwähnten 46 Minuten reichten allerdings auch aus um eine gewisse Grundpanik auszulösen. Also wurde direkt mal die Anreise stracks um drei Tage vorverlegt, aus Sorge es würde keinen Stellplatz für das rollende Bett mehr geben. Und so wurde zwischen Kornlastern "Am Weseranger" die Base eingerichtet und sollte erst am Pfingstmontag wieder geräumt werden. 

Die Anrainer namens gelassen. Tim Vantol - Der junge sympathische Holländer eröffnet mit besten Singer-Songwriter Gaben und einer fantastisch reibenden Stimme das OBS22 und gleichsam einen Festivalfreitag der keine, aber auch wirklich keine kleine Pause zulassen wird. Erst gegen 24:00 Uhr werden die Regler aus nachbarschaftlicher Rücksicht heruntergefahren.

Ein Gefühl vom Zuhausigkeit (Danke Nillson!) stellt sich ein. Love! Dawn Brothers - Wundervoll, Wundervoll, Wundervoll! Die aus Rotterdam angereisten Brüder im Geiste spielen besten besten Retrorock im Stile der 60iger und 70iger. 



Fortuna Ehrenfeld - Martin Bechler wird seit geraumer Zeit als einer der derzeit wichtigsten deutschen Songwriter gehandelt und damit fast geadelt. Ein bisschen schade, das „nur“ die kleine, aber wundervoll hergerichtete Minibühne für die Kölner Band, dafür aber für zwei Sets, geöffnet wurde. Da geht noch mehr! Darüber täuscht auch das wie immer etwas schräge Outfit Bechlers im karierten Schlafanzug mit Federboa und Bärentatzenfellpüschel an den Füßen nicht hinweg.

Wer sich nicht davon ablenken lässt, bekommt feinstes Textgeschmeide auf die Ohren und darf wegen der Minibühne ganz dicht dran sein. Alles richtig gemacht! 

D/Troit - Seit Jake and Elwood kam mir nur noch mit St.Paul and the Broken Bones auf einem der zurückliegenden hpf ein derartig souliger Funk um die Ecke gefegt. Herrlich analog diese Dänen! EF - Ich war schon ein wenig enttäuscht, diese Band schon am Freitag hören zu dürfen. Sie war eigentlich eine Band für den sonntäglichen sphärischen Abschluss mit dem alle übersprudelnd glückselig nach Hause geschickt werden. 

Aber der Sonntag Abend war mehr als würdig belegt und so bereitete EF den Boden für den Freitagabend-Abschluss, wiegte den geneigten Zuhörer in Sicherheit und fesselte ihn wie ein Rudel Sirenen das Seefahrer anlockt. Hut ab vor der Platzierung im LineUp.



Casper - Welch eine Grenzgängernummer! Es zollt von Mut, diesen Auftritt, der nun wirklich zu groß wirkt für diese wunderbare Bühne, zu ermöglichen. Casper, dieser rauhstimmige Indie Rapper, bemühte sich dabei redlich um die Gunst aller Anwesenden. Und irgendwie gab es davon auch auch mehr als sonst und dass obwohl es erstmals wieder keine Freitagabendtickets gab. Eine bewusste OBS Entscheidung.

Die Bühne in dicksten Nebel gehüllt, wurden die Akkorde aus vollem Lauf über den Platz gefegt. Die OBS Massen waren bis auf wenige Ausnahmen gebannt und doch breitete sich eine merkwürdige Grundaggression aus, die ich so noch erlebt habe und eigentlich auch nicht brauche. Wie gesagt - ein Grenzgang!

Irgendwie war die folgende Nacht kurz und alles andere als trocken geblieben. Aber die Erwartung an einen herausragenden Samstag mit ansteigender musikalischer Kurve lässt keinen lange zurück. Ida Mae - was für ein geiler Auftakt für einen ansonsten kühlen Samstag. 

Wer Kill it Kid mochte, der kann an dieser Formation nicht vorbeikommen, auch wenn sich Stephanie Jaen und Chris Turpin eher an die Ursprünge zurückarbeiten. Folkig, warmherzig und umgarnend kommt ein einprägsamer Sound daher. Und dabei sind sie auch noch ausgesprochen attraktiv. Wer nun ins Träumen gerät, der wird durch den deutlichen Hinweis auf die kürzlich zurückliegende Hochzeit der Beiden schnell wieder geerdet. Egal, was bleibt ist die Musik! 

Me + Marie schienen mir anfänglich ein wenig zurückhaltend und kontrolliert. So sind sie halt, die Schweizer. Doch dann arbeitet das Duo+ ihre Songs hervor und wirkte dann so gar nicht mehr so Schweiz, eher München (hier leben Sie mittlerweile) oder Berlin (Studio Alex Prave). Indie-Folk geprägt vom Wollen und Können. Zudem auch mal in Rätoromanisch. Es wird nicht mein letztes Konzert sein.

C.Heiland - Mit frechem staubtrockenem Humor eroberter dieser Typ am Samstag die Minibühne und das dortige Umland. Psychiatrie, Sambazug nach Kiel, Lehrer- und Tierpflegerinnenwitze ließen die Umbaupausen zweimalig zwerchfellbelastend überstehen. Herausragend! 

Schreng Schreng & La La - der Anwalt und sein Esel, Lasse Paulus und Jörkk Mechenbier rütteln mit Ihrem Akustik-Post-Pank seit 2007 an den geneigten Ohren. Während Lasse für die Gitarren zuständig ist, kann Jörkks Gesang sanfter als bei seinem eher wütenden Vocals bei Love A überzeugen. Es macht schon Spass den beiden zuzuhören, die zwischendurch auch immer mal wieder Zeit haben, sich von einjährigen Pampifutts das Plec ins Schallloch werfen zu lassen. 

Und dann Afterpartees - was passiert sonst wohl auf Afterpartees? Richtig! Es ist laut, feucht-fröhlich und endlos andauernd! Wer hier nix verkippt, hatte es schon an den Ohren! Blind Butcher - Ein völlig durchgeknalltes, diskokugelsprengendes und bestmögliche Minibühnenpräsens zeigende GarageGlitterRockCombo. Druckvoll, laut und buntschrill! Selbst das schicke Grauzonen-Cover passte herausragend und überraschte.



Intergalactic Lovers - Meine persönliche Freude, diese wunderbare Band auf der OBS Bühne wiederzuhören. Die charismatische Lara Chedraoui und ihre Band aus Belgien schafft besten Indie-Rock in einprägsamen Lines und einer Stimme. Wow! 



Scott Mattews - Wer es schafft mittels Ukulele akustisch Culture Clubs 82‘ Jahre Song "Do You Really Want to Hurt Me" so in einen Slow Flow zu schießen, dass man gefühlt jeden Moment rechts oder links sitzend von der Festzeltgarnitur kippen könnte, dem gebührt allergrößter Respekt. Natürlich kann der musikalisch Tiefenentspannte nicht nur Cover ummünzen, aber eben auch. Dance With Somebody! 



Giant Rooks - Was soll hier noch geschrieben über die vlt. wichtigste deutsche Band ihres Genres. Alles ist in den letzten Monaten geschrieben und gesagt worden. Die Hallen sind ausverkauft, egal ob auf dem Festland oder der Insel. Und auch große Festivals machen den sympathischen Jungs aus Hamm in Westfalen nur noch kurzzeitig weiche Knie. Ein sauber gespieltes Set, gewachsene Stimme und Spaß, Spaß, Spaß am OBS, welches schon so oft zuvor besucht wurde. Man ist quasi hier aufgewachsen. 



Sophia - Wer hier nicht wollte, selber schuld. Robin Proper Shepert zog an und nahm die Wiese mit Sturm und Drang. Und obwohl Sophia das erste Mal live und in düster das OBS beehrten, so gibt es scheinbar eine ewig währende Verbindung.

Der täglich eingespielte OBS Trailer aus „Absolute Giganten“ in dem Frank Giering, alias "Floyd" vor dem Sound von Sophia‘s „Reprise“ über die nie enden dürfende Musik philosophiert, schuf eine nicht mehr enden wollende Liebe, die in dem heroisch andauernden Extro ihren ultimativen Höhepunkt fand. Wer das erleben durfte, geht gestählt in das kommende Jahr.

Der alljährliche pfingstsonntägliche Suprice Act blieb bis kurz vor Beginn in frühmorgendlicher Stunde das bestgehütete Geheimnis des OBS. Eine Handvoll Eingeweihte gaben nichts Preis, sondern im Gegenteil, sie legten falsche Fährten, beschrieben u.a. eine notwendige Visabeschaffung in der internen ToDo Liste und am Set wurden nur abgeklebte Transportboxen angeliefert. 

Die vorabendlichen Spekulationen umfassten auch diese Band. Aber gefühlt war der Wunsch der Vater des Gedanken. Doch dann passierte es. Mit Kettcar betrat eine der wichtigsten deutschsprachigen Bands die Bühne und feierte die morgendliche Gemeinde! 

Mit Donovan Woods betrat ein tiefenentspannt wirkender Kanadier die Bühne, der zu keiner Zeit den Anschein machte, das eben Dargebotene toppen zu müssen. Ruhig und gelassen bespielte Woods ein unaufdringlich eindringliches Americana Set. Vergleiche mit den großartigen Bear’s Den drängen sich auf. Ein Genuss! 

Mit Daily Thompson stürmte ein Trio aus Dortmund die Bühne und wollte sie eigentlich so gar nicht mehr hergeben. Die Grunge-Garage-Indierock Formation setzt Zeichen und haute raus was es mitgebracht hat. Krachend!

Steiner & Madlaina - Und damit bekamen wir etwas herausragend feines und liebevolle arrangiertes auf die Ohren. Nora Steiner und Madlaina Pollina fanden sich auf einem Züricher Pausenhof. Langjährig vertraut als Duo, dem eine komplette Band aber auch sehr gut steht. Das Duo überzeugt auf der ganzen Länge. Und ja, wir verweisen kurz auf die familiäre frühkindliche Erziehung im Hause Pollina und den beiden musikalisch wohlgeraten Kindern, schon der Bruder gastierte im vergangenen Jahr auf der OBS Bühne. Dies aber nur fürs Nebenbei. 

Denn die beiden bislang erschienen EP’s sollten in keiner Liste fehlen und September 2018 erscheint dann bei Glitterhouse die erste CD. 

Eine Lesung nach 10 Bechern Industriebier? Kann man machen wenn, ja wenn es Linus Volkman ist, früherer Werktätiger bei Intro, heute nur Lesender „...im Dorf, dass niemals aufwacht...“ (Beverungen) über Festival und natürlich über kleine und größere Probleme bei selbigen. 

Und eigentlich hat er ja gar keinen Bock auf Festivals zu lesen. Danke dafür und für den Spaß auf allen Seiten! Was dann kam, kam als vorweg genommener Abriss. White Wine! Wer auf sommerlaue Stimmung mit einem Gläschen Traminer aus war, tja der hatte Pech! Dreck und Schwefel! Aber was der US-Musiker und Wahl-Leipziger Joe Heager mit seinen Mannen Fritz Brückner und Christian „Kirmes“ Kuhr darbot, firmiert unter Noise Pop vom Feinsten und eröffnet die Apokalypse im Glitterhouse Garten.

Da werden Fotografen im Graben nieder gerungen (Wolfgang hat es aber wieder auf die Beine geschafft) und das Mikro im Rasen verbuddelt. Ein Gerenne und Gepoge und dazwischen immer wieder Einspielungen mittels Fagott. Grandioses Kino und man selbst sollte stets auf etwas Abstand bleiben. 



Olli Schulz - Gewohnt flachsig mit leicht arrogantem Einschlag aber gefühlvollem Textinterieur welches sich in divers verkündeten (Lebens)weisheiten äußerte. Der aus Funk und Fernsehen bekannte liedermachende Entertainer weiß zu überzeugen. Bis zum ersten Akkord an der Fluppe saugend, sitzend und lächelnd, während um ihn herum in den Vorbereitungen gewühlt wurde. 

„Du bist eben so lange einsam bis du es lernst allein zu sein.“ Mit Kat Frankie in der Combo verstärkt, liefert Olli ein famoses Set ab, der vielfache Confettiregen lieferte den Glamour. 

Boy Division - die best gekleidete Coverband ever, waren mit ihrem Walking Acoustic Set dreimal am Sonntag unterwegs. Während im Publikum und am MeetAndGreet der großartigen Roadtracks noch alles passte, kippte Olli beim letzten Set fast vornüber von der Ministage und auch die Textsicherheit war dahin. Kurz zuvor hatte ihn eine ungefähr 5jährige mit MickyMäusen gut behütet auf den Ohren, derart aus dem Konzept geworfen, dass auch mit einer größeren Tröte nix mehr zu reißen war. Ein elend geiler Spaß!



Midnight Choir - das letzte Konzert vor ihrer damaligen Auflösung spielte die Band außerhalb Norwegens auf dem OBS. Und das erste Konzert nach ihrer Reunion spielen sie? Richtig! Auf dem OBS22. Und das noch als absolutes Finale, als Höhepunkt und als Abschluss eines grandiosen Festivals. So schließen sich Kreise. 

Und genau das war es was alle wollten und bekommen haben. Das beste kleine Festival, ein Riesenspass. Ihr OBS Macher, ihr seid schon sehr geil!

Auf die kommenden 46 Minuten.

Foto und Text: Denis Schinner by desc-photography Noch mehr Foto: bald auf www.desc-photography.com


Samstag, 10. Juni 2017

Orange Blossom Special 2017, Beverungen,

0 Kommentare

Konzert: Orange Blossom Special 2017
Ort: Beverungen
Datum: 02.-04.06.2017
Dauer: 3 Tage
Zuschauer: voller Garten-ausverkauft


Was ist nicht schon alles geschrieben worden über das "beste kleine Open-Air Festival der Welt" (Rolling Stone), bei dem man "Fehler und Verbesserungspotential...mit der Lupe suchen muss, um überhaupt etwas zu finden" (Intro). 



Und was soll ich sagen - alles ist wahr! In Beverungen, im wunderschönen Weserbergland in der Mitte Deutschlands, dort, wo Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Hessen aufeinander treffen, trifft sich seit nunmehr 21 Jahren im Garten von Glitterhouse Records eine treue Fangemeinde und (neu)gierige Genießer zu einem musikalisch auserlesenem Finish.

Die Karten sind alljährlich nach Verkaufsstart innerhalb weniger Stunden vergriffen und Glück wird dann nicht selten an der erfolgreichen Bankabbuchung gemessen. 

Auch im siebten Jahr beteiligte sich meine halbe Familie am Run auf die Karten. Und als wäre es das selbstverständlichste überhaupt, passiert dies ohne jegliche Kenntnis des kommenden Line-Ups`s. Es bleibt so also auch immer etwas überraschendes und Besonderes! 

Eine wirkliche Enttäuschung habe ich in den zurückliegenden sieben Jahren noch nie erlebt. Da scheinen also Menschen mit musikalischem Verstand und jeder Menge Menge Herzblut zu wirken, und ich liebe es so mit Profis zu arbeiten! 

Aber nicht nur die Organisatoren des OBS, Mitbegründer "Rembert" und die emsige OBS Crew bescheren den Besuchern ein phantastisches Wochenende, es ist wie so oft in so kleinen beschaulichen Gemeinden - der halbe Ort ist involviert. 

Das Rahmenprogramm, vom Lauftreff bis hin zu den Aftershow´s im Saloon, im "Marleys" oder ganz besonders im "Stadtkrug" ist herzlichst einladend. Einzelhändler verschwören sich zu OBS Preisrabatten und die kulinarische Versorgung war nur noch lecker. 

Während am Anfang vor 21 Jahren noch eine Grillparty stand, kann der geneigte Besucher inzwischen auf dem Festivalgelände verteilten Leckereien aus aller Herrgottländer wählen. Traditionell wird aber die Mini-Calzone gereicht. Mit dem neapolitanischen Original hat diese Festival-Spezialversion nichts mehr gemeinsam und ist schon gar nix für Punktezähler...

Die kurzen Nächte verbringt die Mehrzahl der Musikliebhaber im Zelt einen Steinwurf vom Festivalgelände entfernt, direkt am Weserufer. Wem diese jugendorientierte Schlafsackaktion zu anstrengend ist, darf sich in einem eher beruhigten Bereich einrichten oder gleich auf das eigene Wohnmobil oder Wohnwagen und auf die doch ausreichend vorhandenen Stellplätze ausweichen.

Mein diesjähriges OBS beginnt allerdings mit der größtmöglichen Katastrophe ever! Meine Frau und ich im WoMo irgendwo auf der Bahn und - unsere Karten zu Hause. Dem ersten Anflug von Panik folgte ein Anruf beim Sohn. Dieser war noch am packen fürs OBS (Die Jugend hat halt die Ruhe weg!) und die Karten wurden quasi ein zweites Mal geliefert.

Im Kreis der Erwartungsvollen hieß es entrüstet: "Karten vergessen? Alles kann man(n) vergessen, Wohnwagen, Wohnmobil, Angehörige, aber nicht die Festivalkarten!" Danke Roland, für diese aufbauenden Zeilen. 

Und so verstrich die Eröffnung des "besten kleinen Open-Air Festivals der Welt" mit Remberts "Ihr Lieben!" und den Lyrics "...Es müsste immer Musik da sein. Bei allem was du machst..." (Absolute Giganten) ohne mich. Wenn man aber dabei ist, lässt sich ein Festival eigentlich schöner eröffnen?

Das diesjährige LineUp war herausragend. Der Freitag hielt für mich nach dem verpassten Einstieg mit "The Builders & The Butchers" (USA) und "Steve Waitt" (USA) noch "Odd Couple" (D), "Louis Berry" (UK) und "OVE" (D) bereit. Während "ODD Couple" die Bühne noch dezibelgeschwängert Rock`n`Rollt, schafft "Louis Berry" mit eindringlichem Sound und Stimme kraftvoll einen irgendwie gelingenden Übergang zu "AMK".

Henning, Severin, Christopher und Malte von "Annenmaykantereit"  haben sich wohl irgendwie verliebt in diese Bühne. Diese Bühne, die mit schönstem Kronleuchter und in bordeauxrotem Samt eingeschlagen einfach nur da ist, als wäre es das Normalste dieser (Musik)Welt und in dieses Publikum, welches (fast) immer dem Motto folgt "Reden ist hinten! Schweigen ist vorn!



"AMK" selbst wollten diesen dritten Gig, bevor sie zum "RaR" weiterreisten. Es ginge also auch anders. Aber dieser Garten, diese Bühne und dieses Publikum.... Dennoch bleibt ein Haar in der Suppe. Wer "AMK" in den letzten Jahren aus nah und fern im Blick und im Ohr hatte, der würde sich mittlerweile etwas mehr wünschen, als professionell neu arrangierte "alte" Songs. Wenngleich es doch ein Genuss war! 

Eine der absoluten Überraschungen waren am Samstag auf der Bühne. "Wayne Graham" (USA). Bester entspannt fußwippender Alt-Country. Mit "Christine Owman" (S) konnte man eintauchen in das eigene düstere Psychedelic-Kopfkino. Sehr fein! 

Über "John Blek & The Rats" (IRL) und Messer, einem wahren Soundkraftpaket näherte sich "Moddi". Der Norweger erhebt mit seinem Konzeptalbum "Unsongs" zensierte Künstler. Leben einhauchende Arrangements für in ihren Heimatländern verbotene Lieder u.a. von "Kate Bush", "Vikto Jara" oder den "Pussy Riot`s" machen das Album äußerst hörenswert. 

Auf der Publikumsbühne traf mit "Jörkk Mechenbier" (Love A) und "Lasse Paulus" das Akustik-Punk-Duo "Schreng Schreng & La La" den richtigen Nerv. Jörkk: "Und ich Weiß auch, dass niemand, wirklich niemand, ein weiteres Duo alternder Punkrocker braucht..." Zwei Alben später wissen alle, was wir brauchen: den Esel und seinen Anwalt.

Eine wirkliche geile Show liefern die Finnen von "Teksi-TV 666". Wahnsinn! Für mich das Konzert, was unglaublich Spaß gemacht hat und jeden Fotografen nur noch draufhalten lies. Hier stand nichts mehr still.

Normalerweise mit sechs Gitarren auf der Bühne statt "nur" mit fünf, lässt erahnen was auf der Bühne los war. Und dann stimmte "Wintersleep" das geneigte Publikum mit tragend dynamischem Indie-Rock ein, auf dass was in den letzten Jahren zu einem absoluten Topact gereift ist: "Blaudzun" (NL) alias "Johannes Sigmond", den charismatischen Frontman der Formation fängt sein Publikum mit den ersten Riff ein und entlässt es erst mit dem Schlussakkord aus seinen Fängen. 



Komplexe Kompositionen mit einer instrumentalen Bandbreite gehüllt in stimmungsvolles Licht, der eigentlich schon zu klein gewordenen wunderschönen OBS-Bühne, lassen die ein oder andere Träne verdrücken.

Herrlich war`s! Nachdem der Samstag gerade erst verklungen ist, kündigt sich der Sonntag mit einem Surprise Act der Sonderklasse an, zu einem grandiosen Festivaltag zu werden. Mit "The Dead South" betritt die kanadische Bluegrass/-Folkband den Festivalplatz. Wer diese Combo im vergangenen Jahr verpasst hat, darf sich zu Recht ärgern. 

Ein Trost bleibt - er hat "The Dead South" vielleicht schon im Vorjahr auf dem OBS hören und umjubeln dürfen. Auch "Desoto Caucus" (DK) sind im Glitterhouse Garten keine unbekannten und liefern eine wirklich grundsolide und bindende Performance mit ihrer groovenden Mixtur aus Indie, Country und Amerikana. 



Was sich anschloss, war eine ganz heikle Kiste. Mit geschlossenen Augen dem wirklich guten Folk lauschend, malt man sich den Typen aus, der diese tiefgehenden Texte zelebriert. Und dann öffnest du die Augen und siehst den fast blutjungen Schweizer "Faber". 

Und du denkst dir - What the f***? Aber was steht auf seiner Webseite "..die jungen Alten sind natürlich die besten Alten, die wir haben." Sei ein "Faber" im Wind. Auf der "Publikumsbühne" schickt sich eine junge Band aus Hamm in NRW an, eine ganz große Fangemeinde hinter sich und vor der Bühne zu versammeln. 

Die 2014 gegründet Band gewann 2016 den vom "NRW KULTURsekretariat "gestifteten "popNRW-Preis" in der Kategorie Newcomer. Finn T., Jonathan, Luca, Finn S. und ihr Frontmann Frederick sind allesamt noch so jung und haben in Ihrer Musik bereits eine Reife entwickeln können, dass einem schnell der Gedanke kommt, was mag da noch alles entstehen. 



Die Band steht mit Haldern Pop Recordings bei einem Independent Label unter Vertrag, das für seinen feinen Instinkt und einer den Künster sehr wertschätzenden Förderung auszeichnet. Wer im Glitterhouse Garten steht, kann verstehen was ich meine.



Eine Geschichte am Rande. Vor einigen Jahren ersteigerte ein Paar eine Snaredrum, damals signiert von allen beim OBS aufgetretenen Künstlern, bei der alljährlichen Versteigerung zu Gunsten von Viva con Aqua Hamburg. Auf die Fragen von Rembert für wen Sie diese Snare ersteigert hätte, bekam er als Antwort: "Für unseren Sohn". Er macht auch Musik. 

Rembert dazu: Wer weiß, vielleicht spielt er ja auch mal hier... Die Ersteigerer waren die Eltern von "Giant Rooks" Frontman Frederick. So schließt sich der Kreis. 



"Julia Jacklin" (AUS) scheint sich gerade zu einem Liebling, nicht nur der Musikpresse zu entwickeln. Ein erstes Album und das Publikum hängt dem Sound hinterher. Das wird was! Mit "HEIM" wird aus dem OBS Garten kurzzeitig Palm Beach. Mit dem Ort des Titel dieser Platte hat die Musik von "HEIM" irgendwie aber so gar nichts gemein.

Sentimentaler Rock mit brutalem Lärm gemixt. Nix für schwache Nerven und wer den sich annähernden OBS Höhepunkt herbeisehnt darf mit zarten Melodien gemixt aus athmosphärischen Gitarrenklängen, Streichern, Synthesizer und Samples von "Yes We Mystic" (CAN) wieder ein wenig runterfahren bevor mit "Immanu El" (S) das Festival ausklingen musste.

Mit schwelgenden Dream Pop schloss das Line-Up des OPS 2017. Es war episch und ein wenig fühlte man mit dem diesjährigen OBS Maskottchen.

Etwas desolat, schwimmender Blick, leicht sabbernd aus dem Mundwinkel aber noch gerade stehend um den Ausklang zu vernehmen "...Und an der Stelle, wo es am aller schönsten ist, da müsste die Platte springen und du hörst immer nur diesen einen Moment."

Danke, Danke, Danke und auf ein Neues in 2018! 

Bericht und Fotos von Denis Schinner 


Mittwoch, 27. Mai 2015

Orange Blossom Special 19, Beverungen, 22. bis 24.05.2015

1 Kommentare

Konzert: Orange Blossom Special 19
Ort: Beverungen, Ostwestfalen
Datum: 22. bis 24.05.2015
Dauer: 3 Tage
Zuschauer:ca. 2000 (ausverkauft)

von Claudia aus Stuttgart 


2005 bekommen Maggi, Pierce & E.J., eine völlig unbekannte Folkband aus Philadelphia einen Slot auf dem Orange Blossom Special Festival und haben auf der gleichen Tour, noch lange bevor Wohnzimmerkonzerte so schön populär wurden, Wohnzimmerkonzertpremiere in meinem Heim. Zu der Zeit war auch das OBS - zumindest mir - , trotz der damals schon 9. Auflage, kein Begriff, aber durch meine allerersten quasi wildfremden Wohnzimmergäste, die gekommen waren, weil sie die Amerikaner in Beverungen begeistert hatten, wurde mir schon vor 10 Jahren schnell klar, dass das Orange Blossom Special etwas für echte Liebhaber sein musste. Damals vielleicht noch nicht so ganz meine Musikliga, haben sich zwischenzeitlich unser beider musikalische Horizonte deutlich erweitert. Einige Stuttgarter Musikfreunde schwärmen in höchsten Tönen von „ihrem“ OBS und bekommen glänzende Augen, wenn sie davon berichten. Zeit sich also endlich mal mit eigenen Augen ein Bild zu machen.

Mit obligatorischer Campingausrüstung versehen, geht’s als OBS-Rookie über Pfingsten ins Weserbergland, in den Kreis Höxter, von dem ich an diesem Tag zum ersten Mal höre. Ein Kreis den keine bundesdeutsche Autobahn auch nur berührt. Schön ist es hier. Die Wege kurz. Das Campingareal wahnsinnig idyllisch direkt an der Weser gelegen. Duschen kann man zum Beispiel im Tennisheim, wo einem die akzeptable Anstehzeit durch Nutellabrötchen, Kaffee oder ein erstes Konterbier verkürzt wird. Familiär geht es zu auf dem Orange Blossom, auch im eigentlichen Wortsinn. Es ist ein Generationentreffen wie ich es noch auf keinem Festival erlebt habe. Kinderkopfhörer kann man sich ausleihen und selbst eine große Spielecke für die Kleinen ist eingerichtet. Auf dem Zeltplatz spielt uns des Nächtens ein bisher unentdecktes 19jähriges Songwritertalent seine Eigenkompositionen nebst ein paar coolen Ärztecovern vor. Dominik ist bereits zum dritten Mal auf dem OBS.  


So auch die beiden ebenfalls sehr jungen Mädels, die sich noch dazugesellen. Wir könnten theoretisch fast alle ihre Eltern sein. Aber auch Paare, die deutlich näher an unseren eigenen Eltern dran sind lassen sich nicht davon abbringen jedes Jahr erneut an die Weser zu kommen. Das ergibt tatsächlich eine perfekte Musikliebhabermischung, die vermutlich einmalig ist und die einen guten Teil des Charmes dieses Festivals ausmachen. Die musikalische Mischung ist auch in der Abfolge gelungen. Es ist ganz sicher für jeden etwas Ansprechendes dabei. Man merkt aber auch an jeder Stelle wie viel Liebe hinter der Organisation steckt. 



Seien es die jährlich wechselnden Maskottchen, das Motto und das neu vom lokalen Künstler gesprayte Bild am Geländeeingang, sei es bei den persönlichen Ansagen vor jeder Band, dem berühmtberüchtigten auf 3 Abende verteilt erzählten Witz von Macher Rembert Stiewe, den zum Teil an Bastelabenden vom OBS-Team gefertigten Merch für den guten Zweck, den Ladies vom Bäckerstand, der eine Wand des Gartens auskleidenden Bildergalerie und vielem mehr. An der langen Fotowand mit Bildern aus allen 18 Jahren OBS finde ich dann auch tatsächlich „meine“ amerikanische Band wieder.

Maggi beim OBS 9
Den sanften musikalischen Anfang machen am Freitagspätnachmittag Easy October aus Schweden mit hübschen folkpoppigen Songs. Klingt nicht schlecht, ist aber ein bisschen harmlos. Sie kriegen mich zu diesem Zeitpunkt im sonnigen Glitterhouse Garten nicht wirklich, aber sie bekommen nächste Woche in einem Stuttgarter Wohnzimmer auf jeden Fall nochmal eine Chance. Sollte deutlich besser funktionieren.

Easy October
Mit Tone Catalano und der zierlichen CC Spina aus San Diego betritt als nächstes Little Hurricane die Bühne. Die beiden spielen eigentlich recht klassischen Blues bzw. Rock und machen großen Spaß. Rotzige Männerstimme mit Dirtrockgitarre, perfekt - auch stimmlich - ergänzt vom Californiadarling an den Drums. Frau an den Drums reicht ja schon fast als Hinhörer.

Celeste Spina bei Little Hurricane

Schön krachig und noch etwas lauter wird es mit Money For Rope. Die fünf Jungs aus Melbourne, Australien haben gleich zwei Drumkits am Start und klingen live mit ihrem Garage Surfrock zehn Mal energetischer als mit ihren eigenen Studioversionen.

Money For Rope

Von den beiden Headlinern des ersten Abends bekomme ich nicht mehr sonderlich viel mit. Ausgesprochen nette Unterhaltungen und reichlich Bier drängen AnnenMayKantereit, bei denen ich mich sowieso wundere, warum sie ungelogen auf eigentlich jedem Festival dieses Jahr gebucht wurden und die zarten Klänge von Musée Méchanique in den Hintergrund.
 
Frontfrau Jessica Larabee von She Keeps Bees
Die rasenden Kopfschmerzen nach einer sehr frischen Zeltnacht an der Weser sind am nächsten Tag nicht ganz unbegründet. Da hilft auch der erste Kaffee zunächst wenig. She Keeps Bees, die ich im Herbst verpasst hatte, leisten mir Gesellschaft und sie machen das so gut, dass Müdigkeit und sonstige Nachwehen ziemlich schnell vergessen sind. Für viele sicherlich das Highlight des Festivals, trotz oder gerade auch wegen Jessica Larabees schrulligen Ansagen zu ungewaschenen Haaren und ausgehender Unterwäsche. Besonders beindruckend die beiden Lieder, bei denen sie ausschließlich mit Gesang beginnt und ganz langsam immer mehr Percussion dazukommt. Und dann bei weiteren Songs die dunklen, tiefen Töne auf der Gitarre, die zum Teil an eine Bassline erinnern. Alles eher reduziert, feines Singer/Songwriting. Erwähnenswert auch die Keyboard- und Gitarren- Liveunterstützung, des eigentlichen Duos aus Brooklyn durch eine recht aparte Französin, die wir letztes Jahr auf dem Maifeld Derby mit ihrem eigenen Projekt Scarlett O’Hanna lieben gelernt hatten. 
Scarlett O'Hanna als Unterstützung für She Keeps Bees
Die nachfolgenden Husky aus Australien hinterlassen dann keinen bleibenden Eindruck. Das nächste Brett gibt es von blutjungen Däninnen: Baby in Vain. Ob die überhaupt schon alt genug sind, um ein Bier zu trinken? Zornige Grungegitarren, spannender Noiserock am frühen Nachmittag.

Baby In Vain

Gleich viel melodischer und harmonischer wird’s mit den bärtigen Hosenträgerträgern aus dem Niemandsland in Kanada oder auch Regina, Sasketchewan namens The Dead South. Banjogeschwängerter moderner Blusgrass schallt durch den Garten und man muss einfach mitwippen.

The Dead South
Rocky Votolato hatte ich vor zwei Jahren nur aus der Ferne hören können, da die Parcour d’Amour-Bühne beim Maifeld Derby wegen Überfüllung geschlossen war. Ich hatte das etwas bedauert, weil sich die paar Takte, die ich damals mitgekommen habe so schön harmonisch klangen. Zu viel Harmonie wird aber auch ganz schnell langweilig und ein ganzes Konzert selbst mit Band hat mich eher weniger begeistert.

Rocky Votaolato
Auch die vielköpfigen East Camoron Folkcore zünden bei mir so gar nicht. Als es dann schon dunkel ist, gibt es wieder etwas für’s Gemüt. Ex-Madrugada Frontmann Sivert Høyem lässt seine epischen Folk- und Rocksongs mit seiner einmalig schönen Baritonstimme erklingen. Das passt ganz hervorragend und ist wunderschön. 

Sivert Høyem
Wohl seit einigen Jahren wird ein Überraschungsact ins Lineup aufgenommen und selbst enge Vertraute wissen zunächst tatsächlich nicht, um welche meist nicht völlig unbekannte, aber den Glitterhäuslern eng verbundene Band es sich handeln wird. Häufig kann man aber wohl schon vorher erahnen, wer es sein könnte, weil sich befreundete Musiker des Hauses auch nicht die ganze Zeit in der Glitterhouse Gründerzeitvilla versteckt halten wollen. So war mir am Samstagabend aus recht verlässlichen Quellen bereits zu Ohren gekommen, dass Gisbert zu Knyphausen mit der Kid Kopphausen Band den Sonntagsreigen eröffnen würde. Deutschsprachige Musik ist für mich immer eher eine Gradwanderung, wird schnell belanglos, zu befindlich, peinlich berührend und war schon häufig Diskussionsstoff ohne Einigungspotential. Ein echtes Highlight für mich am deutschen Plattenhimmel war vor bald 3 Jahren Kid Kopphausen. Ich hatte das immer mehr Nils Koppruch zugeschrieben, aber Gisbert zu Knyphausen schafft es auch alleine Schmunzeln und aufsteigende Tränen bei mir hervorzurufen. Vor ein paar Wochen beim Stuttgartkonzert waren die Neuarrangements der Lieder vielleicht noch zu ungewohnt, meine Stimmung wohl auch nicht ganz passend. Ich komme jedenfalls erstmal frischgeduscht und in der Erwartung nicht wirklich etwas zu verpassen ein wenig zu spät zur Matinee im Garten an. 11:50 h ist es da, brechend voll und mucksmäuschenstill. Gisbert und die hervorragende Band haben trotz der für Festivalverhältnisse frühen Stunde totale Lust zu spielen und die Bandarrangements sind beim zweiten Mal Hören großartig. Zum Teil scheinen ganz neue Lieder zu entstehen und für mich ergibt sich einer dieser magischen OBS-Momente, die sich schwer in Worte fassen lassen. "Lieben und lieben und lieben als wär’s das Leichteste der Welt!"
 
Gisbert zu Knyphausen
 Extrem charmant waren später noch Charity Children, ein neuseeländisches Pärchen, das seit einigen Jahren wohl überwiegend in Berlin lebt und dort von meinem Lieblingsradiosender Flux-FM auf der Straße entdeckt wurde. Zwischenzeitlich haben sie eine Multikultiband um sich geschart und setzen ihre hübschen Folksongs mit entsprechender Unterstützung großartig auf der Bühne um. 

Charity Children
Leider sind die Aufnahmefähigkeiten auch bei einem so angenehmen Festival wie dem OBS, bei dem man nicht von Stage zu Stage hetzen und sich im Zweifel sogar noch zwischen Band A und Sängerin B entscheiden muss, irgendwann erschöpft. Was aber neben Eisessen (sehr leckeres Demeterschafsmilchbauernhofeis), auf der Wiese lümmeln und sich dann doch nicht mehr für Festivalfood begeistern können von Sea Wolf noch bei mir ankommt, klingt so als sollte ich dringend darauf hoffen, sie bald mal wieder live sehen und hören zu können. Wunderbare, unaufgeregte mal ruhige folkigere mal rockigere Sounds der 5 Amerikaner mit der klaren Stimme eines Alex Brown Church sind es, die mich doch nebenbei noch ein wenig in den Bann ziehen können. 

Hätte ich mal lieber Kill It Kid ausgelassen. Wie unterschiedlich die Geschmäcker und Wahrnehmungen sein können zeigt sich als einer der Konzertkumpanen nach dem Auftritt vollkommen enthusiastisch zur etwas weiter hinten stehenden Freundesgruppe gesprungen kommt und sicher ist, dass man von dieser Band wirklich noch viel hören wird. Ich habe meine persönlichen Zweifel. Ich fand die Mischung zwischen simpel gestricktem Stadionrock, abwechselnd weiblicher und männlicher Stimme und ambitionierten Punkblues vollkommen unausgegoren und eher schlecht.



Aber ich wusste ja, dass The Slow Show, die die OBS-Macher ebenso wie ich letztes Jahr beim Haldern Pop entdeckt hatten, die mehr als perfekte Schlussband abgeben würden. Aufgeregt sind sie bei ihrem ersten Headline Slot auf einem Festival. Sänger Rob Goodwin mit seinem einnehmenden und unverkennbaren Bariton bedankt sich nach jedem Lied ausgesprochen demütig beim extrem aufmerksamen Publikum noch bevor die letzten Töne verklungen sind und Applaus einsetzen kann. Dabei machen sie ihre Sache hervorragend und die schönen, sich langsam steigernden Songs passen ganz wunderbar in die Nachtstimmung. Zum Abschluss ist es ein Leichtes den Glitterhouse Garten Chor zur Hookline des wunderbaren God Only Knows zu dirigieren: "Everybody's home ... now!" 

The Slow Show

OBS, es war mir ein Fest. Wir sehen uns bestimmt wieder. Und dann schaffe ich es auch zu den legendären Aftershowparties in den legendären Stadtkrug. Versprochen.

 

Konzerttagebuch © 2010

Blogger Templates by Splashy Templates